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Zeitung

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z pa^elle" in Mva. wochenbeitüKr: „Illustrierte Sonntagzzeitung"

Fulda, Donnerstaq den 22. April 1909

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36. Jahrqang.

Monairbcllage: „Fuldaer Geschichtsblätter"

tftcheln» ftiglich mit Arrrnahme der So.m- «nd Feiertage, viettel- MrlicherVezngrpreir ohne Srinqerlohn und Bestellgeld in Fulda so­wie aurwärts X.50 Kit

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Rotationrdruüund Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerel in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

Zweites WtcrtL.

s Neber die Zentrumstaktik, so wird aus parlamentarischen Kreisen geschrie­ben, zerbrechen sich die Gegner allesamt die Köpfe; sie reden ihren Leuten Schreckliches über die Machinationen der „schlauen Herren vom Zen­trum" vor; jeden Tag wissen sie neue Schauder­märchen zu erzählen.

Obenan steht immer der eine Satz, daß das Zentrum mit aller Macht anstrebe, die f rü h e r e Stellung wieder zu erhalten. Einen Beweis hierfür schenkt man sich; höchstens gilt die eine Tatsache, daß das Zentrum nicht nach den Wün­schen des Blocks handelt, als ein solcher. Nun können wir den liberalen Angstmeiern in aller Gemütsruhe versichern, daß das Zentrum ein solches Streben nicht hat, daß auch gar keine Veranlassung dazu vorliegt; denn man hat im Zentrum immer damit gerechnet, daß der Block bis zu den nächsten Reichstagswahlen aushält. Man kreidet es dem Zentrum dick an, daß Zen­trumsabgeordnete und Zentrumsblätter den Reichskanzler scharf angegriffen haben. Ja, ist denn der Reichskanzler eine unantastbare Per­sönlichkeit, über den man kein Wort der Kritik sagen dürfte? Wir denken nicht daran, ihn und seine Blockherrlichkeit zu stürzen, aber. deshalb brauchen wir doch nicht zu den staatsmännischen Fehlern dieses „seßhaften" Kanzlers ängstlich zu schweigen, wie es die Blockpresse tut. Das Zen­trum liegt eben vor keinem Reichskanzler auf den Knien, es geht die Wege, die es für richtig er­kannt hat.

Die Taktik des Zentrums liegt sehr klar, sie ergibt sich ganz von selbst aus den Grundsätzen und der Vergangenheit der Partei. Wir können sie in folgende Leitsätze zusammenfassen:

1. Als stärkste bürgerliche Partei wird das Zentrum an der Neichsfinanzreform mitar­beite n, da es die Notwendigkeit und Dringlich­keit anerkennt und in der guten Lösung eine Lebensfrage für das Reich erblicke.

2. Es wird aber auch Mitarbeiten, um die be­gründeten Interessen seiner Wähler zu vertreten, damit es sich nicht später sagen las­sen muß, es hätte manches verhindern können, es aber nicht getan.

3. Nachdem die Sparsamkeitsaktion so schmäh­lich geendet hat, läßt sich nicht.mehr in Abrede stellen, daß das Reich 450—500 Mill. M neuer Einnahmen braucht und das Zentrum ist bereit, sie zu bewilligen.

4. Don dieser Summe muß aber auf den Be- s i h mindestens die Hälfte gelegt werden, eine Besitzsteuer von 100 Mill. M ist vollkommen un­genügend.

5. Jede Reichseinkomm en- oder Ver- mögenssteuer lehnt das Zentrum ab, da es darin den Anfang vom Ende der finanziellen Selb­ständigkeit der Einzelstaaten sieht. Die borge« kgte Nachlaß st euer ist für das Zentrum unannehmbar. Es sind daher andere For­men der Besitzsteuer zu suchen und wenn diese nicht den erforderlichen Betrag aufbringen, muß eben der Rest auf Matrikularbeiträge gelegt wer­den, das bringt sofort Geld ,und belastet auch die heute lebenden Reichen.

6’ Das Branntweinmonopol ist für das Zentrum unannehmbar; die ü b r i g e n V e r- b r a u ch s st e u e r n müssen so ausgebaut wer­den, daß sie nicht Existenzen ruinieren, kein gro­ßes Beamtenheer erfordern und 250 Mill. Jt abwerfen.

