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Ä’Äu W»ch-Mu«re- „illustrierte Sountagrzeitung"
36. Jahrqanq
Fulda, Dienstag den 16. März 1909
JW 61.
Zweites 7&tatt
Reklame«, und Anzeigenteil
UEBERALL
dortigen Oberzolldirektion hat im Dienstgebüude eine Dienstwohnung von zwanzig Zimmern inne. Obwohl der gegenwärtige Präsident sehr vermögend ist, hat er doch nur zehn von diesm Zimmern möbliert. Die anderen zehn sind seit langen Jahren verschlossen. Als nun vor einigen Zähren die in demselben Hause unter- gebrachten Bureauräume nicht mehr auSreichten, zog man nun keineswegs diese leerstehenden Räume hinzu, sondern mietete in einer der be- nachbarten Straße neue Räume. — Und das ist nun eine Behörde, die direkt von Herrn v. Rheinbaben resiortiert.
volkswirtschaftliches und Sozialer.
— Die Organisation der Arbeitgeber. Die gesamte Arbeiterschaft in Industrie, Handwerk Lnb Handel soll bekannlich in einem einzigen Arbeitgeberverbande organisiert werden. Nach, dem schon zwischen dem Verein deutscher Arbeit, geberverbände in Berlin und der Hauptstelle deutscher Arbeitgeberverbände in Berlin Ende 1904 ein Kartellvertrag geschloßen worden war, dürste jetzt ein neuer Kartellvertrag aller Arbeit- geberverbände zustande kommen, wonach die Vertragschließenden es als ihre oberste gemein« tarne Ausgabe betrachten, den Zusammenschluß der Arbestgeber zu Arbeitgeberverbänden zu fördern. Die Vertragsschließenden verpflichten sich auch, sich bei Streiks und Sperren moralisch zu unterstützen und gemeinsam die Arbeitsnachweise der Arbeitgeber, den Schutz der Arbeitswilligen und der Durchführung der Streikklausel zu fördern. Auch sind beiderseitige Streiksversicherungseinrichtungen beabsichtigt.
* Der Tabak wird teurer, auch ohne neue Besteuerung. Feststellungen, die in Washington gemacht worden sind, lassen die Besorgnis berechtigt erscheinen, daß in verhältnismäßig kurzer Zeit der Welthandel mit Tabak und Tabakfabrikaten in sehr wenigen Händen vereinigt werden wird. Zehn Grotzkaufleute kontrollieren bereits jetzt den aesamten Labakhandel der Bereinigten Staaten. Tiefe Vereinigung ist aber auch an einer großen Anzahl der bedeutendsten industriellen und Handelsunternehmungen der Branche östlich des atlantischen Ozeans direkt oder indirekt beteiligt. Sein Einfluß macht sich in England, Dentsch- land, ja bis in die Türkei und Egypten hinein fühlbar. Nur noch ein Jahr, und er wird ein Weltmonopol besitzen und Zigarren und Zigaretten durch seine Preisfestsetzungen mehr verteuern, als dies eine noch so bedeutende Anspannung der staatlühen Steuerschraube vermöchte.
* Zum Kölner Aerztestreik erläßt der Re- gierungspräfident eine Erklärung, in der er sich gegen den Borwurf verwahrt, einseitig zugunsten der streitenden Krankenkassen eingegriffen zu haben. Sobald Kaffenmitglieder an auswärtige Kaffen überwiesen worden seien, läge diesen die Pflicht der Versorgung ob. Die Aufsichtsbehörde müffe darüber wachen, daß die Kaffen dieser Pflicht nachkämen. Demgegenüber behauptet der Leipziger Verband, daß nach früheren Erfahrungen in Leipzig Aerzte nicht gegen ihren Willen gezwungen werden können, die überwiesenen Kaffenmttglieder zu behandeln. Eine Berliner Aerzteversammlung hat für die Kölner Aerzte Stellung genommen.
♦ 650 neue Lokomotiven sollen von den Werken, die zurzeit für die preußisch-hessische Staatseifenbahnverwattung beschäftigt sind, bis zum 31. März 1910 geliefert werden. — Das gibt wieder für einige Zeit Beschäftigung!
Erscheint täglich mit Anrnahme »er Som= und Feiertage. Wertei« jährliche«! vezngrpreir ohne vringerlohn und vrfteLgeld in Fulda sowie auswärts 1.50 Alt.
Oerantw- Hebattenri
Aus dem Nachbargebiete.
