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M 64.

Fulda, Freitag den 19. März 1909.

36. Jahrgang.

Krrstes Matt

das

Hochzeitstag fastgssetzt wissen,

trat Lady

Haus.

Freitag: Fortsetzung.

Herrenhaus.

Sitzung vom 18. März 1909.

Auf der Tagesordnung steht ein Antrag Mir­bach, betreffend Stellungnahme gegen jeden weiteren Ausbau der Reichs er bschafts ft euer.

einen Moment so listig und tückisch in »'leine blickten?"

Als sie sich den Blick vergegenwärtigte, ton de es Marian West beinahe schlecht vor Schrecken — kalter Schweisj trat ihr auf die Stirn.

Als die Besucher sich sämtlich verabschiedet, und die glücklich strahlende Elfte „Tantchen Ma­rian" schnell zugeflüstert: Balduin wollte sich nicht mehr zufrieden geben, sondern partout den

Wayne zu ihrer Schwester. Sie schlang den Arm um Marians Nacken und beugte ihr schönes Ge­sicht über ihre verstörten Züge.

„Marian," sagte sie, „heute abend hast Du wieder das alte sorgenvolle Aussehen wie früher. Was ist's nur?"

„Der alte Schmerz," war die Erwiderung; „er hat mich den ganzen Abend über gequält. — Sag, Evelyn, wer war denn der merkwürdige junge Mann, den ich sah, als ich vorhin durch die Halle kam?"

Elsie lackfte und hüpfte dann schnell weg, um den Verweis nicht mehr zu hören, den die Mama ihr dafür unweigerlich erteilt hätte.

„Du hast doch hoffentlich freundlich mit ihm gesprochen?" fragte Lady Wayne schnell. „Es war Herrn Jefferies' Bruder, ein einfacher, un­gebildeter Jüngling vom Lande."

„Was hat ihn hierher gebracht?" fragte Miß West.

„Ich habe Werner schr gern, wie Du weißt", sagte Lady Wayne, „und als er mir erzählte, fein Bruder sei in der Stadt, glaubte ich, es wäre ihm angenehm, wenn wir ihn auf einen Abend zu uns einlüden."

Marian sah sichtlich erleichtert aus.

„Er sah mir so merkwürdig für einen Besuch aus, daß ich es nicht verstehen konnte, wie er nur hierhergekommen."

„Ich habe nie einen so großen Unterschied zwischen zwei Brüdern gesehen," sagte LadyWayne beistimmend. „Kein junger Prinz könnte feiner gebildet, taktvolle«, vo,n anganshmeren Um-

Prentzischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 18. März 1909.

Die zweite Lesung des Baueiais wurde zu Ende Ende geführt. Eine Reihe von Redner brachte lokale Wünsche in Sachen der Hochwassergefahr vor.

Es folgte die zweite Beratung über den Eisen^Wnetat.

Es findet zunächst die allgemeine Besprechung über die finanztechnische und wirtschaftliche Seite des Eisen- bahnelats statt. Gleichzeitig steht zur Beratung der Personen- und Gütertarif. Hierzu liegt ein Antrag Tourneau (Z0 vor, eine von Rosenthal und Gen. zu Marth, Kreis Heiligenstadt im Eichsfeld, eingeceichte Petition um Bewilligung von Arbeitersahrkartcn für die Strecke Arenshausen-Mühlhausen der Regierung zur Erwägung zu überweisen.

Ülbg. Graf v. d. Gröben (kons.) betont, daß bei einer etwaigen Ermäßigung der Tarife mit der größten Sorgfalt zu Werke gegangen werten müsse und wünscht, daß die Reisenden dritter Klasse, die den Speisewagen aufsuchen, hierfür eine besondere Gebühr zu entrichten haben.

