Erscheint täglich mit Ausnahme der So.m> und Feiertage, Viertel- jShcllcheevezugspreir ohne vringerrohn und vesteLgeld in Fulda sowie anrrvärtst.soMt.
verant». Redakteur;
Larl Schütter
Zuldaer
z.p^6l«"i» Fulda, wochenbeirase: „Illustrierte §onntag5zeitung"
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MonaKbeUage: „Fuldaer Seschichtsblatter" ur. 9
JW 76.
Fulda, Samstan den 3. April 1909.
36. Jahrqan<i-
(Stiles Matt.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 2. April 1909.
Die dritte Lesung des Etat» wird fortgesetzt. — Der Mtiitärelat wird ohne erhebliche Debatte bewilligt, desgleichen debattelos der Etat des Reichs- Militärgerichts, ebenso der Marineetat, der Etat des ReichSjustizamteS und deS Reichsschatzamte S.
Zum Etat deS Kolonialamtes bittet beim Etat für Eamoa
Abg. Erzberger (Ztr.) um Auskunft, wie sich nach den neuesten Nachrichten die Verhältnisse auf Samoa gestaltet hätten, und tragt an, ob der Zwist im Gouvernementsrat von Neu-Guinea beigelegt worden lei.
Abg. Arning (ntl.) meint, man dürfe die Eingeborenen aus Samoa nicht nur mit Güte behandeln, es muffe ihnen gezeigt werden, daß die Weißen die herrschenden Klaffen sind und die Herrschaft ausüben wollen.
Staatssekretär Dernbnrg erklärt, e» handel« sich in Samoa lediglich um Streitigkeiten unter den Eingeborenen selbst, der dortige Gouverneur werde aller Schwierigkeiten Herr werden. Für alle Fälle seien auch bereits zwei Kriegsschiffe nach Samoa entsandt worden. Der Zwist im Gouvernementsral in Neu- Gumea sei erledigt. Die Eingeborenen sollten nicht nur m,t Güte, sondern mit Strenge und Energie, aber auch mit Gerechtigkeit behandelt werden.
Abg. Erzberger (Ztr.) warnt den Staatssekretär davor, die Verhältnisse in Samoa zu optimistisch auf» »Massen.
Staatssekretär Deruburg wiederholt nochmals, daß »ie gesamte deutsche Kriegsmacht in der Südsee rechtzeitig nach Samoa geschickt worden sei.
Nach weiterer unerheblicher Debatte wurde der Kolonialetat bewilligt und ohne Debatte die noch restirrenden Etats. In der Gesamtabstimmung wurde der Etat gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Pol« angenommen.
- Bet der Abstimmung über die Resolution Hompesch, wonach mit der Herausgabe von Zeitungen und Zeitschriften eine Versicherung irgendwelcher Art nicht verknüpft werden darf, ergibt sich die Beschlußunfähig- keu deS HauseS.
Präsident Graf Stolberg beraumt deshalb eine •tue Sitzung auf 121/« Uhr an.
Zweit« Sitzüng.
Bei der Abstimmung über die Resolution Hompesch wird diese mit grober Mehrheit angenommen.
Zum Poste.tat wird eine Resolution grhr. von Hertltng (Ztr.) angenommen, die den Reichskanzler ersucht, anzuordnen, daß jedem Beamten von den Eingänge in den Personalakten, die sich auf seine persönlichen Verhälmiffe beziehen, Kenntnis zu geben ist.
Di« zum Etat vorliegenden Petitionen werden entsprechend den «ommtsfionsanträgea erledigt.
Nächste Sitzung: Dienstag, 20. April: Petitionen.
Präsioent Graf Stolberg wünscht d«n Abgeordneten, daß sie nach den Osterferien mit neuer, frischer Kraft und Gesundheit wiederkehre» mögen.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 2. April 1909.
Auf der Tagesordnung stand die Fortsetzung der Men Beratung der
Sekundärbahnv orlage.
Die einzelnen Redner brachten wie in den vorigen Tagen Wünsche für heimische Bahnen vok. Im ganzen sprachen einige neonzig Redner. 11 a. tritt
Abg. v. d. Hagen (Z.) für beffere Zugverbtndungen Auf dem Eichssetde ein.
