Einzelbild herunterladen
 

36. Jahrgang

Fulda, Mittwoch den 3. Mär, 1909

Erstes Klatt

des

des

MW

v Eine große Enttäuschung, so schreibt UNS ein Mitglied der Reichsfinanz» kommission, brachte die gestrige Sitzung der Ainanzkommission den zahlreichen Besuchern an- den Reihen aller Fraktionen und deS Bundes­rates.

DaS Bild des Blockkompromisses sollte ent­schleiert werden. Ein geheimnlsuolles Dunkel verhüllte die Vorberatungen d«S BiermLnner- kollegiumS, das sich noch weitere vier „Männer"

Präsident v. Kröcher. Nein, das tun Sir nicht. Sie sagen zwar Landrat^rber Sie meinen alle Be­amten. (Schallende Heiterkeit.)

Abg. Trimborn. Aber, Sie selber haben mich doch auf diese Fährte gebracht. (Schallende Heiterkeit.)

Präsident v. Kröcher: Ja, wenn auch! Wenn die Fährte falsch ist, dürfen Sie ihr nicht folgen. (Große Heiterkeit.)

Abg. Trimborn: Dann werde ich diese Angele­genheit der einem anderen Kapitel zur Sprache brin­gen. ^Geschenkt ist sie Ihnen aber nicht! (Schallende Heiterkeit.)

Minister v. Moltkc: Dem Abg. Bell mutz ich durch­aus widersprechen, der so tat, als wenn Anweisung ergangen sei an die Sanbräte, eine Antizen- trumspolitik zu treiben. Eine derarrige Aruoei- sung ist mir nicht bekannt. Daß die Sraatsbehördeu in gewissen Fällen die Kandidaten, die dem Zentrum erwünscht sind, nicht unterstützen, begreife ich. DaS wutz der Fall sein, wenn das Zentrum mit anderen Parteien im Lande paktiert, die der Staat nicht un­terstützen kann, wie die Polen. Daß dre Landräte politisch nicht jedem passen, ist zu verstehen Es ist rächt jedem recht zu machen. Aber Ote B.rrwürse gegen die Landräte in dieser Allgemeinheit kann ich nicht gel­ten lasten. Der Landrat har einen guten Namen in Preutzen, und wir können sta.z sein auf den preutzi» scheu Landrat. (Beifall rechts)

Abg. v. Bockelberg (kons.- bittet den Minister, fei­nen Erlaß über die Legitimaturntta-icn aufrecht zu erhalten.

Abg. Frhr. b. Zeol.tz (srcikons.l: Wer deul(ch6 Katholiken zur Wahl eines Polen Veranlassen will, dec ist ein Berr<--c an der deutscl^n Sact>e, ja, ein Landesverräter! (Beifall rechts, langan­haltende Zwischenrufe im Zentrum.) Die Deutschen haben vollkommen recht, wenn sie Leute, die unter falscher Flagge segeln, zurückweisen. Mit solchen Ver­rätern an der deutschen Sache darf niemand gemein­same Sache machen. Die Deutschen in Lissa und der Landrat in Lissa verdienen daher den Dank aller deutschgesinnten Männer. Im Namen der Deutschen kann ich nur alle bitten, treu zur deutschen Sache zu halten und nicht di «Polen zu unterstützen. (Beifall rechts. Lebh. ununterbrochenes Zischen im Zentrum und bei den Polen.)

Abg. Bell (Ztr.): Ich habe erst soeben gehört, daß der ziveite Lissaer Fall in der Kommission ausgeschie­den ist. Meine Ausführungen werden dadurch zum Teil hinfällig. Nur eins will ich hier im Namen der ganzen Zentrumsfraktion erklären: Wir erwar­ten keine Unterstützung der Centrums­partei vom Minister oder durch die Landräte bei irgendwelchen Wahlen. (Bravo! im gentium.) Wir sind auf solche Unterstützung nicht angewiesen. (Sehr richtig! im Zentrum.) Nur erwarten wir» daß der Minister seine Landräte anweist, der Zentrums­partei gegenüber ebenso zu handeln wie gegenüber den anderen Parteien.

