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JW 53.
Fulda, Samstag den 6. März 1909.
36. Jahrqani.
Drittes Matt.
f- Tie Landbevölkerung und die Wehrkraft des deutschen Volkes.
Er wird bekanntlich viel und häufig darüber gestritten, welchen Anteil die Landbevölkerung an der Wehrkraft unsere- deutschen Volke- habe. Der „Xgrarter" behauptet, die Landwirtschaft trage die Hauptlast unsere- Militär» und Marine» wesen-, soweit die Stellung der tauglichen Mann- schäft in Betracht kommt. Von anderer Seite wird da- entschieden bestritten. Die bisherigen Statistiken, d. h. die Zahlenausweise bei der Netrutierung gaben keine sicheren und genauen Nachweise. Nun ist eine neue Statistik erschienen unter dem Titel: „Die Herkunft der deutschen Unteroffiziere und Soldaten am 1. Dezember 1906." (Da- umfangreiche Heft ist eine Ergänzung zu der Zeilschrifl de- kgl. preußischen statlsti chen Landesamtes.) Danach wurde eine Zählung beim stehenden Heere selbst ausgenommen und zwar am 1. Dezember 1906 nach einer „Zählkarte", welche hauptsächlich drei Gesichtspunkte enthielt: 1) Herkunft der Müitärpersonen und ihrer Ettern, 2) der Beruf der Militärpersonen und ihrer Släter und 3) die Körpergröße der Mililärper« fönen. Wenn wir nun nach dem erstgenannten Gesichtspunkte die Sache näher prüfen, so ergibt stch folgende- Resultat:
Die Herkunft der Militärpersonen und <$rer Eltern.
1) Hier kommen zunächst in Betracht die einzelnen Landesteile. Die günstigsten Ziffern dielet da- Heine Fürstentum Lippe, welches sem „Soll" mit 42 Prozent überschreitet; dann folgen Ostpreußen, Provinz Sachsen u. s. w. Südbayern erreicht nur 79, Etsaß»Lothringen 16 Prozent von seinem ,,Soll", Hamburg aber nur 42 und Berlin gar nut 39 Prozent seines „Soll". Es zeigt sich hier schon, was durch die ganze Statistik gehl, die Erscheinung: je mehr Städte becro. Großstädte, desto weniger taugliche Rekruten. G..nz deutlich ersieht man dies, wenn man in- Auge faßt weiterhin
2) den Geburt-ort der Militärpersonen nach Größenktaflen der Gemeinden. Hier müssen wir schon etwas mehr Zahlen bieten, denn dies ist der Kernpunkt der Streitfrage. Und da feben wir nun folgende-: Von den sämilichen Milr» tälpersonen (Mannschaften und Unteroffizieren) waren am 1. Dezember 19.6 geboren
in Gemeinden mit einer Pro,.
Einwohnerzahl btS zu 2000 398513 64,15
von 2000—5000 70006 11,27
„ 5000—20 IWO 68 794 11,08
„ 20000—lOouOO 45777 7,37
„ 100000 und mehr 3*] 15 6,14
zusammen 621210 10u,t0
Mit anderen Worten: die kleinen Ge» mein den, d. h. die Landgemeinden, stellen weitaus mehr als die Hälfte — 64% —
aller au-gehobenen Rekruten! Und dies Verhältnis ist um so bedeutsamer, als Die ®e» samleinwohnerzahl dieser Gemeinden nicht etwa die Hälfte, sondern nur zwei Fünftel der Geiamleinwohnerlchast des deutschen Reiches aus» macht, und wenn man deshalb das „J|t" mit dem „Soll" Der Gemeinden, d. h. Die Zahl der Rekluien, uie sich wirklich stellen, vergleicht mit der Zahl, Die sie stellen „sollen" im Verhältnis zu den Städten, jo zeigt sich folgenves Bild: i •/•
;a> Gemeinden dir zu 2000 Eimv. stellen 114
b) „ von 20U0— 5000 „ „ 91
„ 5000 - 20 000 „ , 8i.
