36. Jahrgang-
Fulda, Freitag den 16. April 1909
M 85.
Gvstes ^3latt
schwer schädigenden
entrüstet. ri , . , f ,,
Das „Verl. Tagebl." glaubt noch fortgesetzt auf die engen Beziehungen des Herzogs v. Aren- berg zu Belgien und seine belgische Mutter Hinweisen zu sollen. Aber wie viele deutsche große Herren- bis zum Träger der Krone hm haben nicht eine ausländische Mutter gehabt Sogar der älteste Sohn des Fürsten Bismarc hat seinen Kindern in der Gräfin Hoyos erne englisch-österreichische Mutter gegeben. Daß man auf liberaler Seite gelegentlich keinen Anstoß
«UUUV vvv
80] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld'
.Also Gott befohlen, Werner! Ich wollte, ich könnte Deinen Kummer teilen, oder ihn Dir tragen helfen. Weißt Du auch — eigentlich hier rm hellsten Sonnenschein sollte ich mich schämen, daß ich's sage — aber ich habe tatsächlich schon den ganzen Morgen eine unheiniliche Ahnung, als ob uns allen etwas furchtbar Unangenchmes bevor- stände." , ,, . .
Werner hatte keine Zeit mehr zur Antwort, denn der Zug war schon in Bewegung; aber öiefi Worte verfolgten ihn auf dem ganzen Wege nach tzlton. —
an der Wahl eines geborenen Ausländers nimmt, zeigt der Fall Börtinger rm Wahlkr^se Mettmann. Herr Böttrnger ist Mitglied der Dr- rektion der Farbenfabriken vorm. Frredr. Bayer u. Co. und ist vor einigen Monaten ins Herren- haus berufen worden. Als er 1891 zum ersten- male ins preußische Abgeordnetenhaus gewählt wurde, mußte noch zwischen Urwahl und Abge- ordnetenwahl seine Naturalisation als Deutscher herbeigeführt werden. Bis dahrn war nämlich Herr Böttingsr Engländer gewesen.
Der Herzog von Arenberg hat tn Belgien usw. große Besitzungen, das ist richtig, aber hat nicht auch Fürst Bülow sein Schloß in Rom? Hat nicht der Fürst von Bückeburg seine größten Besitzungen in Oester.reich? Der Herzog hat auch in Deutschland enormen Grundbesitz tnt Herzogtum Arenberg-Meppen, er hat, um in Deutsch- land einen passenden Sitz zu haben, das Ester- hazysche Schloß Nordkirchen angekauft, auf dem er seinen eigentlichen Wohnsitz hat und den größten Teil des Jahres lebt — genügt das nicht etwa? Der Herzog ist ferner seit einer Reihe von Jahren Mitglied des preußischen Herrenhauses und nimmt an dessen Beratungen lebhaften Anteil, zeugt das von undeutscher Gesinnung? Er hat, obwohl er gar nicht dazu verpflichtet war ,in der preußischen Armee gedient und sogar der Garde angehört. Da hat er es wohl nicht erst nötig, sich von der liberalen und Blockpresse bezeugen zu lassen, ob er deutsch genug ei, um in den Reichstag eintteten zu können. Die Liberalen, denen er nicht gefällt, brauchen ihn ja nicht zu wählen; die Zentrumswahlsr aber werden sich durch die liberale Hetze und durch dumme Anekdoten nicht irre machen lassen. Im Gegenteil, sie werden sich sagen: wenn die Liberalen und Blockleute ihn in einer Welse anfeinden, wie man es sonst selbst bei den schärfsten Wahlkämpfen nicht gewohnt ist, so muß seine Wahl diesen wohl ä u ß e r st u n g e l e g e n kom- men, und sie werden ihn e r st r echt wählen.
