Maer W Zeitung
MonatrbeAager »Luldütt SeschichtZbläüer"
rvochenbeimse:„IlmstrierLeSonntagrzeitung"
36. Jahrqanc;
Fulda, Donnerstag den 15. April 1909
JV3 84.
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verantw. Redatteurr «ar» Schütter
Diesen Auslaffungen gegenüber bemerkt ein bekannter Finanzpolitiker des Zentrums in der Mln. VolkSztg/, daß sich die Stellungnahme des Zentrum- zur Nachlaß st euer in keiner Weife gründ d hat, und daß eS diese, wie in der Kommission, so auch im Plenum des Reichs- tagrs, ab lehn en wird. Was die Besteuerung der Erbschaften betrifft (nicht zu verwechseln mit der Nachlaßsteuer), so hat da« Zentrum be- kanntlich bereits 1906 für daS Reichserbschafts- steuergesetz gestimmt; jetzt liegt dem Reichstage em Regierungsentwurf betr. Abänderung dieses Gesetzes vor, der jedoch eine Ausdehnung der Steuer auf Ehegatten und Kinder nicht enthält; das Zentrum hatte also auch bisher keine Veranlassung, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Bringen die Regierungen einen Gesetz- entwurf betr. Ausdehnung der Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehegatten, oder wird ein ernst- hast zu nehmender Antrag von anderen Parteien gestellt, fo wird das Zentrum noch Zeit genug haben, darüber seinen Entschluß zu fassen. Was aber die Bemerkung betreffend Erweiterung der „Liebesgabe" betrifft, so ist schon nach- gew esen worden, daß die Beschlüffe der Kommission keine Erweiterung, sondern eine Be- schrünkung der Liebesgabe um jährlich 18 Millionen Mark bedeuten. Wir tonnen uns dabei aus ein Gutachten des Reichsschatzamtes stützen, das im Herbst 1908 aufgestellt worden ist. Welche Liebesgaben durch das Monopol den Brennern zugedacht werden sollen, darüber haben wir erst jetzt das geeignete Material zur Aufklärung erhalten. Wenn wir diese Nachweise veröffentlichen, wird man überrascht sein, welche Summen den Beteiligten da erst in Aussicht gestellt worden sind. Das sehn- süchtige Verlangen vieler Beteiligten nach dem Monopol ist unS jetzt erst recht erklärlich ge- worden.
„---Lady Wayne, wenn Sie nicht kann
men, teerten Sie es bereuen, so lange tote —■"
„Alles was ich hier sehe, macht die Sache immer rätselhafter," sagte Werner. „Ich weiß bestimmt, daß meine Mutter in ihrem ganzen Leben keine hundert Pfund ihr Eigen genannt hat; wie oder woher mein Brüter dies befonunen, weiß ich absolut nicht."
„Hm", bemerkte Sergeant Elliot, „wenn wir das nur erst teiffen, glaube ich, wird sich bald mehr Herausstellen."
„9Ör6 Wayne," begann Werner, „das Beste wird fein, ich gehe nach Elton und hole meine Mutter hierher. Wenn sie dies zuerst aus einer Zeitung oder von geschäftigen Nachbarn erführe, würde sie den Schlag kaum verwinden können. Wenn also Lord Romsey mir die Zeit bewillige? will und Sie damit einverstanden sind, möchte ich sie holen. Vielleicht kann sie etwas Licht in diese Angelegenheit bringen, die uns allen so vollständig unerklärlich ifh"
Lord Romsey bat Werner natürlich, frei über seine Zeit zu verfügen, und drängte zur sofortigen Abreise.
„Denn Sie sofort aufbrechen, können Sie heute abend noch in Elton sein," sagte er, „und Ihre Mutter könnte allerfrühestens erst morgen früh von dem Unglück erfahren."
Sie verließen also das Tottnzimmer.
Es war allen eine Erleichterung, wieder draußen im goldenen Sonnenschein zu st^en und die frische, reine Gottesluft voll einzuatmen. —
Lord St. Gilbert begleitete seinen Freund bis an den Zug. Die Freundschaft zwischen ihnen war einzigartig fest und innig; beide schienen nicht einmal daran zu denken, daß ein Unterschied in Rang und Stellung Mißten ihnen bestand, daß sie sich gewisiermaßen als Arbeitgeber und Arbeitnehmer gegenüber standen. Sie waren einander wahre, liebe Freunde.
