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Wochenbeilage: „Illustrierte Zonntagrzeitung

36. Jahrgang.

Fulda, Freitag den 30. April 1909

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fehlt nichts. Herz, lauf nur. gehl Ich habe was Ihre scharfen Augen beobachteten ihn ge- Dringliches zu besorgen, was kernen Aufschub spannt, und er bemerkte das sehr Wohl.

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«rfcheint täglich mit Ausnahme der $o ja= und Feiertage.Vienel- Mrlicher Bezugspreis ohne vringrrlshn und Bestellgeld inZuldaso- »ie<mswärtst.somr.

Verantw. Redakteurr

Lar! schütt«; für die Anzeigen:

Z.parzeller in Zulda.

Herrenhaus.

Sitzung vom 29. April

Gras Häseler bittet die Unterrichtsverwaltung, die Anweisung zu geben, daß die Lehrer den Fortbildungs­unterricht unentgeltlich zu übernehmen haben.

Ministerialdirektor Schwarzkopff: Wenn die Lehrer bis zur vollen Höhe ihrer Le,stungs,cchigkeit in ihrem Amt beschäftigt werden, können sie eine Entschädigung für eine Nebenbeschäftigung verlangen.

Er sah in ihr schönes Gesicht, sein Herz krampfte sich wie in unaussprechlicher Todesqual zusammen. Sie, so strahlend, so schön, so jugend- arisch und lebensfroh, so arglos, und ihr junger Bräutigam, Sproß eines der stolzesten Geschlech­ter — acht und ihre Mutter unter der unge­heuerlichsten Anklage! Er bedeckte die Augen mit

Wayne, und gehe, nachdem ich Gott weiß wie, oft abgespeist worden, endlich geradewegs zu ihr, und finde sie — wirklich, ich weiß kernen anderen Ausdruck — bald von Sinnen. Du sitzest hier Stunden lang mit Fremden eingeschlossen. Was bedeutet das? Ist irgend etwas nicht tn Ord­nung?" .

„Du machst aus Mücken Elephanten, Isabel, versetzte er, sich bemühend, scherzhaft und leicht zu sprechen. „Was sollte denn nicht in Ordnung sein?"

„Nichts so rite nicht in Ordnung fern, aber augenscheinlich i st etwas nicht in Ordnung/ gab sie spitz zurück. „Geheimnisse sind mit ver-

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 29. April 1909.

Auf der Tagesordnung steht die sozialdemokratische Interpellation betr. gesetzliche Regelung der Rechts- verhältnifle der für die Arbeiter eingerichteten

Wohlfahrtseinrichtungen der Arbeitgeber.

leidet, also geh, Liebling!"

Elsie verlieh langsam das Zimmer; Tränen standen ihr in den Augen. Isabel Wayne warf sich in einen Schaukelstuhl; sie sah äußerst übel-

der Hand.

„Papa," rief Elsie, „laß mich Dir etwas Er­frischendes besorgen. Sicher, Tu bist nicht wohl."

„Nein, nein, Liebling, laß Bald nicht warten! Sorg' Dich nicht um meine Papiere, wir wollen sie ein anderes Mal vornehmen."

„Laß sie glücklich sein, so lange es geht," dachte er, „Gott weiß wie lange es noch dauern mag."

„Aber ich mag nicht von Dir gehen, Papa," murmelte das junge Mädchen, sich an ihn schmie­gend. „Meinst Du, ich könnte mit Baid ausrei­ten und mich freuen, wenn ich dabei an Dein blasses Gesicht denken muß?"

„Dann wird Bald hoffentlich mit Dir schelten, kleines, besorgtes Mütterchen. — Wirklich, mir __■. M.tt* 'iah!

progressiv abgeftufte, bewegliche Vermögenssteuer; die Sozialdemokraten eine Nachlaß-, Vermögens­und Einkommensteuer. Die Reichspartei wollte im konservativen Antrag die Worte „anstelle der Erb- chastssteuef streichen. Die Wirtschaftliche Ber­einigung für den Fall der Ablehnung des konserva­tiven Antrages die schleunige Vorlage eines Gesetz­entwurfes über die Besteuerung des Wertzuwachses von Immobilien und Wertpapieren, aber nicht als Ersatz für die Erbschaftssteuer, sondern als ganz all­gemein.

