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yrrantw. Redakteurr «arl Schütter für bl# Anzeigen: Z.P«zeLer inKüba.

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M 99.

Fulda, Moutag, dm 3. Mai 1909.

36. Jahrgang.

Prentzrscher Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung Born 1. Mai 1909.

Zunächst nimmt das Haus

Wahlprüfnugen

vor. Die Wahlprüfungskommisfion beantragt, ble Wahl des Abg. Dr>Wendlanbt (ntl., Wahlbrstrk Eschwege-Schmalkaldeu) fLrungittig W erklären und eine Resolution «mzunehmen, durch welche die Re­gierung ersucht wird, die Formulare der Wahlproto- toüe für Term «wählen und Fristwahlen getrennt auf- znstellen. Die Wahl war von der WahlprLsungs- kommisston mtt alle» gegen drei Stimmen für ungiftig erklärt worden. Der Gewählte hatte nur 4 Stimmen über die absolute Majorität. In dem einaereichien Protest wird gerügt, daß in einem Wahlbezirk unzu- Üsfigerrveise Fristwahlen statt Terminwahlen vorgenom­men worden seien med die Kommission hat diesen Einwand als berechtigt anerkannt und vier Stimmen aus den Namen Weudlandt gestrichen. Nach Einßcht- nahme der Wahlakten hat die Kommission noch drei weitere Wahlmännerwahlen beanstandet und eine Reihe anderer für ungiltig erklärt.

Abg. Haarmanu - Alkena (ntl.)- begründet einen Antrag Arning aus Zurückverweisung des Berichtes in die WaUprüfungstommifsion zur nochmaligen Verhand­lung unter Zuziehung eines Regiernngskommiffars.

Abg. Xfibäte (freikons.) wendet sich gegen den Antrag.

Abg. Reinhard (Zentr.) erklärt, daß seine Partei­freunde für den Antrag Arning stimmen würden. Weiterhin betout Redner, daß ein großer Prozentsatz der Wahlprvrokolle au großen Unklarheiten leid«. Es müsse daher ein erheblicher Teil der Wahlmännerwahlen kassiert werden, wenn man sich an die Formular- vorschrPen hielte. Diese seien in der Tat recht unklar, sodaß rin Mann ohne höhere Bildung sich nur schwer darin r »recht sind«, könne.

Abg, Haarman« (ntl.) zieht den Paflus im natio- naleu Anträge zurück, der die Hinzuziehung eines Re- gierungSkommissarS wünscht.

Abg. Straffer (kons.) trttt für den Beschluß der Wahlprüfungskommissi»» ein.

Nach weiterer unwesentlicher Debatte fiudet, da die Abstimmung über den Antrag Arning auf Rückver­weisung der Wahl an die Kommission zweifelhaft bleibt, die Auszählung des HauseS (Hammelsprung) statt. Für den Antrag stimmen 95, gegen ihn 88 Mit­glieder. Das Haus ist als» beschlirßumähig.

Die Sitzung schließt deshalb um 1 Uhr. Nächste Sitzung 1.15 Uhr.

Nach Beginn der Sitzung wurde die RLckver- w eifuug der Watzlprüfung Wendlandt an bi« Kom­mission in einfacher Abstimmung beschlossen. Eine Reihe weiterer Wahlen wird Mr giftig erklärt. Daraus wurde die Wetterberalnng deS

Sultti detail

beim Kapitel „UnwersitL«" fortgesetzt.

Geheimrat Elster ;ab zu, daß gewisse Reformen im Baeschlagsrechr der Fakultäten nölig seien. Er ließ sich daun eingehend über den bekannten Fall Kuhleubeck auS und erklärte, die Unterrichtsvsrwalüuig habe keinen Grund, eine Abänderung der zurzeit gü­tigen Bestimmungen Loer das Studium im Auslands vvrzvnehnren.

Abg. Du ». Liszt (f*f- Bp.) nahm eh« schonungs­lose KrstS an KrchlenbeckS Lehrtätigkeit »or. Kuhlen- deck sei ein Opfer ferner Taktlosigkeit und Unmatzr- hafligkeit geworden.

Abg. Brütt ({teil.) nimmt Kublenbrck in Schutz und erörtert Dann daS Borschlagsrecht der Fakultäten.

