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Fulda, Mittwoch den 14. April 1909
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Erstes Matt
36. Jahrganq-
«rfchedtt täglich mW Aurnahmr der So<m* imd Leiertage. Viertel- jährlicher Vezugrpreir ohne vringerlohn nnd 5t|td[gtl6w8ttlb«fo« »le auswärts 1.50 Bit
verant«. Rebakteurr «arl Schütter
SSÄ«. wochmbewse: .Illustrierte Sonittagrzeitung"
Deutscher Reich.
** Ich habe mich mit Bernhard versöhnt. .
So hat der Kaiser nach dem ,Berl. Tage, blatt' (Nr. 184 vom 13. April) nach der denk- würdigen Unterredung vom 11. Mürz 1909 zu seiner Umgebung gesprochen. Die freisinnige ,B. Ztg. am Mittag' konnte schon vor einigen. Wochen unwidersprochen milteiten, daß Fürst Bülow „unter Tränen" den Kaiser seiner steten Trrue versichert habe, und daß dann die Aussöhnung erfolgt sei. Bon gut unter. richteter Seite wird der .Germania' diese Darstellung bestätigt mit dem Beifügen, daß der
Der Earl schritt scheinbar gleichgültig zum Tische, nahm die bereits fertigen Bogen und schien sich mit großem Interesse darin zu vertiefen. Dann, als ob ihm plötzlich erwas eingefallen, fragt« er Werner, der bereits wieder weiter schrieb 1
„Haben Sie lange nichts mehr von zu Hause gehört, Werner?"
„Vor einigen Tagen habe ich noch einen Brief von meiner Mutter bekommen," erwiderte Werner. . .. . .
Und Ihr Bruder, schrerbr der nicht?"
Äicht oft — das Briefschrciben ist nicht ge- rode feine starke Serie. Ich glaube sogar, er verabscheut Federn, Tinte und Papier so aufrichtig wie nur möglich."
Er sah bei diesen Worten lächelnd zu Lord Romsey auf, doch kein Lächeln antwortete ihm.
„Wmflich nicht," fuhr Werner fort, „in letzter Zeit habe ich sehr wenig von ihm gehört. Meine Mutter erwähnt rn chrem letzien Briefe nichts von ihm, und er selbst schreibt, wie gesagt, nicht oft."
„Ts würde Sie also wahr überraschen, wenn Sie hörten, daß man ihn auf Kennmghaü gesehen?"
Werner lachte. . . .
„Ich glaube nicht, daß ich einer solchen Mit- teilung Glauben schenken wurde, erwiderte er; „ich dächte, es wäre ein Falt von Doppelgän- . .Ich hoffe aufrichtig, daß S fo fein möge," sagte Lord Romsey ernst. „Die Sache rft also d»e, Werner, ich habe so^en «ne Mitteilung — «ne eilige, hastig geschriobene Mitteilung - bon Lord Wayne erhalten, des Inhalts, daß ^hr Bruder, Herr James Iuries, gestern abend auf Kenninghall gewesen,, und daß ihm dort ern Un- Llück zugestoßen — etn,1?n8^u^ daß
man sich veranlaßt gesehen hat, das Fest, das heute dort stattfinden sollte, 5» verschieben."
Werner war in äußerster lleberraschung von seinem Sitze aufgesprungen.
„Mein Bruder Jack — auf Kenninghall!" rief er. „Das muß ein Irrtum fein, Lord Romsey — es ist nicht möglich!"
„Ist Ihnen vielleicht irgend etwas bekannt, was ihn möglicherweise dorthin geführt haben könnte — hatte er vielleicht Freunde oder 93e-t kannte auf Kenninghall, oder in der Nähe?"
„Nein. Lord und Lady Wayne waren beide sehr freundlich gegen ihn, als er seiner Zeit in London war; aber Ls wäre ihm nie in den Sinn gekommen, sie vielleicht zu besuchen, ohne mir vorher Mirteilung davon zu machen. Wenn er wirk- lid) La ist, fo ist ec hingegangen, um mich zu suchen."
„Gut, aber was brachte ihn denn an's Törchen im Parke? Er muß doch in irgend einer Absicht dorthin gegangen sein, sonst —
„Wer sagt denn, daß er dort gewesen?" un- lerbrach Werner.
