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Rotationsdruünnd Verlag der Lulbaer Rk- tiendrnckerei in ZuILa Zernjprecher Nr. 9.
JV$ 81.
Fulda, Samslacl den 10. April 1909.
36. Iabr-tanq.
Drittes 'Matt.
t Ostern.
Das Fest des Triumphes! In seiner Auf» erstehunp überwand der Herr die Sünde und den Tod. Vom Morgen des ersten Osterlagks an klingt es über die Erde: Christus siegt, Christus ist der König und Gebieter!
Wenn die Gegner des Glaubens darauf Hinweisen, daß noch ein riesiger Teil der Welt unchristlich sei und ein anderer Teil schon wieder in die Gottlosigkeit zurückzusallen drohe, so kann das unsere Osterhoffnung nicht knicken. Wer im Stande war, am dritten Tage von den Toten auszuerstehen, der besaß auch die Macht, um mit einem Schlage die ganze Menschheit vor die Frage zu stellen, ob sie sein Evangelium annehmen wolle oder nicht, und dann das Unkraut vom Weizen zu sondern. Er hat es anders gewollt ; er wählte Menschen zu Werkzeugen seiner Gnade, und infolgedessen litt die Verchristlichung der Well unter der menschlichen Schwäche. Aber wenn das Werk langsam ging, io ging es doch stets vorwärts, und wenn ein Rückschlag an der einen Stelle eintrat, so wurde der Verlust durch einen Erfolg an anderer Stelle mehr als ausgeglichen.
Die Trugschlüffe der „Aufgeklärten" ändern nichts an der Tatsache, daß alles Gute und wahrhaft Schöne, was die zivilisierten Völker aufweisen, im Christentum wurzelt und auch die Feinde des Christentums von dem Geistesbrote leben, das Christus auf die Welt gebracht hat und fortwährend vervielfältigt.
Aber wenn wir bedauernd den gegenwärtigen Umfang des Unglaubens und Irrglaubens be- trachten, so wollen wir nicht nach Phorisäerart die ganze Schuld auf die Andern schieben, sondern uns klar machen: der Triumph des Kreuzes wäre schon viel weiter vorgedrungen, wenn die G!äubigen im Dienste des Kreuzes tüchtiger wären!
Der Held von Juda hat uns allzumal — auch die Kleinen und Schwachen — zur Mitarbeit berufen. Wer immer ihn bekennt vor Den Menschen, unterstützt das apostolische Werk. Das bloße Wort ist sreilich kein wirksames Be- kenntms, denn an ihren Früchten wird man sie erkennen. Aber wer das Bekenntnis durch die Tat bekräftigt und in seinem Lebenswandel die hestigende Kraft des Christentums bekundet, der predigt den Auserstandenen und wirbt für daS Kreuz.
Und die Eltern, die ein einfältiges und bescheidenes Hauswesen führen, sie dürfen stolz sagen, daß sie von priesterlichem Geschlecht sind, wenn sie der Gemeinde des Auferstandenen gut erzogene Kinder zuiühren, die ihrerseits wieder neue Apostel des Christentums abgeben werden. Die christliche Familie ist eine Brutstätte des sittlichen und sozialen Fortschritts. Wie die lebende Zelle durch ihre Saftleitung und ihre Vermehrung das Wachstum des Körpers be- gründet, so dient die christliche Familie dem Wachstum der christlichen Weltgemeinschaft.
Nicht bloß im stillen Kämmerlein will der Auferstandene siegen und herrschen, sondern auch im öffentlichen Leben, damit das Antlitz der Erde ganz und gar erneuert werde. Wie viel weiter würde in dieser Hinsicht der Triumph
des Kreuzes schon entwickelt sein, wenn alle gläubigen Verehrer des Auferstandenen sich einig und solidarisch fühlen wollten bei ihrer öffentlichen Wirksamkeit in Stadt und Staat!
