LrsH«ll rSglich mH Auruahme btt $oju> hbö Ltttrta-e. Viertrl- Ptzrlichetvtptgrprtl, ohne Sringerlalm und vesteLgtl» in Fulda fs- wleamwirt« 1.50 Bit
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Sotatiouidruckond Verlag der Fuldaer Ak- tieadruckerei i« Fulda Ferusprecher Hr. y.
M 59.
Fulda, Samstag den 13. Marz 1909.
36. Jahrgang.
Erstes Matt
entgegen; Re teilt von «irrer dem Fürsten Bülow nahestehenden Seite erfahren haben, es fei daran fein wahre« Wort. Der Reichskanzler fei weder amtsmüde, noch feien feine Beziehungen zum Kaiser „eiftg.forreft“. Der Kaiser und Kanzler verkehrten in der gleichen Weise imteinander. wir es dem engen Verhältnis zwischen beiden ent- spreche. Daß Fürst Bülow sich nicht mit Rück« trittsgedanken trage, habe er beim Festmahl des Deutschen Lankwirttchaftsrats zu erkennen gegeben. Seit dieser Zeit seien ht seiner Gesinnung keine Aenderungen eingetreten. Im Anschluß hieran richtet die ..Nationalztg." an die deutsche Presse die Mahnung, von Krisenmeldungen ab- zusehen.
Die deutsche Presie hat es nicht nötig, sich von der „Noüonalzertung"' belchqen zu lasten und das umso weniger, als dem Dementi des nationalliberalen Blattes jede Grundlage fehlt. Daß Fürst Bülow sich s e l b st mit Rücktrittsge- danken trage, wollen wir nicht behaupten. Wenn eine Krisis rwrhanden ist und sie ist trvtz der dem Fürsten Bülow „nahestehenden «eite" vorhanden — so geht die Initiative zu ihr nicht von dem Reichskanzler aus, sondern die Seite, die verdrossen ist, ist die höhere Stelle. Dem Außenstehenden mag es so scheinen, als wenn die Beziehungen zwischen Kaiser und Kanzler noch die gleichen wie früher seien, aber eingeweihte Leute wollen wissen, daß der Kaiser saine Verstimmung gegen den Reichskanzler mit der Absicht in der Oeffentlichkeit nicht hervortreten laste, weil er den Moment für einen W ech- fel auf dem Reichskanzlerposten noch nicht für gekommen erachte. Unklug ist es von der „Nationalztg.", daß sie.auf die Rede des Reühskanzlers aus Anlaß der landwirtschaftlichen, Woche hinweist, denn es haben sich, nachdem die Rede des Reichskanzlers kaum bekannt geworden war, Dinge abgespielt, die darauf hindeuten, daß zwischen Kaiser und Kanzler ein unheilbarer Riß besteht.
Wenn die Kanzlerkrisis in Verbindung gebracht wird mit der R e i ch s f i n a n z r e - form, so müssen wir allerdings sagen, daß die Reichsfinanzreform nicht in erster Linie das Verhältnis des Kaisers zum Reichskanzler erschüttert hat. Vielmehr waren es die No dem- b e r t a g e, die diese Erschütterung herbeigeführt haben. Die Unstimmigkeiten, die sich seinerzeit bei der Veröffentlichung der „Nordd. Mg. Ztg." bemerkbar gemacht haben, sind in der Oeffent- lichkeit noch nicht geklärt, aber in engetn Kreisen werden Dinge erzählt, die jene Unstimmigkeit vollauf erklären und auch die persönliche Verstim- mung gegen den Reichskanzler begreiflich erscheinen lassen. Es wird sich vielleicht bald Ge- legenheit bieten, darüber mehr zu sagen.
Wenn in den Blättern verlautete, daß der Rücktritt des Reichskanzlers schon nahe bevor- stehe, so teilen wir diese Auffastung nicht. Nicht etwa wegen der. internationalen Lage, denn ob hier Fürst Bülow an der Spitze des Reiches steht oder nicht, ist ziemlich gleichgültig, weil durch unser Bundesverhältnis zu Oesterreich- Ungarn uns nnfere Politik in Hinsicht auf den Balkan vorgezerchnet ist. Auch die Reichsfinanzreform bildet nid# das Moment, das einen baldigen Rücktritt des Reichskanzlers bedingte. Vielnrehr liegen die Gründe, die uns zu der An- nähme veranlassen, daß die Krisis noch nicht so bald akut werde, auf einepn anderen Gebiete. Im politischen Leben find die Realitäten oft stärker als persönliche Wünsche.
