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Perantw. Redakteur?

Carl Schütter

uldaer

z.parM^in^lda. wochenbMge: „Jüuftricrte Sonntagszeitung"

Zeitung

Monakbellage: „Fuldaer GefchichtrblStter"

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Rotationsdruckund Verlag der Fuldaer Ak- ttendruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.

Fulda, Mittwoch den 21. April 1909.

M 89.

36. Jahrganff.

Kweites MlcrtL

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Henneberg, Zürich.

schreit.

-# Karlsruhe, 20. April 1909. Das vor einigen Tagen angekündigle Blockabkommen der Nationalliberalen mit den Lmksliberalen für die badischen Landtagsrvahlen beschränkt sich auf die Wahlkreise Mannheim, Karlsruhe, Freiburg, Bruchsal, Baden, Lahr, Lahr-Land, Emmendingen und Adelsheim-Boxberg. Hier soll der Besitzstand gewahrt werden. Freisinnige und Demokraten verpflichten sich für den ersten Wahlgang, sich mit keiner anderen Partei zu verbinden und nach der Hauptwahl mit der nationalliberalen Partei zur Sicherung einer möglichst starken parlamentarischen Vertretung des Gesamtliberalismus ein Abkommen zu treffen. __Der neue Block ist ein rechtes Kind der Not. Vor allem ist festzustellen, daß der Hauptzank- apfel im Block, der Wahlkreis Lörrach-Land, nicht genannt wird. Auch in Offenburg, Kon­stanz und an anderen Orten ist der Block nicht zustande gekommen. Die Nationalliberalen rech­nen offenbar damit, daß die beiden Demokraten Muser und Venedey es nicht auf die notwendi­gen 15 Prozent bringen, so daß dann der Nationalliberale allein noch in der Stichwahl steht und die Demokraten die nationalftberalen Kastadien aus dem Feuer holen dürfen, ohne davon kosten zu können. Und daß Lörrach-Land,

Obkirchers Bezirk, nicht gesichert ist für Herrr Obkircher, der das ganze Abkommen abschließer mußte, ist eine schwere Niederlage vor den ganzen Lande für ihn persönlich wie für fein' ganze Partei. Alles in allem genommen, zeig! der Stückblock vom 13. April, wie die „Freib Tagespost" treffend bemerkt, „der ganz n Weh in offizieller Kundgebung, wie elend man drüber dran ist und wie schwer man tut, vorwärts zr kommen. Freude hat wohl niemand an ihm weder bei den Nationalliberalen noch bei der Demokraten."

„Sie Freude ist ein Lebenssaktor und ein Lebens­bedürfnis, eine Lebenskraft und ein Lebenswert. Jeder Mensch hat ein Bedürfnis nach Freude und ein An­recht auf Freude. Sie ist gleich unentbehrlich für die körperliche wie für die seelische Gesundheit, für das körperliche und geistige Arbeitsleben, wie für das reli­giöse Leben" (S. 4) oder „Trübsal, Elend und Jammer wird es immer genug geben auf Erden; sorgen wir, daß es auch immer genug Freude gibt . . . Hunderte sind geschäftig, ihr Leben und das vieler anderer nut Sorgen und Mühen, ritit Sünde und Laster zu belasten; stellen wir ihnen Tausende gegenüber, welche Tag für Tag daran denken, wie sie anderen Freude beteilen können" (S. 195).

Sollten jenen derartige Aenßerungen sonder­bar vorkommen, ihnen erscheinen als ein ange­kränkeltes, verwässertes Christentum, nun, dann kennen sie eben dessen eigentliches Wesen nicht; ja sie kennen nicht einmal die heilige Schrift und ahnen nicht, daß man wohl eine „Theologie der Freude" schreiben und das Material dazu aus der Bibel mit ihrer Naturfrcude und ihren Mahnun­gen zur Freude schöpfen könnte.

