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36. Jahrgang-

Fulda, Mittwoch den 24. März 1909

Jis 68

Zweites Wtatt

Führer der süddeutschen Revisionisten, Dr. Ed. David, die Unrichtigkeit der Marxistischen Doktrm nachgewiesen hatte. , ,

Wie falsch dir Prophezeiungen von Kart Marx und seiner Schüler vom Untergang de- landwirtschastl. Klein- und Mittelbetriebes sind, erhellt am besten aus den Ergebnissen der land- wirtschaftlichen Betriebsstatistik vom Jahre 1907, die soeben für das Kön.gr. Preußen veröffentlicht werden. Danach hat der bäuerliche Mittelstand, der die Größenklaffen von 3 bi8 20 ha umfaßt, seit 1895 nicht abgenommen, rote die Marxisten annehmen, sondern zugenommen, und zwar um nicht weniger als 62836 Betriebe! Am größten war die Zunahme der Betriebe von 5 bis 10 ha, deren Zahl von 314 634 im Jahrel9O5 auf 349352 im Jahre 1907, d. h. um mehr als 11 Prozent gestiegen ist. Im Gegensatz zur Zu­nahme des landwirtschaftlichen Mittelstandes steht der höchst auffällige Rückgang des landwrrt- schaftlichen Großbetriebes. Die Zahl d« Betriebe von 1000 Hektar und mehr ist von 533 im Jahre 1895 auf 340 im Jahre 1907 zurück- gegangen, was eine Abnahme von 36,21 bedeutet! Einen ähnlichen Rückgang zeigen auch die übrigen Größenklaffen von 20 Hektar und mehr auf. Die Zahl aller landwirtschaftlichen Betriebe mit mehr als 20 Hektar hat sich m de« letzten 12 Jahren um 13411 verringert.

Drastischer als durch diese Zahlen konnte btl Marxistische Behauptung von der Aufsaugung des Klein- und Mittelbetriebs durch den Groß­betrieb in der Tat nicht widerlegt roetben.

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(*) Die LeSensfirhigteit des Landl. Klein- und Mittelbetriebes.

9tach der Lehre von Karl Marx, die größten­teils in das Programm der sozialdemokratischen Partei übernommen worden ist, ist der Klein­betrieb in Industrie und Landwirtschaft dem Untergang verfallen.. Der Großbetrieb, so wird behauptet, hat die Zukunft; er saugt den Klein­rind Miltelbetrieb Mlständig auf. Noch vor wenigen Jahren hat ein Nachbeter von Marx, Karl KaulSky, in seinem Buch über die Agrar­frage den Untergang des landwirtschastl. Klein­betriebes gepredigt, wiewohl kurz zuvor der

Aus dem Rachbargebiete.

* Steinbach (Kr. Hünfeld), 23. März 1909. Die Eemeindevertretuiig wählte den Landwirt Fran; Karl Möller zum Bürgermeister Das Landratsamt in Hünfeld hat diese Wahl nun bestätigt.

* Eisenach, 22. März 1909. Unser Bahn­hof teilte das Schicksal der meisten seinesgleichen, die in der letzten Entwickelungs-Phase deS Ver­kehrs entstanden sind: er erweist sich, kaum fertig, als zu klein. Besonders auffallend ist, daß dre am Bahnkörper sich hinziehende Hauptstraße deS Ostvierlels, die Wilhelm Ernst-Straße, demnächst teilweise zu Geleisanlagen in Anspruch genommen werden soll, nachdem sie erst im letzten Herbst bau­planmäßig verbreitert und ausqebaut worden ist.

* Eltville, 21. März 1909. Etwa 400 Winzer gründeten heule dahier einen Rhein- gauer Weinbauverein und legten Protest ein gegen jede Weinsteuer. Der Protest wurde telegraphisch dem Vorsitzenden der Subkommission des Deutfchen Reichstages übermittelt und lautet: Die Generalversammlung des Rheingauer Wein­bauvereins pro'esliert erneut gegen die geplante Flaschenweinsteuer und tyeiter gegen den Antrag Kanitz-Schultz, der eine noch stärkere Belastung des schwer ringenden Winzerstandes bedeuten würde; eine Weinsteuer, in welcher Form es auch sei, würde den Winzer ruinieren.