Wer den Sieg des Auferstandenen zu beschleunigen wünscht, der fange bei sich selbst an, und stehe ans mit Christo, um ein richtiger Christ zu sein in Gedanken, Worten und Werken. Wer den König der Glorie verehren will, der mache ihn zunächst zum König und Herrscher in seinem eigenen Herzen, und dann bereite er ihm den Thron an seinem häuslichen Herde, und weiterhin helfe er, so gut er kann, das Kreuz aufrichten auf dem Markt und auf den Rathäusern des Landes.
Auferstehung und neues Leben möge uns das Osterfest bescheeren — die Auferstehung der Tauf- gnade, der Neubelebung deS werktätigen Glaubens, die Auffrischung jenes heiligen, jugendfrischen Eifers, der uns bei unserer ersten Osterkommunion erfüllte.
Die Auferstehung des Fleisches wird am jüngsten Tage kommen; die Auferstehung des Geistes soll heute schon die Osterfrucht sein.
Jf- Montenegro.
Die Angliederung Bosniens und der Herzegowina an Oesterreich fällt bekanntlich unter den Artikel 25 des Berliner Vertrages. Außer diesem Artikel muß noch der Artikel 29 abgeändert werden, der die montenegrinischen Verhältnisse regelt.
Montenegro ist in der letzten Zeit, als alle Welt sich mit den serbischen Krisen beschäftigte, sehr in den Hintergrund geraten. Es schien einige Zeit als ob Montenegro für feine gekränkte Eigenliebe sich etwas Genugtuung schaffen wollte. Es wurde nämlich berichtet, Montenegro weigere sich abzurüsten und die Annexion Bosniens und der Herzegowina anzuerkennen, ehe nicht sein Artikel 29 in befriedigender Fassung neu geregelt sei, und es stelle die Bedingung, daß es für seinen Hafen Antivan vollständige Verkehrssreiheit erhalte, auch für die Kriegsschiffe aller Nationen. Bisher war Antivari gegen den Verkehr von Kriegsschiffen adgeschloffen. Eine große praktische Bedeutung bat diese Klausel nicht. Daß sich in Antivari eine gefährliche Flottenmacht eines Gegners von Oesterreich einniste, ist kaum zu befürchten.
Nach einigem Zögern ist nun Montenegro aus die durch Italien übermittelten Vorstellungen der Großmächte hin dem Beispiele Serbiens gefolgt und bat sich dem Willen der Mächte unterworfen Oesterreich hatte schon vorher feine Zustimmung zu der Aufhebung der Bestimmungen des Artikels 29 des Berliner Vertrages zu erkennen gegeben, in denen ein Verbot der Führung einer Kriegs flagge seitens Montenegros und die Ausübung der Hafenpolizei in Antivari durch Oesterreich ausgesprochen ist. Schon vor Jahren hatte Oesterreich auf ein weiteres Recht, das Zristimmungs- und Aussichtsrecht bezüglich der montmegrinifchen Bahn- beamten, verzichtet. Einzig auf die Beibehaltuna des Hafens Antlvari als Handelshafen bestand Oesterreich.
Darauf ist Montenegro nunmehr erngegangen und hat glelchzeitig die Annexion Bosniens und der Herzegowina anerkannt. Die m on tengr inische Regierung hat an den österreichisch-unaarischen Gesandten in Eetinje eine entsprechende Note gerichtet in der zum Schluß die Hoffnung ausgesprochen wird, „daß nichts mehr der Entwicklung und der Befestigung der guten Beziehungen zwischen der Monarchie und dem Fürstentum im Wege stehen werde.'
In der Antwort des österreichisch-ungarischen Gesandten an die montenegrinitche Regierung heißt
es, die österreichisch-ungarische Regierung sei glücklich, unter diese« Umständen die guten nachbarlichen Be- ziehungen zwischen Oefterreich-Ungarn und Man- tenegro als wieder heraestellt betrachten zu können. Die österreichisch-ungarische Regierung beglückwünsche sich dazu, im Einvernehmen mit den übrigen Mächten an die Abänderung des Artikels 29 heranzutreten.
