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Jß 79.

Fulda, Mittwoch beit 7. April 1909.

36. Jahrff an ff.

Erstes Matt.

--- Geistreiche Leute sind meist schlechte Politiker,

eias zeigt sich neuerdings wieder bei dem Schön­heitsredner Abg. Dr. Naumann.

Der Mann weiß berückend schön und geistreich zu reden und zu schreiben, aber eS geht ihm, wie seinem längst verstorbenen politischen Gefin- tmngsgenossen Ludwig Bamberger, was sie sagen und sagten ist kein Silber und auch kein ehrliches Kupfey, sondern gleitendes Nickel. Naumann macht Politik, wie der gute Schiller Geschichte ge­schrieben hat, der Stil ist ihm alles, der Inhalt erträgt keine ernsthafte Kritik. So kommt es, daß er sich Blamage auf Blamage holt. Das ist neuerdings auch mit seiner Entdeckung des „Z u- unftsblocks von Bassermann bis Bebe I", der sich bei der Abstimmung über die Spiritussteucr in der Finanzkommission zusam­mengefunden habe, geschehen. Bon allen beteilig­ten Seiten ist der Gedanke an eine solche Zu- krnftsmehrheit scharf zurückgewiesen worden. Recht bezeichnend für die Bedeutung Naumanns als Politiker ist aber der Umstand, daß das Or­gan der Barthschen Demokratie, die „Berliner Dolksztg.”, von ihm unzweideutig abrückt. Die „Berliner Volkszeitung" weist, um die politische Unzulässigkeit Naumanns an einem eklatan­ten Beispiel dorzutun, darauf hin, daß der fetzige Zukunftsblock-Enthusiast am 22. April 1908 auf dem Delegiertentage der Freisinnigen Vereini­gung mit zündenden Worten die Mehrheit von Bebel bis Bassermann als ein Ding der N n- mögkichkeit hinstellte.

Dor noch nicht einem Jahr hat also Naumann den „Zukunftsblock" als eine Utopie, verspottet und heute stellt er ihn als in seinen Anfängen gesichert hin. Das ist Naumann! Mit Recht kann man da gleich der „Berliner Volkszeitung" fragen; „Wie aber wird Herr Naumann nach abermals elf Monaten und acht Tagen über den Fall denken?"

Politik ist eine Sache, die mit ka lte m Ver­st a n d e gemacht werden muß. Temperament darf der Politiker haben, aber das Temperament darf ihn nicht baden. Der Urtypus des kaltberech- Ttenben Politikers war der Zentrumsführer Dr. Windthorst, desien hervorstechendster Charak- tcrzug der war, daß er es verstand, seine Zeit ab- zuwarten, wo er handelnd einzugreifen hatte. Wie oft hat in schwierigen Situationen die gegnerische fresse geklagt, Windthorst habe wieder eine stun­denlange Rede gehalten, ohne etwas zu sagen, .veil er nichts sagen wollte. Es war wiederum Windthorstsche Taktik, als am vorigen Dienstag bei der Besprechung der innerpolitischen Lage das Zentrum sich tu völliges Schweigen hüllte, als die Teilhaber des Blocks so unange- «tehm aneinaildergerieten und sich gegenseitig so bittere Wahrheiten sagten. Es hat noch nie gut getan, wenn man sich als Fremder kn die häus- fichen Angelegenheiten anderer Leute mischt. A b- warten! dos ist zurzeit die Parole deS Zen­trums und dabei muß eben wieder das gegensei­tige Vertrauen zwischen Wählern und Gewählten feine Schuldigkeit tun. Die Zentrumsvartei im Lande darf der Klugheit der Frastion trauen, da sie von Männern geführt wird, die noch in Windt- Horsts berühmter Schule Politik gelernt haben.

vtstfcher Reich.

** Berlin, 6. April 1909. Von der General- ^tfammlung des Vereins deuUcher Kaffee» Grosshändler und »Röster wurde der Vor­

stand beauftragt, allen Bestrebungen auf Er­höhung des Kaffeezolls mit allen Mitteln entgegenzuwirken. — Die Revision des früheren ReichstagSabg. Held in feinem Beleidigungs­prozeß wurde vom Oderlandesgericht in Celle verworfen. — Eine Informationsreise nach den Kolonien wird auch bet Direktor im Reichskolnialamt, Conze, anlteten. Gleich nach der Rückkehr des Unterstaatsfekretärs v. Lindequist auS Ostafrika, die Ende dieses Monats zu erwarten ist, wird sich Herr Conze nach Südwestafrika begeben.

