«rschewt tS-llch mit Surnahme btt Lo.m- Uttb Feiertage, viertel- jährilcheryepigsprerr cfyne Britt gertoffn und VesteLgeld in Fulda fs> rott anrwärtr 1.50 Ml.
veratttw Redatteurr Carl ZchLtltr f8rMe«n$dgtit:
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Sotationrdruckund Verlag der Fuldaer Ak- üendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.
36. Jahrgang.
Fulda, Dienstag den 20. April 1909
M 88
Zweites WtcrtL
Kleines Feuilleton
träge.
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trug, ist seitdem weiter zurückgegangen und betrug 1936 nur 14,3 pro Tausend Personen. Die Kindersterblichkeit ist von 112,7 pro Tausend im Jahre 1889 auf 82,2 in -1906 zurückgegangen. In N or w e g e n ist die Sterblichkeit von 16,1 im Jahre 1880 auf 13,5 und diejenige der Kinder von 95,9 auf 69, 4 zurückgegangen. Jules Cour- mont, der sich mit dieser Frage beschäftigte, schreibt die Hauptursache an diesen günstigen Ge- sundheitsverhältnissen den ausgezeichneten hygienischen Einrichtungen dieser Länder zu, und zwar in der Hauptsache den mußergültigen Volksbäoem und der bewunderswerten Organisation der Hospitäler. Ferner haben zu den günstigen Resultaten bei getragen die von den Aerzten des Landes gehaltenen zahlreichen populär-hygienischen Vor-
ihre Stellung zu bringen oder sie an der Erlangung einer neuen Stellung zu hindern; die Strafbestimmungen deS § 153 der.R.-G.-O. finden Anwendung." — In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde mit großer Majorität ein Antrag abgelehnt, wonach der Betrag von 3000 Mk. zur Gewährung von Barunterstützungen an Arbeitslose ohne Gegenleistung an Arbeit zur Verfügung gestellt werden sollte.
* Münden, 16. April 1909. Frei gesprochen wurde gestern ein wegen Sachbeschädigung angeklagter Hausburfche, der kürzlich das Billard eines Gastwirts zerschlagen hatte, da er die Worte seines Herrn: „Der ganze Schuppen liegt voll Holz, wenn das alle ist, so ist noch das Billard da", wörtlich befolgt hatte. Eine Dienstmagd, die im selben Hotel angeflellt war, bestätigte, daß der Wirt schon früher einmal ge* sagt habe: „Nimm die alten Kisten zum Verfeuern, da hast Du auf zwei Jahre genug, und wenn sie alle sind, schlage das Billard entzwei I"
* Eisenach, 16. April 1909. Die Schundliteratur bildete gestern den Gegenstand einer Aussprache im Schulvorstande. Anläßlich des Beschlußes über die Unterbringung eines bisher tüchtigen und fleißigen Schulknaben in Zwangs- erziehung wurde von. einem Schulmanns betont, daß die Vergehen und Verbrechen seitens der Schulkinder in der letzten Zeit stark zunehmen. Der Anlaß hierzu sei nur in der für wenige Pfennige zu habenden Schundliteratur zu suchen. Auch von anderer Seite wurde darauf hingewiesen und erklärt, daß die Schule allein nicht in der Lage sei, dem Unheil zu steuern, seitens der Polizei müfle gegen die Verkäufer energisch ein« . geschritten werden. Herr Bürgermeister Hart- mann erklärte, daß Vergehen gegen Polizeivor« schriften seitens der Verkäufer strenge geahndet würden. Aber auch das Elternhaus habe die Verpflichtung, und zwar die erste, ihre Kinder vom Lesen solcher Hefte und dem Spielen mit gefährlichen Waffen und Feuerzeug abzuhalten. Würden die Eltern mehr Obacht geben auf das, was die Kinder mit ihren Sparpfennigen anfangen, dann hätte schon viel Unheil vermieden werden können. Ein Elternwort vermag mehr, als alle Schul- und Polizeistrafe.
