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verantis. Redakteur;

Carl Schütter

uldaer

^.Parzeller in Fulda. WocheNbM§e* „Illustrierte Soimtagrzeitung"

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JV8 69.

Fulda, Freitag den 26. März 1909.

36. Jahrgang.

zweites Wlcrtt.

Deutsches Reich.

* Der — vorläufig — neueste Steuerplan des Blocks, von dem -wir am Mittwoch Mitteilung machten, bildet nach einer Mitteilung der „Ger­mania" noch den Gegenstand vertraulicher Vor» Handlungen, zunächst mit den liberalen Blockpar- teifiihrern. Ob er von der Blockmehrheit ange­nommen werden wird, ist noch ungewiß, da so­wohl die Konservativen als die Freisinnigen nach­geben müßten, wenn auf dieser Grunglage eine Einigung überhaupt zustandekommen soll. Auch die Einzelheiten der neuen Steuergesetze werden dann noch große Schwierigkeiten für eine Ver­ständigung bieten.

s Ein Vorstoß der Silberfreunde wurde in der Bankkommission des Reichstages bei der Beratung des Bankgesetzes zurückgewiesen. Die Konservativen hatten beantragt, daß die Reichs- Hank die Reichsbanknoten nicht nur in Gold ein- lösen müsse, sondern sich dabei auch des Silber­geldes bedienen könne. Der Reichsbankpräsident bekämpfte das, desgleichen die Linke. Das Zen­trum suchte einen Ausweg durch eine Resolution, die den Noten dec Privatbanken Eingang auf den öffentlichen Banken beschaffen soll. Diese Anre­gung wurde abgelehnt. Die Entscheidung über den konservativen Antrag selbst wurde vertagt, voch besteht kein Zweifel mehr, daß er zu Fall kommen wird.

; s. Die Aufgaben und die Zusammensetzung der Arbeitskammeru sind nunmehr zu übersehen. Die zuständige Rcichstagskommission erledigte am Mittwoch in der 2. Lesung den 1. Abschnitt des Gesetzes. Man nahm im allgemeinen die Be­schlüsse der 1. Lesung an, doch wurde die Unter­werfung der E i s e n b a h n w e r k st ä t t e n un­ter das Gesetz wieder beseitigt. Weiter wurden Resolutionen der Wirtschaftlichen Vereinigung und der Zentrums angenommen, die die Hand- lungsgehilfen und die Techniker die Vorteile eines solchen Gesetzes teilhaftig werden lassen wollen.

s. Die Viehseuchenkommission des Reichstages hat das Gesetz am Mittwoch in der 2. Lesung durchberaten. Man nahm eine Resolution Dr. Röstke an, dahingehend, daß, sobald gegen die An- Wendung gesundheitlicher, polizeilicher Maßnah. men im Inlands gleichzeitig Beschwerden in grö­ßerer Zahl einlaufen, die zuständigen Vertretun­gen der in Betracht kommenden Berufsstände dar- über gehört werden sollen, in welcher Weise den Beschwerden abzuhelfen ist.

)( Die Steuerhinterziehungen bei der Ein­kommens- und Vermögenssteuer in Preußen fal­len, nachdem Prof. Delbrück immer weiteres Ma­terial für die zweifelhafte Haltung des ostelbischen GroßMundbesitzes beigebracht hat, am Samstag im Abgeordnetenhause eingehend erörtert werden. Die Regierungsblätter wissen zu melden, daß um­fangreiches Material beigebracht werden soll, wo­durch dargetan werden soll, daß die Delbrückschen Behauptungen nicht richtig seien.

)( Ungültige Wahlen. Im preußischen Ab­geordnetenhause sind von der Wahlprü­fungskommission bisher sechs Mandate für un­gültig erklärt worden, wovon der größte Teil auf die Nationalliberalcn entfällt. Neuerdings ist auch noch das Mandat des Abg. Wendlandt, des Generalsekretärs des Bundes der Industriel­len, für ungültig erklärt worden. Das Mandat gehörte früher den Antisemiten, die es wahrschein- sich auch wieder erobern werden, wenn das Ab­geordnetenhaus dem Beschluß seiner Kommission beitritt.

