Mer
36. Jahrgan ff.
Fulda, Dienstag den 20. April 1909
M 88
Erstes Matt
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verantw. Redakteur;
Carl Schotte;
sp^erwsMa. wochenbeilage: „Illustrierte Sonntagszeitung
und vorlauten Minderheit eingeschätzt werden Kauen. .. „
Im Grunde genommen bilden die allgemeinen Redewendungen, die da über die Notwendigkeit der Reichsfinanzreform ausgetauscht werden, eine Beleidigung des Reichstags. D,e ge- wählte Volksvertretung wird mir dem Vorwurf bedacht daß sie nicht das nötige „nationale" Der- ständnis habe oder sich gar durch Sonderinteres« sen zum Verrat an der Reichssache verführen lasse. Wir stellen diesen beleidigenden Charakter der Agitation als Unparteiische fest: denn unsere Partei wird dabei nicht mitgetroffen, weil sie „ausgeschaltet" ist von der Mitarbeit und infolge- dessen auch von der Mitverantwortlichkeit.
Von diesem unparteiischen Standpunkte aus können wir ferner noch ein Doppeltes feststellen. Erstens zeichnen sich die Kundgebungen und deren Beantwortungen mehr durch allgemeinen Eifer, als durch spezielle Sachkenntnis aus. Und wenn wir sonst den Wg. Paasche, den Vorsitzenden der Finanzkommission, nicht gerade lieben,, so müssen wir ihm doch Recht geben, wenn er die Temon- stoanten darauf hinweist, daß die Reibe von tief eingreifenden Steuergesetzen nicht mit schwungvollen Redensarten, sondern nur in schwerer Arbeit geschaffen werden kann. Zweitens ist zu beachten, irnfe die Vorwürfe wogen Verzögerung und Erschwerung des nationalen Werkes durch Nebeninteressen nicht an den Reichstag, sondern an den Fürsten Bülow selbst adressiert werden müssen. Er trägt die, Verantwortung für die erste Verschiebung um ein ganzes Jahr, und er selber war es, der die Verständigung auf den brauchbaren Antrag Herold vereitelte und dadurch die ganze Sache wieder ins, Ungewisse stellte — seiner persönlichen Blocktaktik halber!
Endlich ist an dieser gouvernementalen, Agitation gegen denReichstag noch die Einseitigkeit auffallend. Die Blocklinke läßt man ungeschoren und spitzt die ganze Bewegung gegen die Konservativen zu. Die Regierung schwingt die agitatorische Peitsche gegen die Rechte, um dem Liberalismus zu moralischem und materiellem Triumphe zu verhelfen.
reichische Militärärzte nach Korfu berufen worden sein, um einen operativen Eingriff an Kaffer Wilhelm vorzuuehmen, der eine Fischgräte verschluckt habe. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Erfindung. , .
(*) Der Kronprinz traf am Montag in der rumänischen Hauptstadt Bukarest ein. Da König Karol durch eine heftige Erkältung verhindert war, sich selber zum Bahnhof zu begeben, wurde der Kronprinz von der Königin, den Prinzen und Prinzessinnen von Rumänien empfangen. Die Bevölkerung bereitete dem Kron- prinzen einen herzlichen Empfang.
* Generalfeldmarschall v. Hahnke, der frühere Chef des kaiserlichen Militär-Kabinetts m Berlin und gegenwärtige Oberbefehlshaber in den Marken, wird seines hohen Alters wegen von diesem Posten scheiden. Als fein Nachfolger gilt der Kommandeur des Gardekorps v, Kessel.
0. Die preußischen Besoldungs-Gesetze. Die verstärkle Finanz-Kommission des Herrenhauses hat den Belicht über ihre Beratungen betreffs der Beamten-Vorlagen am Samstag fest- gestellt. Die Dienfteinkommen-Verbefferungen der Beamten erhalten rückwirkende Kraft vom 1. April 1908, das Wohnungsgeld soll diese rückwirkende Kraft jedoch nicht erhalten, sondern es sollen vom 1. April 1909 bis zum Erlaß eines neuen Gesetzes über den Wohnungsgeld. Zuschuß folgende jährliche Zulagen zum Wohnungsgeld- Zuschuß gezahlt werden: In Tarisklaffe I 375 Mark, in Taristlasse II 300 Mark, in Tarif- klasse III 225 Mark, in Tarisklaffe IV 150 Mk. und in Tarisklaffe V 75 Mark. Bei Bemessung der Pension wird der Durchschnittssatz des Wohnungsgeld-Zuschuffes für sämtliche Servisklaffen in Anrechnung gebracht. Die alte Servisklaffen- Eir.leilung von 1873 (8 2 Abs. 4) bleibt bis auf weiteres in Kraft. Die Steuergesetze bleiben un- verändeit.
