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Sotattonrdruckund Verlag der Zuldaer AI- titnbrxdtrti in Luldg Fernsprecher Nr. 9.

M 56.

Fulda, Mittwoch dm 10. MSrz 1909.

36. Jahrqansi.

Erstes Mcltt.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 9. März 1909.

Der Reichstag beriet bei sehr schwacher Besetzung in zweiter Lezung das

Weingesetz.

Beim § 3 über die Zuckerung lag ein national­liberaler Antrag vor. der die Zuckerungsmenge von einem Fünftel auf ein Viertel erhöhen will. Em frei- ftnnmer Antrag will die Zuckerung nicht bis zum Ende des Jahres, fondern bt8 zum 31. Januar zulassen.

Abg. Dr. Dahlem iZtr.) war gegen diesen Antrag. Er betonte weiter, daß das ganze Gesetz für das Zen­trum mit dem § 6 b falle, wonach em Verschnitt aus deutschem weißen Weine mit ausländischem Weine nicht unter einer Bezeichnung verkauft werden darf, die den Anschein hervorrujt, daß der Wein deutsches Erzeug, nis fei.

Die Abag. Hehl zu HerrnSheim sntl.), Dr. Röficke skons.l und Dr. David äußerten sich in demselben Sinne.

Das Zentrum brachte dazu noch einen Antrag rin, wonach die Beimischung des Verschnittes, der den Namen geben und die Art bezeichnen soll, überwiegen mufe

Abg. Hormann < freis. Vp.) ist gegen diese Anträge, weil sie zu unklar seien.

Staatssekretär v. Bcthmann-Hollweg ist für die Zuckerung bis zum 31. Januar; sonst müsse mancher zu früh verkaufen. Er spricht sich dann gegen den An­trag des Zentrums übet den Verschnitt aus.

Staatssekretär des Auswärtigen v. Schoen trägt vom Gesichtspunkte der ausländischen Politik Bedenken gegen Maßnahmen zu Ungunsten des ausländischen Weines vor.

Abg. Blankenhorn sntl.) ist für den Antrag; es sei besser, das Geld im Lande zu halten.

Derselben Ansicht sind die Abgg. Staufer (wirtsch. Bgg.s, Naumann (frei*'. Vgg.s und Gräf (Rfp.).

^Nachdem ein Regierungsvertreter dann auf einmal den Anlrag des Zentrums detämpsl und die Regierungs. Vorlage empsohlen hatte, wurde die Weiterbera ung auf Donnerstag vertagt.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 9. März 1809.

I veite Beratung des Gesetzentwurfs betr. den Wohnungsgelbzuschuß.

Die Kommission hat bekanntlich ein zweijähriges Provisorium geschaffen. Für diese Zeit ist der Zuschuß um 33'/» Prozent erhöht. Die Unterscheidung zwischen vei heirateten und unverheirateten Beamten ist wieder aufgehoben und ebenso sind die deklassierten Ortschaften in die früheren Klaffen zurückversetzt. — Zu dem Ent­wurf liegen nicht weniger als 102 Anträge vor, die zum größten Teil in der Zeit eingebracht waren, be­vor das Kompromiß zustande kam.

Abg. Frhr. v. Maltzahn (kons.): Wenn das Kom­promiß auch nichts Ideales darstellt, so muß es uns als Provisorium doch immerhin als annehmbar er­scheinen, da es uns ermöglicht, wenn der Reichstag eine 'leurrgelung durchführt, dieser Regelung zu folgen.

Abg. Schmedding (Ztr.): Voll befriedigt hat auch die neueste Form des Wohnungsgeldzuschufles nicht, weil die Beamten statt der erwarteten 50 Prozent nur 33',» Prozent Ausbesserung erhalten. Deshalb und Iveil die eingegangenen Petitwnen nicht entsprechend geprüft worden find, werden einzelne meiner Partei­freunde gegen die neuen Kommtssivnsbeschlüffe stimmen. Die überw/egende Mehrzahl wird indeflen unter den obwaltenden zwingenden Verhättniffen kein Bedenken tragen, für die Beschlüsse zu stimmen, zumal eine volle Befriedigung doch nicht zu erreichen gewesen wäre. Die Vorlage bringt nach drei Seiten hin eine relative Verbesserung; die 48 deklassierten Orte, z. B. Hildes­heim, M.-Gladbach, Münster, Gelsenkirchen usw., sind wieder hochgebracht; die Beschlüsse sollen nur bis zum 1. April 1911 gellen, und drittens ist die verschtedene Beh rndlung der Verheirateten und Unverheirateten beierligt worden. Ich bitte den Minister, die neue Vorlage rechtzeitig einzubringen.

