36. Jahrqanq.
Fulda, Samstag den 6. März 1-E
JA 53
Kr-stes 3dlatt
i
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 5. März 1906.
Bei der Weuerberatung des
Postetat»
fährt Abg. Dr. Böhme (roirtld). Bgg.) aus: Di« von der Kommifsion vorgenommenrn Streichungen tonnen wir nicht billigen. Äuf dem Gebiet der Sonntagsruhe, der Herabletzung der Dienstnunben, der Bewahrung von Urlaub ist die Postverwallung bestrebt, allen billigen Wünschen gerecht zu werden. Die sanitären Sin- nchtungen der Postämter lasten viel zu wünschen übrig. Warnen möchte ich vor einer weiteren Einstellung weiblicher Arbeitskräfte» da die gesund Zeitlichen Ber- häliniffe der Beamtinnen viel zu wünschen übrig lasten. Im weiteren regt Redner an, selbständige Telegraphen- bautet« zu schaffen. „ ,r
Abg. Kaempf (frf. Vp.) trat für Herabsetzung des Ortsportos ein. „ , t
Abg. Dr. Struve (frs. Bgg) wendet sich der Frage der Personalresorm bei der Postverwaltung zu und bedauert, daß der Staatssekretär sich noch immer ablehnend verhalt«. Besähigle Unterbeamte, die doch «ne ziemlich schwere Prüjung ab;ulegen haben, müßten doch dl« MSglichleit haben, auch in bester bezahlte Stellen zu tommen. Im weiteren bringt .h ebner noch eine Reihe von Klagen aus dem Oberpostdirektwns- dezirk Kiel vor.
Staatssekretär Rrätie: Der Vorredner hat mir den Vorwurf gemacht, ich halte kein Interesse für meine Beamten. Nach meiner ganzen Dienstzeit kann man wir emen solchen Vorwars doch waqrlich nicht machen. Bezüglich der Beanuenkaineie hat der Abg. Struve chsorlivährend die Karriere vor 1900 nut der nach 19U0 verwechselt. Die Beamten avancieren jetzt viel beffer als srüber. lUitt solchen Dingen loUte man doch im Jnidieffe der Beamten und der Postverwallung recht voisichlig sein. Ich habe niemals em Hehl daraus gemacht, Bei ich eine Beförderung der Beamten, ohne Rücksicht, ob die Stellen notwendig find oder nicht, für nicht in der Ordnung halte. Das lönnte ich gar Nicht verantworten. Man sagt mit immer, ich solle spuren, ich hätte zu viele höhere Beamte. Und nun hellt sich ein Abgeordneter hier hin und sagt, »ch vertröste die Beamten nur, ich sei gegen ste ungerecht.
Abg. Werner (Rip): Es ist begrehllch, daß die Beainlenschasl sich wegen der Besvlbungsvorlage in fieberhaster Erregung befindet. Die Kommiifions- beratungen sollten daher möglichst beschleunigt werden Mil den gehobenen Unietbeamien Hal man gute Er» sabrungen gemacht; man sollte diesen Leuten aber auch die Beamlenqmilistkation geben. Die fortwährenden Beisetzungen muffen erheblich eingeschränkt werden.
