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Sotationsdruckund vertag der Luldaer N» tiendnickerei in Fulda Fernsprecher Rr. 9.

59.

36. Jahrgang.

Fulda, Samstag den 13. März 1909.

Haar schien und glänzte, wie vor zwanzig Jah­ren, ihr Antlitz war noch ebenso schön und bezau­bernd. Sie hatte an persönlichem Reiz und An­ziehungskraft eher gewonnen, als verloren, denn obwohl die mädchenhafte jugendliche Frische da­hin, so war doch an deren Stelle der volle Zauber reifer, edelster Weiblichkeit getreten. Sie hätte kraft ihrer wunderbaren Schönheit und ihrer reichen Geistesgaben eine Königin sein können.

Wie sie da saß, in der prächftgen, so geschmack­voll mit Purpursarnmet und weißer Spitze deko­rierten Loge, hätte sich niemand ein schöneres Bild als Lady Wayne denken können. Der blaue Sammet kontrastierte wundervoll mit ihrem gol- denen Haar und der zarten weißen Haut; die schimmernden Perlen waren nicht weißer' wie der ftrllze Nacken und die Arme, die sie schmückten. Sie hielt ein Buket von dunkelroten Rosen und Lilien in der Hand; der juwelenbesetzte Fächer lag neben ihr, und das schöne Antlitz war ge­spannt auf die Bühne gerichtet.

Es fiel etwas an Lady Wayne auf; dann und wann, wenn sie sich unbemerkt glaubte, überkam sie eine güvisse Zerstreutheit, die dunkelblauen Augen blickten wie abwesend, ein träumerischer Zug, halb Lächeln, halb Trauer, spielte um ihre Lippen. Sie schien dann weit, weit weg in einem Traumlande zu weilen, wohin ihr niemand fol­gen konnte.

Einer dieser Anfälle von Zerstreutheit mußte auch jetzt über sie gekommen sein. Sie saß aaru still, Werner Jefferies, neben ihr, betrachtete sie in stummer Bewunderung.

Von allen ihren Bekannten ging Lady Wayne vielleicht am liebsten mit dem jungen Dichter aus, deffen Name langsam berühmt zu werden begann. Es bestand ein so vollkommenes Einver­ständnis, eine so tiefgehende, beiderseitige Sym­pathie zwischen ihnen, daß sie da, wo andere Worte austauschen muffen, einfach Blicke wechsel­ten, um sich vollkommen zu verstehen.

Die Welt zögerte mit ihrem Urteile, oh die Mutter oder die Tochter schöner ausfehe.

Elfie Wayne brauchte weder Toiletten noch Schmuck, um ihre Schönheit augenfällig zu ma­chen, an diesem Abende jedoch trug sie eine weiße Spitzen-Toilette mit Rosenknospen besetzt; ein Diamant-HalÄband, das Geschenk ihres swlzen Vaters, flimmerte und ftrnkelte an ihrem schlan­ken, schneeigen Halse.

Unnötig zu sagen, daß der getreue Lord St. Gilbert an ihrer Seite saß. Lady Romsey war im letzten Augenblick noch verhindert worden.

Das Stück begann. Werner hatte bei der Erinnerung an Jack und sein merkwürdige Aeußere mehr als einmal vor sich hin gelcichc Lady Wayne hatte es bemerkt, ihn angesehen un. gefragt:

„Was lächeln Sie eigentlich, Herr Jefferies? Schwelgen Sie in angenehmen Erinnerungen?"

Er erzählte, daß sein Bruder vom Lande hier sei, und gab mit wenigen Worten eine humoristi­sche, aber wohlwollende Skizze von Jacks Eigen- tümlichkeiten, die Mylady sehr belustigte.

„Wo ist er denn?" fragte sie, und Werner spähte im Hause umher, konnte aber keine Spur von Jack entdecken.

„Vielleicht ist er schließlich doch nicht gekom­men", äußerte er dann.

„Sie müssen ihn mit zu uns bringen", sagte Lady Wayne. „Seine Absonderlichkeiten tun nichts; er wird uns Ihretwegen willkommen sein."

