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Fulda, Freitaq den 26. Februar 1909.

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36. Jahrganff

Erstes Wtcrtt

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fürchten, zu tun."

Erscheint täglich mit Aufnahme der §o.m- nnd Feiertage, vtertel- lShrlicherve;«g^>rei5 ohne vringerlohn und vestellgeld in Zulda so­wie auswärtrl.öv Ml.

verant«. Redakteur r «arkSchiitter

I p^ell« w FMa. Wochenbeilage: „Illuftrierle bomltagzzeüung

Dann ^fft Du also um so weniger zu Mutter, und ich habe um so weniger

Eine Idylle ans der Bureankratie ist in einer der letzten Sitzungen der Budgetkom­mission des Reichstages entschleiert worden.

Es handelte sich um den Etat des Auswär­tigen Amtes. Dem Abg. Erzberger war zu Ohren gekommen, daß im Auswärtigen Amte zu Weihnachten recht ansehnliche Weihnachts­gratifikationen gezahlt worden seien, und so stellte er die Frage an die Regierungsvertretee, welche Beamte des Auswärtigen Amtes Weih­nachtsgeschenke erhalten haben, in welcher Höhe die Gratifikationen gezahlt worden seien und aus welchen Fonds diese Gelder genommen wurden. Blasses Entsetzen auf den Gesichtern der Regie­rungsherren bei dieser unschuldigen Frage! Zu­erst versuchten sie Ausflüchte. Der Direktor im Auswärtigen Amte Dr. v. Schwartzkoppen er­klärte: es sei richtig, daß den Beamten früher Weihnachtsgeschenke gegeben seien; die Mittel dazu seien aus zwei Unterstützungsfonds genom­men worden. Der Staatssekretär habe aber Vor­sorge getroffen, daß diese Weihnachtsgratifikatio­nen in Zukunft nicht mehr gezahlt würden. Tas war eine billige Antwort, denn vor zwei Monaten noch sind die Gratifikationen in altgewohnter Höhe zur Verteilung gelangt. Die Antwort, daß ne Gelder aus den genannten zwei Unterstütz­ungsfonds genommen worden seien, war unrich­tig. Diese Fonds betragen nämlich zusammen 30000-während schon allein die Gratifikationen ür 55 expedierende Sekretäre in Höhe von je 600 Mark 33 000 dl ausmachen. Auf weitere An- ragen wurde dann von den Herren Regierungs­vertretern geantwortet, daß nicht alle Beam­ten des Auswärtign Amtes Gratifikationen er­halten haben. Das-ist richtig: von den 160 Be­amten sind nur 159 beschenkt worden. Weiter wurde geantwortet, daß die Gelder aus E r - sparnissen gnommen worden seien. Wie aber waren diese Ersparnisse möglich? Wie uns mit- geteilt wird, wurden z. B. etatsmäßige Stellen eine zeitlang nur kommissarisch verwaltet und die dadurch ersparten Gehälter wanderten in den Fonds für Weihnachtsgratifikationen. Die Re- grerungsvertreter haben eine präzise Antwort

nis — Werner hat keins. Du weißt doch, Träu­me sind Schäume."

„Wir werden sehen", sagte Jack finster. „Hät­test Du mir vertraut, Mutter, so war alles gut. Ich hätte mich auf Deine Seite gestellt; jetzt aber werde ich das, was Du mir mcht sagen willst, für mich allein ausfindig machen."

„Es ist alles ein Irrtum, Jack", rief die arme Frau, „alles ein unseliger Irrtum von Dir!"

teilnehmen soll; deshalb konstatiert meine Partei mit Freuden die allgemeine llebereinstimmung, daß in dieser Frage das konfessionelle Moment nicht dineingetragen werden soll. Die Angriffe gegen den Großgrundbesitz sind nicht gerechtfertigt. Ich bitte die Regierung, der Frage der planmäßigenBesiedelung des Westens, wo noch große Strecken der Urbarmachung harren, ihre besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, da dort die Gefahr besteht, daß zahlreiche kleine Landgüter in die Hände des Großkapstals übergehen. Der vom Antrag Gröben gewünschten großen Konferenz mögen kleinere Konferenzen in den einzelnen Landesteilen vorausgehen. Auch wir werden an der Frage der inneren Koloni­sation eifrig Mitarbeiten.