14) „ „ 2u 000-100 000 „ . 83
e) , über 100 000 „ , 65
Mit anderen Worten: je größer die Gemeinde, desto mehr blieb das „Ist" hinter dem „Soll"
Blätter bei Dem Gedanken an die Milliarde ß der eigentliche Wert auf 10 000 Mark geschätzt ist. Der religiösen Kongregationen und heute will Es gab viele Worte darum, aber der Kauf war niemand mehr etwas davon wiffen! nun einmal abgeschloffen; er war erfolgt, weil der
-ass Landtag gern an der Stätte seines alten Heims verbleiben wollte.
I zurück, um bei den Großstädten n cht mehr zwei Drittel davon zu erreichen. Größer als das »Soll* ist da- „Ist", d. h. die wirklich ausge» bobenen Rekruten bez. dienenden Soldaten nur bei den Gemeinden unter 2000 Seelen, also in den Landgemeinden.
Noch ein weitere- Moment: die Herkunft der Eltern. Hier wollen wir, um unstre Leset nicht mehr zu ermüden, keine Zahlen mehr an» führen, sondern nur das Resultat der Statistik geben mit folgenden Worten: „In Den Groß» städten sind verhältnismäßig besonder- wenig Männer und Frauen geboten, die später, d. h. um da- Iaht 1885 herum, dem Baterlande brauchbare Rekruten schenkten. Die Gebürtigkeil der Eltern liefert noch ein seht viel schlechteres Ergebnis für die Großstädte al- die Gebüttiqkeit der Großstädte selbst. Das Gefamtresultat dieses ernsten Gesichtspunkte- kann man zusammenfassen in die Worte:
«Alle unsere Ziffern bestätigen die Regel: je volkreicher die Gemeinde ist, desto mehr sinkt ihre verhältnismäßige Ergib,gleit al- Rekrutenquelle. Die stillen Dorfgemeinden treten mit Den günstigsten. Die Reichshauptstadt mit den ungünstigsten Ziffern aut."
deutsches Reich.
' Alzeh-Bingen und kein Ende. Die t>-o- fesswnellen Kirchenfresser können sich noch immer nicht beruhigen. Sie rasen vor Wut Darüber, daß ein Zentrumsmann in dem bisher stets liberal vertretenen Wahlkreise mit nalioral- liberaler Hilfe gewählt wurde. Der „Antiultramontane Reichsvevband" erließ eine Kundgebung, die die Haltung der Bingen-Alzeyer Rario- nalliberalen als „im schärfsten Gegensatz zur Blockpolitik" bezeichnet. Aus Großlichterl'lde teilte der wackere Katholikenhasser und Erftstnt Graf Hoensbroech der „Franks. Zig." mit, daß „der mit Hilfe der nationallibcralen Partei soeben im Wahlkreise Bingen-Alzey erlangte Sieg des Zentrums über den Freisinn" ihn den innerlich schon lange gefaßten Entschluß, seinen Austritt aus der nationalliberalen Partei zu erklären, nunmehr zur Ausführung dringen läßt. Hoensbroech führt in einem längeren Schreiben die Gründe an, die ih.: im einzelnen zu diesem Schritte veranlasien (Haltung der preußischen Nationallibcralcu in der Schusirage, Wahlrecht nsw.) Tie nationallibe- rale Partei wird sich also in Zukunft ohne den Apostaten behelfen müssen. In einer Zwchrisr freisinniger Bauern aus dem Wahlkreise an die „Franks. Ztg." wird u. a. mitge- .‘eilt, „vielerorts wo evangelische Qir« chenvor st andsmitg lieber bei der Wahl sich „übel" anstellten (d. h. den Zentrnmskcmdi- daten wählten), legten liberale Vorstandsmit- glieier sofort ihre Remter nieder.....
Kirchengesangvereine lösten sich auf, und auch der evangelische Bund wird durch den Verlust einer beträchtlichen Anzahl von Mstglie- dern in rein evangelisch-m Orten einen ansehnlichen Posten zu den Wiblkosten beitragen miis- en." — Daß der Evangelische Bund, diese famt'^che Hetzorganisation gegen die Katholiken, nun auch noch die Kosten des Verfahrens tragen 'oll, ist direkt erheiternd.
