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ul-aerW Zeitung

Monakbellag-: „Kltdaer Geschichtsblätter"

3.p«ieaet In Znlba. wochenb-irage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

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M 93.

Fulda, Montag den 26. April 1909.

36. Jahrgang.

Zweites Wtcrtt

Kleines Fenilketon

Reklamen- «»d Anzeigenteil,

Deutlich merkt man nun die Einwirkung t ä ö t i s ch e n Lebens und städtischer Verhältnisse auf diese Außerdienstsetzung der Frau im Haus­halt. Der ländliche, bäuerliche Haus- ) a l t bietet der Frau auch heute noch in grö» zerem Maßstabe und auch nicht gegen die Gesetze der Wirtschaftlichkeit Gelegenheit, die frühere Rolle der Frau in der Privatwirtschaft, als häus- uhe Guterproduzentin beizubehalten. und o dürfte auch der Gefahr der Frauenarbeit wie o mancher andern modernen Gefahr in der star- ken, löbensfähigen Landwirtschaft ein Damm er- richtet sein. Wohltätig wird man das besonders in den gegenwärtigen Ueberganaswehen empfin-

den, in einer Zeit, wo man bemüht ist, die Frau soweit zu unterrichten und aufzuktären, daß sie ihre Arbeitskraft nicht der Ausbeutung überlie­fern und gleichzeitig für den Mann als Lohn­drückerin gefährlich werde.

•) Im Anschluß an unseren Artikel über den „Fort­schritt der weiblichen Arbeit" in Nr. 83 erhalten wir von geschätzter Sette die nachstehenden Ausführungen, die di« Erscheinung der Zunahme der Frauenarbeit volkswirtschaftlich erklären.

Aur dem Nachbargebiete.

-j- Kassel, 23. April 1909. Im Juni dieses Jahres feiert der katholische Gesellen. Verein sein 25. Siiftun gssest. Derselbe ist eine Gründung des verstorbenen Domdechanien Heinrich Fidelis Muller, welcher im Grün­dungsjahre 1884 Dechant in Kassel war. Müller war ein großer Freund der Gesellenvereine und hatte den Gründer derselben, Adolf Kolping, per- sönlich kennen gelernt. Durch Kolpings Vikar, Mücken, dem späteren Divisionspfarrer in Kassel, mit dem er bis zu dessen Tode im Jahre 1883 in freundschaftlichem Verkehre stand, wurde sein In­teresse für den Gesellenverein noch gesteigert, unb so gründete er dann, angeregt durch mehrere Handwerker der hiesigen katholischen Gemeinde, den Verein. 1885 erfolgte schon seine Aufnahme in den Verband. Dechant Müller war der erste Präses, ihm folgten die Präsides Wiegand (Dermbach), Martin (Naumburg), Jestädt (Fritz­lar), Lins (Rinteln), Gruß (Allendorf, Oberhes­sen), Braun (.Hanau), Kräuter (Kiel), Ley (Jena), Breitung (Obernkirchen) und als letzter der der­zeitige Pfarrer von St. Elisabeth, Herbert. Die­ser hat aber in letzter Zeit sein Amt als Präses wegen Ueberlastung mir Verwaltungs- und Seel­sorgearbeiten niedergelegt und so hat denn der Verein, da er vor seinem 25. Jubelfeste steht, kei­nen Präses, sondern nur einen Stellvertreter des­selben, den Kaplan von St. Elisabeth, Herrn Biermann. Nur langsam hat sich der Verein em» Vorarbeiten können. Der oftmalige Wechsel seiner Vorsitzenden ist stets ungünstig für seine Entwicke­lung gewesen. Kurz nach seiner Gründung zählte er schon 50 aktive Mitglieder, heute nach 25 Iah- rcn sind es bereit nur einige 70. Dennoch haben eifrige Präsides und ein Stamm alter, bewährter Kolpingssöbne ihm über manche Schwierigkeiten hinausgeholfen. Durch weise Sparsamkeit hat der Verein ein Kapital zusammengebracht, welches es seinem vorletzten Präses Breitung ermöglichte, ihm ein eigenes Heim zu gründen durch Ankauf des früheren Hotels Ritter in der Mittelgalse. Der 27. Juni wird als Jubeltag begangen werden. Feierliches Levitenamt mit Festpredigt in der Pfarrkirche St. Elisabeth werden die Feier ein­leiten. Nachmittags findet Festandacht in dersel­ben Kirche statt, daran schließt sich ein Festzug zum großen Stadiparksaale, dortselbst sindet Konzert statt. Abends wird im selbigen Lokale die Fest- versammlung, in welcher der Diözesanpräses, Herr Dechant Braun-Hanau, die Festrede übernommen

vermischter.

