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JA 49.
Fulda, Dienstag den 2. März 1909.
36. Jahrgang.
Giftes Matt.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom L März 1909.
Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der Beratung des
Kolonialetats.
Abg. Werner <Ref.. Partei» spricht sich für die Zurückdrängung des Mohamedanismus in Ostafrika aus und wünscht, daß sich nicht das Großkapital der Diamantenichätze in Südwestasrika bemächtige.
Abg. Ablatz (fretf. Vp.) verurteilt, auf Grund eines bestimmten Falles, den juristischen Formalismus in den Kolonien und erörterte die Frage, ob die Beamten, die der Staatssekretär nach den Kolonien schickt und die meist nur kommissarische Hilfsarbeiter sind, überhaupt berechtigt sind, richterliche Funktionen auszuüben.
Abg. GauS Ebler zu Pndlitz (kons.) spricht feint Befriedigung über die gedeihliche Entwickelung der Kolonien aus. Auf bie Klagen über das Syüem wolle er nicht emgehen, »er Staatssekretär möchte aber hier ausgleicheud wirken.
Abg. Roske (Soz.) gibt seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß die Reichszujchüsse zu den Kolonien geringer geworden feien, meint aber, daß die große Masse des Volkes, insbesondere die Arbeiterschaft von unserer Kolouialpolitik nichts zu erwarten habe. Von einer ZiviltsalionSpolitik m unsere» Kolonien zu sprechen, fei verfrüot, die Prügelpolitik fei noch immer in Blüte. Die Politik des Gouverneurs v. Rechenberg billigen wir, weil er sich dabei von der Menschlichkeit leiten läßt. Auf das nachdrücklichste möchte ich der Forderung des Abg. Erzderger widersprechen, daß die Regierung die Missionen in ihrem Bestreben, die Neger «um Christentum zu erziehen, unterstütze. Das Christentum paßt meines Erachtens gar nicht für die Neger. In der Kommisiion hat Herr Derndurg uns Mitteilungen gemacht über die Bedingungen der Waffen- Niederlegung der Hereros; der Slaalssekrelär ist uns diese Erklärung auch im Plenum schuldig; sie ist eine '«länrend« Rechtfertigung des Verhaltens der Sozialdemokraten und des Zentrums im Jahre 1906.
Staatssekretär Dernburg: Der Vorredner sieht zu schwarz. Jede Kelonialpoluik muß durch verschiedene Phasen gehen. ES gibt eine Phase der Eroberung, in der die Schwarze» zunächst den Weißen kriegerisch gegenüberstehen. Da gibt es tem anderes Mittel, als daß ihnen die Ueoermacht und das Uebergeroicht des Werßen gezeigt wird. In diese Phase gehört die Periode des Herrn »on Miebert und die Periode des Hairpt- manrrs Dominik. Herr Bebel hat die Dinge schon vor drei Jahren zur Sprache gebracht, aber beweisen konnte er nichts. (Bebel rurt: Ich ,verde es beweisen.' Dann tun Sie es doch endlich. Es liegt im Interesse der Oeffentlichkeit, daß festgestellt wird, wie einserttg die Sozraldenwkrateu das amtliche Material benutzen, indem sie ei»« ganze Menge Dmge einfach btifeüe lasten, die zum wahren Verständnis notwendig sind. Die meisten Kolonien verlangen auf dem Zwiletat keinen Zuschuß mehr, wie ich hier gegenüber den Herren feststeUe. Dre ganze Beweisführung sieht so aus: 1. hab« ich de» Topf gar nicht geliehen, 2. habe ich ihn ganz zurückgegeben und 3. war er schon kapnt, als ich ,hn entliehen harte. (Lebh. Heitt.) Gegeiiüber dieser Beweisführung stelle ich fest: Die Baumwoll- tnllur ist durchaus erfolgreich. WaS die Inder,rage delristt, so must«» Auswüchse unter allen Umständen beseitigt werden. Auf feinen Fall können wir die Inder den weißen Vollkaufleuten gleichstellen; sonst müßten wir auch di« Beschränkungen beim Grunderwerb, bei den Wahlen, beim Eherecht usw. aufheben, und dagegen würden die Weißen mit Recht Protest entlegen.