* Sonneberg (Meiningen), 23. März 1909. Für die Koüeklivgruppe der Sonneberger Spielwareninduslrie auf der Brüffeler Weltausstellung hat die Re:chsregierung durch den Reichskommissar 12000 Mark überweisen lassen. Die meiningische Staalsregierung hat einen Zuschuß von 3000 M. bewilligt. Bis jetzt sind 30 Sonneberger Firmen zur Teilnahme an , der Kvllektivgruppe gemeldet.

Deutsches Reich.

(♦) Die Berliner Landtagswahlen. Heber die vom Abgeordnetenhause beanstandeten Wah­len der Sozialdemokraten Borgmann, Heimann, Hirsch und Hoffmann liegt nach dem „Vorwärts" jetzt die gutachtliche Aeußerung des Berliner Magistrats vor. Der Magistrat, so berichtet das Blatt, gebe zu, daß in allen Berliner Wahl- kreisen, auch in den Kreisen, in denen Freisin­nige gewählt sind, die Wählerlisten in der Weise aufgestellt toorbclt sind, daß füll die Zensiten unter 3000 Mark das Steuerjahr 1908, für die Zensiten über 3000 Mark das Steuerjahr 1907 zu Grunde gelegt ist. Der Magistrat erklärte weiter, daß er nicht anders habe handeln können. Tas Abgeordnetenhaus wird erst nach den Oster­ferien endgiltig über die Wahl beschließen.

— llcier dir Ergebnisse der Seekricgskon- fcrenzain London ist dem Reichstage, tote ge­meldet, ein Weißbuch zugegangen. Diese Kon­ferenz war um die Jahreswende auf Anregung der großbritannischen Regierung zusammenge­treten, weil die zweite Haager Friedenskonferenz die von ihr beabsichtigte umfassende Regelung des Seekriegsrechtes nur zum Teils durchführen konnte. Insbesondere ist das damals für den neuttalen Handel und die neutrale Schiffahrt wichtige Prisenrecht der Hauptsache nach unge­regelt' geblieben. Es ist der Konferenz ge­lungen, fast über sämtliche Prograumtpunkte eine Einigung- zu eozielen. Es sind geregelt: die Blockade in Kriegszeiten, die Kriegskonterbande, die neutralitätswidrige Unterstützung, die Zer­störung neutraler Prisen usw. .Der Erfolg der Konferenz besteht darin, daß eine nahezu voll­ständige Festlegung der Regeln über die Rechte und Pflichten der Kriegsführen, den in Ansehung des neutralen Seehan - d e l s und der neutralen Schiffahrt erreicht und dadurch eine wichtige Bürgschaft für die Rechts­sicherheit auf dem Meere in Zeiten des Seekrie­ges geschaffen ist.

