ZuldaerWAeitung
A^tller"inMda. wochenbettage: „Illustrierte Zonntagrzeitung
36. Jahrqanst.
Fulda, Mittwoch den 7. April 1909
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Rotationrdrnckund Verlag der Lnldaer Ai. tiendruckerei in Zulda Fernsprecher Nr. 9.
national nennen, an Bismarcks Fähigkeiten und Errungenschaften. Bei der gegenwärtigen „Block- Misere" dürste es nicht uninteressant sein, zu er- fahren, welchen „Block" Fürst Bismarck als den Ertrag reichster Lebenserfahrung für den gebotenen hielt. der letzten Rede, die er überhaupt im Reichstage gehalten, unterschied Fürst Bismarck konservative Parteien, die den Staat, bas Reich, erhalten und schützen wollen, und ihre Gegner. Auf die eine Seite stellte er den Block der Rechten, auf die andere den Block der Linken. Mit den einen will er sich auseinandersetzen, mit den anderen will er aber nur kämpfen. Es waren die letzten Worte, die er am 18. Mai 1889 zur Volksvertretung gesprochen:
„Ich richte also meine Rede heute vorzugsweise an die konservative Partei, zu der ich die „Reichs- Partei" und — die Herren mögen es mir nicht übel nehmen — die NauonaUiberalen und das Zentrum rechne (sehr gut! Bravo!) — ich halte die ebengenannten Parteien in der Gesamtrichtung ihrer Majorität für konservativ, d. h. für Parteien, welche den Staat, das Reich, nicht nur überhaupt und generell, sonvern auch angebrachtermaßen erhalten und schützen wollen. Nur mit den Herren habe ich mich ausem- anderzusetzen, mit den anderen habe ich zu kämpfen; das ist eine andere Sache. Aber ich möchte die konservativen Herren ihrerseils besonders bitten, sich von der Gemeinschaft von Sozialdemokraten, Polen, Wellen, Elsässer-Franzosen und auch von der Gemeinschaft der Freisinnigen ab- undloszusagen." (Lebhaftes Bravo!)
Unter dem Blockkanzler ist's anders geworden; er rechnet das Zenrum nicht zu den konservativen Parteien, sondern hält es schlimmer als Sozialdemokratie. Dagegen sind die Freisinnigen dem Fürsten Bülow Liebkind, trotzdem sie ihn nicht gerade sanft behandeln.
Die christlichen Bergleute gegen die Berg- gcsetmovelle. Der Gewerkverein christlicher Bergleute Deutschlands hatte sich mit der Tendenz des Entwurfs einer Novelle zum preußisclfen Berg- gesetz, die Beteiligung dec Arbeiter an der Grubenkontrolle durch „Sicherheitsmänner" herbeizu- fiihren, von Anfang an einverstanden erklärt. Die Hoffnungen aber, die die christlichen Bergleute auf die Verbesserung des Entwurfs in der Kommission gesetzt haben, sind enttäuscht worden. Die Beschlüsse der Bergkommission in erster Lesung werden vom „Bergknappen", dem Organ des Gewerkvereins, entschieden abgelehnt.
* Eine neue Uniform. Mit dec Errichtung des Deutschen Veterinäc-Offizierkoch's am 1. April 1910 wird für dessen Angehörige auch eine Neue Uniform geschaffen werden . Die Herren wünschen und werden voraussichtlich erhalten: Schwarzen Kragen, Mützenbesatz und Aufschläge, versilberte Metallteile, karmesinrote Vorstöße und gleichfarbiges Futter, keulenförmigen mit krummem Reiters übel gokreuzten Aeskulapstab als Emblem und „Sporen stets für alle Veterinäroffiziere". Nicht minder Wert als auf diese legen sie auf die silberne Litzen st ickerei an Kragen und Aufschlägen, die ihnen zu ihrer großen Freude bewilligt ist.
