Maer W Zeitung
mototsbeOage: „Mdütt SeschichKbMer"
Äi’iSi«. w»chenW,-ge: „Illustrierte Somtag^ettung"
36. Jahrqanq.
Fulda, Mittwoch den 17. März 1909
M 62,
Grstes Matt
Hand.
fiCorHefeuna folgt.)
Vie «hu fpaltigepetitreileoder deren Raum läpfg. Nevamendrepttitzeile 25 pfg., der wieder» Holungen wird entspr. Babati gewährt.
»otationsdruckund Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.
«rschevtt täglich mH Aurnahme der So.«* und Feiertage, virttel- lithrliche»verug5prelr ohne Sringerlohn und *n,,ÄÄ nie ansroärts 1-»” uu- verantw. «tbatttnri
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rauschte Jack förmlich. Es war ihm tote dem Verzauberten im Märchen zu Mute.
Er saß in der Nähe des Flügels, und Elfte, mit ihrein reizenden Lächeln, wandte sich zu ihm und fragte ihn, was sie fingen solle.
„Ach, Sie können überhaupt nichts singen, was nicht süß wäre," sagte Jack mit einem verzwei» felten Anlauf zu einem Kompliment.
„Das wissen Sie nicht," versetzte Elsie mit leichtem, köstlichem Lachen, das Jack'S Herz schnel. ler klopfen ließ. „Das wissen Sie nicht, Herr Jefferies. Einige meiner Lieder streifen an'S Nichtsnutzige und andere an's Herausfordernde."
„Alles, was Sie tun, mutz reizend sein," wiederholte er unbeirrt.
Es schien Hm unmöglich, da zu fitzen, ihr in'S Gesicht zu schell, ihr zuzuhören, «nd ihr nicht zu sagen, daß er sie anbete. Der Dust der Blumen schien Hpn mit jedem Augenblick stärker und süßer zu werden.
Jack toar vollständig berauscht. Es war ein Glück für ihn, daß die Ankunst der Ramseys sein» Gedanken in eine andere Richtung lenste.
Er hatte aber auch dann keinen Grund, sich über Mangel an Aufmerksamkeit zu beklagen. Lady Romsty, die ihren Sohn Balduin mit der leidenschaftlichen Lieb« einer Mutte» für ihren Einzigen umfing, lichte nach ihm Werner am meisten, weil er ihn vom Tode gerettet hatte. Werner'» Bruder toar ihr also ein Gegenstand des größten Interesses. Bon Natur stolz, zum Hochmut geneigt, vergaß sie alles, nur Freund- Weit und Güte nicht.
Cie ging auf Jack zu, bewillkommnete ihn höchst liebenswürdig und sagte ihm, waL, tote sie glaubte, ihm am meisten gefallen würde — Worte des Lobes auf Werner.
Jack begann sich auf die ihm gezollte Auf- merkfamkeit etwas einzubilden. Lor- Romsey kam herein «nd schüttelte ihm freundlich di«
Wie kam es zum 10. November 1908?
In einer großen Zentrumsversammlung, die am vergangenen Sonntage die Zentrumswählerschast des Wahlkreises Düren veranstaltete, hielt der Abg. Graf Praschma eine bedeutsame Rede über die innerpolitische Lage, die zweifellos in allen politischen Streifen größtes Aussehen erregen wird. Das gilt vor allem von seinen Ausführungen über den Gang der bekannten Ereignisse vom vorigen November.
Gras Praschma legte die Stellung des Deutschen Reiches zum Auslande dar, er konstatierte eine gewisse Erfolglosigkeit der auswärtigen Politik und fragte, wer an diesem Mißerfolg schuld sei. Während ein großer Teil der öffentlichen Meinung dem Kaiser die Schuld zuschiebt.
sie von Seuten ihres eigenen Standes erwarten würden."
„Alles ganz gut für Dich," erwiderte Jack und wischte sich die dicken Tropfen ab. „Wenn ich zu Haus bin, kann ich auch frisch von der Leber weg sprechen; hier hab' ich meine ganze Zett nötig, bloß um meine Hände richtig zu halten."
Werner, unfähig, ein Lächeln zu unterdrücken, führte seinen Bruder in's Gesellschaftszimmer.