Nach diesem befriedigenden Austausch von Erklärungen zwischen Oefterreich-Ungarn und Montenegro wird die Wiener Regierung an die Mächte eine Note mit der Erklärung ihrer Zustimmung zu den Aendeungen des Art. 29 richten. — Damit ist dann auch dieser Zündstoff in der Balkankrisis beseitigt. __________
Deutscher Reich.
)( Die nationalliberale Partei will in diesem Jadre ihren Parteitag ganz besonders imponierend ausgestalten. Mit der Tagung, die am 2„ 3. unb"4. Oktober in Eisenach statt- finden soll, soll nämlich eine Gedächtnisfeier der vor 50 Jabren erfolgten Gründung des National- Vereins verbunden werden. — Die alten Herren des Nationalvereins werden sich in den Tagen vom 2.-4. Oktober wahrscheinlich andauernd 'm Grabe umdrehen, wenn sie sehen, was für Leute sich heute als ihre Nachfolger zu fühlen versuchen
)( Tie Kanalisierung des Maines bis Aschaffenburg, die vor mehreren Jahren von den vier Mamuserstaaten vereinbart worden ist, bängt bekanntlich, entsprechend den damaligen Verträgen, von der Durch'ührung der Schifs- sahrtsabaaben auf den Strömen ab. Die preußische Regierung glaubt nun int Reich« ihren Einfluß soweit verstärkt zu haben, daß sie noch in dieser Session den entscheidenden Schritt tun zu bitt'en hofft. Wie es heißt, soll noch in dieser Reichstagssession der Gesetzentwurf aber die Erhebung von Schifffahrtsabuaben aus den Strömen an den Reichstag gelangen, damit Der Beginn bet Bauatbeiten am Main nicht länget h-nausgerögert zu werden braucht. Der Gesetzenlwurf, der bereits neulich in der Presse besprochen werden konnte, soll dem Reichstage bald nach Ostern zugehen.
)( Ein Genosse als Soldatenschinder. In Dortmund ist vor einigen Tagen em sozialdemokratischer Redakteur, der gegenüber den Offizieren und Hntetoffideren der Armee den Anwurl „Schinverknechte" gebraucht hatte, zu einer hohen Gesängnisstraie verurteilt worden. Die sozial- demokratlsche Presse bat sich kräftig darüber entlüftet. Jetzt stellt sich heraus, daß der verurteilte Redakteur, 91 e 11 e b o b tn mit Namen, als Soldat wegen Beihilfe bet der Mißhandlun - eines Soldaten zu drei Tagen Arrest verurteil! morden ist. Bei dieser Vergangenheit hätte der tapfere Genysie freilich bester getan, den Mund weniger weil oufture'ßen.
Aus! and.
*♦ In Persien haben die Kämpfe zwischen den Nationallsten und der Schahpartei immer noch noch nicht zu einem entscheidenden Schlage geführt. Täbris ist Mittwoch wieder vier Stunden lang von den Truppen des Schahs bomba- diert worden, ohne daß die Stabt wesentlich darunter gelitten hat. In Urmia haben die Nationalisten das Arsenal in Besitz genommen. — Nach einem Telegramm aus Konstantinope! ist bei Den dort lebenden Persern die Nachricht
aus Teheran eingetroffen, daß vor einigen Tagen auf dem Schreibtiich des Schah ein Sprengkörper entdeckt wurde, der aber entfernt werden konnte, ohne Schaden anzurichten. Man nimmt eine Verschwörung gegen das Leben des Schahs an, deren Mitglieder bis in feine unmittelbare Umgebung reichen müssen. Unter den Bedientesten des Hofes sind Ver> Haftungen in großer Zahl vorgenommen worden.