Abg. Sterz (südd. Vp.): Im großen und ganze» haben wir allen Anlaß, mit der gegenwärtigen Kolonial« »olttik zufrieden z» fern. Dem Staatssekretär hat das Zentrum fern Vertrauen ausgesprochen; ihn tarnt, scheint',, das Schicksal des Blocks kalt lassen. (Hettk. und Beifall.)
Darauf schließt bie Generaldiskussion.
Nach unerheblicher Debatte wir dann der Gesamt- «tat für Oftasrrla bewilligt.
Morgen: Fortsetzung, außerdem Rechnung-fachen.
ist vor allem das Wahlrecht zu den Kreistagen. Zum Schluß spricht sich Redner für die Einführung der Feuerbestattung in Preußen aus.
Minister b. Moltke: Eine Vorlage wegen der Eingemeindungen hoffe ich dem Hanse demnächst vorlegen zu können, die Arbeiten dazu sind nahezu abgeschloffen. Daß das Ansicheiden der Städte aus dem Landkreise nicht gleich daun erfolgt, wenn sie tatfäch- lich 25000 Seelen erreicht haben, läßt sich nicht ändern; man muß auch auf die Kresse Rücksicht nehmen; sie müssen die Möglichkeit haben, sich auf eine längere Periode — es sind höchstens fünf Jahre bis zur nächsten Volkszäblung — in ihrem Etat einzurichlen. Die polnischen Berufsvereine betreiben nationalpolnische Propaganda; hören sie damit auf, so werden wir den Sprachenparagraphen gegen sie Nicht anzuwenden brauchen. Der Vorwurf des Abg. v. Jazdzewski, die ostdeutschen Beamten suchten die polnische Bevölkerung polizeilich zu bedrängen, ist unberechtigt.
Ab-z. Etroffcr (t) beschwert sich Über den Automobilunfug aus den Landstraßen.
Abg. Jtschcrt tZentr.) empfiehlt die Anträge des Zentrums. Herr Fischbeck hat kein Recht, uns gegenüber den Lehrmeister herausz-tkehren, denn in demselben Augenblick, wo der Freisinn im Reichstage für das Reichsvereinsgesetz ftimmte, beantragten die Abgeordneten Arensohn und Genossen hier die Außerkraftsetzung des 8 7 in Preußen. (Hört, hört! im Zentrum, Widerspruch des Abg. Fischbeck.) Gewiß, Herr Fischbeck, dieser Antrag ist nicht ganz identisch mit dem, wrs Sie im Reichstag vertreten und dann fallen gelassen haben, aber der Grmidgedankr ist derselbe. Redner bespricht die Eingemeindung von Kirdorf in Homburg v. d. Höhe. Dort sei em Vertrag abgeschlossen, der sich unwirksam erwiesen habe. Obwohl der Bezirksansschuß gegen den Vertrag erhebliche Bedenken gehabt habe, fei den Kirdorsern nichts mitgeteilt worden. Jetzt sollen die Kirdorfer die hohen Steuern Homburgs bezahlen, während von ihnen nur eine Steuerpflicht bis 80 Prompt vertraglich zu leisten sei. (Beifall.)
Abg. Dr. Haormann (natlib.) geht auch auf bie Frage ein, ob der Staat haftbar ist für Schäden, welche bei Ausführung genehmigungspflichtiger Unternehmen entstehen
Geheimrat Falkenhayn erwidert dem Abg. Jtschert, daß e4 sich bei der Eingemeindung Kirdorfs nm steue - liche Benachteiligung einiger Kirdorfer Bewohner handele, die aber durch das Entgegenkommen von Homburg beseitigt sei
Em Schluß«! trag findet Am,ahme.
Das (Sebnlt des Ministers wird gegen bie Stimmen der Sozialdemokraten bemilligk. Der sonaldernokratische '2L.it rag betreffen» Einführung des allgemeinen Wahlrechts für die Kommunen wird abaelehnt. Die übrigen Anträge gehen an die betreffende Kommission.