Unlerstaatsfekrekär Wever äußert sich zu den Bor- rofitfew über Patientenfchacher, die gegen Privat­ärzte wie gegen ennge Profefforen erhoben worden find. Wenn auch Lb« die Angelegenheit viel gr- sproche» worden seh so liege doch an tatsächlichem Material außerordentlich wenig vor. Die beteiligten Herren stellen auf das Allee entschiedenste in Abrede, irgend etwas nicht ganz Zulässiges vorgenommni ju haben.

MhMI

e Ses GehrimiD.

84] Aus dem Englischen von ft. v. Raesfeld.

„Sn demselben so verhängnisvolle» Abende trugst Du eine Toilette — ein perlgraues Seiden- kleid — und dieser Menschs mit höllischer List, hat seinen Weg in Der» Zimmer gefunden, Eve, uab dort das Kleid entdeckt, — o, mein Liebling, mein Äieblhtg — vollständig mit Blut befleckt!"

Blässer noch und starrer wurde das schöne Antlitz, schrecklicher noch der verzweiflmrgsvolle Blick tK den dunkelblauen Augen.

»Was weiter?" flüsterte sie.

„$n der Briesrasche des Ermordeten habe» Ke einen Fetzen Papier gefunden. Evelyn, worauf von seiner eigenen Hand geschrieben steht: — — Lady Wayne, wenn Sie nicht kommen, werden Sie es bereuen, so lange wie--" Das find

die sogenannten Beweise. Ich glaubte kein Wort davon; aber Du, mein Liebling, mußt, um diese Kerle zufrieden zu stellen, die Sache ausklären, und auf ihr nichts zurückführen."

Bis zu seinem Tode vergaß Lord Wayne ni#. was jetzt folgte.

_ Sie schlug die Arme mit einem schrecklichen Schrei über ihrem Haupte zusammen, warf sich »uf den Boden zu seinen Füßen hin und verbarg ihr GefiA cm der Erde.

„Gott, o Gott", hörte er fie stöhnen, „endlich ist es gekommen!"

„ Er starrte völlig fassungslos, keines Wortes mächtig, auf die ausgestreckte Gestatt, deren @e* ficht vollständig in den Massen des reichen, gol­denen Haares begrcchen log.

Marian kniete neben ihr nieder.

„Evelyn," sagte die ernste, liebe Stimme, „Du brauchst nicht zu verzweifeln. Ein Engel vom Himmel könnte an diesem Morde nicht schuldloser fein wie Du — sage das Deinem Gemahl."

Aber statt aller Antwort schluchzte sie nur laut:

Nach weiterer unerheblicher Debatte über den Fall Kuhleubeck wird ein Antrag auf Vertagung an­genommen.

Montag: Wetterberatung.

□ Die Entscheidung in der Reichs- stnanzkvmmWon

über bett konservativen Wertzuwachssteuer- antrag und die dazu g estellten Abänderungs- anträge ist so ausgefallen, wie sie erwartet werden durfte.

Die Kommission hat am Samstag den konservativen Antrag mit Stimmengleichheit ab- gelehnt, dagegen den Antrag Raab (wirt- schastlichen Vereinigung) angenommen. Der Antrag geht dahin, für de» Fall der Ablehnung des Antrags der Konservativen die verbündeten Regierungen zu. ersuchen, ohne Verzug eine Ge­setzesvorlage auszuarbeiten, die eine Be­steuerung des Wertzuwachses von Im- mobilien »nd Wertpapieren versieht. Dieser Antrag unterscheidet sich von dem der Konservative» darin, daß et die Wertzuwachs- steuer nicht als Ersatz und an Stelle der Erbanfallsteuer fordert.

In der Sitzung führte zunächst der Abg. Herold (Zentrum) aus:

