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Zuldaer

wochendellage:„IllustrierteZoimtagszeitung"

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rnmat-b-llage: „Fuldaer Seschichtrblätter"

Anzeigen: ote etn» spaltige Petitzeile ober beten Raum ZS Pfg. Sevamenbrepetitzelle 25 pfg., bei wieder« Holungen wird entspr.

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votationsdruckunb Verlag der Fuldaer Ak« ttendruckerei in Fulda Fernsprecher Rr.S.

Fulda, Freitaq den 5. März 1909.

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36. Jahrqanst.

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Höchst a. M., 4. März 1909. Dem Kaffen-

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* Geisa, 3. März 1909. Ein großer Teil der beim Bahnbau Geisa-Tann beschäftigter Arbeiter- Hat heute die Arbeitniedergelegt, angeb- lich wegen Lohndifferenzen.

Rtttb a. Das Bureau der hiestgeu USntglichen Rreiriasse ist tm Laufe des ElalsjcchreS 1909 außer den Eonn- und Keiertagen noch am 28., 29. und 30. ÜlptU, 28. Juni, 29. Eevlember und 29. Dezember 1901 gejchtofjen, dagegen am 29. Mat,

rend der Vorträge Aufenthalt zu nehmen haben. Ein Verbindungsgang läßt sie von da direkt aufs Podium gelangen, welches durch eine kulissen- artige Schallwand für jeden Verein verstellbar eingerichtet ist. Tie Bestuhlung des großen Fest- saales ist auf 8000 Sitzplätze berechnet, sodaß mit den Balkon- und Stehplätzen zirka 15 000 Per­sonen Platz finden dürfen. Ei» mächtiges ums- sives Glasdach schließt die Kuppel ab, was im Interesse der Klangwiokung sehr zu begrüßen i[t — Die Stadtverordneten berieten die Gas­vertragsfrage. Die bürgerlicl-en Vertreter behielten sich ihre grundsätzliche Stellung vor. Der Wortführer bqr Sozialdemokraten leimte jeden Vertrag ab und forderte em städtisä-es Gas­werk. Der Vertrag wurde an einen elfgliedrigen Ausschuß verwiesen.

♦ Witzenhauscu, 3. März 1909. Die Käme- radschäft der Deutschen Kolonialschule versendet folgende Klarstellung: lieber Schwierigkeiten, die in der Kolonialschule in Witzenhausen bestanden haben, sind in vielen Zeitungen völlig unrichtige Darstellungen enthaltem Tie Hauptzüge der wirklichen Sachlage sind folgende: Als ein dis- ziplinarer Vorschlag des Ausschusses der Kame­radschaft Meinungsverschiedenheiten zwischen die- fein Organ der Selbstverwaltung und dem Ehren­rate herbeiführte, baten vier Mitglieder fenes Ausschusses, sie von ihren sämtlichen Ehrenäm­tern zu entbinden. Dies erschien als eine gegen die bestehenden Satzungen gerichtete Opposition, und darum verfügte der Direktor den Ausschluß jener vier aus der Kolonialsclmle. Eine große Anzahl der Kameraden hielt das nicht für ge­rechtfertigt. Als man in einer Versammlung tm Begriff war. eine dahingehende Entschließung zu fassen, wurde die Auflösung der Versammlung durch den Direktor als Ausschließung aus der Kolonialschule aufgefaßt. Geeignete Vermitt­lung von dritter Seite hat zur Aufklärung des Sachverhaltes und zu völliger Ordnung der An­gelegenheit geführt.

4 Kassel, 4. März 1909. Eine Vermehr ung der Kommunal-Landtagsabgeordne- ten hat der Landesausschuß für den Regierungs­bezirk Kassel beschlossen. Maßgebend für die Neuregelung ist die Zunahme der Zivilbevölke­rung in den einzelnen Kreisen nach dem Stande der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 gewe­sen. Hiernach hat der Stadtkreis Kassel in Zu­kunst 7 Abgeordnete statt der bisherigen 6 Ab­geordneten in den Kommnnallandtag zu wählen, ferner der Kreis Herrschaft Schmalkalden 3 Ab­geordnete statt der bisherigen 2. Weiter haben je 3 Abgeordnete die Kreise Kassel-Land, Esch- toege, Fulda, Gelnhausen, Hanau-Land, Mar­burg und Grafschaft Schaumburg zu wählen und je zwei Abgeordnete die Kreise: Frankenberg, Fritzlar, Gersfeld, Hanau-Stadt, Hersfeld, Hof­geismar, Homberg, Hünfeld, Kirchhain, Melsun­gen, Rotenburg, Schlüchtern, Witzenhausen, Wolf- Hagen und Ziegenhain. Die sechsjährige Wahl­periode der jetzigen Abgeordneten geht demnächst zu Ende.