In diesen sechs Leitsätzen ist das gesamte Pro­gramm und die gesamte Taktik des Zentrums zur Reichsfinanzreform niedergelegt.

Kleines Feuilleton.

— Wie man sich ein Amt verschafft. Lebte da in der Lozdre, so erzählt der Cri de Paris, ein Briefträger, der sich glücklich schätzen konnte: feiten kamen Briefe an die Bauern seines Land­bezirks und er hatte mit dem Austragen der Post wenig zu tun. Aber in seinem Dorfe wohnte etn armer Teufel, der von bitterem Neide gegen rhn erfüllt war und keinen höheren Wunsch Hatter als ebenfalls Briefträger in diesem Bezirk zu fein. Da geschah etwas Seltsames. Ernes -morgens stand der Briefträger ganz überrascht vor einem kleinen Berg Zeitungen, dte alle an feine Bauern adressiert waren; jedem ernzel- Nen hatte er ein Blatt zu bringen. So mußte er denn an diesem Tage im Schweiße seines Ange­sichts auch zu dem entferntesten Bauern seines Be- zirks traben und gut dreißig oder vierzig Kilo­meter zurücklegen. Seufzend verrichtete er fern Amt und hoffte, daß dies wenigstens das erste und letzte Mal gewesen sein möchte. Jn'deffen war es am nächsten Tage wieder so, und ebenso an den folgenden: regelmäßig kam der Stoß Zeitungen an alle Bauern, als ob sic regelmäßig abonniert hätten. Schließlich wurde es dem braven Brief­träger 'zuviel, er beschwerte sich über die lieber- lasiung und sorderte solange eine Hilfskraft, bis schließlich die Einstellung eines neuen Brief­trägers bewilligt wurde. Und dieser neue Brief­träger war kein anderer als jener anfangs er­wähnte arme Teufel, der sich hinter den Abgeord­neten des Kreifes gesteckt und so die neue Stelle, die geschaffen werden mußt», erhalten hafte. Kaum aber war er einige Tage im Amt, als die Zeitung ihre Sendungen an die Bauern einstellte. Mit dem Aufwand von etwa 100 Francs für ein Monatsobonnement zu Gunsten aller seiner Dorf- genossen hatte der tüchtige Mann das Ziel seiner ^Sehnsucht erreicht und war Beamter geworden.

Nun sagt man, daß das Zentrum nicht mehr mitarbeiten könne, nachdem es so schroff zurück- gewiesen worden sei. Auch manche Anhänger des Zentrums wünschen, daß es sich abseits stelle. Diese Taftik wäre aber nicht richtig. Wenn das Zentrum sich z. B. der Abstimmung enthalten würde, so würden manche sehr unangenehm men Steuern schon angenommen worden sein. Wäre dann das Volk befriedigt? Bei manchem anderen Gesetze könnte man die Taftik des Schmollens vielleicht überlegen; die Steuern aber gehen an den Geldbeutel, und da hört bekanntlich die Gemütlichkeit auf. Dem Reichskanzler zu­liebe bewilligt das Zentrum keine Steuern, ihm zur Freude lehnt es auch keine ab. Die erste starke Partei wirft sich nicht weg, sie handelt nicht dem Reichskanzler zuliebe oder zuleide, sondern sie handelt nach dem Interesse des Rei­ches und den Wünschen seiner Wähler. Das deutsche Reich wird noch bestehen, trenn Fürst Bülow schon längst in der Villa Malta seine Pension verzehrt.

Mit aller Macht wehrt sich daher das Zentrum auch gegen eine Verschleppung der Reform. Das mögen sich die Bundesstaaten mer­ken. In diesem Jahre stehen 216 Mill. M unge­deckter Matrikularbeiträge im Etat; 1912 müs­sen sie bezahlt werden. Dann ist ein neuer Reichstag vorhanden, und die Bundesstaaten dür­fen sich nicht damit trösten, daß dieser dann die Schulden des Blockreichstags bezahlen werde. Tie Einzelstaaten haben dann unweigerlich diese Gel­der aufzubringen, zumal wenn der Besitz wirklich erfaßt wird. Das wollen wir schon heute sagen.

Deutsches Keich.