Abg Schmedding (Z.): Der Etat ist in diesem Jahre viel übersichtlicher und klarer als früher, nur dürften noch einige Verbesserungen hinzukommen. Die im vorigen Jahr bekannt gewordenen Fehler im Vor­anschlag scheinen diesmal vermieden worden zu sein. Der Personenverkehr rechnet mit einer Steigerung von 1 Prozent, der Güterverkehr mit einer Abnahme von 'li Prozent. Die Abwanderung der Reisenden in niedere Wagenklassen ist auf die Tarifreform und die Fahrkartenüeuer, zum Teil auch zurückzusühren auf die bessere Ausgestaltung der Wagen der unteren Klassen und die Einstellung "von Wagen dritter Klasse in die v-Züge. Eine Abschaffung der Fahrkartensteuer halten wir im gegenwärtigen Zeitvunlt nicht für empfehlens­wert. Dem Nebelstande, daß Reisende dritter Klasse während der ganzen Fahrt im Speisewagen sitzen, könnte man vielleicht dadurch abhelfen, daß man die Speisewagen teilte. Zu erwägen bleibt, ob die erste Klasse nicht ganz abgeschafft werden kann. Eine all­gemeine Herabsetzung der Personentarife würde zur Zeit einen Sprung ins Dunkle bedeuten. Bei Berech­nung der Zuschläge darf nicht allzu bureaukratisch ver- sahren werden. Die allgemeine Herabsetzung der Gütertarife schon jetzt eintreten zu lassen, halten meine Freunde nicht als empfehlenswert. Mit Freuden be­grüßen wir das Zustandekommen des Reichseisenbahn­wagenverbandes, welches eine große Ersparnis bedeutet.

Abg. Marco inll.) findet es sehr bedenklich, daß die Unterhaltungskosten des Bahnkörpers unserer Eisen­bahnen herabgedrückt worden seien, und wünscht bessere technische Ausbildung verschiedener Veamtenklasseu.

Nach weiterer unerheblicher Debatte vertagt sich

Gesinnung darf sich die Verwaltung nicht kümmern. Die Sozialdemokraten müssen ja doch im Heere bleiben, sonst würden manche Regimenter arg zusammen­schmelzen. In einigen Kriegervereinen schikaniert man die Leute besonders eifrig und brutal wegen ihrer politischen Gesinnung. Alte Veteranen drang­saliert man, wenn sie Zentrumskandidaten wählen. (Hört, hört! im Zentrum.) Der Redner verlangt eine katholische Garnzsonktrche in Hannover und schließt dann: Im Heere muß Gottesfurcht und Sitte herrschen, es darr dort aber nicht Politik getrieben werden. (Beifall im Zentrum.)

Preußischer Kriegsminister v. Einem: Bezüglich deS Falles in Hannover tst amtlich mitgeteilt worden, daß irgend welcher Ehebruch nicht vorlag. Ein Offi­zier, der mit der Frau eines Kameraden Ehebruch treibt, oehört nickt in die Armee. (Beifall.)

Abg. Bebel stellt darauf den Antrag auf Ver­tagung. Unter Heiterkeit des Hauses wird dann zum erstenmale in 40 Jahren ein Antrag Bebel einstimmig angenommen.

Freitag: Weiterberatung.

Abg. Brandys über die Beichte der polnischen Soldaten anlangt, so halten wir unS vollkommen davon fern, in irgend einer Weise auf die Leute einzuwirken. Ent­schieden muß ich die Forderung des Abg. Brandys zurückweisen, die katholischen Leute in katholische Gar­nisonen und die evangelischen in evangelische Garnisonen zu schicken. Eine solche Maßnahme würde zu unhalt­baren Zuständen führen. (Beifall rechts.)

