Maer W Zeitung
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Sari Schütter
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M 87.
Fulda, Montaq den 19. April 1909.
36. Jahrgang.
D Das „schlechte" Zentrum.
Die Osterferien gehen zu Ende, und wieder nahen sich für die Blockparteien die Tage, von denen es heißt: sie gefallen uns nicht. Geschehen ist in diesen Tagen so gut wie nichts, um seitens der Blockparteien das Werk der Reichsfinanzreform zu fördern. Dagegen hat der Regierungsapparat, wie wir wiederholt bemerken konnten, sehr sauber und akkurat gearbeitet. Fürst Bülow wird seine Leute schon Herumkriegen, namentlich, wenn er erst die imposanten Abordnungen aus dem ganzen Reiche empfangen haben wird, die die ihn ihrer Zustimmung zur Regierungsvorlage versichern sollen.
Diese bedrängte Lage ist den Blockparteien sichtlich auf die Nerven gefallen, und es erhebt sich jetzt von Trier bis Memel ein tolles Geschimpfe der Blockzeitungen über den allein Schuldigen: Das Zentrum nämlich!
Es ist eine groteske Komödie, die die Blockleute da aufführen. Erst helfen sie mit dem an den Haaren herbeigezogenen Dezemberkrawall 1906 dem Zentrum den Stuhl vor die Türe zu setzen, wiffen dann des Jubels kein Ende, daß die „Ausschaltung" des Zentrums endlich gelungen ist — und nun, da sie am Ende ihres Witzes angelangt find, schreien sie allesamt: Niemand als das Zentrum ist schuld, daß der Reformwagen im Sumpf steckt.
Auf solche Gedanken kann nur jemand ver- ,allen, der von einer fixen Idee und vom Haß !geblendet ist. Man will doch unter keinem Üm- iänden, daß daS Zentrum auch nur mit einem tieinett Finger an der Finanzreform beteiligt «erde. Tut eS daS doch, um überhaupt wenig- stens etwas mitzuhelfen, das unerträglich gewordene Finanzelend zu beseitigen — wie es unstreitig der Antrag Herold-Müller (Fulda) getan hat — dann schreit man sofort: „Herrschasts- gelüste des Zentrums!", während es nichts anderes ist, als die schlotternde blasse Angst, der .innigstgeliebte Block könne an einer solchen Mitarbeit des Zentrums in die Brüche gehen.
Den Bogel hat unstreitig die ost vom Reichskanzler inspirierte ,K ö ln. Ztg.'abgeschossen, die tm Zentrum zunächst alle Schlechtigkeiten'vorwirst und es dann dafür verantwortlich macht, daß der brave Block nichts, aber auch garnichts hat leisten können.
Der Avg. Trimborn hatte in seiner Kölner Rede nach Darlegung des Zentrumsstandpunktes gesagt, die Blockparteien könnten ja allein den „Wagen aus dem Dreck ziehen". Darauf bricht nun die „vornehme" „Köln. Ztg." in folgendes Gekeife aus:
„Mit Verlaub. Wer hat denn den Wagen in den Sumpf geschoben? Das Zentrum war es mit der Klausel Frankenstein, den Lieberschen Gesetzen und der lex Trimborn. Die treibende Kraft für all diese unheilvollen Machenschaften, die einzig und allein den ganzen Jammer verschuldet haben, das war das Machtbedurfnrs des Zentrums, das sich als regierende Partei seine parlamentarischen Rechte, Budaetrechte und Einnahme- bewilltgungsrechte nicht wollte schmälern lasten, das mit seinen unseligen Ueberweisungen das Reich aus- hungern wollte, das die reichen Einnahmen des Reiches an die Bundesstaaten überwies und so iin Reichshaushalt ein ewiges künstliches Defizit schuf, um die Reichsregierung ewig in der Gewalt zu haben, um Erpressungen üben zu können, wenn es Parteiwünsche zu erfüllen galt. Diese Zentrumstaktik war der absichtlich aufgeworfene tiefe Graben, in den der Reichskarren heillos und fast rettungslos vom Zentrum geschoben ist. Und jetzt steckt dasselbe
K Samte des Geheimiffes.
62] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld.
