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Maer W Zeitung

wochenbeiiase:„IllustrierteZonntagzzeitung

36. Jahrqanq

Fulda, Samstaa den 10. April 1909

JV3 81.

Krrftes Ulcrtt

Anzrigen: Vie *• fpalttge petttzeile oder deren Saum 15 pfg. ReNamendrepetitzeile 25 bei Wieder­holungen wird entfpe Rabatt gewährt.

Rotationsdruckund Verlag der Luldaer Ak- tirndruckerei in Lulda Fernsprecher Ur. y.

Wegen des hl. Osterfestes wird die nächste Nummer der .Fuldaer Zeitung' erst am Diens» tag ausgegeben.

Erscheint täglich mit Anrnahme der So.m- »ndZeiertage. viertel­jährlichen vtMgrprek ohne Sringerlohn und vrstellgeld in Znlda so. wie auswärts 1.5V Mt.

Verantw. Redattemr «larl Schütte;

werden sich mit der Sozialdemokratie in der Weise vereinigen, daß sie von ihr einfach aus» gesogen werden.

♦ Körperverletzung durch die Presse. Schiff- sengeicht zu Bünde i. W. und Landgericht Biele­feld hatten, wie seinerzeit gemeldet, den Redak­teur vom „Bünder General-Anzeiger", Vornbäu- mer, wegen Beleidigung des Stadtsekretärs Kohlstrunk in Verbindung mit fahrlässiger Körperverletzung unter Vernachlässigung seiner Berufspflicht zu 300 Geldstrafe verur­teilt. Unter Klage standen zwei Artikel deS „Bünder General-Anzeigers", die sich gegen Kohl­strunk richteten und diesen nach ärztlichem Gut­achten so heruntergebracht hatten, daß er um seine Pensionierung einkommen mußte. Tas Oberlan­desgericht hatte das Urteil aufgehoben. Die Strafkammer gelangte jetzt wiederum zu einer Verurteilung des Angeklagten zu 300 «M, Geldstrafe. Die Frage nach fahrlässiger Körper­verletzung in Tateinheit mit Beleidigung hat das Gericht wiederum bejaht. Der Staatsanwalt harte sich vorher scharf gegen die Kritik, welche die Presse an dem erstinstanzlichen Urteil geübt hatte, gewandt. — So ist das Unglaubliche Tatsache ge­worden. Ein Urteilsspruch, der wegen der mög­lichen Konsequenzen mindestens sehr bedenklich erschien, ist durch diele dritte Entscheidung be» stätigt worden. Auf Verständnis beim Publikum wird er ebensowenig stoßen, wie das erste Urteil.

Und solch aufgelegter Schwindel findet immer noch zahllose Gläubige.

— Mittelstandsvereinigung und Nachlaßsteuer. Die Handwerkskommission der Düfleldorser Mtttelstands- vereinigung befaßte sich in ihrer Sitzung vom 6.d.M. mit einer vom Zentralausschuß der vereinigten Jnnungsverbände Deutschlands an die Innungen ergangenen Aufforderung, an einer in Berlin am Osterdienstag abzuhaltenden Riesendemonstrations- Versammlung zugunsten der Nachlaßsteuer kilzu- nehmen. Die außerordentlich lebhafte Aussprache der stark besuchten Versammlung ergab, daß die Kommission in dem Versuch des Zentralausschuffes, die gesetzlichen Handwerkerkorporationen der Agitation für die einseitig bestimmte Lösung einer, wie die Verhältnisse zurzeit liegen, fast ausschließlich poli­tischen Frage dienstbar zu machen, ein Hinausgehen über die den Innungen gestellten Ausgaben erblickte und sich ablehnend verhielt.

)( Militärische Nachftrasen. Bei Spandau ist eine Strafabteilung für Reservisten und Land­wehrmänner gebildet worden, in der die Mann- schasten des Beurlaubtenstandes und der Landwehr des Gardekorps, die nach ihrer Militärdienstzeit wegen ehrenrühriger Handlungen bestraft worden sind, .von dem Stamm'ruppenieil des Gardekorps sernzuhalten sind." Dahin sollen auch solche Reser­visten gebracht werden, die sich im Zivilleben der Ma estätsbeleidigung schuldig gemacht und wegen „sozialdemokratischer Vergehen" bestraft worden sind. — Die Militärverwaltung nimmt sich damit das Recht, Leute, die wegen irgendwelcher Vergehen be« Uraft worden find und ihre Strafe verbüßt haben, noch einmal zu bestrafen. Ob das mit der Verfassung vereinbar ist, darüber wird man sich wohl im Reichstage unterhalten.

