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MaerW Zeitung

3.%i«Ä'»a. wochendeilase:„Ißusttiettr§onittagszeltung"

36. Jahrgang

Fulda, Freitag den 26. März 1909

ja 69

Grstes Matt

Anzeigen: Vie chv fpattige Petitzeile oder deren Raum ZS pfg. ReNamendiepetitzeile 25 Pfg., bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

Rotationsdruck und Verlag der Fuldaer At- ttendruckerei in Fulda Fernsprecher Rr. 9.

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Verantt». Redatteurr Lari Schütter

Monakbellage: „Fuldaer Eeschichirblätt«"

Deutsches Keich.

** Berlin, 25. März 1909. Der Kaiser be­sichtigte am Dienstag die Offizierreitstunde bei verschiedenen Regimentern.

△ Eine Kaiserreise nach der Insel Korfu wird für Anfang April von neuem angekündigt. Wre die „Kieler Neuest. Nachr." melden, wird das Kaiferpaar nach den neuesten Dispositionen am 16. April in Venedig eintreffen und so­fort mit der „Hohenzollern" nach Korfu fahren. Nach einem fast dreiwöchigen Aufenthalte aus Korfu soll eine zehntägige Kreuzfahrt im Mittel- meer unternommen werden. Am 16. Mai ge- denkt das Kaiserpaar in Wiesbaden einzutreffen. Die Kaiserjacht „HohenzoIlern" sollte bereits am Dienstag von Kiel nach dem Mittelmeer ad- gehen. Sie stieß aber, wie wir an anderer

Dann lag sie ganz still unb fragte sich er­staunt, ob sie Jack jährlich tausend Pfund würde geben müssen, wie er verlangte.

Sie haßte und verabscheute diesen Menschen — o, sie fand keine Worte für ihren Abscheu —- sie ekelte sich vor ihm. Falls ihr Geheimnis in­folge eines unvorhergesehenen Zwischenfalls, einer plötzlichen Enthüllung oder dergleichen zu seiner Kenntnis gekommen wäre, so hätte es sie weniger gekümmert, aber der Gedanke, daß wäh­rend all dieser langen Jahre, wo sie sich so voll­kommen sicher geglaubt, er sie langsam aufge> spürt hatte, ließ ihr ganzes Gemüt vor zorniger Empörung erbeben.

„Wenn ich ein Mann wäre", rief sie, „so würde ich ihm eine Tracht Prügel geben, an die er zeitlebends denken sollte! Wie soll ich mich, selbst um meines Lieblings willen, dazu bringen, ihm jährlich soviel Geld zu geben? Ich mutz ihn in Ueppigkeit und Luxus halten, wo ich ihn eher erschlagen möchte l*

Und doch, sie wußte, es mutzte sein. Was waren schließlich tausend Pfund jährlich im Ver­gleich zu Evc's gutem Namen, Eve's Glück und Ehre?

„Es ist auch nicht das Geld, das mich ärgert", grübelte Marian weiter, „ich gäbe für Eve den letzten Pfennig auf der Welt hin; aber daß er's hoben soll, das ärgert mich. Ich hasse den Ge­danken, daß seine Gier und Habsucht, seine Hin­terlist und Spioniererei so reich belohnt werden sollen. Ich darf also immer nur daran denken, daß es ihretwegen geschieht — ihretwegen."

Dann, als der Sturm des Kummers ausge­tobt und sie erschöpft und fchvach wie ein Kind zurückgelasten, stand Marian West vom Boden auf, um dem Leben, mit seiner neuen Bürde, tapfer inS Auge zu sehen. Sie fuhr zurück, als sie ihre eigenen Züge im Spiegel gewahrte; sie waren so verändert, so langgezogen, so hohl! Es war, als seien zwanzig Jahre voll tiefften Kum­mers über ihr Haupt dahingezogen und hätten tiefe Linien um Mund u. Augen begraben. (F. f.),

s Heulen und Zähneklapper» herrscht in der Blockpreffe. Die gestrigen Berliner Morgenblätter brachten eine große Sensation. In fettesten Lettern las man die Ueberschrist „Der Block ist gesprengt!" und darunter folgendes:

Mittwoch nachmittag hat der konservattve Führer Abg. v. Normnn den Führer der Nattonalliberalen Basser man« im Reichstage ausgesucht und ihm folgendes mitgeteilt: Er hätte den offiziellen Auf­trag, chm im Namen der konservativen Fraktion zu er« klären, daß die konservative Fraktion von der Not­wendigkeit durchdrungen fei, die Reichsfinanzreform unter allen Umständen zu machen, gleichviel mit welcher Mehrheit. Sie wären bereit, etwa 400 Millionen indirekte Steuern zu bewilligen und würden

servativen an die Liberalen vielleicht gar nicht unangenehm gewesen sein. Am Donnerstag hat sein Adlatus, Herr v. Losbell, im Reichstage län­gere Besprechungen mit den Blockführern gehabt. Ob diese Ausgleichsverhandlungen bereits einen Erfolg erzielt haben, weiß man noch nicht. Wir sind der Ansicht, daß eine Einigung schon erzielt werden wird, dieLiberalentunbekannt- lich alles, nur um am Ruder zu bleiben. Da gerade die Branntweinstcuerfrage große Schwie­rigkeiten für den Block enthält, so ist es nicht ver­wunderlich, daß auch mit starken Mitteln dabei gearbeitet wird.

Die Meldung von der angeblichen Kündigung des Blocks versieht das „Berl. Tagebl." mit der Spitzmarke: „Eine konservativ-klerikale Koali­tion." Daß zu dem Abschluß einer Koalition zwei gehören, scheint die Redaktion des „Tage­blatts" ganz vergessen zu haben. Oder sie ist vielleicht der Ansicht, daß es nur einer Kündi­gung des Blocks seitens der Konservativen be­dürfe, damit das Zentrum gerührt der Rechten in die Arme sinke? So kann man allerdings urteilen, wenn man das auf liberaler Seite be­stehende heiße Verlangen, um jeden Preis Re- gierungspartei zu werden und zu bleiben, ohne weiteres auch beim Zentrum vermutet. Wer aber eine solche Annahme als sichere Tatsache, be­trachten wollte, der dürfte wohl gründlichen Ent­täuschungen entgegengehen. Soweit wir die Stimmung in der Fraktion des Zentrums kennen, besteht dorr nicht die geringste Lust, aus der gegenwärtigen Stel­lung h e r a u s z u t r e t e n, es sei denn, daß haltbare Garantien für eine ernste Aenderung des Kurses gegeben sind.

Selbst die vertrauensseligsten Leute im Zen­trum werden so leicht die Erfahrungen vom 13. Dezember 1906 nicht vergessen. Daß aber auf feiten der Konservativen odqr auch in Regie­rungskreisen der ernste Wille bestände, dem Zen­trum eine Genugtuung zu gewähren, davon ist noch nichts bekannt geworden. Tas hängt auch gar nicht zusammen mit der Person des jetzigen Reichskanzlers. Aus dem Grunde schon erüb­rigen sich alle Mutmaßungen, daß das Zentrum auf den Sturz des Fürsten Bülow sinne oder daß das Zentrum nur um den Preis des Sturzes des Fürsten Bülow bereit sein werde, in die Reihen der Regierungsmehrheit einzutreten. Die Person des vermutlichen Nachfolgers des Fürsten Bülow, des Grafen Wedel, insbeson­dere bietet wohl kaum die Gewähr dafür, daß das Zentrum ihm gegenüber eine wesentlich an­dere Stellung einnehmen könnte als gegenüber dem jetzigen Kanzler. Wie bisher, so wird auch weiterhin das Zentrum ausschließlich auf Grund sachlicher Erwägungen seine Politik orientieren.

— Du glaubst, die Vergangenheit sei tot, begra­ben und vergessen. Und ich habe Dich betrogen — o, ich Elende, Erbärmliche, Schuldige, ich! Ich habe Mr Unrecht getan, mein Liebling, wo ich Dich so gern gerettet hätte. Ich hätte mein Leben dafür gegeben, um Dein Geheimnis zu hüten, — und jetzt ist es bekannt. Himmel, hilf mir! — hilf mir, oder ich sterbe!"

Und Marian West, sonst so voll Selbstbe­herrschung, so ruhig, so mutig, warf sich zu Bo­den, das Gesicht halb verborgen in den Massen ihres Haares, dessen Knoten sich gelöst. »Sie weinte nicht, wie vielleicht manche getan hätten, aber ihren blassen, zitternden Lippen entrangen sich leise, stöhnende Laute, die des Herzens Todes- quäl kündeten.