* Rußland. Bekanntlich Herrscht über das Schicksal des aus der Revolutionszeit her bekannten „Priesters Gapon" noch keine Klarheit. Wie englischen Blättern aus Petersburg gemeldet wird, wird man darüber in der nächsten Zeit etwas näheres erfahren. Alexis Gapon, der Sohn des ermordeten russischen Priesters, hat nämlich bei dem Gerichte beantragt, ihn als den Erben des von Gapon hinterlassenen Vermögens von 14,000 Rubel amuetfennen unb ihm auch die 15,000 Franks auszuliefern, die in einem von einem Vater gemieteten Kasten schranke gesunden wurden. Diesen Kaffenschrank hatte Gapon unter dem Namen Rybmtzky gemietet. Der Erle wird Die Aehnlichkeit Rybnitzkys mit Gapon beweisen und Zeugen für dessen Tod bringen müssen.
Aus dem Nachbargebiete.
* Kassel, 8. April 1909. Um sich das Geld zum Besuche von Kinematograpden-Vorstellungen zu beschaffen, entrissen zwei 14jährige Knaben einem Mäochen, das Einkäufe besorgen sollte, das Portemonnaie. Jeder der Bengel erhielt dafür gesiMn von der Strafkammer wegen Straßenraubes 2 Monate Gefängnis.
♦ Marburg. 9. April 1909. Der Königliche Forstrat Hermes ist zum Forstanwalt ernannt worden.
• Grebendorf, 7. April 1909. An Blutver- gifiung gesiorben rft der Arbeiter Mark von hier. Er hatte ein Geschwür am Halse, fühlte sich aber gestern abend noch ganz wohl. Das Leiden verschlimmerte sich in der Nacht plötzlich derart, daß ihm M. heute morgen erlag.
* Eisenach, 8. April 1909. Der Schaden, den das Hochwasser der Hörsel und Werra anfangs Februar im Eisenacher Streife angerichtet, ist jetzt erst in seiner ganzen Größe erkennbar. Drr Gesamtschaden, den Private erlitten haben, beziffert sich im Eisenacher Kreis allein auf über WO 000 Mark.
♦ Erfurt, 8. April 1909. Die in letzter Zeit bet der Telegraphenverwaltung in Erfurt und der elektrischen Straßenbahn verübten Drahtdiebstähle haben ihre Aufklärung gesunden. Dte Polizei in Ilversgehofen ist es gelungen, eine Diebesbande, bestehend aus fünf Personen, zu ermitteln, die diese Diebstähle verüble. Das gestohlene Gut, bat einen ziemlich bedeutenden Wert hat, ist nach Leipzig und anderen Orten in Sackst en verkauft worden.
* Weimar. 6 April 1909. Im Parke er- schoß sich die 18jährige Chorsängerin Fucha, weil ihr die Mittel zur Ausbildung als Opernsängerin fehlten.
• Heiligenstadt, 7. April 1909. Ein Wald- brand, der aller Wahrscheinlichkeit nach vorsätzlich angelegt worden ist, entstand gestern nachmittag in der Nähe von Arenshausen. Junge Tannenpflanzungen und ein Teil der Gemein- dewalbung sind dem Brande zum Opfer 9# fallen.
Schlagende Wetter.
Ein« Ostergeschichte von Daleih.
„Also, wie gesagt, liebe Frau Becker, ich kann für Sie in dieser Sache weiter nichts mehr tun. Ihr Mann hat durch seine Unachtsamkeit Hunderte von Menschenleben in Gefahr gebracht: nach der Dienstvorschrift mußte er abgelegt werden. Es geht nicht an, vor Ort Streichhölzer anzuzünden. Schon deS abschreckenden Beispiels wegen muß er die Zeche verlaßen."