Saune des MmnWs.

it] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld

„Ich glaube", sagte sie nach einer Pause, „es steckt schließlich doch nichts dahinter. Du wirst mich doch niemals zu 'ner Dame machen können. Merk Dir eins: ich frage nichts darnach; es war nickt wegen so was, daß ich Dich zuerst leiden mochte; aber Du solltest nie was versprechen, Was Du nickst drrrchführen kannst."

,,^di kann alles durchführen, was ich verspro­chen habe", gab er zurück, „aber nicht ganz fo schnell, wie Du es wohl willst — das heißt, ich meine, wie ich es wohl will. Hab' Geduld, Betsy; es wird sicher alles schon in Ordnung kommen."

„Was ist denn schief gegangen?" fragte sie.

„Denk' Dir, es loäre jemaiid ausgegangen; er wollte irgendwohin und könnte nun absolut nicht weiter, wäre auf eine glatte Mauer gerade mitten auf seinem Wege gestoßen, was sollte er da tun, Betsy?"

„Umkehren, mein' ich, und einen andern Weg probieren."

„Und das will ich gerade jetzt tun. Ich weiß, es existiert ein gewisses Geheimnis, und ich dachte, der Weg, den ich jetzt neulich gemacht, würde mich dahinführen. Statt dessen kam ich vor die Mauer, Betsy, und jetzt muß ich umdrehen und es mit einem andern Weg versuchen. Verlaß Dich darauf, Betsy, der nächste Weg, den ich ein- schlage, wird zum Erfolg führen."

„Na, Deinetwegen hoff' ich das. Ich muß jagen, ich glaube nicht, daß Du überhaupt zur Arbeit viel taugst, Jack, wenn ich meine Mei­nung sagen darf."

„Nein", war die zustimmende Antwort; „ich habe immer gefühlt, daß ich zu einem feinen Mann geboren fei."

„Es gibt so viele verschiedene Arten von fei­sten Leuten, daß ich, für meinen Teil, fast lieber

FinanzmiEer Frht. v. Rbrinbabe« erwidert, die Regierung halt« ti für ihr« Pst cht, bie neu» Woh­nungsgeld zuschuß-Borlag« dem Haus» biS zu dem vor- gefrhenen Termin eonulegen.

Dir Abgg. HanSman» (ntL), Brütt (frt), Gvtzliug (frf. Bp.l unö Pelrasolm (frf. Bpg.) fprechen sich für das Kompromiß auS, da eS nur all Provisorium gelte» solle, wenn auch nicht all» Wünsch» erfüllt seien.

Abg. Ströbel (60).) erklärt, daß sein» Partei hier im Plenum dem Kompromiß zustimmen werde.

Nachdem dmm in unwesentlicher Drbatt» das so­genannte

Mantelgesrtz

angenommen war, trat das HauS in die zweite Bera­tung deS Gesetzentwurfs bett, teilweise Beseitigung deS GemeindestruerprivilegS für Beamte.

Die Kommission hat bestimmt, daß daS Gesetz Geltung haben solle für Staatsbeamte, Geistliche und Lehrer, sowie für die seither bei der Gemeindeeinkom- mensteuer devorrechkigk gewesenen niederen Kirchen­diener, daß ferner die Gemeindesteuer auf 125 Prozent begrenzt sein soll.

Abg. v. b. Gröben (kons.) begründet einen Antrag Ahrens, wonach die Regierung sich mit de» Kirchen­behörden darüber ins Benehmen zu setzen hat, unter welchen Voraussetzungen di, Befreiung der Geistlichen noir der Gemeindesteuer aufgehoben werden kann.

