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3.£Ät wocheEas«: „Illustrierte Sonittag^eitung"
36. Jahrgang
Fulda, Dienstag den 27. April 1909
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knüpft ift, und daß weiter noch die
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L«rrigL>: Vie ela- speMgepetitzelleoder der«« Raum 15 Pfg. RevamendrepetitzeNe 25 psg^ »ei wieder- Holungen wird entspr. Rabatt gewährt.
SotationrdruSmrd Verlag der Fuldaer Ak- ItendruSerei i« Fulda Fernsprecher Rr. 9.
mell Was stand Kennrnghall bevor, wenn das wahr war?
„Vor Jahren," begann Herr Sinclair und sah zur Seite, um die peinliche Spannung auf dem blassen Gefühl gegenüber nicht zu sehen, „vor Jcchren hatte Miß West — die vielleicht mancherlei Gründe hatte, ihre Ehe geheim zu halten, — einen Sohn."
„Das ist eine Lüge," schrie Lord Wayne, „eine gemeine, niederträchtige Lüge! Wenn Sie eine solche Lüge wiederholen, vergreife ich mich an Ihnen! Sie sprechen von der Schwester meiner Frau, von Lady Waynes Sckßvester; fchen Sie sich vor!"
„Mylord, es ist wahrt Ich bringe keine Anklage gegen Mtz West vor. Es ist möglich, daß sie verheiratet war, mag sie nun ein geliebtes und glückliches, oder ein ungeliebtes und unglückliches Weib gewesen sein. Ich stelle hier einfach die Tatsache fest, daß sie vor einigen zwanzig Iah- ren einen Sohn hatte. Beruhigen Sie sich, hören Sie mich an. Wenn Sie sich weigern, mir zuzu- hören, muß ich meine Erzählung vor die höchsten Behörden des Landes bringen."
Mit äußerster Mühe nur bezwang sich Lord Wayne- jede Ader auf der Stirn lief ihm dick auf, seine Augen schossen Feuer, seine Lippen zuckten, die Hände bebten und zitterten ihm vor heißem Verlangen, den Verleumder niÄerzuschla- gen und ihm die Lüge in der Kchle zu ersticken.
, Diesen Sohn," fuhr die ruhige, erbarmungslose Stimme fort, „hat sie jedoch nie anerkannt — ihre Gründe dafür sind mir unbekannt. Sie schickte, brachte, oder gab ihn irr Pflege bei einer giiten, einfachen Frau vom Lande — Kate Jefferies in Elton."
Bamcherziger Gott! Kate Jefferies, in Elton!"
„Jawohl: eine Frau, die bereits einen Sohn hatte — das war der junge Mann, der hier vor drei Tagen am Parktörchen ermordet worden ist. Die Einzelheiten kann ich Ihnen nicht sagen, sie müssen später entdeckt werden. Ich kann Ihnen
erscheint lügllch mit Ausnahme der So;m= nnd Feiertage, vierteljährlich« Berug-preir ohne Srkngerlohn und vestellgeld in Fulda sowie amwärttl-SoMk.
verantw. Redakteur: «ar! Schiitter
Ich muß meine Pflicht tun, Mylord, wie unangenehm, wie schmerzlich es auch sein mag. Sie sind nicht der einzige Herr eines großen Hauses, der in vollständiger Unkenntnis darüber lebt, was alles unter seinem Dache vor sich geht."
Es gibt keine Geheimnifle auf Kenninghall!" Erlauben Sie mir", unterbrach Mr. Sinclair, „es gibt deren mehrere."
„Ich fordere Sie auf, eins namhaft zu machen!" rief Lord Wayne zornig.
Sergeant Elliot rückte unruhig auf seinem Stuhle.
„Mylord, es gibt im Leben Miß West's Punkte, von denen Sie absolut nichts wissen; und etwas Derartiges ist auch die Ursache, daß dieser junge Mann zu Tode gekommen ist."
Worte können das Erstaunen, den Zorn und den beleidigten Stolz, der in dem sonst so vornehmen, ruhigen Antlitz des Edelmannes aufflammte, nicht schildern.
„Ich verbiete Ihnen, die Namen der Damen meinesHauses auch nur zu nennen!" rief er empört. „Sie vergessen sich!. Sie gehen über Ihre Befugnisse hinaus! Ich will nichts,mehr hören!"