"Fortsetzung Wat)
irgend etwas, von wo aus tetr unsere Nachforschungen beginnen können."
Er offnere eine kleine Handtasche und winkte Werner, näher zu treten.
Werner machte große Augen vor Verwunderung. Da war zunächst eine prächtige goldene Uhr und Kette, letztere nidjt von der auffälligen, blinkenden Doubls-Sorte, womit der arme Jack sich früher so breit gemacht, sondern eine Kette, die der erste teste Millionär hätte tragen können, Ähne sich damit zu schämen, und eine Uhr, die mindestens ebenso gut war.
„Was auch immer die Veranlassung zu dem Morde gewesen sein mag, ein Raub ist jeden- falls nicht beabsichtigt worden", sagte Sergeant Elliot mit großer Bestimmtheit; „diese Uhr und Kette allein sind sicher fünfzig Pfund wert."
„Wo kann er das nur her bekommen haben?" murmelte Werner erstaunt. „Ich begreife es ganz und gar nicht," wandte er sich dann an den Sergeanten. „Wir sind ganz arme Leute. Ich kann mir gar nidjt teufen, tote mein Bruder in den Besitz solcher Sachen gekommen fein kann."
„Auch dies sicht nicht gerate nach Armut aus," fuhr ter Sergeant unbeirrt fort, öffnete eine prächtige Börse, die voller Goldstücke war, und zog dann aus eine Seitenrasche derselben noch ein Päckchen Banknoten hervor. „Hier find noch über dreihundert Pfund. Ihr Bruder muß auf irgend eine Art und Steife Geld erlangt haben, wovon Ihnen nichts bekannt ist, Herr."
„Ja, so muß es fein," sagte Werner nachdenklich. „Hai sich sonst nichts gefunden?"
„Eine Brieftasche, aber fic enthält sehr wenig. Ich habe natürlich alles genau durchgesehen. Eine Logis-Rechnung aus einem Orte, namens Ab- botsville, ein Eisenbahn-Billet, und ein zerbrochener Ring, das ist alles."
Sergeant Elliot hütete sich wohl zu sagen, daß er außerdem noch einen abgerissenen Fetzen £pier gefunden hatte, worauf in Jacks Hand- :ift stand:
’ Im Banne i>es Geheimnisses.
79] Aus dem Englischen von Ä. v. Raesfeld.
Dann erhob er sich von den Knien und legte . die Hand auf die Brust des Toten.
„Mein Bruder," sagte er leise, „wer hat Drr dies getan? Wer ist Dein Feind?"
„Es muß ein unglücklicher Zufall gewesen sein," sagte Lord Romsey. „Wer könnte, wie sie sagen, so grausam sein und einen wehrlosen Menschen zu Boden schießen?"
Werner bedeckte seine Augen mit der Hand. „Was wird meine Mutter sagen? — Er war ihr Liebster Sohn."
„Man sollte sie holen," sagte Lord Wayne. „Ich brauche wohl nicht zu sagen, Herr Jefferies, wie tief ich diesen so äußerst unglückseligen Vorfall bedauere, noch auch wie aufrichttg mein Wunsch ist alles zu tun, was in meinen Kräften siebt sowohl für Ihre Familie, als auch, um Licht iu dies Geheimnis zu bringen. Ich versichere Vhnen, Ihrem Bruder soll dieselbe Ehre erwiesen werden, als wenn es mein eigener getoefen wäre."
Werner drückte ihm nur stumm die Hand. Dann näherte sich Lord St. Gilbert.
„Berner", sagte et leise, „hat Dein Bruder sicht in einem seiner letzten Briefe mal erwähnt, er wolle nach Kenninghall kommen?"