Ausland
** Die Milliarde der französischen Kongregationen. Die französiiche S,nal-komMission, Die mit Dem Gesetzentwurf für Arbeiter-Pension-, lassen beauftragt war, hat Die Beratung beendet unD gibt in ihrem Bericht Die ihr nm geeia« netften erscheinenden Mittel und Wege an, um Die Veteranen Der arbeitenden Klaffe vor Dem Elend zu schützen. — Es erregt allaemeine Per» wunDeiung, Daß Die Kommission sich vollständig ausichweigt über Die vor 10 Iohien gemachten pompöten Veriprechungen Waldeck-Rvsteau's in Toulouse. Damals jubelten alle raDttalen
Aus dem Nachdargedlele.
* Barsch bei Geisa, 5. März 1909. Die hiesige Gemeindevertretung, Die sewerzeit zu Den GrunDerwerbskosten Des Elfenbahnbaues Vacha-Geisa einen Beitrag von 5000 Mark tu Der Annahme bewilligte. Daß Barsch einen Bahnhof ober wenigstens eine Haltestelle erhalte, hat sich jetzt erneut an Die Königliche EisenbahnbehörDe mit einem Gesuch wegen Errichtung einer Haltestelle bei Barsch gewandt. Im Interesse Der Hebung und weiteren Ent» Wicklung unseres Orts wäre Dringend zu wünschen, daß Dem Gesuche Der Ertolg nicht versagt bliebe.
* Hanau, 5. März 1909. Nach einer hier eingelaufenen Nachricht erwögt die Heeresvettval» tung den Plan, in Hanau auf dem großen Erer- ziecplatze ein Gebäude für das Bekleidungs- a m t des 18. Armeekorps zu errichten. Es sind zwei Bauplätze in Aussicht genommen. Eine Anfrage bezieht sich auf die Abgabe elektrischen Stromes für das Bekleidungsamt. Dei Nachricht ist für Hanau recht angenehm, da dadurch Hunderte von Militärbeamten und Militärar- beilcrrt nach hier kommen.
vermischter.
* Rekrutendrill mit Ohrfeigen. Wegen Mißhandlung Uetcrgebener in 36 Fallen, vorschriftswidriger Behandlung in 27 Fällen und Anmaßung von Befehlsbefugnis war voin Kriegsgericht der 10. Division der Sergeant Stomann zu vier Monaten Gefängnis und zur Degradation verurteilt worden. In der Berufungsinstanz vor dem Oberkriegsgricht in Posen wurde festgestellt, daß der Angeklagte zu den in früheren Zeiten üblichen Ausbildungsmethoden gegriffen hatte. Die Leute wurden mit Ohrfeigen bedacht, a? wurden ihnen Schläge ins Genick und gegen das Kinn versetzt. Oft mußten sie auch den Laufschritt bis zur völligen Ermattung machen. Als beim Turnen am Reck zwei Rekruten in bio Hunde spien, um sich besser an der Ouerstange scsthalten zu können, mußten ihnen die übrigen Kameratzen der Reihe nach in die Hände speien. Das Oberkriegsgericht kam zu einer Aufhebung des ersten Urteils, da der seit acht Jahren dienende Sergeant die Straftaten „in übertriebenem Diensteifer" begangen und ihm von seinen.Vorgesetzten das beste Zeugnis ausgestellt wurde. Alle Straffälle wurden als minderschwere angenommen und als EinzcSstrasen für die Mißhandlungen je sieben bis zehn Tage, für die Fälle der vorschriftswidrigen Behänd- lung je zehn Tage Mittclarrest eingesetzt. Tie Einzelstrafen, reichten dadurch die ansehnliche Höhe von 370 Tagen, die aber auf eine Gesamtstrafe von 28 Tagen Mittelarrest zurückgeführt wurden.