Wieder war Jack vollständig verwirrt, doch nichts übertraf Lady Wayne's Takt — tat sie ein menschenfreundliches Werk, so tat sie es auch gut. Auf den ersten Blick sah sie, wie vollständig Jack bet loten toar. Sie ging auf ihn zu und plauderte steundlich mit ihm, bis ihm der Der- stand toieber klar wurde und seine Befangenheit schwand.
War er dankbar für solch gütige Herablassung? Da hätte man ihm sehr unrecht getan — sein Hauptgedanke toar der, daß er doch ein seiner patenter Kerl sein muffe, da diese große und vornehme adelige Dame ihn offenbar bewunderte.
Dann blickte er umher nach dem jungen Mädchen, daS er so glühend wieder zu sehen verlangt«.
Sie toar da — er sah sie am anderen Ende deS großen, prächtigen Genraches.
„Elfte," sagte Lady Wahns sanft, und die weiche, klangvolle Stimme schallte so klar, daß das Mädchen es sofort hörte «nd an di« Seite ihrer Mutter eilte.
Lady Wayne lächelte, als sie in das liebliche Gesicht blickte.
„Was kannst Dm finden, um mir Herrn Jonies Jefferies zu unterhalten? vielleicht möchte er Dich gerne fingen hören."
„Das möchte ich ja," sagte Jack hastig; „nichts in der Wett könnte mir besser gefallen."
„Sie haben also, wie Ihr Bruder, gern Musst", sagte Elsie freundlich als sie durch s Zimmer ium fillüael schritt.
Der süßch reich» Blumendust, di« warme, duftige Lust, die Pracht ringS uncher, alles be
Im Sonne des Geheimnisses.
67] Ans dem Englischen von ft. v. Raesfeld.
Er bemühte sich, ebenso gezwungen und frei fn seinem Benehmen zu sein, wie Lord St. Gilbert selbst, und der Erfolg toar derartig, daß alles, Kellner nicht ausgenommen, sich ungemein amüsierte.
Es war eine Erleichterung für alle, als^ das Diner endlich vorüber toar und sie zur Stadt zurückkehren konnten. Doch hatte Jack manche Perlen der Unterhaltung aufgeschnappt und im .Gedächtnis aufgespeichert; er erinnerte sich der meisten drolligen Redensarten und humorisfischen Ausdrücke des jungen Edelmanns, sowie auch einiger Witze, und sah sich bereits in voller Glorie, wenn er, nach Elton zurückgekehrt, sagen würde: „Als ich mit Lord St. Gilbert im „Wappen von England" dinierte, erzählte er mir den Witz." Er weidete sich ordentlich schon im voraus an der Sensatton, die diese Ankündigung notwendig bei allen Hervorrufen mußte.
Den ganzen Abend und den folgenden Tag verbrate er wie im Rausche, und feine gehobene ^Stimmung sank wahrlich nicht, als et am anderen Tage einige Zeilen von Werner erhiett, des Inhalts, daß Lady Wayne ihn bitten laste, einen der nächsten Abende in Kenninghall-House zu verbringen.
„Es wird niemand da fein wie nur die Rom- feys, und ihr Sohn, Lord St. Gilbert. Sei also Incht ängstlich, Jack; Du wirst Dich sicher amü- -fieren", schrieb Werner.