* lieber Begegnungen des Kaisers mit fremden Herrschern während der Ausreise nach Korfu sind bisher nach offiziöser Versicherung Vereinbarungen nicht getroffen worden. Sollte der Kaiser 1 dis 2 Tage in Venedig verweilen, und sollte bis dahin das italienische Königspaar seine Reise nach Sizilien und Kalabrien beendet haben, so wäre ein Zu- sammentreffen mit dem Kaiser in Venedig nicht ausgeschlossen. Falls dagegen der Aufenthalt des italienischen Königspaares in Süditalien länger dauert, so wird vermutlich eine Begegnung aus der Rückreise des Kaisers staUfinden. In Korfu wird der Karser Gelegenheit haben, mit dem griechischen Hofe zusammenzutreffen.

)( Er „zweifelt nicht!" Reichskanzler Fürst Bülow läßt sich weiter ankelegraphiereu und antwortet mit dem alten Elfer. Nur hat sich seine Stimmung gebessert. Er hat dem Ham­burger ReichstagS-Wahlverein von lt-84 auf das ihm bei der Bismarckseier gesandte Begrüßunqs- telegramm folgende telegraphische Antwort gesandt:

„Ich bitte dem ReichstagS-Wahlverein von 1884 für seine freundliche Begrüßung und für den Ausdruck der Hoffnung auf eine erfolgreiche Durchführung der Reichsfinanzreform meinen Dank auszufprechen. Auch ich zweifle nicht, daß sich der Reichstag dieser schwierigen Ausgabe gewachsen zeigen und das in ihn gesetzte Vertrauen rechtfertigen wird. Reichskan;'"-- Fürst Bülow."

Wenn die Konservativen in der Nachlaßsteue: ober der Erbschaftssteuer auf Kinder und Ehe­gatten so weiter uiufallen, dann liegt ja auch keinerlei Grund zu Zweifeln vor. Wir zweiselten schon lange nicht mehr.

+ Zentrum und Bund der Landwirte. Wenn der BundeSdnektor Dr. Hahn im Westen Agitationsverlammlungen für den Bund der Landwirte abhäkt, bann versteht et es, das Zen- trum recht saust anzufaffen. Wenn die Herren vom Bund der Landwirte aber in zentturnSsreien Gegenden auitteten, dann lautet ihre Sprache aewöhnlich anders. In Stettin warnte der Chefiredakteur der .Deutschen Tagesztg/, Dr. Derlei seine Freunde vor dem Zenirum, man werde mit dem Zentrum nur mit der größten Vorsicht in Verhandlungen eintreten tonne ■. — Wem soll man nun glauben: Herrn Dr. Hahn ober Herrn Dr. Derlei ?

* Heber WindthorstS Persönlichkeit schreibt in einer Abhandlung über Windthorst und den Kulimkampf in den letzten drei Heften der .Preußischen Jahrbücher Professor Dr. Felix Rach fahl (Gießen) in demSchlußabschnitt u. a.:

lieber allen Zweifel erhaben war Windthorsis kalho- lische Devotion; sie überflanv sogar bir schwere Probe der Verkündigung des Nufehlbarkerks-Dogmaif. Seine Weltanschauung war fest und eng umjchtonen! sie war gegeben durch die tathotische Ide»; diese war der Maßstab, den er an alles anlegte, wiewohl er hier und da Kompromisse mit den modernen Gedanken nicht ganz vermeiden tonnte und jedenfalls wen davon enk- fernl war, bte Grundsätze übermäßig zn betonen. Tie große Liedenswürdigteu, bte er zu entfalten vermochte, bewirkte, daß sich fern persönlicher Verhältnis auch zu