äum Schluß dankt
nterstaatSsekrelär Fleck im Auftrage seines Ehest dem Hause, daß es die Nebenbahvvorlage noch vor Ostern erledigt hat. Damit sei die Möglichkeit gegeben, für ben Bau der Bahnen noch bte günstige
Bauzeit dieses Jahres ,a benutzen. Die geäußerten Wünsche würden iorgfäliig geprüft werden.
Damit schließt dir Diskussion. Die Vorlage geht an die Budgelkommisfion.
Nächste Sitzung: Mittwoch, 21. April Etat der Anstedlungskommisfion.
□ 0 + 0 = 0.
Dec größte TeU der Parlamentszeit dieses Jahres ist vorüber. Der größte Teil der Arbeit steht aber noch aus.
Dis-Her hat der Blockreichstag in erlesenster Unfähigkeit geglänzt. Wir kennen ihn ja schon aus dem Vorjahre genug. Er hat bislang noch nichts fertig gebracht, toomit er sich sehen lassen könnte. Das Reichsvereinsgesetz wird er ja selbst kaum zu seinen Glanzleistungen rechnen, nachdem auch die Blockbrüderschaft in erregten Debatten an der Wirkung dieses Gesetzes so Vieles auszusetzen gehabt hat. Dom Böcsengesetz schweigt alles in sieben Sprachen; es hat die gepriesene „fördernde Wirkung auf unser Erwerbsleben" bisher vermissen lassen. Das war also noch nichts.
In den fünf Monaten eifrigster parlamentarischer Arbeit hat der Block diesem Nichts ein weiteres Nicht» hinzugefügt, er hat zur Null eine weitere Null addiert, und das Gesamtergebnis ist wieder Null. Was zustande gekommen ist, ist parlamentarische Kleinarbeit, und auch da verdankt man die kleinen Erfolge dem Zentrum. Ohne das Zentrum oder gar gegen seinen Willen ist nichts zustande gekommen. In der wichtigsten Angelegenheit, die die Gesetzgebung glücklich passiert hat, der Novelle zur Gewerbeordnung über die Frauenarbeit, hat das Zentrum sogar unter Ausnutzung von Zufallsmehrheiten die schleunige Verabschiedung erzwingen müssen, um zu erreichen, daß die-Quertreibereien des Scharfmacher- tums nicht wieder an Bedeutung gewännen. Am Weingesetz ist keine Partei mit solchem Nachdruck und solchem Erfolge tätig gewesen wie das Zentrum, und was an dem Automobilgesetz Gutes ist, das ist wiederum dem Zentrum zu verdanken. So hat der Block selber auch in diesem Winter wieder seine Arbeitsunfähigkeit vor aller Welt glänzen lassen.. Es hat Wien schwere Kämpfe gegeben im Reichstage, aber bis zu diesem Grade der Hilfslosigkeit, die der Reichstag jetzt unter der Blockmehrheit erreicht hat, war cs noch nie gekommen.
Wird er nun endlich nach Ostern einen aktiven Faktor in seine Bilanz bringen? Wird er von dem, was ihm vorliegt, wenigstens das Wichtigere erledigen? lieber allem steht die Reichsfinanzreform. Die Steuerkommission ist bisher noch nicht weit gekommen. Was schließlich bei ihren Beratungen herauskvmmen wird, das wissen die Götter. Wenn es auch neuerdings wahrscheinlich geworden ist, daß die Rechte im Block es dieses mal ist, die von ihrem einst so brustfest gesprochenen „Niemals" abgehen, die umfallen wird, um auf diese Weise wenigstens neben 100 Millionen Mark indirekten Steuern das Vierfachem indirekten Steuern auf die breite Masse zu legen, so wird man doch damit rechnen müssen, daß bis dahin noch einige Zeit vergehen wird. Zwischendurch wird man nicht erwarten dürfen, daß Vorlagen von der Bedeutung der Strafprozeßreform der „lex Eulenburg" verabschiedet werden können. Vielelicht bringt man dafür ein paar kleine Sachen unter Dach und Fach, so das Arbeitskammergesetz, dann die weiteren Teile der großen Gewerbenovelle.