♦ Mainz, 17. April 1909. Auf der Ingelheimer Aue war vor zwei Jahren an der Böschung gegen den Floßhafen zu die neuer- richtete Böschungsmauer eingestürzt. Der Bauunternehmer Minthe, der die Arbeiten aus- geführt, machte das städtische Tiesbauamtfür den Einsturz verantwortlich, da nach deffen Angaben und Plänen die Arbeiten, -besonders die Fundamentierungsarbeiten, hergestellt worden seien. Da die Stadt Zahlung verweigerte, und ein Vergleich scheiterte, strengte Minthe Klage auf Zahlung von 19000 Mark an, während die Stadt Widerklage auf Ausführung der Arbeiten in ihrer ganzen Länge oder Zahlung von 80000 Mark erhob. Gestern wurde vom Landgericht das Urteil verkündet. Die Stadt wurde zur Zahlung des eingeklagten Betrages von 19000 Mark und in die Kosten verurteilt, die Widerklage der Stadt wurde als unbegründet zurückgewiesen. — Am Donnerstag, den 22. d. M. wird sich hier im katholischen Lehrlingshause das Zentralkomitee der katholischen Jüng- lingSvereinigungen Deutschlands versammeln. Gegenstand der Beratung wird neben wichtigen organisatorischen Fragen besonders der für den Spätsommer in Aussicht genommene
von Gott gewollte weltliche Obrigkeit predigten. Die von der Republik gewährten „Freiheiten" machten die Massen übermütig und heute wenden sie sich nicht mehr allein gegen bte Kirche, sondern auch gegen jene, die die Kirche verstoßen und dem Volke die vielen „Fretherten" ge- währten. Das ist der Flüchter bösen Tat!— Herr Gervais empfiehlt zum Schluß feinet Ausführungen eine energischere Wahrung der obrigkeitlichen Autorität. Das hätte man rüher tun sollen, denn es ist sehr zweifelhaft, ob es der Republik gelingen wird, die verloren gegangene Autorität wieder zu gewinnen.
* Der englische Premierminister Asquith sagte in einer in Glasgow gehaltenen Rede: Unsere Seemacht hat und muß in der nächsten Zukunft die erdrückende Ueberlegen- heit an Material und Personal über jede mögliche gegen uns gerichtete Kombination von Mächen behalten. Wir haben die Lage mit unseren großen Vertrags - Firmen und mit anderen be- prochen mit dem Ergebnis, daß, bevor die Marine-Voranschläge festgesetzt sind, Vorkehrungen getroffen sein werden, die es uns im eigenen Lande mit Leichtigkeit ermöglichen werden, m Zukunst allen Erfordernissen gerecht zu werden oder sogar darüber hinauszugehen." — Na also!
Aus dem Nachbargebrete.
* Schlitz, 17. April 1909. Nach hier eingegangenen Nachrichten steht der Besuch des Karses bei dem Grafen Görtz im nächsten Monat icher in Aussicht.
* Frankfurt a. M., 19. April 1909. Als Text des Sechswochenchores beim W e t t ft r e i t deutsch e r M ä n n e r ch ö r e ist, wie schon mitgeterlt, Emanuel Geibels ,Meinsage" gewählt worden, deren erste Strophe lautet:
Am Rhein, am grünen Rheine, Da ist so mild die Nacht, Die Rebenhügel liegen
In gold'ner Mondenpracht.
Als Komponist nennt man in rheinischen Sängerkreisen v. Othegraven, einen Sohn des langjährigen Präsidenten des Kölner Männergesang. Vereins. Auf der Partitur selbst findet sich kerne Angabe über den Komponisten. Wenn der Chor auch nicht das hohe c verlangt, so haben die Te- nöre doch vier Takte lang das hohe h zu singen und die Bässe müssen bis zum tiefen e und d hinabsteigen. Den technischen Schwierigkeiten soll jedoch eine klangvolle Stimmenführung cntspre- chen, sodaß der Chor auch wieder für die Sänger dankbar ist. Er ist durchweg siebenstimmig und besteht aus zwei vollständig getrennten Chören, einem kleinen Chor mit erstem und zweitem Tenor und erstem Baß und einem großen Chor mir zwei Tenören und zwei Bässen. Er beginnt und schließt in E-dur und bewegt sich noch in verschiedenen anderen Tonarten, wie D-moll, A-moll und C-dur. An verschiedenen Stellen sind die einzelnen Stimmen noch einmal geteilt.