* Des Blocks neuester Kosename. In einer libe­ralen Versammlung zu Dessau sprach Friedrich

Naumann über liberale Aufgaben der Gegen» wart, wobei er selbst mit seinen eigenen politischen Gesinnungsgenossen wenig glimpflich verfuhr. Den Block nannte er dann einen „durchlöcherten Kinderwagen". Welcher ist denn wohl daS größte Kind darin?

* Adlige und Bürgerliche im Offizierkorps. Die letzte Liste von Abiturienten der Haupt« Kadetten-Anstalt in Lichterfelde umfaßte not । der Tgl. Rdsch. 20 adelige und 42 bürger­liche Fähnriche. Von den ersteren kamen 6 in Garde-Regimenter, hingegen von den letzteren nicht ein einziger. Auch die Verteilung der übrigen jungen Leute erfolgte nicht gleichmäßig. — Die „Tägl. Rundschau", der man beim besten Willen nicht zum Vorwurf machen kann, daß ie berechtigte Institutionen des HeereS herabsetzt, chreibt dazu: „Vergleicht man diese Verteilung >er adligen und der bürgerlichen Fähnriche, so muß man unbefangener Weise zu dem Ergebnis gelangen, daß hier von einer gleichmäßigen Behandlung nicht gesprochen werden kann." —

* Limburg, 23. März 1909. Die Nassauische Zentrumspartei wird ihren diesjährigen Par- teitag zu Eltville am 4. April (Palmsonn­tag) abhalten.

* Posen, 23. März 1909. Wie es mit dem Wahlrecht in der Ostmark steht, beweist fol- gendes: Wegen angeblicher Wahlbeeinflussung bei den letzten Stadtverordnetenwahlen im No­vember 1908 richtete Stadtverordneter Kirscher an den. Magistrat eine Anfrage. Danach Ha- Oberbürgermeister Dr. Wilms einen der ersten Obersekretäre beauftragt, diejenigen st ä d ti­sch e n B e am t e n, die sich der Stimmabgabe ent­halten haben, über die Gründe zu vernehmen. Dieses Verfahren wurde vom Interpellanten als ein unberechtigter Eingriff in das freie Wahl­recht der Beamten bezeichnet. Oberbürgermeister Dr. Wilms erwiderte auf die Anfrage, daß er die Vernehmung dev Beamten in höherem Auftrage angeordnethabe. Damit war die Anfrage erledigt.

Ausland.

* Der russische Ministerpräsident Stolypin, der schon seit mehreren Monaten an den Folgen einer hartnäckigen Influenza leidet, hat einen längeren Urlaub nach dem Kaukasus angetreten.

* Präsident Taft ist, wie das Luzerner .Vaterland^ mitteilt, unmittelbar vor Antritt seines Amtes in die Freimaurer»Loge ein­getreten. DaS läßt lief blicken. Es wird auch mitgeteilt, daß er auf den Philippinen das Sektenwesen sehr begünstigt und bevorzugt habe.

volkswirtschaftliches und Soziales.

(:) Die Landwirtschaftliche Zentral »Dar» lehnskasse für Deutschland hat beschloflen, vom 1. April 1909 ab folgende Zinssätze zu be­rechnen: I. In laufender Rechnung: für Dar­lehen: a) Normalkredit 41/* %, b) Uebernormal- kredit 4Vs für Guthaben: 31/»%. II. Auf Depositen-Konto: für Einlagen mit 6 monatiger Kündigung 3eA%. Provision wird auf Depo­siten-Konto nicht erhoben.

Aus Kirche und Schule.

)( Berlin, 25. März 1909. Die Oberin des St. Joseph-Krankenhauses in Potsdam, Schwester Magnus ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Sie gehörte seit 56 Jahren der Kongregation

der Barmherzigen Schwestern an und stand seit 47 Jahren als Oberin an der Spitze des Kranken- Hauses, hat also ein gutes Stück Diasporageschichte der märkischen Katholiken miterlebt.

