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Maer W Zeitung

■ tu in»«, wochenbettage: „JUllftdcrtC bsnnlagzzeitung

36. Jahrqanq

Fulda, Freitag den 26. Februar 1909

JW 46

Iwertes HZlcrtt

Reklame«- und Anzeigenteil

«e Kosten lohnt, die es erfordert. Die inner» Verhältnisse Serbiens leiden unter der lieber-

monatsbeUage: „gulbatr StschichtrbM«"

fpaötgepetttsette*« bereu Baum 15 Psg. Beflamenbitpetttjtile 25 Pfg., bei Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

BotatiourhruSuud Verlag der Fuldaer Al- ttendrurkeret tu Luld« Zernsprecher «r. 9.

ge Butter zugeteilt werden soll, eine derartige Un- zufriedenheit hervorgerufen, daß von den 116 lungenkranken Bergleuten, die in der Heilanstalt waren, alsbald 76 die Anstalt unter Protest der- ließen.

♦ lieber 3000 studierende Frauen befinden sich an den Schweizer Universitäten. Weit mehr als die Hälfte davon sind Ausländerinnen und unter diesen überwiegend die Russinnen.

* Wie ein Dieb „bestohlen" werden kann. Aus der Gallerte eines reichen Bankiers in Wien waren von seinem Kammerdiener ein paar kost­bare Bilder gestohlen, mit denen der Dieb nach Amerika entkam, wo er in einer Fabrik Arbeit nahm und auf die Gelegenheit zum Veräußern der Bilder wartete. Ein findiger Detektiv folgte ihm, nahm in der gleichen Fabrik Arbeit und wußte das Vertrauen des Spitzbuben damit zu gewinnen, er sei »ach Amerika gekommen, uac> dem er in Europa seinen Herrn bestohlen batte. Ein Wort gab das andere, und zuletzt machte der Detektiv seinem neuen Freunde weis, er wisse in Paris jemand, wo man alles eigenmächtig er­worbene Gut für hohen Preis los werden könne. Der Bilder-Dieb vertraute nun denn uneigen­nützigen Bekannten die Bilder an, und Roß und Reiter sah er niemals wieder. Der rechtmäßige Besitzer bekam jetzt seine Gemälde zurück.

* Aus Kamen schreibt man der „Germ.": Für vergangenen Dienstag war ein Brautpaar der Bräutigam war evangelisch, die Braut katho­lisch — in Bergkamen zur katholischen Trauung angemeldet. Am Tage vorher, also am Montag, traf der Bräutigam mit seinem Vormund und früheren Meister, einem Schneider, in Kamen auf der Straße zusammen, der ihm wegen seines Dor- habens Vorhaltungen machte und sich Mühe gab, ihn zur evangelischen Trauung zu be­wegen. Der Bräutigam erklärte dem Dränger endlich, daß er persönlich wohl bereit sei, sich evan­gelisch traue» zu lassen, daß aber seine Braut sicher Schwierigkeiten machen würde. Einige Stunden später sprach das Brautpaar bei einer Schneiderin in Kamen vor, um das Brautkleid abzuholen. Hier wurde es in ein besonderes Zim­mer geführt, und bald erschien der evange- gelische Pa stör in Amtstrc^t nebst zwei Zeugen, um die Trauung vorzunehmen. Die Braut sträubte sich dagegen, aber man hielt ihr sogar die Tür zu, um sie zur Trauung zu zwin­gen. Erst nachdem sie zu schreien begann, erklärte der Pastor, nichts ausrichtenzu können, und ging von dannen. — Man stelle sich vor, was geschehen wäre, wenn ein katholischer Geistlicher so ge­handelt hätte.

