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ul-aerM Zeitung

sKÄ* wochmMaze: „Illustrierte Sonntagszeitung

W

monatsbcUage: „Fuldaer Geschichtsblätter"

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Rotatlonsdruckund Verlag der Fuldaer Ak- ürndruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. y.

Erscheint täglich mit Ausnahme bet So-«n- und Feiertage, viertel- rshrlichervezugrpreir ohne vringerloh» «nb vestellgM in Fulda so­wie auswärt5i.SvMt.

Vrrant«. Redakteur: «arrrchätte,

JV3 97.

Fulda, Freitag, den 30. April 1909.

36. Jahrqanst.

Zweites Wtcrtt.

* Die Krankenverficheruttg im Ent­wurf einer Reichsversichernngs- ordnung.

Nach drei Seiten hin dürfte die Reform der .'Krankenversicherung im Entwurf einer Reichs- Versicherungsordnung den Wünschen Lor großen Mehrheit der Bevölkerung entgegen kommen, und zwar 1. in der Einheit der Rechtsprechung bei dorkommenden Streitigkeiten aus dem Versiche­rungsverhältnis mit den beiden andern Zweigen der reichsgesetzlichen Versicherung, 2. Jnbezug aut die Ausdehnung des Kreises der Krankenver- sich-rungspflichtigen und 3. in der Förderung der Leistungsfähigkeit der Versicherungsträger durch Zentralisation der Krankenkassen. Insoweit wird die Neuordnung der Krankenversicherung aller Voraussicht nach nicht viel Widerspruch finden. Anders werden sich die Dinge wohl bei der 4. großen Neuerung in diesem wichtigsten Zweige unserer Arbeiterversicherung gestalten, nämlich bei der Beseitigung der Vorherrschaft der Versicher- ten in den organisierten Kassen.

Am wichtigsten ist unzweifelhaft die vom 'Reichstage öfter verlangte Ausdehnung der Ver- icherungspflicht auf die land- und forst wirt- chaftlichen Arbeiter und auf das Ge- inde- Im weiteren sollen der Krankenversiche­rung Nach dem Entwurf unterstellt werden „u n- ständige Arbeiter", ferner die in einem W a 'n- dergewerbebetriebe beschäftigten Perso- neu, insoweit der Unternehmer des Betriebes eines Wandergewerbescheines bedarf und er die beschäftigten Personen von Ort zu Ort mit sich führen will, dann die Hausgewerbetrei- v e n d en, deren Jahresarbeitsverdienst zweitau­send Mark nicht übersteigt. Es kann weiter durch Statut des zuständigen Kommunal- oder Zweck­verbandes für dessen Bezirk oder Teile desselben hie Versicherung auf Familienangehörige eines Betriebsunternehmers ausgedehnt werden, deren Beschäftigung in dem Betriebe nicht auf Grund eines Arbeitsvertrages stattfindet

So wird die Zahl der gegen Krankheit Versi­cherten, die bisher jener gegen Unfall und Invali­dität Versicherten erheblich nachstand, wesentlich ausgedehnt. Diese Reform erwies sich mit der Zeit als immer dringlicher. Mangelt nämlich eine umfassende Fürsorge in Zeiten der Krankheit, dann wächst die Gefahr einer vorzeitigen Invali­disierung, die ja vielfach nur den Abschluß einer längeren oder kürzeren Krankheit barstellt.

Neben den bisherigen L e i st u n g e n verdient yervorgechoben zu werden die Ausdehnung der Wöchnerinnenunterstützung auf die Dauer von im ganzen a ch t Wochen vor und nach der Nieder­kunft, von welchen mindestens 6 Wochen auf die Zeit nach der Niederkunft fallen müssen. Diese Bestimmung entspricht genau der neuen Gewerbe- ordnungsnovelle, die die Wöchnerinnenbeschästi- gllNg für gleiche Zeit verbietet. Weiter kann die Satzung weiblicher Versicherten, die minde­stens sechs Monate der Kasse angehören, wegen einer durch Schwangerschaft verursachten Arbeits- Unfähigkeit Krankengeld bis zur Gesamtdauer von 8 Wochen zubilligen, auch die erforderlichen Heb­ammendienste und ärztliche Behandlung der Schwangerbeschwerden frei gewähren. An F a- m i li en Unterstützung kann durch Statut gewährt werden, nichtversicherungspfsichtigen Fa­milienangehörigen der Kassenmitglieder im Er­krankungsfalle freie Krankenpflege; nichtversiche- rungspflichtigen Ehefrauen der Kassenmitglieder

Kleines Feuittets«.