* Der Herzog von Arenberg soll, wie die ,Nat.-Z1g.' aus seiner Umgebung erfahren haben will, infolge der abfälligen Kritik, die seine Kandidatur für den Reichstags - Wahlkreis Beckum- Warendorf-Lüdinghausen „in verschiedenen deutschen Kreisen" habe, vor dem Entschluffe stehen, seine Zusage unter Umständen wieder zurückzu- ziehen. — Den Liberalen würde das scyon paffen. Die ganze gegen den Herzog unternommene Hetze bezweckte ja gar nichts anderes. Die ,Trem/ ist übrigens in der Lage, aus ganz zuverlässiger Quelle mitzuteilen, daß der Herzog von Arenberg am 25. April, am 2. und 9. Mai in Versammlungen, welche vom Wahlkomitee an« beraumt werden, erscheinen und Antwort geben wird auf die infamen Angriffe, die haupl- iächlich von der sogen, nationalen Presse gegen ihn gerichtet wurden. Die angebliche Information der ,Rat. , Ztg.- ist nichts anderes «üs ein Wunsch der Blockleute, die durch die Kandidatur des Herzogs von Arenberg mehr als nervös geworden zu fein scheinen.
)( Zugunsten der Erbanfall-Steuer in ihrer Ausdehnung auf Eltern, Kinder und Ehegatten sprachen sich auch am Sonntag mehrere konservative Versammlungen aus. In einer hielt sogar der konservative Reichslags-Abg. Euen das Referat, während mehrere konservative Abgeorv- nete der Versammlung beiwohnten. Es wurde verlangt, daß die konservativen Parteien die Führung bei Vollbringung der Finanzresorm auf Grundlage der Erbanfall-Steuer übernehmen soll-
Deutsches Reich.
** Berlin, 19. April 1909. Die Krankenkassen Deutschlands werden Mitte Mai in Berlin eine Versammlung obhalten, um zu der Vorlage betreffend die Reichsversicherungsordnung Stellung zu nehmen. — Bei der Veranlagung zur Vermögenssteuer in Preußen hatten 1067601 Zensiten ein Einkommen von nicht mehr als 3000 M.; ein Einkommen über 30i 0 Mark hatten 434969 Zensiten. Das steuerpflichtige Vermögen betrug 91,6 Milliarden, wovon 58,5 Millionen auf die Städte, der Rest auf das Land fiel. — Zum Studium an den technischen Hochschulen werden nunmehr auch Frauen zugelassen. — Die technischen Angestellten sprachen in einer zu Köln ab- gehaltenen Versammlung die Erwartung aus, daß der Reichstag für ih e angemessene Vertretung in den Arbeitskammern Vorsorge treffen werde. Vorläufig find sie aus dem Arbeits- kammer-Gesetz ganz ausgeschloffen.
(*) Tas Kaiserpaar unternahm am Mon- tag auf Korfu einen Spaziergang nach der Stadt Korfu, um dem griechischen König im Stadt- schloß einen Besuch zu machen. — Von einer „lebensgefährlichen" Erkrankung des Kaisers Wilhelm auf Korfu waren am Montag in Wien Gerüchte verbreitet. Angeblich sollten in Triest mehrere namentlich genannte öfter-
> Sonne te AheimM
83] AuS dem Englischen von K. v. R a e 8 f e l b
„Ein Gemälde tum einem gejvissep alten italienischen Meister, den ich besonders ftubiert habe und dessen Werke ich bemahe alle kenne, bis aus dieses. Das nächste Mal, wenn Mylady ausgeht, möchte ick es sehr gern einmal, betrachten — das heißt, wenn Sie solche schätze zeigen dürfen."