— Der Wiederaufbau des Kampauile, des Glockenturmes in Venedig, der vor vier Jahren begonnen wurde, geht seiner baldigen Vollendung entgegen. Tie mittleren Teile der alten Fundamente hat man bei dem Neubau verwenden können: um sie herum bat man 4000 Holzpfähle von 20 Zentimeter Durchmesser und 4 Meter Länge in den Boden geschlagen, und darüber ist eine dicke Betonschicht getagt, worauf die untersten Teile des Turmes, aus istrischem Gestein be- stehend, ruhen. Diese Steine rühren noch vom alten Turme her. Im ganzen hat allein die Fundamentierung ca 260 000 Lire gekostet. Nachdem diese schwierige Arbeit glücklich vollendet war, wurde mit dem Bau des Schaftes begonnen, des eigentlichen Turmes, der aus Ziegelsteinen aus- gcführt wurde. Die äußeren Mauern sind voll, die inneren durchbrochen, vereinigt werden sie durch Bögen. Innen sind die Mauern, um ihnen eine größere Festigkeit zu geben, durch Zugeisen verbunden, die den Windungen der Treppen folgen und gleichzeitig deren Gerüst bilden; int übrigen besteht die Treppe aus armiertem Beton. Die äußeren Querleisten und alles, was sonst zum Schmuck dient, ist aus istrischem Stein. Zum Wiederaufbau der Loggetta, welche die mit unendlicher Mühe und Sorgfalt wieder zusammen- geflickte Figur von Sansovino aufnehmen soll, hat man die Trümmer des alten Baues verwerten können. Ein besonderes Gerüst, von dem stadtr- schen Ingenieur Bonghi erdacht, das auf 4 freien Pfählen eine Plattform trägt und 52 009 Kar.
* Der Bismarck-Block. Bei der Wiederlehr des Jahrestages de. Geburt Bismarcks rtinnetten die Blätter, die sich mit besonderer Betonung
Monatrbellage: „$ulbaet GeschlchtrblStter"
tag des Kelches"; die letztere Bezeichnung findet sich in dem uralten Kalenser des kolemius Silvius; zugleich ist hier der Gründonnerstag ein für allemal auf den 24. März an gesetzt, denn in der ältesten Zeit gatt der 25. März vielfach als der eigentliche Todestag des Herrn und dementsprechend der 24. März als der Abendmahlstag und der 27. März als der Aufcrstehnngstag. Auch im südlichen Frankreich scheint der Name Natalis calicis allgemein im Gebrauch gewesen zu sein. Er findet sich nämlich bei Avitus von Vienne und bei Eligius von Noyon im 6. und 7. Jahrhundert.
In Hinsicht aus seine Stellung in der Karwoche und in Hinsicht aus das Leiden Christi, das an diesem Abend seinen Anfang nahm, nennen die Griechen den Gründonnerstag den .heiligen und großen fünften Tag'.
Wegen der an diesem Tage üblichen Fußwaschung heißt er Dies pedilavii, dies mandati, mandatum (Tau der Fußwaschung, Tag des Liebesgebotes, das der Herr bei Gelegenheit der Fußwaschung den Aposteln gab, LiebeSgebot). Aus dieser Bezeichnung (man- datam) bildeten die Engländer „maundy-tharsday“, die Deutschen .Manteltag' (mendeldag).
Wegen der an diesem Tage vorgenommenen Ausnahme der Büßer in die Kirchengemein- fchaft wird der Gründonnerstag genannt. Dies ab- solationis, französisch le jeudi absolu, mittelhochdeutsch Pfinztag in dem Antlaz (Antlaßtag, d. h. Donnerstag der Entlassung aus der öffentlichen Kirchenbuße).
Weil die in der Osternacht zu taufenden Com- petentes (Bewerber) an diesem Tage das Glau, bensbekenntnis öffentlich ablegten (Konzil von Laodicea c. 46), hieß der Gründonnerstag Tag der Bewerber, dies competentium.
Auch der weiße Donnerstag, holländisch de witte Donderdag, sranzösich le jetflli blaue, wird der Gründonnerstag genannt, wegen des in einigen Gegenden, besonders aber in Frankreich an diesem Tage noch beute zur Verteilung gelangenden Weiß, b rot es. In dieser Verteilung liegt ein deutlicher Hinweis aus Christi Brotbrechen im Abendmahlsaat.
