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JÄ’Ä MchEaee: „Illustrierte SonntagrrrUmg

36. Jahrgang

Fulda, Donnerstag, den 29. April 1909

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Gastes WrclLL

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Anzrigen: Vie ein­spaltige Petitzeile obtt deren Raum sS Pfg. Lellamendrepetitzeile 25 Psg„ brr Wieder­holungen wird entspr.

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Erscheint täglich mit Ausnahme der So.m- »ndZeiertage-Viertel­jährlicher SeMgrpreir ohne Sringerlohn und VesteSgeldinzuldaso. wie auswärts l-Sv Mt.

!|1] Lus dem Englischen von St v. Raesfeld.

Ihre Vergangenheit vor der Heirat vielleicht? Me war noch so jung gewesen, als er sie m Brus» sei zum ersten Male gesehen; er erinnerte sich le­bet Einzelheit. Er war zu einem Hofball ernge- laden gewesen und hatte dort Martan West und ihre Schwester, die liebliche junge Evelyn, gekör­ten, von deren Schönheit die ganze stabt schwärmte. Er hatte sich leidenschaftlich tn sie verliebt und, da er gewußt, daß sie von guter alter Knnilie, nicht gezögert, ihr einen Antrag zu «rachen. «

Sie hatte ihn geliebt — des war er sicher — und Ihre Liebe war von Tag zu Tag gewachsen. Er glaubte nicht, daß ihre Gedanken sich auch nur em- jutol in all dieser Zeit von ihm entfernt hatten.

Daß nach ihrer Vermählung irgend ein Ge­heimnis sich zwischen sie gedrängt haben sollte, das <u vermuten, war einfach abgeschmackt — dafür war gar keine Zeit da gewesen. Er erinnerte sich nicht, daß sie jemals länger wie vierundzwanzig Stunden von einander getrennt gewesen, und er war vollständig sicher, daß ihre Gedanken vollauf mit ihrer Liebe zu ihm, zu ihren Äinbern mid mit ben Pflichten ihres Standes und Ranges befchaf- ttgt gewesen waren.

Ein Geheimnis — Unfinnl Welcher Mann würde glauben, daß das junge Mädchen, das er geliebt ,die junge Gattin, die er gewonnen, vor ihm ein Geheimnis habe, das während all der Jahre ihres Ehelebens ihr am Herzen genagt "ad sie Mießlich zum Morde gebracht habe?

N«n; der Rückblick auf die lange Reihe der verflossenen Jahre gab ihm die zuversichtliche Ge» daß nach ihrer Heirat kein Geheimnis zwilchen sie gekommen sein konnte. —

Sre hatte ihm schier jeden ihrer Gedanken an- vertrcmt — alle waren auf ihrem süßen Gesichte ,Me abgespiegelt zu lesen gwesen.

MMÄsbeilage: „$ulbaet Seschichtrblätter"

Konnte es vor der Heirat gewesen sein? Nein. Weg mit dem schmachvollen Gedanken. Sie war ein junges Mädchen, als er sie kennen gelernt, rein, hold, lieblich, hatte stets bei ihrer Schwester, die ihr Mutter und Schwester zugleich gewesen, gelebt.

Wo war nur in ihrem Leben Raum für ein Geheimnis gewesen? Der bloße Gedanke schon war ihm vschaßt.

Konnte es sein, daß Marian irgend einen dunklen PunS in ihrer Dergaiigenheit hatte? Vielleicht eine heimliche Ehe, die nachher bitter bereut und seitdem immer geheim gehalten wor­den? Oder war es alles nur Einbildung und Vermutung seitens dieses verhaßten Polizisten? Hatte seine Gattin um Marian's Geheimnis ge­wußt und um ihrer Schwester willen sich darein verwickelt?

Das mußte er herausbringen. Wenn wirklich ein Geheimnis editierte, so betraf es zweifellos Marian. War wirklich etwas nicht in Ordnung, so ging es sie an, und kein lebendes Wesen sollte seiner schönen, unvergleichlichen, makellosen Ge­mahlin etwas Nachteiliges anhängen können.

62. Kapitel,

Kummer Bitterer denn Tod.