* 13 000 MiSionSr» gibt es im Deutschen Reich. Sie besitzen zusammen ein Vermögen von 86 Mil- liarden.

* Ein Volksbad für 2 Millionen wird in Nürn­berg nach einem Beschluß des Gemeindekol^lmnS gebaut werden.

' — Der Kampf gegen die Schleppe. Ein be­kannter Arzt in London hat den alten Kampf um die Schleppe sehr heftig und in drastischen Aus­drücken ausgenommen. „Vom hygienischen Stand­punkt", sagt er, „ist die Schleppe äußerst schädlich Und einer der schlimmsten Verbreiter von Krank- heitskeimen. Wenn man sie trotzdem heute noch in den Ballsälen antrifft, so trägt hieran einzig find allein die Eitelkeit des schönen Geschlechts die Schuld. Jeder Mann sollte es möglichst ver­meiden mit einer Dame mit langer Schleppe zu tanzen. Der prachtvolle Schweif sollte ihm doch zur Genüge sagen, daß er eine gefallsüchtige Per­son vor sich hat, und außerdem läuft er Gefahr, von den unendlichen Stosfmassen eingewickelt und umgerissen zu werden. Wie mancher hat auf diese Weise schon Arm und Bein gebrodjen. Die Damen sollten doch wissen, daß die meisten Her­ren, die beim Tanzen fallen, es nicht ihrer Unge­schicklichkeit, sondern der einen ober ber anbern Schleppe zu verdanken haben. Ja, wenn eine solche Schleppe Noch schön wäre. Das ist aber selbst die teuerste nicht. Eine Dame in einem Kleide mit Schleppe sieht aus, als stecke sie in einem Badelaken. Sie gibt ihr ein altes, matro­nenartiges Aussehen, eine Würde, als sei sie über vierzig Jahre. Der Schleppe haben wir den so­genannten „Ballsaalhusten" zu verdanken, denn mit dem Staub auf dem Fußboden wirbelt sie unzählige Mikroben auf, die überall hineinbrin­gen. Schließlich liegt bei ber Schleppe ber Ver­dacht nahe, baß ihre Trägerin Grund hat ihre Füße zu verstecken.

— Ein liegengebliebener Brief. Oesterrei- chische Blätter wußten neulich von einem Sta- nonschef zu erzählen, ber durch Zufall einen mit Postsachen gefüllten Güterwagen entdeckte, den man vor Jahresfrist auf ein totes Gleise gescho­ben hatte und dann vergessen worden war. Das jft zwar ein tolles Stück, aber immerhin hatte die-