Tie gebräuchlichste Bezeichnung für den heutigen Tag ist aber Gründonnerstag. Der Name taucht um das Jahr 1200 zum ersten Male ans Man hat sich oft gefragt' welche Bedeutung diesem Worte zukomme. Manche sehen es an als eine Verstümmelung aus dem lateinischen carena, woraus caren, karin, prin, grün entstanden fei. Andere weisen auf einen früher angeblich üblichen Eingang der Gründ onnerstagsmesse hin, der mit den Worten begann: In loco pascuae (Psalm 22, 2): er weidet mich auf grüner An. Andere erklären: Ter Gründonnerstag ist der Beginn des Selben 8 Jesu, mit dem daS Heil der Menschen zu grünen begann. Andere finden den Namen in der Gewohnheit begründet, an diesem Tage grüne Kräuter und Speisen zu genießen in Anlehnung an die jüdische Paschafeier überhaupt (Exod. 12, 8) und an das letzte Abendmahl insbesonvere "Matth. 26, 27), in- dem die am Paschamahl Teilnehmenden — darum auch der Heiland und die Apostel beim letzten Abendmahl — sowohl das Fleisch des Osterlammes als auch Stücke des ungesäuerten Brotes in eine mit grünen bittet en Kräutern gewürzte Brühe tauchten. Wieder andere gaben folgende Deutung: Gründonnerstag, d. h. Tag der Grünenden, Tag der öffentlichen Büßer, die nach der während der Fastenzeit vollbrachten öffentlichen Buße heute die Lossprechung und die Wiederaufnahme in die Kirchengemeinschaft erhielten und so aus dürren Zweige wieder grüne (Luk. 23, 31) wurden. Uns sagt folgende Auslegung am besten zu: Der Grün- donnerstag ist Tag der grünen Kirchenge- wänder. Beim Hochamte am Gründonnerstag wurden nämlich ehedem grüne Gewänder gebraucht, während der Priester unv die Altardiener bei der Wiederausnahme der Büßer rote Gewänder trugen.
3. Die eigentliche Gründonnerstags- litnrgie ist in den Domkirchen der Bischofssitze heute ausgezeichnet durch fünf Funktionen: durch vie dunklen Stetten am Vorabend, durch die Del- weihe, Entblößung der Altäre und lledertragung des Allerheiligsten am Vormittag und schließlich
durch die Fußwaschung am Nachmittag. Früher nahm die Kirche am Gründonnerstag noch folgende Zeremonien vor: die Wiederaufnahme der öffentlichen Büßer in die Kirche, die Abwaschung der Altäre, die Verlesung der sog. Nachtmahlsbulle, die feierliche Ablegung des Glaubensbekenntnisses der Täuflinge, die Weihe des neuen Feuers; auch wurde vielerorts am Abend eine zweite Mefle gefeiert. Dr. Sch.
Ausland.
* Eine „Bilanz der Trennung" in Frank- reich bringt die .Franliurter Zeitung' in 9lr 91, nach dem ,Matiw. Sie sagt:
.Auf der Seile der katholischen Küche durch den Willen des Papstes (!?) das traurige Schauspiel von Ruinen, eine prekäre und außergesetzliche finanzielle Organisation, Versiegen oder doch mindestens Bedrohung der Anwerbung des Klerus, Herabwürdigung der Priester zu „Vagabunden', wie der Abb« Lemire sagte: dagegen auf Seiten des Staates Freiwerden eines Vüvgeiposteus von 31 > Millionen, die bald au, 37
* „Katholische Völker — sterbende Völker."
Wie oft muß man doch heute dieses Wort ho- ren, das der ehemalige englische Minister Lord Salisbury im Hinblick auf das katholische Spa- nien gemünzt hat. Man weiß ja nur zu gut daß bei gar vielen, die dieses Wort tnt Munde fuhren, in ihres Herzens Grunde der Wunsch, daß mit diesen „sterbenden" Völkern auch die Kirche selbst hinsterben möge, der Vater des Gedankens ist!
Wie oberflächlich, wie so ganz unbekannt mit dem eigentlichen Wesen der katholischen Kirche ist diese Betrachtung! Denen sei gesagt, die katholische Kirche ist katholisch, d. h. sie ist eine Weltkirche, sie ist i n t e r n a t i o n a l und darum ganz und gar u n a b h ä n gig von dem Wechsel im Auf und Ab der einzelnen Völker.
Aber wo sind denn diese niedergehenden katholischen Völker? Ach ja: Italien, Spanien, Portugal sind ja heute im Vergleich mit den protestantischen Völkern ins Hintertreffen geraten! Heute ja! war es denn immer so? Oder haben nicht einmal jene Völker an der Spitze ge- standen als die reichsten und weltbeherrschenden Mächte? Wer etwas die Geschichte kennt, hat einmal von dec großen Weltmachtstellung der Portugiesen und Spanier gehört, von den reichen Handelsrepubliken Venedig, Genua. Damals also war der Katholizismus dieser Staaten und Städte kein Hindernis ihrer finanziellen, kommerziellen, politischen Machtstellung.
