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Fulda, Freitag den 12. Mär, 1909.

36. Jahrgang.

Kustes ML^cltL.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 11. März 1909.

Bei der heutigen Weiterberatung "des WeingesetzeS

erklärte sich Abg. Spindler (Ztr.) im Prinzip für die Kommisfionsbeschlüffr und hielt den stritt,gen § 6b (betreffend den Verschnitt) für notwendig. _____

Abg. Dr. Paasche (ntl.) trat für bte Erweiterung bet ^ibg^ Prciß e(@if.) und ei» Regierungsvertreter traten ihm entgegen, auch Abg. Lehmann (^>z.) hiett die Bezuckerung biS ,u 20 Prozent für hinreichend

Abg Schüler <&) hielt es für notwendig, daß eine Einigung in der Frage der Zuckerung erfolge. E.» jeder müfle mancherlei Bedenken un Jntereffe des all­gemeinen Wohles rurückftellen.

Abg. Freiherr v. Wolff-Metternlch (Z.) lehnte bte äuckerung bis zu 25 Prozent ab, sprach sich aber für usdehnung des Termins dis zum 31. Januar aus. An de» «ommisstoasbeschlüffen betr. des Verschnittes dürfe nicht gerüttelt werden.

Abg. Freiherr Heyl zu Herrnsheim CntL) und Abg. Wieland (®. Vp.) traten ebenfalls für die Kommtssions» beschlüfle ein.

Abg. Dr. Thaler (Z.) beantragte, den Zuckerzusatz nicht prozentual festzuletzen.

Bei der Abstimmung wurden die AnträgeHor- manu und Paasche über die Zulassung der Zuckerung bis zum 31. Januar und bis zu 25 Prozent abgelehnt, Sodaß die Zuckerung bis zu 20 Prozent und bis zum 1. Dezember genehmigt bleibt.

Nach kurzer Debatte wurde dann der Antrag deS Zentrums zum § 6a über die Bezeichnung des Wein« Verschnitts mit großer Mehrheit abgelehnt und dann der Beschluß zum § 6b betreffend die strengere Behatdlung des ausländischen Verschnittweines ander ©lerne usw. trotz eines entschiedenen „Unannehmbar" der Negierung mit erdrückender Mehrhett angenommen. Dann wurde der Rest des Gesetzes genehmigt.

Das Haus erledigte dann noch in zweiter Lesung baS Gesetz über die Beseitigung der kommunalen Doppelbesteuerung.

Dienstag: ®ritte Lesung des Weingesetzes.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 11. März 1909.

Auf der Tagesordnung steht die dritte Beratung des Gesetzes betreffend das

Kommuualfteuerprivileg der Beamten.

Abg. Graf v. d. Gröben (Tonf.) begründet einen von ihm eingebrachten Antrag, der folgenden, bei der zweiten Lesung gestrichenen Zusatz zum § 4 wieder hinzufügen will: Indessen verbleiben hierbei die den Satz von 100 Prozent übersteigenden Zuschläge dem Kreise insoweit, als er zur Deckung seiner Bedürs- niffe die Einkommensteuer mit Umlagen heranzieht. ; Geheimrat Freund empfiehlt den Antrag anzu- nehmen.

Abg. Dr. Heifig (Zentr.) spricht sich für, Abg. Ecker- Winsen matt.) gegen den Antrag aus.

Abg. Reinbocher (fieif. Vp.) begründet einen A n - tragWolff-Liffa, der die Geistlichen in das Gesetz einbeziehen will.

Abg. Hirsch iSoz.) erklärt, durch die Ausnahme­stellung der Geistlichen sei für die Sozialdemokraten die Vorlage unannehmbar geworden.

Nach weiterer unerheblicher Debatte wird der An­trag Wolff-Liffa abgelehnt, die §§ 1, 2 und 3 der Vor­lage werden in der Fassung der zweiten Lesung ange­nommen, der § 4 in der entsprechend dem Antrag v. d. Gröben erweiterten Fassung.

Bei § 5 wird ein Antrag Viereck (freikons.), der die bisherigen Bestimmungen in solchen Gemeinden, in denen noch besondere Schulbeiträge erhoben werden, bis zum Uebergange der Bolksfchullaften auf bte be­treffenden Gemeinden ausrecht erhatten wissen will, — mit großer Majorität abgelehnt, und hierauf das Ge­setz mit der beschlossenen Aenderung int ganzen ange­nommen.