, Doch er hätte keinerlei Blödigkeit vonseiten Jacks zu befürchten brauchen. Jack dachte überhaupt keinen Augenblick an seine eigenen Schattenseiten; er dachte nur daran, daß er sie wieder- xhen sollte — die schöne Königin ,die von seinem Hetzen Besitz ergriffen —, daß er sie toieber« feben, mit ihr sprechen, am selben Tische mit ihr fitzen, noch einmal in diese strahlenden Auaen
nierung von Ofstzietrn muß den Unwillen der Steuerzahler aufs höchste erregen. Dann aber wünschen wir noch, daß jeder Unterschied zwischen adeligen und ntchtadeligen Offizieren verschwindet. (8ebbaft« Beifall.) Luxus, Wohlleben und die zahlreichen LirbeSmähler find verwerflich. Di« Einführung von landwirtschaftlich«. Borträgen für Soldaten begrüßen wir. Wir fordern die zweijährig« Dienstzeit auch für die berittenen Truppen. Auch die Ausblldung der Fußlruppen könnte ohne Beeinträchtigung der Wehrkraft weiter vereinfacht werden. Bon dem, was der Soldat in der Dienstzeit lernt, kann viele- entbehrt werden, ohne daß die Krieg-tüchtigkeit Schaden leidet. Der heutige Wust von Bestimmungen paßt nicht mehr in die moderne Zeit, und der Drill ist nicht mehr Hauptsache. (Sehr richtig I) Disziplin erreicht man nicht durch Parademärsche und Gewehrgriffe (Sehr richtig h, sonder« weil der Mann gehorchen will (Beifall) Es ist für den Krieg bedeutungslos, ob die Gewehre genau horizontal oder vertikal gehalten werden. (Beifall.) Es gibt sogar Ketzer in der Armee, dir das Heer ohne Parademärsche gegen den Feind zn führen bereit find. Ich bitte die vrrantworllichen maßgebenden Stelle«, unseren Mllitärdienst noch rechtzeitig in dir Bahnen zu lenken, die allein dazu füorrn können, daß daS deutsche Volk die ihm aufgenötigt« Doppelrüstung auf die Dauer ertragen kann. zBerfall im Zentrum.)
Abg. Graf Oriola (konf.) polemiflett gegen den Abg. Haeusler «nd meint, die Einführung der zwei- jährigen Dienst^il bei der Kavallerie würde ganj_ er- heblich« Kosten verursachen. Durch Ersparnisse dürfte die Schlagfertigkeit der Arm« nicht deemträchtigt werden.
Nach weiterer unerheblicher Debatte vertagt sich daS HauS auf Mittwoch: Fortsetzung.
, e3 sich um Nein« Schiffer. Hi« muß man MittelpaudS- : Politik treiben.
Ministerial-Direktor Peters erwidert, daß die Lahn- • schiff« von der Korrektion der Lahn so große Vorteile । haben werden, daß man st« von den Abgabe» nicht ' In der weiteren Debatte zu den Einnahmen bemerkt
Adg. Schwabach (natl.): Die Durchführung der Baupolizei-Ordnungen auf dem Lande führt ■ häufig zu überflüssigen Härten, unter denen namentlich ; die kleinen Besitz« leiden. Manch« Verordnungen find auch zu unklar gefaßt. Der Minist« sollte dies, Mängel abstellen.
Abg. Manr« (natl.) tritt für möglichst allgemeine Uebertragung d« Baupolizei au die Gemeinden ein.
Ein RegierungSkommiffar erwidert, die lieber, tragung der Baupolizei an die Gemeinden sei keineswegs dringend notwendig. Beschw«den üb« die Tätigkeit d« staatlichen Baupolizei oder üb« zu hohe Gebühren sind bisher nicht an die Zentralinstanz ge- langt.
Beim Titel „Ministergehalt" (Besprechung der Kanallrage und der Schleppmonopole) wünscht
Abg. Dr. Röchling (ntl.), daß die Mosel- und Saar- kanalisation gefördert w«de.
Abg. v. Pappenbeim (kons.) warnt vor ub«erltn Errichtung von Kanälen und meint, das Schleppmouo» pol sei in den Händen des Staats beff« aufgehoben, als in denjenigen von Privatgesellschaften.
Abg. Dr. Glattfelb« (Z.) schließt sich dem Wunsch auf baldige Äanahfetion der Mosel und Saar an, und stimmt einem Schleppmonopol des Staates, welches die Weinherrschaft der großen Schiffahrtsgefellschafteu verhindert, zu.
Abg. Hirsch-Effen (ntl.) meint, die Einführung des Schleppmonopols aus den westlichen Kanälen sei volE» wirtschaftlich sehr bedenklich.
Minister v. Brektenbach bemerkt, die Mosel- und Saarkanalffation sei eine heikle und deshalb müffe die i Regierung mit größter Vorsicht an die Behandlung dieser Frage gehen, zumal die Eisenbahn durch die Errichtung des Kanals einen bedeutenden Verlust er- leiden würde.