* Ein vielversprechender Bursche. Ein fügend, sicher Urheber niederträchtiger Streiche machte am Freitag im Reichstag viel von sich reden. Seit längerer Zeit schon wurde das Reichstags- telephon zu allerhand schlechten Scherzen benutzt, ohne daß es gelingen wollte, den Urheber zu ent­decken. Einmal klingelte dieser die Frau eines Journalisten an und antwortete, als sie sich mel­dete, „Hier Leichenschauhaus", wodurch er der Dame-einen furchtbaren Schrecken einjagte, da sie natürlich glaubte, daß ihrem Manne ein Unglück zugestoßen fei. Vor den Osterferien schon hatte eines Tages die Feuerwehr vor dem Reichstage anrüden müssen, von ber Parlamentstribüne aus war „Feuer auf der Journalistentribune" gemel­det worden. Bald stellte sich heraus, daß es sich um einen groben Unfug eines ber vielen im Vorraum zur Journalistentribüne wartenden Zeitungsjungen handeln mußte. Die Nachfor­schungen blieben aber zunächst ohne Erfolg. In den letzten Tagen wurde bann die Feuerwehr Nach dem Abgeordnetenhause alarmiert; ferner wur­den ber Reichstagswirtschaft 125 Flaschen Sekt, etne Unmenge Blumen usw. „auf Bestellung" zu- geschickt. Gestern endlich gelang 'es nach einem heftigen Streit zweier Zeitungsjungen des jugendlichen Täters, ber im Zorn von seinem „Kollegen" verraten wurde, habhaft zu werden. Bevor er endgültig aus dem Reichstage verbannt wurde, gestand er, wie ber „Berliner Lokalanzei­ger" berichtet, Noch folgenden niedlichen Strerch: Vor einigen Tagen habe er vom Reichstag aus den Oberbürgermeister Kirschner im Rathaus an- telephoniert. Es entwickelte sich folgendes Ge- st>räch: „Hier Sekretär des Oberbürgermeisters Kirschner." „Hier Fürst Bülow." Der Sekretär stürzt nach seinem Herrn; „Hier Oberbürger- meister Kirschner persönlich." „Hier Fürst Bü- i*®-" „Durchlaucht, ich stehe zu Diensten." „Herr Oberbürgermeister, ich wollte mich mal nach Ihrem Befinden erkundigen." . . . Der vielversprechende Bursche, ber sich wegen seiner Taten noch zu verantworten haben wirb, ist erst 13 Jahre alt; er versah Laufjungendienste in einem parlamentarischen Büro, bas ihn Natürlich sofort an bie Luft gesetzt hat.

. ~ Unwiderstehlich. Leutnant: „Diesen amerika- nslchen Millionär würde ich ganz gern 'mal besuchen — aber man muß da zu sehr aufpaffen, well eine heiratsfähige Tochter vorhanden ist ... . Auf ein­mal hat man das Geld in der Tasche!"

— Auch eine Zeitbestimmung. Hausfrau (mor- gens m die Küche tretend): „Wissen Sie vielleicht, wann mein Mann nach Hause gekommen ift?"__

Dienstmädchen: „Nein Madam', aber um sieben Uhr waren seine Stiefel noch warm."

bat, stattfiriden. Auch kommt in derselben ein Festspiel mit lebenden Bildern anschließend an die vier Devisen des Gesellenvereins zur Auffüh­rung. Es darf wohl erwartet werden, daß sich recht viele Brudervereine, besonders diejenigen un­serer Diözese, an dem Feste, wenigstens durch Ent­sendung einer Fahnenabteilung, beteiligen wer­den. r.

düng und schaffte dies alles nicht nur für die Bedürfnisse der Familie, sondern bei den patriar­chalischen Verhältnissen der Zeit für Gesinde, ge­werbliche Gehilfen unb andere Hausgenossen. So stand die Frau als erwerbende Arbeirerin neben dem erwerbenden Manne, entfaltete allerdings ihre Tätigkeit auf einem Gebiete, das ihr von Natur nahe liegt.

Ein Blick auf bie hauswirtschaftliche Technik unserer Tage zeigt ein wesentlich anderes Bild. Alle jene Bedürfnisse, die durch weibliche Tätig­keit im Hause befriedigt wurden, verdanken ihre Befriedigung heute andern Produktionsrnethoden. Wenigstens muß das im größten Umfang für die Städte, abgesehen von den Landstädten, zu­gegeben werden. Das Zeitalter der Arbeitstei­lung und der Maschine hat den ber häuslichen Beschaffung der für den eigenen Haushalt nö­tigen Produkte die Bedeutung genommen unb lediglich den Gelderwerb zur Herrschaft gebracht. Gartenarbeit unb Viehhaltung sind in der Stadt durch die Bodsnpreise ausgeschlossen;! Fleisch, Molkereiprodukte, Gemüse werden erst jedesmal, wenn man es bedarf, gekauft; eine moderne Hausfrau von heute denkt nicht daran, Strümpfe selbst zu stricken ober gar die Wolle dazu selbst herzustellen. Das Spinnrad ist ein Prunkstück des Salons, längst kein Arbeitsgerät mehr. Im­mer weniger Hausfrauen findet man, die im Herbst in mächtige Fässer das Sauerkraut für den Jahresbedarf einmachen, Gemüse und Früchte für lange Zeit konservieren. Alle diese Dinge bezieht man weit bequemer unb wohlfeiler aus dem Delikatessengeschäft. Wenig nur ist geblie­ben, was die Frau für bie Familienwirtschaft er­werben kann; ihre Tätigkeit dient lediglich noch ber Vorbereitung ber Güter für den Verbrauch. In wohlhabenden Kreisen nimmt diese Vorbe­reitung nun immer reichlich Zeit in Anspruch unb verschleiert die Tatsache, bie in ber Arbei­terfamilie dem Manne nur allzu deutlich wird: im Vergleich zu ber heute mühseligen Erwerbs­tätigkeit des Mannes leistet bie Frau im Haus- halt nicht eine Arbeit, bie wesentlich dem Krwerb der Unterhaltungsmittel für den gemeinsamen, Haushall dient. Diese Unterhaltungsmittel müs­sen für die heutigen Verhältnisse in dem Tausck mittel, in Geld erworben werben, und so muß auch die Ehefrau in den öffentlichen Wirtschafts­betri ejb hinaus, um, dieses Gold zu erwerben. Diese Forderung zwingt sich nicht nur dem Ar­beiter auf, sondern wird allmählich auch für starke Schichten des Mittelstandes zur Notwendigkeit. So ist bie heute geringer gewordene Arbeit der Frau in der Hauswirtschaft, der Verwandten, der Töchter, zuletzt ber Ehestau das Signal gewesen Sr den Einzug der Frau in die öffentlichen sttschaftsbetriebe.

