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Zeitung

uldaer

j1’«'“Ä’s'"«. wocheildMge: „Illustrierte Zonntagrzeitung"

36. Jahrgang

Fulda, Donnerstag den 8. April 1909.

JW 80,

Verantu». Redaktemr «art Schütt«»

Erscheint tN-ttch mit Ausnahme der Za m- vnd Seiertag« Viertei- jährliche» vezugspreir ohne vrtngerlohn «nd Bestellgeld in Zulda sc,, wie auswärts t 'öv Mk.

Mon-Kb-Uage: „Zuldaer GeschichtsbiAter"

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votationsdruckund Verlag der Luldaer Ak- tiendruckerei t« Lulda Fernsprecher Ur. 9.

Dwertes Wlcrtt.

t Karfreitag.

Der Gründonnerstag ist der Tag des Glau­bens, da beim Abendmahle an diesem Tage das höchste Geheimnis der gläubigen Christenheit be­gründet wurde. Der Karsamstag ist der Tag der Hoffnung, der von der Nacht des Todes zur Glorie des Ostertriumphes überleitet. Und der Karfreitag ist der Tag der Liebe; denn jede Station des Kreuzwegs wiederholt uns das ergreifende Wort der hl. Schrift: Also hat Gott die Welt geliebt l

Das Opfer ist Prüfstein und Maßstab der Liebe. Dre Menschen mißbrauchen oft das hei­lige Wort, indem sie Liebe nennen, was über­tünchte Selbstsucht ist. Die gewöhnliche Liebe beruht auf selbstzüchtiger Berechnung, die vor­handen sein kann, ohne zum klaren Bewußtsein zu kommen. Es ist leicht, Personen zu lieben, die unserer Eitelkeit, unserer Sinnlichkeit, unse­rem Vorwitz, unserem Erwerbstriebe rc. Vorschub leisten. Wenn wir einer derartigen Liebe auch „Opfer" bringen, so sind das doch keine reinen Opfer, sondern Aufwendungen, die eine Gegen­leistung erzielen sollen. Sogar in das Heilig­tum der Elternliebe schleicht sich oft die Selbst­sucht ein, indem die Eltern darauf rechnen, daß daS Kind einst der Stolz ihrer Seele und die Stütze ihres Alters sein und also die aufgewen­deten Opfer. sich rentieren werden. Wie viel höher steht die Mutterliebe zu einem mißraten­den Sohn,, die sich aufreibt in Sorgen und Mühen, obschon keinerlei Lohn zu erwarten ist! Wieviel höher steht die Liebestätigkeit der barm­herzigen Schwester, die ihre ganze Lebenskraft bingcht für fremde Mitmenschen, ohne an eine Gegenleistung oder an irgend ein eigenes Inter­esse zu denken!

Die Liebe wird mit dem Feuer verglichen. Das Feuer beleuchtet und erwärmt alles, was in den Kreis seiner Strahlen kommt: aber es ver­zehrt alles das, was sich ihm hingibt. Die wahre Liebe verzehrt die Liebenden, denn sie fordert Ovfcr über Opfer bis zur Erschöpfung der Opfer­fähigkeil Aber wenn auf Erden der Liebe Kar­freitag ist, so findet sie im Reiche der Vollendung auch ihr glorreiches Osterfest, und eine gewisse Abschlaaszahlung auf den senseitigen Ausgleich, ein tröstlicher Vorgeschmack des ewigen Liebes- lobneS ist der innere Friede, der aus dem Vs- wußtsew hervorgeht, durch Liebe der Liebe Got­tes nähcr zu kommen.

D.e vollkommenste Selbstaufopferung, die wir in dem Geheimnis des Karfreitags bewundern, ist göttlich und läßt sich von menschlichen Kräften in ihre, idealen Höhe nicht erreichen. Aber es genügt doch nicht, sie zu bewundern oder in schö­nen Worten zu Preisen, sondern der Christ soll streben mit all' seinen schwachen Kräften, dem er­habenen Vorbild der selbstlosen Liebe sich zu nähern, soweit es möglich ist. — Was konnte dem allmächl'gen Schöpfer des Weltalls der winzige Planet Erde bieten? Was konnte der Sohn des Ewigen bei dem entarteten Menschengeschlecht finden? Denn dem Herrn etwas daran lag, sein Lob aus dem Munde von Wesen zu hören, die aus Materie und Geist bestanden, so konnte er Millionen von anderen Weltkörpern mit anderen Menschengeschlechtern bevölkern und die Erde mit den: ganzen Adamsgeschlecht zerschmettern und vergeben lassen. Aber es erbarmte ihn sei­ner Geschöpfe, obschon sie kein Erbarmen ver­dienten. Als er die Strafe für die erste Sünde feitfcßie, verhieß er zugleich die Erlösung, und zur Erlösung opferte sich der Sohn Gottes, ob- schon er wußte, daß nur ein Teil der Menschen