channung des parlamentarischen Systems. Von großen Gesichtspunkten und Grundsätzen für die Bildung der Parteien kann man nicht sprechen, am Personen gcibitbete Fraktionei- und Frak- .iönchen machen sich die Herrschaft streitig und »edieneu sich aller Mittel der Volksverbetzung, am Einfluß auf die breiten Massen der Wahl er- ,chaft zu gewinnen. So hat sich Serbien in einen Zustand der Erregung künstlich hineingearbeitet, die politischen Häuptlinge und Schreier tuet- .ertreibt, weil sie kein Mittel mehr sehen, aus der ,rlbstgeschaffenen Lage herauszukommen. Millio- iien auf Millionen sind in den letzten Monaten oerbraucht worden, um die Schäden des Heer­wesens zu heilen, als ob man in kurzer Zeit die Sünden einer langen Vergangenheit heilen könne. Aber das Volk will nun auch den Erfolg i«ner Leistungen sehen. Man hat ihm ununter­

brochen vorgeredet, daß die Ansprüche Serbiens berechtigt seien und erfüllt werden wurden, und nur die Gewalt der Tatsache» kann jetzt die not­wendige Ernüchterung bringen.

Dazu ist ein geschlossenes Vorgehen aller Großmächte erforderlich, lieber den Fortgang der diplomatischen Friedensaktion wird nun berichtet, daß die .Kabinette von London, Paris und Rom ihre gestern schon angeküicdiqte Z u st i m m u n g zu dem Vorschläge D e u t s ch l a n d s, in Belgrad zur Ruhe zu mah. nen, inzwischen bekannt gegeben haben.

Jetzt muß Rußland Farbe bekennen, es wird sich entscheiden müssen, ob es der Inter­vention in Belgrad sich anichließen will. Die russische Politik ist es bekanntlich, der Europa die ernste Situation verdankt. Vermutlich durch de» Ansturm der einflußreichen panslawistische» Kreise gedrängt, hat Jwoloski, der aus­wärtige Minister des „Friedenszareii", in den letzten Tagen eine Schwenkung vollzogen und den serbischen Kriegshetzern zum mindesten die mo­ralische Unterstützung Rußlands in Aussicht ge­stellt. Rur so erklärt sich die Zuversicht amtlicher serbischer Persönlichkeiten, daß Serbien in einem Kriege mit Oesterreich nicht allein stehen werde. Aber auch Oe st erreich wird nicht allein stehen. Rußland dürfte sich doch hüten, Serbien gegen Oesterreich zu unterstützen, da in diesem Falle das deutsch-österreichische Bünd­nis m Kraft treten würde. Rußland hätte bei einem Angriff nicht bloß mit Oesterreich, sondern auch mit dem deutschen Reich zu tun. Das wird es sich zweimal überlegen. Eine wirksame Mah­nung zur Vernunft liegt in dem Umstande, daß das geschwächte und zerrüttete Rußland aus eige­ner Kraft die Aktion nicht unternehme» kann, sondern darauf angewiesen ist, ob andere Mächte bereit sind, ihm die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Das scheint ja nun erfreulicher- wkise nicht der Fall zu sei».

Hoffentlich erfüllt sich die Erwartung, daß Rußland sich an dem Schritt des übrigen Europa beteiligt, dann wissen die Serben endlich, woran sie sind, und die Kriegsbegeisternng wird einen gründlichen Dämpfer erhalten.

Over- und Rieder-Rosbach, Rodheim, Petterweil und Kloppenheim versorgen. Tie Quellen liegen am Kuhkopf im nahen Taunus.

* Hanau, 23. Febr. 1909. In Lohrhaupten ge­rieten die Kleider eines jungen Mädchens durch die Explosion einer Petroleumlampe in Brand. Das Mädchen erlitt fast am ganzen Kör­perBrandwunden, an denen es kurz darauf ver­schied.

* Großseelheim, 25. gebt. 1909. Herr Jagd­aufseher Johannes Henkel von hier hatte das Glück, einen Edelmarder zu schießen.

' Treysa, 22. Febr. 1909. Bei der am Frei­tag zwischen Treysa und Wasenberg abgehaltenen großen Wi n t er-Fe ld die nst-U ebun g der reitenden Abteilung des Kurhessischen Feldartil- lctie-Rogts. Nr. 11 aus Fritzlar und des Kurhes­sischen Jägerbataillons Nr. 11 aus Marburg stürzte ein Trompeter des Artillerieregiments mit seinem Pferde so unglücklich, daß er s ch w e r- De riefet in das Garnisonlazarett zu Fritzlar gefahren werden mußte.