Wieder und wieder durchlebte sie alles; sie war wieder in den: kleinen Zimmer auf bem Mühlengute, wo Evelyn lag, blaß und sterbend, wie sie glaubten, und das kleine Kind lag da­neben in seiner Wiege und schlief. „Mein Kind ist tot! Mein Kind ist tot!" hörte sie die schwache, fiebernde Stimme wieder sagen. Und sie er­innerte sich, wie ihr zuerst der Gedanke gekom­men, daß es für ihre Schwester besser sein würde, sie bliebe in dem Glauben, ihr Kind sei tot. <^ene auf Szene durchlebte sie alles wieder. Sie erinnerte sich des ernsten Gesichtes des Arztes, wie er das, was ihr als Bestes und Geeignetstes erschienen, mißbilligt hatte. Es schien chr, als habe sie erst vor wenigen Minuten den Kleinen in Kate's Arme gelegt, das zarte, rosige Gesicht- chen zum Abschiede geküßt, und doch waren eS zwanzig J<chre her,

„Ich tat'S in bester Absicht", murmelte sie, „sicherlich, Gott wird mich nicht dafür strafen — ich hielt es so für am besten."

Es war ihr eine gewisse Erleichterung, zu wiffen, daß das MittÄ zur Abhülfe in ihren Händen lag. „Er hat die Wahrheit nicht her- ausgefunden. Dank fei dem Himmel dafür. Er hält Werner für meinen Sohn, und in diesem Glauben wstl ich ihn auch immer lasten."

keine Besitzsteuer akzeptieren, die in die Finanzhoheit der Einzelstaaten eingriffe (also mit anderen Worten: sie würden keine Besttzsteuer akzeptieren und das Kom­promiß kündigen). Sie würden den etwa fehlenden Bettag durch Matrikularbeiträge aufbringen. Unter gar keinen Umständen würden sie die Nachlaß­oder Erbschaftssteuer bewilligen. Auf die Frage: das ist also eine Kündigung deS Block? meinte Herr v. Normann, für nationale Zwecke könnte der Block ja noch bestehen bleiben.

Eine gleiche Erklärung gab Abg. v. Normann gegenüber den Führer der freisinnigen Fraktionsgemein- schast, sowie gegenüber dem Abg. Freiherrn v. Hertling ab. — Die ,Nationalztg/ teitte weiter mit, die auf die konservative Erklärung hin sofort zu einer Sitzung zu- fammentretenbe nationalliberale Reichstagsfraktion habe die konservative Mitteilung als Kündigung des Blockverhältnisses auffassen und die Verant­wortung dafür in vollem Maße der konservativen Fraktton zuschieben müssen erklärt, da die national- liberale Fraktion keinerlei Anlaß zu einem solchen Ver­halten gegeben habe.

Schauderhaft I Schrecklich! O Trübsal! O Jammer! O Elend! Der Block ist hin! Fließet aus dem Aug ihr Tränen, All mein Hoffen, all mein Sehnen, Meines Lebens schönster Traum: der Block, der famose, der pyramidale, der herr­liche, der unvergleichliche Block, der Block, die großartigste Erfindung des 20. Jahrhunderts, das Wunderei, das die Staatskunft des (Hut ab!) Für­sten Bülow ausgebrütet hat, der Inbegriff natio- nalen Geistes, patriotischen Schwunges, der Block — o Unglück! — der Block — ist — futsch! Der Block ist hin, der Block ist fort, der Block ist feri- sunkelt! O o o o!

So ging das Jammergeheul durch die ganze Bwckpresse landauf, landab! Es weinte der ganze nationale Chorus u. „rhre Tränlein fließen wie s Bächlein auf der Wiesen." Allen voran vergoß die „Tägl. Rundschau" wahre Sturzbäche salzig­ster Zähren. Doch trocknet eure Tränen und lä­chelt wieder froh und heiter: Es ist ja gar nicht so schlimml Ein Mißverständnis nur, nur ein Mißverständnis! Die kon­servativen Blätter erklären einmütig, daß von einer Kültdigung des Blocks seitens der Konservativen nicht die Rede sein könne. Die „Kreuzzeitung" nimmt ein Miß­verständnis gesprächsweiser, nicht offizieller Aeu- ßerungen des Abg. v. Normann an und stellt fest, daß die konservative Fraktion über die Frage eines Weiterbestehens des Blocks jetzt weder in einer Fraktionssitzung verhandelt, noch Beschlüsse gefaßt hat. In den gestrigen Berliner Abend­blättern überwiegt denn bereits auch eine ruhigere Auffassung des Vorfalles.