Darm fiel Lord Wayne ein, daß die beiden Männer noch nebenan warteten. Er sah auf die Uhr; eine halbe Stunde war bereits verflossen, und er war der Lösung des Geheimnisses noch um keinen Schritt näher gekommen.

Er öffnete die Türe, und Mr. Sinclair, der allgemach etwas unruhig geworden, war der erste, der hererntrat. Er warf einen hastigen Blick auf den Arbeitstisch, offenbar in dem Gedanken, daß es vielleicht doch nicht klug von ihm gewesen, seine kostbaren Beweise den Händen des Eheman­nes der Verbrecherin zu überlassen. Doch da lagen sie unberührt. e ,

„Ich möchte eine Frage an Sie richten/ sagte Lord Wayne. „Sdd* Schritte gedenken Sie zu hm?/

Brautwecken nicht verwendet werden darf. Eine ^ärbuna der Gerste sei nicht durchMrbar, nur w zweifelhaften Fällen könne aus diese Weise vorge- 9an9abflro®raf Smtil? (k.) empfiehlt zur Unterscheidung der Futtergerste von der Malzgerste einen von Siemens und Halske konstruierten Apparat, mit dem ein Drittel des Quantums durch Erhitzen keimun- fäbia wird und damit für Brauzwecks'unbrauchbar gemacht wird. Sonst wäre ein Färben mit Eofm zu empfehlen. Debatte wurde die Vorlage an

eine Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen.

Donnerstag: Sozialdemokratische Interpellation betreffend Rechtsansprüche von Privatbeamten an die Witwen- und Waisenkafle von Privatbetrieben.

zutage lag. Zwar war mir anfangs der Bewege gründ rätselhaft, derselbe ist aber jetzt klar genug; entweder hat Oer junge Mann das Leden verlo- ren, damit das Geheimnis gewahrt bliebe, oder, er ist in einem Augenblicke leidenschaftlicher und — ich darf sagen — unzurechnungsfähiger @rre-r gitng und Wut getötet worden; die genaue Fest­stellung des Beweggrundes ist mir vorläufrg nicht möglich; das macht aber auch für den Fall an und für sich nichts aus."

„Weitz sie, Lady Wahne, etwas von all die­sem?" forschte der Schloßherr unruhig. . ... .

„Nein. Unsere Nachforschungen sind gawi im geheimen Betrieben worden, auch u't kern Wort darüber gefallen. Niemand vermutet auch nur das Geringste in dieser Beziehung."

„Gut, dann erweisen Sie mir eine Gunst. Ich gebe Ihnen mein Wort als Edelmann, daß m rei­ner Weise versucht werden soll, der Gerechhgkert zu entgehen. Die Verhaftung braucht, tote Sie sagen, nicht sofort zu geschehen; geben Sie mir bis heute nachmittag Frist. Wollen Sie mir das gewähren? Es ist vielleicht das erste Mal, daß ein Wayne von Keuninghall um eine solche Vergün­stigung nac^usuchen hat."

„Ich bin dazu bereit, Mylord, "erwiderte Herr Sinclair. „Ein paar Stunden mehr ober »eili­ger können in diesem Falle nichts ausmachen."

„Sie können für mich vielleicht die ganze Welt ausmachen," sagte Lord Wayne mit würdiger Höflichkeit, „und ich danke Ihnen für die Ge­währung meiner Bitte. Bitte, bleiben Sie hier, Herr Sinclair. Die Waynes wiffen auch einen Gegner zu behandeln, wie es sich gehört — und als geschworene Gegner werden wir uns von heute an begegnen."