— Er» mißglückter Trick eines Akrobatru er­regte tm Zirkus Ciniselli zu Petersburg große Aufregung. Der kühne Akrobat Slama, der Mann mit dem eisernen Nacken, versprach, einen besonderen „Trick" vorzuführen, sich einen Strick j»rm den Hals legend, sich aus der äußersten Kup- tzelspltze des Zirkus ins Parterre niederzulasseu. Der Zrrkus war überfüllt. Der kühne Slama stand oben auf der Kuppel. Anhaltende Span­nung. Die Musik schweigt. Tausende von Augen 'richten sich nach oben. Da plötzlich beginnt die Mkise nach unten. Der Künstler hängt taisäch. stich in einer Schlinge. Anfangs geht's ganz gut, stis plötzlich eine Stockung eintritt. Slama dreht Mi um seine eigene Achse, ohne einen Laut von »ch zu geben. Das Publikum applaudiert, brüllt, stampft vor Vergnügen über das natürliche ^Schauspiel eines Geäugten. Plötzlich Todes- ßtille. Das ist kein Trick mehr, das wird voller skrnst. Der artne Akrobat hat sich in feiner lSchlinge verstrickt und dabei die Besinnung ber­ieten. Schnell wird eine Leiter herbeigeschafft, Männer schreien durcheinander, Frauen fallen in Ohnmacht. Endlich ist ein Retter in der Nähe Verunglückten und schneidet den Strick durch, »er schon ganz blau ««gelaufene Künstler stürzt «h etn Rettungstuch Einem anwesenden Arzte getang es, Slama wieder 'zum Bewußtsein zu Sein Zustand ist umso bedenklicher, als lr ei2l"^f‘etl^!?er^ttetun9 davongetragen hat.

~?<2*en Moment setzt die Musik wieder ein, em Elown mit seinem dressierten Schwein über­nimmt die nächste Nummer. Der Humor ist wie­der hergestellt.

— Geschichte einer Perlennadel wird ge- genwartrg m Parts viel besprochen. Eine Arbei­terfrau fand eine Nadel auf dem Kieswege der Ehamps Eltzsee und zeigte sie einem Juwelier, der die Unkenntnis der Frau ausnutzte und ihr

die Wöchnerinnen und Schwangerschaftsunter­stützung.

Vier Arten von Krankenkaflen sind in dem Entwurf vorgesehen: Ortskrankenkasien, Land- krankenkasien, Betriebskrankenkassen und Jn- nungskrankenkassen — Gemeinde- und Baukran­kenkassen fallen fort. Hilfskassen führen in Zu­kunft den Namen Ersatzkassen. Die Landkran­ke n k a s f e (für den B^irk eines Londratsam- tes) hat mit den bisherigen Gemeindekassen, die als Notbehelf s. Zt. gedacht waren, viel Verwand- tes. Denn durch Statut kann die ganze Verwal­tung dem Vorsitzenden übertragen und die Kran­kengeldberechnung nach dem ortsüblichen Tage- lohn vorgenommen werden. Den LandkraNken- foffen sollen die landwirtschaftlichen Arbeiter, die Dienstboten, die im Wandergewerbe beschäftigten Personen, sowie die Hausgewerbetreibenden un­terstellt werden. Bei weniger als 500 Versiche­rungspflichtigen kann von der Errichtung einer Landkrankenkasse abgesehen werden. Dann aber gehören die entsprechenden Dersicherungspslichti- gen der Ortskrankenkasse an, während, wenn Ortskrankenkassen nicht errichtet werden, die die­sen eigentlich unterstehenden Versicherungspflich­tigen den Landkrankenkassen zugewiesen werden. Die vor dem Inkrafttreten dieses Gesetzes be­stehenden Ortskrankenkassen, die für einzelne oder mehrere Betriebszweige errichtet sind, können ne­ben den allgemeinen Ortskassen (für alle Berufe) bestehen bleiben, sofern sie mindestens 500 Mit­glieder zählen, ihr Fortbestehen die allgemeinen Orts- und Landkrankenkassen des Bezirks nicht be­einträchtigt.