Im weitere« redete er der Besteuerung der alkoholfreien Getränke daS Wort. Auch ein anderer Zentrumsredner (Abg. ML Her-Fulda) hielt die von der Regierung vorgeschlagenen Staffelungen für besser als all« anderen Vor- schlüge. Gr empfahl Erleichterung für die Zeü det UebergangeS entsprechend einem von ihm gestellten Anträge, wonach u. a. für die vor dem 1. Oktober 1908 betriebsfertig hergerichteten Brauereien die Steuersätze für drei Biertel der Gesamtmenge des in ihnen hn Durchschnitt der Rechnungsjahre 1906 bis 1908 jährlich verwendeten Malzes um 5 Mark vom Doppelzentner ermäßigt und diese Vergünstigung mrt dem Ab- laufe des Rechnungsjahres 1914 erlöschen soll. Staatssekretär Sydow meinte, daß bte allmähliche Erhöhung der Steuer ein zweifelhnfreS Mittel fei, von dem er nicht wisse, ob es den Brauereien angenehm fei, da sie aus der Bamruhigung nicht herauSkommeu würden. Ein sozialdemo- kratischer Redner warnte vor den wirtschaftlichen Folgen einer Kontingentierung, die Kartellierung »erbt nicht auSdleiben. Von feiten der Reichs- partei wurde gegenüber den Ausführungen deS ZentrumS dargelegt, daß der Antrag Gamp auch die kleinen Brauer schütze. Demgegenüber wurde vom Zentrum vorgerechnet, daß nach dem Antrag Gamp nur die großen Brauereien begünstigt seien. Nach diesem Antrag sollen die Brauereien mit einem Malzverbrauch von 1500 Doppelzentner schon mrt dem höchsten Steuersatz belastet werden, während nach der Regierungsvorlage erst em Malzverbrauch von 5000 Doppelzentner zur höchsten Steuerstnse kommt. Daher sei die Regierungsvorlage günstiger. Für den Fall der Ablehnung deS erwähnten Antrages der Zentrums brachte Abg. Müller-Fulda einen Antrag ein, wonach erhoben werden sollen von den ersten 250 Doppelzentnern 10 Mk., von den folgenden 750 Doppelzentnern 12 Mk., bei den folgenden 500, 1500, 2000 Doppelzentnern um je 2 Mk. steigend. Staatssekretär Sydow führte aus, daß dieser Antrag nach oberflächlicher Berechnung einen Ausfall von 7 Millionen Mark bedeute, während vom Zentrum dieser Ausfall auf 4V» Millionen geschätzt wurde. Der Antrag Gamp wurde angenommen mit 13 gegen 12 Stimmen, dagegen der Zentrums- antrag mit9 Stimmen abgelehnt. Ferner wurde angenommen ein Antrag Richthosen, wonach für die Brauereien bis 150 Doppelzentner der Satz auf 8 Mk. ermäßigt wird. Von fetten des Abg. Dr. Paasche wurde beantragt, daß eine Aende- rung des Gesetzes bett, bte Bezeichnung des Raumgehalts der Schankgefäße dahin herbei- gejührt werde, daß auch solche Schankgefäße im Verkehr zugelasfen würden, bei denen vom halben Liter abwärts der -Sollinhalt durch Stufen von Zwanzigteilen des Liters bestimmt wird. Hierüber wurde noch nicht abgestimmt. Die Weiterberatung betraf unweientliche Bestimmungen.
s. Beim Militiiretat wird von der Budget- komm ist wn des Reichstages in diesem Jahre ganz bedeutend gestrichen. So wurden auch am Freitag von den 17 neu geforderten Stellungen für Festungsbauoffiziere 10 Hauptmannsstelleu gestrichen, obgleich die Militärverwaltung Avaneementsgründe ins Feld führte. Beim Titel »Beschaffung von Munition" wurden von der Mehrforderung von rund 859000 M. 600 000 M. abgesetzt.
(*) Ter Kommission zur Vorbereitung der Stkmpelsteucrnopeüe gehören vom Zentrum an die Abgg. Dr. König als Vorsitzender, v. Eynatten, Frhr. v. Reitzenstein, Fleufter, Drinnenberg und Rhiel.