. „Sein, nein, das ist viel früher gewesen; neu- eröingz ist eine große Veränderung mit ihm vor» gegangen — eine Veränderung, die meine Mutter sehr besorgt gemacht —, er hat allerlei Redens- orten gemacht von großem Reichtum, der ihm zugefallen, von einem ganz andern neuen Leben, ba§ jid» ihm eröffnet habe. Er hat allerlei kostspielige Gewohnheiten angenommen^ und was «ei«e x i er hauptsächlich beunruhigte, war der umstand, daß er immer bares Geld besaß. Es r flQr nicht lange her, daß sie mir einen Engen Klagebrief über alle diese Sachen geschrie- vr. aber von meinem Bruder selbst habe ich feit
* Als Ersatzsteuern für tee abgelehnten Steuern auf Gas und Elektrizität sowie auf Anzeigen soll die Regierung nach der „Deutsch. Tagesztg." vorbereiten erstens üine erhebliche Erhöhung des Kafs-eezolls. zweitens eine Steuer auf al- f oho (freie Getränke, insbesondere auf solche, die als Lurusgetränke gelten können, und drittens eine Zündhölzchensteuer, die als Vorläuferin des Zündhölzchenmonopols gedacht ist. Dazu würde eventuell noch eine Kohlen- förderungssteuer kommen.
-r- Abg. Dr. Pansche verteidigt sich im ,Tacft gegenüber den Vorwürfen, daß er «IS Vorsitzender der Reichsfinanzkommission die Schuld an der Verschleppung der Reichsfinanz, resorin trage. Mit Recht konstatiert Dr. Paasche, daß sämtliche Kommifsionsmitglieder bei der Ueberfülle der Arbeit es an Fleiß ivahrhaftig nicht haben fehlen laffen. Aber man werde sagen: die Sache sei falsch angefaßt! Dr Paasche fragt, wie man eS hätte bester machen sollen, und tritt dann der in der öffentlichen Meinung immer mehr um sich greifenden Auffaflung entgegen, als habe die Fmanzkommiffion nun endlich einmal zur Nachlaß- oder Erbanfallstener Ja und Amen zu sagen, und das nationale Werk der Rettung unserer Finanzen fei vollendet. Die Nachlaßsteuer sollte für das Reich 63 Millionen bringen, „hoch gerechnet", wie Herr Eydow selbst sagte. Der wahre Ertrag wird also wenigstens
-s-Haltet de» Dieb!
ßo ruft der Spitzbube, der sich entdeckt sieht und nun die Verfolger auf falsche Spur locken will. Genau so macht es jetzt ter Freisinn, um feine in der Geschäftsordnung skorn- Mission des Reichstages verdiente ungeheuere Blamage zu verdecken.
Bei den Reichstagsdebatten übet die Minister- Verantwortlichkeit im Dezember vorigen Jahres ist von den Nationalliberalen und den Freisinnigen ein Ausbau der Reichs tagsgeschäftsoodnung in der Richrung angeregt worden, daß an die Besprechung einer Interpellation sich die Stellung tun Anträgen anschließen tonn, und daß ferner das in England übliche Institut der sogen, kurzen tatsächlichen Anfragen für uns übernommen werde. Diese Bemühungen sind schmählich mißlungen.
Vor uns liegt ein von einem liberalen parlamentarischen Büro in großen Massen verbreiteter Artikel unter der schönen Ueberschrifi „Ein Lü- gen-Labvrinih des Zenttums", worin versucht wird, nun dem Zentrum die Schuld an dem ergebnislosen Ausgang der viermonatigen Beratungen der Geschäftsordnungskommifsion auf- zubürden. Es ist richtig, was da gesagt wird, daß die Zentrumsmitglieder der Kommission die Anträge betreffend Zulässigkeit der Antrag- stellung nach Interpellationen und betreffend Zulässigkeit der sogenannten Heinen Anfragen (questions), in der Form, die ihnen der Abg. Dr'. Müller-Meiningen gegeben hatte, »b gelehnt hat. Aber wenn wir jemals die Stellungnahme der Zentrumsabgeordneten sach- Kch billigen konnten, so in diesem Falle. Die Ablehnung der Anttäge nach Interpellationen war geboten wegen der Bestimmung, daß bei Widerspruch von nur 30 Mitgliedern des Reichstags der Reichstag die Beratung der nach Interpellationen gestellten Anttäge ohne weiteres ablehnen kann. Da hat doch die Bestimmung, daß die Stellung von Anträgen bei Interpellationen zulässig sein soll, überhaupt keinen Zweck. Wenn die Mehrheit des Reichstages es will, kann sie heute bereits nach der Interpellation einen Antrag zur Erledigung bringen. Es verrät einen gewissen Grad Unverschämtheit, unter diesen Umstnäden dem Zentrum Vorwürfe zu mache», daß es den freisinnigen Antrag ab- gelehnt hat.
