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CJVI4UUU Verlag der Fuldaer Ak- Monattbeiiage: „Fuldaer Geschichtsblätter" Fernsprecher Ur. 9.

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3 ÄeÄi«. wochenbeliase: „Illustrierte Sonntagszeitung'

befichnct, die rechtliche Position des Komitees gegenüber der Vecteilungsfrage genauer fest ge­

legt nürde.

Drittes Matt.

X Wie die Führer des Bergbaues Gesetze diktieren.

Der sozialdemokratische Abg. David und die „Bergarbciterzcitung" haben über eine Sitzung der Bergbauunternehmer am Trerko- nigsfeste in Berlin im Palasthotel Angaben ge- niackt, die einen geradezu erschreckenden Einblick gewähren in die tyrannische Art von Nebenre- g i c c u « g, welche von dieser Seite ausgeubt wird, wenn es sich darum handelt, eilt ihnen nn- annenehmes Gesetz, wie die Berggesetznovelle, tit der Versenkung verschwinden zu lassen, oder wenn das unmöglich ist, sie in ihrer Wirkung unschädlich zu machen.

Es würde zu weit führen, die irr der „Berg- s. beiterzeitung" gebrachten Einzelheiten dem Wortlaute nach wiederzugeben. Nur das wich­tigste sei herausgegriffen. Der Gedanke, von dem die Versammlung beherrscht wurde, ist folgender: Wenn möglich, ist das Berggesetz, scstveit es die Mitkontrolle durch Arbeiter fordert, zum Fall zu bringen. Hierzu machte Herr Uthe- m a n n, früherer Ministerialbeamter, jetzt Gru- bendircktor, den Vorschlag, den Minister Delbrück mitsamt dem Gesetz zu beseitigen. Er sagte:

„Ich meine, jetzt hätten wir auch eine taktische Handhabe gegen den Handelsminister. Denken Sie einmal nach: Wenn heute hier die Bertreter der gesamten preußischen Bergwerksdistrikte erklären, wir gehen nicht zu den Verhandlungen im Handelsministerium! Weil uns heute abend bekannt geworden ist, daß der preußische Handelsminister offiziell auch einen Sozial­demokraten zu den Vorverhandlungen eingeladen hat, lehnen wir es ab, zu einer solchen Besprechung zu gehen, dann schmeißen wir die ganze Geschichte. Nach meiner Meinung ist hier eine taktische Handhabe ge­geben, mit dem Gesetz zugleich den Minister, der Arm in Arm mit der Sozialdemokratie ein solches Gesetz präsentiert, zu beseitigen. Gerade aus dieser Erwägung möchte ich bitten, das zu tun."

Die Herren dünken sich also schon stark genug, durch die Ablehnung einer Besprechung im Mi- Nisterium nicht nur das Gesetz, sondern auch den M i n i st e r, der das Gesetz, wie nachher Bergrat Williger erklärte, durch einen Druck „von Oben" eingebracht habe, mit zu „schmeißen".

Herr Geheimrat H i l g e r schien indes noch nicht recht an die Durchführung eines solchen Ge­waltaktes zu glauben, und riet ab, ebenso soll Herr Vergrat Williger, der frühere saarabische Bismarck, Bedenken gegen eine solche Brüskierung des Handelsministers geäußert haben. Därauf meinte Herr Uthemann:

„Ich möchte die Herren, die morgen ins Ministerium gehen, bitten, immer ganz kraß nein zu sagen, sich auf keine Erörterungen im Detail einzulafsen, vor allem zu diesem wichtigen Punkt (Arbeiteüontrolleure) offen zu erklären: Wir sind Herr im Hause, und wir lassen die Arbeiter nicht hineinreden. Drücken sie dem Minister da den Herrenftandpunkt ins Äuge. Das ist nach meiner Ueberzengung die einzige Möglichkeit, das unheilvolle Gesetz zum Scheitern zu bringen, daß wir dem Herrenhaus sagen können: Wir haben unseren Herr en st and vertreten, nun, Herren­haus, zeige, daß du deinen Namen verdienst, und hilf uns."