(*) Bamberg, 24. März,1909. In dem Be- finden des Erzbischofs Dr. v. Abert ist eine wesentliche Verschlimmerung eingetreten; er hat einen Schlaganfall erlitten. Sein Bmder, Landgerichtsdirektor Abert, ist telegraphis ch nach Gries bei Bozen berufen worden. Auch der Generalvikar der Erzdiözese Bamberg ist nach Gries abgereist. Der Erzbischof empfing bereits die Sterbesakramente.

Aus dem Nachbargeblete.

Q AuS der Rhön, 25. März 1909. JA* das Jahr 1909 sind folgende Schiedsmänne^ in Viehseuchen.Angelegenheiten gewählt worden: Bauer Franz Joseph Dehler-Batten, Bürgermeister Greif-Schmalnau, Bauer Richard Reinhardt-Mauer schell, Landwirt Wilhelm Vey- Brembach, Landwirt Ludwig Seifert-Gersfeld, Bauer Adam Leubecher-Günlhers, Müller Seu- ring-Hettenhausen, Bauer Johann Joseph Faul­stich-Hilders, Bauer Ludwig Weber-Kleinsassen, Bauer Johann Kirst-Lahrbach, Bauer Julian Joseph Hohmann-Hilders, Müller Konrad Höhl- Lütter, Bauer Karl Büttner-Mosbach, Landwirt Wilhelm Nüdling-Poppenhausen, Bauer Johann Georg Gutmann-Rengersseld, Bauer Ludwig Wehner-Reulbach, Bauer Martin August Schüßler- Sandberg, Bauer Benedikt Handwerk-Seiserts, Bauer August Hygin Drott-Simmershausen. Bauer Johann Joseph Müller-Heiligenhof, Bürgermeister Karges-Stellberg, Oekonom Michael Hollenbach-Tann, Bernhard Kornelius-Friedrichs- Hof, Bauer Johann Leubecher-Wendershausen, Bürgermeister Alsheimer-Weyhers, Bauer Lud­wig Weber-Wüstensachsen, Landwirt August Müller-Dalherda,GutspächterHoffmann-Schackau.

* Hanau, 25. März 1909. Auch int neuen Etatsjqhre 1909 sind drei Gemeinden unseres LandkrGses, nämlich Eichen, Marköbel und Wa- chenbuchen, in der angenehmen Lage, auf die Er­hebung von Gemeinde st euern Verzicht leisten zu können.

* Frankfurt a. M., 24. März 1909. Die Vor­lage über die Eingemeindung der elf Ge­meinden W Stadtkreises wurde gestern in der Frankfurter Stadtverordnetenversammlung ein» stemmig angenommen. — Das Oberkrregs- gericht verurteilte den Hilfshoboisten Kläber vom 116. Regiment wegen Vornahme unzüchti­ger Handlungen an einem seiner Musikschüler zu einem Jahr Gefängnis und Verlust der Tres­sen. Die vorhergehende Instanz hatte auf Wa Jahre Gefängnis und Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes erkannt.

* Höchst, 25. März 1909. Eine Arbeiterfamilie in Höchst, die oft von den Großeltern reichlich be­schenkt wird, wollte als Gegengeschenk, bei Rück­sendung der Körbe und Kartoffelsäcke usw., Kaffee, Zucker, Orangen ,Handkäse und dergl. schicken. Der Herr Sohn sollte die Sendung zur Post bringen, aber anstatt zur Post, begab er sich in eine Wirtschaft, geriet inschlechteGesell- schaft und die schönen Eßwaren wurden hier in Alkohol umgesetzt und schließlich der Rest ver­kauft. Zum Schluß wanderten die Zechkumpane amtlich ins Polizeigefängnis bis die Sache auf- geklärt war.

* Kassel, 24. März 1909. Im Hochwasser e r- t r u n k e n ist gestern in Helmarshausen ein Mäd­chen und bei Hersfeld ein Schulknabe.

Kleines Feuilleton.