♦ Frankfurt a. M., 15. März. 1909. In dem Wettbewerb um die Anfertigung eines Plakats für das Kaiserpreissingen hat das Preis- gericht den ersten Preis Herrn Walter Rutt- mann, den zweiten und dritten Preis Herrn Joseph Corregio für zwei von ihm eingereichte Arbeiten zuerteilt. Der dritte Entwurf, der nach der Bestimmung des Kaisers zur Ausführung kommen wird, zeigt einen jugendlichen Ritter,
vermischtes.
— Bei der bevorstehenden Frühjahrsbestel. lung tritt die Frage an den Landwirt heran, wie« weit es möglich ist, schon bei der Aussaat die Erkrankungen fernzuhalten, die erst im Laufe der Vegetation hervortreten und die die Ernte erheblich herabdrücken können. Bei den Getreidearten ist es der Brand, der immer noch eine viel größere Verbreitung besitzt, als es bei richtiger Anwendung der Gegenmittel nötig wäre. Besonders gilt dies vom Steinbrand des Weizens, dem Haferbrand und dem Hartbrand der Gerste. Gerade gegen diese Krankheiten vorzugehen ist aber jetzt die geeignete Zett, da die Bekämpfungsmöglichkeit auf einer Behandlung des Saatgutes mit Mitteln beruht, die es von den ihnen anhaftenden Keimen der Brandpilze befreien oder diese abtöten. So bekannt diese Mittel auch schon sind, so nötig ist es doch, immer wieder daraus hinzuweisen, daß nur ihre sachgemäße Anwendung einen vollen Erfolg verspricht. Die Kaiserliche Biologische A n st a l t in Dahlem bei Steglitz hat die genauen Vorschriften zur Bekämpfung des BnandcR in einigen Flugblättern zusammengestellt, von denen Nr. 26 den Steinbrand des Weizens, Nr. 38 den Haferbrand behandelt. Ausführlichere Mitteilungen über die Brandkrankheiten und ihre Bekämpfung findet man in Heft 3 der „Mitteilungen" derselben Anstalt. Dieses Heft, sowie die beiden Flugblätter sind von der Verlagsbuch. Handlung P. Parey, Berlin SW., Heaemanns- straße 10, für den Preis von 45 bezw. je 5 F (unter Beifügung von 3 F für Portos zu beziehen; das Flugblatt No. 38 wird in einzelnen Eremplaren von der Biologischen Anstalt zu Dahlem bei Steglitz auch unentgeltlich abgegeben.
* Offizier und Versicherungsagent. Die dänischen Offiziere haben von jeher unter sehr ungünstigen Gehaltsverhältnisfen zu leiden, uni) eS ist gebräuchlich geworden, daß sie ihre finanziellen Verhältnisse durch private Geschäfte aufzubessern suchen. So haben viele dänische Offiziere eine lukrative Tätigkeit als Versicherungsagenten angefangen. Unter diesen Herren befand sich auch ein Aalborger Leutnant, dessen geschäftliche Tätigkeit indessen dem Regimentskommandeur gemeldet wurde. Dieser hielt die Beschäftigung als Versicherungsagent mit dem Ansehen des aktiven Offizierskorps nicht für vereinbar, und der Herr Leutnant erhielt Befehl, sich beim Kommandeur zu melden. Das Ergebnis dieser Unterredung war recht originell, denn der Leutnant brachte den Kommandeur so weit, daß er — sein Leben mit 20 000 Kronen bei der vom Leutnant vertretenen Gesellschaft versichern liefe.
* Dir besten Plätze! Ungewöhnliche Zuschauer verlangten in einem Berliner Zirkus die besten Logenplätze, die zu kaufen waren. Es waren vier Bürschlein von zehn bis zu dreizehn Jahren, die ziemlich abgeschabt aussahen und gar nicht zu den blanken Goldstücken zu gehören schienen, die sie auf das Kassenbrett legten. Als der Quelle ihres Reichtums nachgeforscht wurde, stellte sich heraus, daß sie am Nachmittag die Kasse des Bernhard Rose-Theaters erbrochen batten. Die jungen Spitzbuben wurden verhaftet.
* Von einem merkwürdigen Offizier melden die „Leipz. Neue st. Nachr.": Der seit einigen Jahren geisteskranke, aber noch zur Armee zählende Herzog Siegfried in Bayern wurde ä. la suite des 1. Schweren Reiterregiments gestellt und zum Major befördert.
der mit der Harfe im Arm, zum Sängerkrieg reitet ein Blatt von sehr guter Plakatwirkung/ Im 'ganzen waren 104 Entwürfe einge.eichi, unter denen sich eine recht erhebliche Anzahl guter Arbeiten besindet.