im Februar noch schlimmer gtworden. Sowohl von den Arbeitsnachweisen der Großstädte Frank­furt a M Wiesbaden, Darmstadt, Mainz und Kwtel sowie auch von den übrigen Gemeinden und Kreisen (Inders Kreis Biedenkopf und Oberwesterwald) liegen Klagen über die anhal- tende schlechte Lage in diesem Gewerbe vor. Nur ineinzelnen Teilen des Heberschwemmmngsge- bietes war infolge der durch das Hochwasser an- gerichteten Schäden eine gewrffe Belebung tm Baugewerbe und den verwandten Berufen zu be- merken In der Metallindustrie stand die Arbeitsmarktlage im Zeichen der werterm Ber- schlechternng. Auch eine Reihe größerer Betriebe in den Mittelstädten, tote tn Hanau, Marburg usw die bisher noch leidlich mit Aufträgen der- sehen toaren, sahen sich durch die anhaltende, schlechte Geschäftslage veranlaßt, wenn nicht Ent- lassung der Arbeitskräfte, so doch Verkürzung der Arbeitszeit in mehr oder minder großem Umfange eintreten zu lasten. Eine in Anbetracht der all­gemeinen Ungunst sehr erfreuliche Entwickelung zeigte die Lage des Arbeitsmarktes tm Beklet- dungsgewerbe. Hier erreichte der Arbeiter- bedarf sogar einen so hohen Grad, daß das Ange- bot durchaus nicht genügte. Frankfurt a. M., Wiesbaden, Darmstadt, Mainz und Kastel berich­ten über anhaltenden Mangel an Schneidern. Auch bei den Holzarbeitern brachte der Be- richtsmonat eine leichte Besserung der Geschäfts- lage Bei den M a l e r n, F r i s e u r e n, B u ch- bindern und Buchbindern usw. hat die Lage des Arbeitsmarktes gegenüber dem Vormo­nat keine wesentliche Aenderung erfahren. Auf dem landwirtschaftlichen Arbeits- nt a r f t e war dr Geschäftsgang im allgemeinen noch ruhig, wenngleich bereits fchon hier und da das Angebot offener Stellen einen größeren Um­fang bei den öffentlichen Arbeitsnachweisen, be­sonders im Reg.-Bez. Kastel, annahm. Soweit wenigstens das männliche Personal in Frage kommt und nicht besonders qualifizierte land- landwirtfihaflliche Arbeiter verlangt wurden, konnte ;edoch der Bedarf im allgemeinen gedeckt werden. Auf dem weiblichen Arbeits- m a v 11 e hielt zwar im Berichtsmonat noch der Andrang von solchen Stellensuchenden an,, denen nur darum zu tun war, vorübergehend in der Hauswirtschaft beschäftigt zu werden. An eigent­lichen Dienstboten aber herrscht nach tote vor Mangel. Nach der Statistik der Betrieb s- k r a n k c n k-a f f e haben Frankfurt a. M., Kastel, Wiesbaden und Fulda eine Abnahme der ver- sichcrungüpflichtigen, dagegen eine Zunahme der freiwilligen Mitglieder zu verzeichnen. (Fulda: Abnahme ver pflichtigen Mitglieder von 3198 auf 3'51, Zunahme der freiwilligen von 139 auf 141). Mainz, Kreuznach und Friedberg i. H. sind unge­fähr auf dem Stand des Vormonats geblieben, Darmstadt, Offenbach a. M. und Gießen haben sowohl bei den versichorungspflichtigen als auch bei den freiwilligen Mitgliedern eine Abnahme verzeichnen.

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* + Eine lex Eulenburg

ist die kürzlich dem Reichstag zugegangene Nö- velle zum Strafgesetzbuche genannt worden. Ter Entwurf enthält nämlich eine Bestimmung, die aus den Erfahrungen der Skandalprozesse nach Art des Moltke-Harden-Prozestes geboren zu fern scheint. Dem § 186 des Strafgesetzbuches soll folgender Zusatz gegeben werden:

SBei einer öffentlich oder durch Verbreitung von Schriflen, Abbildungen oder Darstellungen be- aangenenBeleidigung tritt die Bestrafung oh ne Rücksicht auf die Erweislichkeit der Tat- fache ein, wenn diese lediglich Verhältnisse des Privatlebens betrifft, die das öffentliche Interesse nicht berühren. Eine Beweisaufnahme über die be­hauptete oder verbreitete Tatsache ist nur mit Zustim­mung des Beleidigten zulässig."

Es foll also dem Privatleben ein weitgehender Schutz gewährt werden durch Einschrönkung des Wahrheitsbeweises bei Beleidrgum gen. Bei der Beleidigung beispielsweise durch die Presse soll also gar nicht untersucht werden, ob die behaupteten ehrenrührigen Tatsachen wahr sind oder nicht, wenn das öffentliche In­teresse nicht in Betracht kommt. Die Bestrafung tritt auf jeden Fall ein und dabei wird die Höchstgrenze der Geldstrafe bis auf 10 000 <_4t erhöht. Wollen wir den Wert der vorgefchlage- neu Rechtsbestimmung erkennen, so sind zwei Fragen zu beantworten: 1. Wird die Bestimm­ung der Absicht des Gesetzgebers gerecht? und 2. Verträgt sich die vorgeschlagene Regelung mit den Jntressen der übrigen Beteiligten?

