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M 91.

Fulda, Freitag den 23. April 1909.

36. Jahrgang.

Arveites Wlcrtt.

Noch in dieser Tagung

so sagte Fürst Bülow in seiner „bedeutsamen An­sprache" beim Empfange der Abordnungen, müsse die Reichsfinanzreform durchgeführt wer­den. Der Reichstag soll die Fnanzreform erst schlucken, vorher wird er in die Sommerferien nicht entlassen. Und wenn er nid>t schluckt?

Zwei Jahre lang haben der Blockkanzler ünd, sein Reichstag getrödelt; jetzt soll im Galopp das Versäumte nachgeholt werdenI Als ob das so einfach ginge!

Heute ist der 23. April. Am 30. Mai haben wir Pfingsten. Die Ferien werden voraussichtlich am 21. Mai beginnen. Daß Lis dahin auch nur der größte Teil der Steuervorlagen erledigt sein wird, wer will es hoffen? Einstweilen ist die Finanzkommission nicht mit einer einzigen Vorlage vollkommen fertig. Ueberdies ist die Ab­stimmung einzelner Parteien auch über Vorlagen, denen sie keinen grundsätzlichen Widerstand lei­sten, davon abhängig, wie die Besitzsteuerfrage ge­regelt wird. Und in Lieser Frage hat die Re­gierung soeben eine Schwenkung vollzogen. Sie gibt die Rachlaßsteuer auf und will sie durch die Erbanfallsteuer ersetzen. Aber welche Sätze sie für diese Steuer einführen, mit welcher Höhe des An­falls die Steuerpflicht beginnen, selbst ob ihr nur die Abkömmlinge oder auch die Ehegatten unter- liegen sollen, alles ist noch dunkel. Eine Vortage des Bundesrats über die Erbanfallsteuer ist noch unbekannt. Ebenso weiß man nicht, was aus der Vorlage über das Erbrecht Les Reiches werden soll. Ms Pfingsten wird also nicht allzuviel un­ter Dach und Fach gebracht werden.

- Nach unserer Meinung kommt es nicht allein darauf an, daß der Reichstag rasche Arbeit, son­dern noch mehr, daß er gute Arbeit leistet. Es handelt es sich um ein gan^esBündel der v e rw ik- teilten und schwierig st en Fragen von unabsehbarer Tragweite für das wirtschaftliche, soziale und ethische Volksleben. Und das soll nun alles in ein paar Monaten durchgepeitscht werden. Das wäre eine freventliche Ueberhastung und an­dererseits eine Vergewaltigung aller derjenigen, die eine gebührende Prüfung ihrer Bedenken und ihrer gefährdeten Interessen verlangen. Das Volk leidet seit Jahr und Tag schwer unter ge­werblichem Druck. Glaubt man, daß in einer solchen Zeit des Stillstandes oder Rückgan­ges 500 Millionen Steuern mehr als bisher er­hoben werden können, ohne daß sich der Nieder­gang des Erwerbslebens fühlbar verschärft? Die Kauflust der Massen ist viel schwächer als vor zwei oder drei Jahren. Wenn nun obendrein Kauf­preise von Massenverbrauchsartikeln infolge der neuen Steuern erhöht werden müssen, steht eine Abnahme des Verbrauchs bevor, die großen Ge­werben schwere Prüfungen auferlegen wird. Da kann man die Steuervorlagen nicht kurzer Hand annchmen, sondern muß sie in allen Einzelheiten gründlich prüfen nach wie vor. Mit der „Firigkeit" allein ist es nicht getan in Dingen, die für weite Kreise des Volkes Sein oder Nichtsein bedeuten können.

mentarischen Verhandlungen überhaupt aufgäbe und nicht bloß in diesem Falle, sondern auch in allen ähnlichen etwas mehr Beweglichkeit und Entgegenkommen in der Zusammenarbeit mit der Volksvertretung zeigte. Aber wir wollen erst ab­warten, ob die Ersatzeier im Bundesrat so schnell ausgebrütet werden, und zugleich wollen wir vor- sichtig sein gegenüber der Behauptung, daß die Elektrizitäts- und Jnserarensteuer schm endgültig aufgegeben worden seien. Jedenfalls ist an die Erledigung der Ecsatzsteuern vor Pfingsten nicht zu denken. Nach Pfingsten indes ist erfahrungs- gemäß ein beschlußfähiger Reichstag nicht lange zusammenzuhalten. Den Sommer über wird man den Reichstag schwerlich an Berlin fesseln wollen oder können. Mithin ist es nichts weniger als ge­wiß, daß sich das Verlangen der Verbündeten Re­gierungen erficht und die Finanzreform noch in der Session zum Abschluß gelangt.