Vielleicht werden sie zugeben, daß in jenen Persönlichkeiten, welche die Kirche als Herlrge er­klärt har, echte Vertreter und Träger der katho- fischen Weltanschauung gesehen werden dürfen. Wohlan, der Heiligenkalender der katholischen Kirche ist kein Panoptikum von griesgrämigen, sauertöpfischen Welt- und Menschenhasiern. Ganz im Gegenteil. Der Grundzug ihres Wesen- und Lebens ist eine freudige, christ11che Höch­st i mm u n g, die sie antreibt, das, was sie selbst erfüllt, auch ihrer Umgebung zu bringen. Es ist köstlich, mit dem Verfasser durch eine Galerre fröhlicher Menschen zu wandern, die er aus den Heiligen aller Jahrhunderte in einer kleinen Auslese zusammengestellt hat. Was uns da ent­gegentritt, ist mit nichten, wie vielleicht manche erwarten, eine Empfehlung und Anpreisung der Trübseligkeit, nein im Gegenteil der Herter- k e i t.

Wir wollen absehen von dem großen Heiligen der freiwilligen Armut, Franz von Assisi, der ttt ter Regel für seine Ordensbrüder sagt: die Bru­der sollen niemals sich düster, traurig und um- . wölkt zeigen wie Heuchler, im Gegenteil soll man

trösten, zu erheben und zu entfernen vermag, so tut sie ein großes, gutes Werk" (S. 44).

Aufgerufen werden alle, denen Amt und Stel­lung Gelegenheit und Beruf gibt zu erzieherischer Einwirkung auf das Volk: Eltern, Lehrer, Seel­sorger. Sie alle sollen Erzieher zur Freude sein. Aufgerufen wird jeder, dem es Ernst sein will mit der Betätigung seiner christlichen Gesinnung als Nächstenliebe in lebendiger Tat.

amter Geld nebenher besitzt, mag es ausgeben nach seinem Geschmack; daß aber der Staat, also die Gesamtheit der Steuerzahler, Geld hergibt, und zwar in ganzen Haufen, ausdrücklich damit es um des äußeren Scheines willen auf den Kopf geknackt wird — das ist ein unwürdiger, mit der überragenden Stellung des Staatsdieners unver­einbarer Zustand, der nach raschester Beseitigung

ttiif in den Kampf für die — Freude!

Es ist ein recht lehrreiches Ereignis, daß, wäh­rend weite Kreise von Kultur- und Lebensmüdig­keit angekränkelt sind und andere traurigen,Her­zens als das Merkmal unserer Zeit Freudlosigkeit bis zur Trostlosigkeit feststellen, ein katholischer Bischof alle, die es wohl meinen mit unserem Volke, aufruft zu einem Kampf für die Freude, baß sie Freudenbringer werden für eine Gesell­schaft, welcher echte, tiefe Herzensfreude ein unbe­kanntes Ding geworden ist. Wir meinen die kürzlich erschienene Schrift des Bischofs v K e p st­ier von Rottenburg „Mehr Freude" (Freiburg- Herder 1909) mit ihrer herrlichen, geistsstrühen- den Sstrache voll Blütenpracht und Vlumenduft.

Lehrreich nennen wir dies Eintreten eines ka­tholischen Bischofs zugunsten der Freude. Tenn es widerlegt kurz und bündig durch die Tat alle jene, die in aller Religion, besonders im Ka­tholizismus, einen Feind der Freude wittern und meinen, der religiöse, der fromme Mensch müsse grämlich und verdrießlich sein, er dürfe sich nicht freuen an Gottes schöner Welt, sondern dürfe nach dieser höchstens aus pessimistisch zugekniffenen Au­gen hinüberschielen, er müsse als Griesgram und Trübsinnsgeiger durchs Leben gehen.

Mögen solche Beurteiler des Christentums es wohl beherzigen, wenn ihnen mit allem Nachdruck da entgegentönt:

feit, die so recht deutlich verrät, daß es dem Ver­sehenden nicht an den eigenen Geldbeutel geht, wird die Versetzung zwei Wochen zu spät verfügt. Oft genug hätte ein einziges Tele­gramm dem Staate ein Vierteljahr Miete oder 500 JH. gespart. Natürlich sind plötzliche Ver­setzungen bisweilen unvermeidlich; aber zweimal so oft können sie vermieden werden. Man muß bedenken, daß die freigewordene Stelle, etwa wegen des Gnadenvierteljahres, ohnehin nicht gleich fest besetzt wird, vielmehr eine sogen, kom­missarische Zwischenverwaltung üblich ist: Zeit genug, sich rechtzeitig nach geeignetem, endgül­tigem Ersatz umzusehen. Wird das schuldhaft versäumt, so sollte schonungslos der versügende Beamte ersatzpflichtig gemacht werden. Endlich: die „R e P r L s e n t a t i o n s z u l a - gen"! Viele Hunderttausende werden dafür in Staat und Reich ausgegeben, und kein Groschen ist dafür nötig! Weder ein Beamter noch eine Behörde braucht zu „repräsentieren/'. Das ist ja gerade der stolze Vorzug des Staatsamtes, daß'die „Stellung" gewahrt ist. auch wenn schlicht bürgerlich gelebt wird. Tas Repräsentieren an­derer soll ja den fehlenden Glanz des Amtes ............- Wer als Be­

ste jederzeit fröhlich finden im Herrn, heiter, lie­benswürdig und freundlich.

Es ist derselbe Geist, der einen Philippus Neri sagen läßt: Nächstenliebe und Frohsinn oder Näch­stenliebe und Demut sollte immer unser Wahl- sstruch sein" (S..139), und eine heilige Theresia: „Ich fürchte nichts so sehr, als wenn ich sehe, daß unsere Schwestern die Freude des Herzens verlie­ren" (S. 103).

Dieselbe echt-christliche Gesinnung ließ im 18. Jahrhundert einen Kapuzinermönch (Ambrosius von Lombez 1708—1778) gegen den das Dafein verdüsternden Rigorosmus der Jansenisten fein Büchlein von der Freude schreiben und den engli­sche Oratorianer F. W. Faber Front machen gegen den neuzeitlichen Weltschmerz.

Von einer solchen freudigen Hochstimmung weiß freilich die Moderne nichts. Denn ihr fehlt der Nährboden, aus dem allein echte und wahre Freude ihre Nahrung erlangen kann, der feste Gottes glaube. Darum gerade, weil er diesen zerstören will, ist der irreligiöse Zeitgeist der eigentliche Freudenmörder der Gegenwart, so sehr er sich mit dem Taumelbecher der Lust in der Hand als Freudenbringer anpreist.

Deutsches Reich.

* Von der Sparsamkeit. Ein höherer Beamter schreibt der „Germania": Sparen können wir im Staate und im Reiche. D i e n st r e i s e n, d. h. örtliche Kenntnis und Fühlung sind notwen­dig; aber wer z. B. in das Meliorationsbau­wesen Einblicke getan hat. wird anerkennen, daß die Einkünfte weder der örtlichen noch l er höhe­ren Baubeamten so niedrig sind, daß sie die Ueberfülle von alljährlichen „Besichtigungen" entschuldigen könnten. Bei den Gerichten ist das ewige Zuziehen von S a ch v e r st ä n d i g e n bei Dingen, die der gesunde Menschenverstand auch beurteilen kann, schon aus anderen Gründen ge­geißelt worden; aber es kostet beim Freispruch und oft genug auch sonst in Strafsachen die Gel­der des Staatssäckels. Kr ei sbauinspek- t o r e n, die bei den Auseinandersetzungsbehörden als Sachverständige zugezogen werden, bekommen außer der Reisezulage auch noch ein Tagegeld, so daß sie — obschon nett besoldete Staatsbeamte — für eine Tagereise oder auch einen Bruchreil einer solchen 16,50 M vorweg beziehen, ganz ab­gesehen von Kilometergeldern und Zu- und Ab­gängen. Man zähle ferner die Beamtenschaft bei der Potsdamer O b e r r e ch n un g s k a m m er und höre den Spott der Potsdamer über die Ar­beitslast dieser hochbesoldeten Herren; ein eiser­ner Besen täte hier not, der jeden zweiten Mann mit sich fortrisse. Und dann ,schaue man in die gähnende Leere unterer Ministerien und Reichsämter. Morgens etwa um 10 Uhr, wenn der arbeitsame Mensch bereits drei Stun­den Tagewerk hinter sich hat: nur die Diener und geheimen Subaliernen sind anwesend, wün­schen sich einen guten Tag und frühstücken. Wo ist der Eiserne, der einmal um 9 Uhr durch die träumenden Räume wandern wollte? Wohl am tollsten wird mit den Geldern umgesprungen bei Beamtenversetzungen. Bekanntlich und natürlich muß der Staat die Miete ersetzen, die der plötzlich versetzte Beamte infolge Nicht- einhaltung der Kündigungsfrist unnütz bezahlen muß. Also sollte man meinen, daß über die Ver­setzungen möglichst langfristig verfügt würde. Aber nein! Mit einer erstaunlichen Gleichgültig-

vermischtes.