Abg. Dnffner (j.) spricht seine Zustimmung zu dem von der Budgeitomurtsfion am Postelat vorgenoiumenen Abstrich der sür di« Einrichtung von Vtiediieltoren gesoroerten Mittel aus, und empfiehlt, bet der Umwandlung von Posiämle, n zweiter Klaffe tn solche enter Klaffe em langsameres Tempo eintreten zu lasten, ä'ietne politischen Freunde wünschen lerne weite, e Herabsetzung der Postgebühren sür das Inland Im toegemetl dürfte zu prüfen fein, ob nicht bet manchen «Bingen baS Porto $* gering ist. Es müßte auch auf «ne Vereinfachung der ganzen Verwaltung und bamit auf Ersparnisse hingewirkl werden. Es mus daraus hmgearbcilel werden, nach Möglichkeit weniger hoch beiahlte Kräfte heranzuzteyen. Die Annahme von Anwärtern für die mittlere PosUansbahn muß sür absev- bare Zeil ganz entschieden eingeschräalt werden. Bet der neue» Feruiprechgebühreu-Oibntuig ertennen wir an, das Leistung und Eegenletuung in gei echt eiet Weiie wie bisher berück,ichttgt werden. Zn der Kommt,flon werden wir dahm zu wirten haben, daß Handel und Berleht n- hl unnütz belastet werden. Ich btue, b« den Lieft urge» die llemen und mittleren «rusteute beruckstchtigen. Die HistSbeamunnen muffen in Hm- sich, auf thr Alter sicher gestellt werden. Mit den Piufungen der Beaintinnen muß «was schärfet vorge- gangen werden. Beglich der Beamtemm,besstrung uns der Regelmtg des Wohnmtgrgewzuschustes hoffe inz, das bte in cer Vorlage vorhandenen Hätten tu der Kommission befevrgt werden.
. abg. Erat Wesrarp i«.» ist mit der neuen Fern- sprechgeoühren-Orouung eruverstansen, wünscht aber für da» flache Land »och eine wettete Verbilligung.
Die größte Freude an dem Kompromiß hat bezeichnenderweise die,Tägl. Rundschau«, deren Stellung als Blockblatt per excellence allgemein anerkannt ist. Hier wird mit Recht betont, daß Der Block unter Brüskierung Des Zentrums sich zusammengeschloffen hat und nun auch zusam» menbletben muß, wolle er nicht der Lächerlichkeit verfallen. Dr. Arendt jubelt in der,1ägL Rundschau': „Der Block, den man schon tot glaubte, beweist seine Lebenskraft glänzend."
9lun, um solche Lebenskraft, wie er sie bil jetzt bewiesen hat, beneiden wir ihn wahrlich nicht.
a. Die Tabaksteuer.
Die Steuer-Kommission des Reichstages erledigte gestern zunächst noch einige unwesentliche Kleinigkeiten zur Erbschaftssteuer- Novelle und trat dann in die Beratung deS Entwurfes eineS „Tabakverbrauchssteuer- Gesetzes" ein. Die Verhandlungen führten zu keinem Ziele. Man wird voraussichtlich wieder einmal zu einer Subkommission kommen. Die Besprechung brachte zunächst eine allgemeine Erörterung über Die Tabaksteuer überhaupt. Dabei gerieten Die beiden Berichterstatter Abg. Kreth fkons) uns Molkenbuhr (Soz.) aneinander. Mol- kenbuhr berief sich auf eine ganze Reihe von Petitionen von Tabakarbeitern, Fabrikanten und Händlern, von Hilfsindustrien und Handelskammern. Er meinte, 200,000 Tabakarbeiter nehmen nicht mit Unrecht an, daß sie dem Hunger, 14 bis 15,000 Kleinbetriebe, daß sie dem Verderben preisgegeben werden. Abg. Kreth (kons.) betonte demgegenüber, die Finanzreform werde nicht möglich sein, wenn man den Tabak fretlafse. ®t meinte, das Rauchen werde auch bei der höchsten Besteuerung niemals aufhören. AlS besonders wichtig erscheinen ihm die Jnteresien der Tabak« pflanz«. Der Tabakbau in Deutschland nehme stark ab, weil der einheimische Tabak vor dem Einsuhr- Tabak nicht genügend geschützt werde. Er wünschte, daß eine gehörige Spannung zwischen Zoll und Steuer durchgeführt werde. Die Ban» derolensteuer habe sicher einige Mängel, aber eine Rohtabak - Steuer mache den Kleinhändler« daS Leden sauer, weil sie mehr Kapital erfordere. Uni« allen Umständen müsse der einheimische Tabak mehr geschützt werden.