ES folgt die dritte Beratung über den Wohuuu »Sgeldz us chuß.

Abg. Lohmmm (natl.) vermißt bei der Vorlage die Einheittrchtett.

Abg. Dr. Soviguh (Ztr.) hebt die Schädigungen hervor, die durch die jetzt vorgesehene Regelung den­jenigen Städten und Ortschaftenzugefüqt würden, die in ihre» alte» Servis- dezw. Ortsklassen belasten worden seien. Bei der enögilrigen Regelung des Wohnungs- geldes für das Jahr 1911 müßten die allgemeinen Teueruugsverhältutffe der verschiedenen Gegenden qnb Orte in Betracht gezogen und bezüglich der Miets­preise die bei de» jetzigen Ermittelungen vorgekom­menen Fchler vermieden werden. Redner wünscht, daß daS Ermittelung-material mit dem denmächstigen Ge­setzentwurf vorgelegt werde, damit das Haus die Richligkest der Ermittelungen prüfen könne. Zum Schluß empfiehlt Redner zur Vermeidung der hohe» Spannung zwischen de» einzelnen Ortsklaffen eine größere Anzahl von Deamtenklaffen einzuführen.

Abg. Schröder-Kassel (ntl.) hält es für zweckmäßig, die Grundsätze der künftigen Regelung nicht schon jetzt festzulegen.

Abg. Frhr. v. M-ltzahn (tonf.) weist auf die großen Verschiedenheiten in der Beschaffenheit der Dienstwohnungen hi».

Abg. Kirsch (Ztr.) regt an, die Frage der Ein­gemeindung der Vororte bei der über zwei Jahre zu erwartende» neuen Klaffeneinteilung der Orte zu berücksichtigen.

Die Besprechung schließt. Die einzelnen Artikel werden angenommmen, ebenso in der Gesamtab­stimmung daS ganze Gesetz.

DaS HauS tritt dann in die dritte Beratung der Novelle zum Einkommen- und Ergäuzungssteuergesetz.

Abg. Heiman» (Soz.): Meine Freunde batten es freudig begrüßt, daß die Regierung die Einkommen unter 7000 Mk. von dem Steuerzuschlag freiließ. Leider verteidigt der Finanzminister jetzt die Kommijstons- beschlüsse, die fcho» die Einkommen von 1200 M. an treffen sollen. Einem Manne mit 1200 Mk. Ein­kommen wird eS aber schwerer, 60 Mg. an Steuer aufzubringen, als einem Mann mit 10000 Mk. ein Steuermehr von 30 Mk. Die Kommijsronsbeschlüfle werden den einzigen guten Erjolg haben, daß sie die Kommunen veranlaßt, ihren Steuerbedarf aus der er­giebigen Wertzuwachssteuer zu decken.

Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Der Abg. Heimann hat wieder daraus hingewiesen, daß alle Lasten den unbemittelten Kreisen ausgebürdet würden. Demgegenüber muß ich doch darauf Hinweisen, daß 75 Proz. der jetzt beschloffenen Zuschläge von 0,38 Proz. der Bevölkerung aufgebracht werden. Ich habe nie verhehtt, daß wir sowohl hinsichtlich der Ermittelung des Einkommens wie auch der des Vermögens durch­aus noch nicht zu einem Zustande der Vollendung ge­kommen sind. Es gibt noch sehr viele Leute, die nicht das zahlen, waS sie zahlen mästen iLebh. Sehr richtig!) Aber es ist mir doch zweijelhaft, ob Hinterziehungen in dem Umfange vorkommen, wie es behauptet ist. Namentlich muß ich aber bestreiten, daß die Landräte an den Hinterziehungen mitschuldig seien.

Abg. Dr Pachuicke (frf. Vgg.) meint, die Belastung der geringeren Einkommen durch die vorliegenden Be­stimmungen fei nicht bedeutend. Redner tritt dann der Behauptung entgegen, daß der Freisinn umgefallen sei. Auf die Nachlaßsteuer verzichte et nicht.

Abg. Hirsch (Soz.) wirst den bürgerlichen Par­teien vor, daß die ganze Steuerveranlagung nur daraus Hinauslame, die Minderbemittelte» zu belasten.

Abg. Dr. Friedberg (natl.) erwidert dem Vor­redner, daß die ArbeUerschast durch die Gewerkschasls- beiträge mehr herangezogen werde als durch die Steuern.

