Einzelbild herunterladen
 

Reklamen- und Anzeigenteil.

Wagern

OPEL'

Fahrräder-Nähmaschinen

1

* Wien, 20. April 1909. Wie der.Neuen Freien Presse' aus Konstantinopel gemeldet wird, willigte der Sultan gestern abend auf dringende Vor­stellungen des gesamten Kabinetts nach anfäng­licher Weigerung schließlich in ferne Ab­dankung, weun sein Leben garantiert werde. Um eine etwaige Flucht des Sultans auf seiner Jacht ru verhindern, verbleibt die Flotte vor Beschiktasch. Gestern nacht V2IO Uhr hatte der Großwesir eine eineinhalbstündige Audienz beim Sultan m An- Wesenheit des Palastsekretärs. Die Abdankung Abdul Hamids und die Thronbesteigung Reschad Effendis dürften zwischen heute und morgen amt­lich verlautbart und zur öffentlichen Kenntnis ge- bracht werden. — Bis jetzt hört man aber noch nichts von dieser „amtlichen Verlautbarung".

W. Konstantinopel, 20. April 1909. Die Stim­mung ist seit gestern versöhnlicher, was hauptsächlich darauf zurückzuführeu sei, daß man em Blutver­gießen in Konstantinopel fürchtet, da dies eine europäische Einmischung herbeisühren könne. Wahr­scheinlich werde man die Wiedereinsetzung des Großvesirs Hilmi Pascha und anderer Jltnifter, sowie des Kammerpräsidenten Achmed Risa und als Satisfaktion irgendeine demonstrative Emruckung der Saloniker und Adrianopeler. Truppen verlangen. Der Sultan dürfte den Thron weiter inne haben; jedoch dürfte seine Stellung noch mehr eingeschränkt werden, sodaß er ganz unter dem Einfluß des jungtürkischen Komitees und der Saloniker und Adrianopeler Truppen

Man verlange • Preisliste.

dereinsetzüng aller Offiziere und UntcroffizieE in die Stellen, die sie vor dem Aufstand tod, hatten, keinen Widerstand entgegenzusetzen. FnA ner verlangt der Aufruf, daß die Soldaten M Hauptstadt sich nicht um die Maßregeln zu kum< inern haben, welche die Belagerungstruppen züH Bestrafung deren Schuldigen treffen werden.^ Die Soldaten müssen sich endlich verpflichten, den Namen aller der Personen anzugeben, die sie zum Aufruhr angestiftet haben. Der Aufruf schließt: Wenn diese Forderungen erfüllt werden und die gesamte Garnison während des Vor­gehens der Belagerungstruppen passiven Gehor­sam zeige, dann werde den Mannschaften nichts geschehen. — Zugleich erließ Husni Pascha einen zweiten Aufruf an die Bevölkerung der Hauptstadt, worin erklärt wird, der Zweck der Ankunft der mazedonischen Truppen Jet, allen Verrätern des Vaterlandes, die mit der Ver­fassung unzufrieden seien, eine 'endigiltrgö Lektion zu geben. Der Aufruf versichert schließlich, daß Niemand außer den an den letzten I Vorgängen Beteiligten etwas von den Truppen zu fürchten hätten. — Beide Aufrufe sind in den Straßen als Extrablatt verteilt worden und wer- den von der Bevölkerung lebhaft besprochen.

W Konstantinopel, 20. April 1909. (Tel.) Die Lage erscheint heute abend völlig I verändert, sodaß man die Ab danki. ng des Sultans nicht mehr, für wahr-

= Die türkischen Wirren. _

Als die Jungtürken im vorigen Jahre die unblutige Juli-Revolution machten, legten sie sich dem Sultan gegenüber insofern Mäßigung auf, als sie ihn 'nur zur Ohnmacht, nicht zur Ab- setzung verurteilten. Vielleicht übten sie diese Zurückhaltung Nur, weil sie noch nicht sicher wa­ren, wie weit sich ihre Macht erstreckte. In den jüngsten Tagen, wo ein Zusammenbruch auf den anderen folgte, und die eben erfolgreiche Gegen­revolution alsbald kopflos und haltlos wurde, ist das Selbstvertrauen der Jungtürken nach dem ersten Schrecken so erstarkt, daß sie möglicherweise mehr als im vorigen Jahre wagen zu dürfen meinen und ihn zur Abdankung zwingen.