X Die Ausstellung des Herzogs von Arenberg
als Zentrumskandidat im Reichstags. Wahlkreise Warendorf-Lüdinghausen macht der tt- beralen Presse fortgesetzt große Beschwerden. Wir verstehen das, denn nichts kann ia den Charakter des Zentrums als Bolksparter tre.fucher illustrieren, alr daß darin der nach der Rangordnung h ö ch st st e h e n d e A d e l t g e des Reiches neben dem einfachen Arbeiter Platz findet und beide sich politisch einander anpassen. Das ist in keiner anderen Partei möglich, darum gönnt man es auch dem Zentrum Nicht und möchte es, wenn möglich, Hintertreiben. Darum sucht man den Herzog und seine ganze Familie durch läppische Anekdoten, die man sich aus Brussel berichten läßt, lächerlich zu machen und herab- zusetzen, und bestreitet seine deutsche Gesinnung. Ein liberales Blatt 'läßt sich sogar von einem katholischen Geistlichen schreiben, er verdanke die Aufstellung seiner Kandidatur u. a. auch dem Versprechen, dem Zentrum in Berlin einen großen Parteipalast zu errichten! Die „Rhein.-Westf. Ztg." veröffentlicht eine Zuschrift, die sie von einem Katholiken erhalten haben will. Es wird darin das Gespenst einer Doppelkandidatur kunst- lich an die Wand gemalt. Es heißt dort nämlich:
.Man beabsichtigt im hiesigen Wahlkreise dem Herzog einen bürgerlichen Kandidaten entgegen* zmrellen. Dieser ZentrumSgegenkandtdat hat gar nicht so geringe Aussicht, statt des langatmigen, offenhandigen Herzogs nach Berlin geschickt zu werden. Man ist in den Kreisen des Handels, des iSewerbes erbost darüber, daß das Zentrum auf diese Berufsarten so wenig Rücksicht nimmt, daß man jetzt statt des verstorbenen Kaufmanns Wattendorf noch einen Agrarier als Kandidaten prü! eruiert. Und in den Kreisen der kleinen Landwirte ,'r man dem „Bauernhöfeschluckei" auch nicht sonderlich grün. Die katholische Arbeiterschaft dürfte ebenfalls geschloffen gegen den Herzog stimmen."
Der Wunsch ist hier offenbar Vater des Ge- tankens gewesen. Die Spekulation auf die ka- thorische Arbeiterschaft, die angeblich geschlossen gegen den Herzog stimmen soll, wird sich als verfehlt erweisen. Ob der Herzog von Arenberg zur Abrundung seines Besitzes Bauernhöfe an- aekauft bat, ist uns nicht bekannt. Wir können uns selbstverständlich nicht damit befreunüen, wenn der kleine und mittlere Grundbesitz durch Ankäufe reicher Großgrundbesitzer ausgeschaliet wird, wir halten jede Vernichtung einer selbständigen Existenz im Zeitalter der Trustbe- lvegung für ein großes liebel. Aber was hier dem Herzog von Arenberg nachgesagt wird, ist bei den nationalliberalen Großindustrie tagtäg- lich zu beobachten. Es zählt nach zehntausend von Morgen Landes, die beispielsweise im Kreise Moers von den verschwägerten Familien Lieb- re ch t-H a n i e l erworben worden sind, von dem Fürsten Henckel-Donnersmarck auf Neudeich ganz zu schweigen, der in Oberschlesien weit mehr als hunderttausend Morgen Landes an sich gebracht und dann ftdeikomnnssarrsch für ewige Zeiten festgelegt hat. Darüber hat sich die jetzt so besorgte liberale Preise nie
Deutsches Keich.
** Berlin, 15. April 1909. Gegen den Gesetzentwurf über die Erhebung von Schifs- fahrlsabgaben nehmen die Ärbeitsausschüste der Rhein-, Weser- und Elbe-Interessenten Stellung. Sie haben ihre Bedenken in einer ausführlichen schriftlichen Kritik niedeigelegt.
** Das Kaiserpaar unternahm am Donnerstag in Benedig Spazierfahrten. Die Abreife nach Korfu erfolgt am Freitag früh 5 Uhr, die Ankunst daselbst am Samstag.
(*) Die Zeppelinspende. Graf Zeppelin ver- öffentlicht eine Erklärung, in der er über die Verwendung der Volksspende Rechenschaft ablegt. Der Gesamtbeirag der Spende beläuft sich auf 6 096 555 Mark. Umfassende Anlagen zum schnellen Bau von Luftschiffen sind in Ausführung begriffen. Verschiedene Untcrnehmunqen zur Förderung und Hebung des Luftschiffbaus erhalten Unterstützungen. Untersuchungen und wiffenschaftliche Versuche aller Art sind im Gange, sodaß für lange Zeit Deutschland im Luftfchifsbau und in der Luftschiffahrt an der Spitze der Völker stehen wird. — Das wird unsere englftchen Vettern mal wieder au'regen 1
)( Die Reklame für unsere Kolonien will anscheinend nicht recht ziehen. Tas kolonial- wirtschaftliche Komitee veröffentlicht eine Uebersicht über die bergrechtlichen, geologischen und bergbaulichen Verhältnisse, sowie über die Landesbestimmungen und Verkehrsverhältnisse unserer Kolonien, besonders der südwestafrika-
Lrscheint täglich mit Ausnahme der So.m« und Feiertage viertel- ISHrlichervezugrpreir ohne Sringerloh« und VrstestgeldMzuldass. wie auswärts 1.50 HU.