Alle diese Anträge wurden von ihren Urhe­bern in längerer Rede begründet und verteidigt, wobei man es an Reibereien gegeneinander nicht ehlen ließ. Das Zentrum beteiligte sich in wohl- iberlegter Zurückhaltung an diesen Auseinandec- etzungen nicht, wie es überhaupt in die Debatte nicht eingriff. Die Verhandlungen waren ein­geleitet worden mit einer Erklärung des Frhrn. v. G a m p, der die Mitteilungen über die Step, lungnahme der Reichspartei zu dem konservati­ven Antrag dahin richtig stellte, daß sie dem An­trag zwar sympathisch gegenübcrstehe, ihn aber nicht als Ersatz für die Erbr.ifallsteuer ansehen könne. Aehnlich äußerte sich die wirtschaftliche Vereinigung. Ins Praktische übersetzt bedeutet das, daß der konservative Antrag eine Ablehnung erfahren wird. Vermutlich wird er mit Stimmengleichheit ab gelehnt werden, indem für ihn die 8 Kommissionsstim­men des Zentrums, die 4 Stimmen der Deutsch- Konservativen und die 2 polnischen Stimmen zu rechnen sind. Auf der anderen Seite stehen die 14 Stimmen der Linken, der Reichspartei und der Wirtschaftlichen Vereinigung. Sollten jedoch ibrie Stimmen der Wirtschaftlichen Verenigung, was immerhin möglich ist, schließlich den Stim­men der Rechten doch noch zufallen, so ergäbe dies eine Mehrheit vott 16 gegen 12 Stimmen gegen die Regierung.

Die R e g i e r u n g s v e r t r e t e r waren gö- stecu wieder voller Zuversicht und hielten mög­lichst „unentwegte" Reden. Dr. S y d o w, der Reichsschatzsekretär, will die Wertzuwachsffteuer auf Immobilien höchstens als Ergänzung der Erbschaftssteuer gelten lassen und erklärte mit erhobener Stimme unter großer Bewegung:

Die Meinung der Regierung ist folgende: Die Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Ktu- der und Ehegatten ist ein wesentlicher Bestand­teil der Reichsfinanzreform, ohne den diese we­der zustaudetoinmen wird noch kann.

Jrhr. v. Nheinbaben hielt eine nicht nun- der temperamentvolle Rede gegen die Wertzu­wachssteuer auf Immobilien, die seiner Ansicht nach den Gemeinden gehört. Seehandlungsprä­sident Dr. Havenstein endlich machte, das Herz jedes Börsenjobbers lachen, als er die Schwie­rigkeiten, die ja der Wertzuwachssteuer auf Wert­papiere unleugbar entgegenstehen, in den glü­hendsten Farben schilderte.

Heute wird die Kommission den ganzen Tag arbeiten. Dann wird es wohl zur Abstimmung kommen.

schöne Evelyn, Lady Wayne, kniete am Boden, ihrer Schwester zu Füßen.

Als sie das Gesicht ihres Mannes erblickte, erhob sie die Hände und schrie laut auf.

„O Marian, Mariani mein Traum ist wahr geworden! Mortimer, was ist's? Wenn Du mich so ansiehst, sterbe ich!"

Doch er, der treue Gemahl, der edle Mann, der ritterliche Sproß eines alten, edlen Geschlech­tes, kniete neben ihr nieder und schlang seine Arme um die schlanke, bebende Gestalt.

„Komme, was 'da wolle, meine Evelyn, mein Weib," sagte er tiefbewegt, „wir wollen es zu­sammen tragen."

63. K apitel.

„Ich bin unschuldig."

Evelyn Lady Wayne sah zum Gesichte ihres Gemahls empor; in ihren schönen Augen lag nichts als tiefe, hoffnungslose Verzweiflung.

