Fuldaer W Zeitung
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Monatsbellager „Zuldaer Seschichtsblatter"
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»otationrdruSund Verlag der Kuldaer At- ttendruckerei in Lulda Lernsprecher Rr. 9.
Fulda, Samstag den 17. April 1909.
M 86.
36. Jahrgang.
Drrittes WLertt.
«Aue TMt und wissen.
---- Der neue „Z H
Der neue „Z II" ist nahezu fertiggestellt. Aus Friedrichshafen wird darüber geschriebne: Nur wenige kleine Teile, tote Höhensteuer, Rückenflossen, Stabilitätsflächen wurden, weil die alte Halle zu schmal und niedrig ist, noch nicht angebracht. „Z II" hat eine 16kantige Form, 136 Meter Länge, 13 Meter Durchmesser und 15 000 Kubikmeter Inhalt. Das Aluminiumgerippe ist in Zellen abgeteilt, in denen die 17 Einzelballons untergebracht sind. Diese Ballonetts bestehen mit Ausnahme eines einzigen aus einfachem gummierten Baumwolltuch. Nur ein Ballonett ist versuchsweise aus Goldschlägerhaut (das bei der Fabrikation des Blattgoldes gerauchte oberste Häutchen des Blinddarms der Rinder) gefertigt. Im Herbst unternommene Versuche mit Bollo- 'nette aus beiden Hüllen haben für die aus Baum- Wolltuch bestehenden ganz günstige Ergebnisse gehabt. Wenn jedoch sämtliche Ballonetts aus Goldschlägerhaut gefertigt würden, würde ihr Preis auf über 200 000 Mark zu stehen kommen und den Gesamtpreis für ein Luftschiff außerordentlich verteuern. Zur Aufnahme der Motore und der Mannschaft dienen wieder zwei Aluminiumgondeln, die etwas größer als bei „Z I* find. Die Gondeln sind unten nach vorn hin mit starken Gummikissen versehen, damit ein etwaiges Ausstößen beim Landen auf festem Boden vermieden wird. Die innere Einrichtung der Gondeln ist wie bei „Z I". Die beiden Daimler- motore, die von dem verunglückten „Z II" her- rühren, sind in der Mitte der Gondel untergebracht. Sie leisten jeder 110 Pferdekräfte und sind 600 Kilogramm schwer. Die beiden Gondeln sind durch den Laufgang verbunden. Die im alten „Z II" in den Laufgang eingebaute Kabine mit Schreib- und Schlafgelegenheit wurde als überflüssig weggelassen, weil das Luftschiff nur für militärische Zwecke bestimmt ist. Dabei wurde das Gesamtgewicht vermindert. In der Mitte des Laufganges ist zwischen zwei Gaszelleit ein Schacht in das Gerippe eingebaut, in dem eine Treppe nach oben führt, und in einem Ausguck endet. Von hier aus ist es möglich, bei Fahrten über Wolken oder in der Nacht sich wie bei der Seeschiffahrt mit Hilfe von Sonne, Mond und Sternen zu orientieren. Bei den bisherigen Luft- zschiffen arbeiteten die Schrauben und Motore bischer so laut, daß man die Annäherung des Luft- fchrffe- schon auf mehrere Kilometer vernehmen konnte. Versuche mir zwei statt der bisherigen drei Flügelschrauben haben ein sehr günstiges Ergebnis gehabt. Das Geräusch der Schrauben ist ganz gering geworden. Solche zweiflügelige Schrauben tverden bei „Z II" verwendet. Die Höhensteuerung, die sich dauernd vorzüglich bewährt hat, ist in der bisherigen Konstruktion beibehalten. Im Gegensatz zu „Z 1" hat „Z II" wieder das große ovale Hecksteuer, das durch den größeren Durchmesser des neuen Schiffes und die größere Luftverdrängung notwendig wird, und bei dem Echterdinger „Z II" bereits vorzügliche Arbeit geleistet hatte. Die Stabilitötsflosfen, die dem Luftschiff den ruhigen Gang geben, sind bei „Z II" etwas länger gehalten. Die zwischen den Stabilitätsflächen eingebaute Seitensteuerung hat statt zwei, drei Steuerrahmen erhalten. Auch die starke Rückenflosse ist sichtbar. Die Gasfüllung wird in Zukunft wesentlich billiger zu stehen kom- men, Nach den allerneuesten Nachrichten auf nur etwa 1500 Mark. '
* Korf«.