Es wird nun ein kolossales Aufheben davon gemacht, daß das Zentrum nach der Ablehnung des freifinnigen Antrags ein besonderes Verbot der Zulässigkeit von Anträgen bei Interpellationen in die Geschäftsordnung eingefügt habe. Das ist Spiegelfechterei, denn diesem Anträge, der lediglich das negative Resultat der Verhandlungen konstatierte, mußte logischer Weise zugestimmt werden, um mögliche Zweifel beseitigen.
Gegen die Einführung der k l e i n e n A n - kragen bestanden bei den Zentrumsmitgliedern der Kommission Bedenken, vor allem deswegen, weil man sie für überflüssig hieft. In ter Debatte stellte das Zentrum Verbefferungs- anträge, in der Endabltimmung aber stimmte es gegen den ganzen liberalen Antrag, weil derselbe Bestimmungen enthielt, die das ganze Anfragerecht zur Post», machten. So lehnte z. B. die Blockmehrheit einen Anttag ab, daß nach der mündlichen Beantwortung einer Anfrage durch die Regierung jedes Mitglied des Hauses zu ergänzenden und berichtigenden Anfragen das Wort erhalten könne. Die Blockmehrheit wollte dies nur dem Fragesteller gestatten. Ist eine solche Beschränkung des Reichstages würdig? Wir verneinen das und sind der Ansicht, daß allein diese Bestimmung genügt hatte, die Ablehnung
für die ersten Jahre kaum größer als 50 Millionen fein. 450 Millionen bleiben noch zu decken, davon werden 250 Millionen aus Bier, Branntwein und Tabak gewonnen werden. Herr Paasche meint:
„Woher nun aber die fehlenden 200 Millionen nehmens Ich fürchte, Herr Sydow weiß es heute noch nicht, und die hochverehrten Herren, die unS beute so eifrig an unsere nationalen Pflichten in ihren Reso« luttonen mahnen, wiffen es auch nicht. — Kohlensteuer, Arbeitgebersteuer, Streichholzmonopol, Bersicherungs- steuer, Kaffeezoll, Quittungs- und llmsatzstempel ufro., das sind heute alles nur leere Worte — ehe sie sich in Gesetzentwürfe verdichten —, so durchaearbeitet, so nach allen Seiten erwogen, daß sie möglichst wenig dem arbeitenden und erwerbenden Volke schaden, ehe sich dafür Majoritäten im Hause gefunden haben, wird wohl noch manch' national empfindender Mann ungeduldig werden."
Trotzdem bezeichnet sich Herr Paasche als einen der wenigen Parlamentarier, die heute nach monatelangen Verhandlungen noch den Optimismus haben, an eine Lösung der Finanzfrage in dieser Session zu glauben. Herrn Paasche ehrt sein Optimismus, wir glauben nicht eher daran, als dis wir das Werk vollendet sehen.
O Der konservative Landesverein im Königreich Sachsen stellt gegenüber einer Behauptung der ,Kreuzztg/ fest, daß er zu einer Erklärung zugunsten derErbansallsteuer aus eigenem Antriebe gekommen und in keiner Weise von der Regierung gedrückt worden sei. — Wenn man von amtlichen Einflüffen auf eine Partei spricht, denkt man gewiß nicht an Beeinfluffungen, die sich dem Tatbestände einer Nötigung nähern. Es gibt Mittel genug, die Beeinflussung so vorzunehmen, daß der Beeinflußte mit gutem Gewissen sagen kann, er habe nicht unter dem „Drucke" der Regierung gestanden. — Das ,Berl. Tageblck weiß zu melden, verschiedene hervorragende Führer der preußischen Konservativen seien einige Tage vor der Faffung des Beschlußes in Sachsen gewesen, um ihn zu verhindern.