Verantw. Redakteur? «art Schütter
ÄÄ W* Illustrierte Sonntagszeitung
Inzwischen kehrten Lord Wayne und der Earl Nach Kenninghall zurück.
„Es ist äußerst fatal für ZA Fest, lieber Nreund," sagte Lord Roms«). „Wie wenig las- fen wir uns träumen, was so em paar Stunden nicht alles zu Wege bringen können!
Ach ja! wie wenig! -•
Als sie sich der stattlichen Freitreppe näherten, kam der Obergärtner, ein älterer Mann, der feit Jahren bereits in Wayne'schen Diensten gestan- den, seinem Herrn mit ernstem Gesichte entge- ^„Was gibt';, Southall?" fragte Lord Wayne, betroffen über das n i edengeschlagene Aussehen des Mannes. , „ , .
„Mylord, ich habe etwas sehr Unangenehmes zu berichten. Ich habe e8 soeben erst entdeck. Der Hauptast der KönigSzeder ist vollständig abgebrochen und liegt am Boden."
Lord Waynes Gesicht wurde schr blaß.
„Wann hat sich das ereignet?" fragte er nach einer Pause.
„Es muß während der Nacht geschehen sein, «roftpr- »/vfrnMttag noch in der
Nischen Kolonie, um die „vielfach verbreitete irrige Meinung" zu zerstreuen, daß die gesetzlichen Bestimmungen für den Schüler in den deutschen Kolonien weniger günstig seien, als tn anderen , Ländern. — Während Staatssekretär Dernburg , vor einer allzugroßen Auswanderung nach den i Kolonien warnen zu müffen glaubte, wird hrer also geradezu an die Geldgier vieler Krepe ap- irlliert, um sie zur Auswanderung nach Afrika zu ^"^" ^ityepnnft der sozialdemokratischen Hetzarbeit gegen die christlich organisierten Ar- beiter bildet wohl eine, die hier schon ewahnte Rede die der sozialdemokransche Reichslagsabg. des Wahlkreises Bielefeld-Wiedenbrück S ev erin g in einer Versammlung gehalten hat. Wie em -seuqe in dem Beleidigungsprozeß des christlichen Gewerkschaftssekretärs Seupke gegen den verant- wörtlichen Redakteur der ,Arbe terzeitung' in Esten, Oskamp, bekundete, hatte der Vertrauens- mann der Sozialdemokratie folgendes ge'agt:
bürft mit den Christen nicht sprechen, ihnen nichts zeigen, damu sie nichts verdienen, dis der letzte Mann davon wieder h,nausgeekelt tft lind weiter: „Es ist ja nicht schön, wenn die Chust- tichen Haue bekommen, ledoch, wenn Ihr einmal warm seid, dann aber feste, damit ie aenng bekommen."
Die Folge derartiger Auslaffungen war denn auch, wie die Gerichtsverhandlung weiter ergab, ein allgemeiner Streik, nicht jedoch zur Erringung besserer Lohnverhältniste, sondern lediglich, um nach den Worten des Hern Severing die christlich orgamsierteu Metallarbeiter „hin aus zu- ^"Dortmund, 14. April 1909. Der Kaiser hat fein Erscheinen bei Der Jeter, die der Graf- tchaft Mark au5 Anlaß ihrer 300jährigen Zu- gehörigkeit zu Preußen im Auguft auf Hohen- fyburq begeht, zugewgt.
* Dresden, 15. April 1909. Das Befinden les Prinzen Max von Sachsen ist heute etwas besser, das Fieber nahezu geschwunden.