Die „nationalen" Reichsboten haben ein paar Wochen Zeit, sich zu Hause darüber zu erkundigen, welche Stimmung im Lande über ihre famose Leistung herrscht. VielleicU wird dann nach
Ostern die Steuerreform von Blockes Herrlichkeit wie ein Phönix aus der Asche erstehen.
Deutscher Reich.
* Das Zentrum und der Reichskanzler.
Ein „nationaler Katholik", Herr von Pöllnitz, der einmal eine nicht sonderlich tief- gründige Broschüre gegen das Zentrum geschrie- ben hat und als Mitarbeiter der ,Berl. Neueste Nachr/ von Zeit zu Zeit von „nationaler" Arroganz und wütigem Zentrumshaffe diktierte Artikel veröffentlicht, fragt in diesem Blatt (Nr. 68 vom 2. April) „Wie lange noch, so kann man mit Recht fragen, soll das Spiel fortgehen, welches das Zentrum mit dem katholischen Volke treibt? Wird das kirchen- und kaisertreu ge- finnle, in feinem innersten Herzen deutsch fühlende katholische Volk sich aufraffen und Front dagegen machen, daß seine Vertretung im Reichstage . . immer ausgesprochener in Bahnen wandelt, die von gesunder Vaterlandsliebe und wahrhafter Kaisertreue weit abliegen?"
Was berechtigt Herrn v. Pöllnitz zu dieser schauervollen Klage? Erstens die Ersatzwahlen in Speyer - Ludwigshawn und Meseritz - Bomst, zweitens die Verdächtigung der Regierung durch das Zentrum, daß sie die Katholiken unterdrücke, die katholischen Olfinere und Beamten nicht ge- recht befördere, drittens die Mitarbeit bei, der Reichsfinanzreform, „die von vornherein darauf auszugehen scheint, daß nichts ordentliches zustande kommt", viertens „als Krönung des Ganzen das Verhalten gegen Den Reichskanzler! Im Kampfe gegen diesen erscheint fein Mittel zu schlecht!"
liebet die drei erstgenannten Vorwürfe brauchen wir rws wohl nicht mehr zu äußern, da jedem, der vorurteilsfrei die Verhältnisse betrachtet, klar zutage liegt, wie töricht sie sind. Dagegen müßen wir uns mit der letzten Anklage etwas naher beschäftigen.
Herr v. Pöllnitz beschwert sich über das Verhalten des Zentrums gegenüber dem Fürsten Bülow. Wir nehmen zu seinen Gunsten an, daß er dabei nicht von bet Voraussetzung ausgeht, eine wahrhaft nationale Partei müffe ben gerade am Ruder befindlichen Staatsmann immer und überall durch dick und dünn verteidigen. Er wird wobt auch weiterhin ein Ge ühl dafür haben, daß er von einer Partei, die vom Fürsten Bülow aufs schwerste beleidigt worden ist, nicht verlangen kann, daß sie gerade mit besonderem Eifer dem Kanzler Weihrauch streue, sondern daß sie ihr Verhalten auf einer ernsten Kritik der Tätigkeit des leiten- den Staatsmannes gründet. Wäre es wahr, daß das Wirken des Fürsten Bülow als Reichskanzler jederzeit das beste deS Vaterlandes schaffte, so würden wir ihn unterstützen und ihm Anerkennung zollen müffen. Aber ist dies wahr? Wenn die Reichskanzlerschaft des Fürsten Bülow einmal der Geschichte angehören wird — ewig wird ja auch er nicht leben und Kanzler fein —, dann wird ein unbefangenes Urteil wohl wefent- lief) anders lauten, als es jetzt die von ihm mit großer Meisterschaft geleitete und beeinflußte ogenannte öffentliche Memung fällt.
Da wird z. B. klargestellt werden, wie Fürst Bülow keineswegs immer in seiner Balkan- Politik das wahre Interesse des Reiches gefördert hat, wir er lange Zeit dem Willen des
Kaiser-, sofort und unzweideutig an die Seite deS österreichischen Bundesgenoffen zu treten, entgegengewirkt hat.