Andersdenkenden angenehm gestaltete. Er war der eifrigste, gewandteste und erfolgreichtte Vorkämpfer des politischen Katholizismus im 19. Jahrhundert, und nicht nur Deutschlands. Welches die Sache war, der er diente, daraus hat er nie ein Hehl gemacht, seitdem er sich poli­tisch zu betätigen begonnen hatte, feit dem Anfang« der fünfziger Jahre, in Volksversammlungen, Presse und Parlament..... Am glänzendsten zeigte sich seine

rtgentümliche Begabung im Kulturkämpfe. Dmch feine parlamentarische Wirksamkeit hat er damals ver­hindert, daß Bismarck das Ziel erreichte, das ihm vor­schwebte; dazu kamen allerdings die Umwände der ganzen inneren Entwicklung Deutschlands, die der ge­wiegte Zentrumstaktiker mit unvergleichlicher Geschick­lichkeit auszunutzen verstand. Seine Reden waren nicht von jenem groben Pathos getragen, welche» die Hörer in der Tiefe der eeele erschüttert und bezwingt; sie zeichnen sich aus durch eine geradezu virtuosenhaste Dialektik, durch logische Konsequenz u.ib treffenoe Pointen, durch eine erstaunliche Schlagfertigkeit, durch einen Witz, der alle Nuancen vom launigen Humor bis zunt beißenden Sarkasmus umfaßte. Meisterhaft verstand er es, die Wirkung feiner Worte, sei es im Emzelgespräche, fei es vor der Oeffentlichkeit, zu berechnen und sie den Instinkten und Wünschen der Hörer anzupaffen: darauf beruhte ins­besondere die zwingende Gewalt, die er von der Tridüne herab auf die Massen ausübte. Seine wahre Stärke aber lag auf dem Gebiete der parlamentarischen Taktik. Hatte er sich schon in der Hannoverjchen Kammer die Sporen verdient, so bot sich ihm später im , reußischen Landtage und im Deutschen Reichstage die paffende Arena. Er schmiedete um seine Partei einen ehernen Ring, der auch nach seinem Tode nicht zerbrach. . . . Sowoht ais Redner, wie auch als Partei!ührer hat es Windt- horft vollauf verdient, daß inan bei feinem Hinscheiden von ihm sagte, er sei „der erste Parlamentarier großen Stiles im Deutschen Reiche". Sem Weck ist es jedenfalls, "aß das Zentrum die erste große Partei blieb, die Bismarck weder zu zeitrümmern. noch auch sich dienstbar zu machen vermochte; selbst im Widerspruche zum Papste hat Windthorst die politische Unabhängigkeit feiner Fraktion gegenüber der Regierung zu wahren gewußt.

+ Dr. Pausche der Sündcnbock. In der na- twnalliberalen „Magd. Ztg." lesen wir:

„Sehr bedauert wird in vielen Kreisen die säumige Leitmig der Reichssinaiizkomtnifiionsarbeiten durch den jetzigen Vorsitzenden, den Abg. Dr. Paasche. Man ist bis hinaus in Regierungskreise der Ueberzeugunq, dab unter einem anderen Vorsitzenden die Arbeiten bereits weiter gefördert fern würden. Der Dringlichkeit der Finanzref^m entspricht auf jeden Fall die bisherige Leitung der Arbeiten nicht."

Wir müssen Herrn Dr. Paasche gegen den Vorwurf seines eigenen Parteiorgans in Schutz nehmen) die Hauptschuld an der Verzögerung trägt er nicht. Mit mehr Recht darf mau da den Fürsten Bülow nennen.

)( Kolouial-Sekretar Der » burg hatte vor, in diesem Jahre eine Reise nach Kamerun zu machen; es wirb aber mitgeieilt, er habe bie Strapazen seiner vorjährigen Reite nach Ost- unb Südweslaftika noch nicht völlig überwunden, er weide aber im nächsten Jahre bte geplante Reife antreleti.

(*) Bet bet Reichstagsersatzw.ihl in Düren- Jülich war die Beteiligung roetl schwäche. als tm Jahre 1907; eine gewöhnliche Erscheinung bei einer Ersatzwahl. Liberale Blätter sehen triumphierend in dem -Stimmenunler-chred (Graf Hompeich erhteit 1907 22852, Fürst Salm 1. 0 » 16594 Stimmen) ein Zeichen für ein Nachlaßen Der Begeisterung für das Zentrum. Demgegen­über schreibt sogar die na! tonalliberale,Magdeb. Zlgck: ,8s ist bei dem Fehlen jeglichen Wahl- icmpfeS nicht zu verwundern, baß bet sehr viel geringerer Wahlbeteiligung die S:immenzahl des Zentrums nicht unbeträchtlich gesunken ist, umso weniger, als die Ltebeirombui g Der Gleichgiltig­keit der großen Mehrzahl bet Wähler bet Ersatz­wahlen bekanntlich besonders schwer ist. Das

Zm Lame i>e§ GehemiB.