Allenthalben harrt man gespannt der neuen Nachrichten aus Konstantinopel. Europa hat ein geringes Interesse daran, welche Partei die Ober­hand behält oder wer auf dem Throne des Kha- lifen sitzt, aber ein sehr lebhaftes Interesse an der Herstellung und Aufrechterhaltung geordneter Zustände und an der friedlichen und vertrauen­erweckenden Entwicklung der Türkei. Abdul Hamid II. war nicht ohne staatsmännische Be- gabung, insbesondere auf dem Gebiet der aus­wärtigen Politik. Aber er war in seiner Bildung um einige hundert Jahre zurück, derart, daß er der elektrischen Industrie! schwerste Hindernisse bereitete, weil er Dynamo-Maschinen mit Dyna­mit in Verbindung brachte, und in der Wahl der Mittel erinnerte er an die schlimmsten Despoten des Mittelalters. Bestechung, Spionage, Will- kür wurden bis in die äußersten Konsequenzen getrieben. Er und seine Günstlinge schraken so wenig vor Blutbädern zurück, daß englische Mi­nister ihn öffentlich einen gekrönten Mörder nen- nen konnten. Er war unfähig, im Innern durch­greifende Reformen vorzunehmen und nach außen das Ansehen seines Reiches wiederherzustellen.

Der 'legitime Thronfolger, der jetz" berufen scheint, Sultan des osmanischen Reiches und Khalif der islamitischen Welt zu werden, ist der jüngere Bruder Abdul Hamüs, der nur zwei Jahre älter war als er. M u h a m m e d R e sch a d E f f e n d i I., der als Sultan voraus­sichtlich den Namen Muhammed V. führen wird, ist am 3. November 1844 zu Konstantinopel ge­boren, steht also im 64. Lebensjahre. Er i t General des Heeres, ohne daß er jemals militä- | risch hervorgetreten wäre. Er hat niemals Eu-

vermischtes.

* Seinen Kostwirt ermordete der Bergntann Werner in Altenderne in Westfalen, weil dieser ihm die Wohnung gekündigt Halle.

* Die Reichspost will bekanntlich auf den Briefen den Ankunftsstempel sortfallen lassen. Da­gegen wird namentlich von kaufmännischer Selle her entschieden protestiert, indem ausgesuhrt wird, daß es im Handelsverkehr oft von außerordentlicher Wichtigkeit sei, die Eingangszeit für einen Bries feftstellen zu können.

“ Der Moltke-Hardeuprozeß

kam am Dienstag in Berlin zur neuen Verhand­lung. Der Nebenkläger Graf Moltke war er­schienen, wurde aber auf sein Gesuch wegen seines leidenden Gesundheitszustandes beurlaubt und muß sich bereit halten, um auf telephonischen An­ruf sofort zur Stelle zu sein. Der vom Justizrat Bernstein erhobene Einwand der Unzustän- d i g k e i t des strafrechtlichen Verfahrens gegeu Harden wurde vom Gericht zurückgewiejen, I worauf die Verhandlung begann. Für Die ganze Dauer der Verhandlung wurde die O e f f e n t - lickkeit ausgeschlossen. In der Debatte scher den Einwand der Unzuständigkeit sagte Ver­teidiger Bernstein, beide Parteien hatten eine Form des Ausgleichs gefunden. Daraus geht hervor, daß Harden sowohl wie auch Moltke zu einem Vergleich geneigt waren. Doch konnte sich der Oberstaatsanwalt nicht darauf ern- taffen. Nach längerer Beratung beschloß das Gericht, lediglich dem Nebenkläger Grafen Kuno Moltke eine Frage wogen Veranlagung und Be­tätigung vorzülegen, von jeder Beweisausnahme jedoch Abstand zu nehmen. Graf Moltke erklärte unter seinem Eid, daß er nicht homosexuell ver­anlagt sei. Der Oberstaatsanwalt Preuß bean­tragte nach längerem Plaidoyer 600 <M Geldstrafe gegen Harden, Justizrat Sello stellte die Straf­bemessung dem Gerichtshof anheim. Verteidiger Bernstein beantragte Freisprechung. Harden wurde schließlich wegen übler Nachrede im Sinne des § 186 zu 600 Mark G e l d st r a f e ver­urteilt.