Einzig und allein mit dm Steuervorlagen wird sich der Reichstag in den nächsten Wochen und Monaten nicht beschäftigen. Es liegen ihm außer den Steuerentwürfen noch 28 Gesetzentwürfe, Be­richte, Uebersichten und eine Unmenge zurückge- stellter Resolutionen, Anträge der Wahlprüfungs­kommission und Petitionen bor._ Die Gesetzgeb­ungsmaschine kann nicht ausschließlich in den Dienst des Steuerfi 'skus gestellt werden. So wünschenswert es daher ist, daß die Finanzre­form mit aller Schnelligkeit erledigt wird, die mit der unentbehrlichen Gründlichkeit und Gewissen­haftigkeit vereinbar ist, so wenig wird man diese gründliche und gSvisienhafte Prüfung unterlassen und die Eingaben der in ihrer Existenz bedrohten Gewerbetreibenden und anderer Volkskreise kurzer Hand in den Papier korb befördern dürfen.

Keine Verschleppung, aber auch keine Ueberhastung! Denn dar Reichstag ist noch mehr als für den Fehlbetrag, der sich in der Reichskasse zeigt, für den Steuerdruck und seine Folgen, über die sich das Volk einst bitter be­schweren könnte, verantwortlich zü machen.

Die Lage ist voll von Gefahren und Aerger- nissen. Wie viel besser gingen die Geschäfte im Jahre 1906, als die Blockweisheit noch nicht er­funden war.

Deutsches Reich.

♦ Einen außerordentlich kritischen Punkt be­rührt die „Neue Reichskorrespondenz" in ihrer jüngsten Nummer. Sie redet da dem Reichstag ins Gewissen, doch endlich die Reichsfinanzreform zu erledigen, und schließt ihre Mahnung mit fol­gender Warnung:

Die Regierung hat sich jetzt mit aller Entschieden­heit ausgesprochen und genau den Weg festgelegt, auf dem ihrer Ansicht nach vorgegangen werden muß. Die Nation würde es nicht verstehen, wenn die Blockparteien nach dieser Klärung der Sachlage versagen würden. Alle dem Block zugehörigen Parlamentarier be­finden fich jetzt in einer verantwortungsvollen Lage. Sie können sich überzeugt halten, daß die Wähler über die allgemeine politische Entwicklung im Reiche heute noch genau so denken, wie bet der Reichstagswahl von 1907. Ein Versagen bei der Rrichsfinanzreform würde sehr wohl den Ruf nach neuen Parlamen­tariern bei der nächsten Neichstagswahl auszulösen geeignet sein.

lieber die „Ersatzste ifc^r n". die an 'stelle derjenigen Steuervorschläge Treten sollen, die be­reits jetzt als aussichtslos gelten können, wie z. B. die Elektrizitäts- und die Jnseratensteuer, hat noch nicht einmal der Bundesrat Beschluß gefaßt. Er soll Las in diesen Tagen tun, und wird damit von seiner üblichen Manier, erst zu endgültigen Beschlüffen des Reichstages Stellung zu nehmen, diesmal abweichen. Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, wenn der Bundesrat seine alte for­malistische Haltung gegenüber schwebenden Paria-

Kleines Fenillelon.