'4] AuS dem Englischen von K. v. RaeSfeld-

48. Kapitel.

Mutige Rache.

„Also ich will keineswegs, daß Sie Ihre Ent- fchließung übereilen," wiederholte Jack, „überle­gen Sie es sich wohl. Sie wiffen ja jetzt, in wel­cher Richtung Ihre eigene Sicherheit liegt. Ich kann etwas länger warten. Wenn es Ihnen be­liebt, will ich Sie wieder treffen.”

„Rein!" tief sie zurückschaudernd; „das will ich nicht. Ich könnte nicht lebein mit diesem Schwerte über meinem Haupte. Lassen Sie mich nachdenken."

Sie strich das goldene Haar von der Stirn zurück, raffle den Schal wieder auf und legte den fiebernden Kopf gegen das kühle Eifengitter.

„Lassen Sie mich Nachdenken. Der Kops wir» «ö mir — alle Sinne sind mir durcheinander. Sagten Sie mir utd»t, daß Marian, mitte Schlve- her, zugegeben, es fei ihr Sohn?"

„Gewiß; sie machte kernen Versuch, es abzu- leugnen.”

„Unb sie versprach Ihnen tausend Pfund jähr­lich, wenn Sie dies alles als Geheimnis bewahr­ten?" fuhr sie fort

„Jawohl; sie wurde mir noch mehr gege- fen haben, wen» ich's verlangt hätte.”

„Machte sie kernen Versuch, die Schuld auf jemand anders abzuwälzen?" fuhr sie eifrig fort „Behauptete sie nicht — sagte sie nicht, sie hätte das Kind für eine andere Person in Pflege ge- nemmea?"

. »Nein,” das sagte sie nicht," unterbrach Jack Ritt ruhigem, sicherem Lächeln; „sie wußte, es '«tre nutzlos gewesen."

„Versuchte sie also nicht irgend jemand anders dre Schuld zuzuschieben?"

„Nein, weshalb hätte sie daI tun sollen? Miß West hat eine gute Portion gesunden Menschen­verstand; und sie braucht den auch, Lady Wayne."

„Und nicht zufrieden mtt dem, was Sie von ihr erpreßt haben, verraten Sie jetzt ihr Ver­trauen so schmählich und kommen zu mir, um zu sehen, was Sie von mir Noch erpressen können."

„Nein," erwiderte er, „das nicht. Ich will nichts von Ihnen als nur Ihre Tochter."

„Wenn ich Ihnen zähclich zweitausend Pfund anböte?"

„Es ist nicht Geld," erwiderte er mürrisch. -Ich will Ihre Tochter. Ich habe mein Herz nun mal an sie verloren und will Elfte zur Frau ha- den, und Ihr Mann würde meiner Carrisre in der Welt ordentlich nachhelfen.”

„Ec würde Sie eher erschlagen," ertoiberte sie ftol;

Er lachte höhnisch.

„Gewiß, das wäre bester um der Ehre und der hoben Namens der Familie willen, wenn ich tot wäre,” sagte er; „aber ich habe noch ein ganz nettes Leben vor mir. Wenn man alles bedenkt was vargefallen, könnte Miß Elfie eine jchlerbter? Partie machen.”

Sie gab diesmal keine zornige Erwiderung Ihre Kraft schien sie zu verkästen. Sie lehnte sich gegen die eisernen Stangen des Tores und sah ihn mit dem hülflosen, kläglichen Blick eines Sfta. pelz in der Schlinge an.

„So schön, wie Du bist, so stolz w'-e Du bist Mylady," dachte Jack triumphierend, als er sie ansah, „ich habe Dir den steifen Racken doch ge- brachen.”

„Herr Jefferies,” begann sie wieder kaum hör­bar, «würde es vielleicht helfen, wenn ich an Ihre Barmherzigkeit appellierte. Sie bäte, Mitleid mit mir zu haben und Geld, Juwelen, kurz alles, was ich sonst habe, zu nehmen, aber meine Tochter und mich zu schonen?”

Jack machte eine unbehagliche Bewegung.

„Es fft hart „nein” zu sagen, Lady Wayne,

aber ich will nun einmal nichts anders als das, was ich verlangt habe — Ihre Tochter."