scheinlich hält. Zwischen dem Hauptquar­tier der mazedonischen Truppen und der Pforte fand ein lebhafter Depeschenwechsel statt. Iw allen Telegrammen wird die Person des Sultans mit großer Schonung behandelt. Der Scheich, ül Islam erklärte den Journalisten, von der Ab­dankung des Sultans sei niemals die Rede ge-l wesen; alle darauf bezüglichen Gerüchte seien völ-, lig unbegründet. — Der Mini st errat nahnli die in der bereits gemeldeten Proklamation auf­gestellten Forderungen der maz'edoni-> scheu Truppen an, und der Kriegsminister teilte dies telegraphisch dem Hauptquartier in San Stefano mit. Wie verlautet, wird der Ein^ marsch in die Hauptstadt e r st i n e i n i g e n T a- I gen erfolgen, da die Truppen in besonderen

Kasernen untergebracht werden sollen, um sie nicht mit der hiesigen Garnison in Verbindung zu bringen. — Der englische, der französische^und der russische Botschafter wurden heute vom Sul-j tan in längerer Audienz empfangen. Der.hm-, tige Ministerrat beschäftigte sich weiter mit der Lage in den Provinzen. In Adana ist alles, I ruhig. Dagegen dauern die Unruhen in Tarsus,^

Jskanderum und an anderen Orten an. Der Großwesier hat heute vormittag dem Sultan schriftlich seine D e m i ss i on überreicht, sie auf Bitten des Sultans jedoch wieder zurückgezogen und sich bereit erklärt, das Amt noch kurze Zeit weiterzuführen.

Letzte Nachrichten.

w. Bozen, 21. April 1909. (Telegr.) den Judikanschen Bergen st ü r z t e Luigi P i s 0 t r l,A ein Vater von zehn Kindern, tötlich ab. 1

W. Berlin, 21. April 1909. (Telegr/) Unter dem dringenden Verdachte, kürzlich den Ueberfall auf den Geldbriefträger Eulenburg ausgesührt zu haben, wurde gestern ein Kaufmann au| Schöneberg verhaftet.

W. Belgrad, 20. April 1909. Kronprinz Alexander soll, wie der König auf Antrag einer besonderen Kommission beschlossen hat, biH zum Herbst dieses Jahres in Belgrad bletbert und von September an die Universität Bon« besuchen. Der ehemalige Kronprinz Georg soll jetzt bitter bereuen abgedankt zu haben. i

* Teheran, 20. April 1909. Täbris tft ausget hungert. Die Uebergabe steht bevor. Der englisch» und russische Vertreter erlangten vom Schah emests sechstägigen Waffenstillstand, um es den Frauen und Kindern der Europäer zu ermöglichen, die Stadt zu verlassen. Die durch Hunger zur V ep>. zweiflung getriebene Stadtbevolkerung beabsichtigte mit den Revolutionären an der Spitze dies armenischen Stadtteile und die dort befindlichen Konfus late Rußlands ».Englands auszuplündern, um Brot zu erlangen. Die Nachricht vom Abschluß emesWaffenstiü« standes wirkte beruhigend aus dieBevölkerung. Dis Feindseligkeiten zwischen den Parteien haben ausi gehört. — In Karamlik wird scharf gekämpstj Der amerikanische Missionar Baskerville, der an de^ Spitze^des^idai-Detachement^ng^^^^^^L

Andere brachen auf dem Kirchplatze zusammen, und als man noch einmal in der Kirche nachsah, fand man zwischen den Bänken noch einige Ohnmächtige. Wenn es auch bei einigen mehrere Tage dauerte, so haben sich nach und nach die zahlreichen Kranken wieder erholt.