Und dann verfolgten beide wieder gespannt den Lauf des Stückes. Inzwischen war Jack, der nur, um sich eine kleine Stärkung jm gönnen, hin- ausgegangen war, wieder zurückgekehrt. Er sah, wie die Herren und Damen in seiner Nähe und auch auf anderen Plätzen sehr gespannt eine be­stimmte Loge fixierten und sich Bemerkungen darüber zuflüsterten, und Jack, der glaubte, es gäbe etwas Außerordentliches zu sehen, und der ja natürlich alles sehen wollte, stand auf und starrte ebenfalls mit aller Macfa hinüber. Zu sagen, daß er verblüfft war, hieße seine Gefühle nur schwach ausdrücken; er war mehr als das.

Beffy war hübsch, in einer gewissen groben, wil­den Art, aber diese zwei Damen da, die er an- starrte, wie jemand, dem plötzlich Schuppen von den Augen fallen, waren mehr als das.

„Verfl—t, sie haben ein Fell wie Seide und Haare wie Gold", dachte er bei sich. „Daß es so was auf der Welt gibt, habe ich nicht gewußt." Dann lächelte Elfte Wayne über eine Be­merkung, die St. Gilbert ihr zuflüsterte, und dies Lächeln blendete Jack, als ob es ein plötzlicher

-menstrahl gewesen. Er war verzückt, verzau- , seiner Sinne nicht mehr mächtig. Es schien lsinn, aber als er sie anblickte, schien sich ihm . Herz im Leibe herumzudrehen, und die ganze Vergangenheit schien ihm zu versinken. Er hatte gemeint, in Betsy verliebt zu sein. Betsy hatte ihn angelächelt und ihn mit ihren glänzenden, schwarzen Augen geködert, sie hatte seine Sinn­lichkeit und seinen Ehrgeiz gleich mächtig ange- stachelt, aber dies neue Gefühl war ganz anders, eine wilde, wahnsinnige Leidenschaft, die sich wie Feuerflammen seiner bemächtigte und ihn durch- loderte.

Gleichgültig, gedankenlos hatte er das Theater betreten, nur mit seinem ständigen Gedanken be­schäftigt, wie er Geld bekommen und Betsy ge- toinnen sollte. Ein plötzliche Wirbelwind war über ihn dahingefegt, ein Vulkan schien in ihm zum Ausbruch gekommen zu fein, Herz und Seele; standen in Aufruhr und Flammen. Wie es alles über ihn gekommen, wußte er nicht. In einer halben Stunde war ihm die ganze Welt wie ver­wandelt.

So vertieft war er in die leidenschaftliche Be­trachtung des unvergleichlich schönen Antlitzes, daß er an die daneben sitzenden Herren nicht einmal einen Blick verschwendete, aber als Elsie Wayne sich zur Seite wandte und eine Berner- hing an einen Herrn in ihrer Nähe richtete, folgte Jacks gieriger Blick, und er sah, daß es sein Bru­der Werner war, Werner, dessen Geheimnis er monatlang vergeblich zu entdecken sich bemüht hatte. (Forts, folgt.)

vermischter.

* DaS Geheimnis des Wurstkessels. Zwischen be< Metzgergehilfen und der Schweinernetzger-Jnnung in München besteht schon seit einiger Zeit ein Streit wegen höherer Löhne und anderer Ärbeitsbedinguw gen. In einer Versammlung der Mehgergehilfen, die sich mit diesem Streite beschäftigte, hat nun ein Referent, Verbands - Vorsitzender Hensel, die auf­fallende Bemerkung gemacht: „Wenn die Gehilfen so provozierend, so unvernünfttg wie die Meiste! sein wollten, so könnte die Welt einmal Dinge hörech über die man sich wundern würde. Das „Geheim­nis des Wurstkessels" würde manchem Meister dar Waffer in die Augen treiben. Was in Chicago paff fierte, fei internationale Schweinerei." Der Vorstand der Schweinemetzger - Innung hat in einer Sitzung zu dieser Anklage Stellung genommen. In seiner Erklärung heißt es, daß derartige „Geheimniffe" überhaupt nicht existierten. Außerdem soll gcgey den Verbands-Vorsitzenden Hensel Klage erhoben werden. Hensel erhärte, daß er fein Material der Behörde übergeben habe.

