Einzelbild herunterladen
 

frf<W tLqttchmtt Ausnahme btt 5o.m- «nd Zetertage Viertrl- rshrliche-vrzugrpreir ohne »ringerlohn «nd VepeLgeldinZuldafo- Wie ouswärts 1-50 ®t.

Oerantw Hebatttutl Lar« schütte, für bi, Anzeigen:

Z. Parzeüer tn Knlba.

uldaer

Zeitung

Monatsbeilage: „Zuldaer GeschichkbMer"

Anzeige«: Vie ein­spaltige petttzeile ober deren Raum IS Pfg. Reklamenbrepetitzeile 25 Pfg., de, Wieder­holungen wird entspr.

Rabatt gewährt.

Ratatlonrdrucknnd Verlag der Luldaer Ak- ttenbruckerei in Fulda Kernsprecher Rr. y.

-

J® 55.

Fulda, Dienstag den 9. März 1909.

36. Jahrqanf.

Zweites Wtcltt.

[] Die Kriegsgefahr

hat sich erfreulicherweise gemildert. Aus Serbien klingen nicht mehr, wie vor einigen Tagen, krie­gerische Fanfaren. Ob das eine wirkliche, dau­ernde Abkehr von den bisher befolgten Bahnen ist oder nur eine neue Episode in dem an über­raschenden Zwischenfällen so reichen Ränkespiel, getrauen wir uns noch immer nicht zu entschei­den. Vorläufig ist bloß festzustellen, daß in die­sem Augenblicke der Himmel zur Abwechselung einmal voller Friedensgeigen hängt.

Vorläufig! Auf wie lange, das kann niemand sagen, als Serbien selbst. Serbien will eine Konferenz der Mächte herbeiführen, die ihm die Kastanien aus dem österreichischen Feuer holen soll, und Rußland macht Miene, die Serben in diesem Verlangen zu unterstützen. Vom ersten Augenblick der Annexion Bosniens durch Oester­reich an erklärte man in Belgrad, eine Konferenz der Mächte sei unerläßlich. Nur hat man dort nicht eine Konferenz im Auge, die bloß die Auf­gabe hätte, diplomatische Vereinbarungen über die füngsten Veränderungen auf der Balkanhalb­insel zu registrieren und sie so dem europäischen Völkerrechte endgültig einzuverleiben. Ganz im Gegenteil. Das serbische Ziel ist, daß die Kon­ferenz die Annexion Bosniens nicht aner­kenne. es sei denn, daß Oesterreich-Ungarn sich dazu begueme, den bekannten serbischen Forde­rungen Genüge zu leisten. „Rur eine solche Kon-' ferenz". so sagen die Serben schon seit Oktober, »könnte uns davon abhalten, den Waffengang mit Oesterreich-Ungarn zu wagen; kommt die Konferenz bis zum Frühjahr nicht zu stände, so ist der Krieg da* Von dieser Auffassung der Dino- -t Serbien bis zu diesem Auaenblicke nicht aögelassen. Man hat dort bloß eine neue Taktik eingeschlagen, um zu dem erstrebten Ziele zu gelangen. Man steckt sich hinter Rußland und verhandelt mit Iswolsky, damit er als Anwalt Serbiens Oesterreich-Ungarn vor den europäischen Richterstuhl ziehe. Wird er den Versuch wagen? Lehnt er den Wunsch der Serben ab, so ist trotz der jüngsten serbischen Versicherungen der Friedfer- -tigkeit auf das ernstlichste zu befürchten, daß sich diese Hals über Kopf in die österreichischen Bajo­nette hineinstürzen. Unterfängt er sich aber, auch nur den leisesten Zwang auf Oesterreich-Ungarn ausiiben zu wollen, dann ist anzunehmen, daß der Habsburgischen Monarchie der Geduldfaden iendlich reißt und sie den serbischen Knoten, da ein anderes Mittel nicht vorhanden ist, mit dem Schwerte durchhaut. Auf der einen Seite ein Kriegsfall für Serbien, auf der anderen ein .Kriegsfall für Oelsterreich-Ungarn. Und Herr Jswolskv steht da und hat die Wahl. D i e Lage ist somit auch heute noch recht un­sicher.

