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z pa?zelle"in Mda. Wochenbeilase: „illustrierte Zonntagzzeitllng" Monatrbeilage: „Fuldaer Geschichtsblätter"

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Botationsdrncknnd Verlag der Fuldaer Ak­tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

M 48.

Fulda, Montag den 1. März 1909.

36. Jahrgang.

Mittel der Straßendemonstralionen greifen. Im wei­teren begründet der Redner die sozialdemokratischen An- träge.

Montag: Wohnungsgeldzuschuß und Fortsetzung der zweiten Beratung über den Etat des Ministeriums des Innern.

Eines Tages spazierte er mit Betsy durch die Gememdewtese; er plauderte unaufhörlich auf sie ein während sie nur sehr einsilbige Antwor- ten gab. Plötzlich fuhr sie aus ihrem Brüten auf und wandte sich an Jack. 1

»Jack", sagte sie, „ich habe all mein Leben

Jack hatte keine Ruhe, keinen Frieden kein Glück, er brütete Tag und Nacht über dem Pro­blem, woher er das Geld nehmen sollte. Zuletzt beschloß er, an Werner zu schreiben.

In Elton, war ein Goldschmieds-Laden, wo <*.r für drei Guineen einen Ring mit soviel rotkn Steinen darauf kaufen konnte, wie er nur wollte auch Ohrringe, die wie die Sonne strahlten ur d funkelten.

Werner mußte ihm drei Guineen schicket«. Jack schrieb also und ersuchte ihn darum, und der Brief kam nach Kenninghall, wo Werner nod< da war.

Er schickte wirklich das Geld, froh, den Wuitsch seines Bruders erfüllen zu können, obwohl er — er mochte tun, tvas er wollte — diesen Bruder nicht in dem Maße lieben konnte, wie sein zar­tes Gewissen es ihm anbefahl.

Jack ging stracks zum Goldschmied und kaufte die ersehnten Schätze; er batte sich gelobt, daß er Betsy nicht eher Wiedersehen tvollte, als bis er ihren Wunsch erfüllen konnte. Jetzt stand es in seiner Macht, und leichten Herzens eilte er den wohlbekannten Weg zur Farm. Ihr Jubel und ihr Entzücken schienen ihm das Allerschönste, das er Zeit seines Lebens gesehen. Betsy, die sonst so spröde, so sparsam mit ihren Gunstöe- zeugungen «var, schlang ihre Arme um seinen Nacken und liebkoste ihn in ihrer stürmischen Weise.

„Du bist ein Schatz, Jackl Diese Sachen sind doppelt so schön, wie Lizzy ihrel Was soll sie für Augen darüber machenI O, wie freu' ich mich, was bin ich stolz I"

„Du sollst noch schönere Sachen haben, wie diese, Betsy, später mal", sagte er; denn ihr Lob entzückte ihn.

Nie in seinem Leben war er so entzückt, so ge­schmeichelt, so hingerisien, ja, berauscht gewesen. Es «var etwas ganz Neues für ihn, daß man ihn nobel nannte und sich für Geschenke bei ihm be­dankte. Eine Art stolzer Genugtuung schwellte ihm die Brust.

(Fortsetzung folgt.)

mour; und Du weißt auch, daß Lizzy Seymour sich jetzt auch verheiratet?"

„Recht so", sagte Jack, „je mehr Heiraten, desto mefir Glück."

„Ihr Schatz hat ihr gestern auch einen Ring gegeben — einen Ring mit schönen roten Stei­nen drin; sie zeigte ihn mir, und eine Kette, alles von Gold."

„Er hat sie nichts liebe?, wie ich Dich", sagte Jack eifersüchtig.

„Hm, ich weiß doch nicht. Hübsche Geschenke nehme ich auch gern. Ich möchte auch wohl einen Ring haben — aber einen bessern wie sie."

Jack zermarterte sich schon heimlich den Kopf, tvo er wohl einen Ring hernehmen solle, und wie­viel der wohl koste«« würde, denn der Gedanke, daß Betsy etwas haben wollte und daß er es ihr nicht gleich geben konnte, tixir ihm Gift und Galle — war wirklich unerträglich.