— Betrübend. Ba ckfisch (einen Leutnant in Zivil sehend): „Ach Gott, wie ein Mensch nur so herunter- kommen kann!"

Reklame«- und Auzeigenteil.

Nehmen Sie

täglich ein Likörgläschen Z> r. Kommet'» Haematogen unmittelbar vor der Haupt- mahlzett! Ihr Appetit wird reger, Ihr Nervensystem erstarkt, die Mattigkeit ver­schwindet und körperliches Wohlbehagen stellt sich raschest ein. Verlangen Sie jedoch ausdrücklich das echte „$>r. Komruel's" Haematogen und weisen Sie Nachahmungen zurück.

Drittes Wtatt.

; y. Logik.

i Der Reichstag hat vor kurzem einen An­trag der Polen mit 190 gegen 130 Stimmen angenommen, der ein Gesetz folgenden Inhalts fordert:

„Keinem Reichsangehörigen dürfen mit Rücksicht auf das Glaubensbekenntnis, die politische Gesinnung oder die Nationalität Bejchräuknnaen irgendwelcher Art bei dem Erwerb oder der Veräußerung von Grund­eigentum oder der Errichtung von Wohnstätten aufer­legt werden."

Das hat die Hakattsten wild gemacht, obschon sie wissen, daß dies Gesetz nie kommen wird, wett es eine Umkehrung der unglückseligen preußischen Polenpolitik und eine Aufhebung des preußischen Enteignungsgesetzes sein würde. Die Gegner des obigen Antrages haben durch ihre Abstimmung offen erklärt, daß sie jemand nur um seiner (an­geblichen) Gesinnung willen vom Grund und Boden verdrängen wollen. Nicht mit Unrecht sagt der freisinnige Abg. Dr. Heckscher in einer Polemik mit dem Hakatisten Görcke im „Tag":

Dir wildesten Polenkämpfer, Großindustrieellen und und Großgrundbesitzer, machen sich kein Gewissen da­raus, bte Polen als Arbeiter in rein deutsche Ge­biete hineinzurufen, während sie gleichzeitig mithelfen, polnische Grundbesitzer aus Deutschland hinauezu- jagen. Wie wäre es, wenn Preußen ein Gesetz erließe, wonach den Bergwerksbesttzern und Großgrundbesitzern verboten würde, polnische Arbeiter zu beschäftigen? Würden da Herr Görke und seine Freunde miltun? dder würde nicht gerade von ihrer Seite ein gewal- liges Protestieren anheden? Ist aber rin solches Ber- vot etwa ein stärkerer Eingriff in dre staatsbürgerlichen Rechte als Exproprrierung?

Und Dr. Heckscher erinnert feinen Kollegen Görcke an eine Geschichtsstunde, „da er in seiner Schule den Jungen erzählte, daß wir im Kriege 1870/71 das Privateigentum des Feindes geach­tet, uud daß der deutsche Soldat auch im Sieges­taumel Manneszucht gewahrt habe. Haben da nicht die blanken Augen der Jungen geleuchtet? Wie aber, wenn heute ein Schüler aufstände und fragte: Dürfen wir denn im Frieden den Polen das Land nehmen? Was würde.Herr Professor Görcke antworten?"

Die Polen haben durch ihre Vertreter unzäh­lige Male erklärt, daß sie keine Losreißuugsab- sichten hoben. daß sie nur ihrer nationalen Eigen­art leben wollen. Tas schiert aber ihre kurz­sichtigen Gegner nicht, und durch unerhörte Maß­nahmen legen sie es gerade darauf ab, die Polen in ein staatsfeindliches Lager zu treiben. Die Polen werden weit anders behandelt als die er« fflärtermaßen revolutionäre Sozialdemokratie.