Damit schließt die Besprechung. Der Antrag von der Gröben wird angenommen.

In der weiteren Debatte zum Landwirtschasksetat wünscht

Abg. Dr. Dahlem (Ztr.) Unterstützung des Obst-, Wein- und Gartenbaues im Westerwald.

Abg. Heisig (Ztr.) forderte eine bessere Organi­sation des Weltesdrenstes. Seinem Wunsche schlossen sich an die Abgg. Human» (Zentr.) uujtejLngelhardt (sreikons.X

Damit ist die zweite Lesung des Landwirlschajts- etats beendet. — Beim

Gestütsetat

kam es zu einer längeren Debatte über die staatliche Bollblutzucht. U. a. wünschte

Abg. Tourneau (Ztr.), daß die Pferdezucht in den Kreisen Heiligenstadt und Worbis gehoben werde durch Wiedereinrichtung der Deckstation Dingelstedt.

Abg. Marz (Ztr.) trat für eine Besserstellung der Gestülswärter ein.

Der Etat wurde erledigt.

Samstag: Etat des Ministeriums des Innern.

41] Aus dem Englischen von St. v. Raesfeld.

„Ueber mich hat noch nie so eine mittelaltrige Person geweint;" sagte er sich dann mit gewissem Reib weiter; „und ich will wissen, was das be­deutet. Falls überhaupt etwas aus der Sache zu machen ist, so werde ich es daraus machen." Mit der ihm eigenen Verschlagenheit hatte er alle diese Gedanken sorgfältig für sich behalten. Nie hatte er die Tatsache des Besuchs der Dame irgend jemandem gegenüber erwähnt. „Ich werde meinen Handel damit machen", sagte er sich, „wenn's Zeit ist", und Jack war ganz zu- Trie"«m, zu warten.

Aber die Zeit verging, und Jack begann den Druck der Umstände zu fühlen. Selbst billige ^rnIe und schlechte Zigarren kosten Geld, und da er sich bereits entschieden hatte, nicht zu arbeiten, 1° mußten diese Sachen sich eben auf andere Weise beschaffen lassen. Zu allererst mußte er ausfindig machen, ob sein Verdacht auch wohl begründet war.

i Kein Feldherr rüstete sich wohl sorgfältiger zur Schlacht, als Jack sich zum Kampfe nfft seiner Mutter vorbereitete. Die Art und Weise, wie «r das Gefecht eröffnete, machte ihm Ehre.

„Mutter", sagte er eines Morgens plötzlich, als er beim Kaffee saß, „bist Du auch sicher, daß mit Werner alles stimmt?"

Kate Jefferies sah auf, mit etwas wie Ueber- raschnng in ihren freundlichen Zügen.

„Wieso stimmt;- was meinst Du, Jack?"

„Nun, die Wahrheit zu sagen, ich habe die letzte Zeit ein paar merkwürdige Träume gehabt und bin nicht recht ruhig mehr."

„Merkwürdige Träumei" wiederholte Kate, „was meint der Junge nur?"

Sie stellte ihre Kaffeetasse wieder auf den Lisch und sah ihn mit verwunderten Blicken an.

„Du bist so nervös^ ich möchte es Dir eigent- Lch gar nicht sagen. Reg' Dich nur nicht darüber

Abg. Dr. v. DziembowSki (Pole) polemisiert gleich­falls gegen den Abg. Dr. Böhme und meint, wenn den polnischen Bauern das Recht gegeben werde, au ihrem Grund und Boden ein Haus zu bauen, so werde dadurch nicht die Existenz des deutschen Reichs er­schüttert, sondern höchstens die Existenz derjenigen, die jetzt mit ihrem Hakatismus in den östlichen Landerteilen ein gutes Geschäft machten.