Herr Sinclair verbeugte sich ernst. „Ich danke Ihnen, Mylord. Ich werde also die unangenehme Pflicht haben, heute nachmittag vorzmprechM, und dann mutz die Gerechtigkeit ihren Lauf aeh»

Antrag annehmen, der diese Amtszulagen nicht auf die Staatskaffe gelegt wiffen will, sondern es den Gemeinden reiftellt, die Zulagen zu bewilligen, s° tragen wir zwischen die Gemeinden und Lehrer den Zündstoff zu allerhand Streitigkeiten. Dagegen bitte ich dringend, den Antrag des Grafen Carmer in den beiden ersten Punkten anzunehmen. Im übrigen sind mir die Vor- chläge unserer Kommiffion viel lieber als die Faflung des Abgeordnetenhauses, besonders bezüglich der staat­lichen Beihilfen. Ich fürchte, daß manche meiner Auslassungen inneren Widerspruch bei dem Fwar^- Minister finden, aber ich habe cs für meine Pflicht gehalten, für die Jnteresten eines ehrenwerten und wichtigen Standeseinzutreten. Es handelt sich hier um die Berufssreudigkeit einer großen Zahl von Personen, die sur das öffentliche und das Gemeinwoh ltätig find. Machen wir keii Flrckweik, sondern machen wir ganzeArbeit. (Beif.) Hier hat das Abgeordnetenhaus für alle s-chulverbande mit mehr als 7 Schulstellen die Staatszuschuffe über­haupt gestrichen. Wie sollten da die Städte ihren Pflichten gegen die Schule nachkommm? Auch die Großstädte haben einen Anspruch auf staatliche FU^ sorge. Das Lehrerbesoldungsgesetz ist ein wichtiges Gesetz. Wir dürfen es nicht als Stückwerk verabschieden.

Oberbürgermeister Rive-Halle bittet um Annahme des Kommissionsbeschlusses.

Gras Carmer begründet seinen Antrag auf Wieder­herstellung der Fassung des Abgeordnetenhauses bezüg­lich der Alterszulagen, der Amlszulagen für die ersten Lehrer und der Staatsbeiträge.

Ministerialdirektor Schwarzkopfs bittet um Annahme des Antrags Carmer.

Nachdem sich Graf WartenSlebeu für und Ober­bürgermeister Lentze gegen den Antrag Carmer geäußert hatten, erklärte

Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Den begrün­deten Interessen der Lehrer stehen hier entgegen ote Interessen einiger großen Gemeinden. (Unruhe bei den Oberbürgermeistern.) Es kann doch mistlich nicht bestritten werden, daß sich die Leistungssählgkert der Großstädte ganz wesentlich gehoben hat. (Wider­spruch bei den Oberbürgermeistern.) Das werdmi die Oberbürgermeister bestreiten, aber sachlich habe ich doch recht. (Heiterkeit.) Die Miquelsche Steuerreform hak in den Großstädten neue große Einnahmequellen er­schlaffen, die noch nicht vorhanden waren, als dis Staatszuschüfle beschlossen wurden. (Hört, hört!) ES ist doch auch nicht zu bestreiten, daß unsere ganze wirtschaftliche Entwickelung zugunsten der Großstädte erfolgt ist. Ist es sachlich gerechtfertigt, fr B. dieser leistungsfähigen Gemeinde Berlin einen jährlichen Staatszuschuh von über 400000 Mark zu gewähren t Diese Beträge sollen ja nicht in der Staatskaffe bleiben« sondern sie sollen in den Ergänzungszuschutzsondsflie« ßen, aus dem die unvermögenden Gemeinden unterstützt werden sollten.

Oberbürgermeister Körtr-Königsberg: Wen» da» Herrenhaus jetzt und mit möglichst großer Mehrheit den Beschlüffen seiner Kommiffion zustrmmt, dann wwv auch das Abgeordnetenhaus ganz glatt und ohne Be, denken diesen Beschlüffen seine Zustimmung zu erteilen, (Widerspruch.) Der Finanzmimster hat so getan, al« ob die Gemeinden eigentlich froh sein könnten, daß sts die Realsteucrn bekommen haben. Bon den Lasten sprach er aber kein Wort. Es ist gesagt, es kämen nur die Interessen weniger Großstädte in Frage. Aber e» ist merkwürdig, daß die Regierungsvertreter bei bet: Aufzählung der vermögenden Gemeinden nach- Berlin, Charlottenburg, Frankfurt a. M. und WieS-, baden aushören und dann „und so weiter" sagen. (Heiterkeit.) Da hött's nämlich auch wirklich auf.