Wir sind die ersten, die jedes Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie bekämpfen würden. Aber van den Polenfeinden Ware es logisch, vor allem und zuerst gegen diese, die anerkannten Feinde der Monarchie und Staatsordnung mobil zu machen. Währeird jedoch kürzlich bekanntlich : der Abg. Zedlitz es wagte, das Zentrum wegen eines Wahlbündnisses,mit den Polen als Lan­desverräter zu' beschimpfen, durften die iNationalliberalen in Essen, Mülheim 1 und anderswo sich mit den Roten verbinden und blieben deshalb „gute Patrioten" I

Deutsches Reich.

* Ein interessantes Vorkommnis berichtet eine Zentrumskorresponvenz aus der Sitzung der Budgelkommission des Reichstags vom Mittwoch. Das Zentrum halte bekanntlich erklären lassen, daß es in der Kommission keine Anträge auf

Abstrich« mehr stellen werde, wenn diese ohne jede sachliche Begründung vom Block ab gelehnt würden. DaS Zentrum verhielt sich auch durch zwei Sitzungen hindurch entsprechend. Da kam die Mehrheit in Verlegenheit; denn sie kennt den Etat gar nicht. AuS dem Freisinn heraus wurde nun erklärt, daß es eine feste Mehrheit gegen daS Zentrum nicht gebe, dieses möge wiederum seine Anträge stellen, sie würden sachlich beraten. DaS Zentrum entsprach diesem Wunsche und siehe: nun gelang es wieder, ganz erhebliche Abstriche zu erzielen.

X Die neue Ausrüstung der Kavallerie. Am 1. April d. I. ist der Bericht des Leibgarde- Husarenregiments über die Erfahrungen zu er­statten, die daS genannte Regiment mit der Er­probung der neuen kavalleristischen Ausrüstung und Bekleidung gemacht hat, die seit geraumer Zeit von einer halben Eskadron des genannten Regiments getragen werden. Soweit bekannt, hat sich die neue Ausrüstung und Bekleidung be­währt. Es kommen hauplsächfich in Frage das neueingeführte kurze Seitengewehr zum Auf- pflanzen auf den Karabiner, die neue Trage- weise des Karabiners und die Unterbringung der Karabinermunition in kleinen Patronentaschen am Säbelkoppel vorn und hinten. Der ver- schiebenartige Schnitt des kavalleristischen Waffen­rocks (Koller, Attila, Ulanta) und die verschieden­artige Form der Kopfbedeckung (Helm, Pelzmütze, Tschapka), allerdings mit matten Beschlägen und Ueberzug, sollen Leibebalten werden.

T. Zur Abwanderungsfrage.

Nach der sozialen Konferenz der Geistlichen in Hanau wurde für die einzelnen Städte ein UeberroeifungSbureau geplant. Es dürste ratsam sein, die se Einrichtung bald zu treffen, damit die Ueberweisungsadressen noch in den Abwanderungsflugblättern veröffentlicht werden können. Es seien hier einige allge­meine Winke für d i e Gründung die­ser Bureaus angeführt.

Die Hauptperson in dieser Institution müßte ein Sekretär sein, in dessen Hand alle Meldungen von Zuwanderungen kommen und von dem alle Abwanderungen in andere Orte weitergemeldet werden. Wo Arbeitersekretariate oder Volks- bureous sind, kann dort das Bureau und Ueber- weifiurgLsekretariat sein. In anderen Orten könnte eine Dame, die über die nötige Zeit ver­fügt, als Sekretärin fungieren. Die Adresse dieses Sekretärs muß nun zur Genüge bekannt sein. Daher mußte sein Name im sozialen Adreßbuch und im Füürer des Mädchenschutzes, in der Mün­chen-Gladbacher Zeitschrift: „Die Abwanderungs- frage" und in den oben erwähnten Flugbättern veröffentlicht werden.

An biefe Adressen müßten nun für Abwan­derungen die einzelnen Pfarrämter, Arbeiter- sekretarrate, Gewerkschaftskartelle, kath. Stellen­vermittlungen und alle, die selbst in die Stadt gehen wollen ober einen Sohn oder eine Tochter zur Stadt schicken, sich wenden, und zwar womög­lich so rechtzeitig, daß eine Abholung am Bahn­hof möglich ist. In den Händen des Sekretärs müßte fein: 1. Das soziale Adreßbuch, 2. Der Führer des Mädchenschutzes, 3. Der Bachem'sche Block, 4. Der Schematismus für die Geistlichkeit Deutschlands. Der Sekretär müßt« auch jede Woche die Namen der zuziehenden Katholiken sich verschaffen.