— Ei« Jubiläum der Blindenschrift. In dem Wariser Nationalinstitut für junge Blinde Herrschte jüngst Feftstimmung; aus den Blinden- Unstalten aller Provinzen waren Delegierte ein ge­troffen, um der Jahrhundertfeier beizuwohnen, in der die Blinden des Geburtstages Louis Brailles feierlich gedachten. Im Jahre 1809 erblickte er in dem Städtchen Eoupray bei Meaux baz Licht der Welt. Er war ein Knabe von drei Jahren, als auch ihn das Unglück betraf, aus Cent Taufende später so reichen Segen schöpften. Der Vater war Sattler und der kleine Louis ver­suchte, das Tun des Vaters nachzuahmen: mit feinem Federmesser schnitt er sich einen Riemen zu- recht. Eine hastige ungeschickte Bewegung, das Messer entfährt seinen Händen, ein Schrei ertönt unb die entsetzten Eltern finden ihren Jüngsten gnit blutüberströmtem Gesichte wieder. Das Mef- Ier ist chm ins Auge gedrungen, trotz aller Sorg­falt ist es nicht zu retten und auch das andere Kluge geht, wie die Aerzte sagen, „aus Sympa» wie", verloren. Das unglückliche Kind wird in lder Blindenanstalt untergebracht. Bald ist er einer der eifrigsten und besten Schüler, und als lunger Mensch findet er in demselben Institut als Lehrer der Geschichte und der Musik Anstellung. Bier beschäftigt ihn lebhaft das Problem der Blindenschrift; er erkennt die Mängel und die Schwierigkeiten des alten Systems, das den Blin- >en zwar durch Abtaften der erhabenen gebend­en Lettern das Lefen ermöglicht, aber doch die Röglichkeit einer schriftlichen Mitteilung ver- chließt. In jahrelanger, stiller Arbeit schuf örailles aus dieser Grundlage das neue System der Blindenschrift, das als Braille-Schrift be- kühnst geworden ist und in dem sich Ausdrucks- kähigkeit mit verblüffender Einfachheit vereinigt. Ein Brustleiden setzte bald dem Leben des f -"->r

blinden Lehrers und Erfinders ein Ziel, er starb 1852 und wurde in seiner Heimatstadt begraben, wo ihm imJahrel887 auch einDenkmal errichtet wurde.

— Die Ernährung der Kranken. Bei dev Ernährung der Kranken kommt es nicht in erster Linie darauf an, daß der Nährwert der Speisen genau dem Nahrungsbedürfnis der Kranken an­gepaßt wird, das ja bekanntlich meist herabge­setzt ist, vielmehr muß man vor allem die subjek­tiven Neigungen der Patienten berücksichtigen. Man darf niemals vergessen, daß diy Ernäh. rungspopgänge in hohem Maße von seelischen Faktoren beeinflußt werden. So mögen manche Kranken aus Furcht vor Unbequemlichkeiten, z. B. Magenschmerzen, Herzklopfen und dergleichen nicht essen. Diesen Vorstellungen muß man Rechnung tragen. Wichtig ist es, den darnieder- liegenden Appetit durch hübsches Servieren, durch freundlichen Zuspruch, durch Anregung der Geruchsnerven zu heben. Servietten, Eßbestecke, Teller usw. müssen blitzblank sein, bettlägerige Kranken müssen bequem gelegt werden, oder, wenn sie sich nicht auftichten können, mit Schna­beltassen oder Saugröhren ernährt werden. Zwischen den einzelnen Gängen sind Pausen ein- zuschieben, in denen sich die Kranken erholen können, ober während derselben dürfen die Spei­sen nicht erkalten. Dr. Eornet macht darauf aufmerksam, daß das Essen nicht gereicht werden soll, so lange die Kranken durch irgendwelche kövpersliche oder geistige Anstrengungen erregt oder ermattet sind, dahin gehört z. B. die Lek­türe spannender Romane, lebhaftige Untechal- tungen usw. Die Patienten müssen vielmehr ausgeruht sich ans Essen machen, damit nicht das Kauen vernachlässigt wird. Der Magen darf nicht überladen werden, vielmehr sind häufig kleine Mahlzeiten zu reichen. Die Temperatur der Speisen soll um 40° schwanken, zu kalt wie zu heiß schadet. Eornet gibt als Anhaltspunkt 50° für schwarzen Kaffee, 18° für kalte Milch, 16° für Weißwejn, 13® für Wasser, 10» für Cham­

pagner. Der Unterleib darf während des Essens nicht zusammengedrückt fein, weder durch Klei­der noch durch schlechte, gebückte Haltung, -r.