„Du sollst einen Ring haben, Schatz", sagte er, „und sollst mir dies entsprechend belohnen."

„Das fverde ich machen, wie's mir gefällt", sagte seine Schöne schnippisch; „aber denk mal, Jack, es muß doch sehr nett sein, wenn man einen Bräutigam hat, der einem Ringe und Ohrringe schenken kann."

Jack sah sehr düster und eifersüchtig drei««.

„Hast Du solche Sachen denn so riesig gern?" fragte er schließlich mürrisch.

„Gewiß. Alle Mädchen und Frauen haben solche Sachen gern, und ich bin nichts anders tvie die andern."

Also beschloß Jack, komme was da wolle, sie solle sie haben. Er verlangte von seiner Mutter Geld, aber Kate sagte ihm kurz und bündig, sie könnte nichts mehr ^ergeben ,er hätte ohnehin in letzter Zeit schon mehr wie zuviel ausgegeben.

„Schaff' mir nxi8 daher", sagte er, „wo Du Deins herkriegst."

Und Kate Jefferäes' Gesicht wurde« wieder blaß vor Furcht über diese unertvarteten Worte, doch hielt sie's füt’S Klügste, sie zu überhören und keine Antwort darauf zu geben. —-

% Aizey-Bingen.

Der Wahlkampf _ im Reichstagswahlkreise Bingen-Alzey hat, wie gemeldet, mit dem Sieg des Zentrumskandidaten U e b e l geendet.

Mit mehr als 1100 Stimmen blieb der frei­sinnige Kandidat Pfarrer Korell in der Minder­heit, trotzdem die Berliner nationalliberale Par­teileitung im Verein mit dem größten Teil der hessischen liberalen Presse mit aller Macht auf ihre Gesinnungsgenossen einzuwirken suchte, für den Freisinn zu stimmen, trotzdem in allen Tönen das Gespenst der Wiedererwachung des Einflirsses des bösen Zentrums den Wählern an die Wand gemalt wurde. Die rhein-hessischen Bauern haben diesen Lockrufen nicht Gehör geschenkt und ließen sich auch durch die in letzter Stu««de von dem Freisinn inszenierte widerliche konsessio» nel le Hetze nicht in ihrein Entschluß irre machen.

Herr Pfarrer Korell hatte nach dein ersten Wahlgang bekanntlich die Parole ausgegeben, man möge das Zentrum nur politisch, nicht konfessionell bekäinpsen. Wir haben damals gleich gelinden Zweifel darüber ausgesprochen, ob diese Parole, toenn sie ernst gemeint sei, auch wirklich ernstlich befolgt werde. Es dürfte schwerlich einen anderen Wahlkreis im deutschen Reiche geben, in welchem in früheren Jahren eine solch elende kbnfessionelle Hetze getrieben wurde, als gerade in diesem früheren Bamberger'schen Wahlkreis. Und ^dies trotzdem das Zentrum wiederholt dein Freisinn Schlepperdienste leistete und zwei- rnal in Bingen-Alzey direkt für den freisinnigen Kandidaten eingetreten ist. An eine Gegenlei­stung dieser Partei war gewiß nicht zu denken; aber zum Dank für die wiederholt geleistete Wahlyiilfe überschütteten die freisinnigen Man- ilesseelen später die Katholiken in unerhörter Weise mit den vergifteten Waffen konfessio­nell en Hasses. Auch diesmal mußten bei der Stichwahl Papst, Syllabus, ja sogar das Lexikon der Görresgesellschast herhalten, um die protestantischen Wähler vor dem ultramontanen Kandidaten graulich zu machen. In einem beson­deren Flugblatt verstieg man sich zu dem bemer­kenswerten Spruch, ein protestantischer deutscher Manu könne niemals einem Zentrumsmann seine Stimme geben. Umgekehrt hat es der Freisinn stets als selbstverständlich betrachtet, daß er schmunzelnd die Wahlhilfe des Zentrums ent- gegennahm. Alles half diesmal nichts. Der Bund der Landwirte hatte für die Stichwahl tue Parole ausgegeben: Dem Pfarrer Korell die Bibel und in den Reichstag den Uebel! Das Stichwahlabkommen ist vom Bu«r d der Landwirte und den Na tio nal li b e r a- len getreu gehalten worden und die fast rern protestantischen Orte haben durchweg für das Zentrum gestimmt. Das mag ja der Ber- liiier nationalliberalen Parteileitung uinsoweni- ger in den Kram passen, als man ganz abgesehen von den Blockrücksichten die Wahl in Bingeii-Äl- zey gerne als Kompensation für die freisinnige Unterstützung des nationalliberalen Kandioateu in der Nachwahl in Perden-Hoye benutzt hätte, was nach dem Wahlausfall in Bingen-Alzey nun- mehr schwer fallen dürfte.