Beide Fvagen sind zu verneinen. Be­denken erregt die Bestimmung, die die Zulässig­keit der Beweisaufnahme an die Zustimmung des Beleidigten knüpft. Verweigert er seine Zu­stimmung, so fetzt er sich dem Verdachte aus, sein Gewiffen beschwert zu fühlen. Ein wer­teres Bedenken chetrifft die Unterscheidung der Verhältnisse des Privatlebens, die das öffent­liche Leben nicht berühren, von denen, wo ein öffentliches Interesse obwaltet. Diese kautschuk­artige Bestimmung kann unter Umständen den Beleidigten in eine unangenehme Lage bringen; der Haupteinwand dagegen ist aber zu erheben mit Rücksicht auf die Jnterestenlage auf Seiten des Beleidigers. Hnd damit kommen wir zur Beantwortung der zweiten Frage. Die Begrün­dung des Entwurfs führt aus, daß die Ein­schränkung des Wahrheitsbeweises gegen die Ausschreitungen der Skandal- und Revol­verpresse gerichtet fei. Diese Tendenz ist durckmus anzuerkennen. Allein die von dem Entwurf gewählte Fassung bedroht nicht nur die Revolverpresse, sondern vor allem auch die e r n st c Presse. Wie will man einwandsfrei das Privatleben von der öffentlichen Betätigung einer Person abgrenzen? Bei Personen, die sich in öffentlicher Stellung befinden, steht das Pri­vatleben in so engen Beziehungen zu dieser öffentlichen Stellung, daß die Abgrenzung fast immer eine gewiss e Willkürlichkeit ausweisen muß. Wenn einem Beamten in hoher Staats- stellung schwere sittliche Defekte nachgewiefen werden, die ihn nach Ansicht des Angreifers für sein Amt untauglich machen oder sein Verbleiben im Amte als öffentliches Aergernis erscheinen lasten, foll hier öffentliches Interesse anerkannt werden oder nicht? Man erkennt leicht, daß die Bestimmung des Entwurfs eine bequeme Hand­habe zu verschiedenartiger Behandlung je nach der politischen Stellung des Anklägers bietet. Es kann unter Hmständen ein Verdienst sein, solchen Persönlichkeiten, die sich ihrer öffentlichen

vottswirischastkiches und Zozraies.

A Tie Lage des Arbeitsmarktes im Februar in Hesse», Hessen-Nassau und Waldeck. Im Be­richtsmonat hat die Witterung eine äußerst un­günstige Wirkung auf den Arbeitsmarkt ausge- übt. Ter anhaltende Frost und die Schneefälle wirkten zusammen, um die Arbeitsmarktlage in Stadt und Land merklich einzuschränkcn. Tas Darniederliegen des Baugewerbes, das in diesem Winter so wie so schon sehr stark war, ist

Stellung durch ein tadelnswertes Privatleben unwürdig gezeigt haben, ein weiteres argernis- erreqendes Verbleiben im Amte unmöglich zu machen. Es wird sich aber wohl kaum lemanb finden, der der Katze die Schelle umhängt, wenn ihm, und das würde ja wohl Regel sein, das „öffentliche Interesse" nicht zugestanden wurde.

Weiterhin kommt in Betracht, daß anerkann- tür maßen unser« Gerichte diel Bedeutung und Aufgabe der Presse nicht genügend emsckotzen. Die Fälle von frivolen und grundlosen Seiet» digungen durch die Presse find tm Vergletoh zu den harmloseren, durch Fahrlösfigkeit oder Fluch- tigkeit, überhaupt durch den eiligen Zettungs- betrieb entstandenem Beleidigungsklagcm doch sehr in der Minderheit. Wir wollen keineswegs, daß die Preßpiraten und Preßrüpel, die aus Be­leidigungen ein Geschäft machen, mit Glacee- handschuhen angefaßt werden; man sollte sich aber doch hüten, das Kind mit dem Bade auszuschüt­ten und die Gesamtheit der Presse wegen der Ausschretungen einzelner Blätter unter ein Aus- nahmegesetz zu stellen.

Festhalle

für die Katholikenversammlnngen.

Die Frage, ob für die alljährlich wiedertehren- den Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands eine eigen/ transportable Hallezu beschaffen fei, kann gegenwärtig Wohl üs im verneinenden Sinne gelöst betrachtet wer­den. Auf Grund eingehender Hntersuchungeu sei­tens des Zentralkomitees hat sich ergeben, daß die K o st e n einer zerlegbaren transportablen Halle, sowohl hinsichtlich des erstmaligen Banes selbst, als auch bezüglich der Aufbewahrung, des Auf- und Abschlagens, des Transportes usw. s o groß sind, daß von dem Betrage, welchen Ver­zinsung. Amortisation und die jedenfalls jährlich tvicderkehvenden Auslagen verursachen, ebensogut jedesmal eine neue Halle errichtet werden kann, unter der Voraussetzung, daß der Unternehmer Eigentümer des Materials bleibt Dazu kommt, daß eine transportable Halle auch einmal je nach der in Betracht kommenden Stadt nicht benutzt Werden könnte oder nicht benutzt zu werden brauchte, also keine Verzinsung und Amortisation aufbrächte, Wohl aber Unterhaltungskosten bean­spruchte.