Dann wird auch daS Urteil darüber gefällt werden, ob Fürst Bülow wirklich in den No- vemdertagen pflichtgemäß feinen kaiserlichen Herrn geschützt hat.
Am Montag und Dienstag hatte Fürst Bülow Gelegenheit, sich zu' den Angriffen zu äußern, die der Regierungsrat Martin gegen ihn erhoben hat. Von verschiedenen Rednern ist er aufgefordert worden, auf die Fragen, die Graf Prafchma in Düren gestellt hat, zu antworten — er hat nicht geantwortet!
X Die Reichsfinanzreform.
Zu der Meldung der.Deutschen TageSztg.si' über daS Blockprojett der Erbanfallsteuer nimmt auch die ,Kreuzzeitung' Stellung. Sie, spricht ihren Zweifel aus, ob die Linke mit diesem Entgegenkommen der Rechten zufrieden fein werde. Die sachlichen Bedenken gegen die Besteuerung des Frauen- und KindeSerbeS blieben bestehen, lieber die Heranziehung des Besitzes herrsche grundsätzlich Einverständnis, obwohl an sich indirekte Steuern genügend zu finden wären, bei denen von einer wirklichen Belastung der unteren und mittleren Klaffen nicht die Rede lein könne; Beispiel: Quittungssteuer. — Diese Ausführungen der ,Kreuzzeitung' klingen bei allem Vorbehalt doch wesentlich anders, als das schroffe! „Rein", welches das führende konservative Organ' bisher dem Gedanken der ErbschaftS- oder Erbanfallsteuer entgegengesetzt hat. , I
Laut ,Hannoo. Rout.' haben Kompromiß- Verhandlungen in diesen Tage» zwischen dem Reichs-Schatzsekretär und verschiedenen Parteisüh- rern über das nunmehr definitiv aufzustellende Steuer-Programm stattgesunden. „DaS Reichs-Schatzamt muß ja," so schreibt das nationalliberale Blatt, „nun schleunigst mit der 21b«, änderung der Nachlaßsteuer und der Ausarbei«, lung der notwendigen Ersatzsteuern, die anstelle der sicher abgelehnten Projekte treten sollen, vorgehen. Volle Einigkeit über die Äsatzsteuem herrscht, soviel wir wissen, noch nicht zwischen der Regierung und den Blockparteien. ES scheint uns daher geraten, die Steuerprojekte, die wahr»! scheinlich kommen werden, noch nicht zu nennen und eventuelle unnötige Beunruhigung zu vermeiden. Dagegen ist es bezüglich der Nachlaßsteuer ja längst klar, daß sie in eine Er ban- sallsteuer umgewandelt werden soll." Ferner versichert der Hannoo. Kour.' in einer Polemik gegen die,Deutsche Tagesztg.', daß nach seiner Annahme innerhalb der konservativen Fraktion die Gegner der Erbanfallsteuer nur! noch eine schwache Mehrheit haben. Ob's wahr ist?
" Berlin, 2. April 1909. Der Kaiser .hörte am Donnerstag in Potsdam eine ganzem Reihe von Dorträgen von Marinefachleuten und am Freitag nahm er einen deS Reichskanzlers entgegen. Für den Freitag abend hat er sich beim Reichskanzler zum Diner angesagt. — Der erste Entwurf für das neue Strafgesetzbuch, das sich schon seit längerer Zeit in Vorbereitung befindet, wird, Nach der „Deutschen Juristenztg.", voraussichtlich in etwa drei Monaten fectiggestellt sein.
t- Kaiser Wilhelm und Präsident FalliöreS. Wie der Pariser ,Matiw mitteilt, ist weder an
Fm Sonne des Geheimnisses.
71] Aus dem Englischen von K. v. RaeSfeld.
So kam es, daß jeder der im Zimmer Anwe- senden das Armband sah und sich darüber äußerte — das verhängnisvolle Geschenk, das ein so unglückliches Glied in der großen Kette bilden sollte.
Isabel Wayne selbst drückte die Feder tmeber zu, als Lady Wayne das kostbare Kleinod wieder anlegte.