* Gensungen, 16. April 1909. Infolge Verzweiflung über eine unheilbare Krankheit machte hier ein 65 Jahre alter pensionierter Brief- träger feinem geben durch Erhängen ein End e.

♦ Göttingen, 19. April 1909. Der englische Kriegsminister Haldane und der Edinburger Historiograph Professor Hurne Brown statteten gestern dem Göttinger-Studienhaus für Ausländer einen Besuch ab.

* Meiningen, 20. April 1909. Die Em- Hhung des Bechstein-Brunnens, der als I Ehrendenkmal für den vaterländischen Dichter und Forscher Ludwig Bechstein im englischen Garten hier Ausstellung findet, soll am 14. Mai, dem Todestage des Dichters erfolgen. Das Kunstwerk stammt von Geheimrat Professor Robert Diez in Dresden. Zu dem Denkmal hat u. a. auch der deutsche Kaiser und der Her­zog von Meiningen beigesieuert.

* Mainz, 20. April 1909. Eine inte» ressante Uebungsfahrt unternahm in letzter Nacht die 2. Abteilung des Feld-Art.-Reg. Nr. 63. Sämtliche Batterien rückten nach 9 Uhr nach Gonsenheim aus und unternahmen Fahrten bis zur Kapelle und nach dem großen Sande. Die Räder der Geschütze waren dicht mit Stroh umwickelt, um das Geräusch zu verhindern. Bet dem Feinde, der nur das Pferdegetrab hört, sollte der Anschein erweckt werden, als habe er nur eine Abteilung Reiter vor sich. Die Hebung dauerte bis gegen 12 Uhr. Bei einzelnen Batte­rien hielt das auf die Radreifen geflochtene Stroh bis zur Beendigung der Uebung.

kommen würde. .

W. Konstantinopel, 20. April 1909. In der Kammer, die heute keine Sitzung htelt, und ihrer Umgebung herrscht große Bewegung. Es zirku­lieren verschiedene teilweise unglaubliche Gerüchte. Beispielsweise erzählte der Polizeiminister in den Wandelgängen, 10 000 Mann ständen auf den Höhen von Stambul. Weiter heißt es, der Sul­tan habe schon abgedankt oder er sei ent­flohen. Das Komitee habe vom Scheik Ul Islam das Absetzungsfetma erhalten und dem Sultan ein U lti- m a t um gestellt."Die Dienerschaft beginne den Yildiz zu verlaffen. Der Thronwechsel sei heute nacht zu erwarten. Der Sultan habe zwei Botschafter um Verhinderung der Absetzung oder um Schutz gebeten. Alle diese Gerüchte sind unbestätigt und unkontrollerbar. Sie stehen auch in starkem Widerspruch mit anderen Infor­mationen über die Haltung und Stimmung ttn Yldiz. Sie seien nur erwähnt, um die geistige und moralische Atmosphäre M der Stadt zu cha­rakterisieren. Die Erregung wird durch Extra­blätter der nichtlürkischen Zeitungen noch gesteigert. Die türkische Presse verhält sich zurückhaltend. Der Umzug der einheimischen Familien von der Stadt auf das Land hat heute zugenommen.

W. Berlin, 21. April 1909. Die Morgen- blätter melden aus Konstantinopel: „Elf der ungtürkischen Partei angehörige Abgeordnete, ämtli ch in Mazedonien gewählt, sollen von Soph- as nach ihrer Ankunft in San Stefano er­mordet worden sein. Hildiz-Gerüchte besagen, es werde der Vorschlag erwogen, den Sultan wegen Irrsinns abzusetzen. Auch der Scheck ül Islam sei hierfür, da da das Schenalgesetz die Abdankung des „Sohnes des, Propheten" nicht kennt. Außerdem würden die Anmärsch- Truppen dadurch der Notwendigkeit überhoben, die geheiligte Person des Khalifen anzutasten, was unvermeidlich wäre, wenn er nicht abdankte."