„Ach", sagte Lord Romsey trübe und ernst, „ich vergaß; Sie wissen es nicht. Jawohl, et war am Törchen, das vom Parke zum Walde führt, dicht bei der Linden-Allee, und dort — erschrecken Sie nicht, Werner — dort ist er erschossen worden."
„Erschossen! mein Bruder-! Unmöglich! O, "Lord Romsey, eS muß eine Verwechselung sein — es kann nicht wahr sein!"
„Sie sollen mir uns Lnnmen; wir gehen sofort hinüber; kommen Sie, und Sie werden sehen."
Wenige Minuten später fuhren der Earl, sein Sohn und sein junger Sekretär im schnellsten Trabe hinüber nach Kenninghall. Werner sprach nut selten unterwegs, er war wie betäubt, ganz verwirrt; er konnte die Geschichte, die rr gehört, weder begreifen, noch ihr Glauben schenken. Was hätte Jack auf Kenninghall tun, wer hätte ihn erschießen fotten, es sei denn der Förster, der jeden- falls geglaubt, er wolle wilder»? Aber dann fiel ihm witt>er ein, wie nahe die Lindenbäume sich bxi der.Halls befanden^ es war ganz unwahr-
lleber den Verlauf der Mittelstandsversammlung vird und u. a. noch berichtet:
Ein „Allgemeiner deutscher Msttelstandstag" ollte am 3. Ostertage Stellung zur Reichsfinanz» ,«sorm nehmen. Man hatte auf einen noch nie !»agewesenen Massenbesuch gerechnet, und daher die Oret größten Säle Berlins für die Versammlungen in Aussicht genommen. Anstatt der drei Versammlungen entschloß man sich aber schließlich nur zu «roeten, die den programmäßigen Verlaus nahmen.
Da- Hauptinteresse wandte sich der größten Versammlung in der „Neuen Welt" zu, in der auch einige Vertreter der Regierung anwesend waren. Hier fühtte vor allem der frühere Staatsminister
78] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld.
Lord Romsey folgte dem Rats seines Freundes; er erzählte zunächst ferner Gemahlin, daß das Fest auf Kenninghall infolge eines im Park vor gekommenen Unglücksfalles verschoben worden sei. Als sie eifrig fragte, toaS es wäre, er- zählte er ihr zögernd die Gefchrchte, und Lady Romsey war tief bekümmert.
„Nicht so sehr um den unglucktichen jungen Mann selbst," sagte sie, „denn offen gestanden, er war mir, ohne Ausnahme, die unangenehmste Persönlichkeit, die mir je vorgekommen; aber für den armen Werner, der ihm so warm zugetan, tut es mit leid, ungemein leid.
Auch Balduin erfuhr natürlich die Sache; fein erster Gedanke gast selbstverständlich Elsie;_ wie fürchterlich unangenehm und welche Enttäusch, ung es für sie sein nriifie: sein Meiter galt Wer- lior, den er wie feinen eigenen Bruder liebte.
„Ich wollte, es könnt' einer für ihn tragen, oder es ihm ersparen," sagte er bekümmert -zu feinem Vater, als sie zusammen zur Biblwthek schritten, wo Werner mit einer Zusammenstellung für den Erl beschäftigt war.
Er saß emsig schreibend am Tuche und sah lächelnd auf, als er die beiden Eintretenden ge- lvahrte. ..
et* fürchte ich verspäte mich mir dieser Ar- tHt“ {ante7r • Sätte sie doch gestetti abend schon sttiq Kn sollen" Lord Romsey Sre werden den- «en, ich sündige auf -ö§ce ®ll^e to~-
„Es wird mir nie einfallen, auch nur eine halb so schlechte Meinung von ^hnen zu haben, ex- tviderie der Earl, und als er in das offene Gesicht ba bor sich blickte, verwünschte er die Aufgabe, die ihm Lord Wayne zugefchoben. Balduin hatte sich gleich eifria an einem Bücherregal zu schaffen Weinacht, obgleich .er sonst nicht gerade für Bü- icherWeisheit schwärmte.