Ein ehemaliger Beamter des Becgwerksmini- steriums entwickelt vor versammeltem Publikum den Scklacktplan, wiederMinisterzustür- z e n i st: er glaubt den Befähigungsnachweis für sein Unternehmen dadurch zu erbringen, daß er erklärt: „Ich habe doch auch einmal bei der Firma gearbeitet!" Der Vorsitzende, Bergrat Kleine, führte indes aus, es sei nicht richtig, gegen Del­brück so vorzugehen. Delbrück, „ein scharfer Geg­ner des Staatssekretärs von Bethmann-Hollweg", sei „noch der beste Handelsminister, den wir seit Bismarck gehabt haben." Bergrat Williger aber empfahl folgende Taktik:

Mir scheint es auch — wenn ich vertraulich hier reden darf —, daß es sich bei der Vorlage schließlich und endlich um die Stellung des Ministers handelt. Man hat ihm von oben her die Pi­stole auf die Brust gesetzt. Ich bin nun der Ansicht, man muß dem Minister da? Rückgrat stärken und ihm, wenn nicht anders, zu einem ele­ganten Abgang verhelfen. Wir reiften nicht, reie der nächste Minister einmal sein wird, aber wenn wir den Herren immer wieder das Rückgrat stärken, indem wir treu aus unserem Standpunkte beharren, und es geht vielleicht der zweite, dritte, vierte und fünfte, dann wird sich das Blättchen schließlich doch zu unseren Gunsten wenden. Ich glaube, wir sind jetzt schon im Uebergang begriffen.

Herr H i l g e r soll die Meinung vertreten ha­ben, um die durch die Novelle geforderten Sicher­heitsmänner (von den Bergleuten gewählte Ver­trauensleute) käme man nun einmal nicht mehr herum, und da gelte cs, ihre Tätigkeit unschäd­lich zu machen. Das geschehe am besten, indem man verhindere, daß die Bergbehörde sich in die Tätigkeit der Sicherheitsmänner mische, und die Befahrung nur auf Wunsch der Verwaltung statt- finden dürfte. Er berichtete dann über seine Praktiken als Generalgewaltiger im S a a r r v- dier, wo 1902 die Sicherheitsmänner eingeführt worden seien. Er erzählte:

„Wenn man nach den Erfahrungen fragt, kann man sagen, daß die Arbeiterkontrolleure genau das gehalten haben, waS wir unS von ihnen versprachen. ES sollte die ganze Sache meinem Willen nach weiße Salbe fein und cs ist auch weiße Salbe geblieben... Wenn man glauben wollte, daß die SicherheitsmLnner in Saarbrücken irgendwie dazu beigetragen hätten, Un­fälle zu verhüten, so ist das selbstverständlich ein Aber» !>laube. ES hat sich herausgestellt, daß bei allen Be- abrungen, die sie vorgenommen haben, stets mit Der» chwindenden Ausnahmen inS Fahrbuch eingeschrieben

»orden ist: Alles in Ordnung befunden.'

Cs ist die Furcht vor der Kündigung, die solche »aurige Erfahrungen ermöglicht hat. Die Si- cherheitsmänner müssen deshalb in ihrer Stellung gesetzlich so gesichert werden, daß (einerlei

Maßregelung sie treffen kann, wenn sie nach Pflicht und Gewissen chre Schuldigkeit tust.

Nach dem Hilgerschen Rezept haben denn auch die Nationallibecalen, Freikonservativen und Konservativen in der Berggesetzkvmmission gear­beitet und alle vom Zentrum gestellten Derbes- serungsanträge kurzerhand abgelehnt.. Die Na- tionallibewlen haben für die zweite Lesung so­gar noch einige Verschlechterungsanträge im Hil­gerschen Sinne in Aussicht gestellt.

Der Reichskanzler hat die Ausführungen des Abgeordneten David am 30. März im Reichstage unbeachtet gelassen. Staatssekretär v. Beth­mann-Hollweg meinte am Donnerstag im Reichs­tage, ihn ginge diese Sitzung der Bergbauunter, nehmer nichts an. Damit kann die Sache nicht abgetan sein. Die Vertreter der Bergbauunter- nehmec sowohl als die Regierung müssen auf die schwerwiegenden Vorwürfe, die gegen sie erhoben worden sind, und zwar,wie der Abg. David aus­drücklich betonte, an der Hand eines Steno­gramms über die Verhandlungen im Palasthotel zurückkommen. Die Beratung der Berggesetz. Novelle im preußischen Landtage dürfte eine Probe darauf gestatten, ob wirklich die preußische Berggesetzgebung von diesen Bergherren gemacht totrb.___________________________________________________

Ausland.