Als die Nachricht von dem Ankauf des einst der ermordeten Kaiserin Elisabeth von Oesterreich gehörigen Schlosses Achilleion auf der griechischen Insel Korfu die Runde durch Europa machte, vermuteten viele Leute, die Insel werde Nun bald ein Schauplatz für die Spekulanten- Tätigkeit werden, die alles aufbieten würden, um die bisherige Stille zu verscheuchen und den Boden für sich in Gold umzuwandeln. Man sprach auch vvn einer Spielbankgesellschaft, aber deren Mitglieder sitzen unter einer Betrugs- mtd Schvindelanklage hinter Schloß und Riegel. Und so ist Stadt und Insel Korfu im Wesentlichen kaum verändert gegenüber den früheren Zeiten. Fremde kommen tooftl nach der Insel, schauen sich das Kaiserschloß und die Stadt an, aber dann achen sie auch wieder. Eine Amüsementsstadt ist hier nicht zu finden, sckläftig und still ist es abends schon zeitig in allen Straßen und Gasten, und das bezaubernde Schloß Achilleion läßt keinen Fremden zu für einen bauernden Aufent
halt..
Dem Kaiser, der jetzt zum zweiten Mal feinen südlichen Besitz auftucht, hat das Achilleion bereits eine erhebliche Summe für Ausbauten und Verschönerungen gekostet. Eine ganze Reihe von Kahren war wenig für die Unterhaltung ge- fchehen, und der Bau war nie so recht solide ge- wesen. Heute bestehen Ordnung und Aufsicht in strenger deutscher Gewissenhaftigkeit, und fremde r' öw in der Abwesenheit des Kaiser- bereitwillig Zutritt erhalten, sind des 8» den heutigen fremden Gästen ge- ^,^"^?^_??hlreiche geheime und andere Poli- zetbeamte^ sie kommen der Vorsicht wegen, denn l™'1 Ä ' A/aum ein besonderer Anlaß vorhan- den, bwr Anarchisten und sonstige Uebeltäter zu
vermuten. Die Bewohner der Insel machen keine großen Ansprüche, weder an das Leben noch an die Arbeit, und ihr politischer Ehrgeiz, den sie wie alle Griechen besitzen, erstreckt sich nur auf innere Angelegenheiten.
Eine Spur von modernem Leben haben die Automobilen dös Kaisers in die korfiotische Stille gÄbrwht und für die Inselbewohner selbst waren sie der Anlaß für eine regelrechte Ordnung im Straßenbau. Natürlich kostet der Geld, aber der kaiserliche Besuch bringt ihnen Loch weit mehr ein. Und bleiben die Touristen wohl nicht viel länger, so können ihnen doch andere Preise, wie einst, abverlangt werden.
P. New-Yorker Hafenleben.
Das Newyorker Hafenleben bildet in seinen mannigfachen Schattierungen, seinem sinnverwirrenden Getriebe, seinem beständigen Hin und Her ein Bild, das weder Feder noch Pinsel Vollständig wiederzugeben vermögen.