* Gießen, 3. März 1909. Zu einer großen Kundgebung gegen die Brau st euer gestaltete sich beute nachmittag die Protestver- sammlung in Steins Garten. Brauereibesitzer, Gastwirte, Flaschcnbierhändler und Brauereiar­beiter aus allen Teilen Oberhessens, sowie aus der Provinz Hessen-Nassau, z. B. Marburg, Dil­lenburg, Lauterbach, Fulda, Friedberg, Lim­burg, Weilburg, Wetzlar ulw. waren in großer Zahl erschienen. Der große Saal war stark be­setzt. Dr. Wallburg-Berlin, ein früherer Bier­brauer, gab an Hand statistischen Materials manch interessanten Einblick in das Bruuereigewerbe und wandte sich gegen eine weitere Besteueruim. Namens der Gastwirtsvereine wandte sich Pas- ko w s k y-Gießcn gegen die Brausteuer, während Stadtrat Stuntm-Gießen im Auftrag der Ar­beiterverbände dagegen protestierte. Zum Schluß gelangte eine Resolution zur Annahme, in der Reichstag und Regierung dringend um Ablehnung der Brausteuer als einer großen Gefahr für Brau­erei- und Gastwirtsgewerbe und Arbeiterschaft gebeten wird.

hätte er eigentlich die Wahlhilfe der landesver- räterischen Zentrumsleute zurückweisen müssen.

Wir glauben, daß Herr v. Zedlitz nach der nodtften Wahl vor bet Möglichkeit bewahrt wird, noc^nals seine eigenen Wähler zu beschimpfen.

seiner Versetzung in den Ruhestand vom Könige der Kronenorden vierter Klasse verliehen.

* Wiesbaden, 2. März 1909. Ter Wiesbade­ner Flaschenbierhändler Lohde hat seit sechs Jahren keine ruhige Stunde mehr. Eine Frau Duszinsky fleht ihn teil sechs Jahren an, doch wieder in die Familie zurückzukehren. Sie hält ihn nämlich für ihren spurlos verschwurt- denen Mann. Der arme Lohde wußte sich nicht mehr zu helfen, denn er will durchaus nicht der Duszinsky sein. Schließlich wurde die Frau bei der Armenverwaltung vorstellig und ließ ihren als Straßenkehrer tätigen Sohn zur Identifi­zierung des Papas rufen. Der Sohn erkannte auch den Lohde als seinen vermißten Papa. Der hart bedrängte Flajchenbierhändter brachte aber als Zeugen einen Magistratsbeamten mit, der vor 28 Jahren mit ihm beim Militär gedient hatte. Außerdem konnte et durch seinen Geburtsschein nachlveisen, daß er 48 Jahre alt ist. Duszinsky soll aber 64 Jahre alt sein. Die Frau mußte auch diesmal wieder ohne Mann den Heimweg antreten. — Der österreichisch-serbische Konflikt wurde am Samstag abend hier in ganz einfacher Weife gelöst. Mehrers Arbeiter, die anscheinend ihren Wochenlohn be­reits teilweise „flüssig" gemacht hatten, waren am Mauritiusplatz ins Politisieren geraten. Da rief einer, feinend Hut schwenkend, „Hoch lebe Serbien I" Im selben Augenblick bekam er aber eine derartige Maulschelle, daß er längelangs zur Erde flog und einige Zeit nicht mehr ans Aufstehen dachte. „To host die österreichische Ant­wort!" war die ruhige Erklärung des tatkräfti­gen Serbenbezwingers. Der Vorfall, der eine Menge Augenzeugen herbeizog, erregte viel Hei­terkeit, der geschlagene „Serbe" aber zog scheu von dannen.