„O, Mortimer, sprich nicht so lieb, so gut mit mir. Ich wollte, ich wäre gestorben, ehe Du mich gesehen. O, ich wollte, ich könnte jetzt ster­ben und Dir alles Elend und allen Kummer er­sparen."

Und das stolze, schöne Haupt,^das sich nie zu­vor gebeugt, senkte sich jetzt tief, tief in den Staub.

Er sah sie überrascht an.

„Ich verstehe Dich nicht, Liebling. Du wirst doch keinenAugenblick denken, daß ich diese infame Geschichte glaube. Aber, Teuerste! Wüßte ich näht, was man der Majestät des Gesetzes schul­dig ist, — bei Gott, ich hätte demjenigen, der sich zuerst unterstand, sie zu erwähnen, die lügnerische Zunge ausgerissen."

Durch die Quäl und die Angst in ihren Züge« hindurch sah er ein solch fassungsloses Erstaunen, daß er seinerseits vor einem Rätsel stand. Ma­rian West sah, daß beide etwas ganz Verschiedenes im Sinne hatten.

(Fortsetzung folgt.)

^^Mir auch," versetzte er trocken. „Du kon­struierst sie Dir aber zttfammen Jsabel."

Fmmer, seit dieser Unglücklichen Geschichte, ist es so gewesen. Mein Gott, es tat uns ja allen sehr leid aber wir brmtdien die Sache doch sicher schließlich nicht als ein Familien-Unglück aufzu­fassen, oder doch?" . .....

launig aus. r . „

„Störe auch ich?" fragte sie spitzig.

„Nein," erwiderte Lord Wayne kühl.

„Das ganze Hatts ist reinweg wie verhext," rief sie. „Ich kann mir gar nicht denken, was nur eigentlich los ist. Kenninghall war sonst eitel Sonnenschein, jetzt ist es eitel Trübsinn und Düsterkeit." , TO„ .

„Was meinst.Du, Isabel? fragte er schnell.

„Ich meine genau das, Morti­

mer. Es liegt etwas Merkwürdiges, Geheimnis, volles in der Luft, was wir nicht gefallt Ich frage nach Miß West und erhalte zur Antwort, sie sei auf ihrem 3immer und es ist ihr nicht mög. lich, jemanden zu empfangen: ich frage nach Lady

s'

92j Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld. Sie empfahlen sich, und er blieb allein zurück.

Noch einmal fühlte er sich versucht, ä« ™“ fahren, als er sah, wie sorgfältig der ^ehe mv zist seine schrecklichen Beweise wieder einpaa«, jene Beweise, die, das wußte er jetzt, so starr gege feilte Gemahlin sprachen.

Er stand noch da und suchte seine Gedanken zu sammeln ,seine Selbstbeherrschung, seinen Gletm mut wieder zu erringen, die ihm für des ^eDen Alltäglichkeiten so nötig waren, als Stimmen vor der Tür laut wurden. Er öffnete kurz gesav und sah in Elsie's lachendes, strahlendes Gestch und Isabel Wayne's kalte, stolze Züge.

„Papa, vergib mir; ich hab' gewartet und ge­wartet, bis ich glaubte, Du hättest mich ganz ver­gessen, da bin ich selbst gekommen, als ich Get­uen Besuch fortgehen sah. Weißt Du noch, oast icy Dir einige Papiere ordnen helfen sollte?

Er sah sie an wie jemand, der sich uur^muy- •fam zu erinnern und zu besinnen vermag. ^ayre .schienen ihm seitdem verflossen — lange, Mea- liche Jahre, — und doch war kaum eine Stunde Vorüber. _ .

„Lord St. Gilbert ist vor fast einer Stunde gekommen, um mit Elsie auszureiten," fugte M erklärend hinzu. „Wie Mortimer, was fehlt Dir nur? Wie blaß und angegriffen Du aus- siehst!"

Elsie sprang hastig an seine Seite, ergriff seine Hand und sah ihm besorgt in’S Gesicht.