Lord Wayne saß also einsam und allein in seinem Kabinett. Sergeant Elliot hatte um eine Unterredung mit ihm nachsuchen lassen, mit dem Bemerken, es handle sich um sehr Wichtiges, und Ke-nninghalls Gebieter fühlte sich nicht gerade erfreut darüber.
Was für ein Schatten lagerte über seinem Hause? Welche Wolke ballte sich dichter zusammen, verdunkelte die Sonne und machte ore Atmosphäre seines Hauses drückend und bevlem- mend, wie sie seines Wissens früher gewesen?
Ein Klopfen; Sergeant Elliot trat ein; mit scharfem Auge bemerkte er sofort das sorgenvolle Gesicht und niedergedrückte Wesen des Schloß. Herrn und zog daraus seine Schlüsse.
„Sie haben mich zu sprechen gewünscht, Sergeant," begann Mylord, auf einen Sessel deutend.
„Jawohl, Mylord, ich möchte mir Ihre Zustimmung zu einigen Maßregeln erbitten, die meiner Ansicht nach von Gerichts wegen getroffen werden müssen."
„Ich habe Ihnen doch freie Hand gekästen, sagte Lord Wayne hastig. „Sie können handeln, wie es Ihnen beliebt."
„Doch dies wird in Eurer Herrlichkeit Hauswesen eingreifen, und deshalb hielt ich sur nötig, es zu erwähnen Derartige Fälle sind immer unangenehm, besonders aber, wenn sie häusliche Unannehmlichkeiten verursachen."
„Was kann dies mit meinen häuslichen Ange- legenheiten zu schaffen haben?" forschte Lord Wayne. Leichte Ungeduld lag in seiner Stimme.
sehr viel. Ich muß Eure Herr- uchkeit bitten, nicht glauben zu wollen, daß ich bloß belasftgen will. Ich tue nur das, was ich für meine Pflicht halte "
Zentrum die Hände in die Taschen und sagt: Zieht den Karren allein aus dem Dreck! Es gehört eine ziemlich derbe Gervifsensverfassung dazu, in einet solchen Lage auch noch die verfolgte Unschuld zu heucheln. Mit solchem Trödel im Lande hausieren gehen, den einen gegen de« anderen aufhetzen, die verworrene Lage noch verworrener und die großen Schwierigkesten noch größer zu machen, das geht allgemach über das Erträgliche hinaus. Will das Zentrum ernstlich genommen werden, dann möge es endlich die Politik der Kniffe und Schliche, die ewige Hin- und Herrederei, aus dem kein Mensch mehr klug zu werden vermag, aufgeben und ehrlich sagen, was es will. Heute klagt es über Ausschaltung, und morgen macht es sich lustig über die, die es einladen, mitzutun; heute spricht es von würdiger Zurückhaltung, und morgen sagt es, es werde sich nicht in den Schmollwinkel drängen lasten, am Vormittag sagt es, wir kennen nur ein Motiv, das Interesse des Vaterlandes, und nachmittags sagt es: zieht ihr den Karren aus dem Dreck — kurz, da? Zentrum treibt ein Spiel, das auf die Dauer nicht nur ermüdend, sondern widerlich wirkt, weil es unehrlich ist. Das Zenttum kennt nur ein Ziel: Rückkehr zur Macht, und der Weg dahin führt über Block und Kanzler. Das Wohl des Reiches steht ihm erst in zweiter Linie, trotz aller Theatertränen."
