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Zeitung

uldaer

36. Jahrqang.

Fulda, Donnerstag den 8. April 1909.

M 80,

0 Nochmals die Steuerdrückeberger

Anzeige»: vre em- spaltig« peützeUe »der deren Raum 1Z Pfg. Reklamen-lepetitzett« 25 pfg., der Wieder­holungen wird entspr.

Rabatt gewährt.

RotalionrdrnSnnb Verlag der Fuldaer Ak- ttendruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 4.

Prof. Hans Delbrück führt in den „Preu­ßischen Jahrbüchern" (Aprilheft) seinen Feldzug gegen die angeblichen Steuerhinterziehungen in

Wegen des hl. Karfreitags wird die nächste Nummer der »Fuldaer Zeitung' erst am Sams­tag ausgegeben.

ÄÄL w-ch-nb-itage: „Illustrierte Sonntagrzeitung"

«»scheint täglich mit Aurnahme der Soja« uudFeiettagevirttel- jährlich« vezugspreir ohne Sringerlohn »nd VesteLgeld in Fulda so- »ieanrwSrtsl.S0Rt.

verantto. Redatteurr Carl Schütte;

Deutsches Reich.

)( Für die Nachlaßsteuer.

Für den 18. April wird eine Versammlung aller Be amt enverei n e Deutschlands nach Berlin einberufen, zur Stellungnahme für dre Nachlaßsteuer. — Zu einer Kundgebung der Be- amtenschaft zu Gunsten der Nachlaßsteuer kam es auch in einer Versammlung der Vorstände der Beamten-Äerbände Groß-Berlins. Die BSam- tenschaft hätte bisher stets in ihrer überwiegen­den Mehrzahl treu zur k o n s e r v a t i v e n Par­tei gestanden, lasse diese aber die Regierung in der Frage der Nachlaßsteuer im Stich und bet- bünde sie sich mit deren Gegnern, um alle Steu­ern der breiten Masse des Volkes aufzubürden, so würben die Beamten sich von ihr a b w e n - den. — Keine Not, die Konservativen werden

Sui Sonne Geheimnisses.

75] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld-

monatrbellage: „Fuldaer GeschlchtrbMet"

O, daß di« Sonne an einem solchen Tage überhaupt aufging! Sie begrub ihr schönes Ant­litz tief in die Kissen. Was kam da? — Welch schrecklicher Lärm erhob sich da in der Ferne? Das lag ihr nur so eiskalt auf dem Herzen und schien dessen Schlag beinahe zu hemmen?

Stunde auf Stunde lag sie regungslos da und beobcuhtete den goldenen Sonnenstrahl, wie er zitternd auf der Tapete weiterkroch,- horchte auf den Gesang der Vögel, der sich allmählich zu einem großen Konzert erhob, lauschte auf das erste Wort oder den Fußtritt, der die Entdeckung ankündigen sollte.

Es kam nicht. Lord Wayne war bereits er­schienen, hatte sich erkundigt, ob st« sich nicht bes­ser fühle, als er aber gehört, wie schwach die Stimme, die ihm antwortete, hatte er rhr ver­boten, sich zu rühren. Er war dann hinunter gegangen, die eingelaufenen Briefe dur^usehen. und ihr Mädchen hatte ihr eine Tasse Tee ge­bracht.

„Sie sehen sehr angegriffen aus, Mylady", hatte das Mädchen gesagt. „Wie unglücklich sich dar trifft, daß heute auch gerade das Fest sein muß!"

Dann kam'S — ein hastiges Klopfen an der Tür, eine erregte Stimm«, eine hafttge Fragen ob Myvarb dort fei.

Sie konnte vor lauter Erwartung und Furcht kaum atmen. Dann hörte sie die Stimme ihres Gemahls, die zu ihr sprach

„Eve, mein Liebling", sagte er, „erschrick nicht. Ich hielt es für bester, selbst yt Dir zu kommen. Dienstboten übertreiben so schrecklich Es ist ein Unglücksfall im Wäldchen draußen vor­gekommen; es ist ober nichts, was Dich a« ängstigen braucht."

„Was ist'»" fragte sie.

