Erscheint täglich mtt Ausnahme her So.m- »,d Feiertage viettel- jLhrlichee yezugrpreir ohne Vringerlshn und vesteLgrld in Fulda fo- wle auswärts 1.50 IttL
verantw- Redatteurr «art Schütte;
Mldaer
I. parzeller in F»Wa. WochMMgr: „Illustrierte Zonntagszeitung"
ät
Zettung
mondsbenagt: „Fuldaer Geschichtsblätter"
Anzeigen: Vit eim fpattigr Petitzeile ober deren Saum ZS pfg. ReklamendrepetitzeUe 25 pfg., br, Wiederholungen wirb entspr. Rabatt gewährt.
Latationrdruckund Verlag der Fuldaer Ak- üeudruckrrei in Fulda Fernsprecher Ur. 9.
M 58.
Fulda, Freitag den 12. Mär, 1909.
36. Jahrqanq.
Nicht allein sei Preußen bei der Lehrerbesoidungs- ordnung gegen die größeren Städte vorgegangen, indem es ihnen die bisherigen Staatszuschüsse gestrichen habe, sondern auch das Reich helfe tüchtig mit, auf Kosten der Städte Lasten zu schaffen und die Einnahmen der Städte zu schmälern; er wolle in dieser Hinsicht nur an die Gas- und Elektrizitätssteuern erinnern und weiter betonen, daß man die Oktroigebühren mit dem Jahre 1910 in Fortfall kommen lasse, wodurch den Städten ganz bedeutende Einnahmen genommen werden. Was den städtischen Haushaltsetat anbetreffe, so sei es das erste Mal, daß dieser die Summe von 10 Mill. Mark in Einnahme und Ausgabe überschritten habe; für die Ausbesserung der Beamten« und Lehrergehälter seien 450 000 Mk. erforderlich, wahrscheinlich aber werde diese Summe nicht ausreichen. Da eine derartige Summe zu einem großen Teile auch auf die Verbesserung der Gehälter der Lehrer an den höheren Schulanstalten aufgewendet werden müsse, so scheine es ihm nicht unbillig, an eine Erhöhung des Schulgeldes zu denken; über diese Frage sei man in das Stadium der allerersten Erwägungen eingetreten. Um den Etat zu balanzieren, sei die Erhöhung des Zuschlages der städtischen Steuern um 10 Prozent auf 130 Prozent vorgesehen. Stadtrat Boedicker erklärte namens der Finanzverwaltung, daß im laufenden Jahre auf keinen Fall auf einen fieber* schuß gerechnet werden könne, dahingegen sei eine Mindereinnahme bis zu 70000 Mark infolge der ungünstigen allgemeinen Wirtschaftslage und des damit verknüpften Ausfalles an Einnahmen an direkten und indirekten Steuern nicht unwahrscheinlich. Die Etatsverhandlungen werden morgen ztt Ende geführt. — Unter der Anklage, durch fahrlässige Brandstiftung den Tod eines Menschen herbeigeführt zu haben, hatte sich heute das erff 15 Jahre alte Dienstmädchen Ewers aus dem benachbarten Rothenditmold vor der Strafkammer zn verantworten. Die Angeklagte war im Oktober, v. Js. bei dem Gastwirt und Metzger Süß im Stadtteil Rothendümotd als Kindermädchen beschäftigt. Als eines Abends das dreijährige Töchterchen der Eheleute Süß nicht einfchlafen wollte, zündete die Angeklagte Buntfeuerhölzchen an, um das Kind durch die Lichtwirkungen zu erfreuen. Durch brennende Magnesiateile geriet das Bettchen der Kleinen in Brand, das Kind felbst starb andern Tages an den erhaltenen Brandwunden. Das Urteil! lautete auf zwei Monate Gefängnis. — Ein! durchtriebener Schlingel. Der 15^/»jährige! Srso gezögling Wilhelm Scheuch aus Wabern hatte!
heute wegen vorsätzlicher Brandstiftung zu verantworten. Er war im Dezember v. Js. au- der Erziehungsanstalt zu Wabern ausgebrochen und hatte sich in Fritzlar umhergetrieben, wo er ausgegriffen und seinem Vater übergeben wurde, der den Burschen wieder nach Wabern bringen wollte. Wenige Schritte außerhalb des Weichbildes Fritzlar riß der Angeklagte seinem Vater wieder aus und ehe dieser den Bengel ergreifen konnte, hatte er vor den Augen seines Vaters eine mit Erntevorräten gefüllte Feldscheune angezündet. Die Strafkammer verurteilte den rabiaten Burschen, der sich auch an Gerichtsstelle äußerst unverschämt und frech benahm, zu sechs Monaten Gefängnis und verfügte feine i sofortige Verhaftung.