ine Frucht seines Werkes pflücken werde. Das ist eine Liebe, der jede Schlacke der Berechnung, wie sie an menschlicher Liebe zu kleben Pflegt, vollständig fern bleibt. Wie hart ist die Rinde unserer Herzen, wenn die unendliche Glut dieser Lrcche nicht auch in uns Liebeswänue wecken kann?

Wir klagen gern, es fehle der Welt an Glau­ben. Dem ist leider so. Aber ehe wir richten über bic, die nicht glauben, wollen wir uns fra­gen, ob nicht die Mängel der christlichen Sache auf Erven auch dadurch verschuldet werden, daß den Bekcnnern des Glaubens die rechte Liebe fehlt — die reine und treue und opferwillige Liebe zu Gott und den Mitmenschen, welche die überzeugenden Früchte des Glaubens bringt.

Am Karfreitag muß es uns besonders schwer auf die Seele fallen, wenn wir sehen, daß die Menschen, welche sämtlich gleichmäßig von der Ovserliebe des Erlösers umfaßt worden sind, sich untereinander hassen und besehden. Die Men­schen nennen sich nach dem Gekreuzigten, aber sie wollen nichts von Entsagung, Opfer und Liebe wisieri, sondern reden nur von Interessen, Recht, Macht und Kampf. Fast zweitausend Jahre sind nach dem Liebes- und Friedensopfer von Gol­gatha verflossen, und noch immer verschmäht die Welt den Gruß, mit dem der Erlöser nach der Rückkehr von Kreuz und Grab die Jünger be­grüßte. Der Friede sei mit Euch! Die Welt widcrhallt noch immer von Krieg- und Kampf- gesllrei, sie ist voll von Gewalttaten, Furcht imd Groll. Diejenigen, die zur Erkenntnis der Glau- benswahcheiten gelangt sind, sollten das Salz der Erde fe:n; aber das Salz ist vielfach schal ge­worden, weil der Karfreitags-Geist die Selbst­sucht nicht überwinden konnte.

Den Frieden in der Welt kann der Einzelne nicht schaffen, aber den Frieden in feistem eigenen Herzen kann er mit Gottes Hilfe begründen, wenn er die Liebe pflegt, die durch Selbstverleug­nung zur wahren Selbstbeglückimg führt. Wer das eigene Ich als Ziel seines Fühlens und Stre­bens betrachtet, der wird keine Befriedigung fin­den können, weil das „ließe Ich" so verzweifelt minderwertig ist. Aber wer sich selbst hingibt, um so viel Gutes als möglich zu tun für feine Angehörigen, feine Umgebung und die getarnte miterlöste Menschheit — der wird sich wiederfin- den in Freude und Frieden. Die Einladung: „Nimm dein Krem; auf dich und folge mir nach" — hat keinen Schrecken, wenn wir uns bewußt werden, daß der Kreuzweg schließlich zur Oster- Herrlichkeit führt.

= Die Kon^erenzfrage.

Im englischen Unterhause fragte Lynch (lib.l, ob die einzelnen mit den Balkan st aaten zu- stände gekommenen Abmachungen nach der Annahme durch die Mächte auf einer Konfe­renz bedürften. — Staatssekretär Grey er­widerte ihm, er könne noch nicht sagen, ob die Konferenz stattsinden würde ober nicht. Aut jeden Fall würden die Abmachungen, zu denen man bei den einzelnen Verhandlungen ge­kommen ist, insoweit, wie sie Aenderungen des Berliner Vertrages enthalten, die Z n st i m- m u n g der Mächte notwendig machen und zwar bald.

Andere Meldungen wollten schon wissen, es stehe fest, daß eine Konferenz nicht stattfände. Der Pariser „Matin" behauptete, England. Frankreich und Rußland seien zu der Einsicht ge­langt, eine Konferenz fei ü ß e r f i ü f j i g.