Dienstag: Foiüsetzling.
ö Der Bwckttrrngel
AuS Gründen der Blocktaktik bat der Reichskanzler in die Verhandlungen über die Reichsfinanzreform eingegi iffen. (fr will die Reform nur mit dem Block machen, das Zentrum darf nicht mitaibeiten.
Der Staatssekretär v. Sydow hat sich redlich bemüht, die grosse Aufgabe der Finanzresorm sachlich zu behandeln. Er mar der Meinung, dass man das beste für das Reich nehmen müsse, wo es zn haben sei. Sein hoher Chef verbessert diese Methode der guten alten Schule, die ja seit Ende 1906 für rückständig gilt. Was dem Reiche srowmi, kommt erst in zweiter Slime in Betracht; die Hauptfach« ist, dass es dem Block gut geht. Wirtlich eine famose Politik!
Das unehrliche Gaukelspiel, das zur Zeit gegenüber dem Zentrum getrieben wird, em Spiel, bas jede« geraden, aufrichtigen Menschen an- widern muß, wird in der ,Köln. Bzta." treffend wie folgt charakterifierl:
Als bie Reichsfinannesorm auf bie Tagesordnung gelangte, wurde das Zentrum von den verschiedensten Seiten, besonders in konservattven Blättern, beschworen. doch nur keine Politik der Rantüne wegen des 13. Dezember 19. 6 und was drum unö dran hing, zn
Preußischer Landtag.
Abgeorbnetendaus.
Sitzung vom 1. März 1909.
Das Gesetz betr. den
WohnungSgelbzufchuß
wird an bie Kommission zurückverwiesen, ba eine große Anzahl von Anträgen vorliegt, deren Tragweite und Bedeutung nicht sofort zu übersehen ist. — Es folgt bie Fortsetzung der zweiten Beratung über den
Etat bei Ministeriums beS Innern.
Zu Kapitel 88, Titel 1 bet Ausgaben (Ministergehalt) liegen bie bevtts in bet letzten Sitzung mit. geteilten Anträge vor.
Abg. LnfenSkh (ntl) befürwortet ben Antrag auf Einführung besonderer Formulare für Terminwahlen und Fristwahlen unb kommt bann auf die Vermal- ttmgsreform zu sprechen unb empfiehlt hierbei, daß bie höheren Beamten nicht so viel selbst schreiben, sondern ihre Arbeiten, Bericht« usw. stenographisch gefebuiten Beantten diktieren sollten. Zum Schluß streift Redner die Wahldemonstrationen unb rät hierbei bet Regierung, mit allen Mitteln bageaen einzuschresten.
Abg. Frhr. d. Zedlitz (ftt): Der Minister möge mit Energie gegen Widerstände gegen die Berwciltungs- resorm, woher sie auch kommen, vorgehen.
Minister des Innern v. M-llke: In Sachen der Verwallungsreform möchte ich mich zunächst noch zurückhaltend verhalten. Di« Sozialdemokraten wollen durch Straßendemonstrationen, b. h. durch Gewalt, die Straßen beherrschen. Diesen staatsgesährlicheu Umtrieben gegenüber muß bie Polizei die Ordnung aufrechterbaltmr. Wenn die Geheimpolizei sich auch in Ihre (zn den Sozialdemokraten! Versammlungen hinem- mischt, so brauchen Sie sich darüber nicht zu beklagen. Sie brauchen nur mit Ihren Umtrieben aufzuhören, so werden Sie von der Polizei nicht mehr belästigt. Die Behauptung, baß die Polizeibehörden die Sozialdemokraten zu Ausschrettungen provoziere, muß ich bis zur Erbringung des Beweises abstreiten. Die Polizei ist mit Machtmtttekn ausgestattet und sie ist bewaffnet. Wo sie davon Gebrauch macht, haben Sie keinen Grund, über Brutalität zu schreien. Brutal ist es, daß Sie, obwohl Sre wissen, daß die Leute verpflichtet find, ?0n Waffe Gebrauch zu machen, Ihre Gefolgschaft den Waffen aussetzen. (Lebh. Zustimmung.) Es ist mehr als brutal, es ist unverantwortlich, es ist frivol. Aber darin liegt Ihre ganze Taktik: Erst verhetzen und dann nachher über Gewalt »chreien. (Lebh. Beifall bei den bürgerlichen Parteien, Unruhe und lautes Zischen bei den Sozialdemolralen, darauf erneuter andauernder Beifall rechts.!