Nur ein einziger Lichtpunkt ist in dem düste­ren Bilde vorhanden. Tas ist die beharrliche, unbeugsame und aller Welt auf das unzweideu­tigste kundgetane Entschlostenheit Deutsch­lands, Oesteirreich-Ungarn unter allen Umständen nachdrücklich zu unterstützen. Gibt es überhaupt ein Mit­tel, einen Krieg zwischen Serbien und Oesterreich- Ungarn zu lokalisieren, so daß die Flammen nicht über den ganzen Erdteil schlagen, dann liegt es in dieser entschlossenen Haltung Deutschlands. Die Mächte, die etwa Verlangen danach tragen sollten, sich als Gegner Oesterreichs in einen österreichisch-serbischen Wasfengang einzumischen, können aus der klaren Haltung Deutschlands von vornherein entnehmen, was für sie selbst dabei

auf dem Spiele stände. Bricht der Krieg aus, dann heißt es für alle, die den Oesterreichern gern in den Rücken fallen möchten: Hands off! Da­durch erhalten auch die Serben eine neue, sehr ernste Warnung.

Die Lage, in die Serbien geraten ist, ist die Folge der halsstarrigen, unbelehr­baren hirnverbrannten und verbrecherischen Po­litik, die Serbien im Innern wie nach außen, nicht etwa erst in der jüngsten Zeit, sondern feit vielen Jahrzehnten getrieben hat. Wird diese Politik fortgesetzt werden? Wird Serbien, nach­dem es alle seine törichten Hoffnungen schwinden sieht, sobald der Frühling kommt und damit die Möglichkeit kriegerischer Operationen vergrößert ist, den letzten Sprung ins Verderben tun? Das Volk ist seit sechs Monaten durch unsinniges Kriegsgeschrei maßlos aufgewühlt. Wer weiß, ob es möglich ist, es vor Gewalttätigkeiten nach außen zurückzuhalten? Die Gefahr liegt vor allem bei jenem halbwüchsigen Stänker, den seine Getreuen schon anstelle feines Papas Peter auf den Tbron befördern wollten. Wenn dieser un­reife Radaubruder sich einen ordentlichen Cbam- pagner- oder Kognakrausch gekauft. — vielleicht auch gepumpt —, hat, stellt er sich mitten auf den Marktplatz oder auch auf einen Balkon des Kö- nigspalaftes und erklärt, für's Vaterland und feine Helden sterben zu wollen. Das ist gänz­lich überflüssig. Die letzten serbischen Helden wurden vor 500 Jahren gesehen. Seitdem haben sie überall Hiebe gekriegt und sind ausgerissen, zuletzt sogar vor den verachteten Bulgaren, die an Zahl viel schwächer waren.

Diese Belgrader Radauszenen verdienten über- Haupt keine Beachtung, wenn nicht die tatsäch­liche Gefahr Vorlage, daß eine solche bekneivte Gesellschaft sich einmal hinreißen lassen könnte, etwas auszuhecken, was Oesterreich zum festen Zugreifen zwingen würde. Die Belgrader Großmäuler berufen sich immer wieder auf die „freiwilligen Brüder" aus Rußland. Ist es un- mögfich, daß Serbien 'eine Zusage von Rußland hat im Falle eines Angriffs vonseiten Oester­reichs? Daß der „gute Wille", die Treibund- mächte zu schikanieren in Rußland vorhanden ist. glauben wir gern. So sieht es ganz wie eine Einflüsterung aus Petersburg aus, wenn die ser­bische Regierung jetzt verbreiten läßt, sie wollten keine Gebietserweiterung; nur einen kleinen Weg durch Bosnien zu ihren montenegrinischen Brüdern. Die Dummheit dieser Forderung ist hanebüchen; aber es ist dies nur eine weitere Schikane, um Oesterreich aus der Ruhe zu brin­gen und den Balkankuddelmuddel wieder einmal durcheinander zu rühren.

Glücklicherweise liegt auch in Rußland der Knüppel beim Hund. Wenn die Russen ein der­art gewaltiges Spiel spielen, können sie in Frank­reich keinen Milliardenpump anlegen, denn im Kriegssalle brauchen die Franzosen ihr Geld sel­ber. Zum Glück ist es nicht in die Hand dieser Hetzer gegeben, Europa auf den Kops zu stellen. Rußland hat, wie gesagt, weder Geld, noch ein fchlagfertiges Heer. So mag ihm der Entschluß nickst schwer gefallen sein, den Mächten beizutre­ten. welche Serbien vorläufig noch einmal gut zureden wollen.