Hrerauf wird das ganze Gesetz angenommen und alsdann auch das sog. Mauielgesetz, nachdem Aba. Frhr. ».Zedlitz (freikons.) den Wertzuwachs für bte Heranziehung zur Kommunalbesteuerung und eine Reorganisation des ganzen Apparates der Steuerveran­lagung empfohlen hatte.

Bei der nun folgenden zweiten Lesung des Gesetzes betreffend die

Gebühre» für Mediziualbeamieu

traten die Abgg. v. d. Osten (kons.), GerharduS (Zentr.) und Dr. Dumrath (natl.) jür dieKommissionsbeschlüffe ein

Abg. Heifig (Zentr.) beantragte Herabsetzung der Gebühren im Jntereffe der ärmeren Bevölkerung.

Nach wetteret unwesentticher Debatte wurde die Vorlage nach den Kommlstionsdeschlüffe» angenommen.

Freitag: Zweite Beratung des Gesetzenlwurjs. bett Bildung emes Landatmenverbanbes aut Helgo­land; Fortsetzung der zweiten Beratung des Gestüts- etats; Domänen- und Forstetat.

— So geht es nicht weiter, ruft der Berliner Offiziösus der „Münch. Reuest. Nachrichten" verzweifelt aus. Er ist nicht der Meinung, daß die Hoffnung, daS Vefitzsteuer- Kompromiß werde die Tür zn weiteren frucht- baren $erf)onbluiigen öffnen, sich erfüllen werde. Seine pesiimiftischen Anschauungen begründet er folgendermaßen:

„DaS Kompromiß selbst gilt heute schon als tot Der Widerstand dagegen, ja, man kann sagen, bet Widerwille besteht nicht nur in Wähler­kreisen und ht der öffentlichen Meinung, sondern auch innerhalb bet Bockparteien selbst. Auf eine Mehrheit im Plenum beS Reichstages kann es, wie wir schon vor einigen Tagen betont haben, nicht rechnen, und die Regierungen einer Reihe von Bundesstaaten, an ihrer Spitze Bayern, Sachsen, Hessen, haben mit aller Deutlichkeit erklärt, daß sie mit aller Macht sich gegen diese Befitzsteuer wehren. Aber selbst als Anshülss- mtttel zur Behebung augenblicklicher Schwier,gketten und Förderung der Geschäfte bewährt sich das Kom­promiß nicht. Wie vorher bei der SpirituSsteuer, so stockt die Kommission bei der Tabaksteuer. Und wenn auch hierfür eine Unterkomnnssion eingesetzt wird, so erleben rott wahrscheinlich das gleiche Schauspiel, rote bei bet Bierbesteuerung. Vier Monate beinahe tagt jetzt die Finanzkommission und ihre Hände sind immer noch leer. Es ist wirklich höchste Zeil, daß diesem steuerlosen Treiben auf den Wellen der Parteitaktik ein Halt zugerufen wird. Wenn der Reichstag sich nicht selbst ausraffen kann, so muß der Bundesrat im Namen des Volles dteses Halt aus- rufen.'

Die Not ist groß, aber wie aus der Sackgasse herauskommen? Daß Fürst Bülow den ehrlichen Makler beim Abschluß des Kompromisses spielen wollte, daran glaubt man nirgendwo so recht. Bei rhm handelt es sich darum, Zeitzugewinnen und die Blockparteien zur Dilrchberatung der übri­gen Steuervorlagen zu veranlassen. Die heftige Sprache, mit der die offiziöse Presse, insbesondere die „Köln. Ztg.", das Koinpromiß von Anfang an bekämpft hat, ließ deutlich erkennen, daß bessere Zeiten abgewartet werden sollten. Nur unter dem Druck der Verhältnisse hatten ja auch die süddeut- sehen Finanzminister sich davon abhalten lassen, ihre Gegnerschaft offen zu dokumentieren.

Inzwischen gehen die intimen Bespre- chu n g e n des Schahsekretärs u. eines Vertreters des Reichskanzlers mit den Führern der B l o ck- p a r t e i eu weiter. Man bemüht sich da sehr heiß, ein Kompromiß über die indirekten S t e u e r u des Zinanzprogrammes wenigstens in großen Zügen zu vereinbaren, d. h. sestzustelln, wieviel aus jedem der Steuerobjekte, aus Tabak, Bier Brannttveiu die Blockparteien zu bewilligen entschlossen sind Man hofft dann, wenn man sich erst über die Smnmen geeinigt hat, sich in der Kommission leichter über die Form zu einigen. Bisher war aber alles vergeblich. Die Stimmung ist hoffnungslos. In politischen Kreisen wird darum die vor wenigen Tagen noch als un­möglich zurückgewiesene Idee einer Reichs- iagsauflösung nunmehr als eine durchaus im Bereich der Möglichkeit, ja, vielleicht sogar der Wahrscheinlichkeit liegende Frage be­handelt.