Abg. Fischbeck (frs. Vp.) erkennt „banlbat" an, daß die preußische Regierung das Vereinsgesetz in dem Gerste auszuführen bestrebt fei, aus rem es geboren jet Nur einzelne Landräte schikanierten das Publrlum.
Inzwischen find zwei polnische Anträge «in» gegangen. In dem ersten wird die Regier»«-» ersucht, sobald als möglich eine Vorlage eutjubrirgen, durch welche der undeschränlte Gebrauch der nrchtdeulschen Sprache in öffentlichen Versammlungen gesichert werde. Der »weite Antrag will die Au, Hebung einer Miniuerial- versü gung vom 16. Januar 1907 betr. die Ausstellung der Legltimationskarten für Saisonarbeiter.
Abg. Dr.». JazdzewSki (Pole) begründet de» ersten Antrag. Redner dedauerh daß man in den polnischen Provinzen die. polnische Sprache mit aller Gewalt zu verdrängen suche, und «us diesem Grunde alle möglichen Vereine, bi« mit der Politik gar nichts zu tun hätten, für politische Vereine erkläre, um ihnen auf diese Weise den Gebrauch der Muttersprache verbieten zn können. Man soll« bie iZolen als gleichberechtigte Bürger anerkennen. Man Jolle sie so reden lassen wie chnen der Schnabel gewachsen sei, dann werbe man deustchrrseiks bald nichts mehr gegen sie emzuwenden haben Nur bi« Gerechtigkeit bei imstande, die Anhänglichkeit der polnischen Bevölkerung an den preußsschen Starck zu festigen.
Abg. Dr. Pachnicke (frs. Bgg.): Wi« wir im allgemeinen bet preußischen Polenpolutk unsere Zustimmung nicht geben können, so muffen rott besonders Darauf bringen, daß die Handhabung des Berews- grsetzeS in Preußen nicht immer zu erneuten Klagen Anlaß geben möchte. Bei bet VerwaUnngStesotm muß besonders bie Frage bet Lanbrät« vorsichtig b«sandelt werden, ba sich diese Beamten vielfach aUzufeht von ihre» politisch«» Ansichten bei ihrer AmtSiühruna beeinflussen Heften. Dringend enter Korrektur d «durstig
treiben. Alles müsse mitarbeiten, was ein Her, für des Bakerlandes Wohl und Wehe habe usw. Gleichzeitig wurde bas Zentrrnn auch schon von ben verschiedensten Seiten, besonders in Menden Blättern, praonumerando beschimpft, daß eS keine Reichsfinanz, refotm zustande kommen lassen wolle, fondern als Vater der Hindernisse alles hintertreiben wolle. Di^war das Vorspiel. Zögernd ging man an die Rerchsfinanzresorm heran. Sie kam nicht vom Fleck. Die im Block vereinigten Parteien intrigierten unablässig gegeneinander; die »ine sucht, die andere übers Ohr zu hauen, und zwar mußte auch hier fortgesetzt das Zentrum herhalten. Die Rechte wie die Linke suchten die Zentrnmsscheu für ihre eigenen Parteizwecke auszunutzen. Das Zenttum ging ruhig seinen Weg. Es tat, was das Interesse des Landes erforderte, und unter seiner Mitwirkung wurde in dem Unterausschuß der Fmanzkommifsion eine vorläufig, Berständi- gung erzielt, welch, einen Ausweg aus der gründlich verfahrenen Loge zu eröffnen schien. Die Konservativen waren einverstanden, wie ihre Presse verkündete. Di, oerbfmbeten Regierungen schienen sich wenigstens nicht durchaus ablehnend zu verhalten. Man hätte nun glauben sollen, baß die sich vorzugsweise „national* nennenden Parteien insgesamt dieses Ergebnis begrüßt hätten. Weit gefehlt! Nun war im „nationalen* Lager erst recht der Teufel los. Die Nationalliberalen voran, erhob bie Linke ein wahres Wehegeschrei, daß das Zentrum mitgearbeitet hatte. Da» Zentrum fall nicht Mitarbeiten. Wenn es mttarbestet, so will eS ja doch nur Den lieben Block sprengen. Bülow hitf, daß der liebe Block zusammenbleibtl
Unb Bülow, so schildert das genannte Blatt weiter, erbarmte sich wieder seines Blocks. Der Blockklüngel ist wieder in vollem Gange. Und es klüngeln mit die Konservativen, welche dem Zentrum so freundlich zuredeten, doch nur ja miizumachm; es klüngeln mit die Liberalen, welche das Zentrum beschimpften, weil es nicht mitmachen wolle.