Es liegt auch gar kein Grund mehr vor, eine Konferenz zufammenzußerufen. Deutschland „nd Oesterreich haben bekanntlich gar keine Sehn­sucht nach einer Konferenz. Der Eifer für den

Konferenzgedanken war bisher in London und! Petersburg zu suchen. Oesterreich hatte von An- ang an seine ließe Not, sich gegen die „Kaufe-' renziers" zu wehren, die ohne vorherige Verstän­digung die Konferenz ein riesiges Programm aufarbeiten und sie als europäisches Hochgericht schalten und walten lassen wollten. Zum Glück gelang es der Wiener Diplomatie, rechtzeitig mit der türkischen Regierung zu einem Vertrage zu gelangen, der die türkische Zustimmung zur Ein- verleißung Bosniens enthielt. Als dieses Abkom- men vorlaq, war die geplante Konferenz in dem Hauptpunkt ihrer Notwendigkeit als richter­licher Instanz entkleidet und zu einer Verhand- luno ßerabgedrückt, die die vollzogenen Tatsachen zur "Kenntnis zu nehmen hätte. Die Begeister­ung für die Konferenz, der vorigen Herbst Herr Iswolsky so ausgedehnte Eisenbahnfahrten ge­widmet hatte, ließ unter diesen Umständen all­mählich nach und als die Sache an der Drina auf des Messers Schneide stand, da mußte man sogar in Petersburg anerkennen, daß es auch ohne eine förmliche Konferenz gehe.

Eine Konferenz, die lediglich die vollzogenen Tatfachen zur Kenntnis nimmt, ist iiberflüs- f i g, eine Konferenz, die debattieren und richten mochte, ist g e f ä h r l ich. DieErfahrungen warnen vor dem Spiel mit dem Konferenzfeuer. Als vor 30 Jahren der Berliner Kongreß tagte, stand mehrere Tage hindurch dec curo- pöiscbe Friede auf des Messers Schneide; es be­durfte der ganzen Kunst und Kraft Bismarcks, um nicht die soa. Friedenskonferenz zur Wiege eines englisch-russischen Krieges werden zu lassen. Wie sich" auf der Konferenz von Algeciras die Gegensätze zeitweilig in der bedrohlichsten Weise znspiüten, ist ja noch, in frischer Erinnerung. Alle Welt war froh, als die Konferenzdebatten ohne Krach und Krieg zu Ende tarnen.

Vor nahezu 40 Jabren, als nach dem Sturze Napoleons die europäische Landkarte gründlich revidiert werden mußte, tagte lange der be­rühmte Wien e r Kongreß. Damals mag die persönliche Zusammenkunft der entscheidenden Staatsmänner wohl nötig gewesen sein, da es noch feine Eisenbahnen und keine Telegraphen oder Telephon gab. Bei der geaenwärtigen Aus­bildung der Verkehrsmittel können die maß­gebenden Regierungen die zweckmäßige Fühlung und Aussprache erreichen, ohne sich an einem Orte und um einen Debattiertisch zu versarn- mein. Die Geheimräte, die technische Ausgaben ’gemehtfani zu lösen haben, können sich ja zu einer Konferenz zusammenfinden: die leitenden Mi­nister aber und erst recht die Herrscher selbst blei­ben lieber in ihren Residenzen und bedienen sich der modernen Verkehrsmittel, statt einen De» battierklub zu bilden, von dem eher Auf­regung und Verschärfung, der Gegensätze, als Beruhigung und Verständigung zu erwarten ist.

Die Konferenz wird eher leicht zur Ränke- fchmiede als zur Glücksschmiede.

Deutsches Reich.

* Zinn „Altphilologenmangel" in den Ost­in arten schreibt man der „Schloß Volksztg.": Um einer Irreführung der öffentlichen Meinung, besonders aber der jetzigen Abiturienten vorzu­beugen, fei auf folgende authentische Zahlen auf­merksam gemacht: Es gab am 1. Mai 1908 in Ost- und Westpreußen. Posen und Schlesien zu­sammen 93 unbesetzte Stellen, von denen 52 auf die Gymnasien entfallen, da an Realgymnasien mahl nur wenige Altphilologen im Hauptfach Verwendung finden dürften. Diefen 52 vakan­ten Stellen stehen in den vier Provinzen 42 ge­prüfte Allphilologen gegenüber, und wenn man annehmen will, daß jene 52 Vakanzen ausschließ­