* Die Strafrechts < Reform. Die Vorarbeiten für die Strafrechts-Reform sind nunmehr abgeschlossen. Wie offiziös gemeldet wird, wurde in der letzten Sitzung de-^Bun deSrates dem Entwurf eines Gesttzes betreffend Aenderung des Strafgesetzbuches die Zustimmung erteilt. Hoffentlich dauert eS jetzt nicht mehr allzu lange, bis dieser so überaus deseutungsvolle Gesetzentwurf dem Urteil der Oeffentlichkeit unterbreitet wird.
(•) Eine Verschärfung der Strafbestimmungen für Tierquälereien wird, wie Berliner Blätter melden, die Novelle zum Strafgesetzbuch enthalten. die in den nächsten Tagen dem Reichstag zugeht. Die Verschärfung besteht darin, daß eine nein Strafbestimmung ein geführt werden soll, der zufolge da» boshafte Quälen oder rohe Mißhandeln von Tieren als Vergehe« einer Freiheits- oder Geldstrafe je nach Sogt dez Falles unterworfen werden kann. Bisher konnten Tier- guölereien nur als liebertrehtng verfolgt werden. Da» Tierexperiment zu ForschungS- und Unterttichtszwecken wind von der Novelle nicht berührt.
* Spreugverjuche. Liberale Blätter haben schon seit längerer Zeit auS einer Aeußerung des Abg. Dr. Heim schließen wollen, daß ein Teü der Zentrumsfraktion des Reichstages, insbesondere ihre bat)erifeben Mitglieder, für di« Nachlaßsteuer zu stimmen Bereit wäre. Nun hat der Abg. Dr. Heim auf der Generalversammlung bei christlichen Bauernvereins für Oberbayer« am Montag eme Red« gehalten, in der er auf di« zahlreichen Steuerhinterziehungen durch Niederlegung großer Vermögen in ausländischen Banken hin- wi«S und bann wörtlich bemerkte:
»Dagegen gäbe et nur ein Mittel — ohne daß tch Mt dieser Krag« EteLung nehmen möchte — und dieses Mittel roare eine Nachlaßsteuer, wie fte England hat, bei de, die Durchführung strenge idenvacht wird and we dem, «Neben sofort die Sieget an den Raffen» schrank gelegt werden.'
Deutsches Reich.
" Berlin, 12. März 1909. In den letzten Tagen fallen in Kiel sehr beldjletmigte Aus- rüstungsarüeiten der Nacht Hohenzollern borgt- nommen worden sein. Es geht infolgedessen das Gerücht um, daß das Kaiserpaar demnächst seine Mittelmeerreise antrete. Angeblich soll fte bereits am 18. d. M. stattfinden (??) — Der Postscheckverkehr hat sich im Monat Februar weiter gehoben. Es bestehen fetzt neun Postfcheckämter, bei denen Anfang Mär» 20 380 Konto-Inhaber gezählt wurden; es sind das 4170 mehr als im Vormonat. Auf Frankfurt a. M. entfallen davon 1970. O , tI
Fürst DA»« war am Donnerstag zwei Stun- den beim Kaiser zum Dorttag und ein Berliner Blatt weiß zu berichten, daß dabei volle lleberein- stimmuug zwischen dem Monarchen und dem Kanr- lerüber die Reichsfinanzreform triteUtootben (et. Das Blatt folgert daraus, daß demnach die Gerüchte von einer Krisis unbegründet seien Wtt haben schon an anderer Stell« auSgefühtt daß die Krisis ihren Ursprung in der Reichsfinanzreform nicht hat.
n. Bei dem Staatssekretär v. Bethmann» Hollweg fand am Frettag abend ein großes parlamentarischer Essen statt, zu dem zahlreiche Mitglieder der Blockparteien Einladungen erhallen hatten.
(*) Der «tenerkompromitz ist jetzt auch von der Lippe-Detmoldschm Regierung als unannehmbar bezeichnet worden.
a. Die Fiaanzkommisston beS Reichstage« setzte am Freitag ihre Beratungen über die Brausteuer fort. Ein ZentrumSredner gab der Staffelung der Vorlage den Vorzug vor den Sätzen bet Antrages Gamp. Dies« sei«, kleineren und mittleren Betrieben ungünstige» als die Sätze der Erläge. Ej« Nationalliberaler sprach Bedenken gegen di« neue Belastung aus. Sollte die Belastung abgewälzt werden, so müßten die Brauer zusammenstehen. DaS würde aber erschwert durch Verschiebung bei Mindestsatzes auf 8 Mk. für dm kleinsten Brauer, und andererseits von 20 auf 24 Mk. für bte größten Brauereien.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 12. März 1909.