§§ Kassel, 23. April 1909. Der Vorstand des Wiltevereins für Kassel und Umgegend hat ge­meinsam mit dem Verein ein reichhaltiges Mate­rial gegen die beabsichtigte Kontingentie­rung der Biererzeugung zusammenge- tragen, dieses, Material übersichtlich verarbeiten lassen unb es sodann als Information einer gro­ßen Anzahl Reichstagsabgeordneten ber verschie- bensten politischen Parteien, den Mitgliedern ber Reichsfinanzkommission unb außerdem mich den fachgewerbsichen Verbänden übermittelt, auf daß über die wahren Absichten der Brauer die inbe- tracht kommenden Kreise aufgeklärt werben. Aus Anlaß der Versendung dieses Materials hat man es im Vorstand abgelehnt eine große öffentliche Versammlung gegen bie Kontingentierung einzu- berufen unb hier eine Resolution anzunehmen, wie es in anberen Städten unseres Regierungs­bezirks geschehen ist. — In ber ersten Hälfte des nächsten Monats werden einige größere g e- werbliche Kon gresse in den Nachbar- kreisstäbten Fritzlar unb Hofgeismar ab- gehalten werben: in ben Tagen vom 10.—12. Mai wirb ber Verbandstag des mitteldeutschen Gastwirteverbandes, ber im vorigen Jahre in Fulda abgehalten worden, ist, in Hofgeismar ftattfinben; am 13. Mai wird ber dritte ordent­liche Verbandstag ber Bäckermeister Kurhessens in Fritzlar tagen; bie vorjährige Verbandsver- sammlung ragte in Eschwege.

* Wetzlar, 23. April 1909. Vorläufig werden dieWetzlarerkeineNassauer. Aus Gründen der Verwaltung soll, wie der »Hinter!. Anzeiger" zu berichten weiß, eine Abtrennung des Kreises von dem Regierungsbezirk Koblenz vorläufig nicht er- olgen. Als Hauptgrund gegen die Abtrennung werden die im Kreise, wie überhaupt in der Rheiu- provinz bestehenden Kreisbürgermeistereien genannt. Die Bürgermeistereien, die für die Geschäftsführung der rheinischen Landräte eine große Erleichterung bilden, umfassen sieben und mehr Ortschaften. Eine Aenderung in diesen Verhältnissen, die bei der An- gliederung des Kreises an den Wiesbadener Bezirk notgedrungen erfolgen mußte, würde tief einschneiden n alle Teile der Verwaltung und vor allem große Kosten verursachen, die in keinem Verhältnis zu den Vorteilen, die die Abtrennung bietet, stehen.

* Mainz, 24. April 1909. Die Ehefrau des Zahnarztes Dr. Sellheim von hier hat dem Heilstättenverein für das Großherzogtum Hessen in Vermächtnis von 32000 Mark hinter­assen.