— Sonderbare englische Klubs. In Eng­land, dem Lande der Klubs, zeitigte das Vereins- wesen von jeher die absonderlichsten Auswüchse. Da gab es einen Katzen- und Fiedelklub, einen BeaffteakAub, einen Monkey- ober! Affenklub. Aufsehen erregte der „Ugylklub" ober „Klub der Häßlichen". Eine solch' grauenhaft häßliche Ge- ellschafi war niemals vorher zusammengebracht worden. Dieser Verein nahm leider bald ein böses Ende. Es wurde vorgeschlagen, daß der Häßlichste Vorsitzender werden sollte. Die Mit- gliäer gerieten in Streit, da sich keiner als Häßlichster bekennen wollte; es entstand eine großartige Prügelei, und die Mitwirkenden sahen ich niemals wieder. Der Klub der Nasenlosen („No Nose Club") tvar auch ein so eigentümliches Gewächs, welches nur aus englischem Boden ge­deihen konnte. Ein verrücktes Engländer sah einmal einen nasenlosen Landsmann; da fiel es ihm ein, für diese Unglücklichen eine Verbrüde­rung zu errichten, in welcher sie ungeniert zu- ammenkommen konnten. Er sandte sofort Bö­en aus, alle Nafenlosen zu suchen und ihm vor- zuführen. Viele kamen, er ließ sie einzeln den Eid der nasenlosen Brüderschaft leisten und lud ie zu einem Bankett ein. Der Wirt war ins Geheimnis gezogen worden und hatte eine hiib- che Tafel Herstellen lassen. Um sieben Uhr abends kamen die ersten Gäste und fragten nach Mister Crampton, dem angenommenen Namen oes Gastgebers und Gründers. Sie traten in den Saal und sahen sich verwundert um. Bald war der Saal gefüllt und die Gäste blickten sich erstaunt an. Nicht ein einziger erfreute sich eines Riechorgans. Endlich brach einer das Schweigen mit der folgenden Bemerkung: Na, Jungens, wenn wir mal ins Hauen geraten, können wir uns wenigstens nicht die Nasen blutig schlagen."

* Wildungen, 23. März 1909. Eine Frau aus Bergfteiheit war beschuldigt, ihrem Siiessohn, mit dem sie prozessiert, zwischen das Schweines futter etwa 100 Stecknadeln gestreut zu haben, damit die Schweine, die einen Wert von 150 Mk. hatten, verenden sollten. Glücklichem weise wurde diese Absicht noch rechtzeitig entdeckt, DaS Schöffengericht verurteilte die Frau zu einet Gefängnisstrafe von 14 Tagen.

* Mainz, 23. März 1909. Joseph Racks, der Mörder feines Vaters und dreier feiner Schwestern, ist, nachdem die gesetzliche Frist von sechs Wochen zur Beobachtung seines Geisteszu­standes in der psychiatrischen Klinik in Gießen verstrichen war, gestern abend hierher gebracht und wieder im Provinzial-Arresthaus als Unter- suchungsgefangeuer eingeliefert worden. R. ist in Einzelhaft und seine Bewachung Tag und Nacht eine sehr strenge. — In Mombach wur­den von Schlossermeister Heinrich Rühl die er­sten Spargeln gestochen, die in gut gedeckten Boden gezogen worden sind. Das Pfund wurde mit 3 Mark bezahlt.