* Die Vcrlobungsringe der Sängerin. Bel einem Pfandleiher in Leipzig erschien Liese, Tage eine Sängerin und 'legte vierzehn Ver- lobungsringe vor, die sie versetzen wollte. Del Pfandleiher glaubte, daß diese aus einem Dieb- stahl herrührten und benachrichtigte die Krimi­nalpolizei. Dem erschienenen Beamten setzte ine Schöne an Hand der Gravierungen auseinander, daß sie trotz ihrer 22 Lenze bereits 14 mal ver­lobt gewesen sei, und daß sie sich die Ringe für den Notfall ausbewahrt habe, um sie versetzen zu können. Die näheren Ermittelungen ergaben die Richtigkeit dieser Angaben.

* „Schlafwagen" ohne Betten. Die Direkt tion -er Internationalen Schlafwagengesellschaft ist dem vielfachen Ersuchen seitens der Reisenden entgegengekommen und hat in mehreren Expreß­zügen Schlafwagen von besonderer Bauart ein­gestellt. die voraussichtlich vom 15. April ab auf !)en Strecken Eydtkuhnen-Berlin und Berlin-Pa­ris-Madrid verkehren werden. Es handelt sich hierbei um Schlafwagen, die außer den bekannten Abteilen mit Betten auch solche ohne Betten füh- ren werden. Diese Abteile — es sind in jedem Wagen 2 vorgesehen — werden nur Schlafplätze haben. Viele Reisende benutzen nämlich die Bet­ten im Schlafwagen sehr ungern, da Jie während der Fahrt in der Eisenbahn doch nicht schlafen können. Andererseits aber brauchen sie, einen Schlafplatz, wo sie fern von dem Verkehr in dem^ gewöhnlichen Eisenbahnwaggon und bequemer, als auf einem Platz in dem Coupee, die Nacht verbringen können. Ein anderer Teil der Rei­senden kann wiederum die hohen Preise für ein Bett im Schlafwagen nicht erschwingen und da­durch ist ihnen die Möglichkeit genommen, die Nacht ruhig zu verbringen. Da diese neuen „Schlafplätze ohne Betten" wegen Les geringeren Raumes, den sie einnehmen, auch billiger sind, so kommt diese Einrichtung auch den wenrger vermögenden Fahrgästen zustatten.

Aus dem Nachbargebiete.

* Brückenau, 18. April 1909. Gestern frist 2 Uhr traf Prinz Eitel Friedrich voi Preußen, von Bad Kisfingen kommend, pe. Automobil zur Auerhahnenjagd hier ein unl begab sich in Begleitung des Forstrates llnfeH und des Forstassistenten Elm in die Wald abteilung Auerhahnenschlag. Dem Prinzen ge­lang es, sich an einen Auerhahn an'Upürschen, brachte ihn aber trotz zweimaligen nicht zu Fall. Um 6 Uhr früh U t de? wieder die Rückreise nach Kisfingen an.

* Frankfurt a. M., 20. Ap.il 1909. Da fünfjährige Söhnchen eines Bäckermeisters vor Niederrad spielte am Sonntag nachmitiag mi‘ Streichhölzchen. Die Hölzer entzündeten sich und die Kleider des Jungen fingen Feuer. Maw verbrachte das schwer verletzte Kind in ein Kranken­haus, wo es noch am Abend starb. — 10 000 M. unterschlagen hat der 32 Jahre alte Kauf­mann Julius Grünebaum. Er war Mitinhaber der Portefeuillewarenfabrik von Heicke u. Co. in oer Langestroße. Auf der Reise kassierte er Kundengelder in der Höhe des erwähnten Betrages ein und verjubelte das Geld in leichtfertiger Ge­sellschaft. Er huldigte auch Fortuna, hatte aber im Spiel kein Glück. Die Strafkammer verur­teilte ihn zu 2 Jahren Gefängnis.