Die Wähler tvaren eben geradezu angewidert von der A g i t a t i o n s w e i f e des P f a r r e rs Korell. Durch alle möglichen und unmög­lichen Berfprechungen suchte er die Wähler für sich zu gewinnen. Trotzdem er sich bereit erklärte,

ebenso gut lieben, wie ich hassen kann. Wenn ich einmal sage, ich werde Euch lieben, so denkt dar­an, daß Ihr besser tätet, eine wütende Löwin zu reizen, als mich in Wut zu bringen. Ihr werdet mir mein ganzes Leben lang treu sein müffen."

„Aber, Betsy, wen in aller Welt könnte ich überhaupt nur halb so lieb haben? Warum sollte ich Dir nicht treu fein? .Ich habe überhaupt nie eine andere geliebt und werde es auch nie. "

Betsy legte ihrs kräftige Arbeit Gand aus die feinige.

„Ich hatte Dich lieb", sagte sie ruhig, „vom selben Tag an, wo ich Dich zuerst gesehen. Ich feige also ja, ich will Deine Frau tyerben."

Und Jack küßte das blühende, frische Gesicht seiner Liebsten und glaubte sich beinahe im Him­mel. Keinen gäb's in der ganzen «veiten Welt, erklärte er, der so glücklich fei wie er.

27. Kapitel.

„Hübsche Geschenke nehme ich auch gern."

Sie tvaren jetzt gerade einen Monat verlobt gewesen, und Kate Jefferies hatte in dieser Zeit ihren Sohn kaum gesehen. Sie wußte, daß er irgend einer in der Nachbarschaft den Hof machte — wer diese eine aber war, hatte Jack ihr bisher noch nicht anvertraut; sie wußte es von aeiälli. gen Nachbarinnen. '

Sie war im gewisse«« Grade dankbar, da sie überzeugt war, daß er über dieser Freierei die sein Interesse so ausschließlich in Anspruch nahm die ganze Geschichte mit Werner vergessen würde.' Aber sie irrte sich hierin — diese Kleinigkeit war nur aufgeschoben; Jack hatte damals gerade et. was anderes zu tun.

Preußischer Landtag

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 27. Februar 1909.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung über den

Etat beS Ministeriums des Innern.

Beim Titel: „Beihilfe für unterstützungsbedürftige ehemalige Krieger" bedauerte

Abg. Bayer-Neustadt (Ztr.). daß den ehemaligen Kriegern die Beihilfen entzogen würden, wenn ihr Ein­kommen einen gewissen Betrag übersteige. Diese rigorose Bestimmung muffe aufgehoben werden.

Beim Titel „Ministergehalt" fand zunächst eine Besprechung der nordfchleswigschen Frage statt.

Abg. Dr. Schiffer nitl.) sagt, die dänische Bewe­gung habe im letzten Jahre außerordentlich zugenommen. Da diese Agitation auf Lostrennung preußischer Ge­bietsteile von Preußen hinausgehe, so müsse die Regierung mit allen gesetzlichen Mitteln dieser Agitation Halt gebieten.

Abg. Johannsen (freit.') bittet, daß die Regierung mit allen Mitteln die Förderung des Deutschtums in Nordschleswig betreiben möge und wünscht deshalb die Einlähiung von landwirtschastlichen Fortbildungs­schulen als Gegengewicht gegen die deutschfeindlichen dänischen Volkshochschulen.'

Abg. Graf Reventlow (kons.) betont, daß «Ich die Beftrebungen zur Förderung des Deutschtums in Nord- chleswig nicht gegen die dortige Bevölkerung, sondern nur gegen die wüste dänische Agitation richten.