Das Abgeordnetenhaus nahm nach Annahme deS Gesetzentwurfes bett, die Bildung einer Sanbannen» Verbandes für die Insel Helgoland die Etats» brratung wieder auf. Die Etats bte Gestüts« und der Domänenverwaltong wurden ohne gröbere Debatte in zweiter Leiung erleotgt. Bei letzterem Etat besprach
Abg. Dr. Heisig (Ztr.) die Austeilung ein» pelner Domänen und fragt nach dem Ertrag deS «lutes Deutsch-Zernitz tot Kreise Tost-Gleiwiß, das vom tziskus offenbar zu teuer erworben worden sei.
Ministerialdirektor Thiel: Der Oberprästdent hat dal Gut zum Ankauf dringend empfohlen, weil er ho- fte, e5 gut parzellieren zu können. Diese Hoffnung hai? sich aber leider als irrig erwiesen.
ES folgt die zweite Lesung des
Forstet RS.
Ibg. Biichtemann (frf. Bp.) bemängelt bte Beran- schla mig der Jahreseinnahme aus Holzverkätisen auf 106 1 Unionen als viel zu niedrig. Der Redner fordert die C ründung eines Forsteinrichtungsinstituts nach sächsis >em Muster.
Oberlandesforstmeister Wesener tritt den Ausführungen des Abg. Büchtemann entgegen.
Abg. Maeco (ntL) rügt Mißstände bei Holzver- Kufen. Den Käufern werde oft minderwertiges, verfaultes Holz verkauft.
Abg. Wendlandt Cntl.) klagt über die Praxis bei Holzverkäufen in der Gegend von Schmattalden.
Oberlandesforstmeister Wesener: Einzelne Fälle, in benen die Forstverwailunz den Holzkänfern gegenüber sich nicht entgegenkommend gezeigt hat, sind mir nicht Wtanut. Im allgemeinen stehl es aber die Forstver- Italtung als ihre Pstlcht an, den Holzkäufern gegenüber f» kulant zu verfahren wie irgend möglich ist. Es ist -kache der Käufer, sich das Holz vorher anzusehen.
Adg. Busch (Ztr.) führt Klage, daß die Holzverkäufe nur in einem Fachblatte bekannt gemacht würden, nicht aber in der Lokalpresse. Dadurch würden stch wehr Reflektanten finden und die Einnahme des Fiskus würde sich dadurch vergrößern.
Abg. Dr. v. Heynebrand (konf.) wünscht eine Revision des AussornmigsgefetzeS vom Jahre 1875, worin die Bestimmung zu treffen sei, daß gegebenenfalls der Besitzer eines Grundstücks zur Aufforstung gezwungen werden könnte.
Landwirsschafisminifler v. Arnim bezweifelt, daß eine zu starke Entwaldung bestehe; doch werde er die Anregung des Vorredners prüfe».
Abg. Rosenow <srs. Vp) tritt für möglichste Erhaltung der horsten ein und schließt sich im übrigen bin Ausführungen des Abg. Busch an.
Oberlandesforstmeister Wesener erwidert, daß die Bekanntmachungen über Holzver täufe in der Fachzeit- fchrist,Der Holzmarkt' veröffentlicht würden, die die Anzeigen gratis aufnehme. Hierdurch spare die Staatskasse löhrlich etwa 60000 Mark an Jnfertionskosten. ES sei dies für die großen Holzhändler ebenfalls von Vorteil, daß sie nur den Lolzmarlt' zu lesen brauchten.
Abg. Busch (Ztr.): Dadurch, daß die Holzverläufe nur im ^wlzmartl' angezeigt würden und nur die großen Holzhändler von diesen Käufen Kenntnis et» kielten, werde bte Ringbildung begünstigt.
Abg. Dr. Müller-Berlin (frf. Vp.): Die Forstver- wallung begünstigt künstlich eine Ringbildung, die sich gegen sie selbst wendet.
Oberlandesforstmeister Wesener: Der ,Holzmarkt' wird jeder Firma zugesandt, öte ihm von uns namhaft gemacht wird.
Abg. Busch (Ztr.): Ich will ja eben, daß auch Privatleute eingeladen weiden. Warum soll nicht der tleme Mann das Holz direkt kamen können? Wir haben alle ein Interesse daran, die Monopolstellung dieses Blattes zu beseitigen. (Beifall.)