Abg. Dr. Heisig (Ztr.) begründet einen Antrag des SentrumS, wonach der Beschluß der Kommission aus eseittgung deS Sreuerprivileg« für Geistliche, Elementar­lehrer und untere Kirchendiener rückgängig gemacht, also die Regierungsvorlage wieder hergestellt werden soll Der Antrag Ahrens hat für unS schwere Be­denken, da die Besteuerung der Elementartedrer sich nicht wesentlich unterscheidet von der der Geistliche»

Ministerialdirektor v. llbappuis unterstützt den Zentrumsantrag. Mmisterialbi>eklor Dr. Schwartzkopff fchließl sich den Aussührungen des Vorredner» an. Was das passive Wahlrecht der Lehrer an. langt» so wäre die Unterrichtsverwaltung gern bereit, den Wunsch der Lehrer nach Verleihung dieses Wahlrechts zu erfüllen. Ader höher steht daS Jntereffe der Volksschule, und dieses verträgt es nicht, daß der Lehrer durch das passive Wahlrecht in dir kommunale» Angelegenheiten hineingezogen wird.

Abg. Ecker-Wmsen (nati.) erklärt sich namenS seiner Partesireund« gegen den Antrag Ahrens, da zu einer Differenzierung zwischen Geistlichen und Lehrern kein Anlaß vorlieg«. Sie würden daher für den Kommtssions- beschluß ein treten.

Abg. Lüdicke (frkons.) tritt hinsichtlich der Geistlichen und Lehrer ebenfalls dem Kommtssionsbeschlusse bei.

Abg. Waldsteiu (frs. Bgg.> begründet einen Antrag Wolff-Liffa, wodurch die Beamten, Geistlichen, Lehrer usw. im Hinblick auf die Eleuerirage mit den übrigen Bürgern auf gleiche Stufe gestellt werden sollen.

Rach weiteren Darlegungen des Abg. Wobarz (Ztr.), der nochmal» di» Stellungnahm» des Zentrums charak­terisiert, wird ein Schlußantrag angenommen!

Der Antrag Heisig wird abgelehnt, der Antrag Ahrens angenommen.

Mittwoch: Fortsetzung und Stempelsteuer.

* Nur immer langsam voran!

Drei lange Monate bereits ist die Reichs» fincmzkommisfion mit der Vorberatung der Fi» nanzreform-Gesetzentwürfe beschäftigt. Was hat sie bis heute geleistet?

Der „Entwurf eines Gesetzes betreffend Aen- derungen im Finanzwesen", das Hauptgesetz, ist in erster Lesung erledigt worden mit Ausnahme der Bestimmungen über die künftige Gestaltung der Matrikularbeiträge. In der Beratung folgte der Entwurf eines Branntwein st euerge- f e tz e s. Die Vorlage wurde abgelehnt, ein neuer Entwurf wartet darauf, in die Beratung einge- führt zu werden. Es folgte der Entwurf betret- send das Erbrecht des Staates, mit einer Zufallsmchrihckt wurde er angenommen. De« Nachlaß st euerentwurf wurde abgelehnt. An seine Stile trat ein Besitz st euerpro- j e kt, das aber mit der Beendigung der ersten Lesung ins Nichts wieder Aurücksinken soll. Au­genblicklich beschäftigt fich die Kommission mit der

einen gewöhnlichen, ordentlichen Mann haben möchte."

„Ach, Betsy, denk nur, wie fdm Du aussehen wirst, wenn Du ganz in Seide und Sammet ge­kleidet bist, in einem Wagen fährst mit vorn und hinten Bedienten drauf."

Ihr hübsches Zigeunergesicht hellt« sich auf.

„Ja, das laß ich mir gefallen, Jack, aber wird das überhaupt fonffnen?"

„Hab' Gedull), und Du sollst ssben."

Ihre brpunen Finger spiekstchi mit den Knöpfen an seinem Rock, und Jack wußte, daß sie auf seine gewöhnliche Opfergabe wartete, und er hatte ihr nichts zu geben.

Eine unbehagliche Pause.

„Ich habe einen neuen Verehrer gehabt, feit Du weg warst", sagte sie endlich. Er wollte mir auch eine golden« Brosche geben, aber ich wollte sie nicht annehmen. Ich dachte, es wäre Dir am Ende nicht recht getoefen, Jack."

„Nein, ganz sicher wär' mir das nicht recht gewesen. Ich möchte Dich wohl geradezu vor jedem verstecken, Betsy, sodaß niemand Dich be­wundern könnte, als wie ich"

„Das würde mir aber nicht gefallen, Jack. Hast Du — hast Du mir nichts von London mit- gebracht?"