lich ans Altphilologen sich zufammensetzen — was aber wohl als ausgeschlossen zu betrachten ist so ergäbe sich ein Manko von zehn Kräften. Die­sen: steht jedoch gegenüber die Tatsache, daß andere Provinzen, z B. Brandenburg, Han­nover, Heffen-Rassau so viele Al tphilo- logen haben, daß sie ihre sämtlichen Vakanzen damit decken könnten, ohne die anderen Diszi­plinen zu Hilfe zu nehmen. Außerdem beträgt die Zahl der geprüften Altphilologen 103 mehr als 1907. die der unbesetzten Stellen dagegen 25 weniger in Preußen. Das Manko in den Ost­provinzen ist demnach eine rein Iota lei Er­scheinung. hervorgehend aus der Scheu der Be­teilig ten, in den gelobten Landen des Hakatis- mus ihre Haut zu Plackte zu tragen. Dazu paßt auch ganz die von einem in Posen tätigen Ober­lehrer berichtete TatsacheMß aus allen Provin­zen geprüfte Kandidaten sich nach dort melden, weil sie hier während der zwei Vorbereitungs- jähre Remuneration erHalten, nach Erlangung der Anftellungsfähcgkeit aber schleunigst aus deu Oftmarken verschwinden, um in der Heimat ohn< Remuneration tätig zu sein und sich in der Dicnstaltersliste hinter ihren daheim gebliebenen Kollegen cinrangieren zu lassen.

(*) Tie Freisinnigen haben sich immer am blockfreudigsten benommen, zwar nicht die Wählerschaft, in der es auch mächtig gärt, aber doch die parlamentarischen Führer. Indessen auch sie fühlen das Bedürfnis, sich über ihre Stellung zum Block klar zu werden und sie neu zu stützen. Der geschäftsführende Ausschuß der Freisinnigen Volkspartei ist gestern, wie die „Berl. Morgen- -tg." erfährt, in aller Stille zusannnengetreten, um zur Finanzreform und zu der Frage der Bnckkrifc Stellung zu nehmen. Die Verhand- lungen sind zwar, ebenso wie diejenigen des Ber- liner Parteitages der Freisinnigen Bolkspartei, der heute abend stattfindet, vertraulich, aber man kann schon jetzt sagen, daß das Ende aller Reden sein wird der Ruf: Wir halten fest und treu zu­sammen! Hurra der Block!

(:!) Zu den Unstimmigkeite« in Deutschsud- nseftnfrifn, wo der Bezirksverein in Windhuk die Beteiligung der Bürgerschaft an der gesamten Selbstverwaltung ablelmte, wird mitgeteilt, die Weigerung fei darauf zurückzuführen, daß der Bezirksverein Geldbewilligungen unter Aus­schluß des Budgetrechtes des Reichstages aus­schließlich vom Bundesrat genehmigt wissen will. Das geht natürlich nicht, solange die Kolonien noch des Reichszuschusses bedürfen.

Ruslan-.

* Tie Lage in Griechenland ist andauernd sehr bedenklich. Daran ändert die Tatsache nichts, daß der Ministerpräsident Theotokis im Amte bleibt, nachdem es nicht gelungen ist, ein anderes Kabinett zustande zu bringen, denn die Ursachen der Gärung liegen tiefer, als daß das Schicksal des einen ober des anderen Kabinetts Einfluß darauf hätte. Zudem sind die Beziehungen zwi­schen Theotokis und dem Könige nichts weniger als freundlich. Die Gärung dehnt sich in allen Vevölkerungs- und Berufsklaffen. ans. Die Hetze gegen den Hof und namentlich gegen den Kron­prinzen wird fortgesetzt. Weitere Nahrung er­hält die Agitation durch die Affäre des Kaval- lerieleutnantS Tryf os, des Mitgliedes einer angesehenen Athener Familie, der gute Verbin­dungen mit dem Hof hat. Er vermährte sich vor einigen Monaten mit der Tochter Elise des früh­eren russischen Konsuls Enringson. Prinz Andreas war einer der Trauzeugen. Tryfos brachte nun seine Schwägerin Kalliope, der ein großes Vermögen zugefallen war, in grauener­regender Weise um, damit deren Vermögen auf

Die statiagemettcii.

Die Melken am Vorabend des Gründonners­tages blicken auf ein verehrungswertes Aller zurück. Dane nennenswerte Aenderungen erfahren zu haben, werden sie jetzt noch gerade so gehalten wie vor 1300 Jahren. Sie werden am Donnerstag und Freitag abend wiederholt, mit jedesmal wechselndem Text und Inhalt, aber in derselben äußeren Ge­stalt; fie beinen „Trauermettcn" wegen der Klage­lieder, die in ihnen ertltngen, und wegen des ern­sten, liauernden Inhaltes ihrer Psalmen, Lesungen und Gebete. Alan nennt sie auch .dunkele Metten', weil während derselben die Lichter allmählich aus- getöscht werben, und den Chor schließlich Dunkelheit bedeckt. Auch „Pumpermetten* oder »Rumpelmet« ton' bat man sie genannt wegen des Geräusches am Schluffe.