„Du bist krank, Papa, und sagst .uns. kein Wort davon? Tein Gesicht ist ja so blaß wie der Tod: Tu hast dicke Trovfen auf der Stirn die Hände beben Dir ja! Was gißt’8, was^gibt-?

„Nichts, mein Liebling die Hitze ist heute so crg, und ich kann dies schwüle Wetter nun einmal wicht erlagen, die Sonne blendet einen heute ja ..förmlich."

bin es müde, diese Geschichte zu erör­tern" erwiderte er frostig; und muß Dich bitten, mich w entschuldigen, Isabel. Ich habe zu tun." Mit diesen Worten verließ er das Zimmer. Es stimmt etwas nickt, es stimmt etwas nicht," triuuiphierte Isabel, natMem er gegan- aen Hab' ich's doch gedacht, daß ich Mich nicht irren wurde. Es war also nicht umsonst, daß sich das Regenplätschern damals hören ließ, als Mvladv hier ihren Einzug hielt."

Unterdes war Lord Wayne zum Fruhstucks- Kmmer aeganaen, wo die Damen des Hauses sick^ewöhnlich befanden. ES war leer Er gmg m den Gemächern seiner Gattin und klopfte an, seinwohlbekanntes Klopfen. War das ihre stimme worin aller Wohlklang erstorben schien?

($/ frat ein, und seinem erstaunten Blick bot sich der seltsamste Anblick. Marian West saß dort tn einem niedrigen Sessel, und feine Gattin, die

leichterunq, wenn man den Beitritt zur Kasse erst nach Znrücklegung einer gewissen Dienstzeit verlangen wurde, etwa nach einem Jahre. Dann wurde schon em erheb­licher Teil der Klagen verschwinden. Auf die bis- heriae Weise gebt es nicht werter. Die Erregung unter den Arbeitem steigt, ohne daß die Beschwerden durch die Agitation veranlaßt oder verschärft werden.

Cnuo (freis. Bp.): Sicherlich ist es sehr schwer, die ganze Materie gesetzlich zu regeln, aber der Versuch muß gemacht werden. Die bestehenden Miß­stände müffen beseitigt werden.

Dienstag: Weiterberatung._______, i

Der Gesetzentwurf betreffend Erweiterung Stadtkreises Düsseldorf wurde von der Tagesord! abgesetzt. Es folgte die Fortsetzung der Beratung des Lehrerbesoldungsgesetzes.

cfa » 8 werden Bestimmungen über die Alters­zulagen getroffen. Nach den Beschlüflen des Abge­ordnetenhauses sollen die Alterszulagen tn den beiden elften Stufen je 200 Mark und in der dritten und vierten je 250 Mark betragen, während sie nach den Beschlüffen der Herrenhauskommission in den ersten vier Stufen je 200 Mark, tn der fünften und sechsten Stufe 250 Mark betragen sollen.

Graf Hohenthal-Dölkau befürwortet den gestern mitgeteilten Antrag Carmer auf Wiederherstellung der Fällung des Abgeordnetenhauses.

Graf -Ziethen erklärt sich für den Antrag Carmer.

Pro efsor Reicke-Kiel bittet um Annahme eines Antrags wonach es den Gemeinden anheimgestelll bleiben soll, ersten und alleinstehenden Lehrern eine Amtszulage von 100 Mark zu gewähren.

Graf Hohenthal-Dölkau empfiehlt einen Antrag, wonach die Amtszulagen bestehen bleiben und zur Deckung der Summe die Ergänzungszuschusse um bteje Beträge gekürzt werden sollen.

Professor Löhning-Halle istsür die Wiederherstellung der Fassung des Abgeordnetenhaules

Ministerialdirektor Schwarzkopff bittet die Anträge der Herrenhauskommission abwlebnen.

Oberbürgermeister Schustherus-Charlottenburg be­antragt, daß bei der Bewilligung der Ortszulagen auf den Familienstand Rücksicht genommen werde.

Der Antrag wurde angenommen, die Abstimmung über die Allerszulage selbst zurück gestellt.