Abg. Dr. v. Campe (ntl.): Da hi« schon von Kanalisterungen di« Rede gewesen ist, könne« natürlich die Stichkanäle nach Hi Id es heim und Peine nicht fehlen. (Heiterkeit.) Sie sind doch erst dn natürliche Abschluß deS Hannover-Rheinkanals.
Abg. Tourneau (Z.) fragt den Minist«, wie wett die Prüsung der Lahnkanalisierung gediehen sei, befürwortet die Petition des B«eins zur Schiffbarmachung der Werra um eine» Staatsbeitrag zu den Kosten. Hätte man die Werra, meinem Vorschläge gemäß, vor zwei Jahren kanalisiert, so wären die Hochwaffenschäden dort nicht so bedeutend gewesen. Nach dem jetzt vorliegenden Projekt sollen Talsperren in den Gebieten Thüringens, der Rhön und des EichsfeldeS eingerichtet werden. Ich möchte den Minister um Auskunft bitten über das Ergebnis der diesbezüglichen (Ermittelungen und die Absicht d« Re- gi«ung, in welch« Weise sie die Kräfte der Talsperren und der Stauungen für den Fiskus nutzbar machen will.
Minist« v. Breitenbach erwidert, üb« die Ausnutzung der Wafferkräste könne er heute noch keine Mitteilungen machen, da die diesbezüglichen Erhebungen noch nicht zum Abschluß gebracht seien.
Nach weiterer unechevlicher Debatte vertagt sich das HauS.
Mittwoch: Fortsetzung.
glaubt Graf Praschma, daß die geringen Erfolge, die unsere auswärtige Politik gehabt habe, nicht Schuld deS Kaiser-, sondern Schuld des Auswärtigen Amte- feien, das bet Politik des Kaisers hindernd in den Arm gefallen sei. Wörtlich führte der Redner nach dem Bericht der ,K. Bztg.' weilet au5:
„Insbesondere wäre die Verständigung mit Frank reich und mtt England längst erreicht, wenn nicht di« Politik unser« Diplomaten und uns«es verantwortliche» Staatsmannes das verhindert hätten. So sei daS Krügertelegramm, das damals so viel Aussehen «regte, in ganz anderem Zusammenhang «kaffen worden, und hatte den schlechte» Eindruck nur durch dir unzeitgemäße Beröffentlichung des Auswärtigen Amtes gemacht, sodann sei ein Bündnis mit England durch den Kaff« beinahe «reicht worden, das unS «hebliche Botteile auch in Marokko gebracht hätte, wenn nicht das Auswärtige Amt wegen klein« Memungkvettchiedenheiten die Aktion des Kais«s im letzten Moment verdindett hätte. Dabei wird man nicht unbeachtet lasten dürfe», daß die P«son des Kais«s im Ausland« niemals angegriffen wird; man bewundere ihn, hat B«trauen zu ihm. Umsomehr haben diejenige» Veranlassung, die berufen und in d« Lage sind, die öffentliche Meinung zu b«influsten, sich mtt diese» Fragen zu beschäftigen. Ganz besonders im Hinblick aus die Ereignisf« vom vorigen November, die ja in engstem Zusammenhang mit d« auswärtige» Polttik stehen. Bergegenwärtigen wir uns nur ganz kurz, was damals geschah. In einer englischen Zettung «scheint das Gespräch, daS ein Journalist angeblich mit dem Kaiser gehabt haben will und das uns«« Verhältnisse zum Ausland«, insbesander« zu England, behandelt. Keine neue» Taffachen, wenigstens nur solche, die schon öfters behauptet morde» find, die weit zurückliegen und nur das enthalten, was der Kais« Monate vorher mtt einigen hervorragende» Engländer» in engen Kreisen gesprochen hatte. Di« offiziös« Presse, das Wolff'sche Telegraphenbüro, die,Nordd. Wg. Ztg.', nehmen plötzlich in sensationeller Weise Notiz davon, und alles roitb aufmerksam. Was damals ab« zuerst Aufirhen e««gtch das war, daß das