W. Konstantinopel, 20. April 1909.J Heute früh zogen etwa hundertsüufztg Mann aus der Taschkischla-Kaserne mit klingendem Spiel tn bester Ausrüstung den Truppen entgegen, um sich ihnen anzuschließen. .

* Konstantinopel, 20. April 1909. Die bei den Truppen in San Stefano befindlichen Abgeordneten beschlossen, eine Deputation an den Sultan zu zu senden, um ihn zur Abdankung zu ver­anlass en. In Konstantinopel sind nur noch etwa 50 Abgeordnete.

IV London, 20. April 1909. Eine Meldung des Reuterschen Bureaus aus Konstantinopel besagt, daß nach Kunsular-Telegrammen bei den letzten Unruhen im Wilajet Adana fünftausend Per­sonen getötet worden seien.

W Konstantinopel, 20. April 1909. (Tel.) Ter Chef der vor Konstantinopel befindlichen m a z e- d 0 n i s ch e n T r u p p e n, General Husni Pascha, erließ an die Garnison von Konstantinopel einen Aufruf, in dem er erklärte, daß das zweite und das 'dritte Armeekorps vor Konstantinopel anaekommen seien, um die Verfassung für alle Zukunft zu sichern und die Ruhe und Ordnung wieder herzustellen, sowie die Anstifter der letzten Unruhen zu bestrafen. Die Belageruitgstruppen fordern daher, daß alle Mannschaften der Garnison in der Hauptstadt tn Gegenwart de-, Schecks Ul Islam sowie ihrer Kommandanten auf den Koran einen feierlichen Schwur oblegen, nach welchem sie den Befehlen ihrer Vor- aesetzten blind gehorchen und sich für Zukunft nicht mehr in die Politik mischen werden. Der Schwur soll an einem Tage von der ge­samten Garnison abgelegt werden. Die Mann- schäften müssen sich ferner verpflichten, der Wie-

wandt.

r );( Mackenzell, 20. April 1909. Heute erlitt hier der am Sonntag von einem Radfahrer überfahrene Bürgermeister Dittmar von Oberaschenbach schon wieder einen Unfall, indem er sich durch unglück­lichen Sturz von einem Wagen erhebliche Berletzungen am Kopfe zuzog.

f * Langenselbold, 19. April 1909. Der Regierungspräsident in Kassel hat die Ermächti­gung erteilt, die Eintragung des Namens des Kaisers als Taufpaten des dem Pulver­fabrikarbeiter Karl Schröder geborenen 7. Sohnes |u gestatten.

t rh Hanau, 20. April 1909. Funddteb» stahl brachte den im Jahre 1877 zu Fulda ge» borenen König!. Schutzmann Hermann Reith vor das Schöffengericht; 6 Schutzleute, Kollegen des Angeklagten, treten als Belastungszeugen auf, und die Enthüllungen, die bei der Verhandlung 'gemacht wurden, gaben dem Vorsitzenden, Herrn Amtsgerichtsrat Dr. Popper, Veranlassung, seiner Verwunderung über die zwischen den Schutz- leuten herrschenden Reibereien und die fortge­setzten gegenseitigen Klatschereien Ausdruck zu 'geben. Der Anklage lag folgender Tatbestand zu- ' gründe: Ein Akademieschüler bewohnte als After- Mieter von Reith ein Zimmer und nach dessen 'Abreise nach Paris fand die Ehefrau Reith im Bette desselben eine Browning.Pistole im Werte 'von 35 Mark. Reith beging nun die Unvorsichtig, teil und behielt die Pistole; seinen Kollegen machte 'er die verschiedensten Angaben über den Erwerb der Schußwaffe, während er Zivilisten gegenüber sagte, die Pistole gehört meinem früheren Zimmer- Herrn, wenn er von Paris nach Hanau zurück­kehrt, nimmt er sie mit. Das Gericht konnte nicht zu der Ansicht kommen, daß Reith sich die Pistole rechtswidrig aneignen wollte, vielmehr dürfe als feststehend angesehen werden, daß er Se zurückgeben wollte. Die Aeußerungen zu seinen ollegen über den Erwerb der Pistole seien Re­nommistereien, während auS den Mitteilungen des Reith mehreren Zivilisten gegenüber unbe­streitbar hervorgehe, daß er die Pistole zurück- ' geben wolle. Es sei deshalb auf F r e i s p r e ch u n g im erkenn en.