Betriebskrankenkassen sollen in der Zukunst zwar nur dann Noch errichtet werden Rinnen, wenn in dem Betriebe bezw. in mehre­ren Betrieben desselben Unternehmers mindestens 500 Versicherungspflichtige beschäftigt werden. Je­doch kann die Landeszentralbehörde diese Zahl auf die Hälfte ermäßigen. Allerdings darf durch die Errichtung einer Betriebskasse die Ortskasse in ihrem Bestand nicht gefährdet werden; des fer­neren dürfen die Leistungen der Betriebskassen denen der maßgebenden Orts- und Landkranken- faffe nicht nachstehen. Bestehende Betriebskranken- kassen sind unter denselben Voraussetzungen gcr mit 250 Mitgliedern zuzulassen.

Während man so für die Beseitigung der Zwergkassen sorgen will, will man es bei den Jnnungskassen formell beim Alten lassen, denn von einer bestimmten Mitgliederzahl als Bvraussetzuiig für das Fortbestehen oder für die Errichtung derselben ist abzusehen. Man verlangt aber von ihnen die gleichen Leistungen für ihre Mitglieder wie die der maßgebenden Orts- oder Landkrankenkaffe. Dadurch wird manche Jnnungs- kasse gezwungen fein, ihren „Laden" zu schließen.

(Ein weiterer Artikel folgt.)

Deutsches Reich.

— Hier laßt alle Hoffnung fahren — so ist mbezug auf die Staatsbeamten zu Windthorsts Zeiten der Eintritt in die ZentrumSfrak- tion charakterisiert worden. Die langjährige Praxis hat die Richtigkeit des Danteschen Sinn- sprucheS für die Mitglieder des Zentrums bar­getan ; es handelt sich um weiße Raben, sofern eine Ausnahme stattgefunden hat. Trotzdem schreiben sozialdemokratische Blätter gegenüber der „Köln. Volksztg.":

„Das Bestechungssystem und der Aemterkauf blühen unter verfeinerten Formen lustig weiter, die Kosten des schoflen Handels trägt die große Maste des Volkes! Aber darüber zu klagen, hat bat Zentrum nicht daS geringste Recht. Martin Spahn, das

zwei Francs bot, was angenommen wurde. Aber sehr viel schlauer war er selbst nicht, denn er verkaufte die Nadel einem Händler für 80 Fr., der sie seinerseits für 400 Fr. losschlug. Dem neuen Käufer wurde es nicht schwer, von einer fünften Person 800 Fr. für das Juwel zu er­halten, die nach London reifte und die Perle dort bei einem Juwelier für 20 000 Fr. verkaufte. Eines Tages nun sah ein Detektiv die Nadel im Laden des Juweliers und erkannte sie sofort. Sie war in Paris entweder verloren ober gestohlen worden und hatte einen Wert von 40 000 Fr. Schritt um Schritt verfolgte ber Detektiv jetzt die Herkunft ber Nadel, bis er bei der Arbeiter­frau wieder anlangte. =p.

— 150000 Fr. zu gewinnen «nb dann das Los z« verlieren, ist das nicht znm Verzweifeln? Dieses üble Mißgeschick ist einem jungen Manne, ber in Brüssel bei einer Feuerversicherungsgesell­schaft angestellt ist und ein recht bescheidenes Ge­halt bezieht, passiert. Zugunsten ber im Jahre 1910 in Brüssel stattfiübenden internationalen Ausstellung wurde eine Lotterie veranstaltet, de­ren Ziehung dieser Tage stattfand. Hierbei fiel das große äoS von 150 000 Fr. auf die Nummer 71132. Der Obengenannte hatte das auf diese Nummer lautende Los und noch ein anderes bei eimmi Straßenhändler in bet Nähe der Börse ge­kauft. Vorsichtigerweise schrieb et sich die Num­mern der beiden Lose in sein Notizbuch ein und fand beim Durchlesen der Zeitung, daß er der glückliche Gewinner sei. Glückstrahlend eilte er nach Hause, um das Los hetvorzuholen. Doch die Freude wich bald blassem Entsetzen, denn er fand nur noch dasjenige der beiden Lose, das nichts gewonnen hatte, während das andere nicht mehr aufzufinden war. Die seelische Erregung ob des Verlustes war so groß, daß ber junge Mann ner­venkrank wurde. -p.