Anders würde die Sache liegen, wenn eine solche Halle mehrere Male in einem Jahre nutzbar gemacht werden könnte, und damit ergibt sich die weitere Frage, ob sich nicht ein Unter­nehmer fände, der ettoa auf zehn Jahre für einen bestimmten Preis sich verpflichten wollte, eine Halle für die Zwecke der Katholikeivermmmlun- flen herzustellen und dem jeweiligen Lokalkomitee leihweise zu überlassen. Dabei würde zu er- toägcn fein, daß eine Halle aus reiner Holzkon- llnikticn nach dem Gutachten hervorragender Lackwerständiger sich hierzu nicht eignen würde, wstoern daß eine solche, bei welcher die tragenden Teile au§ Eisengitterträgern, die übrigen Teile aus Holzkonstruktion und das Dach ans toasser» Lrchteni Leinen hergestellt wären, vorzuziehen sei.

De es sich immerhin um eine Halle bandelt, welche 8000 bis 10 000 Menschen fassen soll fo ist auch wegen Erzielung einer guten Akustik d i e Frage besonders wichtig, welche Form Freiheit zu gefeu ist. In dieser Beziehung ist nah den bisherigen Erfahrungen ein viereckiger Ban nicht so geeignet wie ein Rundbau, nach Art der Zirkusbauten. Nach Ansicht von auf dem Ge­biete. der Akustik sehr geschätzten Sachverständigen, z. V. des Domkapellmeistsrs Msgr. Cohen in Köln, würde am besten die Halbkugel- oder Hald- kegst.sorm gewählt werden. Msgr. Cohen äußert sich in feinem Gutachten u. a. wie folgt:

Als Hauptursache für die tadellose Tonentwicke' lung in den auMen Thealem, kann einerfeitg die kreis- oder elipsenförmige Konstruktion und anderseiis die Dispornerung der Sitzreihen in ansteigenden Ter­rassen bezeichnet werden. Den Abschluß müßte ein rechtivinkeliger Qnerbau bilden. Die Schallquelle bezw. das RednerpnU müßte auf der Linie deS Kreisabschnittes, und zwar genau in der Mitte möglichst tief aMgestelll werden. Bon da ab können ungefähr 80 Meter weit Sitzplätze, in einer Ebene gelegt werden; der weitere Raum müßte in ansteigenden Reihen mit Sitz- und Stehplätzen gefüllt werben. Von ungeheurer Wichtig­keit für Hart Tonentwickelung und geordnete Echall- verteilung sind die Wirkungen der Resonanz und der Reflexe. Allgemein anerkannt ist, daß Hol; gut refoniett; aus diesem Grunde sollen die Innenwände von Holz fei». Aber Draperien mit Stossen, Sammt usw., ferner zu umfangreicher Ftaggenfchmuck sind mög­lichst zu vermeiden. Ein fester Holzbelag tft einem gestampften KieSdoden entschieden vorprziehen. Wesent­liche Dienst« liefert dem Redner eine nischenartige Rückwand von poliertem Holz. Erhöhte Tonent- faltung kann dann noch erreicht werden durch einen sachgemäß angebrachten Schalldeckel» dem eine solche Neigung gegeben werben muß, daß die Schall­wellen nach den entfernteren Teilen der Halle zurück- geworsen werden. Zu bemerken ist noch, daß die Rück­wand nur um einen Meter hinter dem Standpunkt des Redners angebracht werden darf.

$8enn, wie erwünscht, die vorstehenden Zeilen Anlaß geben sollten, daß entweder Unternehmer entsprechende Angebote niqchten, oder daß sachver- stündige Herren wie Baumeister Musikverstän­

dige, Cbordirigenten und dergl. ihre Erfahrun­gei zur Verfügung zu stellen die Güte haben wollten, so bittet im Auftrage des Zentralkomi­tees für die Generalversammlungen der Katho­liken Deutschlands um gesällige Mitteilung

Jnstizrat und Rechtsanwalt in Köln.

