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36. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, den 29. April 1909

M 96

Zweites Matt

Reklame»- und Anzeigenteil.

Kleines Feuilleton

rtnzrigrnr Vie ein- spattige Petitzeile oder deren Baum 15 Pfg. Aeklamendlepetitzelle 25 pfg., bet Wieder­holungen wird entspk. Rabatt gewährt.

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verant«. Redaktemr «arl Schiitter

lichten Werterhöhung beweglicher und unbeweg­licher Vermögensteile treten läßt.

c. Der Entwurf eines Gesetzes über die Haftung des Reiches für seine Beamten ist dem Reichstage zugegangen. Danach übernimmt das Reich die Haftpflicht für seine Beamten, wenn die Beamten in Ausübung der ihnen an- vertrauten öffentlichen Gewalt vorsätzlich oder fahrlässig die ihnen einem Dritten gegenüber ob- liegende Amtspflicht verletzen. Da» Reich kann sich den Schaden von dem Beamten ersehen lasten. Das Reich übernimmt die Haftung auch für die sogen, mittelbaren Beamten.___________________

Aus dem Nachbargebiete.

* Kastel, 28. April 1909. Die Wilhelms, höher Wasserkünste werden Sonntag, den 9. Mai, zum erstenmale in diesem Jahre ange- lassen.

* Mühlhausen, 26. April 1909. Beim Richt­fest eines hiesigen Neubaues am Samstag flog einem der Ziminergesellen der Hammer vom Stiele und sauste herab. Er traf den unten ar­beitenden Maurer Schramnr auf Len Kopf und zerschmetterte die Schädeldecke. Sch. ist seinen Verletzungen erlegen.

* Eisenach, 28. April 1909. Aufder Wer- rabahn, die am 1. Oktober vorigen Jahres auf ihr öOiähriges Bestehen zurückblicken konnte, wurde der z w e i g l e i s i g e B e t r i e b eröffnet Als erster Zug befuhr das neue Gleis der 2.20 Uhr nachmittags Salzungen verlassende Perso- nenzug. Zur Feier des Ereignisses war Oie Loko­motive festlich geschmückt.

* Kastel, (Großh. Hessen), 25. April 1909. Im benachbarten Amöneburg sind gestern durch Pioniere zwei mächtige Schornsteine der che­mischen Werke von Albert g e s p r e n gt worden. Um die hart Neben den Kaminen hinführende Hauptleitung des Wasserwerks und die elektrische Leitung der Fabrik zu schonen, mußten die Stein­kolosse in genau vorgeschriebener Richtung zu Fall gebracht werden. Die schwierige Arbeit wurde mittels Glüh-Zündapparat erfolgreich ausge­führt. Der Platz war weithin abgesperrt; in allen Häusern der Nachbarschaft hatte man die Fenster wegen des enormen Luftdrucks geöffnet.

* Sonneberg, 28. April 1909. Den teuer- sten Bürgermeister im Herzogtum Mei­ningen leistet sich die Stadt Sonneberg. Der soeben zum Stadtoberhaupt gewählte Rechtsan­walt Keßler bezieht zunächst 7000 JK- bei freier Wohnung, das Gehalt steigt aber dreimal um je 500 sodaß das Endgehalt 8500 ^ betragen wird. Außerdem werden dem neuen Bürgermei­ster die 15 Jahre, die er als Anwalt in Sonne­berg tätig ist, als Dienstjahre angerechnet. Der bisherige Oberbürgermeister Liman begog nur 5000 M Jahresgehalt.

* Von der Lahn, 25. April 1909, schreibt man dem „Nass. B.": In hiesiger Gegend finden jetzt sogen. „Gebets-Schneeballveranstal- tungen" statt. Wir warnen dringend vor die­sem Unfug, weil damit abergläubisches Wesen ver­knüpft ist.

— Der erste Mai als Sehenswürdigkeit. Wie es Engländer möglich machen, sogar die -Maifeier" gewiffermaßen aU .Geschäft" zu ver- werten und den ersten Mai als eine Sehenswürdig- kett allerersten Ranges hinMstellen, davon weiß Element Bautet im Pariser ,Matiw em niedliches Geschichtchen zu erzählen. .In einem Blatte von Manchester sand ich dieser Tage folgende merk­würdige Annonce:

Reisegesellschaft X . . »nd Som.