Zweites Wt'crÜ
Kleines Feuilleton
Ohne Oesterreich-Ungarn ständen wir wirklich ganz alleinaufderWelt zwischen dem Slawentum und dem Romanentum.
Die alldeutsche Forderung erscheint um so un- verständlicher, als alldeutsche Kreise sehr stark dabei interessiert waren, als an der Schwelle des neuen Deutschen Reiches in der Adresse an den Kaiser der markante Sah aufgestellt wurde: „Die Einmischung in das innere Leben anderer Völker soll zu keiner Zeit und in keiner Form wiederkehren." Die Spitze richtete sich damals allerdings gegen eine moralische Einwirkung der deutschen Diplomatie zugunsten des P a p st e s bei der italienischen Regierung. Wenn jetzt von derselben Seite eine Einmischung in das innere Leben Oesterreichs gefordert wird, so heißt das den Grundsatz aufstellen: „Der Zweck heiligt die Mittel."
Ausland.
** In Ungarn ist das Ministerium W ekerle im „Packen" begriffen und wird voraussichtlich durch ein Ministerium Justh abgelöst werden. Das Regime Wekerle hat gänzlich adgewirt- schäftet; die Differenzen, die sich mit der Unab- hängigkettspartei bezüglich der Bankfrage ergeben haben, führten nunmehr zu einem Zusammenbruche. Die Beschwichtigungsversuche Wekerles verfangen nicht mehr. Man will auch in Ungarn an die Stelle deS unfruchtbaren Chauvinismus eine vernünftige Realpolitik treten lassen. Zu diesem Ende ist aber unbedingt die Versöhnung der von den Magyaren in den letzten Jahren mtt eiserner Hand unierdrückten übrigen Nationalitäten, der Deutschen, Kroaten und Rumänen, die alle zusammen sogar eine Mehrheit über die Magyaren bilden, unbedingt notwendig.
** Das Ergebnis der italienischen Parlamentswahlen ist, so wird uns ergänzend aus Rom geschrieben, das man hier vorausgesehen hatte: das Ministerium Giolitti hat eine nicht unbedeutende Stärkung erfahren und die extremen Parteien haben einen, wenn auch nur unbedeutenden Zuwachs erhalten. Ebenso kommen etwa 20 ausgesprochene Katholiken in die neue Deputiertenkammer, fast alle aus den nördlichen Provinzen des Königreichs. Im Großen und Ganzen gleicht die neue Kammer so ziemlich der allen. Der Ministerpräsident Giolitti wurde dreimal gewählt und zwar doppelt in Messina, das soll eine Art von Vertrauensvotum des Messinesen an die Adresse des Ministeriums sein für die Hilfeleistung nach dem großen Erdbeben. In Wirklichkeit bedeutete das nur eine politische Schmeichelei einiger messinesischer Ueberpatrioten, die alle möglichen Vorteile für sich u d die Ihrigen von der Regierung Giolittis erhoffen. Von ausgesprochenen Katholiken wurden gewählt: der Direktor der „Unione" m Mailand, Advokat Meda, der bisherige Abgeordnete Marquis Cor- naggia und fast alle die anderen mit Erlaubnis des Vatikans aufgestellten Kandidaten, während der ehemalige Direktor des „Memento", Advokat Mauri und auch der Priester Don Romolo Murri sich einer Stichwahl unterziehen müssen. Murri wird sicherlich einen nicht leichten Stand im Parlament haben, wenn er wirklich gewählt werden sollte, denn als exkommunizierter Priester wird er nicht einmal auf die rein politischen Freundschaften der sogen, gemäßigten Kollegen rechnen können. Die am Sonntag stattfindenden Stichwahlen werden sicherlich am allgemeinen Resultat nicht viel ändern.
kommen ebenso wie ihre männlichen Kolleg«, nach geraumer Zeit einen Zustand hochgradiger Nervosität. Bibliothekarinnen hingegen find der Berufskrankheit ausgesetzt, von 10 Bibliothekarinnen wird eine nach verhältnismäßig kurzer Arbeitszeit nervös, und man konnte beobachten, daß eine Affektion der Lungen eintritt, wozu ihre männlichen Kollegen nicht neigten. Die Statistik hat zum Schluß ergeben, daß die „natürlichen" Berufe für die Frauen noch immer die vorteilhastqsten sind, r'
Je? Deutschland und Oesterreich- Ungarn.