Minister des Innern v. Moltke: Die durch den Optantenvertrag von 1907 erhoffte Beruhigung ist lei­der in Nordschleswig nicht eingetreten, wo vor allem der Wähleroerein, der Schulverein und der Sprachen­verein in skrupellofester Weise dänische Propaganda treiben. Die Regierung hat deshalb in dem Bewußt­em ihrer Pflicht, dem bedrängen Deutschtum deizu- ftehen, in Hadersleben eine neue landwirtschaftliche Wmterschule errichtet, anderswo eine Bolkshochichule owie verschiedene Haushaltungsschulen. Ferner be­mühen wir uns, zu verhindern, daß deutscher Besitz in dänische Hände übergeht und befördern die Besiedelung mit deutschen Kleingrundbesitzern. Was den Dänen von altersher staatsrechtlich verbürgt ist, wie den Ge­brauch der dänischen Sprache, wollen wir ihnen lassen, darüber hinausgehenden Bestrebungen aber werden wir ohne Sentimentalität mit größter Strenge ent- gegentreten.

Abg. Kloppenborg (Däne) weißt die Behauptung । urück, daß die dänischen Bereine deutschfeindlich seien. Die bisher von der preußischen Regierung gegen die angeblich dänische Agitation getroffenen Maßnahmen waren von der ungünstigsten Wirkung; durch den An­kauf verschiedener Güter in Nordschleswig sind die

- Preise für Bauernhöfe in bie Höhe getrieben worden, ! die Unterdrückungsmaßregeln haben zur Verbitterung ge- I führt. Die Dänen sind ehrliche Bürger Preußens, sie > sind von dänischer Abstammung, aber nicht deutsch­feindlich, sie verlangen nur das gleiche Recht rote die

: Deutschen.

Nachdem Abg. Graf Moltke (frt.) sich in längeren I Ausführungen über das Anwachsen der dänischen Be- ! wegung in den letzten Jahren ausgesprochen, wird ein : Antrag auf Schluß der Besprechung der nordschleswig- schen Frage angenommen.

Zu der allgemeinen Besprechung zum Titel „Ministergehalt" liegen eine Anzahl von Anträgen vor: Gin Antrag Schmedding (Ztr.) ersucht die Regie­rung, sobald als möglich einen Gesetzentwurf vorzu­legen, durch welchen den zur Vertretung der Orts- und Landarmenverbände berufenen Behörden die Befugnis beigelegt wird, Personen, die sich hartnäckig und bös­willig der Unterhaltungspflicht ihrer aus öffentlichen Armenmitteln unterstützten Angehörigen entziehen, zur Arbeit anzuhalten. — Ein Antrag Bartsch er (Ztr.) will die für Bochum, Herne und Geilenkirchen geplante königliche Polizei aus cte ganzen Landkreise Bochum und Gelsenkirchen ausgedehnt roisfen. — Ein weiterer Antrag Schmedding «Ztr.) fordert einen Gesetzent­wurf, wonach die Retchsgelctze betr. die Einwirkung von Armenunterstützung auf öffentliche Rechte auf die preußischen Landesgesetze übertragen werden. — Ein Antrag Dr. Wendlandt (ntl.) verlangt getrennte Formulare für die Aufnahme der Wahlprotokolle in den Urwahlbezirken für Terminwahlen und Fristwahlen. — Etn Antrag Hirsch (Soz.) fordert, daß als Armen­unterstützung nicht anzusehen sei Krankenunterstützung usw. Etn weiterer Antrag der Sozialdemokraten wünscht Aufhebung aller jetzt gellenden Stadt- und Landgemeindeordnungen und Einführung einer einheit­lichen Gemeindeordnung in ganz Preußen. — Ein An­trag des Zentrums und der Naltonalltbe- ralen fordert Mittel, wodurch Armenverbänden, die durch ihre Lage an der Grenze der Abstoßung ver­armter Deutscher aus dem Auslande besonders häufig ausgesetzt sind, die dadurch veranlaßten, anderweitig nicht erstaliungsfähigen Kosten ersetzt werden.