* Offenbach, 16. April 1909. Auf Anregung des sozialen Ausschusses der verbündeten Vereine kausmännischer und technischer Angestellter wurde zur Sicherung des Koalitionsrechts in einer Sitzung des Gesamt-Kaufmannsgerichts beschloffen, nachstehenden Antrag dem Reichstag zu unterbreiten: „Den Arbeitgebern in Handel, Industrie und Gewerbe ist untersagt Angestellte oder Arbeiter durch Verabredung schwarze Listen oder Einrichtungen anderer Art, wegen ihrer Zugehörigkeit zu Berussvereinen um.
Deutsches Reich.
(*) Zur Reichstags-Kandidatur des Prinzen Arenberg in Lüdinghausen und Warendorf wacht uns ein Freund unserer Zeitung, der die Ver- hältniffe aus eigener Anschauung kennt, aber, nebenbei bemerkt, kein ZentrumSmann ist, sol- gende, die Lage klärende Mitteilungen: „ES ist 'nicht schwierig, zu erkennen, warum die Libe- taten und insbesondere die Deutsche Vereinigung dem Zentrum einen Mann wie den Prinzen Arenberg nicht gönnen. Prinz Arenberg ist ein Mann von vornehmer Gesinnung, dem m 'seinem sozialen Wirken nichts ferner liegt »als das, was man ihm nachsagt: Ein Güter- zertrümmerer soll er sein! Gerade das Gegenteil ist der Fall. Wenn Prinz Arenberg Güter ankaust, handelt es sich meistens um olche, deren Besitzer jahrelang schlecht gewirt- chaftet und über ihre Mittel hinaus gelebt haben, odaß sie zum Verkauf einfach gezwungen sind, weil sie vor dem Zusammenbruche stehen. In solchen Fällen hat Prinz Arenberg wiederholt seine Hilfe in wahrhaft christlicher Weise geliehen, in- ,st>em er die Güter zwar ankaufte, aber darauf Bedacht nimmt, daß der Besitzer bezw. deffen Kinder auf dem Gute bleiben können, dasselbe verwalten und sofern sie nur wollen, sich eine einträgliche Existenz verschaffen können. In der ganzen Gegend weiß man diese hilfreiche Tätigkeit deS Herzogs sehr zu schätzen. Es herrscht darum in der Grafschaft des Prinzen Arenberg -zwischen den Bauern und dem Gutsherrn ein ganz andere- Verhältnis, als bei manchen libe- talen Fideikommißberren. Der Umstand, daß Prinz Arenberg so sehr für die Bauern besorgt ist, bringt ihm viel mehr Gutsangebote ein, als !ihm lieb ist. Aber nicht nur die Bauern, son- M>etn auch die Gemeinden halten auf ihren Gutsherrn, der ein leutseliger Herr ist, große Stücke 'und überall.herrscht daS beste Einvernehmen; tn vielen Gemeinden ist Prinz Arenberg Mitglied 'der Gemeindevertretung. Soviel steht fest, der alte echte westfälische gesunde Bauernstand hält durchaus zu dem Herzog. Das find alles Gründe .genug, warum die Liberalen und die Herren der Deutschen Vereinigung so erbost find. Wir fasten uns dahin zusammen: Den Liberalen ist Prinz Arenberg unangenehm 1) weil er ein Zentrumsmann ist und weil man dem Zentrum einen solch' vorzüglichen Mann nicht gönnen mag; aus letzterem Grunde sind auch besonders die Herren der Deutschen Vereinigung gegen diese Kandida- tut; 2) weil Prinz Arenberg wirklich sozial handelt und die Bauern ihm sehr zugetan sind, was sehr erklärlich ist; well 3) die Pächter Arenbergs schnell und sicher wirtschaftlich emporkommen und vielfach bei sehr geringer Pacht bedeutende lieber- schüfst erzielen (der Pachtzins erreicht vielfach nicht einmal den Steuerbetrag, den ein Bauer aufzu- bringen har). Es kann gar nicht auSblerben, daß 'dem Prinzen Arenberg trotz deS widerwärtigen Gekläffs der Gegner em glänzender Wahlsieg bereitet wird. Wer sich einen offenen, vom Partelchader nicht beeinflußten Blick bewahrt hat, wird diesen Erfolg dem Zentrum von Herzen gönnen."