Großartiger Ausflug nach Parts

ausAnlaß der gräßlichen Aufstände am 1. Mai- Preis 125 Franks (Reise, Hotel Wagen und Trinkgelder mit einbegriffen).

Unsere Reisenden werten in Paris großartige Tumulte

sehen. Ein schreiten derPoliz ei und der Trupp en Imposante Auszüge.

Berhaftunge» in Masse.

Plünderungen von Warenhäusern. Besuch der Krankenhäuser.

Die Gesellschaft empfiehlt diese Reise ganz besonders, well fte die größten Sensationen verspricht.

Avis. Für einen Schilling versichert man sich gegen jedes Risiko.

Ein wenig überrascht von dieser Ankündigung begab ich mich zu dem DirÄtor der Pariser Filia e der Gesellschaft und bemerkte etwa- schüchtern: .Wenn nun aber der erste Mat ruhig verläuft, wenn es weder Aufruhr noch großartige Aufzüge gibt . . •*

Da lachte der Herr Direktor und entgegnete: „Win Herr, Sie haben den Schlußsatz unserer An­kündigung übersehen. Dort heißt es ausdrücklich: Für etwaige Aenderungen des Programmes über­nimmt die Gesellschaft keine Verantwortung!"

Herrn Kommerzienrat sprechen?" — Zofe: „Ich glaube wohl — nur weiß ich nicht, befindet er sich im Schreib-, Rauch-, Spiel- oder Bibliothekzimmer, bei den Kindern oder im Turn-, Musik- oder Speffesaal. Ist er auch nicht in der Telephonhalle, finden Sie ihn im Billardsalon oder im Wmtergar- ten, im Gemache mit der gnädigen Fran, in der Automobilgarage, im Pferdestall, eventuell in der Ballonhalle."

— Verräterische Spuren. „Gestern abend brachte ich meiner Angebetenen ein Ständchen." — „Weiß ich schon!" — „Woher denn? — Ich hab' heut, morgen die Wasserlache vor dem HauS geseh'n"

fache erhalten, in die ein mit 10 Pfg. frankierter gewöhnlicher Brief hineingeraten war, den der Beamte aus Versehen öffnete. Er fand darin dreitausend Mark in Banknoten und einen Check über 10000 M. Die Firma in Ludwigshafen, die den Brief abgefchickt hatte, wurde von Stirn Funde telephonisch verständigt. Jedenfalls war es ein großer Leichtsinn, so enorme Summen in einem gewöhnlichen Briefe zu versenden.

* Einen seltenen Unfall erlitt in Elber­feld eine Telephonbeamtin. Am Morgen zwi­schen fünf und sechs Uhr wurde die junge Dame wohl infolge von Uebrrmüdung von einem der­artigen Gähnkrcuupf befallen, daß der Unterkie­fer an beiden Seiten aus den Gelenken sprang. Die Verlegenheit war groß, denn die Telephoni­stin durfte, da sie allein war, ihren Platz nicht ver­lassen und halte auch keine Möglichkeit zu spre­chen oder telephonische Hilfe zu rufen. So mußte die Aermste trotz böser Schmerzen auf ihrem Po­ften bleiben, bis am Morgen eine Putzfrau kam, die schnell einen Arzt holte. In der Narkose wurde der Patientin der Kiefer wieder einge­renkt.

* Der „nobel" belohnte Lebensretter. In Schastlich in Oberbayern fiel das 5jährige Töch­terchen eines fremden Beamten in den Karpfen- teich, wurde aber von einem des Weges kommen­den Handwerksburschen, der ins Wasser sprang, ge­rettet. Hocherfreut drückte der herbeigeeilte Va­ter fein Kind an die Brust und dem vor Frost zit­ternden Walzbruder eine — ganze Reichsmark in die Hand.