In der Nähe des Hafens, da wo die Konsulate der fremden Mächte sich befinden, nimmt der Broadway seinen Anfang. In den ersten Häusern dieser prächtigsten aller Newyorker Straßen befinden sich die Bureaus der Bremer, Hamburger, Rotterdamer, Antwerpener und anderer Schiffahrtsgesellschfften, deren Schaufenster mit Plakaten, Seekarten und Globen ausgestattet sind, die Ankunft und Abfahrt der Dampfer anzeigen. Keine andere Straße Ncwvorks ist so belebt, wie der Brodwoy. Von früh bis spät herrscht hier ein unbeschreibliches Gewühl. Europäer, Chinesen, Japanesen, Schwarze, kurz, alle Nationen der Erde geben sich hier ein Stelldichein. In der Nähe des Hafens, besonders in der Greenwich-Street, befinden sich die „Hotels" für die europamüden Einwanderer. In fast allen Sprachen und unter den verlockendsten Namen leuchten die meist in grellen Farben gehaltenen Schilder dieser Herbergen den scharenweise mit Sack und Pack anrückenden Fremdlingen entgegen. Ist ein Ozeandampfer angekommen und hat sich dessen lebendige Fracht auf das Land ergossen, Umschau haltend, wo sie nun auf ein paar Tage gute und billige Unterkunft finden könnten, so finden sich auch stets die Schlepper und Bauernfänger auf der Landungsstelle ein. Es ist ein geradezu anwiderndes Bild, wenn man sieht, wie die sogenannten Schlepper, die im Dienste der Einwandererherbergen stehen, sich um die Ankömmlinge reifen und nicht selten kommt es hierbei zu blutigen Schlägereien. Während die Schlepper bemüht sind, die Ankömmlinge für ihre „Hotels" zu gewinnen, lauern die ebenfalls stark vertretenen Bauernfänger unausgesetzt auf Beute und suchen ihre Opfer unter Anwendung der raffiniertesten Kniffe zu betrügen und cmszu- rauben. Wir möchten an dieser Stelle nicht verfehlen, etwaige Amerikalustige davor zu warnen, sich den obengenannten Schleppern anzuvertrauen, denn die „Hotels", für die sie arbeiten, haben es meistens nur darauf abgesehen, den unwissenden Fremden so lange als möglich zu halten, um ihm möglichst viel Geld abzuknöpfen. Ist er schließlich nicht mehr zahlungsfähig, dann wird er unter Zurückbehaltung seiner Bagage an die Luft gesetzt. Hunderte von Koffern, Kisten, Säcken, Handtaschen usw., die in diesen Hotels aufge- stapelt sind und dem aufmerksamen Fremden nicht entgehen können, legen ein beredtes Zeugnis ab für die große Anzahl derjenigen, die von diesen gewissenlosen Wirten solange zurückbehalten wurden, bis das Geld alle war, und dann unter Zurückbehaltung ihres Gepäcks hinansge- worfen wurden.
Nun zurück zum Hafen. Für den Binnenländer, der das Seeleben nur aus Abbildungen ober Erzählungen kennt, ist der Hafen stets eine Hauptsehenswürdigkeit. Gegenüber von New- york, auf der anderen Seite des Hudson, liegt Hoboken. Dort entwickelt sich die Hauptkraft des Nsvyorker Hafenlebens. Hier sind die Anlegestellen der Hamburger, Bremer, Rotterdamer, Antwerpener und noch vieler anderer SchiffahrtS- gesellschaften. Mit Staunen betrachtet der Fremd- ling den Koloß, der vor ein paar Stunden angekommen ist und nun schon einer großen Anzahl fleißiger Hände Arbeit verschafft. Aus dein mächtigen Bauch des Schiffes bringt der Dampf- krahn ächzend und knirschend Kisten und Fässer, Säcke und Ballen gleich zu halbdutzendweise zu- sammeng^unden, herauf, sodaß man jeden Augenblick wähnt, die Kette müsse reisen und die ganze Last krachend in die Tiefe stürzen. Hier am Hafen beim Aus- und Einladen der Ozean- dampfer bekommt die „Landratte" erst einen richtigen Begriff von dem ungeheuren Umsana des Welthandels.
Nirgends mehr als im Hasen gilt das Sprichwort: „Zeit ist Geld!" Tag und Nacht wird hier rastlos ein- und ausgeladen; im Hafen gibt es eigentlich keinen Feierabend, denn des Nachts setzt beim fahlen Schein der elektrischen Bogenlampen der Dampfkrahn feine Tätigkeit fort Ueberall schlägt Riffen und Schreien, Handeln und Feilschen, zuweilen auch Fluchen und Strei- ten an unfet Ohr; hier werden Waren aus aller Herren Länder in großen Haufen am Ouai auf- gestapelt, um von da in die großen Speicher und Magazine verbracht ober in die am Hasen bereit- stehenden Eisenbahnwagen verladen zu tverden während dort fdjtoere Lastwagen, von kräftigen Pferden gezogen, Proviant für einen am nächsten Tage fahrenden Schnelldancpfer beranbringen Fortwährend hasten größere und kleinere Fahr^ zeuge durcheinander. Da fährt ein Dampfer schwer mit Gütern beladen, dort zieht langsam' ein Lotsenkutter hinaus, an der majestätischen Statue der Freiheit vorbei. Eben stößt unter wehmütigen Klängen der Schiffskapelle einer jener ftfitoimiiienben Paläste des Norddeutschen
Lloyd vom Lande ab, dem heimatlichen Strande entgegen, wird jedoch bald überholt von einem kleinen Dampfer, der mit Windeseile dem Hafen entlang eilt. Kurz, der ganze Hafen gleicht einem Mastenwald.