Abg. Erzberger (Zentr.): Wenn nicht alles trügt, wird die ganze Sparsamkeitsaktion keinen Erfolg haben. Unsere Abstrichein der Budgetkommission will man wieder ungeschehen machen, wie die zahl­reichen Anträge dieser Art beweisen. Ein seltsames Schauspiel! Und obendrein ruft man dem Kriegsminister zu, er solle hart bleiben, sonst geschehe ein Unglück I Abg. v. Siebert hat sogar die unglaubliche Behauptung auigestellt, wir hätten kürzlich zweimal vor einem Kriege gestanden. Ich weiß nicht, woher er das weiß. Vielleicht vom Verfasser deS Eilvesterbriefes. (Heiter­keit.) Wir freuen uns, daß der Kriegsminister erklärt bat, daß unserem Berbündeten mit aller Energie die Bündnistreue mit allen Konsequenzen gehalten werden soll. (Beifall im Zentrum ) Sonderbar war das Ver­hallen des Kriegsministers gegenüber dem Abg. Häus­ler. Er hat ihn fast als Ignoranten hingestellt. In der bayerischen Armee aber wird kein bürgerlicher Ignorant Generalmajor. (Sehr richtig! im Zentrum.' Die Sckärse deS Ministers war jedenfalls überraschend. Graf Oriola hat Herrn Häusler in einen Tops mit Herrn Bebel geworfen. Dagegen ist persönlich nichts zu sagen; denn ich kenne Bebe! als hochanständigen Mann. Aber ich protestiere gegen diese Art Beweisführung, bei der alles falsch sein soll, wenn einmal ein Sozial­demokrat seine Ansicht geäußert hat. Solche Mittelchen wendet man nur an, wenn man seine Gedankenarmut verbergen will. (Sehr richtig! im Zentrum) Wir danken dem Kriegsminister für die Erklärung, daß die Kommandogewall des Kaisers durch das Budgetrecht des Reichstages beschränkt sei. Als wir am 13. No­vember 1906 das Budgetrecht in Anspruch nahmen, rechnete man uns das als ein Kapitalverbrechen an. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum.) Nun sitzt der Block zusammen, ohne etwas fertig zu bringen. Das einzige Resultat ist die Spottgeburt des Finanzkom­promisses. (Beifall im Zentrum und bei den Soz, Gelächter beim Block; Dr. Müller ruft: Dem Kom­promiß liegt ein Gedanke des Zentrumsabg. Müller- Fulda zu Grunde.) Dann haben sie ihn böse ver- schaudelt. (Heiterkeit im Zentrum.) Auch Ihre Tätig­keit in der Geschäftsordnungskommission tann nicht begeistern. (Gelächter bei den Freisinnigen.) Lesen Sie darüber nur das .Berliner Tageblatts (Dr. Müller Meiningen: Ach, das Tageblatt!) Run es ist kein Zentrumsblatt, sondern ein freisinniges. Sie, Herr Dr. Müller, Sie fallen ja immer gleich um, wie ein junger Backfisch von 16 Jahren, wenn nur em Minister er­scheint. (Heiterkeit.» Der Redner bespricht dann die Bevorzugung des Adels im Heere. In dieser Be­ziehung "bat der Kriegsminifter die Verhältnisse zu rosenrot gemalt. Wir müssen daran festhaltcn, diß den Offizieren von den Qualifikationsberichten Kenntnis ge­gebenwird. Dasistschonhentemöglich,warum>oll csnicht allgemein geschehen. Oeffentlicke Qualifikatiousberichte können doch nicht schädlich wirken. Hätten wir sie schon gehabt, daun hätte sich die unangenehme Affäre Berger nicht so weit entwickeln können. (Sehr richtig!) Recht sonderbar wird bei den Abkommandierungen zum Mtlitärreitinstitut zu Hannover verfahren. In zwei Fällen sind Offiziere in dieser Weife bevorzugt worden, obgleich sie sich einer Schädigung der Standes- ehre durch Ehebruch mit der Frau von Kameraden schuldig gemacht und deshalb vom Ehrengericht bestraft worden waren. (Hört, hört!. Die körperliche Aus­bildung der Jugend bedarf der Vervollkomm­nung. Bei der Beschaffung ter Munition und der Kleidung kann noch erheblich gespart werden. Das Mittelpreisverfahren bei der Submission gereicht dem Heere nicht zum Vorteil. Bei der G eschützliefe- fttng sollte man der Firma Krupp keine Monopol­stellung einräumen. Da können noch Millionen gespart werden. Vor allem aber erheben wir die Forderung: Weg mit allem Zierrat, der für die Schlag­fertigkeit des Heeres nicht notwendig ist und im Ernst­fälle in die Rumpelkammer verschwindet. Einen tnte» reffanten Fall über den Unfug mit dem Ver- s etz un g en hat die ,Magd. Zig.' mitgeteilt: Ein Offizier wurde in 25 Jahren neunmal versetzt und mußte zirka 30000 Mart für die Ausrüstung auswenden. In r eligiö sen An gele gen b e i1 en muß im Heere volle Parität gewahrt werden. Auch um die politische

Das schienJack die einzige Schwierigkeit bei der Sache — wie viel würde wohl für ihn ge­nügen? Wie viel sollte er fordern?