Finanzminister v. Nheinbaben: Wir denken nicht daran den bedürftigen Städten den Zuschuß zn entziehen. Um den bedürftigen Städten ben Zuschuß zu erhalten, wird er den mideren wie Frankfurt a. Berlin, Wiesbaden genommen. (Heiterkeit.)

Fürst zu Salm-Horstmar: Ich bin Anhänger^ deri Kommiffionsbeschlüffe. Wenn auch die Gehaltssätze der Lehrer etwas gekürzt werden sollten, kommen sie doch am besten «eg bei der ganzen Gehaltserhöhung.

Gras Botho zu Eulenburg meint, in der beab»! sichtigten Regelung der Beiträge an die Gemeinden! li^e eine Inkonsequenz der Regierung gegenüber ihre» bisherigen Haltung.

§ 1 wird unverändert angenommen.

Donnerstag 121/« Uhr: Weiterbrratung.

„eht einzig dahin, auf verfassungsmäßigem Wege die verfassungsmäßigen Rechte der Polen zu vertreten. Mit den Ueberschreitmigen, die auf polnffcher Seitt vorgekommen sind, erklären wir uns nicht solidarffch.

Der Rest des Kapitels: Bistümer usw. wird de­battelos genehmigt.

Beim Kapitel „Kunst und Wissenschaft" schlägt die Kommission vor, einen der im Etat vorgesehenen 12 Abteilungsdirektoren fallen zu lassen und dafür den entsprechenden Posten für „Unterhaltung der staatlichen Stelle für Naturdenkmalspflege" auszusetzen.

Abg. Graf Praschma (Ztr.) tritt lebhaft für den Kck>nu der Naturdenkmäler em und hält die Summe von 15000 Mark für die Geschästsbedurfmffe der neuen Stelle für zu gering. Wetter warnt er vor kostspieligen Museumsbauten.

Aba v. Böhlendorf (kons.) warnt vor einer zu großen Zentralisation der Kunstschähe und wlffen- schaftlichen Sammlungen.

Unterstaatssekretär Weber erklärte, daß ein um- faflendes Gesetz zum Schutz der Erhaltung der Raturd enkmäler vorläufig nicht erfolgen könne, es soll aber noch in dieser Session em solches vorge­legt werden zum Schutz von prähistorischen Aus- 9^Abg. Freiherr Wolff-Metternich (Z-): Auf dem Gebiete der Denkmalspflege darf kein Fanatismus herrschen, wie er mitunter in der Tat austritt.

9 Abg. Dr. Hauptmann lZ.) befürwortet eme schärfere Trennung von Kunst» und wiffenschastlichen ^“^er Antrag der Budgetkommission wird hierauf ""^Das'tzairs vertagt die Weiterberatung aus morgen.

Breutzischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 28. April 1909.

Die Gesetzentwürfe bett. Erweiterung des Stadt­kreises Düsseldorf und die Organisation der Amtsgerichte Düffeldorf, Gerresheim, Neuß und Ra­tingen wurden in dritter Lesung angenommen. Es folgt die Fortsetzung der Beratung des

KultusetatS.

Abg. Frhr. d. Zedlitz (frt): Die gestrigen Aus­führungen des Abg. Hoffmann haben allen, die sehen wollen, gezeigt, wohin der sozialdemokratische Weg führt; er hat sich mit seinen Ansichten im Gegensatz zu allen christlich und national denkenden Eltern ge- stellt. Der Religionsunterricht muß in der Volksschule verbleiben. Eine Trennung des Kultusministeriums muß sobald wie möglich erfolgen, die Untenichtsver. waltung muß ein besonderes Reffort für sich bilden, und an diesem sowohl wie am Kultusressort muffen geeignete Männer stehen, die ihrer Aufgabe vollauf gewachsen finb.

Abg. Heckerrroth (ttmf.): Auf die Rede des Abg. Hoffmann will ich nicht näher eingeben, die Rede ver- dient es nicht. Wenn die Bürgermeister in der Rhein­provinz den Borsitz im Schulvorstande haben, so ist das nicht von grober praktischer Bedeutung, da die Bürgermeister schon sowieso mit Arbeiten sehr über­häuft sind. Die Regierung ist zu dieser Regelung wohl geschritten unter Einwirkung der evangelischen Geistlichkeit, die zum größten Teil den Schulvorstands- sitz nicht gern übernehmen wollte.