* Em Schwinüler in Uniform. Seit einiger Zeit brandschatzt cm angeblicher Arulleneo fiz.er in Begleitung einer Dame die giößeren Hotels Der glühten rhemi.ch'weiisäsischen Städte, in Denen er mit seiner Begleiterin in Saus und Braus lebte, vermöge 'einer Uniform entiptedienbe Barmittel bet Den Hoteliers hccauszuich'.agen wußte und dann ver- ichwand. Zahlreiche Hotels in Köln, Bonn, fite- felD, Türen, Königsivimer, Düsseldorf unD Barmen finD um große Sum en geschädigt worden. Jetzt nun hat ihn das Schicksal ereilt. Er erschien in einem Aachener Hotel, ohne zu ahnen, da» die Hoteliers vor jenem Schwindler paar gewarnt waren Die Kriminalpolizei verhaftete Die beiDen. Wie sich eiausnellt, ist der angebliche D.fhier ein von Frontfnrt aus wegen Diebttavls uno Unterschlagung verfolgter Techmler. Seine Begleiterin scheint eine Heuneun zu fein.
* Tas Tagesgespräch in Berlin ist der Ankauf einer Haujer-iKruppe ini Berliner Westen durch Den öranDenbuiger Provinzia 1 Ian vt ag für ein neues Gefchästshaus des letzteren. Es sind für Die Quadratrute runD 22 000 Mark bezahlt, während
* Reicher HeringSfaug. Die bei den Hebriden fischende englische Heringsflotte traf auf einen unermeßlichen Zug von Heringen. Hundert Fahrzeuge fingen in einer einzigen Rächt runD Drei Millionen Fische, Die in Stornoway gelandet wurden. Ein Fischdampfer erbeutete allein die ungeheure Stenge von einer viertel Million Heringen. Das bedeutet für die Mannschaften einen Verdienst von 2800 Vtk. durch die Arbeit einer Rächt.
** Ter Verkauf von Wrightschen Aeroplauen nimmt bereits einen größeren Umfang an. Die erste Serie dieser Flugmaschinen, die 14 Stück umfaßt, ist fertiggestellt. Einige davon sind bereits flugbereit, den anderen fehlen noch die Mo» tore. Von diesen Aeroplanen sind Drei für di« Aviatikerschule Wright in Pau bestimmt, zwei für Rußland, zwei für Dänemark, einer für Fabry, der Damit eine Ueberquerung des Aermel- kanalS plant, ein weiterer für den bekannten Automobilisten Matthias (Straßburg), ein anderer Aeroplan geht nach Nantes, ein weiterer an die Mercedes-Gesellschaft und Drei zum Weiterverkauf an Die Gesellschaft Gregorie. Eine zwerte Serie von Wright-Fliegern wird borbereitet.
k'- Mouatskalender des Gartenbau« Bereirrs.
Gartenarbeiten im März.
Obstbau. Wenn Die Witterung es gestattet, sind Lbstbäume und Beerensträucher jeder Art, Form und Größe neu zu pflanzen. An Zwerg- und Spalievbäumen wird der Schnitt beendet. Das Veredeln und Umpfropfen kann beim Eintreten besseren Wetters beginnen. Bäume, Die sehr viele Blutenknospen angesetzt Haden, müssen reichlichen Jauche- und Dungguß erhalten. Auch müssen die Baumschulen gelockert werden. Um die Apfelblüten vor gro^r Beschädigung zu bewahren, sind Die ApfelbI nstecher von Den Bäumen abzuklopfen. Uebrigens wird der strenge diesjährige Winter unter dem Ungeziefer kräftig aufgeräumt haben.