* Langen, (Großh. Hessen), 25. Febr. 1909. Bei dem am Sonntag hier veranstalteten Fast­nacht s z u g wurde der 7jährige Sohn eines Metzgermeisters von einem Gruppenwagen über­fahren. Der Tod trat sofort ein.

* Darmstadt, 23. Febr. 190.9. Stadtver­ordneter Direktor Karl Reinem er ist in der Nacht zum Sonntag nach langem Leiden ver­schieden. Der Verstorbene hat eine außerordent­liche Tätigkeit in der Organisation des GastwirtegewerbeS entfaltet. Ec war Glünder des hiesigen WirlevereinS im Jahre 1882, besten 1. Vorsitzender er sofort wurde, und des Nhein-Mainverbandes. Die Beerdigung fand am Mittwoch nachmittag statt.

* Erfurt, 23. Febr. 1909. Ein eigenartiger Doppelbaum steht in Thüringen an der von Erfurt nach Arnstadt führenden Landstraße bei dem Dorfe Bügteben. ES ist eine alte Weide, in deren Jnnerm ein Samenkorn der Eberesche Wurzel geschlagen hat. lieber der geköpften Krone der Weide erhebt die auS ihrer Höhtun r gewachsene Eberesche als stattlicher Baum ihre Kron--, die im Herbst mit zahllosen Beerendolden behangen ist, leien rote Färbung sich recht wir- kungsooll von dem Laub« der beiden Bäume ab- hebt. Interessant ist es, zu beobachten, wie sich der Stamm der Eberesche in dem Innern der Weide hina^fchlängelt und wie sich die Wurzeln verzweigen und Nahrung suchend in die Erde greisen. Die beiden Bäume scheinen sich bei ihrem innigen Verhältnis sehr wohl zu fühlen, denn beide grünen und treiben zahllose Zweige, die noch auf eine recht lange Lebensdauer hoffen lasten.

Ausland.

Vom Kampf gegen die Trusts in der Univ» bekommt man wieder etwas Interessantes zu hö­ren. Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staate» hat die Zentral-Eisenbahngesellschaft für schuldig befunden, der Amerikanischen Zucker-Raf- finerie-Gesellschaft Rabatt gewährt zu haben. Fer­ner hat der Oberste Gerichtshof die Rechtmäßig­keit des Untitrustgesetzes des Staates Arkansas anerkannt, indem er die der Hamand Packing Company durch die Gerichtshöfe des Staates Ar­kansas auferlegten Geldstrafen beftätigte. In Chicago hat am Dienstag die nochmalige gericht­liche Untersuchung in Sachen der Standard- Lil Company begonnen, da die ihr von dem früheren ©erübtsbof auferlegte Geldstrafe von 29 Millio­nen Dollars von der höhere» Instanz als unge­recht erklärt worden ivar.

iK Die Unbehaglichkeit der Lage.

Die Sage in Europa ist recht unbehaglich ge- kvorden. Am Balkan hat sich der Himmel wieder mit düsterem Gewölk überzogen. Serbien führt eine Sprache und betreibt Rüstungen, als solle in nicht ferner Zeit die Kriegsdrommete schmettern. Oesterreich dagegen trifft kühl .und ruhig, mit der Gelassenheit, die einer starken Großmacht ziemt, jene Vorbereitungen, die es vor unliebsamen Ueberraschungen sichern können. । Serbien, dieser kleine, povere, gänzlich herab- sgekommene, innerlich verfaulte Balkanstaat, der Keine Existenz den europäischen Großmächten ver- [tränft, nimmt sich seit Monaten heraus, sich mit geballter Faust als „serbische Vormacht" aufzu- spielen, sich fäbelklirrend in die inneren Ange­legenheiten Oesterreichs einzumischen, es unails- t$ejefet in der unverschämtesten Art zu provoziere« Und dadurch stündlich den europäischen Frieden zu gefährden. Unmittelbar nach der Angliede­rung Bosniens und der Herzegowina an Oester- ireich-Ungarn, dessen Oberhoheit sie schon vordem ^unterstanden und nach der Loslösung Bulgariens von dem Vasallenverhältnis zur Türkei begann bas Treiben. Man schäumte in Serbien vor Wut iunb tat, als ob durch diese völkerrechtliche Neu­gestaltung bestehender Zustände wohlerworbene Mochte Serbiens geschädigt würden, als ob Ser­bien ein Anrecht auf Bosnien und die Herzego- jtoina gehabt habe, mit denen es zusammen einen neuen nationalen Staat bilden wollte. Schon vor Monaten wurden für Serbien hunderttausend Zelte in Deutschland bestellt. Die Lieferung sollte im Februar und März erfolgen. Was Serbien mit hunderttausend Zelten machen will, ist schwer zu erkennen. Die ganze serbisckie Armee einschließ­lich des ersten und zweiten Aufgebots hat eine Gesamtkriegsstärke von 358 122 Mann. Kann sein, daß sie durch russische Freiwillige wesentlich