In ihrer gestrigen Nummer hatte die Germania' gesagt, sie könne „mit besonderer Genugtuung feststellen, daß noch keine einzige Zeitung den Mut gehabt hat, das Zentrum als den schuldigen Teil bei der Finanzreform zu bezeichnen; wer diesen Vorwurf erheben wollte, würde dem allgemeinen Gelächter anheimfallen." Die.Germania' ist da doch etwas voreilig gewesen. Für einen rechten Blockmann ist nichts unmöglich, er bringt es auch fertig, den Block, der so jämmerlicher Weise seine absolute Unfähigkeit vor aller Welt bewiesen hat, als die atme verfolgte Unschuld hinzustellen und das Zentrum, das gern Mitarbeiten wollte, wenn es nur könnte, als den allein schuldigen Sündenbock in die Wüste zu schicken. Sind eS denn nicht gerade die Parteifreunde der,Köln. Ztg.', die Nationalliberalen, die dem Bülow'schen Wunsche nach Ausschaltung desZentrums am eifrigsten entsprochen und in der Kommisiion grundsätzlich gegen alle vom Zentrum kommenden Anträge gestimmt haben ? Die Herrschaften wollen ja gar keine Finanzreform, an der das Zentrum mit arbeitet. Nein, das Zentrum läßt nicht freiwillig den Karren im Drecke stecken, sondern Fürst Bülow uno die liberalen Blockleute wollen nicht zulaffen, daß es helfe. Auf welcher Seite unter diesen Umständen die „Machtg elü sie" liegen, die die ,Köln. Ztg.' dem Zentrum wieder einmal zum Vorwurfe macht, braucht nicht weiter erörtert zu werden. Der Vorwurf, daßdieF ra n ke n st e in s ch e Klausel unser Finanzelend mit verschuldet habe, ist einfach töricht. Diese Klausel, die bekanntlich die Ueberweisungen an die Bundesstaaten regelt, war unter den gegebenen Umständen die beste, vielleicht die einzig brauchbare Lösung einer finanzpolitischen Ordnung zwischen Reich und Bundesstaaten. Sie hat, indem sie auch die Bundesstaaten zu unmittelbaren Interessenten an der finanziellen Wohlfahrt des Reiches machte, lange Zeit heilsam gewirkt. Nicht sie hat das Finanzelend verschuldet, sondern allein die in den letzten Jahren eingeriffeve Unordnung in den Reichsfinanzen, vor allem das leichtherzige Draufloswirtschaften. Waren es nicht die Weltmachtpolitiker der nationalliberalen Großindustrie, die mit nationalem Hochdruck und unter steter Berufung auf die Person des Kaisers immer neue Flottensorderungen durchge- drückt haben, mochten sie auch noch so knüppel- dick kommen?
„Natürlich, und ich wünsche, daß Sie das tun."
„Es sind seht vterundzwanzrg Stunden seit dem Morde verfloffeN, und ich bin seitdem keinen Augenblick müßig gewesen, um zu entdecken, von wem die Tat begangen worden ist. Gewisse Schlußfolgerungen bringen mich zu dem Glauben, daß der Täter innerhalb des Hauses sich befindet — nicht außerhalb."
„Das ist ganz unnwglrch, sagte Lord Wayne mit großer Bestimmtheit. „Der unglückliche, junge Mann war uns nur sehr oberflächlich bekannt. Er hat mein Haus, glaube ich, keine dreimal in London besucht. Nur wenige Dtener, wenn überhaupt welche, haben ihn gesehen. Welches Interesse hätte irgend einer von ihnen an {einem Tobe haben können?" "
„Das ist's, was ich ausfindig zu machen habe. Ich hoffe, Eure Herrlichkeit nehmen mir die Frage nicht übel — aber glauben Sie, er habe vielleicht ein Verhältnis oder eine Liebschaft mir einem der Mädchen gehabt?"
„Nichts derart," erwiderte Lord Wayne etwas schwff. „Wie könnte das möglich sein? Er ist nie in seinem Leben auf Kenmnghall gewesen."
„Das glauben Sie, Mylord; aber der Herr eines Hauses weiß oft am allerwenigsten, was darin dorgeht."
„Ich kann mich dafür verbürgen, daß meine Dienerschaft so ist wie sie sein soll," sagte Lord Wayne, „sage« Sie mir aber gleichwohl, Sergeant, was Sie zu tun beabsichtigen, und es soll geschehen."
, "Nh bin also der Ansicht, Mylord, daß sofort uno ehe weitere Zeit verloren geht — ehe vielleicht noch vorhandene Beweise vernichtet werden können — ein Geheimpolizist im Schloß stationiert wird, um das Geheimnis zu enträtseln, während ich dw Untersuchung draußen fortsetze." _ _ . Gllurbon Sie wirklich, das sei notig? fragte Lord Wayne mit sehr verdrießlicher Mtene.
„Wenn ich davon nicht vollständig überzeugt
+ Englische Unfreundlichkeiten.