* Kassel, 15. März 1909. Eme längere Wahlrechts-Debatte entspann sich in der letzten Sitzung der Stadtverordneten. Von sozialdemokratischen Mitgliedern war folgender Antrag eingebracht: Die Stadtverordneten-Ver- iammlung richtet an den Magistrat das Ersuchen, eine Petition an das preußische Abgeordneten- haus zu richten, in der eine Aenderung der Städte- ordnung verlangt wird, der zufolge das Haus- bescher-Vorrecht und die Dreiklaffen - Einteilung der Wähler beseitigt wird." Schließlich wurde die Resolution mit allen gegen die Stimmen der 5 anwesenden Antragsteller abgelebnt. — Ge- legentlich der Etats-Verhandlungen stimmten bte Stadtverordneten einer Vorlage des Magistrates zu, wonach in der Stadt Kassel vom 1. April d. I. ab die BerufS-Vormundschaft einge- richtet wird. Demgemäß werden alle von der Armenverwaltung unterhaltenen Kinder der Vormundschaft eines besonders dazu bestimmten Beamten unterstellt, welcher persönlich für das Wohl seiner Schützlinge verantwortlich ist.
' Eschwege, 13. März 1909. Der städtische Haushaltsplan sieht für 1909 eine Erhöhung der direkten Gemeindesteuern um zehn Prozent vor. Demgemäß werden zur Erhebung kommen: 190 Proz. der Staatseinkommensteuer und 290 Proz. der sämtlichen Realsteuern.
* Nngedanken, 14. März 1909. Das zum Bezüge landwirtschaftlicher Bedarfsartikel von der Zentralgenoffenschast errichtete Lagerhaus in der Nähe des Bahnhofes Bergheim-Giflitz wird Ende März seiner Bestimmung übergeben werden können.
* Gilsa, 15. März 1909. Eine fleißige sparsame Witwe in S. bei Treysa hatte als Rotgroschen in langen Jahren 28 Taler zu- sammengespart. Im November erfuhr sie erst, daß diese Münzsorte außer Kurs gesetzt worden ist. Der Forslkaffenrendant in Jesberg hat die Münzen an sich genommen, um sie einzeln oder in der Gesamtheit sür die arme Frau zu verkaufen, für die der Verlust ihrer Sparpfennige ein zu harter Schlug wäre.
* Gemünden a. Wohra, 15. März 1909. Gegenwärtig beanspruchen zlvei Fragen das Interesse der hiesigen Einwohnerschaft und bilden den Stoff der Unterhaltung. Die erste ist die Frage der Zusammenlegung. Dem Vernehmen nach soll endlich, trotz zahlreicher Gegnerschaft, eine hinreichende Anzahl Grundstücksbesitzer sich dafür erklärt haben, und die Arbeiton sollen möglichst rasch in Angriff genommen werden. Tie zweite Frage, die noch weit eifriger erörtert wird, ist die der W a 1 d a b l ö s u n g. Die Vür- gersckmft befindet sich in lebhafter Erregung, weil ein langjähriges Recht der Nutzung des umfangreichen Stadtwaldes abgelöst werden soll. Bis jetzt erhielt jeder Bürger 6 Meter Scheit- bezw. Prügelholz und 15-^29 Meter Reisig, jeder Auszüger 4 Meter Scheitholz. Da die städtischen Umlagen zuweilen schon 200 Prozent erreicht bezw. überschriten hatten, sollen die Bürger abgesunden werden und alle Einnahmen des Waldes in den Stadtsäckel' fließen. Das Ab- lösungskapital soll von der Stadt als Änlehen mit Amortisation ausgenommen werden. Dieses Vorleben stößt auf lebhafte Opposition.
* Mainz, 15.März 1909. Eine Spionageangelegenheit beschäftigt eben die hiesigen Gerichte. Der vorbestrafte Zivilarbeiter Wehrum war bei dem Artilleriedepot beschäftigt und brachte es fertig, sich ein neuartiges optisches Instrument, angeblich im Werte von 1000 Mk., anzueignen. Er ging damit nach Frankreich, wo er das Instrument an einen Miliitäragenten verkaufte und dafür nach seiner Angabe 1000 Mk. erhielt. Bei der Rückkehr über die Grenze wurde er ver- hastet und ist jetzt hier in Untersuchung. Da man Mithelfer vermutet, wurde ein Oberfeuerwerker verhaftet, doch soll ihn Belastendes bis jetzt nicht bewiesen worden sein.
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Zauber von Frische und Reinheit; der das Heim ^eniüHich und anziehend ge« stalteL SunlichtSeife verwende man ohne ZuiatenTAus reinsten und besten Roh- rnflterialienhergestellt.reinigt sie durch eigene Kraft Man verwendenurSunlichbeik
Deutsches Reich.