Unsere Altdeutschen verstehen es ausgezeichnet, das Deutschtum unbeliebt zu machen und die sogenannten moralischen Eroberungen durch ihre Maß- und Taktlosigkeit zu vereiteln.
Weil die habsburgische Monarchie es dem deutschen Bundesgenossen zu verdanken hat, wenn sie die Annexion von Bosnien und der Herzegowina glücklich durchzuführen vermag, soll Deutschland nun wie ein alldeutsches Blatt allen Ernstes sagt, berechtigt sein, von Oesterreich Gegenleistungen in der inneren Politik zu verlangen, d. h. die „Förderung des Deutschtums" seitens der Wiener Regierung.
Zweifellos ist das gegenwärtige Verhalten der Leiter unserer auswärtigen Politik wohl geeignet, in Oesterreich dem Deutschen Reiche neue Sympathie zu erwerben bis weit in die anderssprachigen Kreise hinein. Aber wird nicht in disser Stimmuugs-bildung leicht ein Stillstand und Umschwung eintreten, wenn unsere geschwore- neu Gegner dort unter Berufung auf deutsche Blätter die Ansicht verbreiten können, Deutschland unterstütze nur deshalb die Wiener Politik, um Oesterreich zu beherrschen und die nichtdeutschen Nationalitäten vergewaltigen zu lassen?
In dem Ringkampfe zwischen den Tschechen Und den Deutschen in Oesterreich sind natürlich auch unsere Sympathien auf feiten des Deutschtums. Wir wünschen dem deutschen Element in Oesterreich die erste, führende Stelle. Aber wie ist dieses Ziel zu erreichen? Sicherlich wäre ein Druck von außen das allerverkehrteste Mittel. Eine Einmischung Deutschlands in das innere Leben des Nachbarstaates wäre mehr als ein Unrecht, nämlich eine ausgewachsene Dummheit. Durch die Einmischung zugunsten der Deutschen würden wir eine leidenschaftliche Reaktion fettens der sämtlichen slawischen Elemente Oesterreichs Hervorrufen. Der Deutschenhaß bei den Tschechen würde neu auflodern, auch das in Oesterreich sehr mächtige polnische Element würde in den offenen Widerstand gegen das österreichisch-deutsche Bündnis gedrängt werden.
Eine Einmischung in die innere Politik Oesterreichs hätte nur dann Sinn und Verstand, wenn wir die Absicht hätten, die habsburgische Monarchie zur Zersetzung und Aufteilung zu treiben. Veilleicht haben etliche fanatische Alldeutsche solche tollen Pläne; von österreichischen Alldeutschen ging ja seinerzeit auch eine landesverrätliche Agitation für den Abfall der deutschen Kronländer aus, und als Bestandteil dieser Agitation kam die Los von Rom-Bewegung in Gang. Aber von den vernünftigen Deutschen hüben und brühen werden solche Gedanken entschieden abgewiesen. Das amtliche Deutschland und das deutsche Volk im ganzen beharrt in jener freundnachbarlichen Politik, die Fürst Bismarck begründet hat. Gerade biejeutgen, die so gern auf den Namen Bismarck sich berufen, sollten sich bewußt bleiben, daß dieser Staatsmann stets an zwei Punkten festgehalten hat: 1. Nichteinmischung in das innere Getriebe der habsburgischen Monarchie; 2. Erhaltung der österreichisch-ungarischen Großmacht.
Aus dem letzteren Gesichtspunkte beantwortet sich auch die Frage, wie Deutschland von Oesterreich den Dank für geleistete Dienste erhalten kann. Oesterreich stattet seinen Dank ab, wenn es fort- besteht. Sie Erhaltung dieser zweiten mitteleuropäischen Karsermacht ist für uns so wichtig, daß wir gern die größten Dienste dafür bringen.
man künftig Aeußerungen, wie: ,sJta wart nur, das sage ich dem Lehrer!" Das Kind merkt wohl die Drohung, die darin liegt. Der Lehrer soll nicht zum Popanz werden. Die damtt erziett« augenblickliche Dämpfung des kindlichen Uebermutes wird immer mit einer Schädigung deS Vertrauens zum Lehrer erlauft Solcher Mißbrauch des Namens „Lehrer' ist ein Erziehungsfehler, den man von Anfang an vermeiden muß. -p.