— Die neueste Berliner Unterhaltung ist eine amerikanische Tanz-Operette „Die oberen Zehn- tausend", die im Metropol-Theater mit Beifall aufgenommen wurde. Die Berliner Zeitungen

Spänchen genannt, wäre ohne den parlamenlarischen Einfluß des Zentrumsführers Spahn nicht schon mit 26 Jahren in Straßburg Professor geworden, und Spahn senior wird selber nicht zu behaupten wagen, daß er zum Oberlandesgerichtspräsidenten lediglich wegen feiner juristischen Tüchtigkeit emporgestiegen sei. Und an diese beiden Namen ließe sich eine lange, eine sehk lange Liste von Zentrumsparlamen- tariern anfügen, die entweder für sich selber oder für ihre Sippe aus der Stellung des Zentrums als ausschlaggebender Partei des Reichstages Nutzen ge­zogen haben."

Daß Martin Spahn in Straßburg Professor geworden ist, hat mit der Zugehörigkeit seines Vaters zur Zentrumssraktion absolut nichts zu tun. Oberlandesgerichtspräsident Spahn hat beim bürgerlichen Gesetzbuch seinen Befähigungsnach­weis für die ihm jetzt endlich eingeräumte Stellung erbracht. Lange genug hat es gebauert; wenn seine Beförderung nicht schon früher er­folgte, dann hat gerade seine Zugehörigkeit zur Zentrumsfraktion das Hindernis abgegeben. Es würde den sozialdemokratischen Blättern schwer werden, die lange Liste der Zentrumsparlamen- tarier auszustellen, die ihren persönlichen Vorteil bei der Regierung gesucht haben. Einer der be­deutendsten preußischen Juristen, Pet. Reichens­perger, brachte es nichts weiter als bis zum Obertribunalrat und sein Bruder August wurde einfach überfchlagm, als er an der Reihe war, am Kölner Äppeühos Senatspräsident zu werden. Als der Abg. Roer en als Land­gerichtsrat mit seltenem Geschick den mit der Enthüllung des Niederwalddenkmals in Verbin­dung stehenden Elberfelder Anarchistenprozeß ge­leitet und Dr. Windthorst von konservativen Abgeordneten gefragt wurde, weshalb ein so tüchtiger Jurist noch Landgerichtsrat sei, weinte er trocken: Da müssen Sie sich beim Justiz Minister erkundigen. Der verstorbene Zentrums- sührer Dr. Lieber war keineswegs mit Glücks- güietn aber mit einer großen Kinderzaht ge­segnet. Unter dem Reichskanzler Fürsten Hohen­lohe wurde ihm das Oberpräsidium in Hessen-Nassau angeboten; er hat ohne Be- denken abgelehnt, wie schon Dr. Windthorst auf den Eintritt .» die preußische Regierung ver­zichtet hat, als er ihm von der Kaiserin Augusta angeboten worden war. Das Zentrum hat in bezug auf seine Unabhängigkeit nach oben hin eine durchaus reine Weste.

* Reservisten-Ucbungen. Von ben diesmal zu einer achtwöchentlichen Hebung Einberufenen Reservisten würbe laut „Franks. Ztg." eine grö­ßere Anzahl, weil überzählig, toieber ,nach Hause geschickt. Das war vielen bet Beteiligten eine große Unannehmlichkeit. Da bie Einberuf- ungSorber erst wenige Wochen vor, dem Einstell- ungstermine erfolgt, so müssen bie Beteiligten rasch ihre geschäftlichen Dispositionen treffen, Zimmer mieten, alte Uniformstücke wieder Her­stellen lassen usw. Das Geld hierfür ist im Falle ber Heimschickung umsonst ausgegeben. Noch schlimmer ist es, wenn die betreffenden jungen Leute ihre Stelle kündigen, um nach ber Hebung ein neues Engagement anzunehmen. — Es müß­ten sich Mittel und Wege finben, um einen Aus­gleich zwischen militärischen Verhältnissen und bürgerlicher Stellung zu schaffen, so baß niemanb zu Schaben kommt.