Diesem letztem Wunsche gegenüber «klärte Dann die Regierung, ein erweiterter Schutz sei nicht nötig. Vom Zentrum wurden zunächst einige allgemeine Gründe gegen die jetzige Reform angefüdri: Man müße doch auch Die wirtschaftliche Lage d« Industrie und d« Konsumenten beachten. D« gegenwärtige Zeilpuntt sei sehr ungünstig gewählt, da die wirtschaftliche Lage noch immer sehr ungünstig sei. Es wurden dann eine Reihe von Bedenken gegen die Banderolen« steu« vorgetragen. In der Regi««ngsvortage fei mit einem Ausfall des Tabakverbrauch- von 10% gerechnet worden. Das würde bedeute«, daß 15000 Arbeiter brotto- würden. Wohin mit ihnen? Wen« man 100 Mill. Mark Steuern auf den Besitz lege, dürfe man nicht zu hohe Beträge aus Dieter Industrie her» auSholen. Bei der Brau«ei» und Spiritus« Industrie fei da- eher möglich, weil dort nicht so viele Arbeit« befchäftigt feien. Die Regie« rung ließ «klären, auch ihr «fd^hte Der gegenwärtige Augenblick ungünstig, ab« man könne eben nicht noch em ^ahr warten, lieber Die Arbert«ftage weide man Hinwegkommen; e- geb«
Deutscher Reich.
-f- Katzenjämmerliche Stimmung scheint im Block nach der Annahme des Besitz- steuer-Kompromisse- Einzug gehalten zu Haven. Wed« Rechte noch Linke und damit zu- Hieben, dagegen streiten sie sich darum, w« das grötzte Entgegenkommen gezeigt Labe. Im einzelnen aut die Ausführungen etnmgehen, lohnt nicht der Mühe, weil daS Kompromiß ja nur füi die «ste Letung bestimmt ifL In Der zweiten Le>ung roiiD es anders kommen.
Sleinbanbtl8atilfd)üf,e
6e{ den Handelskammern verlangte, begründete eben» laQ5
Xbg. Hammer kons ) mit dem Hinweis darauf, daß die Hauoelskammeru zum giißien T«l« den Wünschen der kleinen Kausteule nicht genügend SRe*» nung tragen. Heut» feien mehr al« etue Million ®e- werbetreibende ohne gesetzliche «ettteiung. Bor zwei Jahren hab« der «ba. Trimdorn emen Antrag au, Einrichtung von DemiUifteuiammein eingebracht, der aber Lttbet nicht burtbgegangtn fet Sem Antrag be» iroerft daS gleich« wie der Antrag Trrrndorn, nur in <U,l>*ßanM8minifltt Telbrüik bedauert, nicht in der Lage zu fein, hier übet bte Stellungnahme der Regierung zu dem Aulrag Hammer irgendwelche Aus» fnbtimgen machen zu können. Stach f«net persönlichen Anfichr sei ei richtig, wenn auch bte kleinen Öerotrbe» treibenden tn den Handelstammem vertreten fern wollten, um dort ihre Anschauungen und Forderungen vertreten zu können. Wenn es sich lediglich darum handele, eine freie Organiialton deS kleinen Kaufmanns» staudes zu schaffen, so biete hterm der pl der «t» werbeordnung die gesetzliche Grundlage. Er sei daher der Ansicht, daß eS nicht nötig fei. em neues Gesetz zu ichaffen. Wenn die Kleingewerbetreibenden biSner bei den Handelskammern in bei Vertretung ihrer Interessen nicht genügend geschützt rontbe« le'en, io hege das an dem K 1 assen w ah 1 r ech i der Handelskammern. Vielleicht ließen sich im Wege de« mb,retten Wahl- tecbii die Wünsche der Älemqeroetbetretbeuöen erfüllen, indem man den freien Verbänden da» Vorschiagsrechi für die DetailliÜenauslckSfs« üderrrage. Er werde eS sich angele,en t«n lassen, d-eie 5>etaiHin< n» ausschüsfe nach R -glichkeU überall einzufübren; sollte das nicht mögtich lern, dann wäre em Gefetzentivurf in Betracht zu ziehen.