— Welcher Beruf ist den Frauen gesuudhettS- schädlich? Nicht alle Berufe, denen die Frauen sich widmen, sind für sie von gleicher Bedeutung für ihre Gesundheit. Eine Statisttk hat ergeben, daß die Buchhalterinnen und die Lehrerinnen eine Beschäftigung haben, die ihrer Gesundheit am wenigsten zuträglich ist. Am besten daran find die Dienstmädchen und die Krankenpflegerinnen, denn bei ihnen kommt auf 100 Berufsfälle immer nur 1 Krankheitsfall, der durch den Beruf verfchuldet wird. Bei Näherinnen hingegen kommen auf 1000 32 Krankheiten, die der Beruf wenigstens zum Teil auf dem Gewissen hat. Denn alle Näherinnen neigen zur Bleichsucht, und dieses an sich so unbedeutende Leiden wird durch die sitzende Beschäftigung, bei der die Arbeitende meistens gebückt fitzt, nicht verbessert. Unter den akademischen Berufen ist der der Aerz- tinnen derjenige, der der Gesundhett am wenigsten schadet, wobei man allerdings di« Nerven- ärztinnen ausscheiden mutz. Neroenärztjnnen be-
Am dem Nachbargebiele.
♦ Wehrda (Kr. Hünfeld), 10. März 1909. Durch den in den Wäldern noch sehr dick liegenden Schnee konnte ein alles Recht, das von größer Bedeutung sür viele Familien ist, bis jetzt nicht ausgeübt werden: das Recht der Holztage. Die Einwohner von Wehrda haben nämlich von alterSher das Recht, an jedem Dienstag und Donnerstag des Monats März in dm v. Kleydorff'schen und v. Stein'schen Waldungen Hoiz zu lesen. Und davon wird reichlich Gebrauch gemacht. Viele Familien decken auf diese Weise ihren Jahresbedarf an Reisig. Vor Jahrzehnten haben die herrschaftlichen Verwaltungen es ohne Erfolg verfucht, dies Recht auszuheben. _ „
♦ Wächtersbach, 10. März 1909. Gestern hatte hier ein Metzger das Pech, daß zwei von ihm geschlachtete Kühe wegen Tuberkulose beanstandet und verscharrt wurden. — Die (Stab verordneten beschlossen die Errichtung des städtischen Schlachthauses nach dem Entwurf des Architekten Hennings von Stuttgart. Die Baukosten werden auf 30000 Mk. veranschlagt.
0 Kassel (Kr. Gelnhausen), 10. März 1909. Am vergangenen Sonntage sand hier wieder eine Volksvereinsversammlung statt. Herr Lehrer Franz hielt einen lehrreichen Vortrag über die Erziehung der Jugend und das Zu» sammenwirkm von Familie, Schule und Kirche bei der Erziehung. Die Zahl der Mitglieder des Volksvereins hat sich jetzt in Kassel um das doppelte vermehrt.
* Hanau, 10. März 1909. Ein armer „hung- tiger' Handwerksbursche bat gestern in einem hiesigen Hause um eine Gabe. Die Hausfrau fragte ihn, ob er etwas zu essen haben wollte und gab ihm auf feine Bejahung ein ordentliches Stück Butterbrot. Als sie kurz darauf ausgmg, sah sie in der Nähe des Hauses ihr Butterbrot liegen, aber die Butter war abgekratzt.
* Frankfurt, 11. März 1909. Der Arbeitspferdemarkt in der landwirtschaftlichen Halle war mit 1200 Pferden beschickt, von denen etwa zwei Drittel verkauft wurden. Schwere Tiere kosteten bis zu 2200 Mark, mittlere 900 bis 1200 Mark.
* Melsungen, 11. März 1909. Welche be- lustigende Sonderlichkeiten die Gesetzesparagraphen manchmal in sich bergen, zeigte sich vor kurzem beim Auflassungstermin des Luftkurhauses „Lindenlust', das einem Konsortium gehörte. Nach gesetzlicher Vorschrift mußten sämtliche Kon- sortiumsmüglieder durch Einschreibebrief zu obigem Termin eingeladen werden, was von zweien derselben erledigt wurde. Beim Termin ergab sich nun, daß alle Mitglieder eingeladen waren, mit Ausnahme der zwei Herren, die die Einladung besorgt hatten. Die Folge war, daß die Auflassung nicht erfolgen konnte und ein neuer Termin angesetzt werden muß, zu dem die beiden Herren, welche die Einladung versendeten, nicht versäumen dürfen, sich selbst eine Entladung durch Einschreibebrief zuzu- fenben.