„Aber ich habe doch", suhr sie mit derselben leisen Stimme fort, „ich habe doch estvas von einem jungen Mädchen gehört, bei Ihnen zu Hause, das Sie liebten und das Sie heiraten wollten?"

„Ja, das habe ich mir eingebildet. Ich glaubte, ich liebte sie, bis ich Ihre Tochter fal>, Lady Wayne; da entdeckte ich, daß ein dummes Baneriniuädchen keinen Rett'z für müh haben konnte.”

Ein ganz schtvaches Rascheln im dichten Ge­büsch.

«Wenn Sie doch nur diese unselige Idee auf­geben wollten”, begann Lady Wayne wieder, „wenn Sie doch nur wieder nach Hause gehen und dies Mädchen, von dem Sie sagen. Sie lieb­ten es, heiraten wollten — so wollte ich Sie reich machen —"

„Und wären mich mit guter Manier los", un­terbrach er sie mit einem kurzen Auflachen. „Aber die Zeiten haben sich für mich geändert. Ich weiß noch nid)t recht, ob mir dies Mädchen, das ich früher mal gern hatte, jetzt noch als Magd passen würde.”

Das waren seine letzten Worte. Klar und deutlich fielen sie in das brütende Schweigen der lauen Nacht. Vergaß Lady Wayne je diesen Augenblick? — Die goldenen Sterne am dunk­len Nachthimmel, die Blätter alle still wie in gespannter Erwartung, das dämmernde Dunkel ringsumher, der sAvache Blnmenduft vom Gar­ten herüber, di« große Gestalt Jack Jefferies', die sich an daS Tor lehnte, und seine Worte, die so klar in die nächtliche Stille fielen. Sie sah auf, um ihm zu antworten, und das Mondlicht fiel' auf ihr blaffes, verzweifelnde- Gekicht.

Doch die Antwort, die sie geplant, sollte nicht über ihre Lippen kommen. Sie hörte einen für- zen scharfen Knall, bann einen schrecklichen Schrei — warmes Blut strömte ihr über Kleider und

Nachlassen ber Begeisterung für baS Zentrum liegt wohl noch in weiter Ferne/ — In einer Ferne, bie unsere „Nationalen" unb selbst ihre Enkel nicht erleben werben! Immer­hin ist bie Parteizersplitlerung, bte sich bei ber Nachwahl in Düren-Jülich gezeigt hat, ernstlich zu bebauem. Etwa 1200 Zentrums- stimmen fielen auf einen Arbeiter. Gewiß, bie Zahl ber Unzufriedenen, bie nicht gelernt haben, einer Parole zu folgen, war nicht groß. Aber grundsätzlich ist eS burchouS z« verurteilen, daß sich immer roieber Anhänger ber Partei sinben lasten, bte auS ganz nichtigen Gründen sich zu einer Demonstration gegen bte Partei bereit sinben lasten. Sie untergraben bannt le­diglich bie Parteidisziplin unb schädigen baS An­sehen der Partei. In ber heutigen Zeit, wo Einigkeit so nottut, muß solches Vorgehen ent« schieben getadelt werben. Hoffentlich erleben wir dieses Schauspiel nicht roieber bei ber Nachwahl tn War en darf-Beckum- Lüdinghausen. Dort ist bekanntlich von ber Partei ber Herzog von Stenberg als Kandibat aufgestellt worbe«. Auch dort machien sich Sonderbestrebungen gel­tend, bie aber nun hoffentlich, wo bie Partei gesprochen hat, nicht weiter verfolgt werben.

)( Gegen bie zollwibrige Verzollung ber Braugerste als Futtergerste soll nunmehr etwas geschehen. Dem Bundesräte hat bereits eine Vorlage vorgelegen, bie dem Reichstag noch in dieser Seffion zugehen soll. Der Enlrours bringt ein ausdrückliches Verbot der zollwidrigen Verwendung von Gerste mit entsprechen­den Strafbestimmungen. Der Entwurf steht eine teilweise Färbung der Futtergerfte vor, um sie all solche ohne weiteres kenntlich zu machen. — Bekannt­lich halte schon bei den Handelsveriragsverhand- langen die verschiedenartige Besteuerung ber beide« schwer zu unterscheidenden Gerstearten eine wichtige Rolle gespielt.