* Wiesbaden, 23. April 1909. Die Nach- richt, wonach auf einen Antrag des Grafen Georg von Merenberg in dem Suzessions- treitprozeß gegen die Erbgroßherzogin Marie von Luxemburg für die weitere Prozeßführung Jem Grafen vom Oberlandesgericht Frankfurt das Armenrecht bewilligt worden sei, trifft nicht zu. Allerdings hat Graf von Merenberg

ses Stehenbleiben bes Wagens nicht bie unange­nehmen Folgen, wie nachstehender Brief, besten Liegenbleiben einem Menschen das Leben kostete Am 16. Brumaire, Fahr V des Revolutionskalen- bers, richtete ber Bürger Jarri, Friebensrichter in Besaneon, einen Brief an ben Bürger Simeon Richter in Paris. Währenb ber Brief nach Paris unterwegs war, wurde Simeon seines Amtes ent­setzt, ber Brief ging ans Ministerium des In- nern, geriet dort in Gott weiß welches Bureau blieb ungeöffnet liegen, wanderte bann in irgehb ein Fach unb würbe vergessen. Zweiuudbreißia Jahre später fanb man ihn. Er enthielt ben Be- weis ber Unschuld eines Mannes, ber als Mörder unter dem Fallbeil endetet

— So kann jeder „stiften". Im „Reichsboten" findet, sich, folgendes Inserat: „Bittet Ich hx. absichtige in dem neuerbauten Krankenhaus zu Riesenburg, welches dem Vaterländischen Frauen- verein gehört, von Diakonissen geleitet wird ein Freiheit zu stiften, bedarf aber dazu noch' der Mithilfe von guten Freunden ber guten Sache Jeden, der diese meine Bitte lieft, bitte ich mir 50 Pfg. zu schenken. Faulen bei Rosenberg, West- Preußen. Magdalene von Auerswald, geborene Freim von Schöneich." — Eine recht sonderbare Manier, ein Freibett zu stiften. Wenn die ade- lige Dame als Wohltäterin auftreten will so mag sie in die eigene Tasche greifen unb bie not- wendige Summe ans eigenen Mitteln ber geben. ’

— Die Anzahl der Monde in unserem Pla­netensystem, die wir kennen, ist mit dem im der- gangenen Jahre auf der Sternwarte von Green- wich entdeckten achten Jnpitermond auf 26 ae- stiegen. Der Saturn hat bie meisten Monde denn diesen Planeten umkreisen nicht weniger als zehn Trabanten. Von den acht Jupitermon. ben ist die Bahn des letztentdeckten, ber für bie Umkreisung seines Planeten mehrere Erbjahre gebraucht, noch nicht mit Sicherheit bestimmt. Der Uranus hat vier Monde, der Mars zwei unb Neptun und Erde haben se einen. Venus und Merkur scheinen keine Monde zu haben.

K. Die Frau als erwerbende Arbeiterin.*)

' Zur größten unb nicht unbegründeten Besorg- ini§ der Arbeiter- und ber Hanblungsgehilfenver- bände wächst von Jahr zu Jahr bie Zahl ber er­werbenden Frauen in Industrie und Han­del. Freude darüber pflegen lediglich bie sozial­demokratischen Parteiführer zu zeigen, denen bie durch das weibliche Arbeitsangebot herbeigeführte Lohndrückerei wesentliche Propagandabienste lei­stet.^ Bebel hat so in seinem Buch: „Die Frau" gerade die Lösung biefer wirtschaftlichen Francn- frage für jede bürgerliche Gesellschaftsordnung vls unerreichbar dargestellt und will in dem An­wachsen der wirtschaftlichen Kampfbewegung zwi­schen Mann und Frau ein Problem scheu, das svie kaum ein anderes nach dem sozialistischen Zukunstsstaat rufe.

Jedenfalls steht fest, die wirtschaftliche Tätig­keit der Frau gibt allen Einzelbchtrebungen ber Frauenbewegung bie stärksten Triebfedern, unb für das Verständnis der gesamten Frauenfrage ist es von Wichtigkeit, dem Ursprünge nach bie Masse ber Frauen keimen zu lernen, bie heute in dem öffentlichen Wirtschaftsbetrieb Erwerb sucht unb in fortschreitendem Maße findet.