Die Schwierigkeit der Lage wird noch ver­mehrt durch die Unstimmigkeiten und Zer- würsniffe innerhalb der Parteien. Insbeson­dere die Blockparteien bieten ein Bild der Verwirrung. Bei den Konservativen hat sich der Reichsparteiler Stubbendorf offen für die Nachlaßsteuer erklärt; die Freisinnigen sind infolge des Besitzsteuer-Kompromisses in zwei

feindliche Heerhaufen geteilt. Am schlimmstett ist die Konfusion aber bei den Nationalliberalen. Die Stimmung in der Partei soll geradezu hoch- kritisch sein.

Vielleicht erkennt man in den Kreisen der Regierenden allmählich den schweren Fehler, den man mit dem Reic^kanzler, allerdings nicht ohne hohe Hintermänner, gemacht hat, als man das Zentrum aus der Mehrheitsbildung ausschal- tetc und den Block schuf. Zu den Zeiten, als das Zentrum noch im Reichstage etwas zu sagen hatte, wären solche verworrene Zustände undenkbar ge­wesen.

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Deutsches Reich.

** Berlin, 11. März 1909. Die Antw ort« note der serbischen Regierung ist am Don­nerstag mittag im Berliner Auswärtigen Amt über­reicht worden.

*♦ Der Bundesrat hat sich am Donnerstag mit der Frage der Besitzsteuer aufgrund des Block« kompromiffes besaßt, liebet das Resultat der Ver­handlungen liegen Mitteilungen noch nicht vor.

C. Die Brausteuer. Die Reichsfinanz­kommission begann am Donnerstag die Be­ratung der Brausteuervorlage. Die Besprechung bezog sich zunächst auf den § 6, der die Er­hebungssätze der Brausteuer seststellt. Während bisher die Steuersätze in zehn Staffeln von 4 bis 10 Mark stiegen, sollen sie in Zukunft steigen von 14—20 Mark in fünf Stufen. Die Reichs- Partei beantragte zum Schuh der kleinen Brauereien die Sätze 10 M. für die ersten 250 Doppel­zentner, 12 M. für die folgenden 750 Doppel­zentner, 16 M. für die folgenden 500 Doppel­zentner und 20 M. für den Rest. Ein Zentrums­redner erklärte, daß ein Teil seiner Freunde gegen eine Erhöhung der Brau steuer sei, daß der andere Teil aber auch Bedenken gegen die. Vorlage habe wegen der hohen Mehrbelastung der süddeutschen Staaten. Die Wirkung der neuen Steuersätze fei für die kleinen Betriebe viel un«j günstiger als die der alten Sätze. Der Antrag Gamp begünstige die Großbetriebe. Die schließ«? liche Stellung seiner Parteifreunde müffe er sich Vorbehalten. Ein sozialdemokratischer Redner lehnte jede Erhöhung der Biersteuer ab. Ein konservativer Redner betonte, unter dem Drucke der bitteren Notwendigkeit müsie auch das Bier höher besteuert werden. Der Antrag Gamp schütze nicht genügend die mittleren Brauereien. In der Debatte wurde aus Anlaß einer ge-' legentlichen Aeußerung eines Zentrumsredners, daß auch das Besitzsteuerkompromiß die süddeutschen außerordentlich hart treffe, die Be- deu.ung dieses Kompromiffes mehrfach erörtert. Ministerialdirektor Kühn betonte, daß das Kom­promiß die Zustimmung des Schahsekretärs nicht gefunden habe, weil es die Bundesstaaten belaste. Der Antrag sei nur als ein Mittel erschienen, die Sache in Gang zu erhalten. Auch ein frei­sinniger Redner betonte, daß das Kompromiß nur unter Vorbehalt angenommen worden sei. Die Nationalliberalen erklärten sich im Prinzip sür die Vorlage, ohne den Antrag der Reichs­partei abzulehnen. Staatssekretär Sydow er­klärte sich einverstanden mit der Teilung der Gesäße von V* Liter bis ein Zwanzigstel. Ein Zentrumsredner geht dann noch eingchend auf die bayrischen Verhältnisse ein. In Bayern bilde daS Bier mit trocknem Brot tatsächlich ein Nahrungsmittel. Die kapitalstarken Brauer, ien würden die zugrunde gehenden kleineren Betriebe

8m Sonne des Geheimnisses.

53] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld, Jack hatte bisher noch nichts über feine Ent­deckungen gegen seinen Bruder verlauten lassen; er sagte sich mit der Vorsicht, die allen feinen Schritten in dieser Sache eigen war, daß eine Mitteilung seines Geheimnisses an Werner viel­leicht gleichbedeutend mit dem Verlust desselben fein würde. Jedenfalls würde er allein dann nicht mehr alle Fäden in der Hand haben.

Jack hatte seit der Reise nach Abbotsville einige sehr unglückliche Monate verbracht. Seine Mut- ter zeigte plötzlich eine Entschiedenheit und Festig- kett, die Jack ihr nun und nimmer zugetraut hätte. Er war klug genug, einzusehen, daß iebe weitere Erwähnung des Geheimnisses bei ihr ab- ;fblut nutzlos sei, ja, vielleicht unangenehme Fol­gen für ihn nach sich ziehen könne.

Betsy hatte ihn auch schwer geärgert. Zu­weilen war sie munter und freundlich, wie früher, nett und lieb gegen ihn gewesen, hatte sich ge­freut, wenn er gekommen war, und wieder, und weit öfter, hatte sie ihn verspottet und ausgelacht über den gänzlichen Mißerfolg ast' feiner groß­artigen Bemühungen, ein feiner und reicher Mann zu werden. „Bloß gut für mich, daß ich arbeiten kann", hatte sie gesagt. „Wenn ich erst warten soll, bis Du für mich arbeitest, kann ich lange warten."

Somit war es in jeder Beziehung eine an­genehme und willkommene Veränderung für Jack, als Werner ihn nach London einlud.

„Geh", sagte Kate Jefferies, „geh, wenn Du willst, meinetwegen; aber merk' Dir, läßt Du Segen Werner auch nut ein Wort davon aus, was Du mir gesagt, so richtest Du ein Unheil cm, das Du bis an Deinen Tod bereuen wirst. Das merk' Dir wohl l"

Sie gab ihm zwar noch etwas GÄd, aber Mutter und Sohn trennten sich kühl.

„Du kannst doch ebensogut ein freundliches Gesicht dazu machen", fugte Jack beim Abschiede. „Du N>eißt doch, daß ich nicht für meinen eigenen Kopf hingehe, sondern daß ich dahin eingeladen bin."

Werner hatte Jack schr deutlich geschrieben:

„Ich kann Dich nicht nach Lord Romsey's Hause einladen; es ist bereits überfüllt mit Besuch; auch möchte ich mir überhaupt diese Freiheit nicht gern nehmen; ich werde aber an der Bahn sem und Dich abholen. Ich suche Dir dann eine Wohnung und werde Dir soviel von meiner Zeit widmen, wie ich kann. Du sollst alles sehen, was es in London nur zu sehen gibt. Mehr wie das kann ich nicht ver­sprechen."

Jack war äußerst zufrieden damit; er hatte damals noch nicht halb genug gesehen und gierte immer nach Vergnügen.

Was wahr ist, ist wahr; als Werner seinen Bruder am Bahnhof traf, schämte er sich einiger­maßen. Dio Tatsache, daß Jack ungewöhnlich plebejisch, ja, ordinär aussah, ließ sich nicht be­mänteln.

Dia ladderigq. unternehmend sein sollende Art und Weise, wie er feinen Hut aufgesetzt hatte seine großen, groben, roten Hände, unbehand! schuht und voll billiger Ringe, de» unerträgliche Geruch von schlechten Sigarren und noch schlechte­rem Tabak, der ihn umgab, sein überlautes Spre­chen und Lachen — kurz, sein ganzes Wesen stieß Werner ab. Werner war kein feiner Herr kein Stutzer — nie im Leben hatte er sich feiner ge­geben, tote er war, oder etwas Besonderes vor- stellen wollen, aber er hatte unter feingebilbeten Leuten gelebt; sein Geschmack hatte sich gehoben und verfeinert. 6» war nicht zn verwundern, daß die merkwürdige Gestatt da neben ihm ibn abstieß.