„Ick, werde es ganz geschickt deichseln," dachte er. „Ich werde sie bei Seite nehmen und ihr sagen, daß ich alles von der Abbotsviller Affäre weiß — daß ich alle Beispiele habe, daß Werner ihr Sohn ist) daß aber alles ganz gemütlich und nett sich arrangieren läßt, wenn sie sich zu was Hübschem herbeiläßt; es wird dann gar keine Not haben — alles ist dann in Ordnung."

So dachte er; so legte er sich seine Pläne zu­recht, mit der vollständigsten Rücksichtslosigkeit gegen alles und jedes, was sein eigenes Inter- effe nicht berührte. —

Marian West hatte sich umgekleidet und war in's Gesellschaftszimmer gegangen. Jeder der dort Anwesenden war zu gutherzig und zu wohl­erzogen, um irgendwelche Bemerkungen über Jack zu machen; seine Tölpeleien und Absonder­lichkeiten waren ohne Bemerkung passiert. Es war aber doch eine Erleichterung für alle, als er ging, und Marian an seine Stelle trat. Man liebte und verehrte sie so allgemein, wie gütige, edle Frauen stets verehrt werden, und trotz des einen verhängnisvollen Irrtums in ihrem Leben war Miß West aller Hochachtung und Verehrung auch tatsächlich wert.

„Wie angegriffen Du heute abend ausfiehst, Marian!" bemerkte Lord Wayne.

Sie bemühte sich, die lähmende Furcht abzu­schütteln, die ihr so kalt und schwer auf dem Her­zen lag.

„Was ist's nur?" fragte sie sich voll Schre- cken, „was ist nur über mich gekommen? Wa- rum bin ich so nervös beim Anblick dieses jun­gen Mannes geworden? Kann es etwas Natür- licheres geben, als daß er seinen Bruder besuchen kommt? Gerade der Umstand, daß er es getan, beweist, tote ganz und gar nichts er wußte. Und doch, was bedeutete dieser Ausdruck in seinem Gesicht? Was sagten seine Augen, als sie den

59] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld. ' Er glaubte das Schlimmste von Marian West; ! glaubte, daß sie, die als Frau von makellosem 'Rufe galt, tatsächlich keinerlei Recht darauf habe; doch kein Gefühl des Mitleids oder Bedauerns jfür die Frau ,dte eine solche Bürde einsam zu tra­gen batte, rührte sein Herz.

i Mit keinem Gedanken dachte Jack daran, was Miß West leiden und ausstehen mußte, too sie stand, daß das Geheimnis, das sie so sorgfältig ge- chutet, jetzt -hm bekannt war. Er ignorierte sie -vollständig; ihre Person kam ihm nur soweit tn fcktradjt. als er daran dachte, was er bei dem Geschäfte aus ihr herauszuschlagen hoffte.

Er hatte solange auf ein und derselben Stelle .gestanden ttnb halb wild, halb geistesabwesend vor sich hingestarrt, daß die Passanten aufmerk­sam auf ihn wurden, mehr als einmal hatte der .Polizist an der Ecke ihn schon verdächtig scharf in's Nuge gefaßt, nun lachte er laut auf, daß cz durch die Straßen schallte, und schritt seines Weges wei- 'ter.

■; „Ich hab's gefunden l Ich hab's gefunden I" frohlockte er innerlich. „Das Geheimnis, wonach sich all diese Jahre herumgetappt habe, rst end- stich mein!"

i Er war viel zu aufgeregt, um daran zu den­ken, sich auszuruhen oder zu Bett zu geherr; er wollte alles ausführlich überlegen, sich entschei­den, welchen Plan er verfolgen und wie er Ma­rian West von seiner Entdeckung in Kenn.nts fetzen solle. , , _

„Sie soll mich gut bezahlen," sagte sich ^ack, i*,fie scheint reich genug. Sie hatte Dramanten 'am Halse und an den Armen, woran ich mein Leben lang genug hätte. Sie soll mir genug ge­hen, daß ich so leben form, und ich will ihr Ge- .heimnis dann treu bewahren, wie es meins Mut- ler vor mir getan hat."