vermischter.

Y Eine edle Tat der Geschwisterliebe- Da» 10jährige Töchterchen eines Schiffers in Nippes bei Köln hatte Weihnachten bei einem Brand des Weihnachtsbaumes schlimme Brandwunden ba- bongetragen. Da diese nur durch Fleischübertra­gung von lebenden Menschen zu heilen waren, erklärte sich die 16jährige Schwester hierzu be­reit und im Vincenzhospital ist nun diese Opera­tion boraencmmett worden. Es wurden drei Fle­cken Fleisch von dem Mädchen dem Kind auf die Brandwunden übertragen .

* Der Streik der Kranken. Wie matt aus Bochum meldet, hat in der Lungenheilstätte des Allgemeinen Knappschaftsvereins in Beringhau- fen eine Anordnung der Anstaltsleitung, wonach künftig jedem Pflegling nur eine bestimmte Men­

2lus dem Nachbaraebiete.

* Aus der Wrttcrau, 25. Febr. 1909. Ein Gru p p enw a s s e rw e r k ist im Entstehen be­griffen für die Orte Nieder-Wöllstadt, Groß-Kar- ben, Klein-Karben, Okarben und OberWöllstadt. Das Quellgebiet bei Nieder-Rosbach ist bereits er­worben. Tie Pläne sind von Kulturinspektor Hcyl-Frideberg entworfen. Ein zweites Grup­penwasserwerk wird angestrebt und findet die Un­terstützung des Kreisamts. Es wird die Orte

erhöht wird; kann sein, daß zugleich für die Mon­tenegriner gesorgt wird. Auch dann ist die Zahl der Zelte so groß, daß man sich fragen muß. wem sie dienen sollen. In dem einen Laude kaufte Serbien massenhaft Pferde, in dem andern Zelte, in dem dritten allerlei Kriegsmaterialien. Wo­her das kleine Königreich das Geld nimmt, weiß man nicht. Es steht vor dem Bankrott. Dabei ist sein Heerwesen vollständig heruntergekommen. Das geht zum Teil darauf zurück, daß alle ißar- «ien als das sicherste Mittel zur Gewinnung der )reiten Massen der Wähler die möglichste Herab- ifeung der aktiven Dienstzeit erkannten und ba- «ach verfuhren. Auf diese Weise hat Serbien ein Heer erhalten, das nur eine Miliz ohne feste Schulung und Zucht darstellt und nicht einmal

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% xttibioieii -es VII. Kutsche» DiwreijeS lAeweser) vor 23 Jahren.

lEin Erinnerungsblatt.)

Nachdem durch Beschluß des Kreisturntages in /öttingen Fulda zum Festort des XV. Kreis- turnfestes erwählt wurde, so wird wohl manchem Turne» und Festbesucher das Kreisturnfest, toeb Hes im Jahre 1886 zym lehren Male in unserer Stabt gefeiert wurde, lebendig wieder in Erinne­rung gebracht.