Wenn heute jedoch die Geschichte den Niedergang dieser Völker zu verzeichnen hat, so hat sie bas auch zu tun bei protestantischen Völkern. Oder wo ist die ehemalige Blüte der holländischen Kolonialmacht? Wo ist das schwedische Reich, das einst Gustav Adolf ausgerichtet? Wo war die Machtstellung Preußens am Anfang des 19. Jahrhunderts, als Napoleon sein Weltreich aufgerichtet?
Es geht doch wahrlich nicht an, von einem willkürlich gewählten Augenblick der Weltgeschichte über ein ganzes Volk und zugleich über dessen Religion abzuurteilen.
So aber einer die Zugehörigkeit dieser Völker gur katholischen Religion als Ursache ihres Niedergangs erklären, die katholische Kirche also dafür haftbar machen wollte, so müßte er sich be- fheinigen lassen, daß er von den allerersten Be- ingungen des wirtschaftlichen Aufschwungs der Nationen im Zeitalter der Maschinentechnik, von den Wegen, die der Welthandel seit den Entdeckungsfahrten des Kolumbus eingeschlagen hat, keine Ahnung hat. Und das gerade sind die Umstände, von denen in allererster Linie die wirUchaftlickwa Blüte eines Landes im Zeitalter )er Industrie und Technik und des Welthandels tbhängt. Im 5. Kapitel des 2. Bandes seines ^roßangelegten Lehrbuchs der Nationalökonomie (1909 Freiburg, Herder) kommt P. Pesch bei oec Untersuchung des Zusammenhangs von religiös-sittlicher Bildung und Volkswohlstand in dankenswerter Weise auch auf dieses Thema zu sprechen. Er sagt:
„Die Gründe des Niedergangs einzelner katholischer Nationen, soweit von einem Herabsinken in Wahrheit die Rede sein kann, haben mit der Religion al? solcher nichts zu schassen. Die Kirche kann die physikalischen Bedinaungen deS Wirtschaftslebens nicht ändern, den Nationen kein besseres Klima erschaffen, nicht hindern, daß in der eisigen Polarnacht die Arbeitskraft brach gelegt werde, der Tropen) onne nicht verbieten, die wirtschaftliche Energie und die intellektuelle Spannlrast zu brechen, auch in den sub- ttopischen Gegenden den Einfluß des Klimas und der freigebigen Fruchtbarkeit der Natur auf Geist, Willen,
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Ausnahme und Zeiertageviertel. fShrlicheevezug-preir ibne Srlngerlohn und
wie auswärts 1.50 Litt
Verantw. Redakteure «ar» Schütter
Millionen anwachsen werden, wenn die lebenslängliche« Tensionen der alten Konkordatspriester verschwunden sind, der den Gemeinden zur Versügung gestellt wird, um ihnen zu gestalten, die Lasten der neuen sozialen Gesetze zu tragen, besonders der Greisenunterstützung, ferner Freiwerden einer Summe von nahezu sechs Millionen jährlich infolge der Streichung der lokalen Kultusbudgets und der Vermietung der 30000 Pfarrhäuser. Außerdem sind mehr als 250 grobe Gebäude, Bischofspaläste, Seminarien rc., die die Kirche für ihre Kultusverbände verschmäht (!) hat, in Hospitäler, Museen, Bibliotheken, Universitäten und Schulen um« gestaltet und so gemeinnützig gemacht worden. Vor allem aber ist auf die Gewinnfeite des Staates die Verteilung von Vermögen, deren ungeheuere Liquidation die Kirche zweifellos nicht voraussah, zugunsten der Armen einzutragen, eine Liquidation, die feit der Nationalisierung der Kirchengüter während der Revolution nicht ihresgleichen gehabt hat. Hier haben wir eine ungeheuere Ziffer, nahezu eine halbe Milliarde, genau 411546154 Frs. nach der vor einigen Tagen veröffentlichten offiziellen Abschätzung der Kultusvermögen, die den Gemeindeanstalten für Wohltätigkeit und Unterstützung zufließen wird. Man kann schon mit Gewißheit behaupten, daß abzüglich der Pafsiva und gewisser Rückerstattungen an Stifter oder deren Erben mehr als 350 Millionen Frs. für die öffentlichen Wohltätigkeitsdienste in Frankreich frei werden'.