Gemüsebau. Hier ist vorläufig wegen der abnormen Witterung nichts zu tun. Später sind in die frisch gegrabenen Gartenbeete zu säen: Puff- bohnen, Erbsen, Mohrrüben, Petersilie, Salat, Spinat, Radies, Zwiebeln, Lauch, Schwarzwurzel. Zu früh ist es noch für alle Kohlarten, Rettiche, Bohnen und Gurken. Rhabarber und Meerrettich werden gepflanzt, desgleichen Steckzwiebeln. Bei günstigem Wetter kann Ende des Monats Salat ausgepflanzt werden. In das Frühbeet ist zu säen: Kohlrabi, Blumenkohl, sämtliche Kopfkohlarten, Salat, Sellerie, Lauch und Zwiebeln zum Auspflanzen. Ferner sät man in das Frühbeet Gurken, Karotten, Radies und Rettick)e zum Treiben, Salat wird verstopft und verpflanzt, Schnittlauchstauden und Petersilien- wurzeln eingesetzt. Es werden neue Frühbeete angelegt und an den alten Die Düngerumfchläge erneuert. Gegen Schluß Des Monats kann man Erdbeeren setzen und bei erwärmtem Boden auch Frühkartoffel legen.
Blumcnpslege. Was im Blumenzimmer oder Gewäclishause im Februar noch nicht verpflanzt wurde, nimmt man jetzt vor. Dabei ist der Riick- chnitt aller Pflanzen, die buschig werden sollen, nicht zu vergessen. Die Erde Der früher verpflanzten Blumen wird autgelockert. Abgeblühte Hyazinthen stellt man trocken, sie blühen im fol-, genden Jahre nochmals, freilich wirds meist nicht viel. Oefteres Ueberbraufcn und Zufuhr frischer Lust ist den versetzten Pflanzen sehr dienlich. Von allen krautigen Pflanzen kann man Stecklinge ehern In die Mistbeete macht man Frühjahrsaussaaten von Astern, Levkoyen, Tabak, Goldlack, Balsaminen und vieles andere. An sonnigen Stellen kann man im Freien Sommerblumen aussäen, aber nicht zu eng. Voraussetzung bleibt aber, daß der Winter endlich von uns scheidet.
DaS Waffel-Eije«.
Herr Meyer, der Waisenrichicr in Vretten- heim. faß mit feiner Frau beim Mittagessen. ES war Sonntag, und da gab's stets eine Extraspeise. Heute waren es gebackene Sträuble.
„Schmeckt Dir's, Männchen?" fraate Fran Barbara ihren Mann, Der eben ein gutes Stück tu den Mund schob.
„Ausgezeichnet, sagte dieser, aber. .
„Was Denn aber?"
„Sber". fuhr Herr Meyer fort, „meine Leib- speise, weißt Du Bärbchen, Deine tclituten Waffeln, die sind halt doch noch besser."
„Ach, das ist nur Einbildung," erwiderte Die Gattin mit einem kleinen Anflug von Verlegenheit.
„Ja, und was ich sagen wollte, wir haben schon lange keine Waffeln mehr gehabt. gewiß schon vierzehn Tage her."
„Ja, ja, fo lange wird es sein," gest-nd Frau Barbara etwas kleinlaut, „Drum ist mir vor wer- zehn Tagen das Waffeleisen zerbrochen."
„Was, das Waffeleisen zerbrochen?" brauste der Herr Meyer auf. Er war sonst ein guter Mann, aber die Zerstörung seines Liebsingsin- ftrunicnte?, des Waffeleisens, brachte ihn in Har- ,msch: „Ganz kaput?"
„Ganz kaput I"
„Man muß ein neuer laufen,*
„Mann, bedenke, sechs Mark!"
„Himmel und Knackwurst!"
Herr Meyer brummte den ganzen Tag. Am folgenden Tage war das Gewitter vorüber und die Sonne schien wieder. Gegen Mittag trat Herr Meyer schmunzelnd in die Küche, in welcher feine Gattin am Herde beschäftigt war.
„Bärbchen, ist habe etwas für Dich!"
„Was denn!"
„Sich her! Wir werden wieder Waffeln effen!" Und Herr Meyer zog einen in Papier acrottf -Iten langen Gegcnnand hinter seinem Rücken hervor.
„Ich hab’ nsir's einwickeln lasten: ich W üfen- richter, konnte doch nicht so Damit durch die Straßen laufen."
„Ein Waffeleisen?!" rief fröhlich die Frau. Du guter Mann! Zeig' her! Jst's .in neues? '
„Noch beinahe ganz neu. Ich hab's soeben in der Steigerung erstanden. Ich yab’ ein so nieoti- ges Gebot gemacht um 3 Mark, duß alles gewcht hat, und doch wurde mir's gleich zugestanden."