Auswärtige Amt die fragliche Notiz gelesen hatte «nd passieren ließ. AlS man sich fragte, w« ist d« Schuldige, da wurde es allmählich bekannt, daß der Reichskanzler selber die Schriftstück« in den Händen gehabt und durch seine Unterschrift di« Publikation genehmigt habe, und ba nahm die gesamt« Presse aller Patteien enffchieden Pattei gegen de» Reichskanzler, und man war der Austastung, daß « nicht läng« im Amte »«bleiben könne, da zum mindesten eine g r o ß e Nachläsfigkert vorliege. Was geschieht nun aber? Das Entlastungsgesuch wird ab« gelehnt. Es wird gesagt, daß die auswärtige Lag« das Bleiben des Kanzlers vorläufig erford«e. DaS Land »«langt nach Auskunft. Ab« es dauert 14 Tage, biS d« Kanzl« sich bereit erklätt, die Frag« im Reichstage zu beantworten, und inzwischen vollzieht sich ein ganz sonderbarer Wechsel. Während die Preste bish« dem Kanzler alle Schuld zugemesten hatte, tritt diese Schuld mehr und mehr in den Hintergrund, und allmählich lenst sich d« Tadel dann imm« deutlich« in Angriffen gegen den Kaiser, und schließlich wird in all« Form, ganz desond«S in den alldeuffche» Blättern, di« mit dem Reichskanzlerpalais, wie behauptet wird, in enger Berührung stehen, em heftiger Sturm gegen den Kaiser gerichtet, ihm alle Schuld beigemeffen, er geradezu als ein nationales Unglück bezeichnet. Dann kommt die Reichstagsdebatte. In un«hötter Weise wird d« Kais« in die Debatte gezogen und der Reichskanzl« sieht und hört das an, er, d« nach der Berfastung die Eingriffe auf den Kais« ausfangen mußte, der allein verantwortlich ist für daS, was d« Kais« tut, insbesondere auch für die Beröffentlichung deS Schriftstückes verantwortlich ist, schweigt. Und das ganze Resultat in der Frage ist, daß ein Geheimrat aus dem Auswättige» Amt eine Entlastung nehmen muß. Ab« wenige Tage nach- h« tritt der Kanzler vor den Kaiser bin und glaubt ihm sagen zu können, daß das ganze Land hinter ihm, dem Kanzler stehe, daß das preußische Staats- minffterium, daß bet Bundesrat sich mtt ihm solidarisch «klärt habe und auf das ganze Reich gestützt, »«langt « Garantie» und läßt sich ein Bertrauensvotum des Kaisers geben. Daß diese Tage nicht zu de» rühm« relchsten uns«« Geschichte gehöre», darüber besteht wohl kein Zweifel. Jeder patttotisch denkende, jed« monarchisch gesinnte Mann hat sie schm«zlich empfunden.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 11. März 1909.
D« Reichstag nahm die dritte Lesung deS Weingesetze»
vor. Dir §§ 1—6 wurden in d« KommisstonSfastung angenommen.
Btt den §§ 6a und 6b (Verschnitt) kam es aber- malS zu einer größeren Debatte. Ein Antrag Erz- berger-Roeren suchte zwischen den KommissionSbeschluffe», dir di« Regierung zum Tttl für unannehmbar erllätte, und der Regierung zu »ermitteln.
Abg. Frhr. v. Hehl (ntl.) sprach sich gegen den Bermrttlunqsweg ans, während die Abgg. Erzberg« (Rtt) und Dr. Röficke (kons.) «klärten, man dürfe das Gesetz nicht an dem Unannehmbar der Regierung scheitern lasten. Abg. Dr. David (soz.) stellte sich ganz auf die Sette der Regierung. Nachdem bann »och die Slbgg. Bogt (wittsch. Bgg.>, Dove (srs. Bgg.), Stauff« (wirtlch. Bgg.) und Wallenborn (Ztr.) zu bem Antrag gesprochen hatten, wurden die Berschnitlparagraphen »ach dem Willen der Regierung und in der durch den Antrag Erzberg«verändettenFastung angenommen.