Mit hereinbrechender Nacht beginnt in den in der Nähe des Hafens liegenden Straßen ein eigenartiges Lben und Treiben. Aus den Seemannskneipen erklingt lustige Musik, in deren Klang sich die Lieder der Seeleute hineinmischen. Neben diesen ziemlich harmlosen Kneipen, wo der Seemann den Abend verbringt, gibt es aber auch noch andere, die weniger harmloser Natur sind. Wir meinen damit die Verbrecherspelunken, die sich in den düsteren und verrufenen Straßen befinden. Mancher Einwanderer ist des Nachts in eine solche Räuberhöhle hineingeraten ober aus freien Stücken, nicht wissend, wohin er seine Schritte lenken soll, hineingegangen, um sie nachher mit leeren Taschen und vielleicht einigen Messerstichen wieder zu verlassen. Betreten wir eine dieser obskuren Spelunken. Es sind ziemlich viele Gäste da. Den größten Teil bilden Ein- Wanderer; neben letzteren drückt sich aber auch allerlei Gelichter herum, das an den harmlosen Fremden seine Kunst im Falschspiele oder sonstigen Betrügereien versuchen will. Von einer Anzahl Einwanderer umgeben, steht in Mitte der Gaststube in ziemlich reduzierter Kleidung ein verschmitzt aussehender Mensch, der das große Wort führt, und dem trotz seines heruntergekom- menen Aussehens die Umstehenden aufmerksam zuhören. Er ist ein .Bauernfänger. Ist es ihm gelungen, durch irgend ein Falschspiel oder durch Aufdringen einer Ware von einigen Cents Wert mehrere Dollars zu erhaschen; dann verschwindet der Spitzbube so schnell wie möglich im Dunkel der Nacht, ehe sein Opfer den Betrug entdeckt hac. Hier finden wir neben dem Einwanderer, der sich in Amerika eine neue Heimat gründen will, auch den flüchtig gewordenen Handlungskommis, der mit dem veruntreuten Gelbe spielt, und L.n Farmer ans dem Innern der Union, dem seine Dollars ziemlich lose in der Tasche sitzen. Hier werden sie alle auf die leichteste Weise von der 7.3elt ihr Geld los. Vielen Einwanderern wird in diesen Kaschemmen innerhalb weniger Stunden ihre ganze Barschaft abgenommen und mittellos stehen sie dann auf der Straße.
Gegen 1 Uhr nachts ist die Musik in den Seemannskneipen gewöhnlich verstummt Und in den Straßen wird es stiller und stiller. Nur vom Hafen herüber tönt das Pusten und Pfauchen der Dampfkrähne, die noch mir dem Ein- und Ausladen beschäftigt sind.
* Blumen am Hause.
Die Möglichkeit, Blumen- ober wenigstens Pflanzenschmuck anzubringen,, besteht mit ganz geringen Ausnahmen überall;i es kommt nur darauf an, daß die Wahl richtig getroffen wird. Auf engen Höfen gedeihen noch Farne der ber- schiedensten Art; sie brauchen nur etwas Nährboden : ein paar Karren voll alter Bauschutt, ungesiebt wie er angefahren wird, bildet einen vorzüglichen Pflanzgrund, nachdem der Hausen vorher gut durchfeuchtet worden war. Einige Felsbrocken dazwischen und Maiblumen, Waldmeister, Efeu und andere Pflänzchen des Waldes haben hier eine gute Heimstätte, wenn man durch Gießen und Bespritzen für die nötige Feuchtigkeit und Sauberkeit sorgt. Wo nur Halbschatten herrscht, da gedeihen außerdem noch Begonien, Fuchsien, Heliotrop und manche andere Pflanze, ber wir allerdings etwas lockere Erde geben müssen, um die Pflanzen zum guten Gedeihen zu bringen.