Abg. Trimdorn Z r ): Wir beantragen bte liebet» Weisung de« Antrags Hammer an bte Kommission für Handel und Gewerbe. Auch meine Freunde find der Auffassung, daß bte Detailtisten in Den Handelskammer n bisher zu wenig vertreten sind. Die mfoige unietei früheren Borichläae entnanbene ausgedehnte Erörierung über diese Fragen habe ich genau verfolg, un» bm zu her üebtrzeugung gekommen » daß | e 1 b it ä n b_t g t Deiaillisienkatnmern acht em p seh lenswer t sind. Es ist besser, daß die Interessen der Volllausleute und d« Mmderkamleute durch «n gemeinsames In- ft Hut Dertiete« werden. Jnsotge der Wahlordnu gen ber Handelskammern in ein großer Teil v n Personen von den Handelskammern ausgeschlossen. Es ist daher dringend zu wünschen, daß auch dreie jetzt aueat» schlosserten Kreise der Kaufleute zu den Handelskammer» wahlen zugelaflcn werden. (Sitte fo wichtige Sache bedarf einer geietzlichtu tlnteitaae.
Nachdem noch die Abgg. Heine (ntL) und Roseno» (frs. Bp.i sich dem Antr.tg auf SommtiHon-betaiung angetchloifen, wird der Antrag Hammer bei Handels» und Gewerdekommilsion überwiesen.
Alsdann begann die zw«te Beratung über den Handels» und Giewctbretat.
Abg Fetisch Hous? wünscht, daß die Lehrer an den Fachschulen nicht in er' er Lane Beiufslehrer, sondein mehr Fachtehrei sein folleu. Außerdem verlangt er mehr Baugewerkschulen.
Handelsmirnfter Delbrück: Die neuen Lehrpläne bezwecken, dr Retaung'des barigewerklrcken Unterricht , akademisch zu werden, nach MögtichlcU Emhall zn tun. Das Streben, niet'ete Baugewetkscbulen zu errichten, wird durch finanzielle Nücknchteu gehemmt.
Samstag: Han ei«» und lUenwibeeiaL
«rfch«vkt täglichmtt Anrnaßme ber So.dh ent Feiertage, viertel» lShrliche-tzezngsprei» ohne Brhtgertohn und vesteügetd in 8»lda sowie ausnxirt» 1-50 Ulf.
«tränte- Redakteur «art schütt«;
Der alte Mann bemerkte nicht ^>aß Iack's Gesicht sich merkwürdig, rötete, auch nicht, daß er kurz und stoßweise atmete und daß ihm die Hände zitterten.
Das war'S, was er so lange hatte wissen wollen. Er hatte als» Recht mit feinem Argwohn — Werner war nicht der Sohn seiner Mutter
„Dann muß ich mich wohl geirrt hoben,- feste er wieder mit scheinbarer Gleichgültigkeit; ober vielleicht hat sie ein anderes kleines Kind „ur Wartung und Pflege übernommen?"
„Nicht, daß ich wüßte. Ick habe immer nur ein Kind bei ihr gesehen, und daß waren Sie."
.Tann isfs nur eine müßige Idee von mir gsvefen," sagte er. „Uebrigenl. wie hat denn die Eisenbahn-Gcsellscbaft meine Mutter behandelt? Eigentlich hätten sic ihr eine Pension auf Lebenszeit geben müssen, aber ich glaube. da» haben sie nickt getan."
Jtfe» ist keine Mode bei reichen Gesellschaften." sagte der alte Manu bitter. „Sie haben Die Beerdigungskosten bezahlt und der Witwe zehn ober zwanzig Pfund gegeben, aber lerne Pension — da» weiß ich sicher."
„Ich bin also auf der rechten Spur," dachte Jack; „Da» Geld, wovon sie lebt, ist da- Geld, was von Senter» Verwandten kommt, und Re muffen warm in der Wolle sitzen, daß sie so anständig bezahle« können. Da» nächste ist als» jetzt, hnauszubekomuten, wer Sern« ist."
„Ucbrigcni freut'» mich Herr Hoggs," fuhr er bann laut fort, „daß meine Mutter ihre Barmherzigkeit nickt nötig hat. — Ick glaube. Sie haben eine ganz nette Portio« reiche Familien hier herum in der Gegend, was?"