Das sei, meint die ,Frkf. Ztgch „vielleicht die große Reform", welche die dritte Republik unternommen hat. Wir wären nur auf eines neugierig: darauf nämlich, zu wissen ob die,Frkf. Ztg/ auch von einer „Reform" ebenso entzückt wäre, welche die Riesenvermögen der Rothschild und anoeier reicher Leute „gemeinnützig machen" und „nationalisieren" würde. Gestohlen bleibt gestohlen, ob das Vermögen nun der Kirche oder den Rothschilds gestohlen wird.
* Im englischen Unterhaus erklärte KciegS- Minister Halda ne in Beantwortung verschiedener Anfragen über lenkbare Luftschiffe auf dem Festlande, daß. soweit er unterrichtet sei, Frankreich beabsichtige, fünf Schutzhallen für lenkbare Luftschiffe zu bauen; in Deutschland sollten sechs Luftschiffe gebaut sein und sechs weitere gebaut werden. Der Kriegsminister fügte diesen Mitteilungen hinzu, daß die englische Regierung den Bau einer zweiten Schutzhalle, in Aldershot außer der bereits vorhandenen erwäge.
" Zur britischen Flottenpanik. Ter liberale Abg. Lucy teilt in seinem Wochenrückblick auf die Unterhaltungsdebatten im Observer, einer angesehenen imperialistischen und deutschfeindlichen Zeitschrift mit, daß der Bau auch der vier fakultativen Dreadnoughts des nächstjährigen Flottengrogramms nicht nur bereits im Schoße des Kabinetts beschlossene Sache sei, sondern daß die Inangriffnahme des Baues von zweien dieser Extraschiffe, die auf Privatwecften herge- stellt werden sollen, gleich nach Ostern erfolgen werde, während mit den beiden anderen, die auf den Regierungswerften Devonport und Portsmouth in Arbeit gegeben werden, spätestens im Juni begonnen werde. Das Land mag sich, sagt Lucy, beruhigen, die acht Dreadnoughts werden so zeitig gebaut, daß sie im Jahre 1911 ihren Platz in der Flotte finden." — Der Autor dieser Mitteilung verfügt über sehr zuverlässige Jnformationsauellen, sodaß seine Meldung höchst wahrscheinlich richtig sein wird. Sie steht allerdings in Widerspruch zu der Ec- kläiung der englischen Regierung,daß der Bau der vier Extraschiffe von neuen Uebercaschungen im Baufortschritt Deutschlands abhängen solle. Aber nach dem, was wir in den letzten Wochen gesehen haben, würden wir uns nicht wundern können, daß diese Erklärung nur eine beschönigende Ausflucht gewesen ist. Wir müssen gestehen, daß, wenn die Meldung sich bewahrheitet, die Friedensliebe der Engländer dann in einem noch ungünstigeren Lichte
* Gründonnerstag.
1. Das Fest des Gründonnerstages läßt sich bis in's 4. Jahrhundert zurückverfolgen. Es tritt uns zunächst entgegen in der afrikanischen Kirche: ßom Gründonnerstag spricht schon die Synode von -ippo tm Jahre 393 im 28. Kanon; und der hl. UugustinuS (354—430) kennt den Gründonnerstag «18 eines der in Afrika bestehenden Feste. — Auch ne griechische Kirche beging schon int 4. Jahr- »undert den Gründonnerstag, wie ans einer Predigt -rheltt, die der hl. Johannes Chrysoslomns (334—407) tn diesem Tage über die Einsetzung des hl. Altar- «kramentes und über den Verrat des Judas hielt Werke, Edition Montf. II 375—395). — In der mozarabischen, gotischen und gallikani« 'dien Liturgie ist eine eigene Messe für diesen lag vorgesehen. Der Gründonnerstag war nicht -in gewöhnlicher kirchlicher Gedenktag, sondern zalt in der alten Kirche vielfach als Feiertag, als lollemnitas; so nennt j. B. Gregor von Tours 640—594) in seiner Geschichte der Franken (8,43) »en Gründonnerstag „den Festtag des Abend- nahles des Herrn'.
Der Grund für diese Auszeichnung des Grün- „onnerstags liegt darin, daß es der Tag ist, an dem Christus mit seinen Aposteln das letzte Pascha- mahl hielt und das Geheimnis seines Fleisches und Blutes emsetzte. Vor der allgemeinen Emfüh- cnng deS Fronleichnamsfestes war der Gründonnerstag daher dem besonderen Kulte deS Altar» sakramenies geweiht. .