* Gerüchte von einer Verlobung des Prinzen Oskar, des fünften Sohnes des Kaisers sind nach dem ,Berl. Tagebl/ in Hoffreifen m Um­lauf. Man spricht von einer Verlobung des Prinzen Oskar mit seiner Kusine Prinzessin Viktoria Margarethe, der ältesten Tochter des Prinzen Friedrich Leopold. Prinz Oskar ist am 27. Juli 1888 geboten, also etwa zwei Jahre älter als die Prinzessin, die am 17. April 1890 geboren ist.

* Kultusminister Dr. Holle beabsichtigt, wie der ,Nationalztg/ aus Meran gemeldet wird, noch den ganzen Sommer über im Sanalorinm Martinsbrunn in Meran zu verweilen. Nachher ist ein längerer Aufenthalt in Südfrankreich ge- geplant. Der Kultusminister, nimmt Besuche immer noch nicht an und meidet selbst den Ver­kehr mit den übrigen Patienten der Anstalt. Mit Angelegenheiten seines Ressorts befaßt sich Dr. Holle schon feit längerer Zeit nicht mehr.

/. Zweierlei Mast. Der Reichstagsabgeord­nete de Wendel ist bekanntlich vom Kaiser zum Mitgliede des Staatsrates von Eliaß-Loth- tingen ernannt worden. Die ganze Blockpresse ist mit dieser Ernennung einverstanden. ’ Wir aber fügen bei, daß der Abg. be Wendel den größten Teil des Jahres in Paris zubringt und die deutsche Sprache nur mangelhaft beherrscht. Wie geht nun dieselbe Presse gegen den Zen­trumskandidaten Herzog von Ar e n berg vor, weil er in Belgien Besitzungen hat?

(*) Sozialdemokratie und Reichsfinanz- reform. In achtzehn, zum Teil überfüllten Ver­sammlungen in Berlin und den Vororten nahmen die Sozialdemokraten am Dienstag abend Stellung zu den Vorlagen der Finanzreform. Es sprachen hervorragende Führer der politischen und gewerk­schaftlichen Bewegung. In allen Versammlungen

— Ein niedliches Beisviel deutscher Geschästs- gewandtheit. lieber die Anpassungsfähigkeit der deutschen Geschäftsleute weiß die japanische Zei- i tunfl „Kokumin" aus Indien zu berichten. Sie schreibt: Der deutsche Handel nach Indien hat sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt, was gewiß fern Zufall ist. Die Deutschen berücksichtigen bei der Warenausfuhr nach Indien durchweg die Be­dürfnisse. Neigungen und GSvohnheiten der In­der. So find z. B. die von Engländern eingeführ­ten Eierbecher für die kleinen indischen Eier viel zu groß, die Eier fallen tief hinein, liegen lose und sind unbequem zu verzehren. Trotzdem füh­ren die Engländer unentwegt bie großen, unprak­tischen Becher weiter ein. Die Deutschen stellten sofort einen Eierbecher her, der für Indien paßt, und haben damit die englische Ware völlig vom indischen Martt verdrängt. In ähnlicher Weise ist früher die englische Scheere aus Indien ver­drängt worden. Der weißen Bevölkerung war es nicht angenehm, ihren schwarzen, oft nur halbge­zähmten Dienstboten die spitze Scheere in die Hand geben zu müßen, die sie eventuell als Waf­fen gegen ihre Herrschaft benutzen konnten. Shef- sield, in echt konservativem Britenstvrz auf die Güte seines Fabrikates, blieb taub, Solingen da­gegen nahm sich die Klagen ad notam, fabrizierte und importierte Scheeren aller Größen mit run­den Spitzen und eroberte sich damit den südafri­kanischen Markt. -p.

— Geschäftliche Helden. Unter diesem Titel veröffentlicht H. v. Stetten in der Neuen Revue einen Artikel, in dem er ausführt, daß die Ar- beitswelt in den gemäßigten Zonen an einer Schwäche leide, von der die Menschen zweier extrem verschiedenen Länder des angelsächsischen Nordamerika und des islamitischen Türkentums frei seien: an allzu geringer Widerstandskraft gegenüber plötzlichen Schicksalsschlägen. „Aus meinen Erinnerungen an nordamerikanisches Ar­beitsleben", schreibt er, „ist mir noch eine fürch­terliche Brandkatastrophe gegenwärtig, die u. o.

wurde eine gemeinschaftliche Resolution ange- nommen, in der Protest eingelegt wird „gegen die ins Endlose steigende Belastung des Volkes durch die Kriegsrüftungen zu Wasser und zu Land," und gegen die neuen indirekten Steuern.