* Tie Eier von Missouri und die Finanz­reform. In ihrer Abenonummer vom 1. April d. Is. brachte die ,Frkf. Zig.' folgende Zuschrijt aus New-Nork:

Tatsache ist, daß nachstehendes unter Eid von einem Zeugen im Kreisgeiichr zu Newark lNew-Iersey belundet wurde, fonft würde ich es nicht erzählen: „Die Farmer in Missouri können mit einem Kniff ihre Hennen veranlassen, zwei Eier täglich zu legen, statt eines einzigen, womit sich em gewöhnliches Huhn zufrieden gibt. Diese schlauen Lansleuie haben näm­lich elektrisches Licht in den Hühneriläüen, und wenn es 2 Uhr morgens ist, drehen sie das Licht an. Die Hennen glauben nun, es fei Morgen und legen. So­bald dies geschehen ist, werten die Lichier wieder aus- gedreht und die Hennen schlafen wieder. Wenn es dann Tag wird, legen sie noch eimnaL Da der Henne in Misiourt nun etwas zu viel zugemutel wird, sind die Eier kleiner als die anderer Hühner.

In einer der folgenden Nummern verwahrt das Blait sich dagegen, daß es sich um einen Aprilscherz gehandelt habe. Die Kreuzzeitung' bemerkt dazu:

Auch uns erscheint die Nachricht völlig glaubhaft, falls sich die uns zugehende sensationelle Mitteilung bewahrheuet, wonach Die Methode mit Erfolg schon aus die Zucht vierfüßiger Tiere angewandt worden ist. Danach soll in einem unserer intelligentesten landwiit- schafrlichen Bezirke ein „lateinifcher Oekonomiker" den Kalender tm Kuhftalle täglich um einen Tag vorgestellt und durch vieles schlaue Manöver die Kühe über Die Dauer der Trächligkeitsperiode getäuscht habe.,, was em zweimalige» Kalben im Jahre zur Folge hatte. Die von Natur weniger intelligenten Mutterschafe sollen auf dieselbe Weife sogar dahin gebracht sein, viermal im Jahre zu lammen.

Die »Köln. Volksztg/ eiwlich hat sich das hohe Vervienft erworben, die neue Methode auch für die Politik nutzbar zu machen und ihre An- wendung zur Förderung der Finanzreform vorzufchlagem In nationalliberalen Blättern hat man sich über die säumige Leitung der Finanz, kommlssionsardeiten durch den jetzigen Vorsitzenden, den Abg. Dr. Paasche, beschwert, die der Dring.

MonakbeUage: „Fuldaer Geschlchtsblätter"

lichkeit der Finanzreform ganz und gar nich entspreche. DaS rheinische Blatt schlägt nun dem Reichskanzler vor, Herrn Paasche am 21. Mai einen Abreißkalender vorzulegen, der ben 21. Juli als Dalum angibt. Voll Schrecken werde der lässige Paasche dann daraus hinwirken, daß die Kommission das Ei der Finanzreform noch am selbigen Tage legt. — Wir schließen rmS dem trefflichen Rate begeistert an. Probatem est!

♦ Um die Nachlaßsteuer. Der engere Vor- stand des Bundes der Landwirte hat, wie wir schon mitteilten, eine lange Erklärung zur Rechtfertigung der ablehnenden Haltung des Bundes in Sachen der Nachlaßbesteuerung ver­öffentlicht. Den Kern brr umfangreichen Aus- lassung, die uns jetzt vorliegt, bilden folgende Sätze:

Der Kampf gegen die Nachlaßsieuer wird vom Bunde der Landwirte geiührt in voller Uebereinstim- münz seiner Mitglieder ans Gründen der Baterlands- liebe, die es nicht zuläßi, daß der deutsche Mittelstand in Stadt und Land in feiner wirtschaftlichen Existenz, in seiner Seßhaftigkeit und in dem inneren Zusammen­hang der Familie schwer gemifrdet werde. Die deutschen Landwirte wol len Opfer bringen, da­mit wir zu geordneten Reichfinanzen kommen, schwe­rere Opfer, als andere Stände. Denn die Be­steuerung der Genußmittel, der wir im wesentlichen zustimmen, trifft uns Landwirte bei Tabak, Bier, Branntwein und bergt nicht bloß als Verbraucher der Dinge, rote alle andern Staatsbürger, sondern auch als Hersteller der Rohstoffe, aus denen sie bereitet werden, als Anbauer von Kartoffeln, Tabak, Gerste und Hop>en. Wir sind auch einverstanden, daß der größere Besitz und der mühelose Erwerb zu höheren Leistungen für die Allgemeinheit herangezogen werden, aber wir widerstreben einer solchen Besteuerung, die notwendigerweise den unbeweglichen Besitz, das Haus in der Stadl, das Geschäft und die Werkstatt so gut wie das Anwesen auf dem Lande stärker treffen mutz als den ost so viel reicheren Besitz an beweglichem Kapital, der sich leicht der Besteuerung entziehen kann und dies nach Erfahrungen, die anderwärts mit der Nachlaß­steuer gemacht sind, auch dort getan hat. Wtr ^wider­streben einer Besteuerung, die nicht den Besitz der Nebenbei, sondern die Hinterlassenschaft der Toten trifft, die die Familie belastet in einem Augenblick, in dem sie durch den Tod des Vaters oder der Matter ober des Gatten nicht nur in Trauer versetzt, sondern meist auch in eine wirtschaftlich ungünstigere Lage ge­raten ist.

Im übrigen klingt die ganze Erklärung recht müde mit der Beteuerung aus, der Bund habe- seine Pflicht getan, mehr könne er nicht tun. Hoffnungslos! Es sind die Folgen der Block- Politik, gegen die sich jetzt der Bund der Land­wirte wehrt — der Blockpolitik, die seine Ver- treler und Organe begeistert mitgewacht haben.

X Der Block von Baffermann bis Bebel, die jünaste Phantasie Naumann- wird jetzt von seinem eiaenen Erfinder vreisgeaeben. In der neuesten Stummer der.Hilfe' erklärt er:

„Ich habe von der „zukünftigen Mehrhett von Bebel bi5 Baffermann" gesprochen und halte daran fest, daß diese das Ziel der deutfchen Entwicklung ist, aber so blind, wie es mir einige Zeitungsschreiber zu- muten, bin ich doch auch nicht, diese Parteipruvpierung für etwas heute Herzustellendes anzusehen. Das wird mich nicht abhalten, sie als Zielpunkt der Arbeit immer wieder auszusprechen. . . . Irgendwann kommt bie deutsche Linke, vorläufig ist sie aber noch nicht da nnd steht auch noch nicht vor der Tür."

Weshalb hat Naumann bas nicht gleich ge­sagt ? Wenn em Politiker zu aktuellen pol tischen Fragen Stellung nimmt, so liegt doch der Gedanke nahe, daß er nicht Zukunftsträume produ- zieren, sondern realpoliltsche Folgerungen bar- stellen will. Uebrigens wirb sich auch dieser Zukunslstraum Naumanns nicht ganz so ver- wirtlichen, wie er es annimmt. Die Liberalen

Ausland.

** In der Konferenzfrage nimmt die öfter« reichisch-ungarische Regierung nach wie vor einen ablehnenden Standpunkt ein. Das offiziöse Wiener ,Fremdenblatt' erklärt das nochmals ausdrücklich.

* Monarchenbegegnungen. Die Verhandlungen über ein Zusammentreffen Kaiser Wilhelms mit König Viktor Emanuel sind abgeschloffen. Ort -unb Zeit der Begegnung stehen noch nicht fest. — Den Nachrichten über eine beabsichtigte Begegnung zwischen Kaiser Wilhelm und König Eduard auf der Insel Matta wird i» unterrichteten Kreisen widersprochen. Ein Zusammentteffen noch im Früh­ling sei nicht unmöglich, doch seien keinerlei Verein­barungen getroffen. — Wie in Paris verlautet, wird im Mai eine Zusammenkunft des Zaren mit dem Präsidenten FallisreS in Brest ftaltfinden.