Tatsächlich sah Betsy Fenton, bei all ihrer wilden Schönheit und ungestümen Liebe, doch auch auf die Hauptsache. Sich vergaß sie nie; sie hatte es gern, wenn ihr möglichst viel ge­schenkt wurde; und sie hätte den Mann, den sie am liebsten hatte, schief angesehen und ange­mault, wenn er nicht Friedens-Opfer in Gestalt von Geschenken gebracht hätte.

Jack verstand diesen Charakterzug bei seiner Her-allerliebsten vollkommen.

„Ich habe Dir nichts mit gebracht, Betsy, Schatz, weil ich nur eine gewisse Summe mitge­nommen hatte, und die »st alle bet den Nach­forschungen auf gegangen; aber warte nur noch ein Weilchen. Ich habe wunderschöne Broschen und Juwelen in den Schaufenstern gesehen —

Tabaksteuervorlage. Die Entwürfe der SBraufteuer, der Gas- und E l ek t r i z i- tätssteuer und der Anzeigen st euer ha- den die Kommission bis heute überhaupt noch nicht beschäftigt. Nach Beendigung der ersten Lesung muß die Kommission eine zweite Le­sung vornehmen. Wenngleich diese nicht die gleiche Zeit in Anspruch nehmen wird wie die erste Lesung, wird sie immerhin eingebenöe Be­ratungen erfordern; man denke nur an die Schmerigkeit, die durch den Wegfall der Nach­laßsteuer und der Besitzsteuer entstehende Lücke auszufüllen.

Die Kommission hat bis jetzt also drei Mo­nate ohne nennenswertes Ergeb­nis gearbeitet. In drei Wochen werden die Osterferien beginnen. Nach Ostern wird der Reichstag wieder zusammentreten: aber es ist kaum anzunehmen, daß er länger als Ende Mai zusammenbleiben wird. Wird bis dahin die Reichsfinanzreform unter Dach und Fach sein können? Wenn die bisherige Entwickelung an­hält, so wird nicht einmal die Kommission ihre ersteLesungzu Ende geführt haben. Werden die Beratungen dann im Mai abgebrochen und im Spätherbst wieder aufgenommen, so ist eine Erledigung der gesamten Vorlagen vor Ablauf eines Jahres, von heute an gerechnet, kaum zu erwarten.

Eine nüchterne Ueberlegung laßt erkennen, daß tatsächlich an eine Fertigstellung des großen Reformwerkes in diesem Jahre nicht mehr gedacht werden kann. Wer die Größe der Not des Reiches kennt und die dringende Not- wendigkeiit vor sich sieht, dem Reiche neue ge­nügende Einnahmen zu schaffen, der wird nur mit großem Bedauern den langsamen Fort­gang der Beratungen im Reichstage ansehen können. 1 Wie ist seinerzeit die Notwendigkeit be­tont worden, die große Finanzreform möglichst bald zu Ende zu führen, wie hat man damals auch den „nationalen", „patriotischen" Eifer der Blockparteien auszuspielen gewußt gegenüber dem reichsfeindlicken Verhalten, das stets der Arbeit des Zentrums ihr Gepräge gegeben habe. Nun hat man das Zentrum glücklich aus­geschaltet, und was ist die Folge? die Finanzreform wird immer und immer wieder weiter verschoben, weil der Block nicht einig werden kann.

Das eine Gute hat die gegenwärtige Situ­ation jedenfalls für uns, man kann uns die Schuld an dem Stillstand der Reformarbeit nicht beimessen.

Das Zentrum hat redlich versucht, die Arbei­ten der Kommission zu fördern, manchmal ist es ihm gelungen, meist aber mußten seine Bemühun­gen dem Zusammenhalt der Blockparteien unter­liegen. Die ganze Verantwortung trifft darum den Block. Nein, nicht einmal so seh« den Block als viel- mehr den Blockkanzler, der nicht davor zurückgsschreckt ist, das Reich feiner Not zu über­lassen, nur um das unnatürlich« Blockgsbilde, die Stütze seiner Macht, künstlich am Leben zu erhalten. Wie er die sachlichen Beratungen der Finanzkommisfion stört und aufhält, das haben die letzten Tage glänzend bewiesen.