* Hönebach, 11. März 1909. Mit dem Beginn des Winterhalbjahres 1909/10 soll hier eine ländliche Fortbildungsschule ins Leben treten.
§ Kassel, 10. März 1909. Die Stadtverordnetenversammlung beschäftigte sich mit der Beratung des städtischen Haushaltsetats. Oberbürgermeister Müller hielt eine einleitende Etatsrede, die auch politisch nicht uninteressant war und namentlich bettagte, daß das neue Lehrerbesoldungsgesetz einen so ausgesprochen städtefeindlichen Charakter ttage, der auch in anderen Aeußerungen und Maßnahmen der Gesetzgebung zum Ausdruck komme, sodaß die Städte jetzt immer nur noch mehr Lasten zu tragen, aber nichts mehr zu sagen haben. Gesundheit ängstlich besorgt ist, sollte trotz der Beanlagung und trotz aller Talente darauf achten, eine Beschäftigung im Hause zu finden.
— Die Juuggesellenstruer in Bulgarie«. Neben der UnaMjängigteit und dsm Kö-
— Komm Du nur erst in die Schule, dann wirst Du schon sehen, wie es Dir geht 1 Solche und ähnliche törichte Aeußerungen hört man nicht selten von Müttern, die mit einem kleinen lebhaften Kerlchen nicht recht fertig zu werben wissen. Die Folge davon ist, daß viele der Rnablein und Mägdlein den ersten Gang zur Schule in recht gedrückter Stimmung antreten. Der alte Brauch, den Kindern bei dem ersten Gauge zur Schule eine Zuckertüte zu übergeben, hängt damit zusammen. In den Kindern soll der Glaube erweckt werden, der gütige Geber sei der Lehrer, also gar nicht ein so schlimmer Mann, wie ihn die ärgerliche Mutter gelegentlich geschildett hat, wenn sie die Schule als eine Einrichtung hinstellte, in der alle kindlichen Unarten, begangen vor dem Gintritt in die Schule, ihre nachträgliche Vergeltung Iinben. Trotz der Zuckertüte kommt es aber nicht eften vor, daß so em NBC-Schützlein sich ängstlich an die Mutter anklammert und nicht dableiben will. Woher die Angst, die Beunruhigung des kindlichen Gemütes? In vielen Fällen, wenn auch nicht in allen, liegt das an derartigen tünchten Aeußerungen. Sache der Ettern ist es, in einem solchen Falle sich »u besinnen, ob nicht sie selbst es waren, die die schreckhaften Vorstellungen von Schule und Lehrer tn dem Kinde weckten. Noch ist es Zeit, den Schaden »u heilen, wenn man künftig vorsichtiger ist mtt Aeußerungen, die für kindliche Ohren und empfind« Sme Kindergemüter bestimmt find. Hat fich die ufnahme in die Schule ohne Zwischenfall voll- zogen, kommt das Kind fteudig erregt mit seinen kleinen Neuigkeiten nach Hause, so zeige man Interesse, lasse fich erzählen und achte sorgsam auf jede Regung des kindlichen Gemütslebens, besonders auch darauf, wie das Kind über Erfolge und Mißerfolge seiner Mitschüler fich äußett, um etwa hervortretender Schadenfreude mit einer geeigneten ASemerkung entgegenzutreten. _ Sorgsam vermeide
vermischter.
* Die Wahrsagerinnen in Berlin verstehen ihr, Geschäft. Eine dieser Damen macht fich besonders/ dadurch interessant, daß sie stets eine Maske trägt,, wenn sie ihren Kunden Vergangenheit und Zukunft! aus den Linien der Hand kündet. Und diese Kunden sind selbstverständlich überzeugt, daß sie die, volle Wahrheit zu hören bekommen. Die Klingel/ steht denn auch niemals still, obwohl das Honorar: nicht unter 10 Mark — pränumerando zahlbar —< betragen soll. Man sieht, es gibt Geschäfte, die immer noch gehen!