£5 Der „unpolitische" Evangelische Bund. Der Evangelische Bund hat bekanntlich die größte Angst davor, daß der Reichstag die Finanz, reform nicht zustande bringen unv dann das Zentrum wieder die frühere Stellung im Reichstage einnehmen werde. Der Gesamtvorstand des Evangelischen Bundes, der am Mittwoch in Halle zusammentrat, hielt eS daher für angebracht, an den Reichstag einen „Appell" zu richten, daß er die trennenden materiellen Standes- und Sonderintereffen in vaterländischer Pflichterfüllung überwinden solle. Weiter heißt eS dann:
Insbesondere erwartet der Evangelische Bund, dem Mitglieder aus alle» BlocKreisen angehören, »oa der Reichsregierung und den Mehrhettsparteien bei Reichstages, daß sie den offenkundigen Beftrebungea der Zentrumspartei (!) di« Vorherrschaft bei Lösung der Reichsfinanzreform wieder zu gewinnen, tatkräftig und einmütig entgegentreten. Der Evangelische Bund ist auf Grund bitterer Erfahrungen mit der großen Mehrheit des deutschen Volkes der unerschütterlichen Ueberzeugung, daß eine erneute Vorherrschaft der ultramontanen Macht unvereinbar ist mit den höchsten Jntereffen (!) deS Reiche-, mit dem Frieden unter de» Konfessionen und mit bea unveräußerlichen Grundlagen der deutschen Kultur."
Also lieber Block: Die drückendsten Steuern darfst Du bewilligen. Du darfst überhaupt machen was Du willst, aber um HimmelSwillen verschon und verschone unS vor der Herrschaft bet fff Zentrums! DaS würde der Eoangl. Bund nicht auShalteu!
X Zrrr Reichsfirranzresorm.
Die ,Nordd. Allg. Ztg/ mahnte dieser Tage dir Blockparteien, sich doch nicht gegenseitig die Schuld an dem unbefriedigenden Stande der Reichsfinanzreform zuzuschieben. Es komme dabei nichts heraus als Verbitterung zum Schaden des gemeinsamen Arbeitens. Mit Genugtuung nahm die ,Nordd. Allg. Ztg/ weiter Notiz vim den Kundgebungen zu Gunsten der Erbschaftssteuer. Sogar im Zentrumslager wollte fie Anzeichen für eine „Neuorientierung" entdeckt haben. Sie meinte:
Die bisherige Politik des Zentrums ist offenbar auf entschiedenen Widerstand bei de» katholischen Arbeitervereinen gestoßen, die weder die Erweiterung der sogenannte» Liebesgabe, noch auch die hartnäckige Opposition de? Zentrums gegen die Nach laß ft euer mit ihren Jntereffen vereinbar fanden. Da daS Zentrum auf die Erhaltung seines Anhanges unter den katholischen Arbeitern enlicheidendes Gewicht legt, so wurde der ,Weftdeutschen Arbeiterzeitung', dem Berbandsorgan kathol. Arbeiter, und Knappenvereine, in der Köln. Bolkszig.' ein Beruhigungspulver verabreicht. In dem Befänfiigungsarttkel wird unter anderem bemerkt, daß das Zentrum an einem Erb- ichaflsfteuergesetz, wenn es nicht mehr zu verhindern sei, auch seinerieits Mitarbeiten und versuchen werde, das Gesetz, soweit es eben möglich, seinen Anschauungen anzuvaffen. Ebenlo meint Dr. Julius Bachem un .Tag': „Wenn das Zentrum es in der Han> hätte, auf das Zustandekommen der bei der Unmöglichkeit, über eine andere Besitzsteuer sich zu verständigen, jetzt unvermeidlichen Erbschaftssteuer einzuwirken, fo würde es dies sicher nicht unterlaffen." Aus diesen und ähnlichen Kundgebungen klingt deutlich daS Bestreben des Zentrums hervor, bet den künftigen Beratungen der Finanzreform den Jntereffen der katholischen Arbeiterwelt und des Mittelstandes mehr als bisher Rechnung zu tragen. Jedenfalls muß man aus diesen Symptomen den Schluß ziehen, daß sich für das Zentrum mit Rücksicht aus feine i artet, intereffe» eme allzu deutliche Brüskierungseiner uichlagrarischen Wähler, sei es in der Brannt- wein-, fei eS in der Erbschaftssteurrfrage, als untunlich herausgestellt hat.
langem nichts mehr gehabt, feit er damals in London war, nicht mehr."