* Karlsruhe, 20. April 1909. Baden hat jetzt Wahlfteise, die an „Berühmtheit" obenan stehen im Deutschen Reiche. Man denke nur an die bei­den, in denen der neue Blockchef Obkircher aktiv und passiv beteiligt war: Mosbach und Lörrach- Land. Aus ersterem wurde er über Nacht hin­ausgeworfen, — eine Glanzleistung des Wahl­strategen Wacker —, und aus Lörrach-Land, dem der Herr Blockchef sich selbst aufgenötigt, wird er aller Voraussicht nach ebenfalls hinausmanövriert werden. Nun kommt zu diesen zwei Wahlkreis- zelebritäteu noch ein dritter: Schwetzingen. Hier stehen sich „nur" vier Parteien gegenüber: die Sozialdemokraten, die Demokraten, die Natio­nalliberalen und die Konservativen. Die Aus­sichten der beiden ersten sind sehr gering. Dage­gen fesselt der Zweikampf zwischen Liberalen und Konservativen heute schon weithin die Aufmerk­samkeit. Was die Situation so spannend gemacht hat, ist die bis jetzt einzig dastehende Tatsache, daß sich zwei protestantische G e i st l i ch e ge­genüberstehen, von denen der eine, Pfarrer Klein aus Mannheim, vom Blockchef Obkircher selbst präsentiert worden ist, während der Diakonissen- hauspfarrer Karl aus Freiburg, aus eigener Entschließung und eigener Krqft hier die Fahne der neu auflebenden konservativen Partei aufgepflanzt hat. Pfarrer Karl hielt in seinem Wahlkreis eine glänzend besuchte Versammlung ab. Es war recht interessant, was man da hörte: Die Obkirchersche Partei hat in der richtigen Ahnung, daß die Kandidatur Karl kommen werde, diesen Herrn üum Rücktritt veranlassen wollen, und, als das nicht gelang, schleunigst den libera­len Pfarrer Klein als Kandidaten vorgeschoben, um Herrn Karl zu verscheuchen.. Dieser ließ sich aber nicht vertreiben. Wie peinlich damit die Situation für den liberalen Pfarrer Klein ge­worden ist, wird den Blockführern, jetzt erst klar. Ihre Verlegenheit ist so groß, daß sie zu einem Schiedsgericht ihre Zuflucht nehmen wollen, das bestimmen soll, wer von beiden zurückzutreten habe. Das Schiedsgericht, wenn es überhaupt zustande kommt, wird gezwungen, den, Pfarrer Klein zum Rücktritt zu bewegen, weil seine Sache doch verloren wäre-. Der konservative Kandidat Karl kann dem peinlichen Wirrwarr im liberalen Lager mit verschränkten Armen zusehett. Seine Situation ist die denkbar beste; ans eigenem An­hang bringt er voraussichtlich eine stattliche Stim­menzahl zusammen, und der Z e n t r u m s st i m- in e n kann er gewiß fein. Da sich Herr Karl auf den Boden der christlichen Weltanschauung ge­stellt hat, so genügt dies dem Zentrum, für ihn einzutreten. Was Herr Karl in der erwähnten Versammlung über das Verhältnis zum Zentrum gesagt hat. befriedigt Konservative wie Zentrum: die Interessen der Katholiken wie der Protestan­ten sind im Kampfe gegen die liberale Weltan­schauung die gleichen, die Nor ihrer Kirchen ist gleich groß; sie sind zur Bekämpfung der unchrist­lichen Weltanschauung aufeinander angewiesen. Mehr will das Zentrum nicht. Die Konservativen ordnen ihre Verhältnisse ganz für sich und werden hierbei vom Zentrum auch nicht im geringsten be­einflußt werden; ihre Selbständigkeit und Unab­hängigkeit wird vom Zentrum gewissenhaft re­spektiert.

Ausland.