* Pelplin, 1 t. April 1909. Der Halalis- mus beginnt sich foaar in den öffentlichen Krankenhäusern breit zu machen. _ Bekanntlich besteht seit längerer Zeit eine ministerielle Verfügung, kraft deren die Kandidaten der Medi in nach Ablegung ihres Staatsexamens verpflichtet find, ein Jahr lang in einer größeren Heilanstalt tätig zu sein, welche das Recht, solche Kandidaten zu beschäftigen, erlangt bat. Der Medrzinairal und Kreisphysikus Dr. Wagner, der Leiter der Kreisanstalt in Schwitz, h«t nun, rote der „Piklgrzym" meldet, auf das Gesuch eines Me- dignalprak ikanlen polnischer '.Nationalität, ihn für ein Jahr zur Ausübung der Praxis tn der von ihm geleiteten Anstalt zuzulassen, u. a. folgendes geantwortet: „Wenn Sie katholisch lind. Dann haben Sie schriftlich die Erklärung beizusüaen, daß Ste festen, deutsch-nationalen Grundsätzen huldigen, und das Ver'prechen ab- zugeben, daß Sie sich von allen polnischen Umtrieben fern halten wollen."
* * Abg. Trimborn über die politische Lage.
In einer großen Zentrumsverfammlung, die in Köln am Mittwoch stattfand, sprach Abg. , Dr. Trimborn zwei Stunden lang über die ■ Vorgänge im Reichstage und Landtage. Be- sonders eingehend verbreitete er sich über die ■ beiden wichtigsten Ereignisse der letzten parla- ; mentarischen Tagung, über die Besprechung des ■ Kaiser-Znterviews und Die Reichs-
finanzreform. lieber die Novemberkrists
MariaN's blasse Lippen bemühten sich berge- bens, einige Worte des Trostes zu flüstern, v'.e Zunge schien ihr am Gaumen zu kleben, ne brachte kein Wort heraus. Die weißen Arme umklammerten sie, das schöne verzweiflungsvolle Ge- sicht starrte sie wild an.
„O Marian, Marian," rief die jammervolle Stimme, „hilf mir! O Himmel, was soll ich tun? Was soll aus mir werden?"
Treu bis zuletzt, treu, wie sie ihr ganzes Leben hindurch gewesen, versuchte Marian, sie zu beruhigen. ... ,,
„Mein Liebling, Du hast ja nichts zu furchten, sieh, ich bin hier, sei doch ruhig.".
„Aber er ist tot!" rief sie mit wildem schrecken'm ihren Augen, „er ist tot!"
„Das ist nicht Dem Fehler, herzlrebste Eve. Tu hast nichts damit zu tun. Es tut mir ja auch sehr leid um ihn. Vielleicht kam er hierher, um mich oder seinen Bruder zu besuchen. Es kann Dich ja gar nichts angehen."
Doch alles war vergebens. Die Erinnerung an alles, was vorgegangen — der Schrecken uno die Erregung jener fürchterlichen Stunde unter den Lindenbäumen, das gräßliche Entsetzen, als sie sich mit Blut bedeck gefunden und ihn tot zu ihren Füßen hatte liegen sehen — alles stürmte mit einem Male wieder auf die unglückliche Frau ein, und mit einem gellenden Aufschrei, der Marion jäh empor fahren ließ, fiel Lady Wayne in eine todesähnliche Ohnmachr.
Angst und Not malten sich in Miß West's Zügen. Hastig schellte sie und befahl der erschreckt herbereilenden Zofe, sofort einen reitenden Boten nach Kennigschorpe zu Dr. Roberts zu schicken. Lady Wayne sei gefährlich krank. Die Zofe eilte davon, und Marian fetzte sich, nachdem sie alle zur and befindlichen WiederbelebungSmittel erfolg- angewandt, ängstlich wieder am Bette ihrer Schwester nieder, horchte, wie die Eauwagen mu ben enttäuschten Gästen eine nach der anderen wieder abfuhren, und fragte sich bange, was in
Nähe und habe nichis Außergewöhnliches bemerkt- jetzt liegt der Ast da, gerade, als wenn ihn jemand heruntergerissen hätte." ,
Warum ist denn das em so großes Unglück?" fragte der Earl, verwundert von einem bekümmerten Gesicht Sum andern blickend
Mit schwachem Lächeln versetzte Lord Wayne:
Ach Sie kennen die Keninghall-Ueberliese- run'gen nicht. Wenn von dieseni Bauine ein Zweig Lbbricht, so ist das Glück des Hauses zu Ende. ~ie har seit vielen Generationen bestanden; dies ist das erste Zeichen des Niederganges. Sollen wir nicht bingeben und uns die Sache ansehen?"