Abg. Graf Praschma (Ztr.): Ich mutz auf daS allerentschiedenste dagegen protestieren und mir ver­bitten, daß Frhr. v. Zedlitz hier erklärt, im Namen der Deutschen zu sprechen und den Standpunkt sämt­licher Deutschen als Landesverrat bezeichnet, btt mit den Polen gemeinschaftliche Sache gemacht haben. Wir sind auch Deutsche und berbitten uns deshalb eint solche Bemerkung. (Bravo! im Zentrum.)

Abg. Haarmann (nl.) schlietzt sich den Ausführuw gen des Abg. v. Zedlitz an.

Mittwoch: Fortsetzung.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 2. Mär, 1909.

Abg. Dr. Hager (Ztr.) die Rechtsprechung Ministeriums des Innern verteidigt

Bei der heutigen Weiterberatung des Etats

sMdaer

««archsttter

JEffCG*. wochackettar«: „rikstrierk SonntagrzeUung"

schwer! sich weiter über amtliche Wahlbeeinfluflungen, Maßregelungen polnischer Wähler und eine antipol- nische Wahlkreisgeometrie im Osten. In Oberschle- fien werde auch das Vereinsgesetz mißbräuchlich ange- wandt. Trotz der gestrigen Erklärungen des Mini­sters sei nicht zu bestreiten, daß Beamte der politrschen Polizei Provokationen vornehmen, und zwar nicht nur mit stillschweigender Duldung, sondern auf ausdrückliche Anordnung der borge- setzten Behörde. (Lebh. Hört, bört! bei den Po- len und Soz.) Der Redner verweist auf einen in Zabrze geführten Prozeß, aus dem das hervorgehe. Dori sei nachgewiesen, daß ein Spitzel (Prsconke) den Polen polnische Adler geborgt habe, daraus habe dann die Staatsanwaltschaft Schlüffe auf den Charakter des Vereins gezogen. (Hört, hört!) Dir Staatsanwalt­schaft hat den Vereinsmitgliedern einen Vorwurf dar- ans gemacht, daß sie nationalbolnische Lieder gesungen hätten. Und wer hat die Lieder eingeführt? Herr Pisconte! (Heiterkeit.) Hat er die Liederbücher nicht mit amtlichem Gelbe angeschafft? (Hört, hört! bei den Soz. und Polen.) .

Ein NegierungSkommiffar erwidert, daß bu Regie­rung so lange nicht auf die Geheimpolizei verzichten könne, als Vereine beständen, die direkt staatsfeind. liche Ziele verfolgten. Es fehle ihm der Beweis, daß der betreffende Geheimpolizist sich iw der betreffenden Versammlung provokatorisch benommen haben soll.

Abg. Dr. Becker (Ztr.) klagt, daß bei den Regie- rungsbauten mit übertriebenem Luxus zu Werke gegangen sei. In Koblenz und Düffeldorf seien ge- radezu Paläste errichtet. Selbst die Kreishäuser in armen Gemeinden zeigten solchen Luxus. Diese Kreis­häuser sind geradezu fürstliche Palais. (Glocke des Präsidenten.) _

Präsident v. Kröcher: lieber die Kreishauser hat doch aber der Minister nicht zu bestimmen. DaS ge- hört doch nicht hierher.

Abg. Dr. Becker: Solche Kreishäuser werden aber meistens aus Anleihen gebaut, die der Minister ge­nehmigen muß.

Präsident v. Kröcher: Das ist aber doch nicht dre Regel — nicht der erwünschte Zustand.

Abg. Dr. Becker: Ich will mich ganz kurz fassen. Redner schildert, wie einzelne Kreise mit hoher Steuerlast große Summen für die Kreishäuser ausge- geben batten. (Beifall.)