* Deutschland und England. Wie aus Lon­don berichtet wird, wird dort ein Besuch von 25 bekannten deutschen Arbeiterführern, worunter auch Reichstagsmitglieder sein sollen, erwartet. Es wird von drüben sogar ein gewal­tiges Programm für diesen Besuch übermittelt, das anscheinend den deutschen Gästen soviel Ver­pflichtungen zum Essen und Trinken und Reden­hören auferlegen wird, daß es mit einer gründ­lichen Besichtigung englischer Einrichtungen wohl feinen Haken haben wird.

** Die Londoner Ueberweiber, die durch ihrs Verrücktheiten gegenüber der Regierung und dem Parlament immer wieder von sich reden machen, scheinen nunmehr auch in Berlin Beziehungen anknüpfen zu wollen. Ihre Anführerin Miß Isabel Seymour wird am 5. Mai in Berlin über die Kampfestaktik der „englischen Sufsragettes" in einer Versammlung der Berliner radikalen Frauen sprechen. Selbst fretfimüge Blätter ziehen daraus den Schluß: „Der preußische Lan- öesverein für Frauenstimmrecht will anscheinend die Taktik der englischen Frauenrechtlerinnen annehmen." — Wir hegen diese Befürchtungen nicht; denn bei uns würde man Ivahrscheinlich sehr viel leichter mit diesen Ueberweibern fertig werden als die englische Polizei.

* Ein angeblicher Vetter des Schah prellte in Warschau hochstehende Personen um eine halbe Million Rubel. Er entpuppte sich schließlich als ein kaukasischer Fürst und wurde verhaftet.

vermischtes.

* Besichtigung des „Groß II". Am Dienstag fand eine Besichtigung des Militärlustschiffes „Groß II" durch den kommandierenden General des Gardekorps, General v. Kessel, statt. Nach der Besichtigung unternahm dec Ballon einen Aufstieg.

* Ei« Todesurteil gegen einen blinden Mörder wurde vom Schwurgericht in Neiße ver­hängt. Der vollständig erblinoete Drehorgel­spieler Mann hatte in Schmitsch feinen schlafen­den Großvater durch Beilhiebe auf den Kopf ge­tötet, weil er glaubte, daß fein Großvater ihn beim Ankauf einer Drehorgel betrogen habe. Er wurde zum Tode verurteilt.

* Lehrlinge int Eisenbahndienst. Der preu­ßische Minister der öffentlichen Arbeiten hat sämt- liche Eifenbahndirektionen ermächtigt, gut ver­anlagte junge Leute alsbald nach der Schulent­lassung in den Eisenbahndienst einzustellen und zwar vorläufig nur Söhne von Eifenbahnbedien­steten. Die Bewerber müssen das 14. Lebensjahr vollendet haben und völlig gesund fein, auch ein ausreichendes Hör-, Seh- und Farbenunterschei­dungsvermögen besitzen. Sie sollen zunächst mit leichten körperlichen Arbeiten, mit Botengängen und einfachen schriftlicheit Arbeiten int inneren Bahnhofs-, Ab fertig» ngs- und Bürodienst be­schäftigt, auch int Telegraphen- und Fahrkarten­verkaufsdienst ausgebildet werden. Einen Mo- not lang sind die jugendlichen Arbeiter ohne Ent­gelt probeweise zu beschäftigen, dann erhalten sie, wenn sie sich als anstellig und verwendbar er­wiesen haben, einen Anfangslohn von 0,80 bis 1 =M, pro Tag.

** Die Drucksache als Brieffalle. In Lan­dau hat ein Beamter mit der Post eine Druck­

kanntmachung in Kenntnis zu setzen." Man muß wirklich sagen, daß niemand zuvorkommender, gegen Diebe und niemand mehr bemüht sein kann, ihnen überflüssige „Arbeit" zu er­sparen. -a.