Zur Beratung kommen dann tue Bestimmungen über die ©taatsbeiträge an die Gemeinden zur Deckung der Amtszulagen (§§ 43ff).

Gras Hohenthal-Dölkau beantragt, daß für erste und alleinstehende Lehrer, die die Amtszulagen von 100 Mark erhalten sollen, ein Staatsbeitrag tn Höhe dieser Summe gewährt werden soll.

Nach weiterer unerheblicher Debatte wurde der Antrag Carmer auf Wiederherstellung der Fassung des Abgeordnetenhauses bezüg­lich der Bestimmung über die Staatsbettrage an die Gemeinden abgelehnt. Auch der Antrag Hohen-, thal wurde abgelehnt, dagegen der § 43 und die fol­genden Staatsbeiträge nach Den Beschlüssen der Kom­mission des Herrenhauses angenommen,

Die Bestimmungen über die Alters- und Amts­zulagen (§§ 8 und 24. wurden unter Ablehnung De» Antrages Carmer und Der anderen vorliegenden An­träge ebenfalls nach den Beschlüffen der Herrenhaus- Kommission angenommen. Der Antrag Reicke wurde

Die Abstimmung über die rückwirkende Kraft ab 1. April 1908 wurde bis zur Erledigung des Mantelgesetzes ausgesetzt.

Im übrigen wurde das Gesetz nach den Be­schlüssen der Kommission des Herren­hauses angenommen.

Angenommen wurde dazu eine Resolution da­hin, daß durch staatliche Gesetze den Gemeinden Aus­gaben nicht auferlegt werden sollen, die nicht schon bet der Festsetzung Des GemeinDeetats feftftänben.

Es folgte die Beratung des Gesetzentwurfes betr.

Abänderung deS Einkommensteuergesetzentwurfes

und des Ergänzungssteuergesetzes. .

Bei der Einschätzung der land- und forstwirtschaft­lichen Grundsteuer soll der Ertragswert zugrunde gelegt werden. Die Kommission beantragt dazu folgen­den Zusatz: Wenn iedoch die Besitzer solcher Grund­stücke dieselben innerhalb der letzten 10 Jahre durch Vertrag erworben haben, so ist Der Einschätzung Der gemeine Wert (statt Des Ertagswertes) zugrunde zu legen. Der Gesetzentwurf wurde mit dem Kommisflons- antrag angenommen.

Freitag: Mantelgesetz, Gesetz über die Gebühren der Medizinalbeamten.

[] Der Reichssteuer - Distutierklub.

Der Donnerstag-Sitzung der Finanzkommission sah man allerseits mit größtem Interesse entgegen. Der konservative Antrag auf eine Wertzuwachs­steuer stand zur Erörterung. Dazu lag eine ganze Menge von Ergänzungsanträgen vor:

Die Nationalliberalen verlangen eine Erb- anfallsteiier für Deszendenten und Ehegatten und, falls dadurch 100 Millionen nicht einkommen, für den Rest eine Wertzuwachssteuer auf Immobilien; die Frei­sinnigen eine Erbanfallsteuer und daneben eine

Abg. Severing (Soz.) begründet die Interpellation' Durch diese Kassen wollen die Großbetriebe die Arbeiter an das Werk fesseln. Das Streitrecht wird den Ar­beitern gekürzt. So ist es bei Krupp, bet den Höchster Farbwerken, auf dem Norddeutschen Lloyd und anderen. Durch eine reichsgesetzliche Regelung der Rechtsver­hältnisse dieser Kaffeneinrichtungen muß den zutage getretenen Mißständen entgegengetreten werden. Ins­besondere müssen die Ansprüche bet aus den Betrieben ausscheidenden Arbeiter gewahrt werden durch d,e Be­rechtigung einer freiwilligen Weiterversicherung oder die Verpflichtung auf Rückzahlung der Beiträge. Auch anerkannte Sozialpolitiker sind nicht einverstanden mit dieser Art der Wohlfahrtsklassen. Von einer Mitbe- gmmuiig und Mitverwaltung der Arbeiter ist keine ebe. Diese Pensionskassen müssen bem Aussichtsamt für Privatversicherung unterstellt werden.