„Sie müssen es von mir hören, und lei- der wahrscheinlich noch von anderen. Haben Sie doch Geduld, Lord Wayne, beruhigen Sie sich! Ist es vielleicht eine angenehme Aufgabe für mich, hier zu stehen und Ihnen Derartiges rnittei- len zu müssen? Andere hätten sich ihrer unangenehmen Pflicht viellecht in der halben Zeit entledigt. Ich verstehe jedoch die Empfindlichkeit Ihrer Gefühle und gehe schonend zu Werke. Es wird Ihnen später vielleicht leid tun, wenn Sie sich erinnern, daß Sie bei mir die Geduld verloren haben; ich habe Sie beobachtet und weiß Rücksicht zu nchmen, Mylord."
„Dann sagen Sie schnell, was Sie zu sagen haben."
Eine furchtbare Angst begann sich seiner zu bemächttgen. Was konnte bas bedeuten? Marian West und ein Geheimnis, und dies Geheimnis in der Gewalt dieser Leute?. Barmherziger Stm-
Preußischer Landtag
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 26. April 1909.
nur mitteilen, daß der junge Mann, den Sie immer für Werner Jefferies gehalten haben, in Wahrheit und Wirklichkeit der Sohn Marian West's ist."
„Tas glaube ich Ihnen nicht! Ich glaube Ihnen auch fein Wort von der ganzen Geschichte, die Sie mir da erzählen. Und stände hier ein Engel vom Himmel und schwüre, ich würde es nicht glauben."
„Ich bin kein Engel, Diylord, aber ich bin ein ehrlicher Mann und sage Ihnen die Wahrheit, wie bitter sie auch fern mag. Lassen Sie mich fortfahren. Nach allem, was ich aus einem Nebel von Ungewißheiten ermittelt habe, erhielt der wirkliche Sohn dieser Frau — der Ermordete — irgendwie Wind von dem Geheimnis und kam hierher, augenscheinlich, um sein Schäfchen dabei zu scheren. Eure Lmdschast werden zugeben, daß meine Geschichte soweit gleichsam mit den Tatsachen stimmt."
Kein Wort kam über die weißen Lippen; das stolze, vornehme Haupt war ungebeugt.
„Jetzt kommt der Teil, der einige Schwierigkeit bietet. Der junge Mann, der wirkliche Sohu dieser Frau, der Ermordete, kommt also hierher, meiner Meinung nach offenbar in der Absicht, das, was er entdeckt, bestens auszunutzen, aber anstatt daß er zu Miß West geht, von der er doch natürlicherweise GÄd zu bekommen hätte hoffen sollen, gebt er — zu Lady Wayne."
Das blaffe Gesicht Lord Wayne's wurde jählings dunkelrot vor Wut.
„Ich dulde Nicht, daß dieser Name in eine solche schmutzige Geschichte hineingezerrr wird! Sie haben Lady Waynes Namen nicht mehr zu erwähnen!"
„Ich bitte um Entschuldigung. Ich muß von ihr sprechen, Mylord; wollte Gott, ich könnte Ihnen gehorchen und brauchte ihren Namen nicht zu erwähnen. Der junge Mann kam hierher am Abend des 2L Mai, und Lady Wayne traf ihn und sprach mit ihm am kleinen Parktor, das zum Busch führt, am Ende der Lindenallee." HF. f.)