Jeannette warf den Kopf kokett zurück.
„Hat sich was zeigen zu dürfens sagte sie. „Ich weiß jetzt, welches Bild Sie meinen. Jeder, der nad) Kenninghall kommt, sieht es sich am
„Dann wolleir Sie doch gegen mich sicher nicht Unfreundlicher sein, wie gegen alle anderen Fremden, nicht wahr?" schmeichelte er galant; wcrauf das hübsche Kammerkätzchen nur verheißungsvoll lächelte.
Die Gelegenheit, die er gesucht, kam noch am selben Nachmittag.
Lady Wayne sah so angegriffen und ganz an- Ibers wie sonst aus, daß ihr Gemahl darauf be- Ftand, sie zu einer Spazierfahrt mit hinauszu- nehmen. Vergeblich weigerte sie sich. „Du mußt Miikommen, Evelyn", bestand er. „Die frifäe, reine Luft wird die Erinnerung an diese Schreiben wegblasen."
Sie fürchtete, durch fortgesetzte Weigerung Erstaunen oder Bemerkungen wachzurufen, und Ving.
„Du bist mit so knapper Not einer schweren Bkrankheit entronnen", tagte er, „daß ich Dich boppest sorgfällig hüten muß. Dr. Roberts sagte wir, er hätte noch nie jemanden gesehen, der so *ar«ruf und daran gewesen, Gehirn-Entzündung A bekommen." Und die Erinnerung an das, w diesen wenigen Stunden des Dell- hm- ^rusammenphantasiert, ließ ihn noch jetzt V decken schaudern. »
sen Wangen sich gerötet hatten, und daß seine Augen funkelten, wie die eines Bluthundes, der endlich auf der richtigen Fährte ist.
„Ich kann Ihr Buch nicht finden", sagte sie ungeduldig und schnippisch. „Ich glaube, es ist überhaupt keins da."
„Doch, doch", versicherte er; „Sie sind aber doch die Güte selbst, sich so zu bemühen! Nun, es macht nichts; es gibt an diesem Bilde so viel zu studieren, daß ich, wenn Sie gütigst gestalten, später noch einmal herkomme." —
Eine halbe Stunde später stand ec eifrig debattierend mit Sergeant Elliot in beffen verschlossenem Privat-Kabinett, und vor ihnen auf dem Tische lag das goldene .Armband, ein Fetzen Papier aus der Brieftasche des Toten, und das perlgraue seidene Kostüm.
„Jetzt brauchen wir nur noch die Waffe", sagte Mr. Sinclair triumphierend, „bann hätten wir den ganzen Beweis beisammen."
„Aber der Beweggrund, wo ist der Grund?" fragte Sergeant Elliot. „Was kann es nur sein?"
„Das braucht uns nicht zu kümmern. Es gibt merkwürdigere Sachen im Leben dieser vorneh- men Damen, als Sie oder ich mit all unserer Philosophie uns träumen bassen. Der Grund wird schon ans Licht kommen, verlassen Sie sich darauf!"
„Es tut mir ungemein leid", bemerkte der Sergeant; „es gibt keine Familie int Bezirke, die so hoch stände, wie die Waynes von Kenning- Hall."
„Höherstehende Familien haben schon ihre Un- annchmlichkeiten gehabt", war die philosophische Erwiderung, und damit endete die Unterhaltung.
55. Kapitel.
Kummer in Elton.
An diesem herrlichen Frühlingsabende, wo sie eine so schreckliche Kunde erhalten sollte, saß Kate Jefferies vor der Türe ihres Häuschens und nähte. Der Garten stand in voller Pracht, die Vögel fangen um die Wette, die Blumen dufteten;
Die Finanzwallfahrten nach Berlin.