Aus der Rechten und auf der Linken wirst man so oft wahrheitswidrig dem Zentrum vor, es sei eine konfessionelle Fraktion, obwohl das Zenlrum an der Lösung aller Fragen, welche unser öffentliches Leben bewegen, eifrig sich beteiligt. Hrlst nichts: das Zentrum ist eine konfessionelle Fraktion, die ledigllch kaiholisch-kirchliche Interessen vertritt. Gleichzeitig aber wird, und zwar von Leuten, die daheim ebenso eifrig ro;e hinterlistig an der Zurückdrängung des Katholizismus arbeiten, das Zentrum gleißnerischerweise in Rom denunziert, daß es bie katholisch-kirchlichen Interessen vernachlässige. Gleichzeitig unterstützt man Aniizenlrumsvereimgungen, beten Wortführer „ben Herren von ber Zentrumsrechten" sreunblich zusprechen, doch dem politischen Zentrum den Rücken zu kehren unb eine Zweckorganisation zur Vertretung konservativ- kacholifcher Interessen zu hüben.
Ist baS ein Gebaren, welches jeden geraden, ausrichtigen Menschen abstoßen muß! Unb das oB bann bie vielgerühmte deutsche Ehrlichkeit darstellen! Elende Kniffe und Pfiffe smd's, mit denen man auf ein von Haus aus durch Vorurteile beschränktes ober infolge fortgesetzter Bearbeitung durch verlogene Preßerzeugniffe verdummtes Publikum spekuliert.
Die .Kölnische Volkszeitung schließt:
Wenn immer wieder bas Bestreben erkennbar wirb, bie wett««» stärkste Partei bes Reichtage» en canaill, zu behandeln, wenn insbesondere jede sachliche Mitarbeit immer nur zu neuen Verdächtigungen unb sogar politische» Erschwerungen lShrk, so wird schließlich für das Zentrum nichts anderes übrig bleiben, als «in, solch« unsachlich« unb illoyale Politik sich vollständig Jdbft zu überlassen.
Wit wissen nun, wer die Reichsfinanzreform machen soll; nur die Blockmehrheit unter Ausschaltung deS Zentrums. Aber was nun
3» Sonne des Geheimnisses.
44] Aus dem Englischen von R. v. Raesfeld.
„Ach, Betsy", sagte er grossspurig, „Du hast doch bessere Aussichten als Lizzy Seymour, alles in allem genommen. Sie wird doch nur eine Krämersfrau, und was Dir alles noch blühen kann, doS weiß man noch nicht."
«Was ist'S" fragte sie begierig.
„Ich darf Dir's nicht sagen," erwiderte er; „aber was meinst Du wohl, wenn Du die Frau eines feinen Mannes würdest, der von seinen Renten lebt und wir alle beide gar nicht mehc zu arbeiten brauchten, he?"