„Verfl-k, ich hätte Dich nicht wieder gekannt", sagte Jack, mit neidisch« Bewunderung seine- Bruders hübsche Gestatt und feine- Gesicht

betrachtend, „Du hast Dich verändert, und nicht zu Deinem Schaden."

„Ja, wir haben nns lange nicht mehr gesehen", versetzte Werner ausweichend und sich heimlich die bittersten Vorwürfe machend, daß er nicht brüderlich« gegen Jack empfand. Er haßte sich beinahe, weil er sich von dem Manne, den er für seinen Bruder hielt, abgestoßen und angewidert fühlte. Er zwang sich zu vertraulicher llnter- boliung mit chm und wunderte sich all die Zeit über, warum er kein wärmeres Gefühl gegen ihn empfand — warum er feinen Bruder nicht einfach deshalb liebte, weil er fein Bruder war, und aus keinem andern Grunde.

Er hatte zwei nette Zimmer in Islington ge­mietet, und sie begaben sich zunächst dahin.

„Nun, Jack", sagte Werner, als sie es sich in der Wohnung bequem gemacht, „mußt Du Dir alles ansehen. Lord Romsey hat jetzt gerade nicht viel zu tun, und ich werde somit mit Dir ans- gefjen können. Sag' mal, was meinst Du, wird Dir am besten gefallen?"

Jack erwiderte mit einem AugenSvinkern; er hatte eine Vorliebe dafür und glaubte, eS sei ein königlicher Weg zum Witz.

„DaS Theater", sagte er bann, und darnach ein Souper mit Austern."

Werner lächelte unwillkürlich. „Augenblicklich wird am Drury Lane-Theater Shakespeare ge­geben — würde Dir das für heute abend ge­fallen?"

„Shakespeare?" sagte Jack zweifechaft; „hm. er ist ’n bischen langweilig, was? Ich sehe gern was Sensattonelles. so was Packende-, weißt Du; aber ich will'» 'mal mit Shakespeare versuchen."

ganz England t „Romeo und

" „Ist Re hübsch?"

„Wenige, wenn überhaupt welche, Werkreffen sie", war die ruhiae Antwort.

„Die beste Schauspielerin von tritt heute abend auf, als Julie i

„Ah! Dann gehe ich natürlich hin. Um ein wirklich hübsches Frauenzimmer zu sehen, ginge ich überall hin. Interessieren Dich denn keine netten Weiber?"

„Doch", lächelte Werner, „ich habe einer jun­gen Dame, namens Poesie, den Hof gemacht, finde sie aber etwas schüchtern."

„Hm, schüchtern habe ich sie selbst gern", sagte Jack mit der Miene eines Vielerfahrenem „Es ist viel pläsierlicher, weißt Du, als wenn sie gleich so drauf losstürmen."

Er glaubte Wunders was Kluges gesagt zu, haben und fühlte sich einigermaßen belmdigt, als Werner laut auflachte. '

„Glaub' nur nicht, ich wüßte nichts, weil ich vom Lande komme", fuhr er gehäuft fort. „Ich bin nicht so dumm, wie Du Dir vielleicht einbil- dest. Ich habe — wie sagen die Vornehmen doch gleich? — aha, also ich habe meine Huldigungen einer sehr hübschen, jungen Dame dargebracht, einer von der Sorte, wie Du eben sagtest, wo es immer heißt: Drei Schritt vom Leibe! Nichts lehrt einen soviel Lebensart, tote so was. — Gehst Du heute abend mit zum Theater?"

„Ich weiß noch nicht, glaube aber nicht, Jack. Lord Romsey sagte, er möchte mich heute abend noch mal sehen. Vielleicht habe ich zu tun. Ich werde Dir aber ein Billet besorgen. Wo willst Du am liebsten sitzen?"

Jack blickte nachdenklich drein. „Am behaglich­sten tft mir*» immer im Parterre; vielleicht könnte ich aber zur Abwechslung mal auf den ersten Rang gehen; was meinst Du?"

„Ja, daS wird sehr nett sein. Und jetzt also für eine Beile adieu, Jack. Brauchst Du mich, s» schreib' mir eben eine Zeile; ich werde dann gleich zu Dir kommen."

„Verstehe, ich soll nicht vorsprechen."

„Nein, wenigstens jetzt nicht. Wenn ich mal ein eigenes Haus habe, so wirst Du mir immer willkommen sein. Zu anderen Leuten kann ich Dich nicht einladen." —

Gortsetzung folgt-*