Die übrigen Paragraphen des Gesetzes wurden ohne Debatte angenommen. Desgleichen das Gesetz über die Beseitigung der Doppelbesteuerung und ohne größere Debatte der Etat des Reichs- militargerichtS. — Beim
Militärttat
fiihtte
Aba. HaeuSl« (Z.) ans. Bei unserer He«esverwal- tung muffen größere Ersparnisse gemacht werden. Leider haben die Mehrhtttsparteien in d« Kommission alle unsere Anträge, die auf wtttere Ersparnisse abzietten, abgelehnt. Der Milttäretat ist üb«au5 unübersichtlich. Es gibt ein Kapitel, das fordert für „Reisekosten, Umzugskosten, Vorspannkosten, Transportkosten' In lakonischer Kürze dreizehn Millionen Mark. W« nun ab« glaubt, damit zu wissen, was beim Militär gereift und transportiert wird und was daS kost«, der befindet sich in emem schweren Irrtum; denn in nicht wenig« als 22 Titeln finden wir Ausgabe» für dieselben Zwecke. (Hört, hört!) Bei dem Stapitel für Baukosten, das bereits 41/« Millionen Mark beträgt und in diesem Jahre um 800000 Mark erhöht ist, dieselben Erscheinungen! Und dieser Erhöhung um 800000 Mark stehen 6 Mark gegenüber, die nun schon seit dem Jahre 1885 Jahr für Jahr als „künftig weg- fallend' registriert, bewilligt und vom Rechnungshof geprüft und für richtig befunden werden. «Hört, hört! und Htttk.) Die Kontrolle über die Verwendung der Gelder ist vielsach eine rein formale, daß zwar jeder Pfennig rechnungsmäßig gebucht und geprüft wird, daß aber keinerlei Garantie dagegen geboten ist, daß nicht ganze Waggonladungen von Materialien einfach verschwinden, oder daß einzelne Fonds zu ganz anderen Zwecken verwendet werden, als sie bestimmt sind, so i. B. der Fonds für Geschützreparaturen, für Unter- Haltung von Schuhzeug und ähnliche Dinge b«art mehr. Die Zentralstelle kümmert sich auch zu »iel um Kleinigkeiten. Die zahllosen Dienstvorschriften werden fo oft verändert, daß in jedem Büro eine Kraft daran arbeiten muß, um auf dem laufenden zu bleiben. Eine Vereinfachung der Dienstgeschäfte und eine Verminderung des Beamtenheeres ist nur zu «- wüt len, wenn mit diesem System der Zentralisation endgültig gebrochen wird. (Beifall.) Bor allem müssen wir die Hebung der Zahlmeisterlaufbahn durch Berschärfung der Vorbedingungen verlangen. Der Mangel an 21 er»ten in d« Armee ist in höchstem Grade bedenklich; es ist begreiflich, weil die Aerzte vielfach als Offizi«e zwttter Ordnung angesehen werden. Dringend reformbedürftig ist das Of sizierpenfions- wesen. Ich habe durchaus nicht die Absicht, die diskretionäre Gewalt, die die Militärv«waltung in der Slnstellung und Pensionierung der Offiziere unbedingt haben muß, einzuschränken. Immerhin halte ich es aber für erforderlich, die Berusssteudigkett der Offiziere dadurch zu «höhen, daß sie in ihrer Existenz nicht auf Gnade und Ungnade ihrem Vorgesetzten ansgeliesett find. Dazu gehört aber vor allen Dingen eine Beseitigung der geheimen Qualifikationsliste». Eie «ziehen schwache Charaktere zur Kriecherei und tzum Strebertum. Die schnelle und zahlreiche Pensto-
blicken, und sein Innerstes von diesem wunderbaren Lächeln erwärmt fühlen sollte.
Was er an Vorbereitungen auf diesen Abend durchmachte, daS wußte nur Jack selbst. Das Endergebnis was, daß er sehr geputzt, poliert und blank gemacht aussah; er toar ein Gleißen; Ge- ficht, Hände, Haare, alles schien und blinkte nur so, daß es eine wahre Freude war; und Jack präsentierte sich am Tore von Kenninghall-House mit der tiefinnerlichen Ueberzeugung, daß er tat. sachlich, so wie er war, für eine Eroberung trefflich gerüstet sei.