„Ach Gott, Herr Direktor I Ein Mann, der zwanzig Jahre als Hauer angefahren ist und nie die geringste Strafe bekommen hat! Wüßten Sie nur, warum er nicht den weiten Weg zur Lampenstation gehen wollte, Herr Direktor! Im Akkord ist schwer arbeiten, und wenn einer für zehn Mäuler zu sorgen hat, ist jede Minute kostbar. Die Sicherheitslampe ist ihm ausgegangen, und wenn nicht gerade der Fahrsteiget gekommen wär'--"
„So hätte Ihr Mann die ganze Grube in die Luft gesprengt. Denn gerade jetzt sind wieder maffenhost böse Wetter da unten. Es bleibt habet — Becker ist abgelegt. Adieul"
Ein kurzes Nicken des ausdrucksvollen Kopfes. ein ruhiger, kalter Blick aus den stahlgrauen Augen und die abgehärmte blasse Frau war entlaßen.
„Das wäre noch schöner!" brummte Direktor Braun ärgerlich vor sich hm, „wenn ich auf mer» iter Zeche keine Ordnung mehr halten sollte. Ich bin im klarsten Rechte,, und wenn feine acht Würmer nichts zu beißen haben, kann fich's her SJeder selbst zuschreiben."
Es klopfte schüchtern. Eine schlanke Frau in oen mittleren Jahren mit ernsten Zügen und fünften Augen, denen man düe Schüchternheit ansah, trat an den Schreibtisch des gestrengen Herrn Direktors heran.
„Nun, Marian?"
Sie näherte sich zögernd, nach Art der ver
schüchterten Frauen, die in der Ehe mit einem eigenwilligen Gatten an unbedingten Gehorsam gewöhnt sind.
„Ich wollte nur — ich meinte — ich möchte dich dich bitten, den armen Becker mit einer gelinderen Ordnungsstrafe zu belegen. Denk nur, lieber Fritz, — so kurz vor Ostern, und ohne Verdienst daliegen, und das Häuschen, in dem er zwanzig Jahre glücklich war, verlaßen müssen, ist das ni&t hart?"
„Donnenwetter — WeibenAeschwätz! Wenn ihr mit eurer Gutmütigkeit eine Belegschaft von 3000 Mann kommandieren solltet — sie würden euch bald über den Kopf wachsen. Nichts dal Jetzt scher' dich in deine Küche, oder wohin du sonst willst — hier, auf meinem Bür», kommandiere ich vorläufig. Selal"
Wortlos verließ die Frau das Zimmer. Sie kannte solche Ausbrüche. Ihr Gatte war nicht herzlos; er konnte sogar gutmütig sein, wenn er gerade dazu gelaunt war.
Direktor Braun hatte nach Vollendung seiner Studien auf her Bergakademie schnelle Karriere gemacht. Seinen Vorgesetzten war er als gründlicher Fachmann, tadelloser Beamter und überaus energischer Charakter bekannt. Seine Zeche war hie ordentlichste im ganzen Kohlenravier. Obwohl hie Kovle von geringerer Qualität war brachte die Grube infolge der raffiniert sachgemäßen Ausnutzung mehr Gewinn inr Jahre, als manche Nachbarzeche mit besserem Material. Es hatte einer Arbeit von Manzig Jahren bedurft, die Zeche zu dieser techmscken Vollkommenheit zu heben. Stolz konnte sich Direktor Braun sagen: „Bei uns herrscht Ordnung, urtb aller das ist mein Werk."
Von der Poesie des Bergmannslebens, das fo reich an Gefahren ist. hielt Broun nicht viel. Auch die Frömmigkeit, hie ben meisten Knappen von Schrot und Korn eigen ist, war ihm fremh. Im Dienst war er unbeugsam, her „Mann von Eisen". Daß er eS war, hatten Hunherte er- fahren, hie sich das Geringste zu schulheu kommen
ließen. Eine Meldung vom Obersteiger — unb der Bergmann war geliefert. Es war sein Stolz, solche Ordnung zu haben. Sonst hatte der Direktor keinen Ehrgeiz. Doch ja! Sem Sohn Max sollte in seine Futzstapfen treten, und ein ebenfo guter Bergmann werden, wie er selbst. Und des Vaters Wünsche schienen sich zu erfüllen. Max war ein talentvoller Bergakademiker geworden und machte gerade jetzt auf der Zeche feines Vaters ben praktischen Kursus durch. Er war mit Leib und Seele Bergmann unb so beliebt, tote sein Vater gefürchtet war. Gern unb herzlich wurde sein „Glückauf!" von ben ihm be- gegnettden Knappen beantwortet.