" In der russischen Duma kam es bei der Be- ratung des Heeresetats zu einer sehr erregten Debatte. Das Hauptthema bildete die eben bei- gelegte Orientkrise. Die meisten Redner grif­fen die Regierung heftig an. Einen besonderen breiten Raum nahm die Besprechung von Deutsch­lands Politik und Heereswesen ein. Der Füh­rer der Oktrobisten Gutschkow sagte, Ruß­land durchlebe jetzt Tage nationaler Trauer. B o b i a n s k i (Kadett) verglich die Zahlen des deutschen Militäretats mit denen des russischen und behauptete, der russische Staatsbürger zahle für Heereszwecke zweieinhalbmal soviel als der deutsche. Der Verwaltungsapparat des rus­sischen Heeres koste mehr als die ganze japanische Armee. Pucischkewitsch (Rechte) sprach von nationaler Erniedrigung und von einer Schmach, die Rußland durchlebt habe. Der österreichisch- ungarische Militärattache Graf Spannonhi habe kürzlich seiner Regierung über die militärische Ohnmacht Rußlands berichtet. Daraufhin habe eine Reihe herausfordernder Akte gegen Ruß­land begonnen und Rußland eine Art Ultimatum erhalten, das in der tausendjährigen Geschichte deS Reiches unerhört sei. Graf Bobrinski von der gemäßigten Reckten behauptete, in Polen säßen jetzt über eine halbe Million Deutscher. Fast alles Land zwischen den Forts und der Fest­ung gehöre den Deutschen. In verschiedenen Städten russisch Polens beständen deutsche Schü­tzenvereine, die die Avantgarden des deutschen Dranges nach dem Osten seien. Weiterhin be­rührte Redner dee preußische Polenpolittk und tadelte, daß die russischen Behörden deutschen Einfluß gegen polnische Bestrebungen benutzten. Mau müsse die Zähne zusammenbeißen und ar­beiten ; das sei die beste Antwort Rußlands an seine Feinde und Freunde. Es werde die Zeit kommen, wo Rußland, gemeinsam mit seinen slawischen Brüdern, Abrechnung halten werde.

B Einhundert und neun Millionen und 650,000 Franken

haben sich seit dem 13. Mai 1871 im italieni­schen Staatsschätze aufgespeichert und har­ren ihres Besitzers.

Es ist wohl ohne allen Zweifel ein einzig und allein dastehender Fall, daß der Eigentümer einer solchen Riesensumme deren Annahme verweigert. Diese schöne Summe ist eine Frucht des bekann­ten italienischen Garantsiegesetzes, durch das dem Papste als Entschädigung für die verlorene weltliche Herrschaft eine alljährliche Rente von 3,225,000 Franken ausgesetzt wurde. Aber weder Pius IX., noch Leo XIII., noch Pius X. haben jemals einen Heller davon angerührt, wie sie denn auch bekanntlich das Garantiegesetz überhaupt nicht anerkannten und auf solche Weise kam dann die große Summe zustande.

Nunmehr ist hier die interessante Streitfrage wieder an der Tagesordnung, ob der Papst heute noch ein Anrecht auf diese Summe (die in das große Buch der öffentlichen Schuld in Form einer ewigen und unantastbaren Rente eingetra­gen wurde» habe oder dieses erloschen sei.

Der Artikel 37 des Gesetzes vom 19. Juli 1861 bestimmt nämlich, daß alle derartige Ein­tragungen versallen, wenn die Zahlungen wäh­rend 30 aufeinander folgender Jahre nicht rekla­miert wurden. Das wäre nun hier der Fall. Indessen gibt es neuerdings sehr viele, (an ihrer Spitze steht der Jesuitenpater Brandt von der italienischen „Cidilta Cattolica"), die nicht ohne Geschick zu beweisen bemüht sind, daß der ita­lienische Staat verpflichtet sei, dem Apste diese Riesensumme herauszuzahlen, sobald dies gefor­dert werde. Der erwähnte Jesuit führt eine Reihe von Dokumenten und andere Tatsachen an, aus denen hervorgeht, daß es sich bei dieser Rente durchaus nicht um eine gewöhnliche Eintragung handelt, denn sie zeichnet sich vor den anderen aus durch ihre „Ewigkeit", ihre „Unübertragbar­keit, ihre „Nichtverminderungsfähigkeit und ihr Befreitfein" von jeglichen Abgaben. Tatsächlich finden sich alle diese außergewöhnlichen Privi­legien in dem königlichen Dekret vom 9. Oktober 1870, im Zirkular des Auswärtigen Amts vom 18. Oktober desselben Jahres an die fremden Regierungen, im Bericht des Ministerpräsidenten an die Deputiertenkammer vom 8. Dezember 1870 und endlich in einem Gutachten des Ataatsrats vom 19, Februar 1878,