Abg. Ledebour (Soz.): Den Gipfelpunkt an Un- wiffenheit in dieser Debatte hat der Abg. Dr. Böhme erreicht. Daß hier jemand auftreten würde, der von den Polen im Gegensatz zu den Deutschen zu sprechen wagt als von einer niedriger stehenden Raffe, das hätte ich denn doch nicht für möglich gehalten. Das zeigt, daß er noch nicht einmal zu dem anthropologischen Be­griff der Raffe durchgedrungen ist. (Heitk.) Er weiß also nicht einmal, daß die europäischen Völker alle derselben Raffe angebörrn. Wenn in Europa die mongolische Rasse vertteten ist, so bilden die Polen Radstwill und Korfanty sicherlich keinen Beweis dafür. Sucht man

auf und werde krank; aber, wenn — wenn Wer­ner vielleicht etwas mit einem Geheimnis zu tun hat, so sollte ich es doch wissen."

Kate's gutmütiges rotes Gesicht wurde blaß, als sie diese Worte hörte.

„Siehst Du, Mutter, wenn jemandem immer und immer wieder dasselbe träumt, dos macht ihn doch sttttzig, nicht wahr?"

„Ich weiß nicht, Jack; ich verstehe Dich nicht "

„Na, die Sache ist die, ich habe einen Traum gehabt, und der kommt immer und immer wie­der."

„Was ist's damit, erzähl' ihn mir", sagt« Kate.

„Also es fft immer dasselbe — eine Dame, die in unsere Schlafkammer kommt. Ich hab' so oft von ihr geträumt, daß ich sie Dix ganz genau beschreiben kann. Sie ist so in mittleren Jahren, hat so'n nettes, gemütliches, freund­liches Gesicht, dunkle Haare, hat einen langen grauen Mantel an und trägt einen Schleier. In meinem Traum tut sie auch immer ein und das­selbe — kommt also in unsere Schlafftube und steht an Werner's Seite, dann fängt sie an zu meinen. Aber was mich so bange macht, ist, daß sie sich dann nach mir hindreht und mit so merk­würdiger mummeliger Stimme sagt: „Es jst ein Geheimnis da, ein Geheimnis mit Werner' mach Du's ausfindig, mach's ausfindig!"

„Himmel, sei mir gnädig!" schrie Kate Steffi», nes. „Was kann das bedeuten?"

Und der verschlagene Jack, der mit heimlichem Blinzeln den Erfolg feiner Schauerciescknckt- beobachtete sich, daß das Gesichtseiner M^tte? blaß tote der Tod war und die qualvollste ihr aus den Augen sah. ,te anßft

„D Jack, Jack!" jammerte sie, „was bedeutet

»Da bähen wir's ja! Ich hab', jQ ßetolrftl daß Tu Dich wieder so aufregst, und dabei ist aar kein Grund, absolut kein Grund dafür da. Der Traum hat mich bange gemacht, und ich habe ihn Dir erzählt. Ja, wenn Du es noch geträumt

Preußischer Landtag.

Abgeordneten haus.

Sitzung vom 25. Februar 1909.

Die Beratung über den

LaudwirtschaftSetat

wird fortgesetzt beim Titel: Förderung der inneren Kolonisation in Ostpreußen Und Pommern. Gleich­zeitig steht damit zur Beratung der Antrag v. d. Gröben (!.), der eine Konferenz zur Prüfung der Organisation des Ansiedlungswesen? wünscht.

Abg. Heydweiller (natlib.): Der Abg. Dr. Crüger hat gestern olle Kamellen vorgebracht, als er Angriffe gegen den Großgrundbesitz richtete. Dem Abg. Graw erwidere ich, daß der Kampf zwischen den verschiedenen Kuchen im allgemeinen durchaus ersvrießlich ist. Nur darf dieser Kampf nicht auf andere Gebiete übertragen werden. Wir unterscheiden eine sichtbare und eine un­sichtbare Kirche. Die evangelische Kirche bedarf jeden­falls einer Vertretung gegenüber katholischen An­griffen. «Glocke des Präsidenten.)

Präsident v. Kröcher: Die Kirche spielt ja in alles hinein. Auch für die Kolonisten hat sie die größte Wichtigkeit. Ader schließlich gehört das doch nicht zum Gegenstände der Tagesordnung. Ich bitte deshalb, zur Sache zu sprechen.

Abg. Dr. Woyna (freikons.) versprach sich von der Konferenz äußerst werig.