* Mainz, 23. März 1909. Zwischen den Kreisämtern WormS und Oppenheim, der Kultur­inspektion Mainz und der Rheinischen Schuckert- Gesellschaft sowie den Siemens-Schuckert-Werken ist ein Vertrag geschloffen worden, der bezweckt, einen Teil von rheinhessischen Gemeinden mit elektrischer Energie zu verfehen. Die Gemeinden, etwa 100 an der Zahl, bilden einen Verband zur Errichtung eines Grupp en-ElektrizitätS- werkes, das im Bau und Betrieb der Rhei- nischen Schuckert-Gesellschaft übertragen und vor­aussichtlich zwischen Osthosen und Rheindürkheim errichtet wird.

* Bom Westerwald, 23. März 1909. WaS alles dem Volksschullehrer auf dem Lande' an Obliegenheiten aufgeladen wird, bezeugt ein' Dorf in der Nähe vom Rhein. Da hat ein Lehrer folgende Nebenämter inne: er ist Feuer­wehrkommandant, Brandmeister, Waffermeister, Schiedsrichter, Kassierer und Taxator der OrtS- viehkaffe, Leiter der Fernsprechstelle. So ehren­voll daS Vertrauen ist, das dem Lehrer mit alldem bekundet wird, — ob eine solche Häufung der Aemter auf ihn von Vorteil für seine Ge­sundheit und seinen Beruf ist, darf füglich be­zweifelt werden.

vermischter.

* Der Alkohol. In Disteln bei Recklinghausen wurde nach einem Schnapsgelage auf freiem Felde der Zechenschlosser Tondern von feinem 17jähri- gen Berufskollegen Pleffmcmn, der feine Mutter von dem angetrunkenen Tondern bedroht fah, durch einen Schlag mit einem Stein auf den Kops getötet

Reklamen- und Anzeigenteil.

OPEL

lährräder-Nähmasdunen

Motor- Wagen

• Preisliste. iRüsselsheim Main,

— Wieder eine alte „neue Mode". Die Erfin­der neuer Moden sind anscheinend am Ende ihres Witzes und ruhen sich aus, indem sie alte Moden neu anfbügeln. So die Riesenhüte, das Bieder­manns- und Empire-Kostüm u. a. Jetzt sind sie auf etwas ganz neues geraten: Spazier stocke für Damen. Jeder Dame, die Bilder aus i)er Rokokozeit gesehen hat, wird auf gefallen sein, >aß viele Damen hcche Stöcke mit kostbaren Grif- en, Schleifen und Bändern tragen. Diese Mode, sie mancher Dame den Mann als „Stütze" sparte, öll wieder aufgewärmt werden. Der einuzsühren- >e Stock ist groß, elegant und farbenprächtig. Da die schwarze Farbe sich für Kostüme immer noch großer Beliebtheit erfreut, so ist ein Spazierstock mit buntem Griff ein erwünschtes Mittel, die Toilette zu beleben. Will man sehr viel Ab­wechslung schaffen, so bindet man ein paar Blu­men mit weißen Bändern am Knopfe fest und chlingi diese Bänder in langen Linien malerisch um den Stock herum. -a.

— Ohrläppchen und Tuberkulose. Privat- wzerst Dr. Roffolino in Moskau hat neuerdings bei den Untersuchungen von Personen, mit sog. chwindsüchtiger Konstitution, die aus tubeuku- iöfer Familie stammen oder für Schwindsucht disponiert sind, eine bedeutende Anzahl von Ab­weichungen im Bau des äußeren Ohres, haupt- ächlich unregelmäßige Entwicklung des Ohr- läppchens gefunden. Diese waren teilweise an- gewachsen und schief Verschnitten, teilweise un­vollkommen entwickelt. Unter 100 Fällen von Tuberkulose fanden sich diese Unregelmäßigkeiten 76mal, in Fällen, wo Tuberkulose ausgeschlossen war, dagegen nur in 20 Prozent. Daraus zieht Roffolino den Schluß, daß ein zweifelloser Zn- ammenhang zwischen den Anomalien der Ohr- äppchen und einem Zustand körperlicher Schwä­che besteht, die durch tuberkulöse Erblichkeit her­vorgerufen wird und ihrerseits eine persönliche Empfänglichkeit für Tuberkulose bedingt, -r.