Diese aufgespeicherten 109,650,003 Franken ergeben eine Jahres-rente von 5,482,500 Franken; kämen dann noch die ursprünglichen, vom Staate ausgesetzten 3,225,000 hinzu, so würde der Papst eine Jahreseinnahme von 8,707,000 Franken vom italienischen Staate verlangen können.

Es ist durchaus nicht ausgeschlossen, daß dieser interessante und merkwürdige Fall in einer oder der anderen Form durch einen der katholischen neuen Abgeordneten in der Deputiertenkammer zur Sprache gebracht werden wird.

Aus dem Nachbargebiele.

♦ Frankfurt a. M., 2. April 1909. Vechaf- tet wurde in Basel der 29jährige Buchhalter Albert Brrbier, der einer hiesigen Innung 3000 Mark unt'rschlagen hatte und flüchtig gegangen war, ebenso der Hausdiener Adolf Hiakerlein, der seinem Schwiegervater ein Sparkassenbuch mit 1(«h1 Mark entwendet hatte.

* Mrnoshausen, 1. April 1909. Der Maurer Jakob Gies dahier fand kürzlich beim Ausfckach- ten eines Grundstücks zwecks Neubau eines Hau- ses etwas 20 Si lber in ünz en aus dem 16. Jahrhundert. Die Geldstücke, von denen eirrge die Größe eines Fünfmarkstückes haben, sind nod; wohl erhalten und lassen Jahreszahl und Bild­nis erkennen.

* Marburg, 2. April 1909. Der Bibliothekar an der Berliner Universitätsbibliothek, Prof. Dr. K o p p, ist in gleicher Eigenschaft an die hie­sige Universitätsbibliothek versetzt worden.

* Eisenach, 2. April 1909. Ein Waldbcand entstand gestern nachmittag im Karlswald an der Stedtfelder Chaussee durch das achtlose Weg­werfen eines brennenden Streichholzes. Ver­nichtet wurden schätzungsweise etwa 4—5 Hektar Waldbestand. Die hiesige Feuerwehr beschrankte das Feuer auf seinen Herd. Außer einer em­pfindlichen Kostenrechnung wird den Unbedachten, einen Zimmermann, wohl noch gerichtliche Strafe treffen.

* Darmstadt, 81. März 1909. In einer Ver­handlung tor der gestrigen Strafkammer erklärte ein als Zeuge geladener hiesiger Dienstma.m, raß er den Eid nicht leisten werde, weil er an dessen .Heiligkeit nicht glaube; man könne mit ihm machen, was man wolle. Vom Staats­anwalt wurde daraufhin eine Geldstrafe von 100 Mark iber 2 Wochen Haft beantragt. Das Ge­richt sah von der Vereidigung ganz ab, weil es ihm zweifelhaft erscheine, ob nicht dem Zeugen infolge VerstandessHwäche die Einsicht in big Bedeutung des Eides abgehe. Es wurde deshalb auf keine Strafe erkannt.

* Wiesbaden, 31. März 1909. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Schlosser Philipp Roß von hier, einen mehrfach wegen Betrugs und Sittlichkeitsverbreckens bestraften Menschen, wegen Heiratsschwindels in großem Um­fange zu zwei Jahren Zuchthaus, 810 <M Geld­strafe und 5jährigem Ehrverlust. Dec Mann hatte, indem er sich für einen Beamten ober wohlhabenden Handwerker ausgab, durchweg zu derselben in sechs Fällen mit Mädchen in dienen­der Stellung Liebesverhältnisse cmgeknüpst, sich mit ihnen verlobt und ihnen durch falsche Vor­spiegelungen Ersparnisse entlockt, um ihnen, wenn es mit ihren Mitteln zu Ende war, den Laufpaß zu geben.