Abg. Dr. v. Heydebrand (kons.): Den Antrag der Sozialdemokraten auf Einführung des allgemeinen Wahlrechts in den Gemen. ^Vertretungen lehnen wir ab. Der Antrag Wen' '.andt hat vieles für sich, der Zentrumsantrag betr. bte Einwirkung von Armennnter- stiitzung auf öffentliche Rechte sollte der Gememdekom- mifston überwiesen werden. Redner kommt dann auf den Fall Schücking zu sprechen und meint, wenn der Minister dem zuständigen Regierungspräsidenten seine Mißbilligung ausgesprochen und damit vor der Oeffentlichkeit erklärt habe, daß er in der ga zen Sache grobe Fehler begangen habe, die ihm nicht gestatteten, länger im Amte zu bleiben, wo dann die Autorität der Beaniten bleibe.

Minister v. Moltke erwidert dem Vorredner, er habe in dem Falle Schücking volle Objektivität gewahrt. Der Regierungspräsident habe den Urlaub aus seinen Wunsch bewilligt erhalten. Weiter könne er auf die Sache nicht eingeben, weil der Regierungspräsident sich noch im Amte befinde.

Abg. Fleuster (Ztr.) kommt aus die Ausführungen des Ministers bei der ersten Lesung bezüglich der Re­organisation der Verwalt ung zu sprechen und spricht dem Minister seinen Dank für bte eifrige För­derung des Reformwefens aus. Das Zentrum wünsche bei der Verteilung der Geschäfte an die einzelnen Be­hörden vor allem, daß die inneren Schulaugelegen- heiten allgemeiner Natur nicht der Kreisinstanz über­tragen werden tollen. Weiler täte eine Vereinfachuna der Rechtsmittel not. Wenn man die Kreisbehörden mit erheblichen neuen Geschäften belasten würde, bann könnte man sie auf der anderen Seite vielleicht von ihren Aufsichtsbefugn'ssen über die Gemeinden ent­kleiden. Vielleicht könnte man auch einen höheren Hilfsbeamten für die Landratsämter anstellen. Auch müßte das Verhältnis zwischen Landrat und den Poli­zeiverwaltungen der Städte genauer präzisiert werden, i ES wäre gut, wenn die Pokizeiverordnungeti, die ja auch jeder kleine Bürgermeister erlassen kann, genau ■ ihrem Wortlaute nach veröffentlicht werden müßten. ' Unser heutiger Wegebau entspricht nicht den Anforde­rungen, die man an ihn stellen muß. Hier muß die Kreisinstanz einen weiteren Spielraum haben und Hand , in Hand mit der Gemeinde gehen.

Abg. Hirsch (Soz.): Wir werden auch in Zukunft - an der Bekämpfung des Dreiklassenroahlrechts fest- 1 halten und zu diesem Zwecke nach wie vor zu dem j

43] Aus dem Englischen von K. v. Raesfeld. . Er wußte, wen» er zu ihr ging, nie, ob sie chnt mit fünftem Erröten auf ihrem hübschet« Ge­sichte entgegenkommen und freundliche Antworten gelben, oder ob sie die Stirn runzeln und ihm fü­gen ivürde, daß sie heute keine Zeit zu verplem­pern habe. ES lvar die reinste Ungewißheit, ein stetes Hangen und Bangen, und das verlieh dem Rendevous stets einen besonderen Reiz.

Schließlich aber nahnt Jack doch seinen Mut zusammen und fragte Betsy kühn, ob sie seine Frau werdm wolle.

„Eure Frau!" erwiderte das Mädchen. „Hm, ich kann nicht glauben, daß ich eine angenehme Frau für jenranden abgeben würde. Ich wollte alles nach meinem eigenen Kopfe haben."

„Das sollst Tu auch, Betsy — ich würde Dir alles zu Gefallen tun."

„Ich habe auch sehr schlechte Eigenschaften", fuhr sie fort. „Wenn «ch wirklich mal in Wut bin, konnte ich einen töten, der mich ärgert, einer­lei, wer's ist."

„Ich will allen Aerger von Dir fernhalten; Du sollst nie bei mir in Wut geraten zu brau- chen", sagte ihr Freier, nachgiebig wie ein Lämal­

lein.