Staatssekretär von Bethmann-Hollweg: Als die Pensionskasfen entstanden, gab es noch keine staatliche Arbeiterfürsorge. Damals fanden die Arbeiter in diesen Kassen Gelegenheit, für sich für den Fall der Invalidi­tät und für die Hinterbliebenen im Todesfälle zu sorgen. Damals wurden diese Kassen auch von den Arbeitern als erfreuliche Veranstaltungen sozialer Wohl­fahrtspflege gepriesen. Im großen und ganzen dürste es sich bei diesen Kassen um Einrichtungen handeln, die aus berechtigtem Geschäftsegoismus zur Schaffung eines dauernden Arbeiter st audes gegründet sind. Der Fortbestand der Versicherung ist im all­gemeinen abhängig von der Dauer der Zugehörig­keit zum Werk. Der Kern aller Beschwerden liegt wohl tn der Bestimmung, baß Dem Arbeiter j e b e n Tag von dem Unternehmer gekündigt werden kann. Nun ist vorgeschlagen worden, einerseits das Verbot, Wohlfahrtseinrichtungen mit Beitrittszwang zu gründen, andererseits die Bestimmung, daß dem ausscheidenden Arbester die gezahlten Beiträge ganz oder teilweise zur Ücker stattet werden. Hierbei darf aber nicht vergessen werden, daß es sich um freiwillige Einrich­tungen seitens der Unternehmerschaft handelt. Eine gesetzliche Bestimmung, daß ein Arbeiter nicht entlassen werden darf, weil er einer Vereinigung angeh^rt, die dem Arbeitgeber nicht paßt, ist in unserem gesellschaft­lichen Leben ganz unmöglich. Es ist auch unmöglich, durch gesetzlichen Zwang, den Kaffen den inviduellen Charakter zu nehmen und sie auf eine allgemeine Grundlage zu stellen, sowie auch die Rückzahlung der Beiträge schematisch durch ein Gesetz zu regeln. Der einzig gangbare Weg scheint der zu sein, daß auf dem Verwaltungsweg die Rückerstattung der Beurage an­gebahnt wird. Die Einschränkung des Kündigungsrechts der Unternehmer muß auch eine Einschränkung der Freizügigkeit Der Arbeiter notgedrungen nach sich ziehen. Der Arbeitgeber hat die Pflicht, fein Werk so aus­zugestalten, daß die Arbeiter sich Dort wohl fühlen. Da darf die Gesetzgebung nicht so tief eingreifen.

Abg. Osann (natl.): Wenn Krupp die Beiträge nicht zurückzahlt, muß daran erinnert werden, daß die staatliche Kasse in Friedrichsort dieselbe Einrichtung haL ebenso auch die Hoitheater tn Darmstadt und Braunschweig. Auch manche Gewerkschaften haben eine ähnliche Bestimmung, so z. B. der Holzarbeiter- »erbanD, bei dem freiwillig ausgetretene oder ausge­schlossene Mitglieder keinerlei Anrecht an das Ver­mögen des Verbandes bat)em. Mit der Anerkennung der gegenseitigen Leistungen wäre dem sozialen Frieden mehr gedient als mit der Forderung: Weg mit Diesen Kä sen. (Beifall bei den Nationalliberalem)

Abg. Giesberts (Zentr.): Die christlichen Arbeiter sind sich des Wertes der Penstonskasseu wohl bewußt Sie verlangen aber die Beseitigung der bestchenden Mißstände. Die ganze Einrichtung darf nicht den Mißmut der Arbeiter erwecken. Man Eß die Kassen so ausstatien, daß sie beim Austritt eines Arbeiters ihm Doch wenigstens einen erheblichen ^'"?r Be j träge zurückzahlen können. Der Hauptbeschwerdepunkt ist aber der Beitiittszwang. Es wäre schon eine Er-