Für Oesterreich freilich bleibt es ein Akt höch­ster Selbstüberwindung, täglich fünf Viertel Mil­lionen für feine an den Grenzen mobili^erten Truppen auszugeben und das serbische Wutgeheul ohne Schwertstreich anhören zu müssen. Es muß eben bandeln, wie der Gentleman, der achsel­zuckend an dem randalierendenden Janehagel vor- Lbergeht. Äußer einem Trinkgeld in Gestalt so­genannter „wirtschaftlicher Zugeständnisse" sei­tens Oesterreichs dürfte für die serbischen Schreier diesmal nichts heranskommen.

Fm Saunt des Geheimnisses.

50] AuS dem Englischen von K. v. Raesfeld, „Es hat wohl niemand sonst meine Mutter 'gekannt? Die anderen Leute hier sind nachdem zugezogen, nicht wahr?

' „Nur ich und Fran Thorne haben sie gekannt, iaber die ist vor zwei Jahren gestorben.^

„So — hm," sagte Jack, „es freut mich, daß jch Euch getroffen und gesprochen habe, und ich werde meiner Mutter erzählen, wie gut und ge» {und Ihr noch ausseht. Jetzt muß ich aber gehen, ch habe noch manches an der Hand."

. Ein Ausdruck großer Enttäuschung kam über sbaS hagere Gesicht seines Gegenübers.

„Was, nun geht Ihr und sagt mir nicht, was id) ja gerade wissen wollte? — wo dies Kind her Zoar?"

„Jch kann doch die Privat-Angelegenheiten fmeiner Mutter nicht erzählen." gab er mit einem «leichten Auflachcn zurück. „Na, ich werde Euch wieder besuchen, und dann können wir's ja noch immer ins Reine bringen."

Mit diesen Worten entfernte sich Jack schnell, Line Portion Neugier und Geschwätz hinter sich fassend. Niedergedrückt und übelgelaunt kehrte fcr zu seiner Wohnung zurück.

„Jch bin auf eine Mauer los gegangen", fcrummte er, „ganz genau auf eine Mauer Ich kann meinen Meg keinen Schritt weiter sehen. Sßenn all dies Geld aber in den Dreck geschmissen mt, werde ich aber falsch!"

i Aber er begann bei scharfem Nachdenken wirk- ich zu fürchten, es sei so. Er hatte mehrere Ent- »eckungen gemacht, doch sie beliefen sich alles m tllem genommen auf nichts. Werner war nicht ier Sohn seiner Mutter, dos stand fest; zweitens fand fest, daß sie überhaupt niemals eine Pen- ion von der Eisenbahn bekommen hatte!; fid nutzte also aus einer anderen Quelle Geld be- !ommen, und diese Quelle konnte keine andere ein, als Werner's Verwandten.

Wenn er sie ausfindig machen konnte, so würde auch er Geld aus derselben Quelle bekom­men — Geld genug, um anständig und als feiner Mann zu leben und Betsy als feine Dame dabei, so lange sie lebten.

Aber wie — wie sollte er diese Verwandten ausfindig machen? — Wer es waren und wo sie wohnten? Jack hatte manche Romane seiner Zeit gelesen, Erbschafts- und Jntriguengeschichten wa­ren ihm vollständig vertraut.

„Angenommen", grübelte et vor sich hin, „Werner ist der richtige, wirkliche Erbe einer großen Besitzung und vielen VermögenZ und er ist um die Ecke gebracht worden, damit nun jemand anders das alles hat — wenn ich bann nur das Geheimnis herauskriegen könnte, so würde ich schwören, daß ich es bewahren wollte, und bekäme dann meinen Teil von der Bente. Das wäre nur billig; mein eigener Witz hat's herausgebracht, daß ein Geheimnis existiert, und dafür verdiene ich was, das ist klar."

O, Lady Wayne! Lady Wayne! Von Ueppig. feit und Pracht umgeben — glänzend, fürstlich, schön, eine Königin unter den Frauen, eine an­gebetete Gattin, eine stolze Mutter, eine Herr­scherin in der Gesellschaft — wie wenig träum­test Du von der Schlange auf Deiner Spur! Wie wenig ahntest Du, daß es einen Menschen in der weiten Welt gab, dessen ganze Hoffnung darauf gerichtet war, das Geheimnis der Ver- gangeiiheit ausfindig zu machen! Wie wenig ahnst Du, wie das schreckliche Verhängnis näher und näher zog — tote sich das verhängnisvolle Netz dichter und dichter um Dich zusammenzog! —

Jack gestand sich selbst ein, daß fein Witz zu Ende fei. So toett toar es gegangen, weiter ging’S nicht mehr. Er zögerte noch manchen Tag in Äbbotsville. Er ging überall hin, hörte aber nie ein Wort, das sich im geringsten Grade auf feinen Gegenstand bezogen hätte.