im Ztr.) Was das preußische
Voltsschulunterhaltungsgesetz anlangt so möchte ich zunächst auf di« Frage der Bildung der Schulverbäude eingehen, um darzulegeu, von welch besonderer Wichtigkeit bei der Ausführung des Volksschulunterhaltungsgesehes die Zusammensetzung der Selbstverwaltungstörper ift, ein Umstand, der gerade auch für die Ausführung und Ausdehnung dieses Gesetzes von der größten Wichtigkeit ift. Redner weist an der Hand des Beispieles der Schulverbände der Stadt Simmern auf dem Hunsrück und vier kleiner Nachbargemeinden nach, wie sehr die einzelnen Gemeindevertretungen daraus achten müssen, daß nicht im Hinblick aus die Kostenersparnis oder aus anderen Rückfichte« von ihnen Beschlüsse ver-
Zeitung
Momirdellag«; „Fulda» Geschichtsblätter"
jede klösterliche Niederlaffung bei uns cm die Genehmigung zweier Minister geknüpft ist, daß jede Erweiterung dieser Tätigkeit nach dem Wortlaut de? Gesetzes an die Genehmigung zweier Munster geknüpft ist, und daß weiter noch die ganz exorbckan« Bestimmung des Gesetzes von 1875 besteht wonach durch eine Kabinettsordre jede klösterliche Niederlaffung in ganz Preußen mit einem Schlage aufgehoben werden kann (Hört hört! im Ztr.), so haben wir voll- ständig recht, wenn wir sagen: Damit ist erne Un» aleichheit in die Bevölkerung hineingetragen, dre wir fe länger, je schwerer ertragen und di« unter allen Umständen einer Abänderung bedarf, die wir Jahr aus Jahr ein auf das Entschiedenste verlangen. (Sehr richtig! im Zentr.) Die evangelischen Niederlassungen find vollständig frei und kein Regierungspräsident und Minister hat sich darum zu kümmern, welchen Bor- schrifken sie unterworfen sind. DaS ist ein tff et barer Unterschied zwischen der Behandlung der katholischen und evangelischen Niederlassungen. Besonders drückend ist es, daß die Genehmigung von zwei Ministern abhängig ist. Wenn einer von diesen widerspricht, rotrb die Genehmigung nicht erteilt. Wir verkennen nicht, daß in den letzten Jahren erfteulicher Weise Ordens- niederlaffuugen genehmigt worden find, aber damit ist unseren berechtigten Ansprüchen nicht gedient. Wir wollen kein Wohlwollen, sonder« wir wollen unser gutes Recht. (Lebhafte Zustimmung im Ztr.) Bon den 2113 Ordensnkederlassungen, die Ende 1907 in Preußen bestanden, waren 1963 ckaritativen Werken gewidmet. (Hört, hört! im Ztr.) Ich sollte meinen, daß derartige Unternehmen von staatswegen unterstützt werden müßten. Dazu kommt, daß, wenn eine Genehmigung erteilt wirb, man sie nur unter der Bedingung erteilt, daß in den betreffenden Pflege- austalten, Arbeiterheimen nsw. nur Angehörige der katholischen Konfession ausgenommen werden sollen. Glauben Sie, daß ein Andersgläubiger, der hier ausgenommen zu werden wünscht, Verständnis dafür hat, , daß dies durch Grundsätze der Staatsverwaltung verboten sei? Im Gegenteil, er wird uns als fanatisch betrachten, well wir Andersgläubige nicht aufnehmen. Wenn man sagt, daß die katholischen Niederlassungen einen Teil der Organisation der katholischen Kirche ausmachten, so kann der wahre Grund der verschiedenen Behandlung nur in einem unsiegbaren Mißtrauen gegen die katholische Kirche überhaupt beruhen. In einem Falle, in dem ein evangelischer Glaubensangehöriger speziell aus seinen eigenen Wunsch in eine Anstalt ausgenommen wurde, hat man dieser bedeutet, daß, wenn man diesen Pflegling nicht entferne, polizeiliche Maßregeln zu seiner Entfernung angewendet werden würden. (Hört, hört! im Ztr.) Das ist ein Zustand, den wir auf die Dauer nicht ertragen können. Man sage uns nicht, auf Seiten der Evangelischen handele es sich um lose Vereinigungen, während man es auf katholischer Seite mit festen Vereinigungen zu tun habe, die einen Teil der Organisation der katholische« Kirche ausmachten. Daß derartige Unterschiede eine verschiedenartige Behandlung der Niederlaffungen notwendig machen sollten, das wird man auch dem tüchtigsten Juristen unter uns nicht klarmachen können, und der gesunde Rechtssinn des Bolles hat dafür erst recht kein Berständnis. Der wahre Grund kann also nur ein unsiegbares Mißtrauen gegen die katholische Kirche überhaupt fein. Kommen bei uns Uebergriffe vor, so greife man mit starker Hand zu, aber es ist unserer ganzen modernen Entwicklung nicht würdig, auf jenem Umwege unserer kirchlichen Anschauung und unseren kirchlichen Bedürfnissen nahe zu treten. (Sehr richtig! im Ztr.) Es muß endlich eine Aenderung eintreten, und je länger der bisherige Zustand bleibt, 'un so größer wird die Mißstimmung, um so größer wird der Schaden für die Allgemeinheit. (Sehr richtig!