* Keim VogeSeichen als Huffchmuck. Eine, größere Anzahl Damen, Mitglieder deS Nordhäuser; Tierschutzvereins, hat sich an die Frauen der Stadt, Nordhausen gewendet und erklärt, auf Vogelleichew und Vogelbälge als Hutschmuck verzichten zu wolle«, weil sie den Schutz der Vogelwelt für bedeutungsvoller für die Menschheit halten, als die Mode, und weil sie nicht mit dazu beitragen wollen, Herr» liche und nützliche Geschöpfe der Natur zu vernichten.
* Gehorsam im KriegSfpirl. Eine sehr interessante Frage kam dieser Tage vor dem Koblenzer Kriegsgericht zur Verhandlung. Es handelte sich um di« Frage, ob beim Kriegsspiel die fingierten Feinde als wirkliche Feinde anzusehen seren, ob also z. B. ein Unteroffizier das Recht habe, dem ihm sonst vorgesetzten Offizier den Gehorsam zu verweigern. Der theoretische Fall kam in Koblenz zur praktischen Wirklichkeit. De, Unteroffizier S. hatte bei einer Felddienstübung im Brigadeverband als Patrvuillenführer den Befehl erhalten, gegen eine feindliche Stellung vorzugehen. Beim Zusammentreffen befahl ihm ein gegnerischer Ofsizrer, zurückzugehen. Der Unteroffizier kam trotz wiederhotter Aufforderung dem Befehl nicht nach. Er wurde deshalb wegen Gehorsamsverweigerung vor versammelter Mannschaft angeklagt. Der Vertreter der Anklage beantragte eine Gefängnisstrafe von 43 Tagen. Das Gericht jedoch erkannte auf Freisprechung: der Unteroffizier habe fich objektiv der Gehorsamsverweigerung schuldig gmracht; subjektiv liege jedoch ein Vergehen nicht vor, da der Unteroffizier der Ueberzeugung gewesen sei, der gegnerische Offizier sei bet einer Felddienftüdung nicht sem Vorgesetzter. Der § 59 des Strafgesetzbuches stehe ihm zur Seite, der laute: „Wenn jemand bei Begehung einer strafbaren Handlung das Vorhandensein von Tatumständen nicht kannte, so sind »hm diese Umstände nicht zuzurechnen.'
— Immer Protz. Polizcirat: „£>eute nacht soll man Ihre Kasse ausgeräumt haben?" — Protz: „Unsinn, fo lange Nächte gibt's gar nicht, Herr
niglichen Titel hat Bulgarien jetzt noch eine Errungenschaft: die Junggesellen- steu er. SHe Sobranje hat in einer ihrer letzten Sitzungen befchlossen, Junggesellen über 30 Jahre mit einer besonderen Taxe von 10 Fes. zu besteuern. Die Betroffenen haben mit ziemlichem Humor von der neuen Steuer Kenntnis genommen. Nur die Junggesellen der ölten Zarenstadt Tirnowo haben an die Regierung, gewisse Vorbehalte gerichtet. Kürzlich war in Sofia nämlich der erste Fastenmontag, und nach altem Brauch werden Junggesellen, denen es nicht gelungen ist, während des verflossenen Faschings zu heivaten, mit aufgeblähtem Schweinsblafen geprügelt. Die Tracht Prügel, welche die heiratsfähige Jugend von Tirnowo diesmal seitens ihrer Mitbürger dadongetragen hat, fcheint ganz besonders stark gewesen zu sein, und die jungen Herren erklärten in einer telegraphischen Eingabe an den Finanzminister, daß sie die neue Steuev bereitwilligst zahlen wollen. Dagegen verlangen sie, daß pe die Behörde in Zukunft von der schimpflichen und beschämenden Prügelei bewahre. Hoffentlich nimmt die Regierung die Petition in Erwägung, denn zu zahlen und noch dazu geprügelt zu werden, das geht dem» doch sogar über die bulgarischen Nerven. _
— Zeitbild. — „Was ? Ihr Schwager hat fich von feiner Frau schon wieder scheid«« lassen? — „Ja! Fünfzehn Jahre wäre« die beiden verlobt — und fünfzehn Wochen verheiratet."
— Takt. Dame (beim Friseur, nach einigem Zögern): „Ich — möchte — mir gern mal einige falsche Zöpfe ansehen.' — Taktvoller Verkäufer: „Gewiß, anädige Fra«. Welche Farbe wünscht Ihre Wer also um seine Fvmndin?" —