— Bakelit. Nach dem Zelluloid, da-, vor vierzig Jahren von den Gebrüdern Hyatt in Newark zuerst hergestellt, uns heute schon fast unentbehrlich erscheint und in unglaublich gro­ßen Mengen verarbeitet wird, will uns jetzt Ame­rika abermals ein verwendungsreiches Kunstpro­dukt schenken, das dem Zelluloid an Bedeutung mindestens gleichkommen wird, wenn die rn einem Vortrag des Erfinders vor der amerikanischen chemischen Gesellschaft gemachten Angaben auch nur zur Hälfte zutrefsen. Einen Namen hat das Kind schon: Bakelit. So har es der Erfm- der nach sich selbst getauft, denn er heißt Dr. L. H. Bakeland. Und was e8 ist? Ein auf künst­lichem Wege hergestelltes Harz von ganz beson­ders hervorragenden Eigenschaften. Es ist sehr hart, härter als Schellack und Hartgummi, leider nur nicht so elastisch wie beide. Dafür besitzt es den Vorzug, unverbrennlich zu sein und von den meisten Säuren nicht angegriffen zu werden. Auch im heißen Wasser bewahrt es bis zu 300 Grad seine Widerstandsfähigkeit. Taucht man z B. einen Holzlöffel in Bakelit A (eine flüssige Form Les Stoffes) und erhitzt ihn dann in einem Gefäß, in dem ein Luftdruck von mehrern At­mosphären herrscht, so bildet sich em harter, glänzender, lackartiger Ueberzug, der dem teuer­sten japanischen Lack an Haltbarkeit über fegen fein soll. Lasse ich besonders dünnflüsttges Bake- fit auf billiges poröses Weichholz eintotrfen, Jo orhalte ich ein Holz, das durch und durch impräg­niert ist und an Härte dem Ebenholz nicht nach» steht und sich verdünnten Säuren, Wasser und Dampf gegenüber äußerst widerstandsfähig zeigt. In ähnlicher Weise ist es dem Erfinder gelungen, Pappe und Papier zu imprägnieren. Mit Bake­lit getränkte Papierteller dürften in vielen Fäl­len wegen ihrer Leichtigkeit und Unzerbrechlich-

Die Drohung ist verständlich: „Entweder pariert Ihr, oder Ihr fliegt das nächste Mal aus dem Reichstage l" Wie wir die Blockbrüder, vor allem die Partei für Wahrung der Personalien, die Liberalen, kennen, wird Liese Drohung Wun- der wirken. Jedenfalls wird sie wirksamer fein, als die rhetorischen Beschwörungen durch Len Reichskanzler.

* Eine nichtswürdige Verdächtigung, so schreibt die ,AugSb. Postztq/, leistet sich der

feit einen guten Ersatz für Porzellan-, Steingut- und Glasteller abgeben. Für die Gefäßindustrie eröffnen sich damit neue Aussichten, denn was vom Teller gilt, gilt natürlich auch von Flaschen, Krügen, Bechern. Der Erfinder hofft z. B., daß in der Konservenindustrie die bakelisierte Papp- büchse die Blechbüchse verdrängen wird. Mischt man flüssiges Bakelit mit Sand oder Schieser- mehl, so gewinnt man einen Teig, der ähnlich wie Email zum Auskleiden von Metallgefäßen verwandt werden kann. Reines Bakelit kann an Stelle von Bernstein für Pfeisenmundstücke ge­braucht werden, vielleicht auch vielfach als Ersatz für Zelluloid bei Schmuckgegenständen, Kämmen und dergleichen, denn es hat diesem gegenüber ja Len Vorzug der Unendziindbarkeit und ist auch völlig geruchlos, während bekanntlich Zelluloid immer etwas nach Kampfer riecht. Ob sich das Bakelit in all diesen vom Erfinder angeführten Fällen bewähren wird, muß natürlich erst die Zukunft lehren. Aber selbst wenn die eine oder andere Berwendungsart ausscheiden sollte, so bleibt immer noch ein weites, großes Verwen- Lungsgebiet offen. Die Stoffe, aus denen Bake­lit hergestellt wird, sind Formaldehyd und Phe­nole (von denen die Karbolsäure eines der be­kanntesten ist).

— Amerikanische Selbstmörderklubs. Auf dem in Liesen Tagen von New-Fork in Liverpool ein­getroffenen Dampfer „Lucania" hat sich am ersten Tage der Reffe eine Miß Clare in ihrer Kabine durch einen Revolverschuh getötet. Vier Tage spä­ter, als der „Lucania" die englische Küste in Sich: kam, ist Miß Miller dem Beispiele der Lands­männin gefolgt. Der Doppelselbstmord der beiden jungen und bildschönen Amerikanerinnen ist allem Anschein nach auf den Beschluß des amerikanischen Selbstmörderklubs zurückzuführeu, dem die beiden Damen als Mitglieder an gehörten. Die jungen Mädchen haben nur den Urteilsspruch vollzogen, der ihnen innerhalb einer festbestimmten Zeit den Selbstmord zur Wicht machte . Es erfftiert in