KultuSetatS.
Abg. Marx(Z.): Wir bedauern, daß der Kultusminister infolge seiner Erkrankung, die auf die überaus großen Anstrengungen znrückzufnhren ist, unseren Verhandlungen nicht beiwohnen kann. Wenn aus diesem Anlaß wieder die Frage der Trennung der em- zelnen Abteilungen deS Sultusumusteriums erörtert worden ist, so kann ich uamenS meiner poltttsch«, Freunde mit aller Entschiedenheit erklären, daß rotr uns dem Versuche, die llntcrrichlsverwaltung von der Verwaltung der geistlichen Angelegenheiten, die Verwaltung der Kirchen- von der Verwaltung der Schulsachen zu trennen, auf das energischste widersetzen werden. Für eine Trennung der Medizinalabteilung vom Kultusministerium werden wir nur eintreten, wenn ganz erhebliche Momente dafür sprechen.
Unsere Klagen beim Kultusetat haben wir schon seit Jahren vorgebracht, ohne daß gesetzgeberisch irgendwelche Abhilfe in Aussicht gestellt worden ist. Hierhin gehören zunächst unsere Klagen über die Lage unserer klösterlichen Niederlassungen. Noch immer besteht das Gesetz von 1875. Wenn auch die spätere Gesetzgebung einzelne Erleichterungen hat eintreten taffen, so verursacht der bestehende Zustand gerade bezüglich der rechtlichen Lage der kath. Orden in der katholischen Bevölkerung Mißbehagen und das Gefühl, daß wir schlechter behandelt werden alS der andersgläubige Teil unseres Volkes. (Sehr richtig! im Zentr.) Trotzdem schon im Jahre 1901 die größere Mehrzahl dieses Hauses dem Antrag Fritzen, wonach wenigstens den Krankeupslege- orden die bestehenden Ketten abgenommen werden sollen, zugestimmt hat, hat doch die Regierung bis jetzt eine entsprechende Vorlage noch nicht eingebracht. Wir bedauern das außerordentlich, da rott es hier mit einer Beschwerde zu tun haben, die nicht nur unseren religiösen Sinn, sondern auch den Gerechtigkeitssinn der katholischen Bevölkerung verletzt. (Sehr wahr! im Zentr) Wenn wir daraus Hinweisen, daß immer noch
Den Vorschlag bet Regierung, die Kammern für Handelssachen zur Berufungsinstanz ,« machen, hat die Kommiffion abgelehnt. ES hegt ein Antrag auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage vor. Der Antrag wird nach längerer Debatte angenommen.
Zum Gerichtsverfassungsgesetz liegt eine Resolution vor, die eine Aenderung der Bezeichnung .GerichtSschreiber', „Gerichtsschreiberei' durch die Bezeichnung „Gerichtssekretär, Gerichtssekretariat' oder burtb einen anderen entsprechenden Ausdruck wünscht.
Abg. Frank-Mannheim (Eoz.) empfiehlt den Titel „Staatsschreiber der Gerechtigkeit'. (Heiterkeit.)
Die Resolution wird abgelehnt.
Ein sozialdemokrattscher Antrag fordert bei Gewährung des Armenrechts künftighin auch bei Amtsgerichtssachen, wenn der Streitwert höher als 600 Mk. ist, einen Anwalt für die das Armenrechl genießende Partei.
Ein Antrag Bassermann (nati.) und Storz (btto. Vp.) verlangt die Haftung des FiSkus für die Pauschalgebühr, die den Armenanwälten zusteht. Dazu haben die Abgg. Ablaß (frelf. Vp.) und de Witt (Zentr.) den Zusatzantrag gestellt: „Die baten Auslagen werden von der Staatskaffe bestritten und als Gerichtskosten in Ansatz gebracht.'
Staatssekretär Rieberbing spricht sich gegen bte Anträge aus.
Der sozialdemokratische Antrag wird abgelehnt, die anderen angenommen.