Gerne überlasten wir dem Block die Ehre, einen solchen Mann zum Führer und Gönner zu haben; wir find herzlich froh, daß wir an der Verantwortung eines solchen hervorragenden patriotischen Eiferers nicht mitzutragen haben.

Deutsches Reich.

/Berlin, 9. Mäiq 1909. Das Kaiserpaar legte am Dienstag am Sarge Kaiser Wilhelms I.

aber nichts strahlte und glänzte so wie Deine Augen. Du sollst das Schönste haben, das für Geld nur zu kaufen ist, Schatz."

Doch obwohl Jack sckin Bestes tat, sah er, daß feine Herrin nicht zufrieden war. Er der- suchte zum Ersatz dafür, daß er kein Geschenk mitgebracht, seine Komplimente extra stark und süß zu machen, ober Betsy war nicht herumzu- friegen.

„Hast Du mich sehr vermißt?" fragte en „Ich habe jeden Augenblick an Dich gedacht. Ich habe keine gesehen, die auch nur halb so hübsch war, wie Du."

Doch Betsy war nicht zu vevsöhnep. Sie hatte zum mindesten eine Brosche, ober doch sonst was sehr Hübsches aus London erwartet. Kom­plimente waren nicht viel wert und ließen fich nicht tragen wie Schmucksachen.

„Ich habe heute abend noch viel zu tun, Jack", sagte sie! nach eine« weiteren ungchnütlichetn Pause. „Du kannst in ein ober zwei Tagen wie- berkommen, wenn Du Zeit hast."

Und mit diesem kühlen Willkommen mußte er wohl oder übel zufrieden fein. Jack ging in einer nicht gerade beneidenswerten GernütSstim- mung beim. Er hatte Abbotsville ohne die Aus­kunft verlosten muffen, die zu suchen er sich so viele Mühe gegeben hatte. Der Weg war ihm vollständig versperrt. Bon niemandem konnte er auch nur das Geringste darüber erfahren, wer Werner war, oder überhaupt nur etwas über ihn. Ebensowenig konnte er vorläufig einen Weg sehen, wie er fich diese Kenntnis verschaff sen solle.

Seine Mutter hatte enttäuscht dreingeblickt, als er zurückgekehrt war. Sie hatte ihn gleich gefragt, ob ei ihm geglückt, bi« Arbeit zu be­kommen, berettoegen er losgegangen war, und sehr brummig hatte Jack geantwortet:

„Nein."

„Nun, Du mußt eS natürlich am besten wis-

int Mausoleum einen Lorbeerkranz nieder uni weilte längere Zeit in der ©ruft. Der 9. März ist bekanntlich der Todestag flauer Wilhelms L ♦ DaS Blockkompromiß. Der ,Berl Lokal-Anz/ behauptet, der Zentraloorstand der national- liberalen Partei habe das Kompromiß am Sonn­tag verworfen. Man lese:

Außer den Mitgliedern der Reichstagsfraktion, die daS Work dazu nahmen, sprachen sich alle Diskussions­redner sehr abfällig über das Kompromiß aus, und wenn auch von der Verhängung eines förmlichen Mißtrauensvotums in triefet Hinsicht Abstand genommen wurde, so ließ man doch keinen Zweifel darüber, daß man erwarte, die Fraktion werde schließlich diesem Block-Kompromiß ihre Zustimmung verweigern.

Bei den Berhandlungen hinter den Kulissen zwischen den Parteien und dem Fürsten Bülow bezw. seinen Vertrauensleuten soll den Führern und Sprechern der sreisinnigen Fraktionsgemeinschaft, den Abgg. Wiemer, Müller-Meiningen und Payer, seitens deS Geheimrats Löbell nahegelegt worden sein, sich zunächst zur Bewilligungderindir ekten Steuervorlagen der verbündeten Regierungen zu verpflichten. Auf diesen Leim wollen aber bie Freisinnigen offenbar nicht eingehen. Es soll nun versucht werden, ein neues flompro miß zustande ,u bringen, und zwar wieder in der Richtung der Nachlaßsteuer oder vielmehr einer auf Kinder und Ehegatten ausgedehnten Erb ans al Ist euer. Tie Regierung soll geneigt sein, infofent auf einen Teil ihrer Forderungm zu verzichten, als sie sich eventuell auch mit einem geringeren Ergebnis als 160 Millionen bescheiden will.