Sie gingen hin, und da, rm Grase, lag der mächtige Ast des großen alten Baumes, tote von Riesenband abgebrochen.
Lord Romsey sagte nichts; sein feines Gefühl sagte ihm, daß sein Freund beunruhigter und. bv-ftorter war, als er ein gestehen wollte. Er hielt es für das Zartfühlendste, chn zu Verlassen.
„Sollte ich noch irgendetwas für Sie tun Ion- nett, lieber Freund, fo schicken Sie sofort zu mir; vergessen Sie nicht, daß ich Ihnen zu jeder Stunde, des Tages ober Nachts, zu Diensten fce- hässlich fein will. Blicken Sie nicht fo ängstlich drein über biefen abgefaüenen Ast, eine Sage ist schließlich bloß eine Sage. Auf fröhlicheres Wiedersehen, lieber Freund!"
Doch lange, nachdem der Earl ihn verlaßen, stand Lord Wayne noch stnnend und starrte dm mächtigen Ast ort.
„Kann unserem Hause Uebles drohen?" gisi. bette er, „uns, die wir so lange wie auf Felsgrund gestanden?"
„Southall," wandte er sich schließlich an den Gärtner, „lassen Sie den Ast fortwerfen und so- ge» Sie nichts von dem, was vorgefallen."
53. Kapitel.
Eine fixe Idee.
Wir verließen sie, als sie sich tn Todesangst ratlos anftarrten, diese beiden Schwestern, die einander alles in allem gewesen.
ührte er n. a. aus:
Mit Recht hat Graf Praschma tn ferner viel, bemerkten Dürener Rede gesagt; man könne heute in dem Wirrwar des Klatsches, der sich um dte November- Ei eignisse gebildet, noch nicht klar sehen; viele Punkte, die den Zusammenhang der Ereignisse bilben, seien noch nicht geklärt. Man hat den Eindruck, als ob bet dem Novcmbersturm künstliche Mache erheblich mitgewirkt habe. Deshalb ist es gut gewesen, daß das Zentrum im Reichstag in den Lärm nicht etngeftnnmt hat. Der Redner des Zentrums, Frhr. v. Hertling, hat zwar die Unrichtigkeiten in der Veröffentlichung des ,Daily Telegraph' zurückgewiefen, im übrigen aber sich nur an den Reichskanzler, der allein verantwortlich war, gewandt. Als ganz ungewöhnlich muß folgendes hervorgehoben werden. Richt nur tn den Reihen des Zentrums, sondern auch bei anderen Parteien ist es ausgefallen, wie lahm und schwach die Haltung des Kanzlers in der Abwehr der überaus scharfen Angriffe gegen den Kaiser war. Auch diesem Eindruck hat Graf Praschma in Düren Ausdruck gegeben. Er har daran erinnert, wie der Reichskanzler gegenüber tnti weniger schroffen Angriffen des Abg. Richter tm Jahre 1903 die Perlon des Kaisers mit ganz anderer Energie und Entschlossenheit gedeckt habe. Die Novemberdebatten zeigten noch einen bedeutsamen Zug: Allgemeine Unzufriedenheit, fast s» etwas wie Katerstimmung. Oder ist es kente Sätet»; itimmung, wenn der Führer der Alldeutschen und Antlfemiten sich zu der Mahnung ausichwingt: -W« lollten das Festfeiern aufgeben! Das Klingklangglort« und das Hurrageschrei beiseite lassen! Es muß aller», dings gesagt werden, daß die ewigen und laute« Hurraschreter vor allem sich aus den Kreisen jener Üeberpatiiolen rekrutieren, die so schnell bei der Hano sind, anderen die nationale Gesinnung abzusprechen.