Freiherr v. Berlepsch das Wott, der aus die Erttwicklung der Finanzen des Deutschen Reiche? entging und nasführte, die 500 Millionen jährliche Mehreinnahmen, die bfc Regierung verlange, müßten bewilligt'werden. Die Erhöhung der Matttkular- betträge sei undurchführbar. Man müffe also zu indirekten Steuern greifen und auch zur Besteuerung des Besitzes. Frecherr v. Berlepsch stellte sich in dieser Frage ganz ans die Seite des Nationalökonomen Pros. Wagner, meinte aber, daß die Widerstände gegen die Einführung einer Reichsvermögenssteuer so schwerwiegend seien, daß sie nicht überwunden werden könnten. Deshalb sei eine Reichsbefitzsteuer nur möglich in der Form einer Besteuerung des Erbansalles. Die Heranziehung der Kinder und Ehegatten zu dieser Besteuerung fei notwendig, weil sonst das finanzielle Ergebnis zu gering fein würde. ES sei gleichgiltig, ob diese Besteuerung vorgenommen werde in Form der Nachlaßsteuer oder der Erb- anfallsteuer. Die letztere Steuer hält Redner für die gerechtere.
In dieselbe Kerbe haute auch der Landtagsabg. Rahardt, der den Mittelstand ermahnte, endlich zu begreifen, daß er eine Macht sein könne, wenn er nur wolle.
In der Diskussion wurde der Mttelstand als der Felsen von Erz zwischen der roten und goldenen Internationale gepriesen. Wider ipruch gegen die Erweiterung der Erbschaftssteuer erhob nur der Bundesdirektor Dr. Hahn, der die Dividendensteuer, die Mühlenumsatzsteuer, die Reichswertzu- wachssteuer und bergt empfahl. Das seien alles Steuervorschläge, die dem alten Mittelstands-Programm entnommen wären. Natürlich erregten diese Ausführungen den stärksten Widerspruch in dieser Versammlung. Schließlich nahm man eine Resolution an, worin
gegen die Verschleppung der Reichsfinan-resorm protestiert wird, desgleichen gegen den Versuch einer ungerechten Verteilung der Steuerlast. Es werden neben Verbrauchssteuern, die vornehmlich die breite Masse treffen, unbedingt Steuern verlangt, die den Besitz heranzieheu. In einer stark progressiven Erb - anfaltsteuer wird die geeignetste Form der Besteuerung des Besitzes angesehen, in der Voraussetzung, daß kleinere Erbanfälle steuerfrei bleiben, sowie, daß die Erleichterung der Steuerzahlung durch Rentene.n tragung, die für den ländlichen Grundbesitz in Aussicht genommen ist, auch für den städtischen Grundbesitz vorgesehen wird. Endlich müßten Ehegatten und Kinder milder behandelt werden, als entfernte Verwandte und Fremde.
Diese Resolution wurde auch in der 2. Versammlung angenommen, worin Amtsgerichtsrat von Nostitz und Prof. v. Wencksteru-Breslau als Redner aufttaten. — Der ganze Verlauf dieser Tagung zeigte, daß es sich hier um die Interessen des städtischen Mtttelstandes gehandelt hat, nicht aber des ländlichen, wie auch die Vereine und Verbände, die den Aufruf zu dem Mittelstandstage er» lasten haben, nur die Organisationen des städtischen Mittelstandes bilden. Der ländliche Mittelstand und der Mittelstand in den Orten und Städten des platten Landes war nicht vertreten.
e „Die Wunder von Damaskus."
Die ,Vofl. Ztg.' spottet über die Wunder von Damaskus, die sich in der Frage der Nachlaß« steuer jüngst vollzogen haben. Aus Sauluffen sind zu Pautuffen geivorden der Reichskanzler, der Sreußische und der sächsische Finanzminister, die kationalliberalen, die Freikonservativen, die Herren von der WirtschafUichen Vereinigung und von der Mittelstandsvereinigung. In wenigen Tagen werden wir das Schauspiel erleben, daß auch die Mehrheit der Konservativen in Damaskus eingetroffen ist, und dann dürfte die Mehrheit für die Erbanfall- steuer da sein.