Die „Fuld. Ztg." gibt zu damaliger Zeit einen «lsführlichen Bericht, der in verkürzter Form mit Erläuterungen wiedergegeben sei. Unsere Stadt, "le inJ 8Are 1886 ungefähr eine Einwohnerzahl

-/00 Personen hatte, zeigte damals noch ein

E. kleiustcidtr,ches Bild und in den Straßen ~,r.r., ue, vewnders an Sonntagen, eine friedliche Stthe. Um so auffallender machten sich daher die gerarnwvollen Tage des Kreisturnfestes vom 24. btä 26. Juli bemerkbar. Schon am Samstag tra­fen z^--streiche Turner ein, um an dem in der „Harmonie' stattfindenden Kreisturntage teilzu­nehmen. 60 Abgeordnete nahmen daran teil, die von dem Kreisturnwort I ä n e ck e-Fulda begrüßt wurden. Der langjährige Kre'svertreter Ahl- Kor n-Göttingen, der auch noch jetzt a» der Spitze des Kreises steht, gab den Jahresbericht des da­mals nur 60 Vereine mit 6000 Turnern zählende» Kreises, der sich um das 7fache vergrößert hat. Mit diesem Jahre werden auch 23 Jahre vollen­det, wo die Turner-Unfallkasse in Fulda gegrün­det wurde, die feit ihrem Bestehen schon so fegens- reich gewirkt hat. Wie damals, so ist auch am letz­ten Krejsturntage E s ch w e g e als nächster Fest- ort gewählt worden. Auch in der „Harmonie" folgte nach den Beratungen der Festkommers. Vorerst wurden vom Kampfgericht die Pflicht­übungen für das Wetturnen am Montag feftge- fcfet, die im Gegensatz zu heute einige Wochen vorher bekannt gegeben wurden. Bei Beginn des

Kommerses toastete Herr Oberbürgermeister Rang auf die auswärtigen Festgäste. Im Na­men des Herrn Regierungspräsidenten Magde­burg hatte Herr Laudrat v. T r o t t ein Schreiben gesandt. Der Gesangverein „W i n f r i d i a" hatte durch stimmungsvolle Gesänge die Festgenosfen erfreut. Die Turner Fuldas hatten durch ihre plastischen Gruppen den allgemeinen Beifall ge­funden.

Während der Festkommers die Teilnehmer lange zusammenhielt, brach der Morgen des Hauptfesttages glückverheißend an, von kräftige» Salven begrüßt, die einer StSgigen Kanonade vergleichbar die verschiedenen Festmomente ans- drucksvoll und energisch markierten. Der nachmit­tägige Festzug bildete den Glanzpunkt des Festes, der um 3 Uhr in den Schloßgarten einzog em­pfangen von einer zahlreichen Schar Festjung- frauen. Ungefähr 1000 Personen hatten fidi an dem Festzuge beteiligt. Von den auswärtige» Turnvereinen hatten si cham stärksten beteiligt die Städte Kastel, Göttingen, Hersfeld, Hofgeismar, Honrberg, Melsungen, Arolsen, Schlüchtern usw.'

Zu dem Aufmarsch traten alsdann die Turner an und beim Abmarsch blieben sie vor der großen Treppe stehen, die zu den Orangeriesälen führt und die obersten Stufe» waren von den Festda- men eingenommen, in deren Mitte stehend Herr Oberbürgermeister Rang die Turner mit einer kräftigen Ansprache begrüßte. Nachdem der Ge­sangverein „Liederkanz" den Turnerfestgruß „Gut Heil" vorgetragen hatte, begannen die Freiübun- gen, die Yon 140 Turner» ausgeführt wurden. Präzise wickelte sich hernach das ganze turnerische Programm ab, das recht gute Leistungen brachte Tie zwei Musikkapellen, die Hersfelder Batail-' lonsmnsik und die hiesige Stadtkapelle, brachten bald Leben in die Festbesucher und es hatte sich das Bild eines echte» Volksfestes entwickelt, dessen Teilnehmer nach Tausenden zählten. Auch an Luftballons, Karnssels, Schau- und Schießbude» fehlte es nicht und sechs Restaurationen sowie eine Konditorei sorgten gut und reichlich für das leib-

lübe Behagen. Herrlicher noch als am Tage ge­staltete sich das Volksfest am späten Abend, als 5 elektrische Lampen in Verbindung mit zahlrei­chen Lampions unter den Baumgruppen ein mär­chenhaftes Licht ausstrahlten. Und als es vorbei war mit den körperlichen Leibesübungen und die Orangeriesäle sich als zu klein erwiese», da ent­faltete sich im Freien eine körperliche Bewegung ganz anderer Art, welche auch den Dame» das Mitturnen möglich machte. Gruppenweise schwan­gen sich die tanzenden Paare und erhöhten da­durch noch mehr den Reiz des volkstümliche» Ganze». Nur zu rasch entschwanden die Stunden dieser festlich schönen Sommernacht.