„Hm» ko viele doch nicht: bte Leute hi« tun Abbol-ville hemm sind meinen» Hauern, wenn « hoch kommt, kleine Gutsbesitzer."
„Ich dachte nämlich gerade, ob He Geschickte die ich auf der Herreise sm Ztzze hörte, wohl wahr sei." tagte Jack wie «dankens-«.
JBM war be», batet Ich Unat Abbott-
iÄX'Z«. wochEae«: „Illustrierte ßoniltagrzeltung"
vill« Geschichten so gut wie'» Alphabet," sagt» d« Alte eifrig.
„Tie Namen konnte ich nickt verstehen, auch habe ich den ganzen Zusammenhang nicht recht verstauben, — ich hörte nämlich erst gar nicht darauf, — aber es handelte sich um eine Erbschaftsgeschickte, entweder in AbbotSvikle, ober doch in der Nähe, wobei ein Kind im Wege stand, da» bei Seite geschafft werden sollte und einer Frau hier m Pflege gegeben worden war. Wie gesagt, ich habe die Geschichte nicht ganz gehört."
Jack war nicht wenig stolz aus diese Erfm- üung: et hielt dafür, daß er m geschicktester Weise auf den Gegenstand lossteuerte.
„§d> hätte eigentlich Advokat werden sollen," dachte er; „meine Talente find wirklich ganz vergraben."
Doch Herr Hogg» schüttelte ernst ben Kopf.
„Ich habe nie <mk6 nur ein Wort van einet solchen Geschichte gehört," sagte er, „«ich auch nut ein Wort. Solche Geschichten kommen bei uni nickt oft vor. Unsere Abbot-viller Leute find durchweg brav und ordentlich, und was die beste» ten Familien angeht, so kann ich dafür garantieren, daß sich feiner derselben etwa» Derartige» nachsagen läßt."
„Vielleicht," lenkte Jack ein, „handelte es sich auch um «was ganz andere», was jedenfalls her« ausgekommen wäre, wenn ich die ganze Geschickte gehört hätte. — A propos, wo tft die Riplcy- strahe, Herr Hvggs?"
„Gerade die erste Straße vor feer Stabt, eint Viertelstunde vom Bahnhof, sie liegt «ach der an« Deren Seite, wißen Sie — es ftefrrö da jetzt mehrere nette Häu-chen; Ihr Vater wohnt« damals gleich in dem ersten."
„Danke, "versetzte Jack, und nun, nachdem er alle», was ber alte Mann ihm mitteiken konnte, erfahren, sch er auf die Uhr, all feine Andeutung, daß bat Interview vorüber. Herr HoggS zögert« denn auch nicht, mit viele« Tankesivortett für die Gatttreundschast und Dielen Wünschen ank rat balOtgti Wwonirheu sich pt vcravsch-oeu. (J- k )
Im Sanne des SeheimijseS.
481 jiu» oeni Engnicken von H. o. Raesietd.
„O, recht gut Ich habe ihr von meiner Reife nichts gefügt. Die Sache ist nämlich die, sie em- pfindet de» Tod meines Vater» noch immer fo sttunerzlich, daß nie bet uns darüber gefprochen wird."
„Ach, die arme Frau, ich weiß mich des Tages noch zu erinnern — sie kiel dahin wie tot, als ich ihr sagte, was es gegeben habe. Sie hat wohl nie wieder geheiratet, was?"
Seine Blicke fragten so deutlich, wie die arme Witwe, die er als so jung, verlaßen und huliw» gekonnt, es fertig gebracht, ihren Sohn so gut dorivärt» zu bringen daß Jack seine Absicht unmöglich mißve-stehen konnte.
„DaS nicht," erwiderte er großartig, „aber meine Mutter ist zu einem netten kleinen Eigentum gekommen und lebt jetzt in ganz guten Lcr- hältnissen."
Herr Hoggs nahm die Mitteilung mit gebührender Hochachtung auf.