„Ich weiß es selbst noch nicht —, vielleicht eine Schlägerei mit Wilddieben. Ich bin im Begriff hinunter zu gehen und darnach zu Jeben. L8 mir iebr unanaenebm. wenn beute auch nur

zu Anfang seines Feldzuges, sondern mit einer Reihe von Einzelfällen, dre man aber nicht ohne weiteres wird verallgemeinern dürfen. Ten Beweis, daß ein Vermögen von 60-90 Mil­liarden Mark in Preußen der Besteuerung syst^ mansch entzogen werde und zwar hauptsächlich stttena des landwirtschaftlichen Grundbesitzes, hat Prof Delbrück mit seinen neuen Angaben noch nicht geliefert. Ueberdies gibt er zu, daß auch das bewegliche Kapital bei der Minderbesteuerung tark beteiligt sein mag. Die Fälle allerdings, dre Delbrück anführt, sind an sich kraß genug, um feit- gelegt zu werden.

Ein Edelmann aus dem Osten erzählte ihm, daß eine ihm nahe verwandte Dame em Gut be­ifee von weit über einer Million Wert; sie habe darauf 500000 <M Hypothekenschulden und sei veranlagt zu 60 «M. Einkommensteuer. Em Zi-aeleibesitzer in der Provinz Brandenburg er­hielt von einer Wohlfahrtsanstalt eine, Hypothek auf Grund des Nachweises, daß er eine a h- reseinnahme von 30000 <M bat. Nachher wurde festgestellt, daß er Einkommensteuer für 451K) JH zahlt. Ein Landschaftsbeamler aus Schlesien berichtet von einem Landwirt einen ähn­lichen Fall und fügt hinzu, daß er au4 seiner Er­fahrung mindestens fünfzig solcher Falle mittei­len könne. * . „

Ein als zuverlässig bekannter Herr in Pom­mern, der Mitglied der Kreis-DeranlagungS- Kommission war, erlebte den Fall, daß ein Gu t s» besitzer 18 <M. Ertrag vom Hektar versteuerte und, nad’hem er seine Schulden abgezogen, fast gar keine Steuern bezahlen wollte. Tie Kommis­sion schätzte ihn gan’ niedrig ein. Ass nach eini­gen Taaen ein Bauer au» demselben Torf (and) noch zu gering, wie d-r G-mäbrsmann bin- -»fügt) 82 e* für den Hektar deklarierte, warf ein Opponent ein, „ich b°nfe. b*r Boden ist dort so miserabel, daß bioß 18 reib. 21 «K berauskom- men"; „sa." sagte die Maiorität, „das ist c3 so eben, bei der Separation haben die Bauern die fetten Stücke bekommen und die Großgrunobcsi- tzer das Unland". Im nächsten Jahre war der neugierige Frager nicht mehr Mitglied der Kom-

hatte.

Sie schlang den einen weißen Arm um den Hals ihres Gemahls.

„Mortimer", sagte sie, „siebst Du mich wirk­lich so sehr?"

„Mehr als ich Dir mtt Worten sagen kann, Evelyn."

„So sehr wie damals, vor Jahren, wo Du mich zuerst geheiratet hattest?" flüsterte sie.

„Mehr, mein Liebling — mehr, zehntausend- mal mehr. Damals, warst Du meine Braut, Evelyn, die süßeste, schönste Braut, die'S je ge­geben — aber jetzt bist Du mir lieber, teurer. Du bist mein geliebtes, verehrtes Weib gewesen, wie lange nicht schon? — die Königin meines HerzenS, die Herrin meines HauseS und die ge­liebte Mutter meiner Kinder; — Dich sieben? wirklich^ mein Liebling, ich könnte Dich gar nicht mehr lieben, wenn ich es auch wollte."

Sie sah ihn nur mit unaussprechlichem Weh in den Tiefen ihrer dunkelblauen Augen an.

„Du sollst mir jetzt überhaupt kein Dort mehr sprechen", sagte er zärtlich-ernst, „obwohl es ein angenehmes Thema ist. Du muß Dich unbedingt ruhen, Liebling — nein, ich will kein Wort mehr hören. Und erinnere Dich wenn Du Dich mor­gen früh nicht ganz gesund und kräftig fühlst, so will ich nicht» davon hören, daß Du aufstehst, wir werden da» Fest, auch ohne Dich zu ermüden, schon zum Gelingen führen."

Sie konnte sich nicht helfen. Gern hätte sie ihm noch mehr gesagt. Sie scheute sich darnach zu fragen, wenn nun Unglück und Schmach sich ihr nahten, ob er sie auch dann noch lieben würde? Doch sie hatte nicht mehr die Kraft, noch etwas

schon umfallen!