Oberlandesforstmeifter Wesener: Der Privatmann, der Gutsbesitzer kann ja auf den Holzmarkt' abonnieret!. (Stürmische Heiterkeit auf allen Seilen des
Abg, v. Klödeu (Bd. d. L.): Den Wildschaden für die den staatlichen Forsten benachbarten Landwirte könnte man am besten dadurch eiitfchränkeir, daß man weht Jagden verpachte und so den Wildstand auf ein Mittleres Maß zurücksühre.
Abg. Borgmann (Soz.) wünscht wegen der geringen Einnahmen dieses Etats in höherem Maße eine Verpachtung der Jagden. Man büife babei nicht aus bte höheren Forftbeamlen Rücksicht nehmen. In Dayern veipachtet man jetzt auch die Staatssorsten. Ein einziger Bezirk brachte 30000 Mark Pacht.
Adg. v. Stockhausen (t) tritt dafür ein, daß den Oberförstern das Recht der Jagdausübung belassen werde. Durch eine Verpachtung der Slaatsjagden würden die Gerneindejagden geschädigt.
Landwirtschaslsmiutster v. Arnim, sowie die Abgg. Wiersdorfs (ulk.) und Fischbeck (srers. Vp.) sprechen sich tm Sinne des Vorredners aus.
Abg. Weißermel (k.) bittet den Minister, dafür zu sorgen, daß das Wild m den Staalswaldungen möglichst geschont werde.
Abg. Busch (Z.): Angesichts des hohen Alters, in dem Sie Förster zur elalsmäßtgen Anstellung gelangen, kann die Vermehrung von etatsmä&tgen Försterstellen ohne Revier nur gebilligt werden. Es wi.d zu prüfen sein, ob die von den Förstern bezahlten Pachtpreise dem Ertrag der Dienstländereien entsprechen. Dank gebührt dem Oberlandesforstmeister für seine Erlasse, die den Förstern di« uneingeschränlte Ausübung ihres Jagdrechtes sichern wollen.
Abg. W-lff-Metternich (Ztt.) bedauert, daß dem Wohlwollen der Forstverwaltung ihren Beamten gegenüber durch unsere finanzielle nicht sehr rosige Lage ein Ziel gesetzt sei. Er hoffe aber, daß die Beamten zu ihrer Behörde Vertrauen hätte». Redner tritt weiter für die Forst aufs eher ein und wünscht Vermehrung der etaismäßigen Försterstellen ohne Revier, sodaß die Forstausseher etwa fünf Jahre nach Erlangung deS Forstversorgungsscheines zu etatmäßigen Beamten auf» rückten. Zum Schluß wünscht Redner, daß eine Anzahl
*** etatmäßigen umge»
. Samstag: Rest der heu'igen Tagesordnung unb kleinere Vorlagen, darunter Antrag Schiffer (ntL) auf Zulassung der Lehrer zum Schöffenamt.
c. Fürst Bülow.
Man schreibt uns aus Berlin: Dem Ge- Mchte, daß die Stellung de- Reichs- 1 a n z I e r 8 erschüttert sei, tritt, wie schon ««lellraphnch gemeldet die „Nationalzeitung^
Ganz abgesehen davon, daß Herr Dr. Heim ausdrücklich erklärt hat, zu dieser Frage leine Sttümrq nehmen zu wollen, ist sestzusteller, daß eine Nachlaßsteuer, wie Aba. Dr. Heim fte sich denkt, keinesfalls gleichbedeutend wäre mit dem, waS bei einer Durchberatung der Nachlaßsteuer- vorlage in dem gegenwärtigen Reichstage — die Möglichkeit dazu überhaupt vorausgesetzt — herauSkommen würde. Das eine möge sich jedenfalls die liberale Presse gesagt sein lassen: es wird ihr nicht gelingen, in dieser Frage eine« Keil in das Zentrum hineinzutreiben.
* Der sozialdemokratische Schriftsteller Richard Cakwer, der seinerzeit in der Zoll» taris-Kampagne eine Haftung einnahm, die den Parteihäuptlingen nicht gefiel, sollte wieder ein» mal auS der Sozialdemokratie ausgeschlossen werden. Er war ein Antrag auf Ausschluß gestellt worden, weil er durch Mitarbeit an einem bürgerlichen Blatte die Jntereffen der Partei verletzt haben sollte. DaS Partei-Schiedsgericht hat eS aber offenbar nicht für gut gefunden, die Partei dieser Intelligenz zu berauben; fte hat beschlossen, daß feine Veranlassung vorliege, Calwer auS der Partei auszuschließen.