Rach § 157 kann das Gericht Bevollmächtigte und Beistände, die das mündliche Verhandeln vor Gericht geschäftsmäßig betreiben, zurückweisen. Ein sozialdemokratischer Antrag fordert, daß diese Bestimmung keine Anwendung auf Arbetterfekretäre und Gewerk- schastsbeamte finden soll, die in dieser Eigenschaft fremde RechtSangelegeuheiten besorgen. Der Antrag wird nach kurzer Debatte abgelehnt.
Dienstag: Weiterberatung, ferner: Sicherung der Banfotberungen.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 26. April 1909.
Auf der Tagesordnung steht die zwette Lesung der Novelle zum
GetichtsverfaffungSgesetz uub Zivilprozeßotbnung, Gerichtskostengesetz und Gebühren-Ordnung für Rechts- Q U
Abg. Wagner (kons.) erklärt, daß feine Partei m dem KommisstonSbeschluß betreffend dte Zuständigkeit der Amtsgerichte bei Objetten bis zu 600 Mark festhalte, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß dos von der Regierung gegebene Versprechen, daß auch nicht das Ueinste Landgericht dieser Novelle zum Opfer fällt, ausgelöst wirb. \
Abg. de Witt (Ztr.u Wir werden der Vorlage im großen und ganzen zustimmen, trotz der scharfen Kritik, die an ihr tn der Oeffentlichkeit geübt worden ist. Aber die überlegene Majorität der Kommission war der Ansicht, daß die Kritik bei weitem über das Ziel hinauSgeschossen Hal. Wir find für die Erhöhung der Zuständigkeit der Amtsgerichte. Die geheimen Personalakten für die Richter müssen ebenso wie es bei den anderen Ressorts gefordert wird, beseitigt werden. Es besteht zweifellos ein EntlastungS- bedürfniS für die größeren Landgerichte und Ober« laude-gerichte. ES bleibt kein anderer Weg als eine Erhöhung der Kompetenz der Amtsgerichte. Das Bedenken, daß die in den Amtsgerichten wirkenden Amtsrichter noch zu jung find, ist nicht sttchhalttg. Noch heute güt, was die .Fliegenden Blätter" einmal in einem treffenden Slapphornvers geschrieben:
Sroei Greise gingen durch daS Korn, ie waren beide Assefsor'n.
Amtsrichter würden sie noch heute, Hätten sie nicht tausend Vorderleute.
-Große Heiterkeit.) Es ist begreiflich, daß die geplanten Aenderungen in Anwaltskreisen eine lebhafte Bewegung hervorgerusen haben. Aber die Statistik lehrt, daß der größte Teil der Anwälte keinen Schaden, sondern dirett Nutzen zu erwarten hat und daß nur ein geringer Prozentsatz in Mitleidenschaft gezogen wird. Wir verkennen durchaus nicht, daß die Erhaltung eines gesunden Anwaltsftandes nicht nur für eine gute Rechtspflege, sondern auch polllisch von Bedeutung ist. (Beifall.) Ich darf wohl daran erinnern, daß hier im Reichstage in allen Parteien Rechtsanwälte vertreten sind und daß sie nicht die schlechtesten Mitglieder des Reichstages sind. Ich darf wohl auf unser älteste» Mitglied Hinweisen, auf unseren Kollegen Träg«, der so oft durch geistsprühende treffende Reden dieAufmerksamkettdeSHauseserregt.(Zustimmung.) Man hat die Anwälte auf den Weg der Selbsthllse verwiesen, aber diese allein tut es nicht, es muffen staatliche Maßnahmen hinzukommen. Und da handelt eS sich vor allen Dingen um eine durchgreifende Revision ber GebShren-Ordnung für die Rechtsanwälte. Wenn die gegenwärtige Vorlage den Anstoß zu einer solchen Reform gegeben hat, so hat sie jedenfalls dem Anwaltstande nicht den Schaden gebracht, ben viele seiner Vertreter befürchtet haben, wohl aber hat sie ihm einen Nutzen gebracht, den sie selbst nicht erwartet haben. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Dove (srs. Vgg.): Ich werde für die Erhöhung der Kompetenz der Amtsgerichte, ein Test meiner Freunde gegen die Erhöhung stimmen. Wir haben alle Veranlassung, auf unseren Anwattstand stolz zu sein. Den Einzelstaaten lege ich es au daS Herz, das HilfSrichtertum zu beseitigen.