Abg. Bell (Ztr.): Der Abg. v. Goßler hat alle B e - schwerden über die Jandräte sehr lerchthin abgetan. Die vielen Fülle, welche vorgebracht sind, werfen aber doch ein eigenartiges Schlaglicht auf die Anschauungen einzelner Landräte. Die Beispiele, wel­che Dr. Seyda anführte, hätte der Minister rundweg mißbilligen sollen. (Sehr wahr! im Zentr.» Sie stehen auf demselben Brett wie das Verlangen des Land- rats des Kreises Lissa, daß die Amtsvorsteher, welche zur Zentrumspartei gehörten, ihre Aemter niederlegen sollten. Die Landräte bedienen sich sogar der Krie­ge r be r e i n e, um auf die Bevölkerung in einem ge­wissen Sinne einzuwirken. Man nimmt an, daß dies unter Billigung der höheren Behörden^ geschieht. Im Westen bei uns meint man, daß Landräte Antizen­trumspolitik offiziell treiben sollen. (Sehr rich­tig im Zentrum.)

Abg. Borgmann (Soz.) bespricht verschiedene Fälle, in denen Landräte gegen das Bereinsgesetz verstoßen oder ungesetzliche Anordnungen der Ämtsvorsteher nicht beanstandet hätten.

Abg. v. d. Osten (L) suchte fein Vorgehen als Land­rat des Kreises Königsberg gegen die Sozialdemokra­tie zu rechtfertigen.

Abg. Trimborn (Ztr.): Die Pensionierung der nichtrichterlichen Beamten...

Präsident v. Kröcher: Die nichtrichterlichen Beam­ten stehen nicht zur Debatte, sondern die Landräte.

Abg. Trimborn: Die Landräte nehmen aber eine hervorragende Stelle ein unter den nichtrichterlichen Beamten.

Präsident v. Kröcher: Dann sagen Sie doch Land­räte unb' nicht nichtrichterliche Beamte. (Heiterkeit.)

Abg. Trimborn: Bei der Pensionierung der Land­räte wird oftmals willkürlich und zu formell vorge­gangen. Lediglich das Atter zieht man in Betracht, ohne die im Alter oftmals noch vorhandene Rüstigkeit zu bedenken.

Präsident von Kröcher: Herr Abgeordneter, Sie sprechen ja nun doch wieder von allen Beamten. (Hei­terkeit.)

Abg. Trimborn: Ra, ich spreche doch nur von den Landräten. (Große Heiterkeit.)

nommen hat. Es ist gesagt worden, überall, wo der Weiße arbeiten könne, sei die Vernichtung des Schwarzen em Naturgesetz. Das entspricht nicht unserer Stellung als Schutzmacht. Diese Ansicht macht aus einem Kulturwerk ein« bewußte Ausrottung, sie verletzt das ethische Empfinden eines großen Teils der deutschen Nation. Wie wir in unserem Lande den Schwachen Schutz gewähren, so gilt dasselbe auch von unseren RoloiHtn.

Abg. Erzberger (Ztr.): Eüdwest steht an einem Wendepmttt einer Entwicklung, Herr v. Schuckmann ist auf dem richtigen Wege Seine neuen «erordnungen sind ein wahres Kabinettsstück staatsmännischer Weis­heit. Ich beglückwünsche den Gouverneur dazu. Mancher deutsch« Bundesstaat besitzt nicht eine so aus­gezeichnete Selbstverwaltung wie Südwest. Die Kolonie ist reif, ihre Verwaltung selbst zu führen. Redner wünscht, daß die Gemeindebeamten möglichst aus der Kolonie selbst genommen werden. Die Gemeinden müssen auch eine Reihe eigener Steuerquellen erhalten. Wichtig ist, daß bi« neu eingerichteten Bezirksverbände mit recht viel Land ausgestattet werden, damit der Verschleuderung der Ländereien wirksam entgegen» getreten werden kann. Jede Ausdehnung der Selbst­verwaltung wird ein Zurückgehen der Mitttärkosten zur Folge haben. Den Gouverneur bitte ich auf das dringendste, mit allen Mitteln den Handel mit Ge­wehren und Alkohol zu bekämpfen. Weiter wünschen wir eine endliche befriedigende Lösung der Frage der Landgesellschaften in dem Sinne, daß die Interessen des Fiskus dabei besser gewahrt werben. Der dunkelste Punn in der ganzen Kolonialpolilik ist die mangel haste Justizpflege. Für die Eingeborenen gilt einfad) das sogenannte summarische $ erfahren, das heißt, der Richter kann machen was er will. Ich hoffe, daß wir im nächsten Herbst eine Novelle vorfinden, welche die bisherige Konsulargerichtsbarkeit durch ein den Ber- hältniffen angepatztes Kolonialrecht ersetzt.