Evangelische Bund gegenüber dem Herrn Erzbischof von Bamberg. Nachdem er in nicht weniger als 8 Artikeln seiner ,Deutsch-evangel. ; lott/ den Pfarrer Tremel gefeiert und seinen Widerstand gegen den Erzbischof rührend gelobt »aste, scheint die Unterwerfung Tremels den Evangelischen Bund furchtbar gekränkt zu haben. In 9kr. 40 wagt die ,Deutsch-evaug. Korrck die Krankheit des Herrn Erzbischofs in Zweifel zu ziehen, indem sie das Wort Krankheit in Anführungszeichen (, ") setzt und dazu noch einen geradezu frivolen Ton anschlägt. Sie schreibt:

„Die „Krankheit" des Bamberger Erzbischofs, der a nun wieder auf dem Wege der Genesung ist, hat »anach nicht die ihr in der Oeffentlichkeit zugewiesene Rolle gespielt . . . ."

Was in diesem einen Satze an versteck!er nichtswürdiger Verdächtigung geleistet wird, über­leigt doch alle Grenzen deS natürlichen Anstan­des. Will etwa der Evangelische Bund behaupten, der Erzbischof habe nur Komödie gespielt und ich Tremels wegen die hh. Sterbesakramente (eben lassen? Eines solchen Tiefstandes in der Gesinnung ist eben doch nur der Evangelische Bund fähia. ________________________

Am dem Rachbargebiele.

• Kirchhain, 21. April 1909. In den letzten Jahren sind hier in der Anpflanzung von Ob st bäumen große Frotschritie gemacht wor­den. Ueberall, in Feld und Garten, find Neu- Pflanzungen vorgenommen und man hat auch bei der Auswahl der Sorten den Boden und das Klima berücksichtigt. Hand in Hand mit dem Obstbau ist der Gartenbau gegangen. Ueberall inb Grundstücke eingefriedigt und mit Wegean- lagen, Grotten usw. versehen, auch Beerenobst ist in beträchtlicher Menge neu angepflanzt.

* Fritzlar, 20. April 1909. Gestern und heute änd hier die Aufnahmeprüfung an der König!. P r ä p a r a n d en - A n st al t statt, der sich 31 Prüflinge unterzogen. Einer wurde nicht ,zu, der mündlichen Prüfung zugelassen, von den übrigen wurden 26 ausgenommen.

* Marburg, 21. April 1909. Vom 14. bis 26. Juni wird das Jägerbataillon eine Übung auf dem Truppenübungsplatz Senne abhalten. Am diesjährigen Manöver wird das Bataillon im Verbände der 22. Division teilnehmen, deren Manöver in der Gegend von Wolfhagen, und Fritzlar sowie im Fürstentum Waldeck stattfinden.

♦ Höchst a. M., 21. April 1909. Der in Hat­tersheim bedienstete Knecht Herbert bat dieser Tage im hiesigen Krankenhaus wegen Lungen­entzündung um Aufnahme. In einem unbewach­ten Moment sprang der Mann im Fieber­wahn durch das geschlossene Fenster, dessen Scheibe er zertrümmerte, .und stürzte auf,Len ge­pflasterten Hof herab. Als Leute zur Hilfe her- beieilten, hieb er wütend um sich, und es kostete große Mühe, ihn zu Bett zu bringen. Dort starb der Unglückliche nach kurzer Zeit.

' Wiesbaden, 21. April 1909. Dem Gra- fen Georg von Merenberg, 2er zu dem russischen Kaiserhaus in nahen verwandtschaft­lichen Beziehungen steht, wurde auf seinen An­trag für die weitere Prozeßführung mit der Erb- großherzogin von Luxemburg um die Nachfolge im Nassauischen Familien-Fideikommiß vom Oberlandesgericht in Franffurt das Armen- re ch t bewilligt. Die etwa 55 000 jM, Kosten der erstinstanzlichen Verhandlung wird der „Frkfi. Ztg." zufolge Gras von Merenberg selbst zu tra­gen haben, weil er seinen Antrag auf Bewilligung des Armenrechts nicht früher gestellt hat und weil einem devartigen Beschluß rückwirkende Kraft nicht gegeben werden kann.