Der Druck der amtlichen Agitation zu Gunsten der Erweiterung der Erbschaftssteuer ist nicht vergeblich gewesen, und man kann dem Fürsten Bülow das Kompliment nicht versagen, daß er, der Meister der Stimmungsmache, auch diesmal die Inszenierung recht geschickt besorgt hat. Als neuesten Beitrag zu dieser Stimmungsmache darf man wohl die gestrige Kundgebung der Deutschen Mittel- standsvereiniguny ansehen. Die Mittelstandsvereinigung hatte alle rhr angehörenden oder nahestehenden Organisationen oder Jntereffentengruppen des deutschen Reiches für gestern nach Berlin cinberufen und erhob in Sachen der Reichsfinanzreform die Forderung einer stark ansteigenden Erb- -mfallsteuer mit der Einschränkung, daß kleinere Erbanfälle steuerfrei bleiben, daß ferner die Erleichterung der Steuerzahlung durch Renteneintra- gung, die für den ländlichen Grundbesitz in Aussicht genommen ist, auch für den städtischen Grundbesitz vorgesehen wird, endlich, daß Ehegatten und Kinder milder behandelt werden, als entfernte Verwandte und Fremde.
In der Debatte sprach der Direktor des Bundes der Landwirte Dr. Hahn gegen diese Steuer, fand jedoch heftigsten Widerspruch, obwohl er daran erinnerte, daß gerade die konservative Fraktion die Interessen des Mittelstandes stets besonders vertreten habe. Bemerkenswert war, daß der konservative Landtagsabg. Rahard, der Obermeister der Tischlerinnung, sich in scharfem Gegensätze zu seinem Fraktionskollege» Dr. Hahn für die Erbanfallsteuer aussprach.
Voraussichtlich wird nun von konservativer Seite versucht werden, den „Umfall" dadurch zu bemänteln, daß die Erbanfallsteuer als etwas von der Rachlaßsteuer wesentlich verschiedenes dar- gestellt wird. Richtig ist, daß d,e Erbanfallsteuer gegenüber der lltachlaßsteuer große Vorzüge besitzt, aber die grundsätzlichen Erwägungen gegen die Besteuerung deS Erbanfaüs an Kinder und Ehegatten, die gerade von Setten der Rechten immer ins Feld geführt worden sind, treffen gegenüber der Erb- »nfallsteuer ganz genau so zu wie gegenüber der Nachlaßsteuer. DaS ,Berl. Tagebl.' bemerkt mit Recht: „Aber »Nachlaßsteuer« oder »Erbanfallsteuer« »aS ist dieselbe Geschichte in grün.
„Reichskanzler wie ein Schloßhund geheult habe, da er wo l wußte, daß der Kaiser gegen Tränen stets nachgiebig ist". 'Die Aussöhnung ist also perfekt; der Preis für sie wurde vom Reichskanzler schon teilweise ent- richtet: er hat in öffentlicher Reichstaissitzung die Krügerdepesche und den Kaiserbesuch in Tanger als offizielle Staatsakte bezeichnet und damit das Unr cht, das man seit Jahren dem Kaiser zugesügt hat, gutzumachen gesucht. Der Reichskanzler aber hat sich verpflichtet, auch noch in einer Reihe anderer Fragen das am Kaiser begangene Unrecht zu sühnen.
Seit den Novembertagen war eine große Spannung zwischen Kaiser und Kanzler; das vertrauliche „Du" und der „Bernhard" waren verschwunden; nur die „Durchlaucht" war ge- blieben, und zwar ebenso im mündlichen wie im schriftlichen Verkehr. Der Kaiser fühlte sich ge- getäuscht, falsch beiirteitf, ungerecht behandelt; et klagte darüber, daß kein Hohenzoller in der öffentlichen Meinung so sehr verkannt worden sei, wie er/Und er maß die Hauptursache für diese Erscheinung dem Tun und Unterlaffen des derzeitigen Reichskanzlers bei. Da gab es für diesen nur eine Rettung: die ganze Oeffentlichkett mußte von den Rovembertagen schweigen. So wurde die Parole in den Mehrheitsparteien und für die offiziöse Presse ausgegeben. Der Reichskanzler kennt das Naturell des Kaisers zu gut, und so weiß er, daß dieser an unangenehme Botkommniffe nicht gerne erinnert wird, daß es dem Kaiser ein Bedürfnis ist, nach solchen umso lieber von der Zukunft zu reden. Also schweigen! hieß es in der ganzen Bülow- Taselrunde. Da kamen die Bücher von Stein und Martin sehr ungelegen; sie schnitten das bettle Thema an. Zuerst hieß es in halbamtlichen Verlautbarungen, man werde den Inhalt der Bücher genau prüfen und bann Stellung dazu nehmen. Zeit zur Prüfung ist seither genug gewesen, ober eine Stellung ist nicht genommen worden. Oder doch? Der Reichskanzler mußte am 2-<. Mär, 1909 im Reichstage zugeben, baß zwei neue Darstellungen bieser Autoren zutreffend sind. Die anderen Schilderungen stellt er nicht in Abrede.