Abg. Hiutzmann (utl.) erklärt sich mit der Ernen­nung des Proiessors Mahling an der Berliner Univer­sität nicht einverstanden, stimmt im übrigen den Aus­führungen des Abg. Frhrn. v. Zedlitz zu, daß der Re­ligionsunterricht unbedingt in der Schule verbleiben muß.

Der Titel Ministergehalt wird bewilligt.

Beim Kapitel „Ausgaben sür die verschiedenen Bistümer" tlagt

Abg. Mizerski (Pole) lebhaft über die Propaganda der Evangeltsationsgesellschast in der Diö­zese Gnesen-Po,en, woran sich auch evangelische Geist­liche in ungehöriger Weise beteiligten. Wetter beklagt sich Redner über die protestantisierende Wirkung der Ansiedelungspolttik, über die Verwendung des doch auch von polnischen Katholiken stammenden Steuer- gelbes zum Bau protestantischer Kirchen und darüber, daß kirchliche Schriftstücke, denen das kftchliche Siegel mtt der polnischen Ortsbezeichnung aufgedrückt ist, des öfteren als ungllttg bezeichnet werden.

Ministerialdirektor v. ChappuiS erwidert, daß schon aus der Provinzialsynode in Posen die Art und Weise, wie verschiedene Geistliche dort Propaganda für die evangelische Sache getrieben haben, von der Synode mißbilligt worden fei. Kirchliche Schriftstücke mtt der Ortsbezeichnung in polnischer Sprache könnten nicht als rechlsgiltig angesehen werden, wenn es sür den Ort eine deutsche Heber, etzung gebe-

Beim Titel „Bistum Breslau" erklärt

Abg. Kapitza (Pole), daß an den gegenwärtigen Gegensätzen in dieser Diözese die geschichtlichen Ver­hältnisse und der nationale Chauvinismus schuld sei. Wir fordern, daß unsere Muttersprache respektiert wird, daß man nicht darauf ausgeht, die polnischen Nationalgüter zu verdrängen. Wir erkennen gern an, daß wir der deutschen Schule insbesondere unseren wirtschaftlichen Fortschritt verdanken. Die Bestrebungen der polnischen Geistlichen in der polnischen Partei

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 28. April 1909.

Auf der Tagesordnung stand zunächst die zweite tzesung des Gesetzes über

die Sicherung der Bauforderuugen.

Abg. Dr. Maher-Kaufbeuren (Ztr.): Die Erkenntms, daß die Bauhandwerker aus eigener Kraft und aus dem Wege der Selbsthilfe sich des Bau sch wind eis nicht erwehren können, ist beute allgemein geworden. Der Entwurf hat sich grundsätzlich auf den richtigen Standpuntt gestellt, daß den Baugläubigern die durch sie geschaffenen Mehr wer ter e se rv i er werben. Die Kommission hat die dingliche, d. h. die hypothekarische Sicherung der Bauforderungen noch weiter verschärft. Wenn ttotzdem nicht alle Wünsche der Bauhandwerker erfüllt worden sind, so liegt das »um großen Teil an der Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit, die widerstreitenden Interessen auf diesem Gebiete mtt eütander zu vereinen. Allgemeine Zustimmung hat es gefunden, daß die Kommission dem Entwurf einen neuen ersten Abschnitt vorausgeschickt hat, m dem alle Forderungen der Bauhandwerker über die Baugelder- verwendungspfiicht enthalten find. Leider ist etn von meiner Partei gestellter Anttag, die Vorlage auf das ganze Reich auszudehnen, in der Kommission abgelehnt worben; wir hoffen aber, daß es später geschehen wird. Sehr zu begrüßen'ist es, daß auch die Abriß-und Ersatzbauten in das Gesetz hineinbezogen sind. Redner bespricht auch im weiteren die wesentlichen Bestimmungen der Vorlage und weist darauf hin, daß es semer Partei gelungen sei, wesentliche Verbesserungen in die Vorlage hineinzubringen. Zum Schluß sprich» Redner den Wunsch aus, daß rasch und rücksichtslos alle Gemeinden, sür die ein Bedürfnis dazu vorliegt, durch landes­herrliche Verordnung dem Gesetz unterstellt werden. <2ebb. Seif, im Zentrum.)