Es war am Dienstag bet Karwoche. Die Förbermaschine des Prinz Wilhelm-Schachtes stieß in dumpfen, stöhnenden Stößen den Dampf durch den Kamin aus, erst langsam, alz ob sie sich besänne, bann in immer schneller sich folgendem geroattigem Atemzuge, bis die Förderschale am Ziel angelangt wat. So ging es von zehn zu zehn Minuten, je nachdem der Förderkorb oben oder unten angelangt war.
Mit ben Häuern fuhr auch her Bergakabemiker Max Braun an. Ein fröhfiches „Glückauf!", unb hinunter sauste hie Schale in hie dichte Finsternis.
650 Meter tief lag bre dritte Sohle. Eine drückende Hitze empfing bit Ankommenden, die nun durch Strecken und Querschläge vor Ort eilten. Meißel unb Fäustel arbeiteten um hie Wette mit Pickel unb Bohrer. Krachend brachen bie schwarzen Diamanten herab, denen her Bergmann mit hem Schram die Unterlage genommen. Emsig ging die Arbeit weiter. Die Kohle türmte sjch .u Haufen, die von ben Scksieppern in ben Hunden über DremssÄächte unb Fahrstrecken zum Schacht geschleppt wurden.
Da sah Max Braun, her wie ein Häuer arbeitete, bad Licht seiner Davy lampe bläulich
schimmern. Es wurde immer kleiner und erlosch.
„Leute, Achtung! Es sind Schlagwetter hier!"
In Hast eilten alle her Strecke zu. Einet fiel. Tas Glas der Lampe splitterte und ein Donnerschlag erschüttette die ganze Grube. Gif» tige Schwaben erfüllten die Stellen unb Strecken. Leblos lag alles da, was noch vor wenig Minuten fo emsig gearbeitet hatte.
Kurz vorher war der Ortsgeistliche in das Büro des strengen Direttors getreten.
„Hochwürden wünschen?"
„Nichts für mich, Herr Direktor. Da ist nur ein braves Pfarrkind von mir, das in Unglück geraten ist. Ich weiß nicht, ob er so schuldig ist, baß er mit seiner ganzen Existenz bafür büßen mutz. Aber ich möchte Sie hoch gütigst bitten, einmal ©nabe für Recht ergehen zu laßen, uni ben Becker zu behalten."
„Tut mir leib, Hochwürdsn! Sie kennen meine Grunbsätze im Dienst. Er geht nicht!"
„Aber fo bebenfen Sie doch um Christi willen, dessen Leidenswoche wir begehen — Herr Direktor! — was soll der Mann denn jetzt anfangen --" n
„Im Dienst gibt es nur Dienstvorschriften und keine religiöse Stimmung. Ich bleibe dabei."
„Aber Sie sind doch selbst Batet, Herr Di- reftor”, drang der Geistliche in ben Widarstreben- -den, „Sie können sich hoch wohl in die ©ebanfen- weit dieser Leute hineinsetzen, nachdem Sie s» lange unter ihnen gelebt haben."
„Gewitz kann ich das, Hochwürden; ich tut das, so viel ich kann. Aber die Sicherheit deS Betriebes —
Ein finchibarer Knall schnitt die Worte de» Redenden ab. Entsetzt blickten beide hinaus. Aus dem Schacht stieg eine Flammensäule hervor, der eine gewaltige immer buuflrr werdende Rauchsäule folgte.