Blumen am Fenster sind ganz besonders da- zu angetan, um das Heimische und Trauliche einer Wohnung zu erhöhen und nicht mit Unrecht kann man aus dem Aussehen der Blumen am Fenster, aus der Art ihrer Anordnung ober ihrer Pflege auf die persönlichen Eigenschaften des Pflegenden schließen. Sinn für Blumenschmuck kann nur solchen Menschen eigen sein, die überhaitpt für das Schöne und Gute begeiste- rungsfähig sind und sich nicht ausschließlich mit den nüchternen Dingen des Alltags allein beschäftigen. Es gibt aber auch nichts anderes, was so tote die Blumen dem Aeußeren wie dem Innern des Hauses ein solch freundliches Ge- präge zu geben vermöchte; selbst das nüchternste Zimmer und das architektonisch vernachlässigste Haus getoinnt durch den Blumenschmuck und oft kommen die Blumen gerade da am meisten zur Geltung, wo ihre Wirkung durch nichts anderes beeinträchtigt wird. Aber auch bei reicher architektonischer "Gliederung des Hauses sind sie von guter Wirkung, wenn ihre Anordnung mit Geschick getroffen wurde und wenn man sie an der rechten Stelle anbringt.
Neuerdings hat man seitens der Verschönerungsvereine, der Gartertbau- oder der Verkehrs- Vereine und der Vereine zur Hebung des Frem- denverkchrs damit begonnen, Preise auf die am schönsten geschmückten Fenster, Erker, Balkons, Loggien, Veranden, Aufgänge Freitreppen, Gallerien, Höfe usw. auszufetzen, um fo zu mög- lichst allgemeiner Teilnahme an der Schmückung der Häuser auzuregen. In vielen Städten sind biefe Anregungen auch auf fruchtbaren Boden ge- Men und die Ergebnisse der Konkurrenzen be- Meisen, daß die Anteilnahme an diesem schönen Unternehmen alljährlich immer allgemeiner wird, mm Nutzen der dadurch verschönerten Städte und auch zum Nutzen der solche Blumenpflege treibenden Bewohner. ' Durch Blumenschmuck verschönerte Straßenzüge gewinnen ungemein an Aussehen und an Zuspruch seitens der besuchenden Fremden, tote anderseits hinwiederum die sich solcher Blumenpfloge hingebenden Bewohner aus dieser Betätigung manche Anregung schöpfen
und durch gelungene Ausschmückung viel Freude haben, die zu immer weiterem Streben auf diesem Gebiete anregt.
Die Architekten kommen dem Blumenfreunde aber heute auch in jeder Beziehung entgegen und geben ihm durch die Anordnung von Vorsprüngen, Balkonen, Erkern, Brüstungen und dergleichen die Möglichkeit, mit Pflanzen besetzte Kästen, Topfe, Urnen, Vasen und sonstige Blumengefäße sicher und so aufzustellen, daß sie bequem gepflegt werden können. Eine passende Ergänzung hierzu bilden die großen Kübelpflanzen, deren Verwendung deshalb sehr empfehlenswert ist, weil man mir ihrer Hilfe leicht Abwechselung in eine Gruppe von niedrigen Pflanzen bringen kann und so die Wirkung zu erhöhen vermag. Unterstützt wird der gute Eindruck der Schmückung ganz wesentlich durch die stilvolle Architektur des Hauses.
Für sonnige Balkons sind Pelargonien und Petunien, daneben auch noch Kapuzinerkrefie (Tropaeolum), Verbenen, Hängenelken, Lobelien, Margerithen, einjähriger Phlox, Wicken und dergleichen am geeignetsten. Sie entwicklen sich auch zur höchsten Schönheit, wenn sie einen guten Nährboden und fortgesetzt gute Pflege erhalten, wodurch sie eine Menge Blüten entfalten.
Allerlei.
— Das Latein in den Schulen. Nahezu 6000 Uebersetzungen in das Lateinische und aus dem Lateinischen haben die wissenschaftlichen Prüfungskommissionen auf Veranlassung des Unterrichtsministeriums durchgesehen und darüber berichtet. Es handelt sich nach der „Franff. Ztg." um Arbeiten, die im Ostertermin vorigen Jahre- bei den Reifeprüfungen ber Gymnasien und Realgymnasien geliefert worden sind. Nicht weniger als 19 Universitätslehrer waren an dieser Arbeit beteiligt. Alle Gutachten stammen in der Anerkennung der Tatsache überein, daß sich im allgemeinen das Können auf dem Gebiet des lateinischen Unterrichts seit der letzten Durchsicht im Jahre 1896 erheblich gehoben hat. Die Professoren loben sogar mehrfach mit warmen Worten bie Gründlichkeit und Gewissenhaftigkeit des Arbeitens, die fast überall den Unterricht beherrsche. Die grammatische Unsicherheit sei merklich zurück- gegangen. Zu wünschen laste aber noch die Wort- kenntnis. Auch fei vielfach der Sinn für den Unterschied zwischen dem lateinischen und deutschen Satzbau nicht genügend entwickelt. In einzelnen Fällen scheine auch ber Lateinunterricht auf ber Oberstufe in ungeeigeten Händen zu liegen.