** Die englische Flottenagitation treibt selt­same Blüten. Vor einigen Wochen hatte Admiral a. D. S m i h Dorrten in einer Treadnought-

das ganze, riesige Lager einer Buchhandlung zer­störte. Noch während der Feuersbrunst wurden Bedienstete der Firma in aller Eile an verschie­dene Bahnhöfe dirigiert, um aus allen entfernten Zweiggeschäften des Hauses in, anderen Städten größere Warensendungen herbeizuschaffen, so daß "die Buchhandlung im Laufe des nächsten Tages — ohne Geschäftsuntevbrechung — wieder reich assortiert war. Der gleiche Brand ergriff auch die Redaktions- und Seherräume eines Lokal­blattes. Da es gelang, die Setzkasten auf die Straße zu retten .diktierten Redakteur und Re­porter auf offener Straße — im Gewühl von Menschen, Spritzen und Wagen — den Setzern die Berichte über den großen Brand im eigenen Hause, so daß — da die Maschinenräume unver­sehrt blieben — die Ausgabe des Blattes ans dem noch lichterloh brennenden Gebäude ohne Ver­spätung erfolgen konnte. Und ebenso hatte ich Gelegenheit, den türkischen Silberarbeiter im Stambuler Bazar zu beobachten, der mit größter Seelenruhe neben feinem gleichfalls durch Brand zerstörten Warenlager, der Arbeit vieler Jahve, sich niederließ und mit einigen Silberdrähten und Fäden die Arbeit wieder aufnahm. An solchen Beispielen kann der europäische Kaufmann und Arbeiter immer noch lernen. Vor allem nicht sofort nach der Regierung, nach öffentlicher Hufe, nach Unterstützungen zu schreien, wie das bei uns üblich ist. Der reelle Geschäftsmann oder Ar­beiter hat ja doch nur einen Freund, der ihm im Unglück wieder auf den Damm hilft. Das ist er selbst."

— Eine Stadt aus Gold. Die goldene Stadt des Märchens hat in der Wirklichkeit eine Art Ebenbild: die Stadt Guanajuato in Mexiko. Gu­anajuato ist eine der ältesten Minenstädte Mexi­kos, ober den Wert der Stadt an sich hat erst die jüngste Zeit entdeckt, als eine Eisenbahngesell- schäft den Enffchlutz faßte, in Guanajuato ein Stationsgebäude zu errichten. Es ergab sich die Notwendigkeit, eine Anzahl Häuser niederzurei-

Rede gesagt: „Ich möchte Eanrpbell-Bannerman ausaus dem Grabe holen, und ihn in Trafalgar Square aufhängen, weit er sein Vaterland betra­ten hat." Der verstorbene Premierminister hat dem forschen Admiral nämlich nicht genug Dread- nougths gebaut. Diese Schmähung des Toten hatte viel Aergernis gegeben, weshalb der Ma­rineminister am Montag im Parlament gefragt wurde, ob er dem Admiral nicht zur Strafe die Pension entziehen wolle. Mac Kenna erwiderte, Admiral Smith Dorrten habe ihm geschrieben, daß er die Aeußerung über Campbell-Bannerman nicht ernst gemeint habe. Er habe jene Worte nur figürlich gebraucht. Aus diesem Grunde habe er (der Marineminister) die Sache auf sich beruhen lassen. Die Leichtigkeit,*mit der Minister Mac Kenna über die Sache hinwegging, erregte nicht geringe» Staunen im Parlament.

* Eine weitreichende Bestechungsaffäre wurde in Tokio aufgedeckt, in die zahlreiche japanische Parlamentsmitglieder verwickelt sind.

Aus Mche und Schule.