Die Statisttk zeigt bekanntlich in allen Kul­turländern ein Ueberwiegen ber weiblichen Be­völkerung über die männliche und zwar vor allem in den heiratsfähigen Altersklassen. 1900 wurde dieser Ueberschuß an Frauen in Deutschland auf 892 684 festgestellt. Der größte Teil dieser überzähligen Frauen dürfte Wohl auf selbständi­gen Unterhaltserwerb angewiesen sein. Die Zahl ber Frauen, bie, unverheiratet, durch ben Zwang der Verhältnisse zur Erwerbstätigkeit veranlaßt werden, wächst jedoch bedeutend, wenn man die große Anzahl moderner Männer bedenkt, welche die Ehe scheut, ferner die Frauen in Betracht zieht, bie bei ber höheren Sterblichkeitsziffer ber Männer nach kürzerer ober längerer Ehe als Witwen zum selbständigen Erwerben gezwungen sind.

Diese ehelosen Erwerbstätigen — nach ber Statistik für 1904 in Deutschland über 4 Millio­nen, bilden aber durchaus nicht allein das Heer dec Frauen, die neben dem Manne erwerbend arbeiten wollem Auch eine große, immer wach­sende Zahl derjenigen, die in ber Ehe ben Beruf ber Frau gefunden haben, ist infolge ber heutigen hauswirtschaftlichen Verhältnisse auf Erwerbs­tätigkeit angewiesen. Ein flüchtiger Blick auf bie Praxis ber Hauswirtschaft in ber geschichtlichen Entwicklung zeigt beutlich die Grünbe für diese Erscheinung.

Betrachtet man bie Privatwirtschaft vergan­gener Jahrhunderte, so finbet man nicht allein die Ehefrau, sondern auch bie Töchter unb bei bem stärkeren Familiengefühl jener Zeiten auch andere werbliche Verwandte in emsigster Tätigkeit, die Bedürfnisse des Haushaltes zu be­friedigen. Die Frau übte damals bie Tätigkeit bes Gärtners und bes Bäckers, mästete in ber eigenen Wirtschaft das Schlachtvieh für den Fleischbedarf, gewann Milch, Butter, Käse, wirkte mit Spinnrad und Webstuhl die Stoffe zur Klei-

am Landgericht Wiesbaden nachträglich das Armenrecht in der erstinstanzlich entschiedenen Erbstreitsache nachgesucht, doch ist darüber noch nicht gerichtsseitig von der Wiesbadener Zivil­kammer entschieden. DaS Gesuch wird voraus­sichtlich abgelehnt und Gras von Merenberg die Kosten von 55 000 Mark zahlen müssen.

* Erfurt, 24. April 1909. Der gemeldete Selbstmord eines Einjährig-Freiwilligen, des Sohnes eines begüterten Brauereibesitzers, ist folgendermaßen aufgeklärt: Der Einjährige stand Posten vor Gewehr im Garnifonlazarett. In der Abendzeit ließ er einen Kameraden für sich schildern, während er in einem nahen Re­staurant zu Abend speiste. Das Wachvergehen wurde entdeckt und angesichts der zu erwartenden Strafe erschoß sich der junge Mann.

* Uder (EichSfeld), 24. April 1909. Bei den Ausschachtungsarbeiten für den Neubau der katholischen Kirche in Uder wurden viele Massen­gräber gesunden; meterhoch lagen die Gebeine übereinander; auch einzelne Gräber, die einge-, mauert waren, wurden aufgefunden. Es wird, angenommen, daß in diesen Gräbern bie; Stiftsherren ruhten, welche früher die hiesige' Gemeinde vom Martinsstist in Heiligenstadt aus seelsorglich verwaltet haben. Urkunden sind nicht gesunden worden.

* Marköbel, 24. April 1909. In der späten Nachmittagsstunde des vorgestrigen Tage- brach in dem oberen Stockwerk des Gustav Gärtner'schen Wohnhauses Feuer aus, das dm ganzen Dach-' stock verwüstete und eine Menge Kleidungsstücke vernichtete. Als der Brandstiftung verdächtig wurde der Eigentümer des HauseS bereit-' kommissarisch vernommm.

* Würzburg, 24. April 1909. Der früher? Lehrer Dippold, der seinerzeit ben Sohn be$ Berliner Bankdirektors Koch totprügelte, hat fich in ber Arbeiterkolonie Simonshof, wo er seit ber Verbüßung seiner Strafe weilte, erschossen.'