— Der Apfel als Verräter. Seit langem wurde in der Umgegend der alten belgischen Universi­tätsstadt Löwen ein Dieb gesucht, unter dessen nächtlichen Einbrüchen alle Bürger zu leiden hat- ten. Aber der Dieb war trotz aller Bemühungen der Polizei nicht zu fassen. Da er niemals Ge­genstände raubte, sondern nur bares Geld, so konnte man thn auch nicht beim Verkaufen sei­nes Diebesgutes überraschen. Endlich gelang es doch, des Einbrechers auf merkwürdige Art hab­haft zu werden. Er hatte sich in ein Haus Ein­gang verschafft, in dem die Bewohner eben zu Tisch gesessen hatten. Auf dem Tische toar eine Schale mit Obst stehen geblieben, und der Dieb biß in einen Apfel, den er aber nur zur Hälfte aufaß und dann liegen ließ. Die Polizei Nahm den Apfel an sich; sie untersuchte die Zahnspuren, und es gcklang ihr sestzustellen ,daß ein alter Ein­brecher Van Zelst, der schon achtzehn Jahre im Zuchthause verbracht hat, der Dieb fein müsse. Er wurde beobachtet und konnte bald bei einem neuen

Ausland.

* Der Wiederbeginn der Neichsratsverhand- lungen in Wien vollzog sich am Dienstag ziemlich glatt. Es gab einige kleine Lärmszenen, die in­des nicht viel aus sich hatten. Ihre Bedeutung erhielt die Sitzung durch eine programmatische Erklärung des Ministerpräsidenten, über die totr schon telegraphisch berichteten. Er besprach zunächst die auswärtige Lage und das deutsch-österreichische Bündnis (bergt. Nr. 95, Letzte Nachr.). Gegen Serbien schlug der Mi­nisterpräsident eine versöhnliche Note an. Ser­bien brauche nur das Mögliche zu wollen, um zu erfahren, welch verläßlichen Freund und ent­gegenkommenden Nachbarn es an Oesterreich- Ungarn haben könne. Er hoffe, die Handels- Vertragsverhandlungen würden schließlich ein den Interessen beider Teile entsprechendes Ergebnis haben. Ueberhaupt wolle die Monarchie mit allen Balkanstaaten in Freundschaft und Frieden leben, um, ihrer geschichtlichen Mission getreu, ein Kul­turträger für den Osten zu fein. Sie habe nur den Ehrgeiz, sich auf dem Balkan alle Möglichkei­ten kultureller Betätigung offen zu halten. Der Ministerpräsident zog dann die Bilanz der jüng­sten Epoche. Die Verbündeten mitteleuropäischen Heere seien die besten Friedensbürgen. Endlich einmal wieder hätten die Völker des Rei­ches Vertrauen zu sich selbst gefaßt, Vertrauen in die unverwüstliche Kraft dieses ehrwürdigen Staatsgebildes. Sie hätten wahr­genommen, wie sehr die Tragweite der österrei- chifchen Parteiungen überschätzt worden sei. Die Rede wurde mit großem Beifall aufgenommen. Nur die Tschechisch-Radikalen und die Sozialisten murrten bei einzelnen Stellen.

* Englands Flottensorgen. Im Unter­haus fragte am Dienstag Craigh (Kons.), ob bei Abschätzung der Zahl der Schiffe, die nötig feiert ,um den Zweimächtestandard aufrecht zu erhalten, auch die Flotte der Vereinigten Staaten in Betracht gezogen werde. Der Erste Lord der Admiralität Mac Kenna er­widerte, das sei eine akademische Frage, da unter den gegenwärtigen Verhältnissen die Flotte dec Vereinigten Staaten für die praktischen Zwecke des Zweimächtestandards nicht in die Berech­nung gezogen würde.