Abg. Dr. Lobmann (ntl.) meint, die Beunruhigung der evangelischen Bevölkerung in Oftvreunen erkläre ich aus der Furch!, daß der Diasporabesitz verloren zehen könne, und diese Furcht sei berechtigt. Kon- essionelle Hetze habe nicht sialtaefunden.

Landwlrtschaftsminister v. Arnim führt aus, mit Recht habe der Abg. Graw gestern gefordert, daß bei der Kolonisation durchaus paritätisch verfahren werde. Es habe auch im Osten bisher konfessioneller Frieden geherrscht. Nur jetzt bei der neuesten Ansiedlungsbe­wegung fehlt diese Gegensätze hervorgekehrt worden. Er hoffe aber, daß sich diese Beunruhigung durch die praktische Ansiedlungsardeit legen wer e.

Abg. v. Bieberstein kons.) erklärt sich für den An­trag Gröben und meint, im Osten herrsche vollständiger Friede zwischen den einzelnen Konfessionen; es sei da­her zu bedauern, daß sich der evangelische Bund in rein wirtschaftliche Fragen hineingemischt habe. Die neue Landgefellschaft werde ihr Möglichstes dazu beitragen, daß die Jntereffen beider Religionsgemein- chaflen gleichmäßig gewahrt würden. Er müsse aner­kennen, daß die Kalholiken da, wo sie die Oberhand hätten, gar nicht den Ber'uch machten, ihre protestan­tischen Mitbürger zu verdrängen oder ihnen Unbequem« lichtesten zu bereiten.

Abg. Klocke lZtr.): Die Kolonisation ist eine Frage, an der das ganze Volk ohne Unterschied der Konfession

26. Kapitel.

Jack Jefferies verliebt sich.

Auf kurze Zeit verlor Jack sein Geheimnis aus den äugen. Kate Jefferies wußte kaum, was über ihn gekommen war. Sie betrachtete ihn verwundert, wie jemand, der neue, merkwür- dige Erfahrungen macht; hatte diese stille, gut­mütige Durchschnitts-Frau doch seither stets das­selbe gleichmäßige, ruhige und — bis auf eine einzige Ausnahme — ereignislose Leben geführt.

Ein förmlicher Geist der Unruhe schien von Jack Besitz ergriffen zu haben. Er war nie zu- frieden, nie ruhig auf einer Stelle.

Er ruinierte seine Mutter fast mit den vielen bunten Halstüchern und billigen Talmi-Ringen die er kaufte. Mit peinlicher Sorgfalt war er um den tadellosen Glanz seiner Sttefel bemüht; die Quantitäten Pomade und Haaröl, die er ver­konsumierte, gingen ins Ungemessene, und ein letztes Zeichen seines desperaten Zustandes war oer neuerdings erfolgte Ankauf von „echten" Glocä» zu zwei Schilling das Paar.

, Nun begann seine Mutter zu argwöhnen, Jack fer verliebt; nichts, es sei denn weiblicher Ein- ftuß, hätte sonst diese roten Fäuste in Handschuhe zwangen Ginnen.

Kate Jefferies Sorgen schienen gerade erst anzufangen.

(Fortsetzung folatf

hättest! Aber die Weiber müffen immer gleich kreischen. Wenn ein Geheimnis damit zusammen­hängt, Mutter, so sag's mir doch jetzt; Du siehst, ich soll es ja wisien."

Vor Kate's verstörtem Gesicht erhob sich die Erinnerung an Marian West und wie sie vor langen Jahren vor ihr gestanden, stattlich, feier­lich und ruhig. Sie hörte die ruhige Stimme: . „Schwören Sie jetzt, Kate Jefferies, schwören Sie mir bei Ihrer ewigen Seligkeit, daß Sie dies Geheimnis nie enthüllen wollen."

„Ich schwöre es!" hatte sie geantwortet, und es war ihr Ernst damit gewesen.

All dies erhob sich vor ihrer S«le. Sie durfte ihren Eid nicht brechen, und wenn ihr der Tod bevor gestanden hätte.