Die Delegierten der sächsischen Konserva­tiven haben sich bereits bei einer Beratung der Reichsfinanzreformfrage mit 121 gegen 9 Stim­men für die Ausdehnung der Reichserb* schaftssteuer auf Kinder und kinderlose Ehegatten ausgesprochen, sofern eine Eini­gung über andere Besitzsteuern nicht erfolge. -s$n der mittelparteilichen Presse herrscht begretj- licherweise über diesen Beschluß eitel Freude, sie bezeichnet ihn als eine Niederlage des Bundes der Landwirte. Vielleicht ist der Beschluß nicht ohne Einfluß der Regierung gefaßt worden, dre alle Hebel in Bewegung setzt, um die Konserva­tiven und speziell die Mitglieder des Bundes der Landwirte, in dem sie den schärfften Gegner der Nachlaßsteuer erblickt, zum Umfall zu bringen. Bemerkenswert ist eine Erklärung des enge­ren Vorstandes des Bundes der Landwirte, in der betont wird, daß gerade in der letzten Zett die Angriffe gegen den Bund der Landwirte sich gemehrt haben, und daß sie aufgenommen sind von der der Regierung nahestehenden Presse und Personen, deren Beziehungen zum Reichs- s ch a tz a m t und anderen Regierung »- stellen bekannt sind. Der Vorstand könne sich des Eindrucks nicht erwehren, daß bei dem so ge­führten Kampf Einflüsse der 8^egte- rung bemerkbar seien.

iX Die Wurzel der Blockfrenrrdschaft.

Schon früher ist die Blockbrüderschast der seltsamste Freundschastsbund genannt worden, den je die Welt gesehen hat. Während sonst die Mehrheitsparteien bei der Lösung einer großen gesetzgeberischen Ausgabe den Weg der Verstän­digung in sachlicher Aussprache suchen, rotflen die Blockparteien zur Stärkung ihrer Freundschaft fein bessere- Mittel al» mit einander zu balgen und sich gegenteilig die Haare auszuraufen.

Die ,Vosi. Ztg.' bringt es jetzt sogar fertig, ihren Blockfreunden von der Rechten wegen des Widerstandes gegen die Erbschaftssteuer die nationale Gesinnung abzusprechen. Sie schreibt:

„Die innerpolitis<hen Ereignisse haben in hellster Beleuchtung gezeigt, wie es mit der nationalen Ge­sinnung der Konservativen in Preußen bestellt ist. . . . Wie oft haben sich die Konservativen ihrer nationalen Gennnnng gegenüber anderen Parteien gerühmt, ihre „«önigstreue bis auf die Knochen", und gegen wen richtet sich nun ihre Opposition? Doch nicht gegen eine freisinnige Borherrschaft, wie die ,S?onf. Storr, irre­führend onjubeuten beliebte, nein, gegen die Ver­treter der Bundesfürsten. Die Herren, „deren Borsahren länger in der Mark Brandenburg sitzen als die Hohen,ollern", wollen von Steuern ihre Macht »eigen, wie sie eS beim Kanal getan haben, sie wollen von Steuern beweisen, daß sie eS find, die regieren. Darunter muß daS Ansehen der Krone» da? Ansehen deS Reiches schwer leiden, dagegen anzukämpsen ist

49. Kapitel.

Die Leiche wirb gesunden.

Lord Wayne schrie laut auf vor Schrecken und jäher Bestürzung, als er die weiße bewußt- lose Gestalt seiner Gemahlin beim Eintritte am Boden liegen sah. Er eilte zu ihr, hob sie tn seinen Arm auf. __

„Evelyn, mein Liebling, was gibt S, was fehlt Dir?"

Er hatte keine Zeit, weitere Hülfe herbeizu- klingeln; die wohltättge Bewußtlosigkeit war zu schnell vorüber. Beim Klange der wohlbekannten, geliebten Stimme öffnete sie die großen Augen, und die wilde Angst in ihren Tiefen ängstigte ihn, wie ihn nie zuvor etwas geängstigt hatte.

„Ums Himmelswillen, Eve, was hast Du nur angefangen? — Dies elende Fest! Du hast Dich übermüdet, über angestrengt l Ich werde eS mir nie vergeben, daß ich das zugelassen habe!"