find, in Funktion treten. Die jeweilige, immer verschiedene Kombination 6er Farben bedeutet stets ein Zeichen für eine bestimmte Person, bei­spielsweise den Abteilungschef jeder Abteilung, der dann nötigenfalls das ihm unterstellte Perso­nal alarmiert. Die Bedienung dieses Alarm­systems geht von der Telephonzenttale aus, welche die Alarmlampen beliebig aufflammen lassen kann. Dadurch kann der Abteilungschef sich vom nächsten Telephon aus bei der Zentrale selbst nach der Ursache des Signals erkundigen. Die Telephonzenrrale besitzt 20 öffentliche und 160 Hausleitungert. Die Restaurationsräume find mit ttansportablen Telephonapparaten versehen, die von 54 verschiedenen Stellen aus mit dem Draht­netz verbunden sind und von jedem Tisch aus ge­handhabt werden können. Auch die Nachtwache bei Selfridge arbeitet mtt elektrischen Apparaten, und zwar 60 Kontrolluhren, welche die jeweiligen Patrouillen fontrottieren, wie auch hier zwei transportable Telephone zur Verfügung stehen, zur Verständigung zwischen einem Innen- und einem Außenwächter. 20 elektrische Uhren sind im Hause, mit denen mehrere Schlagwerke in Verbindung stehen, welche dem Personal Stunden- beginn und -Ende, Pausen und Geschäftsschluß anzeigen.

— Ei« sonderbarer HmwktS für Verbrecher. In dem Vorraume einer Leichenhalle in Paris, die in letzter Zeit mehrfach von Dieben heimge­sucht worden ist, kann man jetzt einen Anschlag mit folgendem köstlichen Inhalt lesen: „Die unterzeichneteVerwaltung benachrichttgt hierdurch Diebe und Einbrecher, daß in diesem Raume über Nacht weder Geld noch Wertgegenstände auf­bewahrt werden. Es hat daher absolut keinen Zweck, daß man sich hierher begibt und unnützer- weise Zeit vergeudet, die man an anderen Orlen besser und gewinnbringender anwenden könnte. Gleichzeitig bittet die unterzeichnere Verwaltung die Diebe und Einbrecher, die gesamte Diebes- korvoration von dem Inhalte dieser unserer Be-

— Was ei« moderner WarenhauSbetricb an elettrischer Kraft verbraucht. Aus der Zeitschrift für „Waren- und Kaufhäuser" entnehmen wir folgendes: Das Problem, ein großes, ausgedehn­tes Geschäftslokal, wie das von Selfridge u. Co. in London, gut zu beleuchten, ist sowohl vom tech­nischen, wie vom ästhetischen Standpunkt aus schwer zu lösen. Für die allabendliche Beleuch­tung der hauptsächlichen Abteilungen des Sel- fridge-Warenhauses werden 286 Bogenlampen gebraucht. Außer diesen brennen jeden Abend noch zirka 6000 Glühlichtlampen neuesten Sy­stems, wie auch in jedem Schaufenster zahlreiche Leuchttörper angebracht find. — Natürlich besteht die größte Schwierigkeit darin, die Schaufenster effektvoll und rationell zu beleuchten. Das Be- stteben der modernen Schaufensterbeleuchtung geht nicht mehr wie früher dahin, das Straßen­pflaster zu erhellen oder den Passanten eine greife Lichtwelle in die Augen zu schleudern, sondern die Lenkkörper so zu verteilen, daß Farbe, Stoff Muster und andere Qualitäten isst Ware in das vorteilhafteste „Licht' gerückt werden. In der Tat muß die Schaufensterbeleuchtung ähnlich be­handelt werden wie die Bühnenbeleuchtung. Sel­fridge beleuchtet alle Fenster durch unsichtbare elekttische Glühlampen, deren Wirkung durchApw, gel erhöht, und die dennoch genügend abgeblendet sind, um dem Auge des Beschauers nicht störend zu werden. Neun elektrische Personenaufzsiga sind bei Selfridge in Tätigkeit, die mit einer Geschwindigkeit von 175 Fuß in der Minute ber­ieten. Außerdem find noch zahlreiche andere elekttische Maschinen in Betrieb, wie Pump- Ventilations-, Luftdruck-, Musterschneide-, Eis-' brech-, Haarttocken-Maschinen usw. Natürlich ist es von größter Wichtigkeit, in einem so ausge- dehnten Geschäftsbetrieb, das Personal zu jeder Zett schnell benachrichttgen zu können. Tas wird erreicht durch ein Signalsystem, bei dem je vier elektrrsche Lampen von verschiedener Farbe, die in verschiedenen Teilen des Kaufes angebracht

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Deutsches Reich.