„Es gibt kein Geheimnis, Jack. Du bist ganz im Irrtum. Wirklich, ich weiß nicht, was Tein Traum bedeutet; aber es hängt kein Geheimnis damit zusammen. Was sollte es fein?*

„Ich weiß, es fft eins vorhanden", sagte Jack in entschiedenem Tone, träume kommen nicht um nichts und wieder nichts. Ich sage, es ist ein Geheimnis dabei, und dies Werb hilft Dir es bewahren, oder Dm hilfft ihr dabei, eins von den beiden."

Er wußte, daß er den Pfeil auf den Schützen zurückgesandt, als er das Gesicht seiner Mutter sah; es war aschgrau vor Angst' ihre Augen sahen ihn voll Schmerz und Kummer an. Hätte er mehr menschliches Empfinden gehabt, er hätte gerührt werden muffen.

Aber es erfüllte ihn nur triumphierende Freude über diesen ersten Erfolg; fetzt war er feiner Sache sicher; früher war es verdacht ge- wesen — jetzt war eS Sicherheit.

„Mutter", fegte er ruhig, „ich denke, es ist doch sehr hart. Ich bin Dein ältester Sohn, und Du willst mir nicht vertrauen."

„Ich habe Dir nicht» anzuvcrtrauen, Jack, — e» ist alles ein Jrttum — ich habe fein Geheim­

nach einem ausgesprochenen Typus der Mongoloiden, so sehe man sich den Herrn Dr. B ö h m e an. (©türm, minutenlange Heiterkeit.) Der Redner polemisiert weiter gegen die Konservativen, bereit christliche Weltanschau­ung sich nicht mit der ablehnenden Haltung gegenüber dem Anttag in Einklang bringen lasse. Die Regierung fehle heute hier, weil sie es nicht wage, Rede und Antwott zu stehen. Die Konservativen trägen durch ihr Verhalten zur Ausbreitung der sozialistischen Ideen im Volke bei. Bei der Nachlaßsteuer kommen die Konservativen mit den Einwendungen, der Familien­sinn werde gestött. Das preußische Enteignunasgeieh vertreibt Hundette von der Sckwlle. Da regt sich Ihr mach rechts) Familiensinn nicht, denn eS sind ja nicht Ihre Familien. (Sehr gut! links.) Es ist Ihnen ja niemals Emst mit Ihren Empfindungen von Königs­treue und Christentum. Sollte ein preußischer König es einmal wagen, die Kornzölle abzuschaffen — es wird ja nicht passieren (Heitk.), — so werden Sie die Axt zur Hand nehmen und die Throne krachen kaffen. (Heitk.) Wir protestieren gegen eine Politik, bei der aus angeblichen nationalen Gründen eine infame Ver­nichtung von Existenzen getrieben wird. (Beifall und Lachen.)

Abg. Dr. Böhme (Wirtsch. Bgg.) (mit Heiterkeit empfangen): Wenn die Herren Stadthagen und Lede­bour für eine Sache eintreten, dann ist es schon eine schlechte Sache. (Lachen der Soz.) Wir sprachen in voriger Woche nicht, weil wir die Debatte nicht ver­längern wollten. Erst als wider Erwarten Herr Got- hein auf der Tribüne erschien (Heitk.), wurden auch wir gezwungen, hier das Wort zu ergreifen. (Zurufe: Also (Sott)ein hat angefangen! — Heiterkeit.) Die heutige Debatte wird die Sympathie für die Polen kaum erhöhen. Der Kampf gegen die Polen wird not­gedrungen geführt. Das Polentum hat die gute Be­handlung. die es von Preußen erfahren hat, mit Un­dankbarkeit und Aufständen vergolten.

Abg. Dove fress. Vgg.): Graf Westarp sprach vom veredelnden Einfluß der Konservativen. (Heiterkeit.) Ich habe das Blockverhältnis nie so ausgefaßt, als ein Verhältnis vom Vater zum Sohn. Wenn es aber wirklich so fein sollte, dann sollten sich zunächst einmal Sie (nach rechts) beffern. (Sehr gut! links.) Sie sollten doch modern werden. <Heiterkeit und Sehr gut! links.) Herr Böhme sollte nicht so wegwerjend von anderen Raffen sprechen. Seinem Aussehen und Namen nach wird seine Wiege nicht weil von Prag gestanden haben. (Stürmische Heiterkeit.)