* Erfurt, 2. April 1909. In einem Hause der Friedrichstraße explodierte eine Petroleum­kanne, die von einer Frau auf den geheiztan Herd gestellt worden war. Das brennende Del ergoß' sich über die Kleider der Frau, die alsbald in Flammen stand. Sie erlitt schwere Verletzun­gen und wurde in hoffnungslosem Zustande ins Krankenhaus gebracht.

* Würzburg, 31. März 1909. In der Ma­schinenfabrik von König u. Bauer wurden heute durch Herabfallen einer Schiene dem Arbeiter Joseph Schleich beide Beine abgeschlagen.

* Heiligenstadt, 1. April 1909. Dem Vizefeld­webel Zierau aus Erfurt, der im Sommer v. I. in der hiesigen Badeanstalt unter eigener Lebens- gesahr einen Schüler des hiesigen Gymnasiums vom Tode des Ertrinkens rettete,'ist die Ret­tungsmedaille verliehen worden.

vermischtes.

* Der Lokomotivheizer Loltgen, der wegen des Eisenbahnunglücks am 2. März in Lützel- Koblenz verhaftet worden war, ist aus der Unter­suchungshaft entlassen worden.

g Zum Prozesse der Radboder Witwen. Be­kanntlich haben die Radboder Witwen gegen das Komitee, das für sie durch Sammlung einen hohen Geldbeitrag zusammenbrachte, Klage dahin erhoben, daß aus der Sammlung nicht Renten ge­zahlt, sondern entweder das Kapital unter sie ver­teilt oder der angeblich zu niedrige Rentenbetrag soweit erhöht werde, daß beim Tode der letzten Witwe das Kapital aufgezehrt fei. Prof. Tr. Hein-chcimer macht ijt der „Deutschen Juristen- Zeitung" darauf aufmerksam, daß mit dieser Klage die absichtlich von unserem Bürgerlichen Gesetzbuch offen gelassene Frage nach dem recht­lichen Verhältnis zwischen den Veranstaltern einer öffentlichen Sammlung und den Beitrag­zahlenden zum ersten Male der gerichtlichen Be­urteilung unterbreitet werde. Hierin anschlie­ßend beleuchtet er die in Betracht kommenden juristischen Fragen und kommt zu dem Resultat, daß die Radboder Klage nur auf den Grund des „Vertrags zugunsten Dritter" gestützt werden kann. Freilich trete das juristisch-technische Inter­esse an der gerichtlichen Entscheidung stark in den Hintergrund gegenüber dem peinlichen Gefühl, welches ein beririeger Prozeß erwecken müsse. Dock der Prozeß em Gutes, wenn er toenia-

f. Monatskalender des Gartenbau* Vereins.

Gartenarbeiten im April.

Obstbau. Die frisch gepflanzten Bäume sind bei trockenem Wetter allwöchentlich zu begießen, so auch die blühenden Obstbäume. Zum Ver­edeln der Obstbäume ist jetzt die geeignete Zeit. Man pfropft sowohl in Spalt als in Krone. Kranke Bäume, ausgenommen die Kirschbäume, werden verjüngt. Neupflanzungen von Bäu­men und Sträuchern sind schnellstens zu been­digen.

Gemüsebau. Hier gibt es jetzt Arbeit in Hülle und Fülle. Man versetzt die Pflanzen aus den Mistbeeten und streut gegen Erdflöhe Asche ober Ruß. Die Erdbeeren werden behackt, Kartoffeln und Erbten gelegt; letztere wenn tunlich von Zeit zu Zeit nochmals. Gesät wird Blumenkohl, Rosenkohl sowie andere Kohlarten und Endivien. Zum Legen von Bohnen lasse man sich durch son­niges Wetter in diesem Monat nicht verleiten; man verschiebt dies bis in den Mai. Alle wegen der schlechten Witterung im März versäumten Aussaaten auch der Küchenkräuter, werden nach- geholt; Spargelbeete werden angelegt. Gegen Ende des Monats werden die Pflanzen aus den Mistbeeten in das freie Land versetzt, z. 93. Salat, Rotkohl, Oberkohlrabi usw. Ausgesät in das Mistbeet werden Gurken, Bohnen usw. Die Früh­beete crfordern tägliche Aufmerksamkeit und Sorgfalt; es muß nach Bedarf gelüftet, gespritzt und ziwedeckt werden. Zu dicht stehende Saaten muß man ausdünnen. Die Treibgurken sind empfindlich und müssen vor Luftzug bewahrt wer­den. Sit dem Auspflanzen härte man die Pflan­zen ab durch öfteres Lüften und Abnehmen der Fenster. Die freiwerdenden Mistbeete sind als lalle Kifften weiter zu verwerten.