So erhebt sich allen Ernstes die Frage: Ist auch die Darstellung über das Kaiser interview zutreffend? Ist die Oeffentlichkett auch hier getäuscht worben? Das beutsche Volk hat ein Anrecht au) volle Klarheit auch bann, wenn hierdurch alle offiziösen Kreise ber Unwahrheit überführt würben.
+ Eine sensationelle Enthüllung.
Vor ber am 10. September 1904 im allgemeinen Knappschaftsverein zu Bochum statt- finbenben allgemeinen Aeltestenrvahl würbe ber jjentrumsabg. Brust, bamals noch Vorsitzenber des Gew rkoereins der christlichen Bergarbeiter, in ber schärfsten Weise als Arbeiterverräter oerbächtigt, u. a. durch folgendes kurz vor der Wahl verbreitetes Flugblatt:
„Achtung! Gewsikveremsmitgttrder! Achtung! Der Vorsitzende unseres Gewerkvereins, August Brust, hat von den Grubenbesitzern zur Belohnung für Mühewaltung ber Bekämpfung der oppositionellen Aeltesten, sowie des alten Bergarbelterverbandes <k 000 Mark zur pmörtiichen Verfügung erhalten. W.r Mitglieder des Gewerkvereins pro:rstieren ganz erujchiedea gegen diesen Arbeilerverrat unseres Vorsitzenden Brust und bitten selbigen, fein Statt sofort niederzulegen, um unteren Gewerkverem vor dem Untergänge zu retten.
Unser Gewerkverein ist doch nicht dazu da, den Grubenbesitzertt beizustehen und Brust zu einem reichen Mann zu machen. Brust hat uns arme Mitglieder für 30000 Mark »erraten, ist zum JudaS, zum Verräter unseres GewerkvereinS geworden. Ein Bor» standsmitglted deS christlichen GewettvereinS."
Diesem Flugblatte fehlte jede persönliche Unterschrift und auch die Angabe des Druckers. Es wurde den Vertrauensleuten des fojialbemoi kraüschen Verbandes zugesandt mit folgendem gedruckten Begleitschreiben:
„Werter Kamerad! Da unsere Busschußmitglieder womöglich die Bekanntgabe betliegenber Mitteilung verweigern, fo ersuchen wir dich, Kamerad, das Schriftstück an geeigneter Stelle zur öffentliche» Kenntnis zu bringen. Ein Vorstandsmitglied des christlichen Gewettverems."
Auch diesem Schreiben fehlte die Angabe des Druckers. Wie nach einem solche» Streich zu erwarten, endete die Wahl mtt einem Sieg der sozialdemokratischen Richtung. Die nicht organisierten Arbeiter schenkten der Verdächtigung zum großen Teil Glauben. Die Leitung deS sozialdemokratischen Verbandes wies den Vor» routf, das Flugblatt sei aus ihren Kreisen hervorgegangen, entrüstet zurück und suchte den Anschein zu erwecken, als könne nur ein Christlicher der Verräter sein. Jetzt bringt die neueste 3lr. 16 des „Bergknappen" Aufklärung über die Angelegenheit. Wie das Blatt miUeilt und vor Gericht beweisen will, ist der Beamte deS sozialdemokratischen Berbandes Joh. Götte der Berbreiier des Flugblattes. Der Verbandsvorsitzende Reichstagsabg. Sachse hat schon vor der damaligen Wahl von der Verbreitung gewußt und den Täter gekannt. Ebenso soll auch der Reichstagsabg. H ue gewußt haben, daß Gölte der Täter war. Trotzdem duldete man diesen bis heule als Beamten im Verbände.