*♦ DaS Wettrennen um die größte Flotte, von dem gegenwärtig angesichts der englischen Flotten­kampagne so viel die Rebe ist, ist in seiner Wirkung nur zu übersehen, wenn man die Ausgaben vergleicht, die die einzelnen Mächte dafür aufwenden. In England stieg die Summe der Ausgaben für die jJiarine folgendermaßen art: 1893: 291 Millionen Mark, 1898:521 Mill. Mark, 1903: 734 Mill. Mk., 1908 : 659 Mill. Mark. Bekanntlich schnellen in diesem Jahre diese Zahlen wiederum ganz bedeutend in die Höhe wegen der neulich beschlossenen erheb­lichen Neubauten. Frankreich tonnte bei diesem Wettrüsten nicht im entferntesten mit Es steigerte seine Aufwendungen von 1893 mit 203 Mill. Mark bis 1908 auf 255 Mill. Mark. Deutschland aber nahm den Wettlauf aus: 1893: 81 Mill. Mark, 1898: 126 Mill. Mark, 1903 : 210 Mill. Mark, 1908 : 339 Mill. Mark. Noch schneller aber konnte es das reiche Nordamerika, das ja keine große Landarmee zu unterhalten braucht, eine um die Hälfte größere Bevötkermtg hat und über einen un­geheuren Reichtum verfügt. Seine Ausgaben stellten sich 1893 auf 128 Mill. Mark, 1898 auf 249 Mill. Mark, 1903 auf 349 Mill. Mark, 1908 auf 505 Mill. Mark. — Am ungünstigsten steht bei biefem Wettrennen Deutschland, weil es gleichzeitig daS stärkste Landheer der Wett unterhält

Deutsches Reich.

** Berlin, 9. April 1909. Zum Osterfeste wirb bie ganze kaiserliche Familie in neuen PalaiS bei Potsdam vereinigt sein. Am dritten Feiertage wird bann bie Reise nach Korfu über Venedig angetreten. — Der Gouverneur von Kamerun, Dr. Seitz, ist in Deutfchland einge- lroffen. Er weilt gegenwärtig in seiner badischen Heimat und wird im Mai in Berlin eintreffen. — Der Staatssekretär des Innern hat, wie die „93. P. N." melden, ben Korporationen derjenigen Erwerbskreise, bie an ber Neugestaltung des Arbeiterversicherungsrechtes ein ganz be» sonberes Interesse haben, den Entwurs zur Retchsversicherungsorbnung mit bem Anheim­stellen zugesanbt, ihre Wünsche zu den neuen Vorschriften bem Reichsamt des Innern bar­zulegen.

* Englisckfe Offiziere auf deutschen Schlacht- selder». Der Kaiser hat genehmigt, daß 60 englische Olfiziere und Kriegsakabemieschüler in zwei Abteilungen Ende April bis Ende Mai die auf deutschem Gebiet liegenden Schlachifelder bei Weißenburg, Wörth, Spichern und um Metz zu Stubienzwecken aussuchen. Zur Führung wird ein beut scher Offizier für bie Metzer Schlacht­felder zur Verfügung gestellt.

= Eine kaufmännische Lehrkonferenz, in oer die Lehrlingsfrage im Kaufmannsstande be­sprochen werden soll, soll in ber übernächsten Woche in Le pzig stattfinden.

--- Die Vertretung der neuen Provinzen im Preußischen Herrenhause. In ber Deutschen Tageszeitung' tritt Graf Ra tzau-Rasdorf baiür ein, baß auch ben „neuen" Provinzen (Hannover, Hessen und Schleswig-Holstein) bie ihnen bis­her vorenthalten gebliebenen Präsentalionsrechte ber Grafen-Berbände und ber Verbände des alten und des befestigten Grundbesitzes gewahrt werden sollen, vornehmlich mit Rücksicht auf die Vertretung deS platten Landes.

+ Wen» gegen das Zentrum gehetzt werden soll, scheint jede Lüge erlaubt zu sein. Die /Berliner Reuest. Rachr.' freuen sich über die Resolution des Vorstandes des konservativen Landesvereins im Königreich Sachsen, weil darin die Forderung er­hoben wird, daß die Wiederkehr einer Vormacht- stellnng des Zentrums im Reichstage zu verhindern sei, und bemerken dazu:

„Der letzte Satz ist zweifellos der wertvollste in biefer zweiten Resolution. Er beweist, daß Die säch­sischen Konservativen 'auch wegen Der Reichsfinanz­reform Den in ernster Zeit geschaffenen unD bisher trefflich bewährten (dm!) nationalen Block nicht leichten itzerzens preiszugeben willens sind.... Wenn alle ehrlichen Gegner der klerikal-sozialdemokra­tischen Mehrheit, die bis zur Auflösung des vorigen Reichstags Die parlamentarischen Ge­schäfte führte, sich die,en Aus'pruch der sächsischen Konservativen stets vor Augen halten, dann rolid, den guten Willen aller beteiligten Faktoren vorausgesetzt, der «lock auch durch die Klippen der ReichSfinanz- refotm glücklich hindurchkommen."