Blumenpflege. Die beliebten Staudengewächse sind zu verteilen und bann auszupflanzen. Schlecht gewordene Rasenplätze sind neu aber; nicht zu dicht zu besäen und nach der Saat festzu- tceten. Von Dahlien macht man Stecklinge, Lev­kojen und Goldlack setzt man aus. Für die,'noch nicht verpflanzten Topfpflanzen ist es höchste Zeit, bat ei ist das Beschneiden nicht zu vergessen. Chrysanthemum ist zu entspitzen und zum zwei­tenmal zu verpflanzen. Bei den Rosen ist der Schnitt zu Ende zu führen. Veredeln und Oku­lieren ^ortzusetzen; Wildlinge und Wildaugen an edlen Stämmen entfernen, 10 Zentimeter über dem fch wenden Auge der vorjährigen Veredel­ungen. Hochgenommen werden sie besser noch nicht. Begießen im Blumengarten geschieht jetzt am besten morgens.

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Das Berliner 6 Tage-Rennen und Attright Fahrräder.

Unter den Augen Sr. Kaiserlichen Hoheit deS deutschen Kronprinzen endete am Sonntag den 21. März, aus der Berliner Radrennbahn am Zoo das vielbesprochene 6 Tage-Rennen. Die betten Fahrer der Welt kämpften 6 Tage und 6 Nächte um Preis und Siegeslorbeer. Als erste gingen aus diesem Rennen einzigund allein die Amerikaner Mae Farland und Jimmy Moran hervor, die ihre gesamten Gegner mit Stol, Berthet, Robl, Theile, Broeco, Passerieu an der Spitze einfach nieder- kanterten. Steinen Augenblick konnte die ganze Kon­kurrenz, den Siegern Mac Farland und Moran gefähr­lich werden. Ohne jeden Rad-Defekt legten die Ameri­kaner in 6 Tagen 3865 Kilometer 700 Meter zurück. Diesen großen, einzig dastehenden Erfolg erzielten die Amerikaner auf dem Fahrrade Allright Modell Weltmeister, dessen leichter Laus vereint mit außer­ordentlicher Stabilität in allererster Linie den Sieg von Mac Farland und Moran entschied. Alle anderen Fahrer, die hinter Mae Farland und Moran endeten, fuhren keine Allright Maschine und so er! tten nicht nur die Fahrer, sondern auch eine ganze Anzahl erst­klassiger Marken eklatante Niederlagen, die niemals ans der Welt geschafft werden können, so sehr man sie auch durch allerhand TrikS zu beschönigen versucht. Die Amerikaner waren ganz entzückt von dem leichten Mright-Rade und erklärten, niemals eine beffere Ma­schine alS dieses Fahrrad getreten zu haben. Sir werden auch in Zukunft bei allen Rennen ausschließ­lich Allright Modell Weltmeister fahren. Ihrem Bei­spiele werden übrigens eine ganze Anzahl bedeutender Rennfahrer folgen und seien für heute nur Peler Günther, Otto Meyer, Willy PongS sowie Jackie Clark genannt, welch letzterer bereit- am 22. März auf Allright Modell Weltmeister den Preis deS Deutschen Kronprinzen überlegen gewinnen konnte.

Wer die Allright Fahrräder noch nicht genauer kennt, sollte nicht säumen, sich von den alleinigen Fabrikanten, der Köw-Lindenthaler Metallwerken AUien- gefellschast zu Köln-Lindenthal, sofort den neuen Pracht­katalog pkv 19i,9 senden zu lassen, der auf Anforderung hin jedem Interessenten gratis und franko zugeht.

Der brillante Sieg im 6 Tage-Rennen wird übrigen- zur Folge haben, daß die Köln-Lindenthaler Metall- werke in 4 Wochen ein neue- Modell unter der Be­zeichnung .Sechs-Tage-Modell" als Renner und Touren-Mafchilie auf den Markt bringen, womit alles noch mehr als bislang in den Schatten gestellt werden wird, ’ -■