)( Für Kamerun wirb gegenwärtig roieber die Reklametrommel gerührt. Die Kolonialver­waltung hat seinerseits eine Expedition mit bet Untersuchung ber Waldverhälluisse in Kame­run betraut. Die Leiter dieser Expedition find nunmehr zurückgekehrt unb baS Ergebnis ihrer Forschungen soll „überaus erfreulich und anb reich gewesen sein". Halbamtlich wird Darüber gemeldet:

«Die Expedition bestand einschließlich der Träger- scharen aus zirka 70 Mann und unternahm zwei Reise». $;e vor Weihnachten stattgehabte führte den Flußlauf des Mungo aufwärts in bte Gebiete bet Manenguba» bahn hinauf in die fruchtbaren Gebirge gleich«» Namens, während nach Weihnachten daS Jaundegebiet als Reiseziel geneckt war, (Rjong» und Eanagastnß« Gebiete). Die zweite Reife mußte infolge der Erkran­kung des Botanikers mehrere Lagereuen hinter Edea abgebrochen werden. Es steht zu erwarten, daß auch diese Expedition unserer Kolonie von erheblichem Nutze« fein wir», nachdem erst das Material und die Ergeb- niffe der Fahrt veröffentlicht fein werden.”

(*) Ein« Bier steuer soll jetzt auch hl Deutschsüdivestafrtka eingesührt «»erben. Sie betrifft die Biere, bie dort hergefiellt worben finb. Das Liter obergärigen Bieres wird mit 3 Pfennig, baS Liter untergärigen Biere» mit 5 Pfennig besteuert.

* Zellerfeld, 6. April 1909. Bei ber heutige« Landtags.Ersatzwahl würbe anstelle de- bisherigen Abgeordn. Kölle, deffen Mandat für ungültig erklärt worden war, Bergaffeffor Spin- zig (freikons.) mit 86 Stimmen gewählt. Amt-» gerichlsral Kölle erhielt 76 Stimme». (Kölle ge­hörte ferner Partei an.)

* Stuttgart, 5. April 1909. Im zweiten Wahlgange tst bei der LandtagS-Ersatzwahk

Hände, dann schwankte Jack JefferieS einen Augenblick, strauchelte unb fiel vornüber gegen sie.

Zuerst war sie wie gelähmt; instinktmäßig wich sie zurück, und er fiel, mit dem Gesicht nach vorn, schwer und dunrpf in das dichte GraS; und das brütende Schweigen der Nacht sank wieder hernieder und hüllte sie ein, als sie da in TodeS- schrecken wie angewurzelt stand.

Sie hörte nicht ein leises Geraschel in ihrer. Nähe, als ob jemand im Dickicht sich bewegt habe. Sie stand wie gelähmt, halb bewußtlos, keine» Gedankens mäwtig vor Schrecken. Ein leiser. Schrei entfuhr ihr.

„O mein Gott", sagte sie, „was ist das?"

Sie sah ihre Hände von Blut gerötet, ihrs Kleider davon besteckt, und der Anblick ließ ihr das Blut fast in den Adern erstarren.

Sie verstand zuerst garnicht, was oorgesallen. sie begriff nicht, daß er erschaffen War. Es war wie em fürchterlicher Traum — eine gräßliche Unwirklichkeit! Was war es? Was bedeutete dieser scharse plötzliche Knall? Wag lag da so warm und seuchtftebrkg auf ihren Händen und tröpfelte langsam auf ihre Kleider herunter? Warum lag er da so still und regungslos? O. barmherziger Gott, was war bieS?

Sie beugte sich nieder und sprach zu ihm, — feine Antwort erfolgte. Sie richtete ihm den Kopf halb auf und fah ha nächtlichen Dämmer­licht ein Totengeficht, gräßlich entstellt in feiner Todesqual.

Mrt einem Schrei, der die Dunkelheit zu zer­reißen und bis zum Firmaments zu dringen schien, sprang sie empor und floh, floh davon durch bte Linden-Allee, wo bet Wind seufzend und stöhnend durch die Zweige strich, davon durch den Rosengarten und zurück in das Haus, das sie verlassen, durch die lange Galerie, und hinauf in die fkfjere Zuflucht ihres eigenen Zimmers

Gott sei Dank! es war niemand da; wie hätte sie Gemahl oder Zofe entgegentreten können mit diesen schrecklichen Flecken auf ihren Händen uni