Gouverneur v. Schuckmann verbreitet sich über die Verhältnisse im Ovambolande und weist die Behaup­tung zurück, daß die Rechtspflege dort mangelhaft fei. Nicht gut ist unser Gerichtsverfahren und unser Strafrecht.

Nach weiterer unerheblicher Debatte wird die Wetterberatung auf Mittwoch vertagt. Außerdem Post­etat und Fernsprechgedührenordnmtg.

Abervervmltungsgerichts.

Abg. v. b. Hagen (Ztr.) klagt über die Beeinflus­sung bei den Wahlen zu den Kreistagen und Kreis- ausschüffen seitens der Landräte. Die KreiSblät- t er sollten wieder zu rein amllichen Anzeigenblättern umgewandell werden, also ohne politischen Inhalt er­scheinen. Der Landrat des Kreises Pleß hat bei den letzten Wahlen einer Gemeinde, die gegen ihn ftimmte, Repressalien angedroht. (Hört, hört!) Einem Ritter­gutsbesitzer im Kreise Liffa ist vom Landrat nahe ge­legt worden, seine Ehrenämter niederzulegen, weil er den Kompromihkandidaten des Zeniruvis und der Po­len gewähtt hatte. (Höri, hört! im Zentrum.) Die Landräte sollten sich jeder Bedrängung der Wühler enthalten. (Beifall im Zentrum.)

Abg. v. Goßler (k.) tritt für seine Reform der Dicnstaufwandseutschüdigung der Landräte ein.

Abg. Dr. Setzda (Pole) begründet einen Antrag Szumann auf Aufhebung des Erlasses betr. die Legi­timationskarten für ausländische Arbeiter. Diese Mi- nisterialverfügung, deren Ausführung in die Hände der Landräte gelegt sei, verstoße gegen die Handels- Vertragsbestimmungen mit Oesterreich-llngarn und Rußland, in denen vorgeschriebcn ist, daß die Ange­hörigen der bett. Nattonen, zwischen denen der Ver­trag besteht, sich ungehindert in den Vertragsländern bewegen dürsten. Jetzt komme es vor, daß man brave ehrliche Leute, die sich ihr Brot verdienen wollten, das Land verweise, während man gewerbsmäßige Faulen­zer im Lande in keiner Weise behellige. Der wahre Zweck der Verordnung ist, Streikbrecher zu gewinnen. Man macht diese Arbeiter mit der Androhung der Ausweisung gefügig, wenn sie bei Stteiks inländischer Arbeiter ebenfalls feiern wollen. Der Redner be»

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 2. März 1909.

Die Fortsetzung der zweiten Einzelberatung deS Kolonialetats

setzte heute beim Etat für Kamerun ein.

Abg. Goller (fress. Vp.) wendet sich gegen die Missionen. Man soll jeden nach seiner Fasson settg werben lassen. Den Missionen darf gegenüber dem Mohamedanismus keine Unterstützung gewährt werden. Die christlichen Elememe aus den Kreisen der Schwarzen find nicht immer die besten. Redner nahm fich noch eines .Verwandten des Menschengeschlechts" an, des Gorilla, der in Kamerun noch hier und dort vor­kommt. Der Herzog von Mecklenburg hat auf seiner letzten Expedition tintn Gorilla erlegt, ein katholischer Pater am selben Tage gleich zwei. Wenn der Pater auch keine verwandtschaftlichen Gefühle für den Gorilla haben mag, so hätte er doch aber am Bussterben dieser Art im Interesse der Wissenschaft nicht mitwirken sollen.