Run fragen wir einen „ehrlichen Gegner": Wann hat jemals im Reichstag eine „klerikal- sozialdemokratische Mehrheit" die Geschäfte geführt? Wie wäre dies überhaupt jemals möglich gewesen?

K Sonne i>es GehemMeS.

16] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld.

„Am Ende in der Linden-Allee haben sie ihn gefunden- neben dem kleinen Türchen hat er ge­legen", fuhr das Mädchen eifrigst fort, entzückt über den Eindruck, den sie mit ihrer Neuigkeit hcrvorgebracht, „und Mylord sagt, er wäre schon wenigstens seit ein paar Stunden tot."

„Wie schrecklich!" sagte Miß West. „Jeden­falls war's ein Wilddieb, nicht? Sie werden wohl mit beim Forsthüter aneinander« geraten sein." . . e

„Nein, nein", wehrte das Mädchen eifrig ab, ist kein Wilddi-b. Mylord glaubte das auch erst, und niemand sollte ben Toten anrühren oder wegschaffen, bis die Polizei käme. Es ist aber jemand, den Mylord kennt."

Nunmehr sah Miß West wirklich überrascht ouf. Aber auch nicht der leiseste Schimmer der Wahrheit dämmerte ihr.

„So? Wer ist ez denn?" fragte sie gespannt.

„Mylord nannte ihn Herr Jefferies", war Dis Antwort, „und sagte, er wäre der Bruder von Herrn Werner Jefferies, der hier vor eint- ger Zeit zu Besuch war."

Damit eilte das Mädchen, das sich ihrer Neuigkeit entledigt, wieder ans dem Zimmer und ließ die beiden Schwestern, die einander schreckensbleich anstarrtrn, allein

50. Kapitel.

Noch ein Fund.

Sehen wir, was sich inzwischen 'ereignet'. ■

„er®. Eüayne war, wie wir wissen, zum Früh- fiucksgimmer gegangen, um die eingegpngenen . i TW^en. Er hatte Marian zuge- flüstert, raß Evelyn ganz und gar nicht wohl, ticlmefjr Jebr ermüdet sei, und sie gebeten, den $ 6U übernehmen.

। Ahm 5nE hEe mit ihren scharfen Augen

„Was ist das, Mortimer? — Evelyn er- mübet? Das tut mir sehr leid. Sie sollte strah­lend aussehen, und auch in strahlender Stim­mung sein, heute, am Festtage."

Lord Wayne gefiel der Ton feiner Verwand­ten nicht.

„Lady Wayne ist immer strahlend", erwiderte er kühl und abweisend.

Isabel lächelte verächtlich.

Es war ihr eine Erleichterung, sich an die hübsche Mrs. Playfair zu ihrer Rechten zu wen- den und in halb bedauerndem Tone von Lord Wayne's umvandelbarer Eingenommenheit für feine Gemahlin zu reden.

„Ich versichere Sie", sagte sie, „er kann kei­nen Fehler in ihr finden. In seinen Stegen ist sie die Vollkommenheit selbst."

„So muß es auch sein", erwiderte Mrs. Play­fair. „Ich hoffe wenigstens, daß mein Mann das Gleiche von mir denkt."

„O ja, gewiß", gab Isabel zu, „alet diese außerordantlich Verliebten erschreck^ mich et- toa3, Mrs. Playfair. Der Mensch soll sich fein geschnitztes Bild machen, dasselbe anzubeten, wis­sen Sie. Ich wenigstens fürchte immer, es könnte nuil etwas pafiieren, um diese Abgötterei z» be. strafen."

Mrs. Playfair versuchte eine Minute lang so auszusehen, als ob sie in der Kirche sei und der Predigt zuhöre, hatte aber entschieden Pech da­mit und dachte dann, Mistreß Isabel fei doch sehr viel weniger reizend, als sie zuerst von ihr geglaubt.