B Rom, 19. April 1909. Rom gehörte in diesen Tagen den Franzosen; wo man hinkam, sah matt französische Pilger und wo man hinhörte, drangen französische Laute an das Ohr! Noch niemals hat eine Nation einer kirchlichen Feier, wie einer Seligsprechung, ein derartiges Interesse entgegen­gebracht, wie die Franzosen der ihrer National­heldin, der Jungfrau von Orleans. Die Feier in der Peterskirche verlief, wie schon, gemeldet, vollständig programmäßig; nur die riesige An­zahl der Teilnehmer, ausschließlich Franzosen, gab dem ganzen einen ungewöhnlichen Anstrich. Nach­mittags begab sich auch der Pepst in die Petevs-- kirche, um die französischen Pilger zu empfangen. Pius X. saß in der Sedia, er hatte ein lächeln­des, gesundes, wenn auch etwas blasses Aussehen. Die Gesichtszüge sind etwas weniger voll als beim letzten Besuch in SllPeter. Trotz des ftrengen Verbots brach ein Beifall los. Der Papst unter­drückte ihn durch eine Handbewegung. Er dankte den Pilgern, daß sie herbeigeeilt seien, der Ver­herrlichung ihrer Landsmännin beizuwohnen und wies den Vorwurf zurück, daß die Katholiken Feinde ihres Vaterlandes seien, im Gegenteil, das Vaterland habe immer Retter und Verteidi­ger in den Reihen der Kinder der Kirche gefun­den. Mau könne aber nicht Ehrfurcht undLiebe von einer Regierung fordern, die, indem sie die Wahr­heit bekämpfe, das Heiligste beschimpfe, Ums der Mensch habe. Der Papst stieg die Stufen des Thrones herab und näherte sich dem greifen Erz­bischof von Lyon, Kardinal Conille, der gelähmt in seiner Sänfte lag, und richtete ihn auf, um­armte und küßte ihn auf das zärtlichste. Er ließ sich sodann in der Sanfte aus dem Dom hinaus­tragen. Als aber die Träger vor die Statue des heiligen Petrus kamen, ergriff er eine über dem Haupte des Apostels schwebende französische Fahne, segnete und küßte sie. Die Franzosen wa­ren nun nicht mehr zu halten. Sie durchbrachen die Spaliere und jubelten dem Papste zu, sie um­schwärmte seinen Thronstuhl unter nicht enden­wollenden Heilrufen. Die Gendarmen mußten sie mit sanfter Gewalt entfernen, um dem Papste die Rtickkehr in seine Gemächer zu ermöglichen.

Aus dem Nachbargebiete.

* Vacha, 20. April 1909. Sonntag abend wurde hier am Nachthimmel gegen 9 Uhr ein Meteor beobachtet, der seinen Weg von Süden nach Norden nahm und dessen mächtiger Schweif sich in unzählige kleiner Feuerkugeln aufzulösen schien.

feen, die in früherer Zeit aus Backstein errichtet wurden Zur Herstellung dieses Backsteins hatte man seinerzeit die aus den Minen stammenden Stein -und Sandrefte verwendet, nachdem ihr Erzgehalt verwertet worden war. Als man zum Abbruch der Häuser schritt, gab matt einigt Schuttstücke zur Untersuchung in das Laborato­rium. Dabei stellte sich heraus, dafe dieser Schutt einen Goldgehalt von 12 bis nahezu 100 Mark für die Tonne aufwies, durchschnittlich 32 <M pro tausend Kilo. Die Ursache dieses reichen Goldge­haltes liegt in der Unvollkommenheit der frühe­ren Mittel, mit denen die ans den Minen stam­menden Massett bearbeitet wurden und bei denen viel Gold und Silber verloren ging. Mit Hilfe des neuen Verfahrens hat man den, Schutt der abgeriffenenen Häuser gruppen bearbeitet und da­bei für nicht weniger als 120 000 Mark Gold ge­wonnen.

— Nur eine Kleinigkeit. Ein Herr trat im Vorübergehen in den Manufakturwarenladen sei­nes Freundes und war erstaunt, dort, das Un­terste zu oberst gekehrt zu finden. Alle Stoffe waren aus den Regalen gezogen, und auch die anderen Waren, welche das Geschäft führte, la­gen in buntem Durcheinander auf Tischen und Stühlen umher. „Nanu, alter Junge", rief der Besucher betteten, „was ist denn bei dir passiert? Hast du Inventur aufgenommen, war'sFeuer oder ziehst du um?" — „Nichts von alledem", lei* widerte der Kaufmann. „Da sieht man wieder, wie wenig du vom Geschäft vefftehst!" Wir haben nur eine Dame bedient, die um ein Paket Steck­nadeln hereinkam I"

— Richt aus der Fassung zu bringen. General (beim Kriegsspiele): „Rechts wollen Sie also an­greifen, Herr Leutnant — na, sehen Sie, ich würde gerade das Gegenttil tun!" — „Auch nicht schlecht Exzellenz!"

— Stoßseufzer eines Studenten. „Mein Leben war eine Reihe von Prüfungen, von denen ich keine bestand!'