* Aus Baden, 29. April. Der „Mindest- block" ber badischen Linken hat bas ganze Elend des badischen Liberalismus bloßgelegt. Zum großen Teil ist das Elend durch bie Fehler der liberalen Taktiker um Obkircher und durch

diesen sechst verschuldet worden. In dieser Ver legenheit greifen die Herren zu dem einfache» Mittel, zu sagen: Wacker ist schuld, das Zen- trum hat unter geschickter Ausnutzung aller in Betracht kommenden Momente bie Verwirrung im liberalen Lager angerichtet ttnb — das darf sich ein Liberaler nicht bieten lassen. So hat sich ein.badischer Politiker im „Berliner Tageblatt" ausgesprochen, und wenn eine geistige Erport- ware über Berlin wieder importiert wirb, so gilt sie immer mehr als vorher. Und was hat ber Politikus noch vorgeschlagen? Antwort: den Großblock! Er schreibt nämlich:

„Wenn es gelingen soll, noch einmal eine reaktio­näre Mehrheit abzuwehren, so ist die Anspannung aller Kräfte des Liberalismus und sodann ein neues taktisches Bündnis mit der Sozialdemokratie für die Stichwahl ersorderlrch."

DaS Zentrum hat bisher von ber liberalen Linken Freude über Freude erlebt; baß man ihm auch noch diesen Genuß bereiten will, ben Groß­block noch einmal ausieben zu sehen, hat man nicht angenommen. Man hat zwar immer und immer gesagt: sie kommen doch wieder zusam­men die Brüder von Obkircher bis Geck, aber baß man so lange vor der LLahl schon darauf ausgeht, daß man dies tun will, trotz dec großzügig in­szenierten Rechtsschwenkung Obttrchers, baS^ schien einstweilen ausgeschlossen. Und doch gibt es so viele Unentwegte im Land, bie alle Ret­tung des Liberalismus nur in ber Anlehnung an bie Sozialdemokratie erblicken. Hat doch so­gar ber extrem liberale Stadtpfarrer Dr. Brück­ner auf ber Frühlingsversammlung des kirch­lich-liberalen Vereins ben Großblock gerechtfer­tigt und seinen Wunsch nach Wiederholung dieses zentrumsmörderischen Mittels durchblicken las­sen. Seine Intimen von ber „Anliultramon- ianen Vereinigung" warten nur auf eine Ge­legenheit, sich für diese Idee einzufetzen.

2lu$ianö.

** Die Engländer in Afrika. Heber bie Schwierigkeiten, bie die Engländer in der An­erkennung ber Annexion des Kongostaates durch Belgien machen, hat dieser Tage ber „Fi­garo" nähere Aufklärung gegeben. In einem Staatsvertrage von 1894 trat England bas am linken Nilufer gelegene Gebiet von Lado auf 99 Jahre an den König Leopold II. ab. Nun­mehr scheint England diesen äußersten uordöst- lichen Streifen des Kongostaates wieder hoben zu wollen, mit der Begründung, der Kongostaat habe kein Recht gehabt, die Abmachungen seines Herrschers auf das Königreich Belgien zu über* tragen. Dieser Streit nun könnte ben Englän­dern als Vorwand dienen, bie Angliederung des Kongostaates an Belgien vor ein Schiedsgericht zu bringed. Formell hat nun bekanntlich Eng­land bisher als Grund für seine Weigerung ber Anerketnnung angegeben, daß es von Bellgschr Bürgschaften hinsichtlich ber einzuschlagenden Eingeborenenpolitik im Kongostaate haben wolle. In der Tat hat ja die belgische Regierung hier­über der englischen Regierung eine Denkschrift überreicht, die aber von England als unzurei­chend bezeichnet worden ist. England fordert nun die Räumung jenes oben genannten Gebie­tes bis zum 15. Mai. Einen weiteren ftrittigen Punkt zwischen England und Belgien bildet bie Festsetzung ber Grenze zwischen dem Kongo­staate und den englischen Besitzungen in Ostafrika. Es hat sich herausgestellt, baß die Engländer irr­tümlicherweise einen Streifen von etwa 20 Kilo­meter Breite über die Grenze hinaus besetzt ha­ben. Diesen Streifen will England umso we­niger zurückgeben, als ihm dadurch unmöglich ge-

scheinen aber selbst daran zu zweifeln, daß dieser Wirrwarr für die Dauer dem deutschen Publikum behagen wirb. So äußert sich u. a. bie „Voss. Ztg.": .Koller und bunter kann es nicht mehr kommen. Diese Ausstattungsoperette arbeitet mit Huppen und Knarren, mit Kuhglocken und Knallerbsen, mit künstlichen Vogelstimmen. In ber Hauptsache aber sieht man tanzliche Darbie­tungen. Alles hüpft und springt in dieser Ope­rette; Kniebeugen wechseln mit Purzelbäumen, milde Sprünge mit schlenkernden Gebärden; die Füße entfalten Fertigkeiten, wie man sie an Ne­gern und Eisläufern beobachtet, und schließlich wälzt sich eine Schar Pierrots am Boden." Die Handlung fessell wenig und stellt Pariser Na- bobs bar, bie in Wahrheit denn doch etwas an­ders auftreten.