Dann sah Mylady auf die kleine, juwelengeschmückte Utn* an ihrer Seite. Es fehlten nur noch fünf Miimten bis zehn Uhr.
j „Wir dürfen dem gegebenen Befehle nicht ungehorsam sein," sagte sie. „Ich habe noch mehrere Kleinigkeiten, die mich in Anspruch nehmen. Ich itoiü jetzt gehen, Mortimer."
Als Lady Wayne sich erhob, war es das Zei- 'chen zum allgenreinen Aufbruch der Gesellschaft.
„Algy raucht noch eine Zigarre bei mir," sagte Lord Wayne; „aber wir werden nicht lange säu- men. Evelyn, ich wüßte die Zeit nicht, wo Du si» blaß aus-gesehen, wie heute abend. Liebste. Du muß Dich unbedingt schonen."
Die Bläffe war erklärlich, denn jetzt, wo die Stunde 'des Stelldicheins gekommen, empfand Mylady die tödlichste Angst vor den kommenden Enthüllungen.
Sie verließ das loarme, duftrge Gesellschaftszimmer, wo Genrahl, Kinder und Freunde sie umgaben, und ging hinaus, um den Mann zu treffen, der seit Jahren alles daran gesetzt, ihr Geheimnis zu ergründen.
46. Kapitel. ff." ; i
Die Zusammenkunft. •
, Ksnninghalsis Linden standen ftrll und stumm tm blaffen Mond licht; jedes Blatt glänzte wie Silber, kein Zweig rührte sich. Die Vögel, die M>re Nester mitten in das grüne Gezweig gebaut,»
waren sämtlich verstummt — fein Gezwitscher, kein Laut war zu hören. Die Bäume bildeten einen Teil von Kenninghall, sie gehörten dazu, sie hatten feit langen Jahren da gestanden gleich riesigen Wächtern, die Ehre des Hauses bewachend und schirmend. Hatte das Mvndlicht sie verzaubert, daß sie so still und schweigsam dastanden, ohne das kifefte Geraschel in ihrem üppigen Blätterschmucke, als die stolze Gestalt jener schön- neu Frau unter ihnen daherschritt? Hatten sie Leben, Jnstintt, Sinn, Verstand? Wußten sie, was diese Nacht dem großen Hause da bringen sollte, dem stolzen alten Adelssitze, den sie so gut so ftill, so ernst und ungebeugt bewahrt und ge-' bätet? Wer hätte es sagen können? Silbern überflutete sie das Mondlicht, bis sie aussahen, wie Bäume aus einem Zauberlande.
Mylady hatte das Haus mit Furcht und gittern verlassen. Sie hatte weder Zeit gehabt, die blitzenden Juwelen abzulegen. Noch auch die reiche Abendtoilette zu wechseln.
Sie hatte einfach einen schwarzen Schal über daS swlze, goldig schimmernde Haupt geworfen und war durch die lange GlaS-Galerie geeilt, die von ihren Zimmern zum Rosengarten führte. Zuerst war sie in ihr Kabinett gegangen, wo ihre Kammerzofe sie erwartete.
„Ich bin noch nicht ganz fertig," hatte sie der Zofe bemertt; „ich bleibe vielleicht noch eine halbe Stunde aus."
Jeanette hatte sich gewundert, warum ihre Herrin um diese Zeit an den Schrank gegangen und einen einfachen schwarzen Schal daraus genommen hatte. Tann fiel ihr ein, daß Lady Wayne aller Wahrsechinlichkett nwh sich noch einige der Vorbereitungen zum Feste draußen an- sehen wolle. Sie begab sich also des weiteren Nachdenkens und nahm ihren ftanzöfischen Roman wieder auf, worin sie durch das Erscheinen ihrer Dame unterbrochen worden war.
Später, als auch die geringfügigste ihrer Handlungen bedeutungsvoll ward, erinnerten sich einige Dienstboten, der Herrin auf der Treppe
begegnet zu sein, und sich) noch darüber gewundert zu haben.
Als sie die Glastür hinter sich schloß und auf den Rasen hinausschritt, bemächtigte sich der schönen Frau eine düstere Ahnung kommenden Unheils. Es schien ihr, als ob sie alles verlasse, was behaglich, sicher und treu war, und etwas Schrecklichem entgegengehe.