Sie wandte ihr Gesicht ab. O, wenn sie nur sterben könnte, jetzt und hier in feinen Armen, ehe der volle Schlag der Entdeckung käme!

„Was soll ich Dir holen?" fragte er ängstlich.

„Laß mich Deine Zofe rufen.',

Dach sie schmiegte sich noch näher an ihn.

„Nein, nein, laß mich allein bei Dir, Morti­mer. Allein wird mir bester werden, ich — «h war übermüdet und wurde ohnmächtig."

Er legte ihren Kopf an feine Brust und lieb­koste sie wie ein Deines Kind.

„Meine fdjönfte, liebste Eve — mein teuerstes Weibs Weit lieber hätte ich überhaupt keine Festlichkeit wieder gegeben, als daß Du so müde und angegriffen darüber werden solltest. Warum Uv t Du es nur getan, Liebling? Marian hätte ^-ttgeholfqn, und Isabel auch. Du bist nicht Narck, dos weißt Du ja selbst. Wenn Du morgen miart bester bist, sollst Du mir nicht aufstehen —

* Berit«, 7. April 1509. Die MeldiMg von einer Urlaubsverlängerung für Kultusminister Holle um zwei Monate entspricht, wick bee „Nat.-Ztg." berichtet wird, nicht den Tatsachen. Die letzten Nachrichten über Dr. Holle- Befind« lauten leider wenig befriedigend. Gegenüber verschiedenen Kombinationen über den Nachfol­ger will die „Nat.-Ztg." wisten, daß Exzellen, Schwarzkopfs nach wie vor auf der Kandi­datenliste an der ersten Stelle stehe. — Die Regie­rung hat in Aussicht genommen, daß die Beruf-» genossenschaften künftig dem Reiche jährlich Vorschüsse in Höhe des mutmaßlichen Renten­bedarfs zahlen.

Er telegraphiert. Di« ,Nordd. Allgm. Ztg/ veröffentlicht heute nicht weniger al- IVt Spalten Antworttelegramme des R eich-kau zlert auf Detsammlungsresolutionen, die sich für das Zustandekommen der Reich-sinanzreform an-» iprechen. — Da sage noch jemand, daß Fürst Bülow nicht fein Möglichste» tue, nm die drin­gend notwendiaeReich-finanzreform möglichst bald unier Dach und Fach zn bringen. — Eine Der» Sammlung von „Angehörigen aller nationalen Parteien" in Rosenberg (Westpreußen) telegra­phiert dem Reichskanzler ihr feste- Vertrauen, „daß es gelingen wird, die Finanzreform trotz deS Widerstandes der Bündler und de- Zentrum» durchzusetzen " Was dle Leute Widerstand be»

legenden politischen Fragen abgrundtiefe Gegensätze aufweist, sondern auch bei ihren Verhandlungen die trennenden Momente mit aller Schärfe her­vorhebt, sogar unter persönlicher Beschimpfung deS Gegners, daß dies« Mehrheit zusammen- hallen kann. Und da gibt es nur eine Er- läruna: bet Block wird zufammengehalten von einer Macht, die stärker ist als die große Summe der politischen Gegensätze. CS ist die Macht, die die Blockmehrheit im Januar 1907 geschaffen hat, der furor protestanticus, verkörpert in der allmächtigen Hetze deS Evangelischen Bundes. Die ,SBartburfl' schreibt in ihrer letzten Stummer über bte BlockknfiS:

Nun ist zwar die nationale und ebenso die pro trstantische Sache nicht identisch mit der Block­politik oder der Perfon deS jetzigen Reichskanzteri. Aber fie würden aegenwSnig aufi schwerst« durch eine Wandtung der inneren Politik geschädigt werden. . . . DaS alte widerlich« Spiel, da« 1906 den flammenden Unwillen des deutschen Volk«- «rreale, würde anfS neu« beginnen, und auf absehbare Zeil würde daS ZentrumSjoch überhaupt nicht wieder ab)u- schütteln fein. Di« allgemeine Erbitterung aber würde sich bei den nächsten Wahlen voraussichtlich in der Beile betätigen, in der leider viele politisch kur». sichtig« Denttch« ihrer Verärgerung Luft ,u machen pflegen: tn passiver Unterstützung der Sozialvemokralie. Die konservative Partei würde also ,u deren Schritt- macherm werden. <H wird sich tn nächster Zeit zeigen muffen, ob eine nationale Partei die ungeheuere Verschuldung auf sich nehmen will, Deutfchlands Zukunft um bei JudasgroschenS eines Steuervorteils an Z rntrum uno Sozialdemokratie zu verraten.