Damit nun die Zuwandernden fofort unseren kath. Vereinen zugeführt werden, müßte das Komitee außer dem Sekretär noch hÄben einen

(Vertreter für den Volksverein, der zugleich die zuwandernden Katholiken aus den „besseren" Kreisen den sog. Bürgervereinen zuführen könnte, ferner einen Vertreter des Arbeitervereins und der christlichen Gewerffchaften, einen Vertreter des Gesellen- und Jünglingsvereins und die Stellender mittler in des Dienstbotenvereins, resp. eine Dame des Mädchenschutzvereins für die weib­lichen Zuwandernden. Diesen verschiedenen Ver­tretern müssen vom Sekretär sofort die Angentel- beten und vielleicht jede Woche die nicht angemel­deten zugezogenen Katholiken nritgeteilt werden. Zum Komitee müssen endlich auch sogenannte Bahnhofsboten gehören. Ihre Zahl richtet sich nach der Anzahl der Zuwandernden. Sie müssen zu dem mitgeteilten Zuge am Bahnhof fein Die Damen werben zur Abholung der weiblichen An­kommenden jeden Tag vor dem 1. und 15. und an diesen Tagen selber bei Einfahrt der Personen- züge am Nachmittag mit gelbweißer Achselschleife auf dem Bahnsteig kath. Mädchen unseren Schutz- anstalten zuweisen. Nach diesen Gesichtspunkten könnte ohne erheblichen Kostenaufwand — die Aufgaben sind alle ehrenamtlich zu erfüllen — ein Ueberweifungsbureau gegründet werden. Die enfftehenden Bureaukosten könnten der Volksver­ein und die Stellenvermittlungen der weiblichen Vereine zu gleichen Teilen tragen. Dieses In­stitut würde großen Nutzen sttften; den zu- zichende katholische Jünglinge und Mädchen sofort bei ihrer Ankunft auf gute Wege führen ist toeit leichter, als sie später zurückbringen, wenn unsere Gegner sie einmal auf schlechte Bahnen ge­bracht haben.

Aus dem Nachbargebiete.

* Hanau, 12. März 1909. Eine weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe auch aus die Nachtzeit haben die hiesigen Apotbeken- befitzer beschlossen. Vom nächsten Sonntag ab wird und die an Soun- und Feiertagen geöffnete Apotheke auch für die Nachtzeit von 9 Ubt abends bis 7 Ubr morgens dem Publikum zugängig sein.

* Kassel, 12. März 1909. Die Stadt- verordneten setzten gestern die Beratung des städtischen Haus halt sei als fort. Bei Titel XII, Unterstützung wissenschaftlicher, künstlerischer und sonstiger Vereine, waren für die gemein, nützige Rechtsberatungsstelle für Männer 1000 Mark und für die Rechtsberatungsstelle für Frauen und Mädchen, wie in den Vorjahren, 300 Mark eingestellt worden. Stadto. Huhn be­antragte, für das Arbeitersekretariat der freien Gewerkschaften ebenfalls 1000 Mk. zu bewil­ligen, und als dieser Antrag abgelehnt wurde, stellte Stadtv. Huhn den Antrag auf Streichung der Positionen von 1000 bezw. 300 Mk. Ehe zur Abstimmung dieses Antrags geschritten werden konnte, bezweifelte Stadtv. Thöne die Beschluß, fähigkeit des Hauses; die Auszählung ergab die Richtigkeit dieses Zweifels und die weitere Er- ledigung des Eiats mußte deshalb unterbrochen werden. Nächste Sitzung: Mittwoch, den 17. März, 6 Uhr abends.

* Fritzlar, 12. März 1909. Die Liedertafel bat beschlossen, aus Anlaß deS 60jährigen Be- stehens am 11. und 12. Juli einen GesangS- wettstreit zu veranstalten.