* * *

Die schroffe Erklärung des Staatssekretärs Sydow: Die Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten ist ein wesentlicher Bestand­teil der Finanzreform, ohne den diese weder zustande kommen wird noch kann, — läßt auf den ersten Blick die Vermutung zn, daß die verbündeten Re­gierungen in dem Falle, daß ein fernerer Wider- stand der Konservativen das Zustandekommen der Erbanfallsteuer vereitelt, vor der Reichstags­auslösung nicht zurückschrecken. Wir glauben noch nicht daran. Es wäre doch allzu blamabel für den Fürsten Bülow, wenn er gegen „seinen" Block­reichstag an das Volk appellieren müßte. Uebrigens wäre ja auch der Erfolg zweifelhaft. Die Aus­führungen der „Köln. Ztg.", daß eine Retchstags-

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Monatsbeilage: „8uldaer GeschichtMmM Fernsprecher Ur. y.

Preußischer Landtag«

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 29. April 1909.

Die Beratung des Kuttusetats wurde fortgesetzt beim Kapitel „Kunst und Wiffen- ^"^Abg. v. Etznatten (Ztr.) befürwortet den Schutz altrömischer Baudenkmäler tn der Rheinprovrnz.

Unterstaatssekretär Wever verspricht wohlwollende Berücksichtigung der Anregung.

Abg. Kirsch (Zentr.): Der beabsichtigte B ert auf der alten historischen Schlösser, rote Stolzen- fels, Brühl und Jägerhof, haben tn Kölner und Düsseldorfer Kreisen große Unruhe hervorgerufen. Es sollte wenigstens in den Kaufvertrag eine Be­stimmung ausgenommen werden, daß der Käufer die Schlöffer in dem bisherigen Zustand erhalten soll.

Abg. Schreiner (Zentr.) bittet um die Bewilligung von Mitteln zur Fortführung der Aufdeckungsarbeiten beim Amphitheater in Trier.

Bei den Ausgaben für technisches Unterrtchtswesen befürwortete Abg. Faßbender (Zentr.) den Wunsch Der Ingenieure, zu Stellen der höheren Verwaltung zuge- laffen zu werden.

gtegierungSfeitig wurde erwidert, diese Frage laste sich nicht kurzerhand lösen.

Beim Kapitel Medizinalwesen warnt Abg. Faßbender (Zentr.) vor Uebertreibung der Ab stin enz- beroegung und bemängelt die Form der Wohnungs­desinfektion. _

Abg. Lüdicke (freitonf.) spricht sich für die syste­matische Krüppelsürsorge aus. , „

Ein Regierungsvertreter erwidert, die Kruppel- fürforge zu verstaatlichen heiße, die private Fürsorge, Die sich so reichlich betätige, lahmlegen.

Abg. Winckler (L) bemängelt Mißstände auf dem Gebiet der Nahrungskontrolle, und beklagt, daß bte Kreisärzte namentlich auf dem platten Lande die Sympathie der Bevölkerung vielfach durch zu vieles Reglementieren verscherzt haben.

Abg. Rosenow (freis. Vp.) bringt den Wunsch feiner Partei auf Teilung des Ministeriums vor.

Abg. Switala (Pole) bittet, daß die Verfügungen und belehrenden Schriften über ansteckende Krankheiten tn der Provinz Posen auch in polnischer Sprache an­geschlagen bezw. verteilt werden mögen. Weiter fuhrt Redner Klage darüber, daß man sich bei Der Besetzung von Kreisarztstellen vielfach nach den Wünschen des Ostmarkenvereins richte.

Abg. Dr. Heisig (Z.t wünscht gleichfalls, daß die Belehrungen über ansteckende Krankheiten in den öst­lichen Provinzen auch in Der Muttersprache erteilt werden. Bezüglich Der obligatorischen Leichenschau meint Redner, man könne doch deshalb, weil einige Leute die Zulassung der Leichenverbrennung forderten, nicht die obligatorische Leichenschau gesetzlich festlegen.

Freitag: Fortsetzung.