Di« protestantische Sach« würbe also nach Ansicht bet .Wartburg' durch den Zerfall deS Blocke- und den Rücktritt deS Reichskanzlers geschädigt werden. Der Evangelische Bunv hat dem Reichskanzler zu der Blockmehrheit verholsen, weil er in der Kriegserklärung gegen daS Zen­trum eine solch« gegen „Rom" sah. Dem Reichs­kanzler mag e- allerdings unbequem sein, daß er ben konfessionellen Hetzern seine politisch«' Existenz verdantt, aber leugnen kann er es nicht. Ohne den furor protestanticus, dessen Hilfe er sich hat gefallen lassen, hätte er seinen vortreff, lichen Block nicht.

Und dieser Block wird auch fürder durch den furor zufammengehalten. Nur der Einfluß des furor erklärt e-, daß immer wieder die Drohung mit dem „schwarzen Mann" Erfolg haben kann. AlS diefer Tage eine Nachricht einging, daß die einzelnen Vorlagen je nach Lage der Sache unter Heranziehung deS Zentrums oder der Libe­ralen verabschiedet werden könnten, jammerte die „9latl. Korr.": „wer wird zu opferwilliger Mit- atbeit und zu Konzessionen auf Kosten seines Programms bereit sein, wenn er nicht wissen kann, ob nicht am nächsten Tage wieder Zen­trum Trumpf ist." Also sogar zu Konzessionen aus Kosten ihres Programm- sind Die Na» tionalliberalen bei der Reichsfinanzreform bereit, wenn nur ja das bö,e Zentrum von der Mitarbett völlig ausgeschalret wird. Arbeitet dennoch das Zentrum mit, dann kündigen sie ihre Mitarbeit. DaS nennt sich dann „national". WaS sagt der „nationale" Freisinnsmann der „Voff. Ztg." dazu?

jrftein, nicht um alle Herzoginnen in der ganzen Grafschaft, meine liebste, meine einzigste Eve."

Die zärtlichen Worte schienen das überreizte Gehirn halb einzulullen. Es gab Augenblicke, wo sie sich nicht einmal erinnern konnte, was eigentlich vorgefallen. Sie wußte nur, es war etwa- Fürchterliche-, Gräßliches, etwas, was ihr Herz und Seele in die tiefften Tiefen erschüttert

tatirmale Pflicht "

Der brave Freistnn-mann, der sonst nicht hoch genug den Mut des freien Bürgers gegen­über dem Absolutismus deS Herrschers preisen kann, geniert sich nicht im geringsten, das Grund- prmzip seine- polttischen Programm- zu ver- leugnen und der konservativen Pattei Vorstellungen zu machen wegen idreS Widerstandes gegenüber der Regierung — weil es jetzt eben ihm so paßt. Daß der Verfasser sich nicht fcheut, die verrostete Waffe deS Absprechens der nationalen Gesinnung heroorzuholen, ist ebenso bezeichnend sür den „freien Sinn“ des modernen Freisinn-, wie be- danerlich für di« Angegriffenen. Die Konser- vativen haben aber kein Recht, sich darüber zu beklagen, denn sie haben dieselbe Waffe ost genug gegen ihre politiichen Gegner, vor allem gegen da- Zentrum gebraucht.

In solcher Form wird heute der Kamps um bte Reichsfinanzreform zwischen den „verbün- beten" Blockparteien gesührt; wirklich ein Bildchen zum Malen. Wer früher behauptet hatte, daß aufgrund so gearteter Vorverhandlungen eme parlamentarische Mehrheit zur Einigung über ein schwieriges Gesetzeswerk kommen werde, der wäre vermutlich äusgelacht worden. Heute aber wird eS Wahrhett. Fürst Bülow soll vor seiner Abreise nach Italien die strikte Weisung erlassen haben, die Finanzresorm dürfe nut mit dem Block gemacht werden, und dann wird sie wohl auch mit dem Block gemacht werden. Die Einigungsformel lautet: Erb- ansallsteuer gegen Branntweinmono- ------— _ . _

poL Man muß sich fragen: Wie ist eS nur möglich, Preußen fort. Leider nicht mehr mit der Be- daß eine Mehrheit, die nickt nur in den gründ-1 stimmtheit und dem umfangreichen Material wie

Mission. .