Abg. Graf Westarp (kons.): Wir haben am letzten Freitag uns nicht an der Debatte beteiligt, weil wir glaubten, der Reichstag würde sich schnell wieder der Erörterung fruchtbarer Dinge zuwenden. (Große Un­ruhe links und im Zentrums. Nachdem aber von einer Blockpartei ein polenfreundlicher Standpunkt vertreten war, mußten auch wir sprechen. (Zuruf links: Das ist doch keine Bl ock frag est Ich möchte an die Deutschen hier im Reichstag (Große Heiterkeit) die Mahnung richten, der preußischen Regierung mit der Annahme dieses für uns ganz indiskutablen Antrages nicht in den Rücken zu fallen. (Lebhafter Beifall rechts.)

Abg. Dr. v. DziembowSki (Pole): Also unser An­trag sollte möglichst totgeschwiegen werden! Wer denkt da nicht an daS schöne Lied: Wer die Wahrheit kennet und saget sie nicht. Der ist fürwahr ein erbärmlicher Wicht! (Sehr gut! links und im Zentrum.) Die Hakattsteu müffen zu der Kraft ihrer Freunde nicht viel Vertrauen haben, wenn sie zuerst überhaupt schweigen wollten.

Abg. Pauli-Oberbarnim(Rpt.): Ich habe im Abge­ordnetenhaus gegen das EnteignungSgesetz gestimmt und werde konsequent and) für den polnischen Antrag stimmen. (Lebh. Beifall bei Zentrum, Polen, Freis, und Soziald.)

Abg. Erzberger tZentt.): Bei der Ausführung des Ansiedeluugsgeietzes kommt es nicht so sehr darauf an, was Graf Westarp als seine Tendenz bezeichnete, son­dern darauf, was die preußische Regierung daraus macht. (Sehr richtig! und lebhafte Zustimmung.) Die hat es jedenfalls dahin gebracht, daß das Gesetz tatsächlich in praxi zur Bekämpfung des Katho­lizismus angewendet wird. Hat man doch in Otten, in denen schon deutsche Katholiken in großer Anzahl ansässig waren, Protestanten angesiedelt, obwohl katho­lische Ansiedler sich in ausreichender Zahl gemeldet hatten. Den Einwand, daß bte Ansiedelung deutscher Katholiken wegen der Besttedigung ihrer kirchlichen Bedürfnisse Schwierigkeiten bereiten würde, weise ich als unbegründet entschieden zurück. Das amtliche Material, das ich in meiner Broschüre oerarbeitet habe, weist nach, daß 96 Prozent der Ansiedler evangelisch und nur 4 Prozent katholisch sind'. Das genügt wohl zum Beweise der Behauptung, daß das Ansiedelungs­gesetz in seiner Ausführung aus eine Bekämpfung und Unterdrückung des Katholizismus hinausläuft. (Lebh. Beifall im Zentrum.!

Damit schließt die Diskuffion. Neber den Antrag wird morgen, zu Beginn der Sitzung namentlich abgestimmt werden.

Freitag. (Namentliche Abstimmung, dann Kolo­nialetat.)

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 25. Februar 1909.

Die Beratung über den polnischen Antrag wegen der

Freiheit be8 Grundeigentumerwerbs

wird fortgesetzt. Er fordert einen Gesetzentwurf, in dem bestimmt wird: Keinem Reichsangehöttgen dürfen mit Rücksicht auf das Glaubensbeienntnis, die politische Gesinnung oder die Naiionalttät Beschränkungen irgend welcher Art bei dem Erwerb oder der Veräußerung von Grundeigentum oder der Erttchtung von Wohn­stätten auferlegt werden.

Abg. Graf Westarp (kons.) spttcht sich entschieden gegen den Anttag aus. Beschränkungen wegen des Glaubensbekenntnisses finden in Deutschland nicht statt. (Widerspruch im Zentrum und bei den Polen.) Wir bedauern lebhaft, daß die Freisinnigen sich für den Antrag erklärt haben. Wir hatten gehofft, daß der ver­edelnde Verkehr mit uns im Block andere Früchte zelligen würde. Große Heiterkeit.)