Amerika eine ganze Anzahl Selbstmörderklubs. Der berühmteste ist der Klub des Ordens des „Schwarzen @d>leier§", dessen Präsident von Zeit zu Zeit den Namen eines Mitgliedes verkündet, das sich dann ohne weiteres das Leben zu nehmen verpflichtet ist. Dem vom Lose Bestimmten wer- den ein schwarzer Schleier, schwarze Handschuhe und schwarze Schuhe mit der Aufforderung zuge- stellt, sich nach Ablauf einer Galgenfrist von einer Woche zu töten. Der Klub zählt ausschließlich Frauen zu seinen Mitgliedern.

— Das Lichtbrdürsnis der Forstpflauzen. Am lichtbedürftigsten ist die Lärche, es folgen dann Asper, Birke, Kiefer, Weymouthskiefer, Ahorn, Erle Eiche, Ulme, Esche, Hainbuche, Linde, Schwarzkiefer, Buche, Fichte, Tanne. Man kann also einen Eichenbestand mit Fichten unterbauen, aber nie einen Fichfenbestand mit Eichen. Die einfache Beobachtung des Verhallens gegen Licht und Schatten, über das der Baum durch die Be- schaffenheit seiner Krone selbst Aufschluß gibt, ist der beste Fingerzeig über die Möglichkeit, zwei Holzarten zu mischen, und gibt zugleich an, in welcher Art und Weise diese Mischung zu erfolgen hat wie überhaupt der Wald selbst unser bestes Lehrbuch ist, und wer in ihm zu lesen versteht, der mag die Bäume selbst fragen, tote sie erzogen sein wollen, und sie sagen es ihm besser als alle Theorie.

»tauen als Zeitungsleser. In London ist ein Verein bemüht, die Frauen der arbeitenden Volksklasse im Lesen von Zeitungen zu unterrich­ten Die Vereine halten zu diesem Zwecke SSer- smmnlungen ab. Sie wollen es durchsetzen, daß die Frauen in Zukunft nicht nur du- Seiten der Zeitungen beachten, auf denen sich Modebilder be­finden sondern auch den politischen Ereignisien ihre Ausmerffamkeit zuwenden. Der Verein be- hauptet, daß die Einrichtung bereits Erfolg ge­habt habe.

vermischtes.

* Ein neues Luftschiff hat der Krefelder Kauf­mann Theodor Zorn erfunden. Die Neuheit liegt hauptsächlich darin, daß das Luftschiff, das in der Gesamtheit eine längliche Form, nach Art der gewöhnlichen Schiffskörper besitzt, nicht aus einem, sondern aus dreiTeilen besteht, welche unter sich durch geeignete Zwischenteile verbunden sind. Die drei Teile bilden jeder für sich einen abgeschlossenen, mit Gas gefüllten und in sich star­ren Körper, wahrend die Zwischenstücke, die als Verbindungsglieder gelten, beweglich sind. Diese Beweglichkeit soll eine besonders gute Steuerung und Manöverfähigkeit des Luftschiffes bedingen. Zur Verwirklichung des Systems ist eine Gesell­schaft unter dem Namen: „Rheinische Patent- Luftschiffahrts-Gesellschaft Zorn u. Hense" ge- gründet worden, die ein zur Frankfurter Suft- schiffahrrsauZstellung angemeldetes Modell fer­tiggestellt hat.

* Hundertmarkscheine als Mäusefutter. Ein sehr „kostbares" Menü haben die Mäuschen des Besitzers H. in dem ostpreußischen Dorf Dwielen verzehrt. Der Besitzer hatte vor einiger Zeit sein Grundstück verkauft und den Erlös von 2800 =4t in seiner Wohnung verwahrt, da er bei den gegen­wärtigen politischen Zeitläufen den Sparkassen und Banken anscheinend nicht recht 'traute. Als er dieser Tage fein Vermögen nachzählen wollte, fand er zu seinem nicht geringen Entsetzen nur einen Haufen kleiner Fetzen als Rest des ver­gänglichen Schatzes bot; Mäuse hatten sich an den Papieren gütlich getan. Der Wert der Leut­chen Noten im Betrage von 2000 M ist ihm von ier Reichsbank in Berlin erstattet worden, da >)ie Nummern der zerfressenen Scheine noch fest- gestellt werden konnten. Die übrigen 800 <M,, die aus russischem Papiergeld bestanden, muß der Besitzer aber wohl oder übel als Lehrgeld den Mäusen lassen.