* Die Katholikenfeindlichkeit des Liberalismus wird von dem Frankfurter liberalen Wochenblatt .Fortschritt' in Nr. 16 vom 17. Aprr 1909 glatt zugegeben. Das ,Neue Münchener
, — Einfluß der Farbe auf den Gemütszustand -des Menschen. Dr. Leon Landone hat durch Bet- .suche an Kindern festgestellt, daß bte verschtedL- nen Farben einen erheblichen Einfluß auf den Gemütszustand und auf die Geistestatigkeit aus- Lben. Die Kinder wurden mehrere stunden lang in Zimmern beschäftigt, die mit verschiedenen Farben belichtet wurden. In Zimmern mit Totem Licht und bei rot behangenen Wanden brachten sie fast zweimal foviel fertig als sonst. Der Blutumlauf, die Herztätigkeit und der Appetit waren dabei -in einem Maße gesteigert, daß in diesen Tqgen niemals das gewöhnliche Fruh- siück genügte. Auf das Gemütsleben schien das -gelbe Licht von Einfluß zu sein. Kinder, die sonst ihren Spielgefährten gegenüber fehr unerträglich und zänkisch waren, benahmen sich jetzig sehr liebenswürdig, die sonst in zwei Stunden geleistete Arbeit steigerte sich bei gelbem Lichte um 59 Grad. Waren die Wände mit schwarzem Karton bedeckt und die Fenster mit schwarzem Battist behangen, so wurden die Kinder verdrießlich, mürrisch und schwermütig. Nicht halb so viel Arbeit, wie sonst, wurde geleistet und bald klagten die Kinder über Magenbeschwerden. Blau schien Ruhe und Stille zu befördern und die Neigung zu haben, die Kinder ernsthaft zu machen. Die besten Erfolge aber zeigte bte grüne Farbe. Mehr und bessere Arbeit wurde bei bet- Mben geleistet und weniger Ermüdung empfun- ®?t. Der interessante Versuch aber war der, daß »te Wände des Zimmers mit sieben verschieden- IQrbt™n Draperien behängt waren. Die Farben Wandbehänge und der Belichtung wurden ?9®.e Stunde geändert und die Folge war, c* tn. ,nt Laufe einer Stunde geleistete Arbei -rch saft um 200 Prozent erhöhte, sie war aber
Sägeblatt' hatte in einem Artikel über den Liberalismus geschrieben:
Alle Leiden und Verfolgungen der katholischen Kirche in der neueren Zett müffen wir schreiben auf Rechnung deS Liberalismus und der liberalen Gesetz- gebmig. Welches Toben gegen alle? Katholische zeigt ich in den liberalen Zettungen vor und nach 1866! Den Kulturkampf haben die Liberalen gewollt, und Bismarck hat den Liberalen den Willen getan. Bischöfe nnd Priester wurden abgesetzt und eingekerkert, die Ordensleute vertrieben, das Messelesen und Sakramentespenden unter Gefängnisstrafen verboten usw.
Dazu schreibt der Fortschritt':
„Nun ist es wahr, leider Gottes wahr, daß dieser Kulturkampf mit seinen oben ge- childerten Folgen auf Rechnung d es Liberalis- nus zu setzen ist.
Dieses Zugeständnis, das die furchtbarste An- Nage darstellt, die gegen den Liberalismus wegen seines Haffes gegen die katholische Kirche erhoben werden kann, ist überaus wertvoll.