Scho» längst, als noch die Tanzlustigen sich er­freuten, hatten die praktischen Turner in ihren Quartieren ihre Ruhestätte ausgesucht, um am kommenden Montag morgen gestärkt und erfrischt in den friedlichen Wettkampf zu ziehen. Nach­mittags um 4 Uhr erfolgte die Preisverteilung, an welcher der Herr Oberbürgemeister und die Kreistnrnwarte Jänecke-Fulda und Laus-Kassel teilnahmen, wo umringt von vielen Zuschauern auf der Freitreppe und unter Gut-Heil-Ruken die Sieger aus den Händen der Festjungfrauen Eichenkranz und Diplom entgegennahmen. Wäh- renb die letzten Kreisturnfeste, die einen so gewal­tigen Aufschwung genommen haben, über Hun­derte von Wetturnern verfügten, so waren es da­mals, wo der 7. Kreis noch in feinen Kinder­schuhen steckte, noch nicht an 100 Wetturner. Mit Spannung erwartete man die Verkündigung der Sieger und als von Frl. Fleischmann dem Tur­ner Biskamp-Kassel als 1. Sieger der Eichen­kranz aufgesetzt wurde, erschallte weithin mit den Klängen der Musik ein lebhaftes Gut-Heil. Doch weit vernehmbarer waren die Gut-Heil-Rufe beim 8. Sieger, dem Turner G u n d l a ch-Fulda, der als erster Turner von Fulda der Turnge- meinbe die Ehre brachte. Ferner wurden unter den 22 Auszeichnungen die Turner Mohr und Träger sowie der Schüler K l a g e s (letzterer hatte die vorgeschriebene Punktzahl erreicht.

konnte aber wegen feiner Jugend nicht in Be­tracht kommen) preisgekrönt.

Während des Montags hatte auch Prinzessin Sybilla, Tochter I. K. H. der Landgrafin von Hessen, den Festplatz mit ihrem Besuche beehrt. Am Abend entwickelte sich dasselbe Leben und Treiben wie am Abend zuvor. Am Dienstag fanden Ausflüge in die nähere Umgebung statt und danach hatte das schöne Volksfest einen unge­störten herrlichen Verlauf genommen.

— Die Zunahme der Tageslänge ist zu keiner anderen Zeit des Jahres so deutlich, fast von Tag zu Tag wahrnehmbar, als im Februar. Die rasche Zunahme der Helligkeit ist jedoch in der Hauptsache nur in den Nachmittagsstunden zu bemerken, während die Fortschritte in den Mor­genstunden noch ziemlich gering sind. Dieser Um­stand erklärt sich daraus, daß um die gegenwär­tige Jahreszeit die Abweichung des sogenannten „wahren Mittags" vom „bürgerlichen Mittag" eine ausnehmend große ist: Die Sonne erreicht Anfang Februar ihren höchsten Stand am Him­mel (wahrer Mittag) nicht um 12 Uhr, sondern erst um "V4I Uhr. Daraus Fann man leicht er­rechnen, daß die Zeit nach 12 Uhr, der Nach­mittag, eine volle halbe Stunde länger Son­nenlicht bringt, als die Zeit vor 12 Uhr, der Vormittag. Da gerade am ersten Weihnachts­feiertag Dor- und Nachmittag gleich sind, wäh­rend zu Anfang November umgekehrt der Vor­mittag eine halbe Stunde länger mährt als der Nachmittag, so ist es klar, daß die Zunahme der Lageslänge, am Zeitpunkt des Sonnenunter­gangs gemessen, im Anfang Februar weit größer erscheint, als sie wirklich ist. Am 11. Februar erreicht die Differenz zwischen „wahrem Mittag und „bürgerlichem Mittag" ihr Maximum. Da­nach wird die Zunahme der Tageslänge, die in Wirklichkeit natürlich stets ungefähr alech ist- auf- Wirklichkeit natürlich stets ungefähr gleich ist, auffällig bemerkbar.