— Der Eisenbahnkvnig auf Reifen. Wenn Herr Harriman, ber amerikanische Eisenbahnkönig, ber Arbeit müde ist, besteigt er mit feiner Familie seinen SonderFug, um auf dem wßitge- dehnten Eisenbahnnetz ein wenig spazieren zu fahren. An bestimmten Punkten hält ber Zug, wird auf ein totes Gleis geschoben, und Harriman! freut sich mit den ©einigen ber Landschaftsbilder,! die ihnen bie unfahrplanrnäßige Reise in bunter Mannigfaltigkeit erschließt. Der für Harrimans persönlichen Gebrauch bestimmte Wagen enthält ein Bibliothekzimmer, ein Frühstückszimmer, ein Schlafzimmer mit Badekabinett und einen Aus- sichtssalon, ber Gelegenheit bietet, die Gegend zu bewundern. Der zweite Wagen enthält mehrere Schlafzimmer. Der dritte ist teils als Küche ein- gerichtet, teils als großer Speisesaal. Der vierte dient Bureauzwecken, der fünfte endlich enthält bie Räume für das Dienstpersonal und die Gepäckkammer. Sobald der Zug hält, werden die telegraphischen Apparate des Bureaus an bie Telegraphenlinie ber Bahn angeschlosten, mit ber Harriman seine Befehle nach jedem Orte ber Vereinigten Staaten gelangen lasten kann. Das Dienstpersonal besteht aus drei Sekretären, einem Arzt, einem Rechtsanwalt, zwei Stenographen, zwei Telegraphisten, fünf Köchen, einem Haushofmeister nebst einem Stabe von Bediensteten, -a.
— Wert der Vögel für den Landwirt. Ein Statistiker hat ausgerechnet, wie hoch der Wert der Waldvogel für den Bauer und Gärtner cmzu- schlagen ist. Er geht davon aus, daß jedes Vogelnest durchschnittlich fünf Jahre enthält und daß während des Zeitraumes von vier bis sechs Wochen, solange die Nesthäkchen von den Eltern gefüttert werden, jedes Vöglein ungefähr 50 Wür- > mer. Fliegen ober andere Infekten täglich der- speist. Während eines Monate würde also eine Brut 7500 Insekten vertilgen. Wenn man nun annimmt, daß jedes Insekt während seiner Lebenszeit nur je ein Stück Apfel, Birne, Pfirsich ober Pflaume vernichtet, so sind durch die Tätigkeit eines Vogelpaares bereite 7500 Früchte gereitet. Dieser Ansatz wird noch sehr gering genannt, denn eine große Anzahl Insekten tut viel mehr Schaben als angenommen. Eine kleine Fliege z. B. verursacht den Blunrenzüchtern all-! jährlich großen Verlust, indem sie die jungen Chryfanthernum-Knospen anfrißt, wodurch bie- Blume wertlos wird. Eine von diesen Fliegen i hat in einem einzigen Tage 60 Knospen ange»! bohrt und dadurch ihrem Besitzer einen Schaden von ca. 100 <M, zu gefügt. Durch den Schutz der Vogelnester und Eier wird der Schaden, den bie Insekten anrichten, erheblich vermindert, waS einem tatsächlichen Mehreinkommen ber Gärtner, und Bauern gleichkommt.
— Verrannt. Frau: „Denke Dir nur, Eduard,; der reiche Meier ist gestorben und hat zwei Millionen Mark hinterlassen!"— Mann: „So — da möchtest Du wohl gerne feine Witwe seinI?" — Frau: „Aber,. was denkst Du, Männchen l Natürlich möchte ich^ lieber Deine Witwe feinst'
— Begütigung. .Lachen Sie über mich?" ,Nee, nee. Sie sehen blos einem Vetter von mir ähnlich, der is so ein Rindvieh — und über den lach' ich." - '