„In der Steigerung?" fragte Frau Meyer etwas kleinlaut. „In welcher Steigerung?"
„Ha, in Dem allgemeinen Sicigeruitgslofale, das Tu ja auch zuweilen besuchst."
Mit vor Aufregung zitternden Händen riß die 3rau Meyer die Papieryulle auseinander. Dann fließ sie einen Schrei aus: „Unglücklicher, das iji ja nur ein halbes Waffeleisen?!"
»Was, ein halbes .,.?"
„Ja, ein halbes Waffeleisen. Ich hab's mit der anderen zerbrochenen Halste in die Steigerung geschickt, um den Aerger los zu brfen. Tu hast unser eigenes zerbrochenes Waffeleisen ge- steigert!"
Herr Meyer niachte ein nichts weniger als geistreiches Gesicht: „Trum also euben sie so ge- lacht, seufzte er trostlos. „Frau, iib mir eine Fleischbrühe, mir wird's schwach! Kann man nut dem halben Waffeleisen nicht wenigstens halbe Waffeln backen?"
Frau Meyer mußte unwillkürlich lachen: „Nein, keine halbe und keine oierrel, ^ochweifer .Herr Waisenrichter, aber ganz gewiß gehört diese Geschichte in die Zeitung."
„Um Gotteswillen, daS wäre schrecklich, Bärbchen, ich bitte Tich mit aufgehobenen Händen, halte reinen Mund! Ich will Dir -in funiel- nagelneues Waffeleisen kaufen und einen neuen Hut mit schönen Vögeln drauf, wie die Frau Bürgermeisterin einen hat."
Solchen Lockungen konnte die Frau Barbara nicht widerstehen, sie versprach feierlich zu schweigen und hat auch ihren Schwur geholt-n, nur ihre? intimsten Freundin, Der Frau Stadtschreiber in Elster, hat sie es unter dem Siegel des tiefsten Geheimnisses mitgeteiU, und jo erfahren wir es auch.
— Fleischkost im Mittelalter. In früheren Jahrhunderten aßen in Deutschland selbst die un
teren Stände bei weitem mehr Fleisch als heute. Für Tagelöhner, Die in Lohn und Kost zugleich arbeiteten, wurden in manchen Gegenden „genaue Ordnungen" erlassen, was und wie viel jeder an Speise und Trank erhalten solle. „Jedweder Tagewerker, er arbeite auf Dem Felde oder sonst", heißt es im Jahre 1497 in einer Vorschrift des Mainzer Erzbisckwfs Berthold von Henneberg für seine Güter im Rheingau, „erhält morgen- eyne Suppe sampt Brodt, mittags enne starke Suppe, gut Fleisch und Gemüse und einen halben Krausen (Krug) gemeinen Deyns; abends Fleisch und Brodt, oder cyne starke Suppe und Biodt". Kräftiger noch mag die Nahrung der Dienst- und Werkleute in Sachsen gewesen fein; denn eine von den sächsischen Herzögen Ernst und Albrecht im Jahre 1482 erlassene Landesordnung bestimmt: Tie Werkleute und Mäher sollten zufrieden sein, wenn sie außer ihrem Lohn täglich zweimal, mittags und abends, vier Speisen er» halten, Suppe, zwei Fleischergerichte und ein Ge- müse: an Festtagen aber fünf Speisen, Suppe, zweierlei Fische und zwei Zugemüse. „Zu dem Morgen- und Abendbrot zwischen den Mahlen" solle „man ihnen nicht mehr denn Köse und Brot und sonst keine gekochte Speise geben". Fleisch trat so allgemein die tägliche gewöhnliche Speise des gemeinen Mannes in ganz Deutschland, daß der „Seelcnfiihrer" als ein Zeichen besonderer Armut anführt: „Es gibt Arme, die gar oft eine Wockn lang und noch länger gar kein Fleisch haben oder nur schlechtes".