In der Tat ist an eine Sprengung d es Blocks absolut »licht zu denken.

Vermutlich handelt es sich bet den Aeußerun- gen des Herrn v. Normann um nichts anderes als um einen Einschiichterungsversuch der K o n s e r v a t iv e n, um die Linke zu einem Mchgoben in der Branntweinsteuerfrage zn zwin- gen, und das Pressionsmittel ist, wie immer so auch hier, die Drohung mit dem schwar­zen Mann gewesen.

Herr Rippler meinte in der „Tägl. Rund­schau", daß die Erklärung des Herrn v. Normann mit Umgehung des Fürsten Bülow erfolgt sei und darum eine Brüskierung des Blockkanzlers erfolgt sei. Wir möchten annehmen, daß der Kanzler von dem taktischen Schachznge der Konservativen ganz genau gewußt hat, wenn er ihn ilicht selbst veranlaßt hat! Der konservative Abg. Graf v. Schwerin-Löwitz hat am Mittwoch vorher eine Unterredung mit dem Reichskanzler gehabt. Dem Fürsten Bülow wird die Drohung der Kon­

Zm Sonne i>es Geheimnisses.

64] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld.

„Ja, das bin ich nun mal. Deshalb werden wir uns auch um so eher verstehen. Also ich weiß, daß der junge Mann, den Sie meinen Bruder nennen, in Wirklichkeit Ihr Sohn ist. Nun, was wollen Sie mir geben, wenn ich das Geheimnis hüte, wie meine Mutter es gehütet hat?"

„Zunächst fragt sich, was verlangen Sie?"

Und ihre blauen Lippen preßten sich gewalt­sam zusammen, um den Schrei unaussprechlicher Scham und Qual zu unterdrücken, die sie dar­über empfand, daß sie hier stand und um Ehre |inb guten Namen feilschte und handelte.

„Sie sind reich", sagte Jack wie überlegend; wtij weiß, Sie haben ein jährliches Einkommen von viertausend Pfund; aber Ihr Stolz, kalku­lier' ich, ist Ihnen doch lieber tote Ihr Geld."

Er hielt inne; sie nickte nur.

„Ich denke", fuhr Jack bescheiden fort, „daß kch sehr ehrlich gegen Sie verfahre. Andere Leute würden die Hälfte von dem verlangen, was Sie hcchen. Ich will nur eintausend Pfund pro Jahr fcr mehr nicht."

„Sind Sie verrückt?" fragte Miß West ver- tzchtlich.

„Nein, ich bin vollkommen bei Verstände. Nur ruhig, überlegen Sie sich's, ehe Sie mir's vbschlageu. Unter dem tu' ich's nicht. Wenn Sie's mir nicht geben, gehe ich zu Lord Wayne, tzr wird Nachforschungen anstellen, und dann wird es mit Ihnen total vorbei sein — Sie kön- hen sich nie wieder sehen lassen. Ueberlegen Sie sich's also, so lange Sie wollen; drängen will ich Sie nicht. Ich werde wiederkommen und mir jFhron Bescheid holen."

Er hätte noch mehr gesagt, aber in diesem Augenblick öffnete sich die Tür, und Werner trat Saftig herein. Der Diener hatte ihn nach langem

Stelle berichten, Dienstag nacht infolge dichten Nebels in der Nähe von Norderney mit einem norwegischen Dampfer zusammen und mußte wegen der dabei erlittenen Beschädigung zur Reparatur nach Wilhelmshafen gehen, dürfte aber bald zur Weiterfahrt bereit sein. Die Verwirklichung der Reise wird nach wie vor wohl von der Entwickelung der politischen Lage ab- hängen. — Einige Blätter wollen wieder be­stimmt wiffen, daß während der Mittelmeerreise eine Begegnung mit dem englischen König« stattfinde.