Fürst Bülow ist wieder in Berlin. Hinter die Finanzresorm will er jetzt Dampf wachen. Gleich heute, am Tage des Wiederzusammentrltts des Reichstags, empfängt er Abordnungen aus Bayern, Sachfen, Württemberg, Baben, Hessen und den thüringischen Staaten, die lhm ihr Sprüchlein zugunsten der Reform aufsagen wollen. Bülow wird mit einer „bedentfamen An- spyache" antworten. Solche „bedeutsame Ansprachen" ist man bei ihm ja gewöhnt. Schiller sagte zwar „Wenn gute Reden sie begleiten, dann flieht die Arbeit munter fort", er hat dabei aber kaum an die Finanzreform gedacht. Was rst Nicht alles schon für sie geredet und wieder geredet worden. Aber alles Reden hat nichts gehol- Sn, die Finanzreform kommt nicht vom Fleck.
re heutige „bedeutsame Ansprache" wird den Kohl auch nicht fett machen.
Die henke erwarteten Abordnungen sind ganz plötzlich auf der Bildfläche erschienen. Bis vor wenigen Tagen hat man Nichts von ihnen gehört. Auf einmal ist die Sache fix und fertig. Das ganze sicht stark nach künstlicher Mache aus, geradeso wie die vielen Telegramme, die der Reichskanzlei sich schicken läßt und beantwortet.. Sie passen wie diese vollständig in die bisherige „Taktik". Don dem telegraphischen Verfahren geht man zum mündlichen über. Auf unzählige, Telegramme, die wohlgefetzte Phrasen über die no- tionalen Finanzen für 5 Pfg, das Wort in das Reichskanzlerpalais übermittelten, hat Fürst Bülow unermüdlich gedankt, die Antworten durch die gouvernementale Presse verbreiten und so zu weiteren Kundgebungen aufmitniern lassen. Kommen nun statt der Depeschen lebendige Menschen ins Palais, um das Sprüchlein von der Notwendigkeit und Nützlichkeit guter Finanzen anfzu- sagen, so wird der Eindruck der sogen. Volksstiin- men wieder anfgefrischt.
Die Regierung betreibt, so schreibt hierzu bte Zentrumskorrespond. Nienkemper eine umfassende u. zähe A g i t a t i on im Lande zur B e e i n f lu s- sung der berufenen Volksvertretung. In der Regel läßt der erste Minister eines Staatswesens seine Stimme im Parlament selbst ertönen um dort seine „leitenden Gesichtspunkte" unmittelbar zur Geltung zu bringen. Das mit- fffS-trc Verfahren, die Einwirkung durch Demon- Wrn: tonen ans den gouvernemental. Dolkskreisen, $v:rb tonst nur dann angewendet, wenn eine Re- gicntng es mit einer feindseligen Mehrheit in einem widerspenstigen Parlament zu tun hat. Aber „dieser" Reichstag, dem man jetzt ein agitatorisches Aufgebot auf den Hals schickt, — ist der nicht im Januar 1907 als ein Triumph der Bülow-Keimschen Wahlkunst zustande gekommen und wegen seiner festen Mehrheit für die Blockpolitik des Reichskanzlers als die herrlichste Gewähr einer neuen nationalen Frnchtbarkeits- Aera gepriesen worden? -Hat nicht die Regierung selbst das Volk in den Glauben verseht, daß nun olles in der schönsten Ordnung sei und Fürst Bii- low mit seiner neuen Mehrheit Wunderdinge leisten werde, von denen man sich in den traurigen Zeiten der „Zentrumsherrschaft" nichts hatte träumen lassen?
Und nun muß schon der Blockkaazler von diesem vielgepriesenen Blockreichstag an das „Volk" appellieren! Die Berufung erfolgt aber nicht auf dem normalen Wege einer Auflösung und neuem Befragung der Wähler, sondern mittels Demonstrationen ans gewissen Kreisen,, bte höchstens als Kunbgebungen einer diensteifrigen
f Zeitung
monafsbeDage: „Kildütt Geschichtsblätter"
„Mylady ist zu einer Spazierfahrt aus, Herr Sinclair", meldete Jeonnetie eilig, „wenn Sie jetzt das Bild gern sehen wollen, so haben Sie eine gute Gelegenheit dazu."
Er wollte nicht allzu eifrig scheinen, sondern unterhielt sich erst noch einige Minuten sehr angenehm mit ihr; dann führte sie ihn in das luxuriöse Ankleidezimmer, wo bas Gemälbe hing.
'„5Da3 ist bas Bilb", sagte sie; unb Mr. Sinclair pflanzte sich in malerischer Haltung vor dem Meisterwerke auf, hingeriffenes Entzücken eines leidenschaftlichen Kunstfreundes in den Mienen.