Es hat in Deutschland mit Recht Befremden erregt, daß die englische Hetze die deutsche Politik und besonders unsere Flottenrüstungspolitik durch den SBefudj König Eduards in Berlin nur für ganz kurze Zeit — man kann es eine kärgliche Anstandsfrist nennen — ausgesetzt wurde.
Kaum war König Eduard wieder nach London zurückgekehrt, da begannen die wilden Flottendebatten im Unterhause, die bekanntlich mit dem Resultat endeten, baß in diesem Jahre anstatt der ursprünglich in Aussicht genommenen vier Dreadnoughts acht dieser stärksten Panzer auf Stapel gelegt werden sollen. Die würdige Haltung, die das deutsche Volk gegenüber der englischen Panik büvahrie, ist wohl nicht ganz wirkungslos geblieben, indes wäre es ein großer Irrtum zu glauben, daß die englischen Besorgnisse völlig ansgeräumt worden seien. Im Gegenteil sehen wir mit Betrübnis, daß ein großer Teil der englischen Presse fortfährt in dem Bestreben, das englische Volk fiüt unnötiger und ungerechtfertigter Furcht vor Deutschland zu erfüllen und es mit dem Gedanken eines Seekrieges zur Vernichtung der deutschen Flotte vertraut zu machen.
Vor wenigen Tagen veröffentlichte z. B. die „Morningpost", das angesehenste und einflußreichste konservative Organ, an der Spitze feines Inseratenteils eine vermutlich in ihrer Redaktion hergestellte umfangreiche Annonce mit der Ueberschrift „Die deutsche Drohung", deren Inhalt allerdings derart ist, daß man es verstehen kann, wenn das Blatt ihn nicht mit seiner eigenen Verantwortlichkeit decken will.
Der Alarmartikel geht von der Behauptung aus, der stehende Trinkspruch in allen deutschen Marinekasinos gelle der dereinsttgen kriegerischen Abrechnung mit der britischen Flotte. Diese Abrechnung, durch die Deutschland die Herrschaft über die Weltmeere an sich zu reißen gedenke, bereite es planmäßig vor. Es habe die feste Absicht, sobald der richtige Zeitpunkt gekommen scheine, England hinterrücks und ohne Kriegserklärrmg zu überfallen. Wörtlich heißt es dann weiter: „Der Krieg ist also ganz unvermeidlich. Aber nicht uns trifft die Schuld. Unsere Sache ist gerecht. Wir haben keinen Streit gesucht, wir haben sogar oft genug zum Beweise unserer Friedensliebe R istungsbeschränkungen angeregt, aber immer vergeblich. Noch sind wir übermächtig an Schiffen und Mannschaften. Schlagen wir also los, solange wir als die Stärkeren des Stege8 gewiß sind. Jeder Aufschub ist selbstmörderischer Wahnsinn; wächst doch Deutschlands Seestreilmacht mit jedem Tage. Könnten wir doch nur d ieser d rutschen Flotte auf der Stelle ans Leben, wir wären gesichert für alle Zeiten."
Man muß sagen, das ist starker Tabak! Man kann sich leicht ausmalen, welche Wirkung dreser aufreizende Artikel in der breiten Masse der Engländer haben wird. Einen ähnlichen Alarmruf stößt der Londoner „D a i l y T e l e g r a p h" aus. Er erblickt in den Ereignissen in Konstantinopel einen neuen Grund zu Befürchtungen für England.
Es existiere, sagt das Blatt, kein Europa mehr Statt dessen habe inan es mit der riesenhasten Tatsache einer fast uneingeschränkten deutschen Herrschaft zu tun. Die beiden Staaten Deutschland und Oesterreich verfügten zusammen über eine enorme Bevölkerung, und man dürfe nicht vergessen, daß die österreichische Armee trotz ihrer Raffenverschiedenheiten den Mut und die Tüchtigkeit besitze, die sie zn einem hartnäckigen Gegner Friedrichs und Napoleons gemacht habe. Deutschland, statt in einer"Weise isoliert zu sein, die seine übertriebenen Flottenrüstungen rechtfertigen würde, sei mit der nächststarken Militärmacht Europas verbündet und habe zum ersten Male in seiner Geschichte alle seine Nachbarn in seiner Gewalt. In den letzten vierzehn Tagen habe Deutschland, ohne das Schwert zu ziehen, Rußland eine zweite Zuschima- Niederlage beigebracht. Es gebe nur zwei Mächte, die
wäre, Mylord, so würde ich mir nicht erlauben, es Ihnen in Vorschlag zu bringen."