Sie sah zu den hohen Fenstern des Hauses empor. Aus einigen strahlle warmes, Helles Licht, und ihr Herz sehnte sich schmerzlich dahin. Wie geringfügig diese unbekannte Gefahr auch scheinen mochte, ach, wenn Marian sie doch nur könnte, wenn sie sie d«h nur teilen könnte I
In dies«m Gedarrten schritt sie unter den schweigenden Linden dahin. Hätte jeder Blättchen sprechen können, — ein gewaltiger Ruf wäre ihr entgegen gescholten: „Halt!"
Doch der Himmel war stumm, die Bäume schwiegen, und ihr leichter Tritt stteifte die Tautröpfchen von dem Grase, als sie dahinschrttt, ihrem Geschick entgegen.
Daz kleine Tor, das zum Wäldchen führte, wat am äußersten Ende der Lindenallee; zwei düstere Führen standen wie Schildwachen an jeder Seite, und dort, sich unverschämt räkelnd, eine Zigarre im Munde, stand Jack Jefferies.
Er sah lächelnd, aber mit einem Grinden unverschämten Triumphes auf, als die dunkle Gestalt sich näherte imd auf ihn zuschritt.
Das stolze Blut stieg Mylady heiß ins Gesicht, als sie diesen Blick sah und bemerkte, daß er keine Miene machte, den Hut zu lüften oder die Zigarre zu entfernen.
„Guten Abend, Mylady," begann er ohne weiteres; „e8 freut mich, daß Sie gekommen find — und zwar pünktlich, da« muß rch sagen."
„Sie sagten, die Angelegenheit, deretwillen Sie mich zu sprechen wünschten, sei 'von Wichtig- kett. Ich bin hier, um Nre Mitteilungen anzuhören."
„Das Klügste, was Sie tun lanntat. Es geht <?te zwar nicht direkt an, aber Sie werden eben
falls damit zu tun haben. Also, ich weiß ein Geheimnis, Lady Wayne, und dies Geheimnis betrifft Ihre Schwester." i
„Sie können nichts wissen, was zu ihren Ungunsten spräche," erwiderte sie stolz. „Ich kann mir gar nicht denken, wie Sie sich haben herausnehmen können, mich hierher zu bestellen, um über die Angelegenheiten meiner Schwester zu sprechen."
Er lachte. „Ich habe bereits meinen Handels mit Ihrer Schwester gemacht, jetzt habe ich noch' einen mit Ihnen zu machen." >
In ihren Angen lag die ganze Verachtung, die ihr Mund verschwieg. Sie preßte die Lippen fest aufeinander; es schien ihr, als sei selbst die Luft durch seinen Hauch, den Laut seiner Worte verpestet. Sie löste den Schal, den sie um ihr Haupt geschlungen, um leichter die frische Nachtluft einatmen zu können; bei dieser Bewegung sah er ihre kostbaren Juwelen schimmern, sah den Glanz des smaragdbesetzten Armbandes.
„Wenn Sie klug find," sagte er langsam, „und alles daS, was Ihnen jetzt gehört, auch fernerhin genießen wollen, so iverden Sie das, was ich Ihnen jetzt zu sagen habe, anhören — anhören und beachten."
Wieder stieg Lady Wayne daS Mut heiß inS Gesicht über diese Unverschämtheit; sie hätte ihn zu Boden schmettern mögen mit einem einzigen Blitz aus ihren stolzen Augen; sie beherrschte sich jedoch mit mächtiger Willenskraft und blieb ruhig und unbeweglich stehen.
Der Wind hatte sich auf einmal erhoben und *- flüsterte ringsumher im Waldesdu.ikel; die Bäume batten sich von der Schweigsamkeit, die sie' vorhin befallen, erholt, und raschelten leise mit den Blättern; es seufzte und raunte geheimnisvoll in den Zweigen, und feiner der beiden hörte, wie leichte, schleichende Tritte sich ihnen immer mehr näherten. i
Ich muß Sie ersuchen, Ihre Ausdrucksweise besser zu wählen; ich bin eine derartige Sprache nicht aewöbnt " iaate Ladv Map ne ltott. IS. f.)