„Ach, das ist gar nicht möglich — das Beste, was Ihr tun könnt, ist. daß Ihr mir aus dem Wege geht, wenn ich wütend bin."

„Das kann leicht geschehen", versetzte Jack.

„Liebt Ihr mich denn wirklich und wahrhaf- Hg?" fragte bai Mädchen und sah ihn mit blitzenden Augen an; worauf Jack in leidenschaft­liche Beteuerungen und Schwüre auSbrach, wie tief und treu er sie liebe.

Betsy ließ ihn reden und sah ihn unterdessen fest an, mit einem Blicke, an den er sich später erinnerte, und zwar mit geheimer Furcht. __ , ....., _______

, «3^ hasse, üut" sagte sie dann, „niemand I lang nur eine einzige Freundin gehabt ‘nuThpr ^haßt besser t»te ich; und ich glaube, ich könnte I ich mir was machte, i«nd das war Lizzy Sey-

Derttscher Reichstag.

Sitzung vom 27. Februar 1909.

Die zweite Beratung des Kolonialetats wirb fort­gesetzt.

Abg. Eichhorn (Soz): Wir lehnen nach wie vor die Kolonialpolitik, die weiter nichts ist als Ausbeutung und Unterjochung, grundsätzlich und rückhallslos ab. Wir lehnen sie auch ab, weil wir unsere Kolonien für wertlos halten. Den Clou der Erwartungen des Staatssekretärs bilden die Diarnantenfunde in Süd- roeftafrifa. Gesehen haben wir allerdings noch keine, aber wenn auch die verwegensten Hoffnungen zutreffen sollten, so würde das Gesamtergebnis der ganzen Dia- rnantenherrlichkeit noch nicht einmal die Kosten des süd- westafmkanischen Aufstandes decken, jenes mit Bruta­lität und Grausamkeit von unserer Seite geführten Vernichtungsfeldzuges gegen die Eingeborenen, von dem der Staatssekretär in Gegenwart des obersten Kriegsherrn gesagt hat, dieser Feldzug sei der Eigenart des Landes nicht angepaßt gewesen. Diesen Rüffel hat der oberste Kriegsherr von seinem Staatssekretär einstecken müffen. «Unruhe rechts, Präsident Gra Stolberg ruft den Redner wegen dieser Aeußerung ? ur Ordnung.) Von der Diarnanlenernte wird das nternationale Kapital, das sich zum großen Teil in englischen Händen befindet, den Löwenanteil davon­tragen. Tas Volk in seiner Allgemeinheit hat nichts von den Kolonien. Auf das Schärsste zu verurteilen ist die unmenschliche Behandlung der Schwarzen. Wir sind für eine Kulturpolitik, aber gegen die jetzige Aus­beutungspolitik.

Abg. Dr. Arning (Natl.): In Ostafrika ist die Einfuhr rote die Ausfuhr im steten Wachsen begriffen. Die Arbeiterverhältnisse haben sich dort befriedigend gestaltet. Gewiß hat dabei mitgewirkt, daß sie relativ gut behandelt werden. Im enge» Zusammenhang mit Dem Bau der Bahnen steht auch die Besiedlung unserer Kolonien, die für weiße Ansiedler aufnahmefähig sind.