Aus dem Reichstag. Am Mittwoch waren bei der Beratung des MarineetatS die Tribünen dicht gefüllt; erwartete man doch im Hinblick auf die Verhandlungen des englischen Parlaments über die Flottenrüstungen Deutschlands und Englands einen „großen Tag". Und ein großer Tag war eS auch. Wenn auch nicht in dem Sinne, daß es zu großen und sen­sationelle!, Debatten kam, aber doch in dem Sinne, daß der Reichstag sich zu einer großen und wirkungsvollen Demonstration zusammen­fand, deren Bedeutung an der Stelle, die eS angeht, gewiß verstanden werden wird. Fast ohne jede Debatte — nur der Abg. Freiherr v. Thünefeld (Zentr.) referierte über die Ver­handlungen der Kommission, der Abg. Severing (Soz.) braute einige Wünsche der Werftarbeiter vor und die Freisinnigen und Sozialdemokraten gaben Erklärungen zur Geschäftsordnung ab — wurde in anderthalb Stunden der gesamte Marineetat, einschließlich der nach dem Flottengesetz fälligen Neu- und Ersatzbauten, bewilligt. Ob es nun ein wohl vorbereitete- ober stillschweigende- Abkommen war, jedenfalls hat der Reichstag gegenüber der unsinnigen Flottenpolitik Englands gezeigt, daß er in dieser wirklich nationalen Frage einig und einmütig ist. So leicht ist den Herren von der Marineverwal- tung die Bewilligung ihres Etats wohl über­haupt noch nie gemacht worden. Man erzählt, ein zufällig in Berlin anwesender höherer eng­lischer Marineoffizier soll zu Vertretern der Marineverwaltung geäußert haben, er gratuliere Ihnen, daß die kleine deutsche Flotte den Eng­ländern so furchtbar imponiert habe: so leicht werde es der deutschen Marineverwaltung wohl nicht wieder gemacht werden, alle ihre Forde­rungen bewilligt zu erhallen. Wenn es nicht wahr ist, ist's doch gut erfunden. Ganz scheidet mit dem gestrigen Ausgang der Marinedebatten die Frage der'Flottenabrüstung nicht aus: für die Sozialdemokraten verwahrte sich Abg. Singer gegen den Verdacht, daß aus ihrem Schweigen falsche Schlüffe bezüglich ihrer Haltung zur Ab- rüstungsfrage gezogen werden könnten, und für die Freisinnigen erklärte Abg. Schrader (fr. Vgg.), man sei übereingekommen, die Frage beim Etat des Reichskanzlers, der schon in der nächsten' Woche zur Beratung stehe, zu behandeln. Die nächste Woche wird also dem Reichstag wieder einen „großen Tag" in dem Sinne bringen, daß es auch zu großangelegten und wichtigen Debatten kommen wird.

a Die Stmerkommissiou des Reichstages hat am Mittwoch die Branntweinsteuer weiter beraten. Au einem Ergebnis ist man noch nicht gekommen. Zu einem intereffanten Zusammenstoß zwischen den Konservattve» und Freisinnigen fühtte die Frage der „Liebesgabe". Die Freisinnigen fordetten eine erhebliche Herabsetzung, als Voraussetzung der An­nahme des Gesetzes. Der Vertreter der Konserva-

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 24. März 1909.

DÜ? Haus beginnt die zweite Lesung des Marineei als.

Abg. Frhr. v. Thünefeld (Ztr.) erstattet ausführ­lichen Bericht über die Beratungen der Budgetkom- miffton. . , t m ,

Beim Titel „Staatssekretär", bet dem m der Regel eine allgemeine Besprechung stattzufinden pflegt, wird das Wort nicht »erlangt. . .

Präsident Graf Stolberg: Es meldet sich memand »um Wort. (Lebh. Beifall.)

Abg. Singer (Soz.) zur Geschäftsordnung: Wir sind der Meinung, daß die Frage, die die öffentliche Meinung fett einigen Tagen beschäftigt hat, nämlich die der Flottenrüstungen, auch hier ausführlich zur Sprache gebracht werden muß. Es ist uns nun tnitgetetU worden, daß der Wunsch besteht, diese An­gelegenheit beim Etat des Reichskanzlers zu erörtern. Da wir gehört haben, daß der Rerchskanzler in der nächsten Woche seinen Etat hier ver­treten will, so war das für uns die einzige 53er- anlafsung, daß sich niemand von uns zum Worte mel­dete. Jedenfalls werden wir aber an dieser wichtigen Frage nicht debattelos hier im Parlament vorüber- oehen. Wir werden vom Reichskanzler in aller Aus­führlichkeit Auskunft verlangen.