X Eine Radikalkur zur Besserung der Heichsfinanzen bringt eine von der FreuWg. veröffentlichte Zuschrift in Vorschlag. Man lieft da:

„Man verzichte darauf, den Anteil des Besitzes durch eine dauernde Besitzbesteuerung zu beschaffen, sonder« raffe sich dazu auf, durch eine einmalige Operation am Besitz so viel Reichsschulden zu tilgen, daß der Reichsschulden z in Sb «darf in der erforderlichen Höhe beseitigt wird. Wenn zu diesem Zweck der „Besitz-, und zwar der Privat- und Staats­besitz, einmalig 2 Milliarden Mark hergibt, so ist oaS viel, aber erträglich, um aus dem jetzigen Zustande herauszukommen. Die Abgabe braucht auch nicht mit einem Male erhoben zu werden, sondern kann von den einzelnen Staaten dem Besitzer auf 10 Jahre gegen 4 Prozent Verzinsung gestundet werten. Man wird von Konfiskation sprechen, jedoch mit Unrecht, denn bie Reichsschuld lastet auf allem Besitz im Reiche."

Die .Kreuzztg-' ihrerseits verweist darauf, daß Professor SuchSland in Halle kürzlich in der .Höllischen Zeitung' einen ganz ähnlichen Vorschlag gemacht hat, der von dem konserva­tiven Verein für Halle und den SaalkreiS ein­stimmig gutgeheißen wurde. Professor Suchs- land fchreibt:

„Der Besitz soll bezahlen, darüber sind alle einig. Nun wohl, fo bezahle irder lebende Besitzer sofort eine einmalige Steuer nach demselben Satz, wie sie die Nachlaßsteuer vorfchlug, mtt V» v. H. beginnend bis 3 v. H. hinauf. Dabei ist keine Unwahrheit, auch wird keine Entfremdung im Familienkreis erzeugt und es findet keine wiederholte Besteuerung statt. Aber viele günstige Wttkungen werden mit solcher einmaligen Reichsbesitzfteuer erzielt. Sie bringt etwa 2V* Mil­liarden ein. Damit stoßen wir die Hälfte der Reich-schulden ab. Die Ersparnis der hierfür nötigen 80 Millionen Zinsen wäre der Beitrag des Besitzes zur Reichsfinanzreform. Wenn man die Zah­lung der Reichsbesitzsteuer auf drei Jahre zuließe, würden Härten kaum eintreten, und es würde auch ein schneller Geschäftsgang erzielt werden, wenn man für vorzeitige Zahlungen Zinsvergütungen in Abzug brächte. Noch bester würde sich die Steuererhebung abwickeln, wenn man sowohl Reichsanleihen wie auch andere StaatSpapiere in Zahlung nähme."

Die „Kceuzztg." spricht ihre Verwunderung darüber aus, daß der konservative Vorschlag einer einmaligen Reichsbesitzsteuer von 2 Milliarden Mark bei den liberalen Besitzsteuerschwärmern nicht sofort begehrte Aufnahme gefunden habe. Die Nachlaßsteuer sei ihr gegenüber doch nur eine halbe Maßregel: Wie gesagt, eS wundett uns, daß nicht der ganze Sozialliberalismus mit Tränen der Begeisterung diesen Vorschlag ausgenommen hat. Aber Professor Suchsland scheint fast recht zu behalten, wenn er die Nachlaßsteuerschwärmer als die eigentlichen Drückeberger bezeichnet. Sie scheinen nün daS Bedenken selber zu hegen, daS wir gegen die Nachlaßsteuer geltend gemacht haben, daß nämlich Vorkehrungen gegen eine beliebige Erhöhung oder Wieder­holung solcher Reichsbesitzsteuern schwer zu treffen seien. Selbstverständlich hegen wir dies Be­denken gegen die Kapitalisierung der Nachlaß­steuer ebenso stark, wie gegen die Rachlaßsteuer selbst: nur scheint uns die Abgabe vom Besitz logischer und wittschaftlicher, als die vom Nach­laß, und darum treten wir für die Wettzu- wachSstrurr ein, die daS Reich in den Mügenuß an der durch feine staatliche Fürsorge ermög­

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