Er machte seine Sache nicht schlecht; er gab sich den Anstrich, ungemein viel von Pferden zu der- stehen; schloß Bekanntschaft mit verschiedenen

Deutscher Reich.

* Die Zulassung der Lehrer zum Schöffenamt. Die Unterrichtskommission des Abgeordnetenhau- ses hat über die Ablehnung des Antrages betref­fend die Zulassung der Volksschullehrer zum Schöffenamt Bericht erstattet. Berichterstatter Dr. Hintzmann führt aus: Das Interesse der Rechtspflege fordere die Aufhebung des Verbots, die Volksschullehrer als Schöffen zu berufen. Tie Volksschullehrer haben in ihrem Amte die stärkste Berührung mit den Klassen, aus denen ein gro­ßer Teil der Angeklagten wie der Zeugen sich rekrutiert. Sie werden ferner bei der Strafzu­messung das pädagogische Moment im vollen Maße beherrsche«. Allerdings ständen wichtige Gründe der Schulverwaltung diesem Wunsche entgegen, da die Aufhebung des Verbots zahl­reiche Vertretungen notwendig machen werde. Die Schädigung des Schulinteresses sei aber nicht so schwerwiegend. Regierungsseitig wurde er­klärt, daß über die strittige Frage die Staatsre­gierung zurzeit Erwägungen anstelle, die noch nicht abgeschlossen seien. Die Mehrheit der Kom­mission stellte sich auf den Standpunkt, daß bei Annahme des Antrages die Schulinteres- s e n namentlich an kleineren Orten sehr leiden würden und tagelang kein regelrechter Unterricht ftattfinben könne. Wenn man den Antrag ablehne, so bedeute dies keine Gering­schätzung des Lehrerstandes. Der Vertreter der .Unterrichtsverwaltung stellte sich auf denselben Standpunkt. Es herrsche eben Lehrermangel und Vertretungen ließen sich sehr oft nicht besorgen. Bei größeren Lehrkörpern schwänden solche Be­denken. Man könne aber doch nicht das Verbot nur für dje großen Städte aufheben. In Betracht käme weifer der Umstand, daß es im Interesse der Stellung der Lehrar nicht ge­wünscht sej, sie in die Behandlung solcher An­gelegenheiten hineinzuzletzen. Wie sie vor den be­treffenden Gerichtshöfen zur Sprache kommen. Die Lehrer könnten dadurch in eine schiefe Stel­lung kommen. Es könne eine Voreingenommen­heit gegen die Sekret in gewissen Kreisen veran­laßt werden, die für den Lehrer persönlich und sein Verhältnis zu den Schulern und seine er­ziehliche Einwirkung auf diese ohne Zweifel nach­teilig sein müßte, was doch nicht im Schulinter­esse liegend zu erachten sei. Der Antrag fiel schließlich mit 9 gegen 8 Stimmen.

X Das katholische Ordensleben int Lichte der ,Kreuzzeitung'. In einer Besprechung der Selbstbiographie von Professor Gideon Spicker „Vom Kloster ins akademische Lehramt" fällt die „Kreuzztg/ ein bemerkenswertes Urteil über ge­wisse abgefallene Priester, die sich jetzt nicht genug tun können in der Hetze gegen die katholische Kirche. Das Blatt schreibt:

„Mehrere Fälle sind in den letzten Jahren be­kannt geworden, daß ausgetretene Priester von der blinden Wut der Renegaten auf ihre alte Ge­meinschaft ergriffen wurden. Sie fetzten sich hin und schrieben, innerlich zerrissen und tief unglücklich, eine Skandalbrofchüre nach der andern über die katholische Kirche, die sie nicht mehr mit zwar scharfer, aber ge­rechter Kritik befehden, sondern die sie durch einen Hohlspiegel in schrecklicher Verzerrung erblickten. Namentlich mußte dann der arme Alfonso von Liguori, dieser in feinem Leben untadelhaft strenge Priester (1696—1787), wegen seiner Moraltheorie, bte er in lateinischer Sprache zur Unterweisung für Geist­liche und Beichtväter schrieb, herhalten, oder es wurden neben der Verderbtheit mancher Päpste und Kardinäle auch die Schrecken der Inquisition mit glühenden Farben gemalt. Nach solchen Darstellungen müßte die Kirche dann nichts anderes sein, als ein Tummel­platz für di« schlechtesten Subjekte und ein einziger lo­dernder Scheiterhaufen für die Ketzer."