1 * Aschaffenburg, 20. April 1909. 2000 Mk.

Aussteuerstipendium erhielt die Tochter des hiesigen Synagogendieners Loewenthal. Der gleiche Betrag steht aus einer hochherzigen Stiftung der Familie Dilsheimer alljährlich zur Verfügung, und zwar ist bestimmt, daß diese Zuwendung abwechselnd einer christlichen und jüdischen Braut gewährt wird, welche sich durch Unterstützung ihrer bedürftigen Eltern ausge­zeichnet hat. Die Gabe wird stets vom Bürger» meister in einem festlichen Akte, zu dem alle Em- wohner Zutritt haben, überreicht.

! ♦ Friedberg, 20. April 1909. Em großer

Waldbrand hat am jenseitigen Abhang des Wintersteins in der Nähe von Kransberg eme 8 Morgen große Fichtenpflanzung zerstört. Ein Bauer wollte eine Hecke abbrennen, das Feuer wurde vom Wind über eine dürre Grasfläche 1 getrieben und erfaßte die junge Pflanzung. Der Schaden ist sehr groß.

! * Neustadt, 20. April 1909. Em hiesiger

Bursche wurde vom Amtsgericht zu 100 Mark Geldstrafe verurteilt, weil er einem Manne .iniae Obstbäume böswilliger Werse abge- schnitten hatte. Solche Racheakte können nicht hart genug bestraft werden. .

A Marburg, 20. April 1909. Das König!, gähn--,«. UnIversitätS.Institut mrd in das von der Stadt zur Verfügung gestellte Ketzerbachschul-Gebäude verlegt und begrünen die Vorlesungen und Kurse deshalb'auch erst am 1. Mar.

* Marburg, 20. April 1909. Infolge eines vorjährigen Erlasses des preußischen Kultus- Ministers sind an den Universitäten, an denen staatliche Kurse zur Ausbildung von Turnlehrern bestehen. Versuche mit akademischen Sommerkursen zur Ausbildung von angehenden Turnlehrern und Studierenden in der Leitung volkstümlicher Uebungen und Spiele gemacht worden. Die dabei erzielten Erfolge lassen es erwünscht er­scheinen, diese Einrichtung für Berlin, Königs­berg, Greifswald, Breslau, Halle, Kiel, Göllin­gen, Münster, Marburg und Bonn zu einer dauernden zu gestalten. Das Kultusministerium hat deshalb die beteiligten Universitätskuratoren ersuckt, das hierzu Erforderliche zu veranlassen.

X Aus dem Kreise Biedenkopf, 20. April 1909. Bei einem Abendgottesdienst tn der über- glllen Kirche zu Hartenrod, wo ein fremder eistlicher predigte, wurden infolge Kohlen- gasvergiftung eine Anzahl Frauen und Kinder ohnmächtig. Als der Pfarrer nun schnell den Gottesdienst schloß, konnten sich viele nicht erheben und mußten hinavsaebracht werden.

ropa besucht und keine besonderen Interessen an l den Tag gelegt. An geistiger Bedeutung steht er zweifelns hinter seinem Bruder Abdul Hamid zurück. • Die Jungtürken treten für diesen Kan- ilibaten im Grunde nur deshalb ein, weil er — als ältester Prinz der Familie — dem Gesetz nach hronfolgeberechtigt ist. Und vor allem halten die Jungtürken zu Reschad, weil er ihnen der be­quemste xitn leichtesten zu lenkende und zu über­wachende Kandidat scheint.