* Weimar, 19. April 1909. Gestern abend ließ sich der 20jährige Kaufmann Emil Siegel aus Alsbach i. Th. in der Nähe von Gadern- dorf von einem Eisenbahnzuge überfahren. Der junge Mann, der bei einer hiesigen Firma in Stellung war, war vor einigen Tagen von seinem Prinzipal wegen Trunkenheit entlassen worden.

scheu Schwalbe und Briestauben berichtet das „Berl. Tagebl." aus Antwerpen. Einem dortigen Bürger war es gelungen, eine unter dem Dache seines Hauses nistende Schwarbe zu fangen, die er einem Transport von Brieftauben mit auf die Reise nach Carnpidgne in Frankreich gab, wo sie aufgelassen werden sollten. Schwalbe und Tau­ben wurden früh y48 Uhr aufgelassen. Während die Tauben erst eine Weile in der Luft kreisten, um sich zu orientieren, flog die Schwalbe sofort wie der Blitz davon. Um 8.33 Uhr vormittags traf die Schwalbe bereits in ihrem Antwerpener Nest ein. Die ersten Tauben kamen erst drei Stunden später in Antwerpen an. Die Schwalbe hatte 207 Kilometer pro Stunde zurückgelegt, die Tauben erreichten knapp 57 Kilometer in der Stunde. . -... ,

— Boshaft. Em junget praktischer Arzt ohne Praxis verläßt seine Wohnung auf kurze Zeit und schreibt auf die Tafel seines Wartezimmers: „Ich komme in fünfzehn Minuten wieder zurück." Als er heimkommt, steht darunter: „Warum?"

Kopfschmerz „„ Cltrovanille!

„Der Glaube ist es, welcher froh macht und allein das Volk beglücken kann; Zweifel macht unfroh, Un­glaube macht unglücklich. Daß man mit dem Glauben immer noch bester fahre, als mit dem Unglauben, hat selbst ein Friedrich Strauß in seinen Briesen ein- gestehen müssen. Dieser Zeitgeist mordet die Unschuld des Gewissens; ohne gutes Gewissen keine Freude ... Es ist der große Betrüger und Scharlatan, welcher vorspiegelt, er könne ganz neue Wetten von Freuden erschließen und Freudengenüsse ohne Zahl ins Menschen­leben hineinzaubern, indem er das Triebleben ent­fesselt, die Begierlichkeit reizt und stachelt, den Leiden­schaften freie Bahn läßt, dem Laster Freibriefe aus­stellt. Die Frucht und Folge ist: geistig-leiblicher Ruin, Verstimmung und Erschütterung des ganzen Nervensystems bis ins innerste Mark, Berechnung der Lebenskraft und Leidenskrast, Lebensmüdigkeit statt Lebenssreudiakeit, Pessimismus, Fatalismus, Selbst­mord" (S. 64—65).

Damit aber ist der Mangel ort Freude zu einer sozialen Kalamität geworden und die Frage nach Eröffnung von Freudenquellen für die moderne Gesellschaft eine Kulturfrage. Weinen möchte ' man, wenn man die Frage, wo und wie sucht un­ser Volk Freude, dahin beantworten muß:

„Aus hundert Kneipen lockt ein wirr' Gebimmel, Verstimmte Instrumente krächzen grell.

Das scheint den Leuten herrlich wie im Himmel, Und alle Stühle füllen sich gar schnell.

Da lauschen sie den dümmsten Gassenhauern, Beifallsgetrampel und Geschrei nach mehr. Und alles Sorgen schwindet, alles Trauern Und Glas aus Glas wird leer und voll und leer." lWitkop.)

Wer einmal an einem Sonntag durch eine In­dustriestadt promeniert, wird lebenswahre Schil­derung diesen Versen nimmer ab sprechen.

Alkohol und Unzucht sind Mittelpunkt und Höhepunkt dieser „Freude", dieses Glutverlan­gens nach Nervenkitzel in dem geisttöteitden Einer­lei der Fabrikarbeit!