Die es angeht, mögen sich diese Worte merken! Namen brauchen wir ja nicht zu nennen.

Kutschern, Bedienten von Doktoren, Hauskuech» ttn und dergleichen, in der richtigen Annahme, daß irgend ein Geschichtchen ans der „chronique scandaleuse" diesen zuerst bekannt sein würde.

Aber nie auch nur in Wort!

Er nahm seine Zuflucht wieder zu seiner alten Erfindung, die er Herrn Hoggs bereits vorgetragen, und wiederholte die Geschichte, die er im Zuge gehört haben wollte. Aber es toar aller, vergebens; es gab tatsächlich keinen Weg. über diese Schwierigkeit wegzukommen.

Die Tage vergingen, und Jack's Gesicht wurde düsterer uttd düsterer, feine Stimmung wurde immer niedergeschlagener. Er wußte, daß fein kleiner Geldvorrat nicht viel länger mehr Vorhal­ten würde, und wenn der erfchöpst toar, hieß es gehen.

Er toar zuerst so außerordentlich hoffnungs­voll, so zuversichtlich getoefen, daß die nachfol­gende Enttäuschung nur um so größer war.

War es denn möglich, daß er nach Elton zu> räckkehren mutzte, ärmer, als <r es verlassen, daß er nichts entdeckt hatte, als daß feine groß­artigen Pläne sehr wahrscheinlich wie eine Sei­fenblase zerplatzet! mußten? Wie sollte er Betsy unter die Augen treten? Er hatte! ihr große Neuigkeiten versprochen, und hatte nun nichts zu berichten, als einen jämmerlichen Reinfall.

Nicht einmal ein Geschenk hatte er, das er ihr geben konnte, hatte er doch erfahren müssen, daß die Jagd nach einem Geheimnis eine sehr müh­same, und dabei recht kostspielige Arbeit ist. Die Leute verlangen viel, wenn sie sprechen sollen. Er hatte große Summen —„was er große Sum­men nannte — für Wein für Herrn Hoggs und für sonstige Spirituosen bei feinen übrigen Be- kanntschaften verausgabt, und als er nun über­schlug, toaS sie ihm erzählt hatten, schmolz daS Ganze ungefähr zu nichts zusammen.

„Nun ich soweit gegangen bin, will ich auch noch weiter gehen", sagte er sich. „Hier ist nichts mehr zu erfahren, das seh' ich. Meine Mutter

— Die.Kreuzztg.' schließt an ihre Mitteilungen aus dem Buche folgendes eigene Urteil über das Ordenswesen der katholsschen Kirche:

„Die Verdienste, welche die Orden, die unter­einander so unendlich verschieden sind und doch alle einer gemeinsamen Idee dienen, sich um die Kultur Europas erworben haben, sind unermeßlich, na­mentlich während der ersten Jahrhunderte des Mittel­alters. In jenen rauhen, durchaus kriegerischen Zeiten bildeten sie die eigentlichen Stätten des Friedens. Fast der gesamte Schatz der damaligen Bildung konzen­trierte sich in ihnen. Rechnet man die charitative Tätigkeit, sowie die Jugenderziehung hinzu, so ergibt sich eine Summe von Leistungen, die kaum hoch genug veranschlagt werden kann. Es bildete sich durch dieses strenge uns abgeschiedene Leben ein neuer Typus unserer Gattung, den die antike Welt nicht ge­kannt hat, nämlich ein wunderbar reiner, durchleuch­teter, verklärter und dabei heiterer Mensch. Dieses Ideal ist unzähligemale verwirklicht worden. Verdor­bene Mönche und verlotterte Klöster gab es im Lause der Zeiten genug, bei der Schwäche der menschlichen Natur ist das aber nicht anders möglich. Ebenso­wenig entspricht der Idee der blutdürstige Fanatismus, der sinftere Geist einer verzweifelten Askese, gegen de« namentlich Luther so heftig gekämpft hat."