Abg. Erzberg« (Z.tt Auf die verwandtschaftlichen Berhällnisse zwischen Herrn Goller und dem Go» 'rilla gehe ich nicht ein. (Heiterkeit.) Ich stehe beiden gleich fern und überlasse Herrn Goller die Freude an dieser Berwandtschast gern allein. Seine Angttffe auf die Missionen und ihre ersprießliche Wirksamkeit aber weise ich entschieden zurück. Es ist recht sonder­bar, daß immer gleich so und so viele freisinnige Redner auftreten, wenn von der Ausbreitung des ShristentumS in den Kolonien gesprochen wird. (Sehr richtig! tm Zentrum.) Wir treiben untere Kolonial­politik nicht lediglich aus nationalen, sondern auch aus religiösen Gründen. (Sehr richtig! im Zentrum.) Wenn der Abg. Goller verlangt, daß das Eindringen der Missionar« in das Geöttt des Mohamebanismu? verboten werbe, so scheint er die Kongoakte unb das Echutzgebietgesetz nicht zu kennen, welche die Freiheit der Religion tn allen Schutzgebieten gewährleistet. Ich bin fest überzeugt, daß der Staatssettetär der Hüter deS Gesetzes fein wirb. Redner wiederholt seinen Wunsch, daß bei der Besetzung-von Unlerbearnlenstellen die christlichen Bewerber vor den mohamedcmischen den Vorzug erhielten, da sie zuverlässiger feien als diese. Weisall im Zentrum.)

Staatssekretär Dernburg: Die Frage der Mission ist, wie der Abg. Erzberger richtig ausführte, durch die Kongoakte und das ' Schuhgebietgesetz geregelt: beide gewähren völlige Religionsfreiheit. Im übrigen haben rott uni mit den Missionen dahin verständigt, daß sie in solche Gebiete, wo ihr Erscheinen von uner­freulichen Folgen sein kann, nicht einbringtn. Dem Wunsche, da» die Missionen der verschiedenen Bekennt­nisse sich nicht unter einander Konkurrenz machen, schließe ich mich an.

Beim Etat für Togo wünschte Abg. Lebebonr (Soz.) einen Betriebszwang für den Plantagenbau. Diesem Wunsche trat Staatssekretär Dernburg entgegen, da man tonst Bie Leute enttchädigen müßte.

Es folgt der Etat für Südwestafrika.

Abg. Dr. Semltr (natltb.): Daß eine weitere Ver­minderung der Schutztrupven nichMM^ich ist, daran ist Schuld, saß die Bahn zwischen WickWkc und KeetmanS» Hoop noch immer nicht gebaut ist. Eine Residentur im Ovambogeinet halte ich nicht )ür zweckmäßig. Das einzige Mittel zur Dttupahon eines Gebietes ist der Bau von Bahnen. Der Eifer des Kolonialsekrelärs im Bau von Solonialbahnen scheint sehr nachgelassen zu habe«. Mit der Jrfti, liegt es in Südweftafrika auch im argen. Die Diamantensunbe müssen dem Reich zugute kommen für bie schweren Lasten, bie das Reich für diese Kolonie getragen hat. Zum Schluß bespricht der Redner die Kriegsführung in Südwest- aftika.

Staatssettetär Dernbiirg meint, bet der jetzigen Finanzlage deS Reichs hätte er mit den neuen Forde­rungen für Bahndamm nicht kommen dürfen. Mr dürfen mit den Bahnen nicht zu voreilig fein. Bezüg­lich der Kriegführung tn Südweftafrika kann über bie persönliche Leistungsfähigkeit des Generals Trotha und über bie Haltung feiner Truppen em Zweifel nicht obwalten. Deswegen braucht man aber noch lange nicht darauf zu verzichten, auf die Schäden hmzuweifen, die dieser de« Laude gebracht hat, indem er auf die besonderen Verhältnisse desselben keine Rücksicht ge-

a 1 Anzeigen: pte em-

V A spaltige Petitzeile oder

A JA Jh Jhk. bete« Raunt IS Pfg.

jgßK IBII T11 HR rreklamendtepetitzeile

■ JF IH II II | I 25 pfg., bei wieder-

M Hl ÜT 10 H II 9 B | E ho-ungen wird entspr.

» W O, H 9 Bl Rabatt gewährt.

V ▼MV Rotationsdruck«»»

Verlag der Fuldaer Ak-

«««.ii ii tiendntckerei in Fulde

Monatibeilage: „Fuldaer Eeschichtrblatter

Im Saune des Geheimnisses.