X Der künftige Kultusminister hält die Liberalen andauernd in großer Aufregung, obwohl man noch nicht tveife, wann Kultusminister Hoste, der wegen Krankheit auf Urlaub ging, zuruck- tritt. Die Liberalen wollen keinen Konservatt- ven haben und erheben Anspruch auf einen Liberalen. Darum schreien sie gegen die Kandidaten, die ihnen nicht paffen, aus vollen Kräften. Am häufigsten ist als Holles Nachfolger der jetzige Ministerialdirektor Schwartzkopff genannt worden. Der ist als Konservativer und „Reaktionär" den Liberalen ganz besonders verhafet. Neuerdings wurde als Nachfolger auch der Oberpräsident v. Jagow, sowie der Oberpräsident v. Wentzel-Hannover genannt. Letzterer wurde bei früheren Krisen bereits als Ministerauwärter bezeichnet.
----- Eine abermalige Vertagung der Reichs- finanzresorm? In Reichstagskrersen zirkuliert das Gerücht, man beabsichtige,die Reichsfinanzreform abermals zu vertagen, und zwar bis -um Herb st e. Der Bundesrat widersetzt sich dieser neuesten Ausflucht des Reichskanzlers, der nur an seinem Amte klebt. Man versucht in manchen Kreisen, einen Wechsel im Reichs- fchatzamte zu erzielen, um einen Scheingrund für eine abermalige Verschiebung der Reichs- fananzreform bis zum Herbst 199 zu erhalten. Der Bankerott des Blocks ist frettich jetzt schon für alle Welt erkennbar; die Vertagung der ganzen Reichsfinanzreform aber würde das Ansehen des Parlaments schwer schädigen. Und wo bleibt dann die Aufbefferung der Reichsbe- amteü?
Z In konservativen Kreisen herrscht vielfach ine Besorgnis, das, die totgesagte Nachlaß st euer eines schönen Tages sich gesund und munter an der Reichstagstür wieder einfinden und um den Einlaß ringen werde. Wir begreifen diese Besorgnis; hinter ihr steckt ein nicht ganz reines Gewissen. Dio koirseovative Fraktion mitsamt den Vertretern des Bundes der Landwirte hat auf den Wink des Reichskanzlers dem Block- kompromiß zugestimmt, und dieses Einschwenken hat zwei bedenkliche Folgen nach sich gezogen: Erstens ist die Frage der Heranziehung des Besitzes auf einen toten Strang geraten, da sich sowohl bei den verbündeten Regierungen als auch bei den beteiligten Parteien von Tag zu Tag deutlicher und zwingender die Erkenntnis durchsetzt, daß das sogenannte Kompromiß unhaltbar ist. Zweitens ist durch die Unterwerfung der Rechten unter die Blockparole die ausschlaggebende Stellung der Blocklinken, d. h. den Freunden der N a ch l a ß st e u e r, zugeschoben lvordetl. Die Logik der Tatsachen ist klar zu erkennen. Wenn man unter dem Blockzwang den guten Grundgedanken des Antrages Herold-Müller (Fulda) so weit verzerrt und ent- stellt, daß der Wechselbalg nirgends mehr Wohlgefallen findet, dann muß natürlich die Neigung zum Rückgriff auf die ursprüngliche Regierungsvorlage steigen. Und wenn man diejenige Partei, die bei der Abwehr der Nachlaßsteuer mitwirkt, wiederum „ausschalten" hilft, so ist das geradezu ene Einladung an den Blockfreisinn und dessen hohe Gönner, auf die Nachlaßsteuer zurückzugrei- fen. Es sieht ganz so aus, als ob auch die Kon- jertoatiben sich schließlich für die Nachlaßsteuer Dreitschlagen ließen.
— 4597,5 Millionen Reichsschnlden. Der Bericht der Reichsschuldenkommisfion über die Verwaltung des Schuldenwefens deS Deutschen Reiche- ist erschienen. Danach betrug am Schluffe des Rechnungsjahres 1907 die verzinsliche Reichsschuld ingesamt 4003,5 Millionen Mark. Die unverzinsliche Schuld betrug 594 Millionen und bestand aus 474 Millionen Schatzanweisungen und 120 Millionen Reichs kaffen scheinen. Im ganzen also betrug die Reichsschuld Ende März 1908 4597,5 Millionen. — Der Bestand des Reichsinvalidenfonds betrug am Schluffe des Monats Januar 1909 rund 130 Millionen, das sind 48 Millionen weniger als im gleichen Monat des Vorjahres.
(*) Zum Kapitel „Sparsamkeit und Dienstwohnungen" wird dem,B. T/ aus Stettin folgender Beitrag überliefert. Der Präsident der
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