der Ginwand, die Wettzmvachssteuer bedeute eine schwankende Einnahmequelle, fei nicht stichhaltig. Für gewisse große Städte möge das gutreffen, für das Land und die kleinen und mittleren Städte, besonders die „Rentiersftädte" »erbe die Wertzunahme eine langsame, aber auch stetige fein. Gerade hier aber handle es sich auch um sehr große Wertsteigerungen. Dia Wert- ileigerung fei viel lebhafter bei dem Mobiliarbesitz als bei dem Grundbesitz. Eine einzige Rede des ReichS- kanzkers, je nachdem sie kriegerisch ober friedlich fei, hebe oder werfe die Papiere gewaltig. Solche Schwankungen Benne der Grundbesitz nicht. Redner be­leuchtet noch emmaldieSchaltensetten derErbfchastsstener. Wer btefe Steuer als populär bezeichne, kenne das Volk nicht. Man möge dach nur e» das Volk appellieren. Uns kann die ReichStagSauf- lösnng recht fein. Wir werden verstärkt wiederkommen!" Aber die Nattonalliberalen! Wie wollen sie mit der Parole der Erbschaftssteuer junt Beispiel in Hannover ziehen. Ihr Umfall in der erb» schaftsfteuersrage wird Ihnen teuer zu stehen kommen. 35000 Unterschriften trägt heute schon d« Petition der westfälischen Bauernvereine gegen die Erbschaftssteuer. Ob der Reichskanzler hn Palais demonstriert oder die Sozi auf der Straße, bleibt sich gleich. Beides rst Wache. Ewe klägliche Roke fpieke der Freistrm, der einstmalige begeisterte Verfechter deS Parlameuta- rismus. Heute rufe er die Regierung um Hilfe an gegen das Parlament. Nochmals fragte Redner, wes­halb die Regierung nicht »er einem Jahre die Vorlage gebracht. Frecherr v. Stengel mußte gehen, weil er voran wollte. Heute mache man zu Unrecht dem Reichstag den Borwurf der Verschleppung.

Staatssekretär Sydow erwiderte, bie Vor- u>ü.tfe seien unberechtigt. Alle Vorschläge d« Regierung seien bis jetzt abgelehnt worden. Im vorigen Jahre konnte die Vorlage nicht kommen, well damals das finanzielle Bedürfnis nicht klar war. — v. Richthofen (kons.) ging auf die Vorgeschichte der Besitzsieuer ein. Die bisherigen Verhandlung« hätt« ihm nicht das Vertrauen gegeben, dich mit Hülfe der Freisinnigen die nötigen Steuersummen ausgebracht werden können. Äbg. Dr. Weber (natl.) stimmte dem Gedanken der Wertjuwächsstener auf Immobilien zu. Die Nattonalliberalen würden ihre Stellung nach Mckfichten aus das Gesawtwohk enmehmen und wenn die Partei selbst dabei zu Grunde gehe. Äbg. Dr. SBiemer suchte den Freisinn gegen die Borwürfe deS Abg. Herold zu verteidigen.

als appelliere et an die Regierung. Abg. Müller » Fuld a. (Zentr.) hielt dem Vorredner entgegm, daß 6« gesamte bayerische Zentrums, ar ter sich gegen die Nachlaßsteuer ausgesprochen habe. Gr bat den preußischen Finauzminister, einmal an der Hand der Kataster nachweisen zu lassen, wie in kleinen Städten und Dörfern in den letzten Jahren der Boden- wert gestiegen ist. Bett« »erwies er «f Nr. 218 des .Berliner Tageblch in der der Nachweis eines Wett- zuwachfes bei Effekten bis zu 159 Prozent in sechs Wochen mitgeteilt werde. Der Aufschwung fei zu danken der Erhaltung dest Friedens nnd dieser beruht auf unserer Macht, zu deren Auftechterhaltung die gewaltigen Summen verwendet werden, die zur Fiuanz- not im Reiche geführt haben.

Finanzminister v. Rheinbaben fürchtete, der Vorredner ziehe ans ErnzekMen zu wett- gehende Schlüffe auf die Allgemeinheit. Ein Konservativer stellte nochmals fest, daß man den Widerspruch der Konservativen gegen eine Steuer verübele, während' der Widerspruch des Freisinns gegen eine Reihe von Steuern als belanglos hingestellt werde. Es folgte nunmehr die

A b stimm ung.

Der Antrag der Sozialdemokraten (ReichsvermLgeus- und Reichseinkommensteuer als Ersatz für die inbiretten Steuern) wird gegen die Sozial­demokraten abgelehnt.

Der Antrag der Reichspartei (Wertzuwachs­steuer, aber nicht al» Ersatzsteuer für die Erbanfall­steuer) wird abgelehnt gegen Freisinnige und Rattsncckliberale.