Einen breiten Raum nahm in den Ausführungen des Abgeordneten die Reichsfivanz* re form ein. Mit aller Entschiedenheit stellte er feft, daß nur der Reichskanzler und die ver» bünbelen Regierungen schuld daran find, wen« bisher so wenig erreicht worden ist. Der Reichskanzler wolle nicht, daß in dieser Frage das Zentrum mitwirke, deshalb habe er dte Annahme des Antrags Herold-Müller (Fulda) hintertrieben. Den Blockparteien habe er erklä« ren lasten, es gehe nicht an, daß in der Frage der Finanzreform ein grundlegender Beschluß flee faßt werde, der auf Anträgen des Zentrums be-l tut)?, " ’ Zentrum müsse ausgeschaltet bleiben. War nicht geradezu eine unwürdige Komödie^ blamabel und beschämend? Eine vernünftige Regierung fragt nicht, wenn zur Lösung einer Frage ein annehmbarer Vorschlag gemacht wird, von welcher Partei er kommt. Sie hat übet den Parteien zu stehen. Aoer dem Zentrum gegenüber ist alles erlaubt, das darf en canaill« behandelt werden. Arbeitet es nicht mit, dann heißt es: Seht das antinationale Zentrum! Ar« bettet es nach besten Kräften mit, da heißt es: Weg mit ihm, nationale Fragen lösen wir allein, find die Seele dieses nichtsnutzigen, unsere varlamentarische Sage schwer schädigenden Treibens ist der höchste Beamte des Reiches, oerfelbe Reichskanzler, der Jahre hindurch große nationale Fragen nur mit Hilfe de- Zentrums der Lösung entgegen führen konnte. Bismarck war gewiß ein scharfer Gegner de- Zentrums, aber diese Kampsesweise bat er doch verschmäht, selbst in der größten Hitze des Kulturkampfes. Weiter erklärte der Redner: es könnte eine Situation eintreten, die es geboten erscheinen faste, daß das Zentrum sich völlig passiv und negativ verhalte. Vorläufig aber werde das Zen« hum an der Reform Mitarbeiten. ES würde : aber keinen Pfennig indirekter Steuern bewilligen, i bevor nicht allermindest 100 Millionen . Besitzsteuer endgillig beschlossen seien, und
diesem Hause, worüber seit einigen Stunden ein wahres Verhängnis zu schweben schien, demncühft wohl Vorfällen würde,
• Wie viel mochte ihre Schwester wißen? War» um zeigte sie so außergewöhnliche Erregung, so schreckliche Furcht? Jack hatte sicherlich fein Geheimnis nicht oerraten. Schnüffler und Spion mochte er sein, aber ein feierlich beschworenes Versprechen zu brechen, dazu war er doch wohl nicht niedrig und gemein genug. Sicherlich die sch ne Frau, die hier blaß und still wie dep Tod lag, wußte nicht, daß ihr Geheimnis entdeck war.
Marian West verwarf diese Idee alsbald als unv'ahrfcheinlich. War der Verrat seines Geheimnisses doch gleichbedeutend mit dem Verlust des Geldes, wonach et getrachtet, dessentwegen er spioniert und intriguiert hatte fein halbes Leben lang. Ein Schurke mochte er gewesen fein, ein Dummkopf jedenfalls nicht; und es war nicht wahrscheinlich daß er, hatte er länger gelebt, je fo dumm gewesen wäre, sein goidbrmgendes Geheimnis zu betraten.
Nein; es toar keine andere Erklärung für Lady Wayne's Aufregung und Angst möglich, al» die Gemütserschütterung über die Kunde, daß ein derartiges, unheimliches Verbrechen sozusagen auf der Schwelle ihres eigenen Hauses verübt worden war.
.Ihre Schwester rührte sich nicht; wäre nicht der leise Herzschlag bemerkbar gewesen, so hätte man sie für tot hatten können, und Marian saß und grübelte und sann und bemühte sich, das Geheimnis zu enträtseln, das alle Bewohner Ken- ninghalls beschäftigte.
Was hatte Jack Jefferies dorthin gÄracht? Hatte er s i e vielleicht sehen und sprechen wollen? Ein Teil ihres Vertrages aber toar der gewesen, daß er, sobald die Auszahlung des Geldes fest geregelt, sie nie mehr belästigen solle.
(Fortsetzung folgt.)
Anzrrgen: Die ein. fpaltige Petitzeile oder deren Kaum 15 psg. Neklamendiepetitzeile 25 pfg., bet Wiederholungen wird entspr. Rabatt gewährt.
Rotationsdruckund Verlag der LuldaerÄk- _ „ , . , . , ...... tiendnnkerei in Fulda
Monatrbevage: „gulbaer Geschichttblatter Zernsprecher Ur. 9.