* Weimar, 2. März 1909. B ei nt Rodeln in Oberhof zog sich der 20jährige Sohn des Gra­fen Wedel einen Beckenbruch zu.

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Julius Karpf, Fulda. eo©@©©©©©©©©©

vermischtes.

** Wright im Vatikan? Angeblich soll der -Papst den Wunsch geäußert haben, den Amerika­ner Wilbur Wright im Vatikan zu sehen. AuS Rom wird berichtet: „Wilbur Wright wird gegen Ende April in Rom erwartet, wo er während eines Monats Aufstiege unternehmen soll. Ter Papst ioll aus diesem Anlaß den Wunsch geäußert haben, den Amerikaner in den vatikanischen ©ar­ten fliegen zu sehen. Papst Pius interessiert sich sehr für den Sport; so wohnte er in den Gärten schon Radrennen und gymnastischen Vorführungen bei. Wright erhielt allerdings bis jetzt keine offi­zielle Einladung, äußerte aber, daß besondere tech­nische Schwierigkeiten der Erfüllung des päpstli­chen Wunsches nicht im Wege stehen." — Vielleicht ist die Nachricht auch nur eine Reklame für bett smarten Amerikaner, obwohl man allerdings weiß, daß der Papst für technische Fortschritte sehr viel Interesse hegt.

— Schreck «stind. .Ernele, weiß denn Deine Mama, daß ich heule komme'/" — „Ja, Tantchen — sie hat zu Papa gejagt, sie fürchtet's.'

— Tie Protzeubauern. „Euer Bürgermeister ist aber ein tl-mes, unscheinbares Männlein! Der macht gar kein Ansehen!' — „Brauchl's nüt — weg'n m Ansehen fan wir da!*

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30. Juni, 30. Juli, 31. August, 30. September, 29. Oktober, 30. 91 ou., 3o. Dezember 19u9, 31. Januar, 28. Februar und 31. März 1910, von 11 Uhr vormittags bis 1 Uhr mUtags und die übrigen Werk­tage von vormittags 8 Uhr bi8 mittags 1 Uhr behuss Abwickelung der Dienstgejchäste geöffnet.

Fulda. Die ZusteLungder Kriegs« beorderungen und pahnotizcn für das neue MobilmachungSsahr ge­schieht vom 11. bis 25. März re. ab durch Ordonnanzen bezw. durch die Bürgermenterämler. Die bis jetzt noch nicht zur diennlichenKennt« nis gebrachten Wohnveränderungen sind sofort zu melden. Die Mann- fchatten des Beurlaublenstandes haben an den Tagen vom 12. März ab, falls sie nicht selbst zu Haus« lern lönnen, eine andere Person des Hausstandes mit Empfangnahme der Kriegsbeorderung bezw. Patz- noliz zu beauftragen. Jeder Mann, der bis zum 25. März abends keine Kriegsbeorderung oder Patznotiz er­hallen hat, bat hiervon fotort Iei­nem Bezirksseldwedel mündlich oder schriftlich Meldung zu erstatten. Die vom 1. April ab nicht mehr giftigen alten (roten) Kriegsbeo^ derungen sind an diesem Tage durch die Mannschaslen selbst zu vernich­ten, die neuen (gelben) etnzukleben.

Deutscher Reich,

△ Zur Reichsfinanzlage. Vom Beginn des EtatsjahreS 1908 bis Ende Januar 1909, also in ben ersten 10 Monaten dieses Etatsjahres, brach­ten die Zölle nahezu Va Milliarde Mark, was gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 93 Mil­lionen bedeutet, die Zigarettensteuer und die Zuckersteuer ca. 6y2 Millionen Mark mehr, die Maischbottich-Steuer 1% Millionen, die Brenn- steuer 4% Millionen Mark mehr, die Verbrauchs­abgaben aber 4 Millionen Mark weniger, die Brausteuer 3 Mill. Mark lveniger. An Ileber- weisungssteuern kamen 3 Mill. Mark mehr ein, an Staatslotterien wurden 3,2 Mill, eingebüßt. Die Reichseisenbahnverwaltung hatte ein Minus von 4,3 Millionen. Die Fahrkartensteuer brachte ein Minus von 0,6 Mill. Mark, die Tantiemen­steuer ein Minus von 1,6 Mill., die Erbschafts­steuer dagegen ein Mehr von 1,8 Mill. Mark. — Alles in allem spiegelt sich die wirtschaftliche Lage in diesen Ergebnissen recht deutlich, wieder.