Für den Hanptantrag, den tonferoatinen An­trag Dietrich, stimmen die vier Konservativen, acht Zentrumsmitglieder und zwei. Polen, zusammen tiier- zehn y dagegen die »ierzeh» Mstglleder aller anderen Parteien. Der Antrag rotrb mit Stimmengleich­heit abgelehnt.

Nunmehr kommt der Antrag der »irtfch aft- li chen Vereinigung zur Abstimmung, der eine Resolution darstellt. Der erste Teil, der die verbünde­ten Regierungen zur unverzüglichen Ausarbeitung einer Wertzuwachsfteuer auf Immobilien anffarbeit, wird einstimmig angenommen. Der zweite Teil, der sie auf­fordert, in Erwägungen darüber einzutreten, wie zum Ausgleich« der den Grundbesitz belastenden Wert- zmvochssteuer eine entsprechende Besteuerung des Zu­wachses an beweglichem Kapitalvermögen erfolgen könne, wirb gegen die Stimmen der Freisimrigen an­genommen.

Der Antrag der Frei sinnt gen (Erbschaftssteuer und progressive Bermögenssteuer) wird gegen Frei­sinnige, Ratilmalliberale und Soziakdemokruten ab« gelehnt.

Der natkonalliberale Antrag (Erbschafts- unb Wertzuwachssteuer für Immobilien) wird mtt Stimmengleichheit abgelehnt.

Es entspann sich nun eine Gefchäftsord- nungsdebakle darüber, ob die Resolutton Raab an das Plenum gelangen müsse oder nicht. Dre Liberalen hcklten dcn» gern gesehen, um eine Ent­scheidung des Parlaments über tue Erbanfall- steuer herbeizuführen, aber zu ihrem Leidwesen beschloß die Kommisstoch, den Beschluß an die Regierung zu rtchren, um von dieser dte Aus- arbettung der Wert uwachssteuervorlagen zu ver- langen. Erbost darüber, gaben die'National, liberalen und Freisinnigen am Schluff« d« Sitzung eine Erklärung ab, daß sie nach Ab» lehnung ver Erban'atlsteuer eine ihnen erwünschte Reichsfiuanzreforin nutzt mehr ermatten könnten und in vieler veränoerten poliuschea Sttuatton zwar an ver Wetterberatung der übrigen Steuer-

„Mein Gott, mein Gott, hab Erbarmen mit mir I"

• 64. Kapitel.

Heldenmütige Liebe.

Lord Wayne hob feine Gemahlin nicht auf, er war tote gelähmt, eine schreckliche Angst über­fiel ihn.

War dies die Art und Weise, wie unschuldige Frauen eine so schmachvolle Anttage aufnehmen? Er hatte geglaubt, sie würde sich turmhoch in be> leidigtem Stolze über ihn erheben. Er hatte einen EncrüsttmgI-, einen Wut-Ausbruch erwar­tet, und da lag sie nun, und kribrmtte sich zu sei­nen Kütze«.

Er sah Marian an, sie ihn, und die beiden, die die niedergesunkvre grau da am Boden so zärtlich liebten und alles für fie getan hätten, waren in diesem Augenblicke vollständig rat- und hülfl-s.

„Marian," begann Lord Wayne endlich, „kannst Du mir dies erLären?" _

Aber auch fie wanSte sich bei feiner Worten ab unS schauderte.

„Mortimer," sprach jetzt eine lrnst, klagende Stimme zn seinen Füßen, „ich — ich bin nicht schuldig. Meise Hände sind rein vom Blute, rein mm Mord, toi« Deine eigenen. Ich bin unschul­dig, aber — an dem Abend, wo er Kl Tode kam, war ich dort ast Törchrn« bei ihm."

„Du, Evelyn — bei ihm?"

„Jawohl." versetzte fie verzweiflungsvoll, „an jenem Abende, wo Du vielleicht glaubtest, ich schliefe, stahl ich mich ans Sem Hause und traf ihn am eisernen Törchen, am Ende der Linden- Allee"

„Ich kann'» nichr glauben l" rief Lord Bayar. .Du, mein Werb — eine« fremden jungen Men­schen treffen l Evelyn, Du bist von Sinnen, Du träumst I"

„Nein, nein, keins von beiden. Q, Wariaul" klagte fie, „Marian, meine Schwester, sag Tu ihm, daß ich wirklich dort <totoefen."