Abg. Erzberger (Ztr.): Auch wir geben zu, daß die Kolonien sich wirtschaftlich gut entwickelt haben. Zu den Schattenseiten daselbst rechne ich vor allen Dingen die mangelhafte Justizpflege. Von der Rede des Herrn v. Li eher t, die heute ganz anders klang als die »oriährige, kann man wohl sagen: Es geht bei gedämpftem Trommelschlag. (Henk.) Und was soll man nun erst von der Rede des Herrn Dr. Arendt sagen? Er glaubte, eine Fanfare zu schmet­tern, aber im Grunde genommen, war feine Rede doch nichts anderes, als das Klagelied des trauernden Jere­mias auf den Trümmern feiner früheren Kolonial­politik. (Gr. Heitk.) Wenn der Staatssekretär in der bisherigen Weise seine Kolonialpoliiik weiter führt, dann darf er auf die Unterstützung meiner Freunde rechnen. Es ist mir ausfallend, rote man gegen die jetzige Kolomaloerwallung ankämpsen kann. Dem Vorgänger des jetzigen Slaatssekretärs rief Dr. Arendt zu: Erbprinz, werde hart! Nun, ich sage: Dernburg, bleibe hart! Alle Angriffe gegen die n e g e t. - erziehende Politik sind in diesem Jahre ver­schwunden; statt dessen sucht man uns mit Zulunsts- malcreien zu schrecken. Ich erkläre ganz offen: Wenn wegen der jetzigen Arbeiterpoliiik em Auf stand au?» bricht, so will ich gern bie Verantwortung tragen, aber bann muß Herr von Liebert auch die Beranlworlung für die Aufstände übernehmen, die die Folge der Krieg- und Hängepolitik sind. Die DiSkusüon über gewiffe Vor- tommuiffe ist jetzt vollkommen verschwunden nach den Prozessen von Köln und München. Eine gerechte Be­handlung der Neger kann unmöglich zu Ausständen führen. Schuckmann wird gegen Rechenberg, Lmdequist gegen Dernburg inS Feld geführt; ich meine, wir hätten das allergrößte Interesse an einer einheitlichen, geschlossenen Koloniaipolilik, und die haben wir jetzt. Was hat denn Dr. Arendt vorgebracht für die Schädlichkeit der negererhaltenden Politik? Beweiie? Tat­sachen? Nicht einmal Behauptungen, sondern nur Be­hauptungen von Behauptungen. Die Umtrempelung unserer ostafrikanischen Politik wäre das größte Unglück für die zukunftsreiche Kolonie und für das Mutterland Der Staat;)ekrelär sagte schon, jn jedem I Angriff auf dar Gouvernement stecke ein pekuniärer i Pferdefuß. Weshalb ist ber Zeitungsbesitzer auf , das Gouvernement so schlecht zu sprechen? Weil man ihm einen PapieriieferungSverlrag a la Tippelskirch ge- ; kündigt hat. (Hört! hört! im Zentrum.) Daß die ! Gouvernementsräte ihre Aemter niederlegen, zeigt, daß < Ile noch nicht tei| für die Selbstverantwortung sind; i etzt sangen ja sogar die Kolonialschüler von I

Witzenhaufen an zu streiken! Bei einer wohlwol­lenden Arbeiterpolitik werden wir in Ostaftika nie Mangel an Arbeitern haben. Freilich, die Erziehung wird ungemein schwierig und langsam gehen, das wichtigste Mittel ist und bleibt das Christentum. Deshalb hat eS uns gefreut, was der Staatssekretär von Gottes Segen gesagt hat. Dann aber ist eine der wichtigsten Ausgaben der Kampf gegen die Ausbreitung des Mohammedanismus. ES sollten als Unterbeamte tunlichst christliche Schwarze angestellt und bet der Wahl von Akiden Mifsionsschüler bevorzugt werden. Ich verlange nicht direkte materielle Unterstützung der Missionen, aber Zollfreiheit sollte man ihnen ge­währen; die Beamten zahlen keine direkten Steuern. Die finanzielle Entwickelung der Kolonien ist nicht un­günstig, bei einigen sogar sehr günstig; in absehbarer Zeit, einige wohl schon in zwei Jahren, werden sie einen Zuschuß auch zu den militärischen Lasten leisten können. Jn Bezug auf den Eisenbahnbau soll sich ber Staatssekretär durch das stürmische Drängen der So« lonialgesellschast, der Ueberfebroärmer von dem vor­jährigen Programm, nicht abbringen lassen. Auch mit den Monopolen ist aufgeräumt morden; nach Möglich­keit sollten die in den Kolonien selbst ansässigen Firmen bevorzugt werden. Die gesamte Haltung meiner Par­teifreunde seit 1885 beweist, daß wir Freunde einer gesunden, vernünftigen, negererhaltenden und sparsamen Kolonialpolitik find und bleiben werden. Deutschland soll auch draußen Kultur­träger sein; das Christentum wird seine verjüngende Kraft auch in Afrika beweisen. (Beifall im Zentrum.)

Montag: Weiterberatung.