Rach den eigenen Angaben Göttes soll er im Auftrage der sozialdemokratischen Verbandsleitung gehandelt haben. Abg. Hue habe ihm gesagt, wenn er gefischt werde, müsse er Geld zur Flucht erhalten.
Der „Bergknappe" fordert die bloßgestellten Personen zu einer Beleidigungsklage auf, bantti er vor Gericht den Wahrheitsbeweis für feine Enthüllungen anlreten könne.
** Berlin, 13. April 1909. Der,Reichr- anzeiger' veröffentlicht eine Bekanntmachung d«S Bundesrates betr. Aenderungen 1) des § 20 der AuSführungSbestimmungen zum Gesetze betr. di« Statistik des Warenverkehrs mit dem Ausland« vom 7. Februar 1906; 2) der Anlagen A und C des statistischen Warenverzeichnisses. Die Aende ungen sollen mit dem 1. Mai ds. Js. in Kraft treten.
):( Tas Kaiserpaar und Prinz OSkar haben am Dienstag die Reise nach Italien angetreten. Am Mittwoch soll in Venedig eine Zusammenkunft zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler Fürsten Bülow stattfinden. Ende nächster Woche wird daS Kaiserpaar auf Korfu erwartet. Inzwischen werden dort beretts alle Vorbereitungen getroffen, um ,das Herrscherpaar würdig zu empfangen. Di« griechische Königsfamilie wttd dem Kaiserpaar während seines Aufenthalter auf Korfu einen Besuch abstatten. Der Kaiser wird diesmal nur etwa drei Wochen auf Korfu verwetten.
. + Die Telegramme des Reichskanzlers. Die Ferienreise des Fürsten Bülow »ach Italien hindert ihn nicht daran, auch weiterhin der .Finanznot deS Reiches seine ernsteste Sorge zu-
scheinlich, daß die Forsthüter, deren Pflichten sich über den weiter ab liegenden Wald erstreckten, dorthin gekommen sein sollten .
Sie erreichten in kurzer Zeit bas FörsterahuS und fanden Lord Wayne dort beretts auf sie warten. Er nahm Werner's Hand in die seinige.
„Mein lieber Junge," fagte er bewegt, „dieS ist sehr erschütternd, sehr schrecklich für Sie! Kommen Sie mit mir; ich glaube nicht, daß ich mich in der Persönlichkeit geirrt habe."
Sie folgten ihm sämtlich in ba3 hintere Zimmer; das verhüllende weiße Tuch wurde von dem Bette zuriickgeWagen, und Werner rief beim ersten Blick auf bas starre kalte Antlitz:,
„Es ist fein Irrtum — es ist wirklich der arme Jack!"
52. Kapitel.
Die Königs - Zeder.
Werner kniete an der Seite seines Bruders nieder und weinte laut. Er hatte sich oft in seinem Leben SortoÜTfe darüber gemacht, daß er ihn nicht mehr geliebt, daß er Jacfs Tücken und bin- terlfftige Streiche energisch zmsiickgrtoiesen, daß er von seiner vulgären Natur und seinem gewöhnlichen Wesen sich angewidert und abgestoßen gefühlt hat«. _
Jetzt kam dies Gefühl in übermächtiger Stärke zurück; er vergaß alles, waz ihm der Tote je angetan, uttd erinnerte sich nur, daß es sein einzige« Bruder war, der hier falt und starr auf dem Sette lag. Sie waren Kinder zusammen gewesen, von einer Mutter erzogen, unter einem Dache herongewachfen, und die alte Heimatliebe erwachte mächtig in ihm, als er an des Toten Seite formte. Der arme Jack! mit all seinen Fehlern, es war doch sein Bruder, mit dem er sich gestritten und gezankt, und wer weiß wie oft auch wieder vertragen und versöhnt hatte! Die älteren Männer wandten sich ab, während er seinen Kum- cur und seine Trauer ausschluchtzte.
Kortsetzuag, folgt.).
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