Er öffnete die Augen weit vor Verwuirde- rung, als er eintrat und die Pracht dieses Pala- stes sah. Noch nie yatte er etwas AehnlicheS ge- sehe». Nichts beeinflußt gewöhnlich ordinäre Menschen mehr als die Entfaltung von Pracht und Luxus. Jack war, in den meisten Fällen, die Unverschämthert selbst; hier jedoch, als er in der Eintrittshalle umherblickte, bk breit« Marmortreppe mit ihrem reichen Geländer in getriebener Bronze, die zahlreichen geräuschlos dahtn eilenden Diener, kurz, den ganzen Reichtum und Luxus sah, der ihm vollständig fremd und von dem er bis dahin keine Ahnung gehabt, — sank ihm der Mut, und der kalte SGveih trat ihm in dicken Perlen auf die Stirn. Er wußte nicht mehr anS und ein.
Zum Glück für ihn hatte Werner ihn vom Fenster her bsnerkt und kam ihm alsbald entgegen . Jack war nur allzu banJbor für fein Erscheinen.
„Sag, Werner, dies ist ja alles sehr großartig, und es wird sehr nett sein, hinterher dran zu denken — wird sich großartig von spr^ne las- sen — aber er ist nicht schr gemütlich, so lange man drin ist."
„Sie find sehr steundlich. Du wirst Dich bald heimisch bei chnen fühlen, Jack," sagte sein Bruder. „Du brauchst gar nutz nervös zu sein; sie wissen, daß wir nur einfache junge Leute vom Lande sind: sie erwarten von uns nickt da», waS
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 16. März 1909.
DaS HauS begann die zweite Beratung des San» etatS. Zunächst erfolgte eine Besprechung der viel umstrittenen
SchiffahttSabgabe».
Abg. v. Pappenheim (t.): Die Tendenz deS Gesetzentwurfs geht dahin, daß die Erhebung der Schiffahtts- abgaben, die bish« von den einzelnen Staaten durchgeführt wurde, nunmehr im einheitlichen Stile im ganzen Reich durchgeführt werden soll und zwar fo, daß diese Abgaben lediglich im Jnlereffe der Fahrbarkeit der Flüsse erhoben und verwendet werden sollen. Die vorliegenden Fragen muffen ohne einseitige Berücksichtigung von Lokalintereffen gelöst werden; das muß inSbefonoere auch von Hessen und Baden verlangt werden. Es ist unbegreiflich, wie Hessen-Darmstadt di« koloffalen Vorteile ignorieren kann, die es von Preußen hat. Ist- es da nicht vielleicht nötig, unsere Beziehungen zu diesem Lande zu re»ibi«en, nenn wir tendenziösen Bestrebungen gegenüberfteben ?
Abg. Tourneau (Z.): Auf die Vorlage selbst will ich nicht eingehen, weil der Reichstag sich damit zu beschäftigen hat. Nur durch die unermüdliche Arbeit des Zentrums und besonders des Abg. Dr. am Zehn- hoff ist es nach länger« Zett möglich gewesen, eine Einigung in der Wasserstraßenfrage zu erzielen. Hoffentlich roitb die Arbeit des Zentrums hierbei nicht so behandelt rote bet d« Reichsfinanzreform. (Beifall im Zentrum.)
Abg. Dr. Hirsch-Essen (natiib.) erklärt sich mit den Schiffahrtsabgaben einverstanden.
Abg. Kindl« (stets. 33p.): Nach wie vor stehen wir auf dem Standpunkt, daß die natürlichen Wasserstraßen frei von Schiffahttsabqaben bleiben müffe».
Minister v. Breitenbach: Die Regierung hat bei der Ausarbeitung dieses Entwurfes dieselben Grundsätze zur Anwendung gebracht, die sie tu diesen Fragen imm« befolgt hat. Daher sehe ich de» Verhandlungen üb« den Entwurf mit Zuversicht entgegen.
Abg Dr. Dahlem (Zentr.): Die Schiffahrts - Ab- gaben soll«» wieder tat Interesse der Schiffahrt v«. wendet werden. Auch sollen die intereffinten Kreise em Mitbestimmungsrecht über diese Schiffahrts-Abgaben habe». Ma» kann es wirklich nicht verstehen, daß imm« noch gewisse Kreise im Reiche gegen Schiffahrts - Abgaben sind. D« ablehnende Standpunkt Hessens ist nicht zu verstehe». Die Schiff« auf der Lahn muß man aber von de» Abgabe» frei lassen. Da handelt