* Acht englische Scout Boys befinden sich zur Zeit auf einer Rundreise durch Deutschland. Die! „Kundschafterknaben" sind Mitglieder einer weit­verbreiteten englischen Knabenorganisation,, ’öie unter militärischer Leitung im AirfklärungsLienst ausgebildet wird und den Zweck verfolgt, in Eng- land den fehlenden militärischen Geist zu erwecken. Die Truppe findet ein merkwürdig weitgehendes Entgegenkommen in Deutschland. Die 8 Burschen im Alter von 15 bis 16 Jahren kamen vom Schlachtfelde in Waterloo am 16. April zunächst nach Metz, wo ihnen seitens der dortigen Militär­verwaltung die Schlachtfelder gezeigt und ver- chiedenes aus dem deutschen Heerwesen vorge­führt wurde. Sie begaben sich dann nach Heidel­berg, um hier den Professoren vorgeführt zu wer­den. In Bamberg und Würzburg hat die baye­rische Staatsregierung dafür gesorgt. Laß sich ein Orts-Komitee zum Empfang der englischen Gäste hübetbeffert Seitun die königlichen! Räte Dr. Michel und Eitzenberger und Stabsarzt Dr. 52ion übernommen haben. In Bamberg soll dann ein gemeinfames Mahl mit den Vertretern der Stadt und der Lokalverbände im Wein-Restaurant Mas- serschmidt folgen. Der Kommandeur des 5. In­fanterie-Regiments, Oberst Graf Zeech, hält eine Felddienstübung des ganzen Regiments ab, zu welcher die Pfadfindertruppe eingeladen wird. Die Turn-Vereine halten Turnübungen ab; Turn-Abteilungen sollen am Abend die Truppe mit Fackeln zur Altenburg geleiten. Zu Mittag ist die Truppe bei Gönnern zur Tafel geladen. Am 23. April erfolgt die Abfahrt nach München, von wo aus ein Ausflug ins Gebirge geplant ist. In Bamberg werden alle erwachsenden Kosten Lurch Private gedeckt. — Zu diesem Programm bemerkt mit Recht der liberale Fränkische Kurier: „Fiele es wohl den Engländern ein, wenn 15- bis 16jährige Jungen nach England kämen, soviel Aufhebens mit der Gesellschaft zu machen? Ganz gewiß nicht! Und was soll man erst dazu sagen, wenn das 5. Infanterie-Regiment, wie eS fast den Anschein hat, eigens für acht englische Jungen eine Felddienstübung abhält, und wenn diese Jungen dazu eingeladen werden! Ist es ein Wunder, wenn der Engländer sich ein unerhörter Größenwahn bemächtigt, wenn sie sehen,, daß, 16- jährige Jungen schon in Deutschland in einer Weise gefeiert werden, die kaum glaublich ist? Die Schwäche der Deutschen für alles, was vom Ausland kommt, ist ja bekannt. Aber etwas mehr Würde und Selbstachtung, wie sie hier 16jährigen Jungen gegenüber bekundet wird, soll­ten wir doch an den Tag legen." Ganz recht! Und gerade in neuester Zeit mehren sich die Vor­fälle, an denen gewisse Deutsche beweisen wollen, daß Heinrich Heine doch recht hatte, als er die Deutschen ein „Volk von Bedienten" nannte. — Dem „Bamberger Tagblatt" wird zwar von infor­mierter Seite mitgeteilt, Laß die Aufnahme der Jungen an keinem Platze einen offiziellen Charak- ter haben wird. Dort, wo fich offizielle Persön­lichkeiten beteiligten, täten sie es lediglich in pri­vater Eigenschaft. Das ändert nichts daran, daß man über das Ziel hinausgeschossen hat.

Reklamen- und Anzeigenteil.

Wachsen dielap, dann kommt der Frühling, das weiß jedes Sink. Aber auch da? weiß man, (fflRz dos man gerade dann fich am leichtesten erkältet. Wer aber schon erkältet oder doch lehr empfind- -------- lich ist, der soll unter allen Umständen Fays \QB) ächte Sodener Mineral-Pastillen gebrauchen, die fgZjk ebenso zuverläsag vorbeugen, wie sie akute und 1- chronische Katarrhe beseitigen. Fays ächte (f^S) Sodener kosten 85 Pfg. die Schachtel und find JjgK in allen Apotheken, Drogerien und Mineral» CS5S wasserhandlungen zu haben.