6] Aus dem Englischen von R. v. Raesfeld.

„SOießlich," sagte Jack — und viefleicht nicht so ganz mit Unrecht — „machen Kleider doch Meute; man mag sagen, was man will."

Er spazierte zur Farm hinunter, um die Wir­kung seiner neuesten Errungenschaft an Betsy zu erproben und fand zu seinem Entzücken, daß sie ihren Eindruck auf Betsy nicht verfehlte, obwohl diese für gewöhnlich für Derartiges nicht sehr empfänglich war. Das flößte Jack Vertrauen rin. *

«Sehr bald jetzt, Betsy," sagte er, „werde «h Dir etwas mitteilen können, was Du gern hörst."

Detsy lächelte und Jack nahm in bester Laune »b,a)teb, um seinen Plan auszuführen. —

Es war ihm eine ganz großartige Idee gekom- men. Ganze Tone unb Nächte hatte er damit zu-

s am'-rmen Gedanken zu fassen, auf welche Art und Weise er den Namen des Ortes erfahren könne, wo fein Vater gelebt hatte unb verunglückt war.

Wenn er das ausfindig machen konnte, so war sein Glück gemacht. Er brauchte dann nur twrthift zu gehen und Nachforschungen anzuftel- len, alles über seine Mutter auszukundschaften, »nd dann — um mit Geheimpolizisten vom Fach zu reden — auf die erhaltene Auskunft hin zu handeln.

Aber wie dies ausfindig machen? Seine Mutter Ivar nicht zum Sprechen zu bewegen; ebenso gut hätte er ihr zumuten können, sie solle fliegen.

. Aus ihr konnte er fein einziges Wort heraus­bringen; aber die großartige Idee, die ihm kam, war^folgende:

L-icher war doch jeder Unglücksfall in den Zei­tigen berschtet. DaS Verunglücken eines Bahn­wärters war damals noch fein so gewöhnliches und

alltägliches Vorfommnis wie heutzutage — es wurde etwas mehr Aufhebens davon gemacht; vielleicht stand ein Menschenleben damals noch höher und die Menschen entsetzten fich mehr dar- über, wenn einer der ihrigen ein schreckliches Ende fand.

Wenn er nach London gehen und dort irgend­wo eine Sammlung älterer Jahrgänge von Zei­tungen durchfehen fönnte, so wäre es möglicher­weise herauszubekommen. Er hatte gehört, daß in irgend einem Cafs — war's Peele's Garra- svay's oder welches? — die „Times", vom aller- ersten Jahrgange an gesammelt, vorhanden war. Er brauchte nur das Jahr ausfindig zu machen, ivorin das Unglück vorgekommen, und dann den betreffenden Jahrgang genau dur^usehen.

Wäre Kate Jefferies eine klügere oder arg- wöhnischere Frau gewesen, so hätte sie in seinem beständigen Plaudern von seinem Vater Anlaß zu Befürchtungen gesehen.

Er stellte endlose Fragen über ihn, die alle ganz arglos von der Frau, die dem Verunglück­ten so treu geblieben, beantwortet wurden.

„Es kommt einem.wie mir, wirklich hart vor, daß man nie auch nur etwas von seinem Vater gewußt hat. Wenn er am Leben geblieben wäre, Mutker, so wäre er Wohl recht stolz auf mich ge­wesen, was?"

„Ja, das wäre er, Jack."

Und die Tränen standen Kate Jafferies in den Augen bei diesen Worten.

«$at er mich denn überhaupt noch gesehen" fuhr er arglistig fort.

„Gewiß. Tu warst — laß mich sehen — wie alt, als er starb? O Jack, ich komme nicht mehr darauf. Tu solltest mich nicht immer mit Fragen darüber quälen. Du weißt doch, wenn ich an diese Sachen und das schreckliche Unglück denke werde ich jedesmal ganz verwirrt im Kopf."

Kate hatte ganz unabsichtlich im Begriffe ge- standen, die Wahrheit zu sagen, sie hatte sagen wollen•

„Tu warst erst zwei Monate alt, als er starb", als ihr plötzlich eingefallen war, daß Werner für seinen jüngeren Bruder galt

Er sah ihr Stocken, ihre Verwirrung und ihren Schrecken und' verfehlte nicht, seine Position so­fort auszunutzen.