„Sie haben keine Ahnung, weshalb er hierher gekommen?" fragte Lord Wayne.
„Nicht mehr, wie Sie feibft btn fo Überrascht, wie jemand nur fein kann."
„Es ist das reinste GehemmrS," sagte Lord Romsey.
In diesem Augenblick trat ter Sergeant Elliot ins Zimmer.
„Nichts weiter entdeckt?" fragte Lord Wayne.
„Nichts, Mylord," war die Antwort. „Ich höre, daß ter Bruder des unglücklichen jungen Mannes awgetommen ist. Erkennt er ihn wieder?"
„JcLvohl", sagte Werner, „es leidet nicht den geringsten Zweifel, dies ist mein armer, unglücklicher Bruder, James Jefferies."
„Sie haben keinerlei Vermutung bezüglich des Grundes, welcher ihn hierher oder zu Tote gebracht hat?" fragte ter Sergeant.
„Es ist mir daS größte Geheimnis," erwiderte Sterner.
Und dann wunderte er sich, daß bie scharfen Augen teS Polizisten mit unverhohlener lieber- raschung an ihm hingen. Sergeant Miot hatte etwas von ter Welt gesehen; er war kein Durch. schnitts-Beurteiler von Menschen und ihrem Be- nebmttt; auf den ersten Blick hatte er gesehen, von welcher Arr der Mann war, der dort tot lag — und doch, hier stand ein anderer, mit den Allüren eines jungen Fürsten, einem etelen, vornehmen GesuH und vollendetster Haltung und Bildung und nannte sich den Bruder tes Toten!
Sergeant Elliot blickte noch einmal von dem starren in das lebende Gesicht, und dann, Werners Erstaunen über sein Benehmen gewahrend, sagte er schnell ablenkend:
" „Ich will Ihnen, mein Herr, das bei Ihrem Bruder gefundene Eigentum zeigen; vielleicht findet sich, wenn Sie cs in Augenschein nehmen.
der sogenannten kleinen Anfragen zu rechtfer- tigert.
Das Zentrum darf sich mit seiner Stellung- nähme in ter Geschäfts rdnungskomrnission wohl sehen lassen. Blamiert ist allein der Freisinn, insbesondere Herr Müller-Meinin- gen, der partout mit den Konservativen eine freiheitliche Ausgestaltung der Geschäftsordnung schaffen wollte und »un lediglich ein Werk zustande gebracht hat, Vas nur als Spottgeburt zu bezeichnen ist. Daß dem in Wahrheit so ist, dafür berufen wir uns auf das Zeugnis des frei- finnigen „Berliner Ta gebt.", das über „die konstitutionelle Posse" schreibt:
„Die Stellung'brr liberale» Parteien wird durch die Vorwürfe, mit denen sie das Zentrum überschütten, nicht gebessert. Sie sieben als di« blamierten Mitteleuropäer am Ende dieser in jedem Betracht erstaunlichen Verfaffungsaltton und brauchen, da fie den Schaden haben, für den Spott nicht zu sorgen. Ma» könnte mit Herrn MüUer-Meininaen, der die Geschäfte des Freisinns führte, einiges Mitleid haben, wenn er wenigstens an feiner Prinzipicntreue zugrundegegangen wäre. Aber die Freisinnigen glaubten ja gerade recht klug zu operieren, indem fie auf ihre Grundsätze verzichteten. Sonst wäre es doch nicht zu verstehen gewesen, daß fie bei der Beratung der Anträge bei Interpellationen fich aus die konservattve Seite geschlagen und „unter Vorbehalt" iür di« Abwürgung der oppositionellen Minderheit gestimmt hätten. Geholfen hat ihnen diese liberale Abstimmung nicht das mindeste; aber sie wurden dadurch in schlimmster Weise kompromittiert."
Wir verstehen es darum, wenn der blamierte Freisinn anderen Leuten die Schuld anhangen will. Indes die Tatsachen sprechen zu deuttich.