Inzwischen toar ein Diene geräuschlos ins Zimmer getreten und hatte einige wenige leise Worte mit Lord Wayne gewechselt. Ein oder zwei der Gäste sahen den Hausherrn jäh anf- blicken, als ihm der Diener seine Mitteilung zu- flüfterte. Nach einigen Minuten verließ er ruhig und gleichmütig das Gemach.

Die Ruhe und der Gleichmut verschwanden aber aus seinen Zügen, als er eine kleine Gruppe

Diener in der Halle zusammen stehen und plau- dern sah. Er schritt sofort auf sie los.

„Was ist's?" fragte er; „was ist gefunden?"

„Ein Mann, tot geschossen, Mylord; Wilson, der Förster hat ihn vor einer halben Stunde am eisernen Lärchen gefunden."

„Tot?" wiederholte Lord Wayne.

„Kalt und tot, seit Stunden schon, Mylord."

„Schicken Sie sofort nach Kenningsthorpe zur Polizei. Und daß nichts geschieht oder ange­rührt wird, ehe die Polizei kommt", sagte Lord Wayne. „Ist vielleicht während der Nacht wie­der gewildert worden?"

„Wilson weiß von nichts", war die Antwort.

Und dann war Lord Wayne, da er wußte, wie nervös und leicht erschreckt seine Gemahlin war, selbst auf ihr Zimmer gegangen, um ihr die Sache mitzuteilen, bevor irgend jemand sie erschrecken konnte.

Er kleidete sich zum Ausgehen an, wollte aber nicht an Ort und Stelle gehen, ehe die Po­lizei erschien. Er hatte nicht lange zu warten.

Sergeant Elliot erschien alsbald mit zwei ferner tätigsten und tüchtigsten Leute. Sie gin­gen zusammen, nebst einigen Dienern vom Schlosse. •

Wilson, der Förster, stand am Lärchen, und dort, im langen ©rufe, sahen sie die Leiche lie­gen, noch unberührt.

Wilson begrüßte Lord Wayne sehr ehrerbietig.

„Ich kenne den Wert gerichtlicher Feststel­lung M Tatbestandes, Mylord", sagte er, „und wollte daher die Leiche nicht anrühren lasten, bis die Polizei käme."

„Sie haben sehr recht daran getan", erwiderte Lord Wayne, „man kann in solchen Füllen nicht vorsichtig genug sein."

Dann kniete Sergeant Elliot nieder, hob den Leichnam empor und drehte das Gesicht zum Lichte.

„Das ist kein Wilddieb", sagte er bestimmt.

„Das ist ein Mord. Der Mann ist durch's Herz geschaffen."

Lord Wayne beugte sich nieder und betrach­tete das starre Antlitz, das die warme Morgen» sonne beschien; dann rief er plötzlich laut:

„Den Mann kenne ich."

„Sie kennen ihn, Mylord?"

„Jawohl", fuhr der Lord hastig fort; „es ist der Bruder eines Herrn, der uns hier neulich besucht hat. Sein 9tame ist James Jefferies. Was mag ihn nur hierher gäiracht, und wer mag ihn erschossen hoben?"

„Das ist's, was wir herauszukriegen haben", sagte der Sergeant. „Jawohl, es ist kein Irr­tum möglich, Mylord; er muß hier bereits seit Stenden gelegen haben; der Köper ist vollständig steif und starr. Was nun?"

Einer der Manner schlug vor, die Leiche solle in das nahebei gelegene Försterhaus gebracht werden und dort so lange bleiben, bis die gericht­liche Untersuchung gehallen sei.

Eine Tragbahre war bald zur Stelle, und darauf hoben sie die stumme Gestalt, die die ganze lange, fülle Nacht dort im Grase gelegen. Große Blutflecken waren im Grase, auf den Blättern und den wilden Waldblumen umher.

„Ein fürchterlicher Schuß", bemerkte der Ser­geant.

Lord Wayne stand sehr ruhig und gefaßt da, doch sah er blaß und ernst aus; dieser Mord, s» nah« vor den Toren seines Hauses, gefiel ihm ganz und gar nicht.

„Glauben Sie, es sei vielleicht ein Ranban- fall?" fragte er, „ich kann mir eine so schreckliche Tat gar nicht erklären."

Sergeant Elliot untersuchte gerade die Ta­schen der Leiche.

„Ein Raubmord kann's wohl nicht gewesen sein", sagte er dann, „hier fehlt's wirklich nicht an @eT "'