Die Abgg. Pauli-Potsdam (kons.) und Lmck (natl.) schließen sich den Ausführungen des Vorredners an.

Abg. Dove (frf. Bgg.) ist gleichfalls mit der Vor­lage einverstanden und bittet um Annahme des frei- stnnigen Antrages, in den 81 der Vorlage aufzunehmen, daß neben der Gemeinde und der Handwerskammer auch die amtliche Handelsvertretung gehört werden muffe.

Abg. Bömelburg (Soz.) ist im großen und ganzen «it der Vorlage einverstanden.

Nachdem die Abgg. Dr. Mugdau (Freis. Vp.) und Seyda (Pole) gleichfalls ihre Zustimmung zur Vorlage zum Ausdruck gebracht, schließt die Diskuffion.

Der Abschnitt I wird angenommen.

Bei Abschnitt H (dingliche Sicherung der Bau­lord erring) wttd ein Antrag Frank-Mannheim Soz.) angenommen, der verlangt, daß vor Erlaß der landesherrlichen Verordnung außer der Gemeinde und der HandwerSkammer des Bezirks auch die gesetzliche Krbeitereertretung gehört werden muh

Ebenso wttd angenommen ein Anttag Dove Kreis. Bgg.), der will, daß auch die amtliche Handels- pertretnng gehört werde. ___

Der Rest der Vorlage wird nach den Kommiffions- beschlüffen angenommen.

Es folgt die erste Beratung des Gesetzes betr.

Me zollwidrige Berwendung von Gerste.

Durch den Gesetzentwurf wird die Verwendung von Mal, auS Gerste die zu einem niedrigeren als den für Malzgerste bestehenden Zollsatz eingejuhrt worden ist, unter Strafe gestellt. _ . . , ,

Abg. Speck (Zentr.) begrubt den Gesetzentwurf als einen ersten Schritt zum Ziele, unserem inländischen Gersteubau den ihm im Zolltarif N?fffstfferten Zoll- schutz tatsächlich »u gewähren, der Reichskasse die Er­träge aus dem Gerstenzoll zu sichern und überhaupt den Gerstenhandel auf eine reelle Grundlage zu stellen. Redner beantragt, die Vorlage an etne Kommission won 14 Mitgliedern zu verweisen. Sie sollte auch da­hin erweitert werden, daß Gerste zur Berettmig von «alzkaffee zurn Zollsatz von 4 Mark für den Doppel- *eniner einzmühren sei. m .,

Staatssekretär Shdow erkannte an, daß eine Reihe >en «lagen über zu niedrige Verzollung von Gerste bearänbet fei, der größte Teil derselben sei aber über trieben. Das Neue an dem Gesetzentwurf sei, daß die Gerste, die zum niedrigen Satze verzollt wird, zu

Herrenhaus.

Sitzung vom 28. April 1909.

Erster Gegenstand der Tagesordnung war der Ge­setzentwurf betr. die Erweiterung des Stadtkreises Linden. Der Gesetzentwurf wurde nach kurzer Debatte angenommen. Nach Erledigung einiger Rechnungs- fachen folgte die Beratung des

Lehrerbesolduugsgesetzes.

Die Kommiffion des Helrenhaufes hat u. a. die «lterszulagen onders ab-estuft, ftboch so, daß das­selbe Endergebnis wie nach der Fassung des Abgeord­netenhauses erreicht wird. Ferner hat die Kommission die Amiszulag e von 100 Mark für erste und einzel- stehende Lehrer, die 10 Jahre im Amt sind, gestrichen nid die Bestimmungen über die etaatSbettrage dahin geändert, daß auch größeren Schulverbänben mit mehr als sieben Schulstellen Staatszuschüffe geleistet werden.