* Erfurt, 10. März 1909. Wegen großer Diebstähle in einer hiesige» Schuhfabrik wurde der Fabrikarbeiter Reinhold Lieb zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die gestohlenen Sachen sollen einen Wert von 4000 Mark haben. Wegen Hehlerei wurde der Kaufmann Erdmann

Heinemann zu 2 Monaten Zuchthaus und ds Arbeiter Oskar ■ Wolff wegen Beihilfe zu bei Diebstählen zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt

* Darmstadt, 11. März 1909. Die Stad wer ordneten-Verfammlung lehnte die Einsühruilg eine, Bcsitzwechselsteuer in der Stadt Darmstadt ab stimmte aber der Einführung einer Wert; u wach si st euer zu.

* Wiesbaden, 12. März 1909. Daß ei) Vater und sieben Söhne bei einen Bataillon gedient haben, dürfte gewiß ab Seltenheit dastehen. Eine solche Familie ist bi des Fischers Johann Schröder in Schierstein der samt seinen sieben Söhnen — die beide» jüngsten stehen gegenwärtig noch unter der Fahn, — beim früheren Pionierbataillon Nr. 11, den jetzigen Pionierbataillon Nr. 18 in Kastel diente Am vorigen Sonntag nun hatten sich alle ach! Pioniere im Garnisonsorte eingefunden, um fiq auf einem Bilde gemeinsam in feldmarschmäßige» Ausrüstung photographieren zu lassen. Bei eine, zweiten Aufnahme gruppierten sich die siebe» Söhne um Vater und Mutter. Der Pionieo, familie wurden durch das Bataillon verschieden» Ehrungen zuteil.

* Aus dem Kreise Wiesbaden, 12. Mär) 1909. In unserem Bezirk findet demnächst eit Geiangwettstreit statt. In der Lokalpresse er­scheint nun ein Bericht über den Verlauf bei Delegiertentages. Was wird nun ben armer Preisrichtern nicht alles zugemutet! Man lief, dort in Nr. 29: Ein Preisrichter richte» Jntynation, einer Dogmatik und Ryjhmik unt einer Aussprache und Stimmenausgleich. De» Trudfeblerteufel machte aus bem Worte Dynamst -- Dogmatik.

' $i Bme des ßchemiB.

541 Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld

Sie trennten sich.

Groß war Werners Ueberraschung und halb .uch Verguiigeil, als er nach Hause zurückgekehrt.

Ramseys bereits auf sich wartend fand.

„Werner", sagte der Earl, „können Sie heute den ganzen Abend opfern?"

„Gewiß", war die schnelle Erwiderung.

„Lady Romsey möchte Sie mit Beschlag be­legen, es scheint, daß sie heute abend zum Theater gehen will, um „Romeo und Julie" zu sehen. Lady und Miß Wayne geben mit. Ich möchte, daß Sie meinen Platz einnähmen, ich habe eine Verabredung auf heule abend, die ich einhalten muß."

„Es wird mir ein großes Vergnügen fein", ettofaetfa Werner, innerlich verlegen, was er wohl mit Jack anfangen solle.

34. Kapitel.

Romeo nnb Julie.

i Es kam nicht oft vor, daß Drury Lane besser besetzt war, wie an diesem ereignisreichen Abende. Eine Loge erregte besonders die Aufmerksamkeit i aller Anwesenden, schmückten sie doch zwei der schönsten weiblichen Wesen in London — Lady Wayne und ihre Tochter Elsie.

Worte können die Senfatton nicht schildern, die die wunderbare Schönheit der Mutter und chie liebliche Anmut der Tochter in der Gesellschaft hervorgerusen. Wohin sie nur gingen, drängten j sich auch die Leute, um sie zu sehen und zu be- I wundern, und an diesem Abend«, als bekannt f wurde, Lady und Miß Wayne seien anwesend, : war man auf ihr Erscheinen neugieriger und ge- । spannter, als auf das der berühmten Schauspie- । krin, die die Nolle der Julie fpielem sollte.

, Lady Wayne hatte nie schöner ausgesehen. jSie trug eine epquisite Abendtoilette von reichem. Muren Sammet, dazu Perlen. Ihr! goldenes