— Wie alt sind die Schwurgerichte? Diese gerade jetzt anläßlich der Reform des Strafverfahrens interessante Frage wirb — unseres Wissens zum erstenmale — von der Deutschen Ju- risten-Zeitung beantwortet. Wie sie zu erzählen weiß, bestehen die Schwurgerichte nun gerade 60 Jahre. Sie wurden durch Verordnung vom 1. April 1849 eingeführt. Am gleichen Tage traten 21 Appellationsgerichte, 5 Stadtgerichte, 236 Kreisgerichte und zahlreiche Gerichtskommissionen ins Leben, und an jenemTage wurde der Titel „Rechtsanwalt" geschaffen, der somit am 1. April sein 60jähriges Bestehen feierte. -jt.
— Offen und ehrlich! Geck (der bei strömendem Regen eine fremde junge Dame mrgesprochen und die Erlaubnis erhalten hat, sie bis an ihr Haus zu begleiten): „Wem verdanke ich nun dieses Glück, gnädiges Fräulein — meiner Person oder meinem Schirm?' — Junge Dame: „Seinem von beiden — sondern meinem neuen Hut!"
— Heber-Köchin. Neue Köchin (»um erstenmal die Speism servierend): „Hier, gnädige Frau, dte erste Emanzipation meines kulinarischen Gemus-
einstweilen jedoch weder der Staat noch die Kirche anerkennen: der Tag der Mütter. Schon vor einem Jahre hatte im Kongreß Senator Burkeit vorgeschlagen, im Jahre einen Tag zu besttmmen, der der Ehrung der anierikanischen Mütter gewidmet sein soll. Er schlug vor, daß alle ameri- konischen Männer am zweiten Maiensonntage zu Ehren ihrer Mutter eine weise Blume tragen sollen. Aber sein Borschlag fand bei den Gesetzgebern wenig Anklang. Was im Parlament scheiterte, fand jedoch bei den Müttern und der Geistlichkeit den 'lebhaftesten Beifall. Schon im vergangenen Jahre suchte man anknüpfend an den Tag der Kinder auch eine feierliche Ehrung der Mütter einzufühlen, aber der Gedanke war zu neu und die Feier nur beschränkt. Seitdem haben die Frauenklubs sich mit glühendem Eifer des Gedankens angenommen. Alle Newyorker Damenklubs, 140 Vereine mit nicht weniger als 45 000 Mitgliedern, werden in diesem Jahre den Tag der Mütter feierlich begehen. Am Vormittage ziehen alle Vereine mit flatterndem Banner zu den Kirchen der verschiedenen Distrikte, und am Nachmittage sollen besondere Andachts- Übungen für die Kinder und Mütter abgehalten werden. Von der Kanzel herab sollen die Pflichten und die Verantwortung der Mutter geschildert werden. Das Beispiel Newyorks hat in anderen Städten der Union lebhaften Anklang gefunden, man wird dem Vorbild nacheifern und überall sind die Vorbereitungen zu dem Feste bereits im Gange. So schaffen sich die Frauen der Neuen Welt selbst ihren eigenen Ebren- und Feiertag dem, wenn er sich einbücgerk, voraussichtlich auch die Regierung schließlich Rechnung tragen wird. , „ . . ’P-
— Zwei gesunde Lander. Zu beniemgen Landern, die die niedrigste Stevblichkeitsziffer zu verzeichnen haben, zählt zunächst Schweden und Nor- wegen. Die Sterblichkeit, die in Schweden bereits 1880 nur 17,8 pro Tausend Personen be-
Ausland.