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 18. März 1909.

Den Platz des Abg. Bebel, der heute vor 40 Jahren seine erste Rede im Reichstage hielt, schmückt rin Strauß von roten Rosen.

Der MUitiiretat wird weiter beraten.

1 Abg. Liebermann von Sonnenberg (deutsch-sozial): sprach sich für die Beibehaltung der dreijährigen Kavalleriedienftzeit aus und polemisierte gegen die gestrigen Ausführungen des sozialdemokratischen Abge­ordneten Stückten. Zum Schluß befürwortet er eine Resolution über die Zahnpflege m der Armee.

Abg. Brandys (Pole): Wie fleht es mit der Religiosität im Heere? Privatim, in der freien 8eit erlaubt man den Soldaten nicht, ihre religiösen flichten zu erfüllen. Katholiiche Soldaten verschickt trän vorwiegend in protestantische Garnisonen und imgekehrt. (Zurufe von den Freisinnigen: Konfessio­nelle Engherzigkeit, i Der Redner wendet sich erregt gegen die Freisinnigen und trägt weitere konfessionelle Beschwerden vor. Er führte dann Klage über Miß­handlungen polnischer Soldaten und über die Boy­kottierung polnischer Gastwirte und Kaufleute durch die Militärverwaltung. Die polnischen Zeitungen ver­hetzen die Soldaten nicht. Im Gegenteil, sie mahnen unsere polnischen Söhne, treu ihre Pflicht zu erfüllen, aber Polen zu bleiben. Das ist kein Verbrechen, fein Hochverrat.

! Abg. Schrader (freif. Vgg.): Unsere politische Situation hat sich zweifellos gebessert. Wir sind nicht mehr isoliert, und wir stehen mit alten Mächten, etwa mitAusnahrneRußlands, in gut en Beziehungen. Deshalb müssen wir uns fragen, ob eine so kolossale Land- und Seemacht aufrecht erhalten werden muß. Auch die Wirren auf dem Balkan dürfen uns nicht ' erschrecken, wir hoffen, daß sie bald beendigt fein oder so geleitet werden, daß die Leute da unten sich unter­einander prügeln, ohne daß wir beteiligt sind. Der Redner erörtert eingehend den Fall des Hamburger Rechtsanwalts Braband, der als Reserveoffizier ge­maßregelt wurde, weil er seine Parteifreunde aufge­fordert hatte, bei einer Stabtverorbnetenstlchwahl für den Sozialdemokraten zu stimmen. DieArmeeverwaltung müßte sich hüten, in ine bürgerlichen Verhältnisse ein­zugreifen. (Beifall links.)

Abg. Storz (D. Vp.) beglückwünscht den Abg. .Bebel zu seiner 40jährigen parlamentarischen Tätigkeit unb spricht sich gegen bte Zurücksetzung jüdischer Sol­daten aus. Warum lasse man die Juden nicht Offizier werden? Man sehe es doch anscheinend ganz gern, wenn Offiziere reiche Jüdin en heiraten.