„So tun Sie also, wie Sie wollen — tun Sie, was notwendig ist," erwiderte der, Schloßherr müde. „Es wird sehr ungemütlich sein, das läßt sich aber natürlich einmal nicht ändern."
„Es wird nicht so ganz schlimm sein," fuhr Sergeant Elliot fort. „Ich kenne einen Detektiv, der wirklich in seiner Art ein feingebildeter Mann ist, Inspektor Sinclair; er gehört zum Detektiv- Bureau von London, und wenn irgend etwas Un- angenehntes in einer Familie wie in diesem Falle sich ereignet, so wird er stets und unweigerlich für die Sache gewählt."
„Tun Sie, wie Sie wollen," wiederholte Lord Wayne.
„Ich habe nur auf Eurer Herrlichkeit Zustimmung gewartet," fuhr der Sergemrt fort. „Ich dachte ihm direkt zu telegraphieren. Es wird am besten sein, wenn der Zweck seines Besuches hier ftrenn geheim gehalten wird; denn wäre er bekannt, so würden die Absichten, die uns leiten, natürlich von vornherein vereitelt sein. Vielleicht wäre es das Beste, wenn er als Künstler zum Studium der Gemälde, oder etwas Derartiges in's Schloß eingeführt würde."
„Machen Sie das, wie Sie wollen," war die Erwiderung. „Mir ist die Idee, einen Geheimpolizisten mitten unter uns zu wissen, im höchsten Grade zuwider, das gestehe ich offen. Derlei tst wahrlich nichts Angenehmes; wenn es Recht und Gerechtigkeit aber verlangen, — nun gut, so mag's gesehen." ,
„Dann will ich die Sache also vnverzuglrch in die Wege leiten," sagte Sergeant Elltot, und erhob sich.
Hätte jemand sein Mienenspiel scheu können, als er diese scheinbar gleichgültige Bemerkung machte so würde er tiefes Mitleid darin haben lesen können. Doch Lord Wayne saß da, den Kopf in die Hand gestützt, und machte nur eine verabschiedende Handbewegung. —
den gründlichen Versuch gemacht haben, sich den modernen internationalen Verhältnissen anzupaffen. Eine dieser Mächte sei Deutschland, die andere Japan. In beiden Ländern werde jeder Mann sür den Dienst des Vaterlandes zu Lande oder Wasser geschult. Nur wenn England zu Lande und zu Wasser sich den Gefahren gewachsen mache, werde die englische Zukunft der englischen Vergangenheit an Größe entsprechen können.
Wenn ein 'ernstes Blatt wie der Daily Telegraph in solcher Weise an der Stimmungsmache gegen Deutschland sich beteiligt, so ist es nicht zu verwundern, daß die Blätter niederen Ranges für ihre Hetze jedes Mittel recht finden. Der „St a nd- a r d" bemüht sich, Deutschland für die jüngsten Ereignisse in Konstantinopel verantwortlich zu machen. Er läßt sich von einem in London weilenden Jungtürken verraten, daß die liberale Union und der Sultan nur die Rollen spielten, die ihnen der deutsche Kaiser zuerteilt habe. Zur Förderung der Jntriguen würden ungeheure Geldsummen von deutscher Hand in Konstantinopel ausgegeben. Daß diese Erfindung auftauchte, war eigentlich zu ertoarten; noch bei jedem Ereignis in Konstantinopel, das England unbequem war, hat die englische Presse Deutschland als den Schuldigen bezeichnet.