Das Gehalt des Staatssettetärs wird bewilligt, ebenso eine Reihe von weiteren Kapiteln.

Beim Kapitel „Instandhaltung der Flotte und der Werften" bespricht

Abg. Severing (Soz.) die Arbeitsverhältnisse auf der Werft in Wilhelmshaven. Beschwerden über die Verwaltung läßt das Reichsmarineamt unbeantwortet. Darum müssen die Dinge hier im Reichstage erörtert werden.

Geh. Admiralitätsrat Harms verteidigt die Werft­verwaltungen. Die einzelnen Beschwerden werden sachgemäß erledigt.

Beim Kapitel „Zenttalverwaltung für das Schutz­gebiet Kiautschou" wird eine Resolution der Budget- wmmission angenommen, die eine Vereinfachung dieser Zentralverwaltung fordert.

Der ordentliche Etat wird erledigt. Es folgen die außerordentlichen Ausgaben.

Bei den „Forderungen für Neubauten an Schiffen" erklärt

Abg. Schrader (frs. Bgg.): Bisher hat das hohe Haus lediglich Beschlüsse feiner Kommission bestätigt. Hier wäre nun der Punkt, an dem bte Frage behan­delt werden könnte, die in den letzten Tagen vor allem das Jntereffe der Oeffentlichkeit erregt hat, nämlich die Frage des Berhättnisses unserer Marine zur englischen. Aber die Parteien haben sich dahin geeinigt, die Frage an dieser Stelle wegen ihrer poli­tischen Bedeutung nicht zu erörtern. Sie soll beim Etat des Reichskanzlers in der nächsten Woche behandett werden. Wir hoffen, daß uns der Reichs­kanzler jede Auskunft gibt, die wir verlangen. (Beif.)

Der Rest des Etats wird debattelos bewilligt.

Freitag t Kleinere Etats und Antomobilhastpflicht- gesetz.

Suchen endlich im Garten hinter dem Hause ge­funden.

Er sah verwundert nach Miß West, doch sie wandte ihr Gesicht ab, um ihn die Todesblässe darauf nicht sehen zu lassen. Mit einigen un­deutlich gemurmelten Worten dey Entschuldi- gung ging sie schnell hinaus, Werner einiger­maßen verblüfft über ihr sonderbares Benehmen zurücklassend.

41. Kapitel.

Erkauftes Schweigen.

Schnell stieg Marian West die große, breite Treppe empor, um die Einsamkeit ihres eigenen Gemaches aufzusuchen. Selbst im Traume hatte sie nicht daran gedacht, daß es so kommen könnte, hatte sie sich doch stets so sicher gefühlt in dem BÄvußffein, daß das Geheimnis geborgen. Wohl hatte sie zuweilen, im schlimmsten Falle, sich vor- gestellt, daß Kate Jefferies krank werden und vielleicht in Fieberträumen davon sprechen könne, aber daß es auf diese Art und Weise ans Licht kommen würde, war ihr nicht im entferntesten eingefallen.

Sie ging in ihr eigenes Zimmer und schloß die Wir sorgfälttg, dann blieb sie stehen, wie je- mand, der plötzlich im Leben Schiffbruch gelitten Sie war verwirrt, wie vor den Kopf geschlagen keines klaren Gedankens fähig. Sie hatte die Last ihres Geheimnisses fett so vielen Jahren allein getragen, daß das Bewußtsein, es fei trotz all' ihren Vorsichtsmaßregeln ans Licht gekom­men, zuviel für sie war.

„Großer Gottl" rief sie, als sie mit gerunge­nen Händen da stand, den irren Blick in's Leere gerichtet, „endlich ist es gekommen!"

Die unbesttmmte Furcht langer Jahre hatte sich verwirklicht; die quälende Angst, die sie zu- weilen verfolgt und in ihren Bannkreis gezogen, war düsbere, grausame Wirklichkeit.

„Es ist gekommen^ O, Eve! wie soll ich Dich retten, mein Liebling? Du hast mir so vertraut