, Kriegsminifter v. Einem: Herr Schrader hat die Sige Lage für recht günstig angesehen. Aus dem ten komme fein Krieg, der Westen habe auch keine Lust dazu, so könne auch der Sturm aus dem Südosten nichts schaden. Wenn wir in dieser Lage sind, so liegt es daran, daß das deutsche Reich gestützt auf feine starke Aimee fich auf die Seite seines Verbün­deten gestellt hat. In diesem Moment haben wir der Stärke unseres Heeres den Frieden zu verdanken. Wenn die Dinge sich weiter so ent­wickeln, daß ein besseres Verhältnis zu England und eine Entente corbial vielleicht mit Frankreich kommen sollte, kann man vielleicht an eine Verminderung des Heeres und Abrüstung denken. Wenn auch in dem bisherigen Tempo bet den großen Ausgaben, namentlich für technische Einrichtungen, nicht weiter gerüstet wer­den wird, so muß ich doch für die Schlagfertigkeit des Heeres sorgen. Das Heer muß vom Vertrauen des Volkes getragen werden. Di.seS Vertrauen zu untergraben, ist das eifrigste Bestreben der Sozial­demokratie. Unzweifelhaft trägt das Volk große Lasten für das Heer. Das muß aber geschehen, weil das Heer jederzeit bereit fein muß. Inaktive Offiziere sollen das aktive und passive Wahlrecht ausüben, aber nur innerhalb der staatserhaltenden Parteien. Die Grenze ist bei der Sozialdemokratie. Eine Betätigung für die Partei ist für Offiziere der Linie, der Reserve und der Landwehr nicht möglich. Will jemand das, so muß er den Dienst quittieren. Den katholischen Mannschaften werden keinerlei Schwierigkeiten in der «Pflege der Religiosität bereitet. Was die Klage des

Gras Mirbach zieht seinen Antrag zurück, da de Reichstag fich gegen die Nachlaßsteuer erklärt habe.

Der Gesetzentwurf betr. die ^Bereinigung de Städte Saarbrücken, St. Johann und Malstatt-Bur bad) zu einer Stadtgemeinde Saarbrücken wirk in einmaliger Schlußberatung unverändert angenommen

Es folgt die Weiterberatung der

Besoldungsvorlagen und Steuernovellen.

Oberbürgermeister Dreisert - Brandenburg sprich sich gegen die Lehrerbesoldung aus und bedauert, das die Gemeinden, die durch die Erweiterung des Kinder Privilegs schon mehr herangezogen würden, durck die Vorlage die Staatszuschüsse verlieren.

Oberbürgermeister Dr. Lentze-Magdeburg veririt nochmals feine bereits gestern bargelegte Ansicht, das die Interessen der Städte nicht genügend berücksichtig seien. Die Besoldungsklassen werden vonc Herrenhaufe niemals angenommen werben weil sie einen Kommunismus auf dem Schulgebiete be deuten. Ich erwarte eine gründliche Revision des Lehrerbesoldungsgesetzes in der Kommission.

Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben erwidert den; Vorredner, die Städte, die für alle möglichen Ding- zehnmal mehr ausgäben, sollten sich hier nicht sträubest sondern im Interesse des Zustandekommens der Vor läge das Opfer bringen.

Oberbürgermeister Ehlers-Danzig lehnt es ab nach dem Wunsche der Regierung die Vorlagen en bloi anzunehmen. Wenn auch im anderen Hause das Kom. promiß zustande gekommen sei, so müsse doch dal Herrenhaus zeigen, daß es auch etwas bedeute. Wn unserseits wollen die Vorlage selbständig prüfen uni über sie entscheiden. Ich beantrage Verweisung be) Vorlagen an die Finanzkommission.

Ministerialdirektor Schwartzkopff rechtfertigt noch mals die Haltung der Regierung in Fragen der Rege tung der Staatszuichüsse.

istrof. Dr. Hillebrandi-Breslau: Bei den Vorlagen schneiden die Lehrer am besten ab, weil sie am beite» organisiert sind, am schlecktesten die Regierungsassesso­ren, die am wenigsten agitiert haben. Berger als bi Beamten agitieren die Beamtinnen. Der Redner vev weist auf eine Agitationsschrift der Lehrerinnen. Wen» die Damen so agitieren, kann man da den Männern sonderlich verargen, wenn sie nicht zurückbleibe» wollen?

Oberbürgermeister Wallraf-Köln: Die Gründe fü) die Entziehung der Staatszuichüsse sind nicht stichhaltig Die neue Belastung der Gemeinden erfolgt zu eine) Zeit, wo die Belastung der Kommunen schon sowieft eine Höhe erreicht hat, wie nie zuvor. Wir haben ein Prooisorium bezüglich der Einkommensteuer und b» züglich des Woi.nungsgeldzuschusses; das ist ein Zeiche» von mangelhafter parlamentarischer Begabung unserer Zeit. Deshalb müssen wir die Vorlage revidieren.

Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben erwidert dem Vorredner, daß die tiiegietung den Gemeinden gegen über nur über Summen verfüge, die dem Staate ge hörten.

Graf Mirbach kann den gerügten Mißständen nicht in allem zustimmen, wundert sich aber, daß eine Reform der bireiten Steuern vorgenommen werde zu ei”et Zeit, wo die Reichefinanzresorm, die auf Preußen rück- wirke, noch nicht erledigt fei. Dem Finanzminister muß ich entgegnen, daß der Staat nichts hat, was ei nicht vorher den Steuerzahlern genommen hätte. Im übrigen warne ich die Regierung vor dem Weg immer neuer Belastungen. Damit bereiten wir der Sozial- demokrane den Boden.

Finanzminister Frhr. v. Rheinbabeu weift es zurück, daß die Regierung Maßnahmen getroffen habe, die der Sozialdemokratie Vorschub leisteten.

Professor Loening: Der Agitation der Be­amten muß ein Ende gemacht werden, weil sie di« Disziplin untergräbt. Bei den Wahlen geben die Be­amten ihre Stimmen nicht vom politischen Gesichts­punkt aus ab, sondern demjenigen, der ihnen am meisten verspricht. Nicht Geld zu verdienen muß das Aiotiv für die Beamten fein, sondern die Ehre, dem König und dem Volke zu dienen. Auch ich bin bei Meinung, daß das Herrenhaus die Vorlage selbständig prüfen muß; ich hoffe aber, daß die Pfarrerbesoldungs­gesetze den einstimmigen Beifall des Haufes finden. Dem Bedauern des Kardinals Kopp, daß für die katholischen Geistlichen nicht genügend gesorgt würde, schließe ich mich an. Politisch würbe es ein schwerer Fehler sein, wenn wir bei ber Lehrerbesolbung auf bie Regierungsvorlage zurückgreisen würden, denn

gangssormen sein, wie Werner Jefferies. Es macht mir Vergnügen, ihn im Stillen zu be­obachten, ihn sprechen zu hören, ihn zu betrachten; aber sein Bruder, der arme Junge, ist mehr oder weniger nichts wie ein Bauer."

„Brüder sind sich oft ganz bedeutend unähn­lich," sagte Marian müde.

„In diesetn Fall ist die Verteilung aber nicht ganz billig gewesen," lachte Lady Wayne. „Wer­ner hat die ganze Schönheit, die ganzen Gaben, sein Bruder hat — geradezu nichts."

Sie war überrascht, daß Marian, die sonst so ruhige Marian, sie plötzlich leidenschaftlich in die Arme schloß, küßte und mit Tränen in den Augen rief:

„Auch bei uns war's so, Liebling. Wir sind Schwestern, Kinder einer Mutter;, Du hast alle Anmut und Schönheit, ich habe nichts."

„Nichts?" wiederholt^ Lady Wayne, „wie, Marian, mein Liebling, was wäre ich wohl ge­wesen ohne Dich?"

38. Kapitel.

Das Böse beginnt seinen Lauf.

„Afi^cknohme Nachrichten?" fragte Lady Wayne ihren Gemahl, der mit lächelnder Miene einen gerade geöffneten Brief überflog.

„Ich glaube wohl, Liebling. Der Brief ist von Algernon Wayne, des Inhalts, daß er.sich sehr freuen würde, uns auf Kenninghall einen Besuch abzustatten, wenn wir im Mai dahin zu- rückkehren. Er schwärmt von den alten Linden/ und wie gern er dieselben einmal Wiedersehen möchte. Wir haben wohl ein oder zwei Monate offenes Haus, nicht wahr?"

denke," erwiderte seine Gattin kühl.

Lord Wayne legte den Bvisf hin und sah sie an.

„Evelyn, Du weißt. Du bist Herrin in Deinem eigenen Hause, Liebling. Ich werde Algernon mitteilen, daß es uns nicht paßt, wenn Dir der Plan nicht gefällt."

(Fortsetzung folgt.)