Wie kann denn nun die ,Kreuzztg/ bei dieser Anschauung über die Orden es weiterhin ge­statten, daß sie in Preußen unter Ausnahme­gesetze gestellt und selbst die kranken« pflegenden Genossenschaften nicht davon aus­geschlossen sind? Allerdings schon Herr von Gerlach mußte 1853 bei Besprechung der Jesuiten­missionen zugestehen, daß die Berichte der Be­hörden der Tätigkeit durch Ordensmitglieder da- höchste Lob spendeten, und dennoch vermochte selbst ein Herr v. Gerlach eS in seine-- protestan­tischen Voreingenommenheit nicht über sich zu ge« winnen, dem von der katholischen Fraktion ge­stellten Antrag auf Aushebung der diese hin­dernden Regierungserlasse zuzustimmen.

Aus -em Nach-atgeöieLe.

♦ Hanau, 5. März. 1909. Die Hanauer Handelskammer nahm Stellung gegen die geplante Verteuerung des Telephonverkehrs und beschloß, sich der am 20. März 1908 abge­gebenen Erklärung des deutschen HandelstageS anzuschließen, wonach in der Beseitigung der Pauschgebühren und der ausschließlichen Erhebung von Grund- und Gesprächsgebühren eine neue durchaus ungerechte Belastung und Belästigung von Handel und Industrie zu Gunsten deS plat­ten Lande- erblickt wird.

* Frankfurt a. M., 6. März 1909. Der dritte deutsche Sängerwettstreit um die von unserem Kaiser ausgesetzte schwere goldene Ehrenkette findet, wie schon milgeteilt, um Himmel­fahrt in der neu erbauten großen Sängerhalle in Frankfurt am Main statt. Der Kaiser und die Kaiserin verweilen dann in Wiesbaden und werden von dort täglich in Frankfurt anwesend sein. Bei dem ersten Wettstreit in Kassel errang der Kölner Männer-Gesangverein die Kette, beim zweiten in der Mainstadt der Berl. Lehrer-Gesang- Verein, der den Ehrenpreis also heuer zu ver­teidigen hat. 1903 war der Preischor, der den Vereinen 6 Wochen vor dem Singen bekannt gegeben wird, der „Siegesgesang nach der Varus­schlacht", komponiert von Georg Meßner. In diesem Jahre schwankt nach der ,TSgl. Rundsch? die Wahl der Kommission zwischen drei Chören: 1. Gott der Wettenschöpfer, komponiert von Joseph Pembaur, 2. der Bolksgesang zum

soll gezwungen werden, mir den Rest zu erzäh­len, denn wissen will und mutz ich's!"

Wenn Marian West, die ihre Schwester damit getröstet hatte, datz ihr Geheimnis toi und be­graben fei, — den Ausdruck finsterer Tücke und Bosheit, den Jack's düsteres Gesicht bei diesen Worten zeigte, gesehen hätte, sie hätte gezittert und gebdbt in Besorgnis um das Schicksal der einen, die sie am meisten liebte.

32. Kapitel.

Wieder in Elton.

Betsy's Augen sahen nach ihm bin, und er konnte nicht umhin, den erwartungsvollen Aus- druck in ihren schwarzen Tiefen zu bemerken. Er" bereute es jetzt bitter, datz er ihr so viel gesagt hatte, als er toeggegattgen war. Jetzt stand er da, blank, ratlos; er hatte ihr nichts zu geben und nichts zu erzählen.

Sie hatte ihn sehr liebenswürdig und lächelnd empfangen, ihm die Wange zum Kuß hingehal­ten, mit einer Gebärde, als sei sie eine Königin und er ein Untertan, mit dem die Herrscherin huldvoll zu verkehren geruht, und dann sah sie ihn an. Jack wußte, der Blick hieß: „Was hast Du mir mitgebracht, und wo sind denn nun die großen Neuigkeiten?"

Und er hatte nichts zu geben und nichts mit- zuteilm. Für einen jungen Mann, der gern glänzte, toie Jack, toar es eine schmähliche Lage, uni) als solche empfand er sie auch.

Betsy's funkelnde schwarze Zigeuneraugen la­sen in seinem Gesichte, als wäre es ein gedrucktes Buch gewesen.

„Tu siehst niedergeschlagen aus, Jack", sagte sie plötzlich. „Jch glaube, daß es Dir in dieser Zeit nicht nach der Mütze gegangen ist."

„Nicht besonders; es wird alles feiner Zeit schon in Ordnung kommen; aber es dauert ein bischen länger, als ich dachte."

Sie sah ihn ungläubig an.

(Fortsetzung folgt.)