— Eine neue Sektenverrücktheit in England. Derwische unb Fakire sollen von der Sette ber „Pfingsttänzer", die in Cardiff ihre jährliche Ge- betsversanunluNg abhielt, übertroffen werben. Der Saal des Parkhotels, so schreibt man dem ..B. T., war vo>i einem Schreien und Grunzen erfüllt, das aus allen vier Ecken hervorquoll. Mehrere Mitglieder wälzten sich am Boden oder krigeltrn tote Klowns über das Parkett. Ein großer, starker Mann steht in der Mitte des Saales, seine Brust bebt unb senkt sich vor un­geheuerer Erregung, seine Augen rollen, sein Ge­sicht ist verzerrt, als ob er Torturen unterworfen sei. Schii^lich bricht er in sinnloses Gelächter aus. Während der ganzen Zeit dröhnt unaufhör- lich der Lärm der Beter. Zu wilden Schreien, die um Gnade flehen, gesellen sich bas Wimmern der Erschöpfung, das Stöhnen der Verzweiflung unb laute AuLrüche kreischenden Gelächters. Ein Mann mit einem Kopf voll dichter schwarzer Haare weint und schlmhzt, als ob sein Herz bräche. Hin unb wieder springen einige Pfingsttänzer, bie bis dahin auf dem Podium gesessen haben, auf die Füße unb pressen die Hände in die Setten, als ob sie erschossen worden seien, während ein Mann in ihrer Nahe in einen Schrei ausbricht,

der eher von einer Wilsen Katze als von einem menschlichen Wesen zu kommen scheint. — In der Tat, da braucht man nicht nach dem Orient zu reisen, um die heulenden Derwische zu sehen.

— Die flachste Taschenuhr, die bis jetzt ange­fertigt wurde, verließ eben die Werkstatt eines bekannten Uhrmachers in Locle (Schweiz). ES ist, wie die Neue Züricher Zeitung mitteitt, eine Präzisionsuhr, die bei normaler Größe samt Schale und Glas nur drei Millimeter dick ist. Bedenkt man, daß für die Schale und daS Glas mehr als ein Millimeter abgehen, so ver­bleiben für bas Werk selbst, also für die Zapfentz Steinlager und Zeiger nur noch 1,9 Millimetern Die Feder ist Och Millimeter breit und hat, bei so geringer Breite, einen komplizierten Mechanis­mus, Stunden-, Minuten und Sekundenzeiger zu treiben. Wie genau muß dies alles gearbei­tet werden, wenn eine solche Uhr, wie das vor­liegende Stück, bis auf fünf Sekunden im Tag genau gehr.

— Bissige Antwort. Als der Wiener Humo­rist Saphir sich einst in einer Versammlung be­fand, begann ein Redner mit den Worten: „Meine Herren I Der Mensch ist ein Tier — ein Tier — ein Tier . . . ." Hier blieb er stecken. Da erhob sich Saphir und sprach: „Ich stelle den Antrag, daß diese Rede gedruckt unb baS Por- trait beS Verfassers beigefügt werde!" -p.

— Aus Küche unb Keller. Bei Majors ist ®< sellschast. Vorher ist der Bursche August von dr Gnädigen über seine Pflichten instruiert morde,«. —1 „Also August, Sie servieren die Suppe. Und fr-inn fragen Sie höflich, ob jemand von den Herrschaft?« vielleicht noch Suppe wünscht." Der Abend ist da. August serviett vorzüglich. Nachdem er sieht, daß alle ihre erste Bomllontaffe geleert haben, pflanzt er stch in militärischer Haltung auf und sagt klar und drntlich: „Will einer »och Bolljong

— Beobachtung. Lehrer (von den verschiedenen Berufsarten sprechend): »Werist ferner gezwunaen, eine fitzende Lebensweise zu führen d — Schul­junge: »Die alten Jungfern l*