„Und dies kleine Eigentum wirb vermutlich auf Sie üb«gehen, wo»? Ach, schön, schön; nehmen Sie'» gut in Acht. Ich war auch mal zwm- louicnb Pfund wert, und es war mir alle aus Dyn Fingern gegangen, alle. Jetzt, wo ich ast bin. muß ich mich um ein paar kärgliche Groschen sauer mtölen. Lasten Sie sich sagen, nehmen Sie'» gut in Acht."
„«erlassen Sie tich darauf, baß ich dafür schon sorgen werde," sagte Jack mit bedeutungsvollem Augenblinzeln. „Ich verstehe meine Freunde gut zu behandeln, und ich verstehe mich auch w amüsieren, aber etwas verstehe ich noch beffer, und da» ist. auf mein Eigentum Acht zu geben. Aber ich möchte, baß Sie mir etwas von meinem Jell- gcn Bat« erzählten. Herr Hoggs: wenn ick feine« Nam«, bei mein« Mutter nur erwähne, so wird sie schon blaß und fängt an zu weinen. Sie fch» y» ihn recht gut gekamitznicht wahr?"
„Gewiß, ich pflegte ihn zuweilen abends zu besuchen und eine Pfeife mit ihm zu rauchen; er wohnte in einem netten Häuschen in der Ripley- Siraße, draußen so recht im Grünen vor der Stadt. Ick hielt ihn immer für einen der glücklichsten Menschen von der Welt. Ihre Mutter machte ihm alles fo nett und behaglich."
„O, gewiß» das versieht sie." erwiderte Jack und üb«legte babei, wie er wohl, ohne bireft zu fragen, herauskriegen foflte, ob Werner der Sohn feiner Muller fei ober nicht.
„Wie lange, glaube« Sie wohl, war mein Vater schon verheiratet, als er verunglückte?"
„Das weiß ich nicht, wirklich da» kann Ich nickt sogen. Er war schon verheiratet, al» er hierherkam."
„Es war nur gut, baß meine Mutt« nicht mehr Kinder hatte," fegt« Jack philosophisch, und der Alte stimmte ihm bei, obwohl er nichts darüber fegte, wieviel Kinder e» damals gewesen. Jack überlief ein ängstliches Gefühl. Tics ganze konspietige Esten konnte doch nicht für nicht» und wieder nicht» fein. Er mußte direkt Vorgehen.
^Jch frage meine Mutter ja nie über bi? frühere Zeit." warf er nachlässig hin, „aber ich glaube dock, ich bin ihr einziges Kind."
Herr Hogg» W> ife* erstaunt an, und Jack bemerkte die» Erstaune« sehr wohl.
„9hm ja, ans dem einen ober anderen Wort, da» meine Mutter bann und wann mal hat fallen lassen," fegte er, „glaubte ich zn entnehmen, daß sie außer ihrem Manne auch ein Kind hier verloren hätte."
„Sol 9hm, da» muß jedenfalls vor der Zeit gewesen fei«, wo sie mit Ihrem Vater hier nach AbbotSville gekommen ist: doch nein, auch das kann wohl nickt fein, denn ich erinnere mich. daß. al» Sie geboren wurde«. J»r «ater uni eine Kanne vier fpe«di«te, um de« Bengel naß $u machen, wie er sich auibnuftr, nab 6* waren
«dg. Dr. etrvfemane inti.) meint, man dürfe da« Prinzip mm Leinang nnD Gegenleistung mchi fo schimärisch durchführen, wie eS m der neuen Fern sprech» gevüh । en-Ordnung geschehen fei. Hoffentlich gelinge e« ia der Kommission, zu einem gerechten Ausgleich der Jniereffen von Stadt und Land zu kommen.
Rach einigen persönlichen Bemerkungen vertagt stch da» Hau» auf
Samstag: Fortsetzung.
Preußischer Landtag.
Adge«dnett»hans.
Sitzung vom 5. März 1909.
Auf ber Tagesordnung steht zunächst die Beschlußfassung über bte Erteilung der Ermächtigung zur »rafrechtlicher Berfolgung des Gewerklchafts- beatnien Helbig-Leipzig wegen Beleidigung bes Abgeordnetenhauses.
Namen» bet Seschästtorbmrngskommiffion beantragt
Adg. Dr. Zimm« (Ztr.) bte Erteilung bei Ermächtigung.