„Evelyn hat mit keinem Wort die Unwahrheit gesagt, fie träumt nicht," sagte Miß West trübe, „glaub mir, Mortimer."

„Ich — ich bin hingegangen, um ihn zu tref­fen, Mortimer, er verlangte mich zu fprechen, und schrieb mir, ich solle kommen. Ich dachte mir iridis Böses dabei. Ich hatte feinen Gedan­ken alt Mord oder an Tod. Ich sprach mit ihm, und ich erbittere mich -mchchas Armband an mei­nem Arme gesehen zu haben, als ich dort am Türchen stand."

. „Wetter," sagte Lord Wayne, „um's Himmels­willen, verheimliche mir nichts, Evelyn."

„Ich weiß nickt, tote lange ich dort gewesen, denn die Zeit vc-rging wie ein schrecklicher Traum, und ich sprach gerade von jemandem —von je­mandem, der mir lieb und teuer. Mortimer, als durch sie stille, sternklare Nacht der Knall eines in meiner Nähe ab gefeuerten Schusses drang. Ehe ich noch Zeit batte, mich umzudrehen, oder einen Hülfe ruf anszustotzen — o, Mortimer, die­ser entsetzliche Schrecken l — schien mich ha§ warme Blut sckon zu überrieseln, und er fiel tot gegen nridr! Wenn ich wieder an diesen Augen­blick in feinem ganzen Grausen und Entfetten denke, — ist es mir gerade, als ob auch ich stürbe!"

„Und dann?" forschte Lord Wayne angstvoll.

„Tenn." fuhr fie fort, „kittete ich neben ihm nieder und bob feinen Kopf in die Höhe. Ick> sah an seinem Gesichte, was vorgewüen, er war 6a bereits tot."

„llud Tu hast nickt3 gebärt? Hast keinen Atthaftspunfi? .Hast niemanden aefehen?"

„Nein," erwiderte sie. „Ebe der Schuß frei stand ich do in Sd'reffm trnd Entsetzen über daS, was er sagte, nachher dackcke ich an nichts mehr *

„Das Ärnrband ist Dir dann vom Arm ge­fallen?"

„Ich glaube wohl." erwiderte sie mit verzwei- feiter Ruhe; .ick erinnere mich nicht, ui) bemerkte es nicht, ich habe es nicht vermißt. Als ich sah. daß er tot war. bin idk glaube ich. vor Ängst und

Vorlagen fich beteilige» würden, aber damit der Enlschndung ihrer Fraktionen nicht vorgreifen wollten, — war eigentlich selbstverständlich ist. Als dann der Abg. Dr. Spahn mtt Recht darauf hinwies, daß doch das Blockkompro­miß über die Befitzfieuer wenigstens formell noch m Kraft sei, wurde dieses Blockkompromiß von den liberale« Blockkeulen selbst mit Hohn­lächeln verspottet.

Die Berhandkuagen der Finanzkommission wurden dann abgebrochen und bis Dienstag zur Weiterführrmg der Verhandlungen über das Bramttwrinsteuergesch vertagt.

♦ * *

Das Ergebnis der Derhandlungen über die Wertzuwachssteuer ist dieses:

Die Kommission hat einstimmig dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß eine Wertzuwa chs« steuer auf Grundstücke gebracht werden müsse. Daß fie an die Stelle einer anderen Steuer, insbesondere der Erbschaftssteuer, treten solle, hat sie nicht beschlossen. Die Erbschafts­steuer selbst hat sie aber zum zweitenmale ab­gelehnt, wenn auch nur mit Stimmengleichheit. Der zweite Teil des Antrages Raab wurde von den Linken nur angenommen, weil er so allge­mein gehalten ist, daß man nicht notwendig auS ihm den Wunsch nach der Einführung der Wert- zuwachsfteuer auf Wertpapiere heranslesea muß, Bon der Rechten ist er aber so gemeint gemeseus Positiv ist trotz der anstrengende« Debatten dur<H diesen Ausgang so gut wie nichts erreicht. Dl» Regierung wird, dem einstimmigen Drängen der Kommisftokk folgend, wohl einen Wertzuwachs- Entwurf für Immobilien herausbringen. Aber ob der Entwurf, wenn er vorliegt, de« Beifall des Reichstags findet, ist wieder eine zweite Frage.