Abg. Dr. Heinze (natlib.): Wir billigen die Politik Preußens, soweit sie auf eine Stärkung des Deutsch­tums im Osten hinausläust. Schon deshalb weisen wir den polnischen Anttag zurück. (Beifall.)

Abg. Dr. Böhme (wirtsch. Bgg.): Bei der An- siedelungspolitik der preußischen Regierung handelt es sich um die Notwendigkeit eines nationalen Kampfes. Es handell sich für uns auch darum, ob wir auf die Dauer die Konkurrenz einer kulturell tieferstehenden Raffe dulden sollen. (Große Unruhe, Zurufe und Lärmen bet den Polen.) Wir müssen den Kampf durchfechlen, wenn wir uns nicht selbst aufgeben wollen.

Abg. Graf Praschma (Ztr.): Ich verstehe nicht, wie Graf Westarp sagen konnte, konfessionelle Momente sprächen bei der Polenpolitik nicht mit. (Sehr richtig! i. Ztr.) Kennt Graf Westarp noch nicht die wahren Ziele der Treiber des Hakatismus, die darauf hinaus- laufen, die Katholiken aus dem Osten heraus- zuschaffen. (Zuruf rechts: Wer sagt das?) Die ,Schles. Ztg/ und die ,Tägl. Rundschau'. Kennt Graf Westarp nicht die Ausschreibungen, in denen für den Osten Ansiedler gesucht werden, aber nur evangelische. (Lautes Hört, hött! i. Ztr.) Gras Westarp hat gesagt, die Konservativen hätten im Abgeordnetenhause die Bedenken zurückgestellt und aus nationalen Gründen der Enteignungsvorlage zugestimmt. Nun, die Kon­servativen des Herrenhauses haben in ihrer großen Mehrheit da? EntegnungSgesetz abgelehnt. (Sehr ttchtig! rechts.) Auch wir verlangen, daß die Polen sich vorbehaltlos als Bürger des preußischen Staates fühlen, aber die preußische Polenpolitik ist nicht dazu geeignet, die polnische Bevölkerung zu pflichttreuen Burgern zu machen. Im Gegenteil, man müßte die polnische Bevölkerung an die Scholle fesseln, dann hätte sie selbst das größte Interesse am Wohlergehen des Staates. Zum Schluß möchte ich noch einmal auf das Gefährliche Hinweisen, das in der Enteignung aus politischen Gründen liegt, und auf die Konsequenzen, die eines Tages aus diesem Vorgehen gezogen werden können. (Lebh. Beif. i. Ztr )

Abg. Seyda (Pole): Die Bekämpfer des Antrags haben nicht beweisen können, daß bte preußische Polen­politik mit dem Freizügigkeitsgesetz in Einklang zu bringen ist. Dr. Heinze hat gemeint, das Gesetz gelte auch für die Deutschen. Natürlich, man hat sich ge­schämt, in das Gesetz rund und nett hereinzuschreiben: dieses Gesetz gilt nur für die Polen. Aber angewendet wird es nur gegen uns. Unser Antrag ist nicht aus azitatorischen Gründen gestellt, sondern er entspringt dem Mitgefühl mit unseren armen Landleuten, die unter dem bestehenden Unrecht schwer leiden. Auf die Beleidigung des Abg. Dr. Böhme, der uns eine tieferstehende Rasse nannte, zu erwidern, lehne ich ab, weil die Herren, ,u denen Dr. Böhme gehört, uns überhaupt nicht beleidigen können. <Vizepräsident Dr. Paasche ruft Redner wegen dieser Aeußerung zur Ordnung.) Es ist am Freitag gefegt worden: Deutsch sein, heißt gerecht sein, und Deutschtum ist Freiheit! > Unser Anttag will Ihnen Gelegenheit geben, mitzvwir- ' j len, daß diese Worte zur Wahrheit werden. Ich bllte ' Cie daher, nehmen Sie unseren Antrag an. <

Abg. Hue (Soz.) polemisiert gegen den Abg. Dr. . Böhme und nennt die preußische Polenpolllik undeutsch ' !«nd eilte Schande für den deutschen Namen. i

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