Ihre Gestalt ist sehr derjenigen des Totenoffi- ziums angepaßt; sie bestehen wie jenes nur aus Antiphonen, Psalmen, Versikeln und Reiponsorien; alle Gloria Patri, Benediklionen, Absolutionen und Lettionsschlüffe Tu autem Domino, alle Kapitel und Hymnen unterbleiben, ja selbst das Jnvitatorium, das beim Totenosfizium noch zu finden ist. Mil Recht hat man den »aimetten deshalb auch den Na­men der.Exeqniendes Herrn" gegeben sto Rupert von Deutz 1070—1135 m seinem Werke Dediv.offic. 5,34), und hat man in ihnen die Versinnbildung der drei- tägigen Grabesruhe Christi gesehen (so der Ordo Born. XII n 22). DieLesnngen der ersten Nokturn werden an lämtlichen drei Tagen den Lamentationen (Klageliedern) des Propheten Jeremias entnommen. ®ie Form derselben ist alphabetisch, d. h. jeder der 22 Verse beginnt, in Anlehnung an den hebräischen ~rteEt, mit | einem Buchstaben des hebräischen Aipgadetes. "Dieser Brauch ist uralt. Schon der Abt Laniranc (f 1088) erteilt seinen Mönchen die -v-enung. Die Lamentationen »ohne Gesang und darum ohne das herkömmliche Alphabet" -u persolvieren. Die Lamentationen werden alle geschloffen: „Jerusalem, Jerusalem, vereyre Dich Herrn. Deinem Gott." Dieser

Zufatz war zu des W. Durandus Zeit (1230 bis 1296) bereits im Gebrauch, in den älteren römischen Formularien aber fehlt er (Catalani, Comment. in Caerem. s. Rom. Eccl. II 162—163). — Die Lesungen der zweiten Nokturn entstammen jedesmal dem Traktat des bl. Augustinus zu den Psalmen. In der dritten Nokturn werden an allen drei Tagen Abschnitte aus den Briefen des hl. Paulus gelesen. So sprechen in jeder der drei Metten die drei großen Geistesmanuer zu uns: der Prophet Jeremias, der Apostel Paulus und der Kirchen­lehrer Augustinus.

Doch gehen wir zum Inhalt und zur Be­deutung der Metten an den drei Kartagen über. Daß die Kartagsrnetten ehedem um Mitternacht oder um 2 Uhr morgens abgehalten wurden, war ihnen nicht allein zu eigen: alle Vigilien wurden zu dieser Zeit gefeiert. Vor 400 bis 500 Jahren wurde nach dem Vorgänge der römiichen Kirche die heutige Sitte eingeführt, die Metten schon am vor. hergehenden Abend zu singen. Auch das war nichts besonderes, daß Lichter bei den Metten brannten, d. h. daß neben den Altarkerzen noch ein dreieckiger Leuchter, ein Triangelleuchter mit 15 ober 24 oder 30 oder 34, ja bis zu 72 Kerzen brannte. Jeder nächtliche Gottesdienst machte den Gebrauch von Lichtern notwendig. Das Eigentümliche dieser Metten siegt vielmehr in dem allmählichen Auslöschen der Lichter; nach jedem Psalm wird eine Kerze am dreieckigen Leuchter ausgelöscht. Mehrere Er­klärer haben nun gemeint, die Kerzen seien nach und nach auSgelöscht worden mit Rücksicht aus die allmählich eintretende Tageshelle. „ Dieser Deutung widerspricht jedoch die Bemerkung älterer liturgischer Dokumente, daß nach Entfernung der Lichter Finsternis den Chor bedecke, weshalb die be­treffenden Metten auch Officium ^tenebraram, „bunt- le Metten*, genannt würden (Martene, De antiq. eccl. discipl. c. 22 § 1 n. 8). Das allmähliche Aus- löschen der Lichter hat darum vorwiegend, wenn nicht ausschließlich, symbolische Bedeutung. Das Lickt im Dienste des Kultus ist vor allem Symbol des Sohnes Gottes, des .Lichtes der Wett'. (Job. 1,9;