2. Der Gründonnerstag hat die mannigfachsten Namen erhalten. Die Ursache hierfür ist leicht ersichtlich, sie liegt in den so zahlreichen liturgischen Gebräuchen, die am Gründonnerstag vor sich gehen. In Hinsicht auf die Einsetzung deS hl. Altar« fakramentes, die an diesem Tage im Abendmahlsaal zu Jerusalem durch den Heiland geschah und die an diesem Tage von der Kirche vor der Einführung des Fronleichnamsfestes gefeiert wurde, hieß der Gründonnerstag Coen» Domini „Abend- mahlstaq des Herrn' oder Natalie calicis „Geburts-
Betätigung des Menschen nicht verändern. Wo Eisen und Kohle ist, da kommt die Industrie von selbst. Die drei Länder, die am meisten über Kohlen und Eisen verfügen, sind wirtfchaftlich die stärksten geworden: Amerika, England, Deutschland. Kohlenflöze im Boden Italiens und in ausreichendem Maße im Boden Spaniens entstehen zu lasten, dazu reicht die Macht der katholischen Kirche nicht aus, wie auch dem Protestantismus kein Borwurf daraus erwächst, daß in Holland die Kohle fehlt. Die Kirche kann ferner nicht die Bodenbeschaffenheit, die orographischen (Gebirgsverqältniste) und hydrographischen (Wasser- verhällniste) Eigenschaften, die Lage zum Meer, die geographische Lage und die hieraus sich ergebenden Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten für die Welt- Handelsbeziehungen umgestalten." (11,711-712.)
Die am Mittelländischen Meer gelegenen Staaten und Städte sanken und mußten sinken, ob katholisch oder nichtkatholisch, als der Atlantische Ozean an Stelle des Mittelmeers als Hauvthandelsverkehrsstcaße trat. Und wenn die Rolle des Atlantischen Ozeans eines Tages der Große Ozean übernehmen wird, was ja von mancherlei Propheten für nicht allzuferne Zeit angekündigt wird, dann gehört die Zukunft den an feinen Küsten wohnenden Völkern.
Es ist eine seltsame Kurzsichtigkeit, den wirtschaftlichen Wohlstand eines Volkes zum Wertmesser seiner Religion zu machen. Die Konsequenz wäre schließlich eine Preisgabe des Chri- stentums überhaupt.. Denn übertreffen an, irdischem Mammon nicht die Juden die Christen? Ist darum deren Religion als die wahre erwiesen?
Deutscher Reich.
[] Zusammenschluß der Richter.
Alle Welt organisiert sich. Der Gedanke des Zusammenschlusses in Berufsvereinigungen hat neuerdings auch den Richterstand erfaßt. Am Sonntag hat man in Berlin den ersten Richtertag abgehalten und eine Organisation ins Leben gerufen, die die Richter in Nocddeutschland zusammenschließen soll, ebenso, wie es ein neuer ins Leben gerufener Verband für Süddeutfchland tun 'wird. In der Debatte war man sich auf allen Seiten einig darüber, daß die Ocganisations- frege bei den Richtern mit anderen Augen zu betrachten fei, als bei anderen Berufen. Der Richter soll über den Parteien und Gruppen auf sozialem, politischem und ethischem Gebiete stehen. Parteimann wird er natürlich sein, aber im Berufe soll er frei von Parteinergun gen sein, er soll als Richter den öffentlichen Kämpfen entrückt sein. So verlangt es das Rechtsgefühl, das nur zu halten ist, wenn der Richter unantastbar hoch über dem Getriebe des öffentlichen Lebens steht. Wie sehr hat dem Richterftande der von sozialdemokratifcher Seite immer wieder ausgesprochene Vorwurf der Klasse n justiz geschadet! Es ist klar, daß der Richterstand diesen Vorwurf nur durch ängstliches Fecnhalten von der Parteineigung jeder Art in seiner Berufstätigkeit abwehren kann. Umsomehr soll er mit dem praktischen Leben F ü b I u n g nehmen. Wie oft wird auch von Seiten, die nicht sozialdemokratisch sind, die nicht den Vorwurf der bewußten „Klassenjustiz" erheben, gegenüber diesem oder jenem Urteil, namentlich dec höheren Gerichte, der Einwand erhoben, man habe es da mit einem Urteil vom grünen Tisch, nicht aus der Kenntnis des praktischen Lebens heraus zu tun?! Von „weltfremden" Richtern war auch am Sonntag mehrfach die Rede, von weltfremden „Akten- und Bii- chermenschen". Hier bessernd einzuwirken, ist für den Richterverein eine dankbare Aufgabe