„Ich bin zweiundzwanzig Jahre alt, nicht wahr?" sagte er.

„Ja, aber Jack," klagte sie, „was quälst Du mich so? Warum fragst Du mich immer nach diesen Sachen?"

Aber Jack wußte jetzt genug für seinen Zweck.

„Ich will wetten," sagte er bei sich, „ich war ein Wickelkind, als er starb, und von Master Wer- itcr hat er überhaupt nichts gewußt. Vor einund­zwanzig Jahren also, wollen wir sagen; daz er­gibt das Jahr 18—. Jetzt will ich den Rest bald heraushaben."

Jack schrieb abermals an seinen Bruder — und zwar diesmal um zehn Pfund, nicht um drei, und Werner, der noch immer auf Kenninghall weilte, begann zu erwägen, mit welchen Gründen er sich gegen weitere brüderliche Anzapfungen verteidigen solle.

Er schickte ihm gleichwohl noch die zehn Pfund, teilte ihm aber mit, daß er vorläufig nicht mit weiteren Forderungen kommen müsse. „Ich bin augenblicklich auf Kenninghall," schrieb er, „und wie Du weißt, Jack, kann man an einem derarti­gen Platze nicht ohne Geld sein. Ich habe jetzt kaum genug, um noch auszukommen."

Worauf Jack erwiderte: „Daß niemand, der eine Fee zur Patin habe, eigentlich an etwas Mangel leiden dürfe." —

„Wo ist dies Kenninghall?" dachte Jack. „Wenn ich etwas entdecke, so könnte es sein, daß ich Werner besuchen müßte."

Nach vielem Forschen fand er heraus, daß Kenninghall der Familiensitz von Lord Wayne sei, und sein Gesicht drückte bei dieser Kunde eine ge­hörige Portion Erstaunen aus.

„Der junge Mann fdieint seinen Weg unter große Leute zu machen," sagte er sich. „Ich mähte

wohl wissen, wie lange ich die Waynes von Ken­ninghall kennen könnte, ehe sie daran dächten, mich zu sich einzuladen. Es ist eine sehr unge­rechte Welt."

Doch diese Gedanken hielten nicht lange an? Jack hatte fein Geld, und alles schien auf ihn zu lächeln.

„Ich will nach London, Mutter," sagte er eines Morgens; „ich habe gehört, es gäbe dort Arbeit, bie gerade so etwas für mich wäre, und ich will es einmal damit probieren."

Kate Jefferies' G-Ght klärte fich auf.

„Wenn das wahr wäre," dachte sie, „so wärv es ein sehr gutes Zeichen — ein besseres könnte es ja gar nicht geben. Wenn Jack einmal Arbeit hätte, die ihm gefiele, so wurde er die Quälerei und das Gefrage über Werner und seinen Vater aufgeben."

Sie ließ fich tatsächlich beschwatzen, ihm noch ein paar Pfund mehr zu geben — von Werner'S Geschenk wußte sie natürlich nichts —, und Jack brach hochbefriedigt auf nach London. —

Er war doch einigermaßen verblüfft über die gewaltige Ausdehnung dieser Stadt, über ihre wundervollen Straßen und Gebäude, über die Myriaden menschlicher Wesen, die sie erfüllen.

„An so einem Platz, da sollte ich wohnen," dachte er, „in Elton ist für mich kein Spiel­raum."

Und Jack, in seinem neuen Ueberzieher, wan­delte durch die Straßen London's mit einer ge­wissen leutseligen, großartigen Unabhängigkeit und Nonchalance, die für jeden, der ihn kannte, höchst belustigend zu beobachten gewesen wäre.

Am Tage nach seiner Ankunft fand er daS ®of6, wonach er suchte, und ging hinein. Er war nicht leicht erregbar, aber als er sich endlich vor den großen Stößen Zeitungen niederließ, von denen einer den Schlüssel ;u dem gesuchten Ge­heimnis enthielt, klopfte ihm das Herz doch hör­bar vor Aufregung.

(Fortsetzung folgt.)