a. Die Beratung der Tabaksteuer in der Finanz- und Steuerkommission deS Reichstages dürfte sobald nicht erledigt sein. Vermutlich wird am Mittwoch eine Subkommission eingesetzt werden, die die Frage der Banverole behandeln soll. In der gestrigen Sitzung wurden zahlreiche Einwände gegen die Banderole vor­gebracht, die die Regierung vergebens zu wider­legen suchte. Auch seilens deS Zentrums wurden wiederholt schwere Bedenken gegen die Besteuerung des Tabaks und besonders gegen die Banderole geäußert, und eS wurde eine ernstliche Erörterung der Frage verlangt, ob nicht ein Ersatz für die Tabaksteuer möglich sei. Die Zigarrenindustrie sei eine Industrie des Mittelstandes; sie müßte mit größter Schonung behandelt und insbeson­dere auf die Wahrung der Interessen der Ar­beiter Bedacht genommen werden. Die Zigarren­fabrikation bilde gerade für die Arreiter auf dem Lande einen sehr wichtigen Beschäfligungs« zweig, in den man nicht störend ein greifen dürfe, sonst würde auch die Armenlast der betreffenden Gemeinden gesteigert werden. Es wurde darauf hingewiesen, daß man in einer so verzweifelten Lage noch nicht auf 34 Millionen Zuckersteuer verzichten könne. Man will in der Sitzung am Mittwoch nochmals Stellung zu der Vorlage nehmen, aber die Beratung dürste zunächst mit Verweisung der Tabaksteuer an die Subkom­mission enden.

e. Die Reichstagskommission für die große Gewerbenovelle nahm in der Sitzung am Diens­tag den Zentrumsantrag an, wonach tunlichst mit den besonderen Verhältnissen des Handels­gewerbe vertraute Beamten zur Aussicht herangezogen werden sollen. Die Regierung hatte um Ablehnung des Antrages gebeten.

W. Die Budgetkommission des Abgeord­netenhauses erledigte am Dienstag vormittag das Exttaordinarium des Eisenbahnetals. Den außerordentlichen Einnahmen von 5 690 000 Mk. stehen gegenüber 163642000 (gegen 107 767 000

ssn, Jack, aber ich meine, es ist doch sehr schabe, soviel Gelb für was Ungewisses auszugeben."

„Es fft nichts Ungewisses!" hatte er gebrüllt, sich bann geweigert, ben Kaffee zu trinken, den sie ihm gekocht hatte, unb war hinaus unö bavon gerannt, Betsy zu treffen.

Beffy hatte ihm auch nicht gelächelt, unb nun war er ganz unb gar mit sich selbst unb ber Welt zerfallen unb kreuzunglücklich.

„Meine Mutter muß mir'S sagen", brummte er vor fich hin. „Ich werde grob mit ihr sein müssen, aber ich kann's nicht ändern, ich habe keine andere Wahl." — —

„Nun, Jack", sagte seine Mutter, als er mit bewölkter Mene und einem verdächtigen Fun­keln in ben Augen wieder in bie kleine Stube trat, „nun leg' mal gefälligst Deine üble Laune bei Seite unb effe Dein Abendessen."

Er ließ sich zu bem schmackhaften Abendessen nicht so lange nötigen, wie zum. Kaffee, sondern ließ sich nieder unb langte schweigend zu. Nach­dem das Mahl beendet, sah ihn seine Mutter an.

,Du gehst heute abend nicht wieder aus, Jack?"

„Nein", versetzte er; „ich will ein bischen mit Dir plaudern. "

„ES geht nichts darüber, jemanden so ganz unberijofft zu fangen", dachte Jack, unb als sie ben Tisch abgeräumt hatte unb wieder hereintrat, zog er seinen Stuhl näher ans Feuer unb sah bann plötzlich auf.

„Hör', Mutter, ich weiß mehr, wie Du meinst, von Deinem netten Geschäftchen da in Abbots­ville. Du solltest mir lieber bie ganze Wahr­heit sagen."

Sie starrte ihn wie versteinert an; ihr Ge­sicht würbe leichenblaß, ihre Hänb« umklammer­ten krampfhaft bie Stuhllehne.

„O Gott", stöhnte sie enblich, „was soll ich tun?"

(Fortsetzung folgt)