Nach den n e u e st e n Depeschen muß man indessen wieder annehmen, daß die Jungtürken milde mit dem Sultan verfahren und ihn nicht beseitigen werden. Wir lassen die vor­liegenden Nachrichten, die sich vielfach widersprechen, | ^^Konstantinopel, 20. April 1909. Vier Ba- taillone aus Ipek und Mikroviha sind eingetroffen. Weitere Truppensendungen von Adrianopel gegen Konstantinopel wurden eingestellt. Aus dem rorp^bereich von Salonik dauern die Transporte von Truppen aller Waffen nach Konstantinopel fort. __ Fn allen europäischen Wilajets hat das jung- türkische Komitee eine strenge Depeschen- und Post- iberwachung eintreten lassen.

W Konstantinopel, 20. April 1909. Die tn Smyrna Legende türkische Geschwaderdivision hat sich für das jungtürkische Komitee erklärt.

W Konstantinopel, 20. April 1909 Der Mi- ni ft errat trat heute unter dem Vorsitz des Groß­vesirs Tewsik Pascha zu einer Sitzung zusammen. Wie verlautet bewilligte er dem Sultan für dessen Abdankung eine Frist bts morgen

15 Weinhandlungen, 79 Restaurationen, 27 Gast-1 Häuser und 5 Hotels. — Fabrrkbetnebe gibt es hier auch eine ganze Anzahl, wir verzeichnen : Cellulosefabrik, Filzfabriken, Gasfabnk, Gummi­werke, Holzfahrzeugfabrik, Kerzenfabrcken, Knochen­mehlfabrik, Lack- u. Farbenfabriken, Lampenfabnk, Lichtersabriken, Likörsabriken, Maschinenfabriken, Metallwarenfabrik, Möbelfabriken, Papterwaren- sabrik, Porteseuillefabrik, Seifenfabriken, Stanz- «nd Emaillierwerke, Tonwarenfabrik, Tütenfabrik, Wachswarensabriken, Webereien verschiedener Art, Wollgarnfabrik und Zigarrenfabriken.

Aus dem Nachbargebiete.

n Künzell, 20. April 1909. Am WeißensonntagE haben 12 Knaben und 11 Mädchen der Kuratie, gemeinde in der Antoniuskirche die erste hl. Kom ntunion empfangen. In die Schule wurden gestern neu ausgenommen im ganzen 54 Kinder und zwar in Künzell 13 Knaben und 12 Mädchen in Bachrain 9 Knaben und 11 Mädchen, in Keulos 8 Knaben und 7 Mädchen. — Am nächsten Sonn­tag den 25. dieses Monats wird in dem Saale der .Farnungschen Wirtschaft am Bachrain das Schau­spiel „Syra oder die christliche Sklavin 'zur Aufführung kommen. Das Stück ist von dem bekannten Dramatiker Dr. Faust in Anlehnung an Kardinal Wieseman's Roman Fabiola verfaßt. Der Reinertrag wird für die Antoninskirche dahier ver-

Handel und Industrie. \

A. Berlin, 20. April 1909. Da die Wirren in der Türkei eine baldige Lösung erfahren werdens machte sich heute an der Börse eine große Eile trt den Rückkäufen bemerkbar. Infolgedessen waren! große Preissprünge wahrzunehmen. — An. der Pro» duktenbörse war die Tendenz wieder matt. Weizen 243—244, Roggen 177,50—178,50. ;-s

-r. Wettervoraussage

auf Grund lokaler Beobachtungen für Donnerstag, den 22. April 1909: \

Vorherrschend wolliges und trübes, in der Tenüs peratur wenig verändertes Wetter mit Regen.

Temperatur: höchste seit gestern: 13° Celsius/ niedrigste: 3“ Celsius. f

Barometerstand: heute mittag 12 Uhr: 738 gestern: 733 mm. j