Einem so schnell gefaßten Menfchen war es natürlich eine Kleinigkeit, bas Kammerkätzchen auf einige Zeit zu entfernen. Er bat sie mit den süßesten Schmeicheltönen, über bie er verfügte, ihm dos Skizzenbuch zu holen, das er ihr beschrieb; er wußte aber ganz genau, daß sie es nicht finden würde.
Nicht sobald war sie gegangen, als er hastig und geräuschlos die Tür verriegelte und seine Suche begann; die Juwelen-Schattille, die wunderbarer Schätze art seidenen und sammetnrn Gewändern, die sonstigen Zierraten und Schmuck- fachen des prächtigen Gemaches waren rasch überblickt unb durchforscht. Er fand nichts.
Dann fielen feine Augen auf den Wandschrank, und er öffnete ihn hastig.
Endlich doch etwas. Er fühlte ein kleines Bündel in einer Ecke. Eng zusarnmengedreht und geknüllt lag das perlgraue, seidene Kostüm dort. Hastig faltete er es auseinander und sah bie verhängnisvollen Flecken darauf.
Es war daS Werk eines Augenblicks, den Schrank mit seinen Nachschlüsseln wieder zu verschließen und seine Beute, den letzten und grausamsten Beweis von allen, in Sicherheit zu bringen.
AkS Jeannette nach einer guten Mertelstunde zurückkehrtr, stand er noch immer wie hingeris- sen vor dem Gemälde; eine Klügere wie sie hatte jedoch vielleicht bemerkt, daß seine sonst so Maf
ien. Demnach zu urteilen scheint der Umfall der Konservativen in der Frage der Besitzsteuer perfekt zu fein.
-4- Fürst Bülow hat „nicht wie ein Schloßhund geheult". Die offiziöse.Nordd. Allg. Zig/ schreibt an der Spitze Der gestriger Nummer:
„Die ,®ermania' hat sich unter dem 14. b. Mts eine alberne Erzählung über Tränen, die der Reich» kanzler vor Sr. Majestät dem Kaiser vergossen habe« soll, von gut unterrichteter Seite bestätigen lassen, daß Fürst Bülow wie ein Schloßhund geheult habe. deutschen Blättern ist diese Leistung der ,Germamc bereits nach Gebühr gewürdigt worden. Da auslan. dische Zeitungen auf die Angaben der ,Germania hereingefallen sind» wollen wir ausdrücklich feftstellew daß es sich um ganz gewöhnlichen Schwindel handelt.
Damit wäre also das Ansehen Deutschland! vor der Welt wieder hergestellt. Dieselbe 93e; merkung, die das Kanzlerblatt der Germanla sc sehr verübelt, hat übrigens einige Zeit vorher bereits in einem anderen Blatte gestanden, ohnl daß Widerspruch erhoben worden wäre.
* Dem König Karol von Rumänin schreibt zum 70. Geburtstage die »Nordd. Allg Zig/ im Auftrage der deutschen Reichsregierum einen herzlichen Glückwunschartikel. Es heißt darin:
Das rumänische Volk darf sich glücklich schätzm am Dienstag sich um den Fürsten, der der Schöpfe, des rumänischen Staates ist, scharen und dankbar der Stunde gedenken zu können, die vor 70 Jahren de, sigmaringischen Fürstenlimr einen Sproß von echte, Lostenzollernart bescheerte. Rumanten ist em z, steigender Wohlfahrt fortschreitendes Gemmiwesen ge worden; nach außen hin hat es hohe.Wellung au Glied der europäischen Völkerfamilte, eine Geltung die es nicht nur seiner wohlorganisierten milMärischet Macht, sondern auch seiner weisen, auf dte Mihaltunt des Friedens gerichteten Politik zu danken hat.,
)( Sie haben gerade noch gefehlt! nämlich bK Alldeutsche n. Der Ausschuß unb ber Vor, ftanb des alldeutschen Verbandes hielt am Mon tag in Eisenach Line Versammlung ab, tu be, er sich einstimmig für eine beschleunigte unb groß zügige Erledigung ber Reichsfinanzreform aus. sprach. Er erwartet vom Bunbesrat unb Reichs tag, baß sie partikularistische unb Jraktlor^ruck sichten zurückstellen unb unbebingt bem Reiche bu für eine Gesundung ber Finanzen notwendige» 500 Millionen Steuererhöhung bewilligen. El erinnert „mit banger Besorgnis an bte Entschluß- losi gleit des alten Regensburger Reichstages, a« besten Versagen beim Bewilligen bei nohgeX Gelbmittel bas alte Reich zugrunde gegangen ist Jeber Deutsche muß ber Wohltaten eingeben' sein, bie er von bem heutigen Reiche genießt unk opferwillig zu besten Anforderungen bei tragen.. — Auffälligerweise ist hier ber Besitzsteuer mit keiner Silbe gedacht. Offenbar wollen bte Heo rett es mit keiner Seite verderben.