Ein Antrag Graf Carmer will in ff 8 (Alters- zutageni, § 24 , Amtszulagen für Schulleiter) und § 43 (Staatszuschüffe an die Schulverbande) bte Fassung des Abgeordnetenhauses wiederherstellen. Ferner be­antragen mehrere Mitglieder des Hauses Aender- ungen an der Vorlage.

Bei 8 1 erhält das Wort

Kardinal Dr. Kopp: Ich bitte mtr zu gestatten, daß ich das ganze Gesetz noch einmal einet lletnen KlUik unterwerfe. Unsere Kommission hat sich mit gewohnter Gründlichk it bet Ausgabe unterzogen, bte Interessengegensätze auszuglnchen. Ich kann nicht sagen, daß biete» Bemühen in allem gelungen ist. Wenn wir die Befchlüffe bezüglich der Ä11 er sznlagen betragen, so finden wir darin eine gewisse Verkürzung der Ein­nahme der Lehrer. Der Ausfall in den unteren Stufen wi.d nicht gedeckt durch die folgenden Zutaten. Es ift Hier falsche Sparsam kett. Bei der Bemessung der Allerszutagen für alle anderen Besoldungsklassen hat man ein anderes Verfahren eingeschlagen. Der Lehrer­stand bat eine Hobe ideale Ausgabe und soll auch danach eine hohe ideale Stellung in der Gesellschaft emnehme». Aber wollen wir die Lehrer an diese ideale Aufgabe nur dann erinnern, wenn es sich darum handelt, bte Bezüge, die ihnen gewährt werden sollen, zu kürzens Die Lehrer hoffen, daß das Herrenhaus wenigstens wieder die Fassung des Abgeordnelenhau es annehmen werde. Ich muß unserer Kommission auf das ent schi deuste widersprechen, daß sie tut ff 24 den Abf. 2 gestrichen hat, wonach auch etnzelstehende Lehrer und btejenigcn, welche erste Lehrer sind, eine Amtszulage rrhaltät sollen. Ich glaube, daß hier der unrichtige Ott war, um sparsam vorzugehen. Wenn wir vert

Herr Sinclair zog sich etwas unbehaglich Lurch­einander; es war nicht gerade angenehm, rn dies würdÄwll ruhige, vornehme, hübsche Gesicht zu blicken und gerade heraus zu jagen, was er dachte.

„Eurer Lordschaft ist bekannt, daß heute die gerichtliche Totenschau im Försterhause stait- findet?" m

„Das weiß ich", erwiderte Lord Wayne.

„Ich habe es für bester gehalten, überhaupt keine Schritte zu tun, bis dieser Akt vorüber wäre. Er wird jetzt wohl vorüber fein, glaube ich. Das Ergebnis kann nicht im mindesten zwei­felhaft sein: vorsätzlicher Mord, begangen von einer oder mehreren unbekannten Personen; das Gericht wird sofort einen Haftbefehl gegen irgend welche verdächtigen Individuen ertasten, und dann —"

Er br«h jäh ab.

„Was dann?" wiederholte Lord Wayne mit unnatürlicher Ruhe.

.Dann werde ich die überaus peinlich: Pflicht haben, eine Dame zu verhaften, die bei der ganzen Welt in hoher Achtung und Verehrung steht."

„Das heißt. Sie werden eine Anklage auf — nein, ich kann es nicht über mich bringen, solche Lügen, solche schmachvollen Lügen zu wiederholen — Sie wollen sich also unterstehen, der Dame, die ich mit Stolz mein Weib nenne, ein so himmel­schreiendes Unrecht, eine so unerhörte Schmach anzutun?"

„EZ muß sein, es ift meine Pflicht," erwiderte Mr. Sinclair bedauernd.

„Angenommen," fuhr Lord Wayne fort, „?8 kommt irgend ein Neues Beweisstück und zeigt Ihnen die Sache in ganz anderem Lichte, was barm?"

.Das sollte mich aufrichtig und von Herzen freuen; geben Sie sich in dieser HinftM jedoch keinen Täuschungen hin, Mylord. Sott Anfang an Habe ich M dieser Bache mehr vermutet, als.