(*) Zum Kapitel „Größere Sparsamkeit" schreibt die „Köln. Volkszrg.": „Die hohen Aus­gaben fürRuhehälter der Offiziere be­rühren jeden Steuerzahler besonders unange­nehm, weit man sich sagen muß, daß sie recht wohl vermindert werden könnten, ohne die Schlagfertigkeit des Heeres zu beeinträchtigen. Wie tiäre es ben», wenn inan viele Verwa!- rungs - und Aufsichtsposten, we'che fetzt von aktiven Offizieren besetzt sind, öurch pensio­nierte bekleiden ließe? Wir haben dabei die See Eisenbahn: ininienkonimandanten, der Offiziere der Feitiingsgefängnisse, der Aufsichtsoffiziere in den Militäibildungsanstalten, der Achutawcn bei den Bezirkstommandos, der Offiziere der Be- kleidungsämter usw. tm Ange. Derartige Stei­len könnten recht Wohl durch Offiziere l'ei-.zr »vr- den. die aus Gesundheitsrücksichten zwar nicht mehr vollauf felddienstfähig, aber sonst noch, rüstig und irischen Geistes sind; auf io'che Weise. könnten, bei allgemeiner Durchführung dieses' Gedankens, Millionen gespart werden.

y ,,Religion ist Privatsache", sagen die Genos- > sen; die Praxis aber lehrt's anders. Dieser Tage, haben die Parteigenossen von Niederbarnim ihren j „Kreistag" abgehalten, und dabei legte der Vor-1 stand eine Liste vor über ben Stand der Mitglie- • der, der „Vorwärts"-Leser und — über die Zahl1 der aus der Landeskirche Ausgeschiebeneu. Jedem Orte ist diese Zahl beigefügt Danach ha­ben von ben 11115 Mitgliedern bereits 1869 ihre sozialdemokratische Paiteipflicht auch durch ihre Austrittserklärung ans der Kirche erfüllt. Diese Aufstellung bezieht sich nur auf die männlichen Personen. Man darf nicht vergesien, daß diese „Statistik" über das religiöse Bekenntnis der Ge­nossen nicht eine bloße harmlose Feststellung ist, sondern in der Praxis als ein sehr fühlbarer Ter­rorismus wirkt. Wenn dort heute ein Arbeiter in eine Werkstatt ober auf einen Bau kommt, so ist die erste Frage seiner Kameraden: „Hast de ooch reine Wäsche?" Das heißt zu deutsch: „Bist du auch sozialdemokratisch organisiert?" Er muß: es fein, fönst bringen die roten Brüder ihren Mit. arbeitet einfach um Brot und Lohn, daß er mit den Seinen hungern kann. Jetzt entwickeln sich die Zustände in der Sozialdemokratie so, daß bald die zweite Frage die nach der Zugehörigkeit zu einer Kirche sein wird.

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* „Im Namen aller Deutschen".

Am Dienstag hat der freikonservative Kul­turkämpfer Frhr. v. Zedlitz sich im Abgeord- netenhause bekanntlich zu einem ganz unerwarte­ten und unerhört scharfen Vorstoß gegen das Zentrum bewogen gefühlt. Er entrüstete sich darüber, daß bet den letzten Landtagswahlen Zentrum und Polen zusammengegangen feien und führte nach den jetzt vorliegenden ausführ­licheren Berichten aus:

„Wenn die -jemcumsmänner polnische Kandidaten unterstützen, dann dürfen sie sich nicht wundern, wenn die Pfeile,, die nach jener Richtung gehen, sie mit treffen. Wo dar Deutschtum bedrängt ist, da ist es die ele­mentarste Pflicht der Deutschen, daß sie sich ihrer Haut wehren. Wer deutsch« Katholiken zur Wahl eines Polen veranlassen wist, der ist ein Verräter an der deutschen Sache, ja ein Landesverräter! Die Deutschen Haden vollkommen recht, wenn sie Leute, die unter sahcher Flagge segeln, zurückwei en. Mil solchen Verrätern an der deutichen Sache darf niemand gemeinsame Sache machen. Diese Erklärung gebe ich i« Namen alter Deutschen ab."