** Neber die Zukunft der französischen Republik verbreitet sich im ,Matin' Senator Gervais in einem längeren Leitartikel. Es müsse einmal rund herausgesagt werden, meint Herr Gervais, denn die Zukunft der Republik stehe auf dem Spiel. Die Ursache der Krise, Die Frankreich gegenwärtig durchmacht, hegt seiner Ansicht nach darin, daß die französische Regierung nicht alle Versprechungen eingelöst und nicht alle Pflichten erfüllt habe. Damit hat Herr Gervais vollständig recht. Die Republik versprach seinerzeit, als der Kirchenraub ins Werk gesetzt werden sollte, dem Volke aus dem Ertrage der Kirchengüter eine Alters- und InvaliditätsVersicherung nach deutschem Muster und noch andere soziale Wohltaten. Heute sind die Kirchengüter zum größten Teile veräußert, aber an ein Einlösen seiner Versprechungen hat die kulturkämpserische Freimaurersippe, die in Frankreich am Ruder steht, nicht gedacht. Die Gelder sind zum allergrößten Teile in den liefen Taschen gewissenloser Gerichtsvollzieher und Notare verschwunden, ja, die Republik mußte teilweise zur Deckung der Liquidationskosten noch Geld zuzahlen. Die Folge war, daß die genaßführten Massen sich in Hellen Hausen der C. G. T. (dem Arbeitsbund) zuwandten, der heule tatsächlich die Macht in Händen hat. „Die Republik hat viel vollbracht", meint Herr Gervais werter. Das stimmt auch, leider aber nicht viel Gutes. Sie hat, sagt Herr Gervais, dem Volke umfaffende Freiheiten gewährt; sie hat außer- dem die Gleichheit (6galit6) geschaffen. Letzteres ist nicht wahr. Die Republik hat keine Gleichheit geschaffen, sonst hätte sie Ordensleute und barmherzige Schwestern, brave französische Untertanen, nicht wie Verbrecher zum Lande hinausgestoßen. „Freiheiten", wie Herr GervatS sagt, hat sie ja geschaffen, und diese Sorte von Frei- beit droht ihr heute zum Verderben zu werden. Sie trennte die Kirche vom Staate, beraubte dieselbe des behördlichen Schutzes -und setzte die Geistlichkeit den gemeinsten Befchimpsungen in Wort und Schrift aus. Man sehe sich nut ein. mal an, was für Verhöhnungen sich heute spekulative Buchhändler in Wort und Bild gegen den katholischen KleruS leisten! Die Republik hat die Kirche von sich gefloßen, deren Diener dem Volke die Unterwürfigkeit unter die auch besser und kein einziges Kind schien ermüdet, keines klagte über Kopfschmerzen und am Schlüsse der Hebung schienen die Kinder ebenso frisch, ebenso munter und ebenso aufgelegt, wie zu ihrem Anfänge. *r-
— Durch Einbildung erfroren. Ans Peters- bürg wird berichtet: Ein merkwürdiger Fall, in dem eine starke Einbildung zur Todesursache geworden ist, hat sich in Krasnojansk ereignet. Ein Eiseinbahnbeamter war damit beschäftigt, einen Güterwagen der transsibirischen Bahn zu reinigen. Während einer Arbeitspause schloß er die Tür und legte fkf) schlafen. Er erwachte jedoch erst mehrere Stunden später. Mit Entsetzen bemerkte er, daß die Tür des Wagens von außen fest verschlossen war und daß der Zug in Beweg- ung war. Vergeblich versuchte Staritsky, sich bemerkbar zu machen; niemand hörte seine Rufe und sein Klopfen, und nun überkam den Eingesperrten der furchtbare Gedanke, er könne erfrieren, ehe der Zug zum Halten käme. Als man zwei Stunden später in einer Station den Wagen öffnete, fand man den Unglücklichen to auf dem Boden liegend. Seine Reihe kurzer lakonischer Aufzeichnungen gaben ein Bild von den Gedanken unjk den entsetzlichen Angstzuständen chie den Beamten bis zum letzten Augenblick erfüllt hatten. „Ich erfriere sehr schnell ... Mein rechtes Bein ist völlig erstarrt . . . Nun auch mein linkes . . • Die Kälte kriecht weiter . . . Vielleicht meine letzten Worte . .. Jetzt erstarr mein Herz, es kommt das Ende." Die Tempe- ratur in den Wagen war mehrere Grade über Null, sodaß der Tod unmöglich durch Kälte verursacht fein konnte. Es war die Angst, die in seiner Phantasie sich immer mehr steigerte und schließlich den Tod herbeiführte.
— Ein neuer Feiertag in Amerrka. Zum erstenmale wird in diesem Jahre in den großen Städten der Bereinigten Staaten ein neu ersonnener Festtag feierlich begangen werden, bett