Solche Verhältnisse und solche Zustände ma­chen die Erschließung von Quellen echter und wahrer Freude zu einer allerdringlichsten Forderung der Gegenwart.

Alle, alle werden dazu aufgerufen, Freuden­bringer zu werden. Kunst und Literatur als Pflegerinnen des Schönen. Möchte die Kunst der Gegentvart wieder Volkskunst werden und zum Volk hinuntersteigen, nicht wie sie es vielfach tut, um „aus des Volkes Elend, Hunger und Schmutz neue Reizmittel für abgestumpfte Nerven zu ge­winnen", auch nicht um Unzufriedenheit und Haß und Neid zu schüren. Tut sie das, „so handelt sie verbrecherisch und wird zur sozialdemokratischen Wählerin und zur anarchistischen Petroleuse. Steigt sie herab als mitleidiger Engel, welcher zu

— Die Sofias. Die jetzige Revolution in Konstantinopel hat auch wieder den Namen „Sofia" in aller'Welt Mund gebracht. Nichtiger sollte der Name heißen: Suchte,. arabisch, d. r. „brennend", „entbrannt", für die Wissenschaft Nämlich. Die Sofias, die jetzt an der Spttze der reaktionären Agitation stehen sollen, ,tnd die Stu­denten an den mohammedanischen Hcchschulen (Medresies). Sie tragen noch heute die altmobam- medanische Tracht: große, meist werge Turbane und lange, bis auf den Boden htnabretchende Röcke. Der Kurde, Rumelier und Anatolier, der in seinem Sohne besondere Geistesanlagen zu entdecken geglaubt hat, weiß nichts Besseres anzu- (fangen, als ihn auf eine Medresse zu schicken, und zwar gelten die ganz Armen in Provinzial- Medresies, die Reichen oder irgendwie Begünstig­ten aber nach Konstantinopel. Mit Empfang eines großen, grobgeschmiedeten Schlüssels zu den kahlen Wänden seiner Zelle erhält der betref­fende Schüler das Recht auf eine gewisse Anzahl biinner, schwarzer Brote und auf täglich zwei Suppenrationen. Der Teppich samt der Bett- decke und dem Polster wird aufgerollt, em halber ! Kürbis zur Aufnahme Ser Talgkerze als Leuch­ter improvisiert, der irdene Wasserkrug in den Winkel gestellt und der moslimische Student ist

— Wie man richtig geht. Nach Prof. Richard Rellegan gibt es eine Gehkunst, eine Kunst, die nur wenige kennen, und bereit Regeln von sehr wenigen beobachtet werden. Rellegan ist Lehrer der Gehkunst, und darum verdient das, was 'er tn der Revue über „Richtiggehen" ausplaudert, Weiteren Kreisen bekannt gegeben zu werden. „In der Stadt", schreibt er, „wo der Boden eben ist, muß man beim Gehen die Brust sozusagen Äufridtten. damit die Lungen und das Herz frei

funktionieren können; wenn man diese Gewöhn- _____ ,... .

heft annimmt, wird man nicht die Schultern zu einigermaßen zu ersetzen suchen, krümmen brauchen. Die Schritte müssen kurz ' ™-

und langsam fein: fo wird selbst langen Spazier­gängen keine Ermüdung folgen. Der militärische Schritt paßt für Menschen von mittlerer Statur, nie aber für Leute, welche Eile haben; Unzn- träglichkeiten bringt er auch für kleine oder sehr große Individuen mit sich. Einige Physiologen lehren, daß man beim Marsch den Körper nach vom gebeugt halten soll; sie führen als Beispiel die Rothäute an, die ja bekanntlich außerordent- lich marschtüchtig sind. Trotzdem sind diese Vor­schriften zu verwerfen: man soll vielmehr immer die Schultern mehr nach hinten als nach vom halten; beugt man den Körper nach vom, fo wird bie Widerstandskraft der Muskeln ge- schwächt, und die Folge ist eine große Ermattung.

— Von einem interessanten Wettfllegen zwi-

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Altbewährte Nahrung fürKinder und Kra nke