Die Ausführungen des Frhrn. v. Zedlitz tour­ten in der anschließenden Diskussion von dem nationalliberalen Abg. Haarmann im Namen fei­ner Partei unterstützt und aufrecht erhalten. Beiden Rednern trat Graf Praschma mit aller gebotenen Entschiedenheit entgegen, indem er energisch dagegen protestierte und es sich ver­bat, daß Frhr. v. Zedlitz im Namen aller Deut­schen spreche und daß er erklärt habe, vom Stand- punkt des Deutschtums wäre es als Landesverrat 8it betrachten, daß man im Falle Lissa mit den -Polen gemeinschaftliche Sache gemacht hätte. ! „Wir sind anch Deutsche", so rief er unter bem stürmischen Beifall seiner Parteigenossen aus, „ebenso gute Deutsche wie Frhr. v. Z e i I i tz". Gegenüber dem Abg. Haarmaiin aber verbat er es sich, baß dieser im Namen der wirklich nationalgesinnten Deutschen gesprochen Habe.

' Die Erregung, welche die unerhört scharfen Ausfälle der Abgg. v. Zedlitz und Haarmann in der Zentrumsfraktion hervorrief, war na­türlich außerordentlich groß. Verschiedentlich wurde auch der Verwunderung darüber Ausdruck gegeben, daß der Präsident so gehässige Anwürfe gegen die Zentrumspartei geduldet habe. Wenn wir auch gewohnt sind, in manchen Punkten und an manchen Stellen als vogelfrei behandelt zu werden, io ist doch der Vorwurf der Landes- ,c e r r a t c r e i an w hervorragender Stelle, wie es die Rednertribüne des Abgeordnetenhauses ist, wohl seit langen Jahren nicht mehr erhoben worden.

Als das Zentrum sich mit den Polen zusam- /nenfanb, war es feine Absicht, jene Leute zurück- jvdi äugen, die sich nicht scheuten, ganze Schichten von Burgern des deutschen Reiches nur deshalb unter beleidigende Ausnahmegesetze zu stellen, weil sie ihre von den Vätern ererbte Sprache und Religion Hochhalten und ihren hergebrachten Sit­ten und Gewohnheiten treu bleiben wollen. Tas Zentrum folgte damit nur seinem unverbrüchlichen Grundsätze: Jedem sein Recht, suum cuique 1 Wenn dieser Grundsatz für einen Deutschen nicht mehr gelten soll, bann muß bas Deutschtum einen ganz anderen Charakter angenommen haben, aber keinen selchest, um den unsere Nachbarvölker uns beneiden werden. Im Namttn derartiger Deutscher mag Zedlitz spreckien, aber nicht im Namen aller Deutschen; denn Gott sei Dank ist noch die große Mehrheit des deutschen Volkes ganz anderer Ansicht und hält am alten deutsckien Grundsatz fest, der für jeden Gerechtigkeit fordert und das siebente Gebot Gottes als noch in Kraft stchend anerkennt.

Was Herrn v. Zedlitz zu seinem Vorgehen ver- anlaßte, ist nicht recht klar. Es soll doch wohl nicht der Dank gewesen sein, daß ihn, nachdem er in mehreren Wahlkreisen vergeblich ein Unter­kommen gesucht hatte, im Kreise Waldenburg Zentrumsleute gewählt und in den Landtag geschickt haben? Wenn Herr v. Zedlitz ein national so empfindliches Gewissen hat, so

* Frankfurt, 3. März 1909. Die Vorbereitun­gen zum Kaiserpreissingen sind in vol­lem Gange. Es wird ein eigenes Sängerhaus er- ______u_____ „v.„

richtet, in welchem SängerundDirigenten wäh^ | Vorsteher Heinrich Todtenbier wurde bei