»Das gefiele mir wohl", sagte sie, Jüanhtoirt* fajaft ist schliesslich nicht so angenehm. Ich würde sicher ebensogut eine feine Dame vorstüllen können, tote jede andere."
--Mel besser," rief Jack begeistert. „Ich hab' noch keine feine Dame gesehen, die so glänzende Augen hatte, tote Du, Betsy."
»Jack," schmeichelte sie, „willst Du mir nicht sagen, tote das mit dem Reichsein und von Renten leben ist?"
„Das kann ich jetzt noch nicht; ich glaube nur, ich bin nicht ganz sicher, merk' Dir, — ich glaube, ich bin einem Geheimnis auf der Spur.*'
„Ein Geheimnis!" rief Betsy, und ihre schwarzen Augen schossen Blitze. JD, Jack, sag'S mir!" . „Ich weiss es selbst noch nicht, ich vermute nur, tote e« sich verhält. Wenn ich's herauskriege, Betfp, so werde ich's Dir erzählen, darauf kannst Du Dich verlassen."
„Aber wie soll Dich daS zum Rentner machen. Und daß wir nicht zu arbeiten brauchen?" fragte das Mädchen eifrig.
' „Wegen der Geldes, das ich dafür kriegen werde. Wenn eS das, ist, was ich glaube, Betsy, so werden die Leute mir gerne Tausende bezahlen, nur, oamtf e$ noch ferner Geheimnis bleibt."
,,^d) »erftele, Jack," flüsterte sie geheimnisvoll. „Ist es ein Mord?"
Er lachte laut auf.
„Nein, neinl Was für eine Idee, Deisyi Nicht dergleichen."
„Du sagst eS mir doch sicher, trenn Du es selbst weißt?"
„Darauf kannst Du Dich verlassen," sagte Jack.
„Bor der Frau, die er liebt, hat em Mann überhaupt kein Geheimnis," sagte Betsy schnallend.
Dann änderte sich ihre Stimmung plötzlich „Aber wenn Du es probiertest und vor mir tvas geheim halten wolltest," sagte sie, .so würde ich's Dir entreißen, und sollte ich Dir selbst das Herz damit herausreißen."
„Meine schöne Tigerin!" erwiderte Jack und strich ihr kosend über das schwarze glänzende Haar.
Das Mädchen lächelte wieder. „Da hast Du gerade den richtigen Namen für mich gefunden " sagte sie; „eine Tigerin, ja, das bin ich Es liegt in mir, alles Verzweifelte und Grausame zu begehen, wenn ich dazu getrieben würde. '
„Du würdest nie grausam gegen mich fein." sagt-? Jack, „weil ich Dich liebe."
„Nie, so lange Du mich wirklich liebst; hinter- gehft Du mich aber, so fish Dich wohl oor."
Und seltsam genug, anstatt dadurch abgestoßen ängstlich zu werden, liebte Jack sie nur umsomehr' Sw, dre stolze halbwillw Schönheit, die niemand sonst zahlten konnte, sie liebte ihn. Es war etwas, worauf man wirklich stolz fein konnte.
Aber von diesem Augenblicke an ergriff «in anderer Geist Besitz von Jack Jefferies. Er musste ferne Prahler« Betsy gegenüber verwirklichen Bisher war seine herrschende Leidenschaft Faulheit gewesen, jetzt war es Ehrgeiz. Es war ihm jetzt nicht mehr so sehr darum zu tun, sich ohne Arbeit durchzufchkigen, als vielmehr darum Gelb zu haben, um Betsy zu blenden, sie an sich berauf- sehen zu lassen, um mehr von jenen Dfilichen Lobsprüchen unb Schmeicheleien zu hören, die ihm
die Brust vor Stolz und Genugtuung geschwellt hatten.
Geld! Geld! das war der einzige Rus, der ihm Tag und Nacht ans der Brust auf die Lippen stieg. Bei Hellem Tage träumte er davon; er schlich, sich dann gern davon aus dem Hause und in die Wiesen, legte sich in den Schatten eines breit- ästigen Baumes und gab sich einer Art visionären Wachschlafes hin.