3, 19.) An den drei letzten Kartagen nun ward dieses Licht allmähttg au-gelöfcht durch das Leiden und den Tod am Krenre. Beim Erlöschen dieses Lichtes verfinsterte sich selbst das natürliche Licht der Sonne, bis die ganze Erde in Dunkelheit gehüllt war. Um also das allmähliche Erlöschen Christi im Leiben unb am Kreme desto lebhafter vor die Seele zu führen, um die Todesfchatten Ciristi unb die wachsende Verdunkelung der Sonne beim Tode des Herrn anschaulich zu machen, löschte man bei den Metten eine Kerze nach der anderen ans, sodaß die Kirche immer dunkler wurde, und schließlich am Schluffe der Landes bei den Worten: .Christus ist gehoriam geworden dis zum Tobe, ja bls zum Tode am Kreuze" völlige Finsternis eintrat. Sehr schön drückt diesen symbolischen Gedanken z. B. Abaelard (1079—1142) in einem Briefe (Ep. 5) an den ßl. Bernhard (1091—1153) aus: „Dieses Tnbuum wirb in Trauer abgehalten gleichsam als die Exe- quien (Totenfeier) des Herrn; und buntle Metten werden diese Vigilien gemeiniglich genannt deshalb, weil durch das allmähliche Auslöschen der Lichter die Trauer (um den Tod des Herrn) ausgedrückt wird."

DaS letzte Licht wird brennend erhalten unb hinter dem Alar verborgen, einmal aus praktischen Rücksichten, nämlich um den Ausgang aus dem Chor zu erleuchten, dann aber auch aus lymbolischen Gründen, nämlich um hinzuweisen auf Christi, des Lichtes der Welt, Auserstehung unb auf unsere Auferstehung. Christus starb, aber nicht für immer: am dritten Tage stand er von den Toten auf, unb ward dadurch das Unterpfand unserer Auferstehung. Er wird dereinst auch unseren Ausgang aus dem Leben erleuchten und uns zum ewigen Lichte '^DaS Geräusch am Schluffe der Metten hat zunächst eine praktische Bedeutung: es war da- Zeichen des Oberen oder Ceremo mors, daß das Offizium zu Ende sei und man den Chor verlaffen lönne. Ader auch eine symbolische Bedeutung woqni diesem Brauche inne: in Verbindung mit dem Auslöschen des LichleS ist dieses Geräusch sehr ge­

eignet, die Verwirrung zu versinubilden, die in der Schöpfung auf den Tob Christi folgte (J. Catalani, Comment. in Caerem. s. Rom. Eccl. II 165).

Dr. Sch.

— Neber die Auffindung der Reliquien de- hl. Hubert, des ersten Bischofs von Lüttich (722 bis 727) und Apostels der Ardennen, sowie über ihre Zurückbringung nach Belgien, welche im August erfolgen solle, bringen belgische Blätter ausführliche Berichte. Die Gebeine des heiligen Hubert sind am 30. September 825 nach dem Kloster Ardain, später St. Hubert (Ardennen) übertragen worden und galten, bei irgend einem kriegerischen Ereignis geslüchtat, seit längereck Zeit als verloren. Nun wurden neuerdings wirk­lich in der Schloßkapelle des Grafen S p e e zu Heltorf (Landkreis Düsseldorf) Gebeine eines Heiligen in einem Religuienschreine entdeckt. Vie­les spricht dafür, daß man es in der Tat mit den Reliquien des bl. Hubert zu tun habe. Die von der zuständigen kirchlichen Behörde angestellte Untersuchung ist jedoch noch nicht abgeschlossen.

— eine Kirche der Kreuzfahrer in Nazareth. In Nazareth in Galiläa ist soeben eine inter­essante archäologische Entdeckung gemacht wor­den. über die Clerrnont-Canneau in der letzten Sitzung der Pariser „Akademie des inskrip- tions" unter Vorlage zahlreicher Photographien berichtete. Ausgrabungen, die der Pater Pros­per Marie-Diaüö, der Prior des Franziskaner­klosters, in dieser Stadt unternommen hat, führ­ten zu der Entdeckung des Unterbaues der alten Basilika, welche die Kreuzfahrer errichtet hatten, und die unter der heutigen Kirche lag. Unter den Einzelfunden find besonders bemerkenswert fünf Kapitäle von polygonaler Form, die auf allen Seiten mit prächtigen Skulpturen ge­schmückt find; dargestellt sind etwa 20 allegortja-e Szenen und Geschichten aus dem alten Testa­ment