Carl Custodis.

— Wir man wirklich jung bleibt. Wohl solange die Menfihheit besteht, hat insbesondere die Frau­enwelt sich mit dem Problem eindringlich befchäs- tigt, ob es nicht in der Macht des Menschen steht, die Spuren des Alters zu tilgen und nn- kenntlich zu machen. Die kostbaren Pariser Schmmken, Puder, die geheimnisvollen Essenzen, die Ähönheitsdoktoren verordnen, GcnchtSmaf- sage, Milckchäder und tausend andere Mittel ha­ben das Ziel nie völlig erreichen können. Ein französisches Blatt berichtet jetzt von einem un­fehlbaren System, das es den Frauen wirklich er- nröglichi, bis in ihr spätes Greisenalter hinein ihre Jugendfrifche und Jugendschöne zu erhalten. Freilich erfordert die ■ Kur eine gewisse Selbst­überwindung, aber was tut die Frau nicht um der Schönheit willen? Was der neue Schönheits­doktor von ihr verlangt, ist nichts als ein lebens­langes ©djtoeigen. Das Sprechen strengt die (Sc- sichtszüge an, die Haut wird strapaziert und da­durch entstehen die irnangenehmen Runzeln und Falten. Die Frauen müssen sich aber auch des Lachens und des Lächelns enthalten und ebenso des Weinens, da alle diese Gemütsspiegelungen eine Abnutzung der Gesichtsmuskeln nach sich ziehen. Ter Erfinder des neuen Systems schwört auf seine Methode und garantiert allen Frauen, die nach seiner Weisung leben, ihr jugendliches Aussehen bis ins fernste Alter. Einige Damen haben auch mit der Kirr begonnen, aber sie brach­ten es nickt lange über sich, zu fchroeigen und werden dafür zur Strafe mit Runzeln Herum­laufen müssen, wenn sie achtzig Jahre alt wer- den . . .

— Die Männcrhose in Gefahr. Die Männer­welt ist eben nur um Haaresbreite einem geradezu furchtbaren Schickfal entronnen. Einige phanta­sievolle Schneider hatten ein Attentat auf da- männliche Beinkleid geplant! Me Hose sollte einfach von der Bildfläche verschwinden, AIS Ersatz hatten die Hofenfeinde ein Kleidungsstück vorgeschlagen, das etwa die Mitte zwischen dem Kilt der schottischen Hochländer und der fasten- reichen Fustünella der Neugriechen gehalten hätte. Man wollte uns also Röckchen anziehen, damit wir nur ja nichts mehr vor den Frauen voraus hätten und damit niemals mehr die Frage aufgeworfen würde, wer in einer Ehe denn eigentlich die Ho­sen an hat! Die englischen Schneider, die einen derartigen Vorschlag in die Welt zu setzen ver­mochten, müssen ausgesprochene Pantoffelhelden fein. Zum Glück hat der Schneiderkongreß, der eben in London tagte, den Antrag rundweg ab­gelehnt. Wir Männer können also beruhigt tote- der anfetmen. Wir dürfen unsere Hosen weiter tragen, auch wenn vielleicht nur bis zum nächsten Schneiderkongreß in London. -p.

— Drr Ton wacht die Mustt. .Aber, warum weint die Mathilde denn?" .O, sie fragte ihre» Mann, ob er wieder heiraten würde, im Falle sie stürbe, und er sagte nein.* .Mn, das ist doch kein Grund zum Weinen.* .Nein, aber sie hätten mal hören sollen, wie er es sagte."

— Ga«; nach Wunsch. Student: „<5te find doch der Löwenwirt selbst, nicht wahr?* —Löwen­mut: „Ja!* — Student: .Man hat mir gesagt Sie machten Ihren Gästen so originelle Grobheiten, ich bemerke aber nichts davon.* — Lörvenwiri: ,Ha, do hätt' i viel z'tuan, wenn i jedem Laus» btiba a Grobheit machen wollt!*

— Unter Dienstboten. Stubenmädchen (zum Lakaien): »Sehen Sie mal, Johann, auf der Visientarte, die die Gnädige eben bekommen hat, steht p. f.; was soll das heißen?* — Lakai: »O, wahrjchetn persenkich ferhindert.*