= Weimar, 11. März 1909. Heber daS weimarische LandtagSwahlrecht ist eS im Landtag zu lebhaften Debatten gekommen. Die Recht« sprach sich sür di« Einsührung eines Pluralwahlrechts aus, während der Vertreter der Freismuigen das Prinzip des gleichen, allgemeinen, direkten Wahlrechts verfocht, sich aber bereit zeigte, im Ausschuß sür daS zunächst Erreichbare mitzuarbetten. Die Nationalliberalen waren sich nicht einig, gaben aber ihren Entschluß zu erkennen, mit den Konservativen zu einer Verständigung zu gelangen. Die Vorlage wurde an einen besonderen Ausschuß von neun Abgeordneten verwiesen.
* Rudolstadt, 12. März 1909. Der Land- tag lehnte den Antrag, einem thüringischen Staatenbund zu gründ.n, als der Reichs- Verfassung und dem rudolstädtischen Grundgesetz entsprechend, ab, verlangte dagegen die baldige Errichtung eines OberverwaltungSgerichtS für die thüringer Staaten.
Ausland.
* Im österreichischen Abgeordnetenhaus geht eS gleich wieder mit den Dringlichkettsanträgen los. All bi« Tage feit der Eröffnung gab es erregte Verhandlungen über einen Dringlichkeilsantrag nach dem andern. Gestern nachmtttag begann endlich die Beratung über die Rekruten« Vorlage.
* Tie Engländer haben mit ihrem neuen zwölf- zölligen Marinegeschütz wenig Glück. Man hoffte, mit dem Geschütz noch die Kanonen der »Dread« nonghiS" zu überbieten. ES sollte Geschosse von 850 Pfunb bis auf eine Entfernung von 18 Meilen schleudern. Bon biefen Geschützen stehen 12 fertig im Arsenal von Woolwie. Als man vor einigen Tagen Schießversuche bamit anstellte, fallen mehrere Rohre infolge fehlerhafter Drahtumwinbung ge« fprungen fein. Er war beabsichtigt, alle Nachfolgerinnen der ersten „Dreadnought" mit biefen Geschützen auszurüsten.
** ZnrBalkimfrage schreibt daS Regierungsorgan, bie ,Nordd. Allg. Zig.' in ihrer SamStagsnummer, baß baS serbische Verlangen, alle seine Ansprüche von einer europäischen Konferenz prüfenunb enlscheiden zu lassen, auf bte Entscheidungen brr Brächte ohne Einfluß sein bürste. Denn alle Mächte seien fich stets darüber einig gewesen, einer ettvaigen Konsereuz ein scharf umgrenztes Programm unb nur solche Fragen zu unter breiten, über die vorher eine Verständigung unter den Konferenzteilnehmern statt- gefunbtn hat. — Wie der .Osman. Lloyd' schreibt, hat bie serbische Antwort auch die Türkei beun- ruhigL Die Pforte werde wegen deS TranspotteS von Kriegsmaterial Vorsicht und Zurückhaltung bewahren, die Durchfuhr von großen Mengen nicht gestatten und infolgedeffen Dynaunt nur teilweife passieren lasten. Auf Anraten der Pforte habe Serbien die Beförderung einer großen Quantität KriegSmumtton adbestellt. — In Serbien selbst findet bie serbische Note nicht überall Zustimmung. Dies zeigte fich auch in bet Skupschtinasitzung vom Donnerstag, in ber ber Mmistervrästbent Aufklärung über bte lltote gab. Da bie Regierung aus allen Parteim zusammengesetzt ist, konnte» die Abgeordneten nicht anders, als daS Vorgehen der Regierung billigen. Ader di« sonst bet solchen Anlässen deutlich zur 6d)au getragene Begeisterung fehlte vollkommen, und a!S Milanowiisch seine Rebe beendet hatte, rührte fich keine Hand, und kein ,Zivio' wurde laut.
Mr Airche und Schule.
• Schwyz, 12. März 1909. Der Erzbischof und frühere Kapuzinergeneral Christen ist heute im Kloster Jngenbohl gestorben.
Lokales.
Fulda, den 13. MLi^ 1909.
Z* Bei ber Musterung in diesem Jahre werden in Fulda die Militär-Reklamationen an den Tagen verhandelt, an denen die Militärpflichtigen zur Musterung kommen und nicht wie in ft fixeren Jahren am letzten Tage der Musterung. Im Musterungsbezirk Neuhof kommen alle ReNamatümen au< diesem Beirrt Dienstaa.