Abg. Ablaß (fts. Vp.): Bereits bei der ersten Lesung habe ich mich als Gegner bekannt. Wir erkennen an, daß die Kommission einige Verbesserungen durchgesetzt hat.
Staatssekretär Nieberding:, Bezüglich deS HilfS- richtertums weise ich daraus hin, daß der preußische Finanzminister sich bereit erklärt hat, die Mittel zur Vermehrung der Richterstellen bereitzustellen. Wir find überzeugt, daß bei der Vorlage der Anwalt- stand und die Rechtspflege sich gut stehen werde«
Nachdem die Abgg. Dr. Frank-Mannheim (Soz.), Gtzßling (fr|. Vp.), Dr. v. Dziembowski-Pomian (Pole) sich gegen die Vorlage, die Abgg. Baffermann (natlb.), Storz (südd. Vp.) und Pauli-Cochem (Ztr.) sich für die Vorlage ausgesprochen, schließt die Diskussion.
Artikel 1, Absatz 1 (Kompetenzerweiterung der Amtsgerichte) wird angenommen.
Die Erweiterung der Zuständigkeit der Amtsgerichte auf 600 Mark wird genehmigt.
Fm Sowie De$ MimM
(89] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld.
60. Kapitel. .
Der Schlag fällt.
f „Also, Sie haben den Schuldigen entdeckt, jagten Sie, nicht wahr?" begann Lord Wayne wieder. ,„Jch bin überzeugt, daß„ Ihnen die ausgesetzte Prämie dann sicher ist."
Er war durchaus nicht besonders neugierig, zu erfahren, wer es war; daß es irgend jemand sein könnte, an dem er ein tieferes Interesse nahm, schien ihm vollständig unwahrscheinlich.. Jeden- falls war's irgend ein Wilddieb, oder ein Waldhüter. — Halt, was sagte dieser Herr Sinclair da so sanft und einschmeichelnd?
„Ich bedauere ganz außerordentlich, Eurer Lordschast mitteilen zu müssen, daß die schuldige Persönlichkeit ein Mitglied Ihres eigenen Hausstandes ist."
Seine Aufmerksamkeit wurde mit einem Male rege.
„Ich kann dem keinen Glauben schenken," erwiderte er erstaunt, „für die meisten meinerDie- !hcr wollte ich mich wie für mich selbst verbürgen <— einige von ihnen sind seit ihrer Kindheit hier in dett Diensten meines Hauses, und selbst die Neu gekommenen sind über allen Verdacht er- 'haben."
Es entstand eine schwüle Pause. Lord Wayne blickte unbehaglich von einem zum andern.
„Sie haben mir etwas Unangenehmes zu ja» ^gen," rief er. „Fürchten Sie nichts, was ist's?"
„Von Ihren Dienern steht niemand im Verpacht, Mylord; die schuldige Person ist Ihnen «äher und teuerer."
Lehmen Sie sich in Acht!" erwiderte er zor- nfo. „Meine Geduld hat ihre Grenzen; Sie müf- sen Zchre freie Sprache zügeln!"
Das Haus ehrt das Andenken des infolge Automobilunfalles verstorbenen Abg. Graf Ballestrem (Ztr.) durch Erheben von den Plätzen.