„Die Lage ist bitter ernst*, so schreibt die offiziöse »Nordd. Allg. Ztg." in ihrer Wochen- übersicht: „Die gmanyrefottn, die eine von beut* scheu Volke mit größter Entschiedenheit geforderte unaufschiebbare Notwendigkeit bedeutet, ist trotz immer »irderhalter Anläufe und Versuche während der letzte» sechs Monate im Parka« ment nicht weiter gekommen. Im ganze« genommen find wir nicht wefeatlich weiter als Anfang No­vember. Der Sommer steht vor der Tör. Die Reform muß jetzt erledigt werde«. DaS Bolk verlangt eS vsm Reichstag. DaS Aus­land blickt mit Spcmmwg auf uns. Die als- baldige Erledigung ist zur nationalen Ehrensache geworden. Entzieht sich die Mchrheit des Reichs­tages dieser Aufgabe, fa sind die Folgen anberechettbar."

Will man uns nicht endlich siyen, welches diese Folgen sein sollen?

Vevtfcher Reich.

* Reichskanzler Fürst Bülow vollendet an diesem Molttag sein 60. Lebensjahr.

Bernhard v. Bülow ist am 3. Mai 1849 zu Rieht- Flottbeck als Sohn des preußisch«« StaalsmimsterS and Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes geboren. Seine Mutter ist eine geborene ßtrtfe Rücker. Nachdem der junge v. Bülow m Laufmme, Leipzig und Berlin teure furistsiche Vorbildung genossen uitb am franzäsifchen Feldzug teiigenounnen hatte, bestaub er 1872 bi« Refereudarprujuug und trat ein Jayr darauf ins Aus­wärtige Amt. Rach vcrschiedeneu dipkomattfchrn Stel- luagtn wurde er 1889 «mßerorsenklicher Gesandter imb devoümächttgt« Minister in Bukarest, fünf Jahre später Botschafter in Rom. 1897 Staattssttretär des AuS»

Entsetzen ganz von Sinnen gekommen. Ich weih noch, daß ich durch die Linden-Allee lies in der gräßlichen Angst, der Tote tiefe hinter mir her, ich weiß auch noch, daß ich nach heißem Wasser geklingelt habe, um mir die fürrhierlichen Flecken von den Händen zu waschen. Mortimer, ich habe keinen Augenblick daran gedacht, daß alles dieses al» Beweis gegen mich fich erheben könnte, ich hatte nur solches Grausen vor diesen Flecken."

„Meine arme Evelyn," sagte er sanft, „es ist fürchterlich!"

„O. ich war sicher von Sinnen," fuhr fie leist fort, „die ganze lange Nacht hindurch war ein einziges Grausen, der einzige klare Gedanke, den ich hatte, war der, daß diese furchtbaren Flecken von meinen Händen müßten. Mehr kann ich Dir nicht sagen, Mortimer. Ich habe das Arm­band gar nicht vermißt — ich dachte gar nicht mehr cm das Kleid — wer diese entsetzliche Tat begangen — wer diesen gräßlichen Mord hier vor der Schwelle unseres Hauses verübt — davon weiß ich ebenso wenig wie Du."

„Warum hast Du mir nicht vertraut, Evelyn? Als Du ins Haus zurückkansit und wußtest, daß ein Mord begangen war, warm bist Du da nicht gleich zu mir gekommen? Warum hast Du mir fein Vertrauen geschenkt? Ich hätte gewußt, was zu geschehen batte. Ich hätte Dir die ganze Lual dieses schrecklichen Verdachtes ersparen fön- nen. Warum nur haft Du mir nicht vertraut?"

»Ich wagte es nicht," stöhnte fie; „ich war von Sinnen, Mortimer, ach, ich wagte es nicht. ES handelte fich um yin Geheimnis, und wenn ich Dir gesagt hätte, daß ich ihn getroffen, so hätte ich auch sagen müssen, warum."

„Und weil Tu mir nun Dein Geheimnis nicht hast anverttauett wollen, Evelyn, wird es jetzt die ganze Welt erfahren. Um Dich von dem Deidachte zu reinigen, wirst Tu angeben müssen, wie Du Dich aus meinem Haufe geschlichen hast, um diesen Menschen zu treffen; und um Deine Angaben als wahr hinzuftellen, wirst Tu auch sagen müssen, warum Du Has aetan baft O.