[] Die Leistungen der Stützte für ihre Volks schulen sind bekanntlich nicht gering. Man kam auch den meisten Städteverwaltungen nicht dn Anerkennung vorenthalten, daß sie den Ausbau des Volksschulwesens sich haben angelegen seit lassen» insbesondere stets ihr Augenmerk der nob wendigen Herabsetzung ber Klassenfreauenzen gewidmet haben. Dadurch stieg natürlich bte Vermehrung 6er Volksschulklassen ganz bedeutend Man findet darüber in bem zur 100. Jahresfelei ber preußischen Stäbteorbnung herausgegebener Werk „Preußens Stäbte" genauere Angaben. Jahre 1886 gab es noch keine einzige Stabt, derer Klassen mit 50 unb weniger Kinbern besetzt gewesen wäre. 20 Jahre später betrug ihre Zcch schon 23. Rock) 43 Stäbte hatten im Jahre 188t in ihren Volksschultlassen burchschnittlich 70 uni mehr Kinder; im Jahre 1906 waren diese Fre- doch aller Friede ber Natur ringsumher zauberst keine Fröhlichkeit auf ihr Gesicht.
Der Witwe war bas Herz schwer; sie war sehr bekümmert wegen Jack. Seit vielen Mvnateil schon war sein Benehmen ihr ein Rüffel. Nu? war er seit einigen Tagen plötzlich von .Hause fori; ohne baß er ihr auch ein Wort gesagt, wohin, ei gehe, ober was er tun wolle; und als sie feint Stube aufgeräumt, hatte sie genug gesehen, war sie allerlei Besiirchtungen hegen ließ.
Wo hatte er mir das Geld für so mancherlei Sachen her — neue Anzüge, Ringe, teure Shlipse kurz, alles, was er haben wollte? Gearbeitet hatn er nicht, sonstige Gelegenheit, Geld zu verdienen hatte er ihres Wissens auch nicht gehabt — et fähig bie Zeit ja nur mit Vergnügungen tot. Was war nur über ihn gekommen — über ihren einzigen geliebten Jungen?
Daß er seine Drohung wahr gemacht und ihr Geheimnis entdeckt haben könnte, kam Kate Jefferies keinen Augenblick in den Sinn; in letzter Zeit hatte er gar nicht mehr davon gesprochen, und sie hoffte zuversichtlich, er habe es vergessen oder sei des nutzlosen Fragens müde geworden.
So saß sie ba in trüben und schweren Gedanken und stichelte über ihrer Leinwand, als ^plötzlich heftige Schritte zwischen den grünen Hecken ihre Aufmerffamkeit erregten; sie erhob den Kopf und gewahrte Werner in der Ferne.
Er kam hastig auf sie zu und begrüßte sie kn seiner liebevollen anhänglichen Art.
„Mein lieber Werner, dies ist aber ein sehr unverhoffter Besuch", sagte sie, bann bemerkte sie, wie ernst und erregt er aussah. „Bist Du krank, Werner?" fragte sie besorgt. „Bist Du nach Hause gekommen, um Dich zu erholen?"
„Nein, nein, ich bin nicht front", erwiderte er ausweichend, „ich komme hauptsächlich, um mit Mr wegen Jack zu sprechen. Wußtest Du btel- leichi, daß er bie Absicht hatte, zu mir nach Kenninghall zu gehen?" <
lFortktzung folgt)