Aus der Tagesordnung steht die zweite Beratung
langt werden, die ihren sonstigen Ansichten zmvider- lanfen und die Simultanschule tn einer Weise fördern, wie es weder vom Gesetz gewollt, noch na- mentlich von dem größten Telle der Bevölkerung gewünscht wird. Ich komme jetzt auf eine Frage, die tn den wellestenKreisen der Rheinprovinz die höchste Entrüstung hervorgerufen hat; daS ist die Art der Regelung des Vorsitzes im Schulvorstande. (Sehr richtig! im Zentrum.) In der Aussührnngsan« Weisung des KullusminiflerS zum Bolksschukunterhal- tungsgesetz heißt es, daß es in der Mehrzahl der Provinzen der geschichtlichen Entwickelung entspreche, daß meistens der Ortsschulinspektor, sofern er Mitglied des Schulvorstandes ist, mit dem Vorsitz im Schulvorstande beauftragt wäre. Nach dem bestehenden Zustande hatte fich in der Rheinprovmz mit Ausnahme von Köln die Hebung ^erauSgebilbet, daß der Lokalschulinspeltor der Vorsitzende war. Zum großen Erstaunen der Bevölkerung erging von sämtlichen Regierungen der Rhemprovmz eine Verfügung, wonach die Bürgermeister schlechthin mit dem Vorsitz im Schulvorstande zu betrauen seien. (Hört! hört! im Zentrum.) Das war eine direkte Zuwiderhandlung gegen die Aus|ührungsanweisung deS Kultusministers und ein Bruch mit der historischen Entwickelung in der Rheinprovmz. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Zu unserem großen Bedauern hat der Ministertal- direttor erklärt, daß es bei dieser Verfügung der Regierungen fein Bewenden haben mfiffe. Die Regierung ist gar nicht in der Lage, zu überschauen, einen wie großen Fehler sie damit gemacht hat. (Sehr richtig! >m Zentrum.) Ich will den rheinischen 23 ürg ernt elftem ihre Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit nicht absprechen, aber sie sind mit Arbeiten schon genügend belastet. Und den Klerus, der sich allgemeiner Achtung erfreut, der das beste Berständnis für die Schule hat, mtt einem einzigen Federstrich beiseite zu schieben, ohne ein Wort des Dankes für ihre langjährige Tätigkeit — ein solches Vorgehen verstehe ich nicht und halte es im Interesse her Allgemeinheit und des allgemeiner Bürgersinns für dirett gefährlich. (Sehr wahr! im Zentrum.) Man sollte doch hierin eine Aenderung herbeiführen, vielleicht dahin, daß man den Bürgermeister in äußeren Angelegenheiten und den Lokalfchulmspettor in inneren Angelegenheiten zu Vorsitzende« des Schulvorstandes macht. Da der Minister in ferner Anweisung die Schulvorstände, Schnldeputationen und Schulkornmiffionen aus die Schulpflege hinweist, Mi heule vielfach im Argen liegt, weil gar kein Zusammen- Hang mehr zwischen Schule, Lehrer und der übrigen Bevölkerung besteht, so wäre es wünschenswert, daß diese Anwetsung den Schulvorständen ufro. auszugsweise mitgeteitt würde. Auch möchte ich die Beteiligten daraus aufmerksam machen, in allen Fällen, wenn die Vorschriften des Gesetzes nicht beobachtet werden, den Beschwerdeweg einzuschtagen. Eine besondere Ausgabe erwächst den Schulvorstände« ufro. in der Bekämpfung der immer mehr überhand nehmende« Sch nut feit tt erat ur. Zum Schluß bittet Redner, in Fällen, wie in Bütow und Laaeaburg, w» eine übelwollende Stadtverwaltung sich a« den Bv- ftimmmtgen des Gesetzes vorbeizudrücken suche, das Volksschulunterhaltungsgesetz zur Ausführung zu bringe« und den Bürgern ihr Recht werden zu laffen kraft Recht und Gesetz. (Leich. Beifall im Zentrum.)
Ministerialdirektor v. ChapputS weist darauf hi«, daß die Behandlung der religiösen Orden in anderen Länder«, auch katholischen, ähnlich fei wie in Preußen, daß der Minister im Jahre 1903 ausführlich die Gründe bargelegt habe, auS denen die Regierung der vom Vorredner angeführten Resolution nicht Folge geben könne, und daß die Geuehmigtmgspflicht für Ordens- niederlaffungen auf Abmachungen der Regierung mtt der obersten Kirchenbehörde beruhe und eine modus vivendi darstelle.
Ministerialdirektor Dr. Schwartzkopff: Die Regierung hat die Entscheidung über ben Vorsitz tm Schulvorstanbe in der Rheinprovinz in die Hände der Provinzialbehörde« gelegt, und diese haben sich,' da von einer einheitlichen Regelung nicht Abstand genommen werden konnte, aus Zweckmäßigkeitsgründe« für bte Bürgermeister entschieden. Wenn in einzelnen Fällen Schulkommiffionen nicht eingeführt sind, so liegt bas an ben lokalen Verhältnissen. Der Fall in Bütow liegt nicht so schlimm, rote ihn ber Vorredner geschildert hat. Die Regierung fordert dort aber die Errichtung einer katholischen Schule und hat auf Beschleunigung gedrungen.
Abg. Eickhoff (Freis. Vp.) erklärt, seine Parket hab« stets die Parität vertreten. In der Frage der Lei