Adg. Rosen«» (frf. ®p.) ttnb Abg Borgmann (Soz.) wandten stch gegen bte Erteilung bei Ermächtigung E« habe sich um bie erregte Aeußerung eines Ber» summlungSrebners gehandelt.
Adg. 'Maltbie» inatL), Adg. Haarmanu (natL) und Abg. ». Heydebraud (tonf.) sprechen stch sür ben An» trag au». Wir haben aber doch auch Rücksicht zu nehmen auf die Auffaffung be» Landes. Unb habet dm ich ber Ansicht, daß man derartige Aeußerungeu, tue man nur al« Aeuperungen eines Gassenjungen bezeichnen tarnt «Sehr richtigl recht», Unruhe b. d. Soz.), nicht ungeürafi durchgehen lassen kann.
Adg. Korfauitz (Pole, und Abg. Borgmann (Soz.1 polemisieren gev«n Adg. v. Heydebranv wegen des Ausdruckes „Gassenjungen-.
Abg. Grai Prafchm« -Ztr.): Wir haben früher für bte Bestrafung de» Redolleurs bet »Erfurter Tribüne" gestimmt, weil wir ein Exempel statuieren wollten. Wenn bie gleichen Aeußerungen jetzt wieberholt werben, |o ist ba» doppelt gravierend (Ser richtig! rechts und im Ztr.!, deshalb stimmen wir für beu Kommifstons- antiag.
Adg. Dr. v. Heydebrand (tonf.): Es ist nicht wahr, baß ich ben Henu Helbig als Gaflenjungen dezelchnet hebe. Ich habe nur leine Aeußerung als die emes »affenjungen bezeichnet.
Abg Srtosset (tonf.): Als gestern Herr Ströbel unter Hinweis auf die rechte Seite bes Hauses von ben Junletn als Verbrechern sprach, ba haben Herr Borgmann und ferne Freunbe Beifall gefpenbet. Da waren sie nicht so empfinvuch.
Präsident ».Kröchet: Der Abg. St öbel hat gestern nicht getagt, ba» bte Junker in btefem Hause Verbrecher sind, sondern nur von den Junkern außerhalb des Hause» gesprochen. > Große Heiterkeit.)
Der Antrag der Gefchästsorbnung-kommisston wirb gegen die Stimmen ber Freisinnigen, Polen unb So- iuxlbemvhaien angenommen.
E» folgt bie Beratung beS konservativen Antrages deneffenb bte
Besteuerung der Filialbetriebe.
Abg. Hammer (L) verlangte eint stärkere Heranziehung bei FiUaibetriebr zur Steuer, gab aber selber ja, baß bte Ftlnribeiteuerung eines der schwierignen xapüel der guuze» Steueigeietzgedung sei. Seiten» hei 3etung würbe bet Auffaffung entgegengetieten, al«
e bte heutige Gesetzgebung not»tnbig zu emei Begümsttgung ber FUiaibetriede füvren. Die Regierung lehne eine Sonbergewerdefteuet für bie Warenhäuser ab.
Adg. gleu her iZ.) trat für ben Antrag ein. D e gäialhetriebe würden steuerlich unuetyäliniemäßig vor ü«a oruaniäingen Geschälten bevorzugt, wodurch ch« Nonlmrenz geuärkt werbe.
In äqntichem Sinne sprach sich Adg. Heine (nfl.l für ben Antrag au«, )oa>;e Abg Eckert ^r«iton)«ro6ti» , wähtend Ab» «ofrno» (fmif. Vp.. stch gegen ben Äatrag aasiprach, zu mal ferne Durchsührung lernen prattiichen Wert habe.
«hg. Bell «Ztr.) betonte, baß eS sich bet dem Antrag« leine weg« am bie Beichiäickung ber Gewerbe fieigeit handele. Nachdem dann noch
Log. Wester«aan tntLi sich kurz für ben Antrag anSzeiprocht» haue, mürbe dies« an eine Kommt f f t o n oerroirfen.
Einen rot teten tonferoattoea Antrag, ber
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