Was er alles tun würde, wenn er Geld hätte; tote er ein großes HauS kaufen — eS einrichten und ausmöblieren würde — tote er dann Pferde, Wein, und alles was ihm nur gefiel, dazu kaufen. toie er dann Betsy heiraten und sie mit schönen Kleidern und, Schmucksachen überhäufen würde! Wie er als großer Herr über bie Menschheit befehlen und was er sich alles für Vergnügen machen würde! Dann wurde er gewöhnlich wach unb erinnerte sich, daß es nur ein Traum war.
Seine ganze Seele leckte mit feurigem Ber- langen nach Geld. Er mußte es haben — einerlei toie er's bekam. Und wenn er einem Menschenherzen das Herzblut auspressen mußte, eS mußte, dennoch fein werden.
Seine einzige Schwierigkeit war, toie er seine Operationen anfangen sollte. Was das betraf, feiner Mutter zuzusetzen, fo sah Jack, baß es ganz und gar nutzlos sei; er würde sie einfach zu Tode' erschrecken, aber nichts bannt erreichen. Sie würde nie etwas enthüllen, und wenn Re nun wirklich vor Schreck stürbe, tote war es dann mit dem Geheimnis?
Jack wurde schmal und blaß; er war ihm un- «träglich, daß hier all seine Gewitztheit nichts verfing; aber auch ein Klügerer wie er hätte sich vergebens ben Kopf darüber zerbrochen, wo und tote wohl der Hebel zur Entdeckung eines so wohl verwahrten Geheimnisses anzusetzen fei.
Er versuchte seine unbestimmten Gedanken in Ordnung zu bringen. Sein Verdacht richtete sich auf Werner — daß Werner nicht fein Bruder, nicht der Sohn feiner Mutter, sondern der Sohn von jemandem sei, der für die Bewahrung des
Geheimnisses anständig zahlte. Das war'S, WaS er argwöhnte, vermutete, wie sollte er nun herausfinden, ob es wirklich so war?
Es gab niemanden in Ferryhiü, noch in Elton, der überhaupt etwas von feiner Mutter gewußt, bis sie sich hier niedergelassen hatte. Sie war mit zwei kleinen Kindern noch Elton gekommen, das wußte ein jeder. Eins war cm kleines Kind auf dem Arme gewesen, das andere ein kleiner Junge, der noch nicht allein laufen konnte, nicht ganz ein Jahr hatte zwischen ihnen gelegen.
Er hatte diese Geschiße sehr oft gehört; sie konnte ihm nichts nutzen. Falls irgend ein Geheimnis über Werner schwebte, so datierte das aus der Zeit, bevor feine Mutter nach Elton gekom. men.
Er mußte also ausfindig machen, wo sie früher gewohnt hatte, mußte sich dahin begeben nnb Nachforschungen anstellen. Aber wie es ausfin- ‘ big machen? Seine Mutter zu fragen, war einfach nutzlos; sie hatte sich offen geweigert, es ihm zu sagen. Er konnte tun, WaS er wollte, das wußte er im voraus, die Mitteilung würde et nicht bekommen. So stand also gleich zu Anfang seines Planes diese Schwierigkeit vor rhm, toie eine steile, glatte Mauer, die er weder über- steigen noch worüber er einen Blick hinwegtoerfen könnt«.
28. Kapitel.
Jacks Pln».
„Dieser Mantel ist ganz genau dasselbe", sagte Jack Jefferies und musterte sich toohlgefäl- lig in dem kleinen gesprungenen Spiegel feiner Schlafkammer, „Wie sagen sie doch, toie heißt der Schneider des Prinzen von Wales? —. Poole. Ra, also Poole hätte nichts Besseres zustande bringen können."
Ein großes Ereignis in Jack's Leben hatte sich begeben — er hatte einen Neberzieher. Er brauchte dies Kleidungsstück notwendig zur Ausführung feiner Pläne, und er hatte bei seiner Mutter abwechselnd geschmeichelt, gedroht, über-