Es ist also nicht zu verkennen, daß augenblicklich die Stimmung in England uns gegenüber s o feindlich und gehässig ist, wie vielleicht lange nicht mehr. Die Gründe liegen klar zutage. Die Entwickelung der Balkankrisis hat die englischen Pläne, mit Hilfe des Triple-Entente Deut sch land zu demütigen, zu Schanden gemacht. Der Dreibund steht heute stärker da als je vorher. Italien, das eine Zeit lang 'aidjt übel Lust zeigte, sich auf die Seite Englands zu schlagen, ist toieber näher an Deutschland und Oesterreich gerückt. Aus Japan sind Meldungen gekommen, daß dieses die Konvention mit England kündigen wolle. Insbesondere die letztgenannten Momente, die Trübung des Einvernehmens mit Italien und Japan, sind der englischen! Politik außerordentlich unangenehm. Die Bun- desgenoffenschast dieser beiden Mächte nämlich sollte England in den Stand setzen, feine ganze Flottenmacht in der Nordsee zu konzentrieren. Hört die Bundesgenossenschaft auf, so muß ein beträchtlicher Teil der englischen Flotte nach dem Mittelmeer und nach Ostasien entsandt werden. Dies erklärt auch den tieferen Grund der Flottenpanik in England.
Das Verhältnis zwischen Deutschland unS England ist heute so nichts weniger als friedlich. Der Zwist wird aber zu kriegerischen Verwickelungen nicht führen, sondern auf diplomatische Kämpfe sich beschränken. Wir wenigstens denken nicht an einen Krieg mit England, sondern hoffen, daß ein schiedliches Auskommen mit England möglich sein wird. Auf der anderen Seite ist allerdings Grund zu dösigem Opttmismns auch nicht vorhanden, und wir möchten annehmen, daß die Englandsschwärmer in Deutschland von ihrem Wahne, ein Schutz- unb Trutzbündnis mit England erreichen zu können, nachgerade gründlich geheilt sein dürften.
Deutscher Reich.
** Berlin, 18. April 1909. Der ,ReichS« anzeiger' veröffentlicht den Wortlaut deS Wein» gesetzeS vom 7. April 1909 unb den Beschluß des Bundesrates betr. die Satzungen der deutschen Kolonialgesellschaft „Diamantenregie bei südwestafrikanischen Schutzgebietes von 25. Februar 1909. — Der Kronprinz trat am Samstag abend von Berlin aus feine Reise nach Bukarest an. Er trifft daselbst am Montag ein.
Das Ergebnis dieser Unterhaltung war, daß binnen einer Stunde das ganze Schloß wußte, daß ein Zimmer für Herrn Sinclair instand gesetzt werden sollte, einen Herrn, der die Gemälde besichtigen wollte. 1
In weniger denn sechs Stunden war Herr Sinclair bereits in seinem Zimmer installiert. Er wurde von Sergeant Elliot an der Bahn abgeholt, und die beiden hatten zunächst eine lange Unterhaltung auf dem Privat-Zimmer Elliotts. Im Verlauf derselben zog der Sergeant ein sorgfältig in Papier gewickeltes Armband aus der Tasche, worauf Blutflecken und Schmutz wie von feuchter Erde sich befanden.
„Verlassen Sie sich darauf," bemerkte der Ser- geant, „wir sind dabei auf der richtigen Spur, was für ein Geheimnis auch noch dahinter stecken mag."
„Was für eipe Frau ist es?" fragte Herr Sinclair.
„Sehr schön — sehr stolz und würdevoll, eine, von der Sie zu allerletzt denken würden, daß sie in etwas Derartiges verwickelt sein könnte."
„Aelter oder jünger als der Ermordete?" fragte Herr Sinclair.
„Aelter, fünfzehn oder sechzehn Jahre älter," war die Erwiderung, worauf Herr Sinclair nichts weiter fragte. —
Er wurde bald sehr populär im Schlosse. Er sagte den Mädchen so reizende Komplimente, daß sie alle hingerissen waren. Wenn er aber eine von ihnen bevorzugte, so war es augenscheinlich Jeanette, Myladys Zofe.
Er folgte ihr wie ein Schatten, bekomplimen- tierte sie, schmeichelte ihr, trug die unwandelbarste Hingebung für sie zur Schau.
„Ich habe gehört," sagte er ihr am Tage nach seiner Ankunft, „daß in Lady Wayue's Ankleidezimmer ein prächtiger Correggio hängt."
„Was ist ein Corregio?" fragte die hübsche kokette Jeannette, der ihre tadellose Frisur teurer war, als alle Gemälde der Welt.
(Fortsetzung folgt 1