Ein höherer Beamter aus einer anderen Ge­gend von Pommern schreibt: „Gr oß g r u nd b e- sitz er, deren Hausstand, gesellschaftlicher Auf­wand, .Vergnügungsreisen usw. einen Aufwand von 20000 JK und mehr erfordern, werden kaum als mittlere Beamte mit 1 50 0 bis 1800 <M eingeschätzt, ja, eI kommen Fälle vor, daß kaum die Grenze bei Einkommens mit 900 Jt erreicht wird, um zur Einkommensteuer herangezogen zu werden."

Ein Geistlicher aus der Provinz Sachsen schreibt, daß nach seiner Erfahrung dem Staate sehr viel Stenern dadurch entgingen, daß bei der Voreinschätzung Leute mit mehr als 3000 Mark unter 3000 <M geschäht würden und oa- durch dem Teklarattonszwang entgingen; fp fei in seinem Ort jüngst eine Witwe gestorben, die jährlich 2,50 <M. Einkommensteuer bezahlte und 40 000 <M hinterließ. Ganz ähnliches schreibt ein Arzt au- der Lausitz.

Derartige Vorkommnisse bedürfen immerhin nock einwandfreier Bestätigung. Um aber auf die enorme Summe von 60-^90 Milliarden zu kommen, die unbesteuert bleiben sollen, mußte doch noch ganz anderes Material beigebracht wer­den. Es ist eine Lebensfrage für die Monarchie, daß die Lasten gereckt ver­teilt werden. Eine gründliche Untersuchung ist daher unter allen Umständen erforderlich, will man die besonders gegen den landwirffchaftlichcn Großgrundbesitz erhobenen Anklagen erhärten. Bestätigen sie sich, dann müßte schonungslos auf­geräumt werden.

zu sagen; ein lähmender Stumpfsinn schien ihr im Kopfe zu liegen, eine düstere, schreckliche Leere sich um sie her zu verbreiten; sie legte ihren Kopf in di« Kiffen; doch kein Schluimner senkte sich auf fie herab, weder Schlaf noch Vergessen kamen. Sie war einfach wie erftarrt, gefühllos. Hätte ihr jemand gesagt: „Jack Jefferies ist vor einer Stunde neben Ihnen im Wäldchen erschos­sen worden", so hätte ihr das eine Neuigkeit ge- schienen, die sie nod) nicht gewußt. Es fiel ihr nickt einmal ein, daß die so ängstlich bsvahrt«. kimtte Vergangenheit entdeckt und bekannt ge­worden. Sie erinnerte sich nicht, warum fie da draußen unter den Bäumen gestanden, und dachte auch nicht an die schrecklichen Folgen, die ihr Tortsein zur Zett des Mordes nach sich ziehen mußte. Ein Nebel lag über ihren Gedanken; sie schloß die Augen, und das einzige, desien sie sich bewußt, war ein Gebet aus tiefstem Herzen, daß sie sterben möge. ,

So lag sie da bis zum langsam dämmernden Morgen, dann hörte fie den fckmoachen Gesang der ersten frühen Sänger draußen. Der Nebel in ihrem Gemüt verzog sich allmählich, ifcre Ge­danken kehrten langsam zurück, und der erste tBl.T der, ob die stille Gestalt draußen noch toobl mit dem Gefickt im Grase verborgen da liege.

DaS barmherzige Dunkel und Schweigen der Nacht waren vorüber — der Tag, mtt all seinen Schrecken, lag vor ihr. Ein goldener Sonnen­strahl brach zum Fenster herein. DaS Fest fiel ihr ein — ba tag ja auch ihr prächtiges, eigens dafür gefertigtes Kostüm, — und bott, im Schrank, lag das perlgraue Seidene, mit den roten Flecken.

Wie würde es wohl zuerst bekannt werden? — Wer würde die stumme regungslose Gestalt zuerst finden? — Wer zuerst Lärm schlagen, die Kunde verbreiten? — Und wenn sie nun herein- gelaufen kamen und es ihr erzählten, wie sollte sie sich nur beherrschen, um nicht merken zu las- sen, daß sie eS längst wisse, mehr wisse, wie alle anderen?