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monatsbeuege: „Fuldaer Geschichtsblätter"
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«artSchNtte,
Fulda, Donnerstag den 25. Febmar 1909.
M 45.
36. Jahrgang.
Hostes Wtcltt.
»et«
dritter Lesung deballeloS angenommen.
Zur »weiten Beratung der Uedersichten der Einnahmen für da? Schutzgebiet
Kiautschou
Deutscher Reichstag
Sitzung vom 24. Februar 1909. yur zweiten Beratung de? State des Rechnungshofes
Hegt eine Resolutton der Komm-sfion vor auf »einjachung der gesamten Rechnungslegung.
Abg. Erzberger (Ztr.): Es ist das erste Mal daß , der Etat des Rechnungshofes an die Budgetkomimsston bes Reichstags verwiesen ist. Die Kornmrsfion war von Darteaungen des Vertreters des OberrechnungShoseS sehr befriedigt. Ich wünschte, daß ein Vertreter deS ReichSschatzamtS in' der Rechnung?« und Budgetkommrf« sion erscheinen möge, um uns hier Rede und Antwort zu stehen, und daß die Monita, die der Rechnungshof an Die einzelnen Ressorts sendet, gesammelt und der Budzetkommisfion zugänglich gemacht werden. Der Tätigkeit des Rechnungshofes können wir nur unsere vollste Anerkennung aussprechen.
Abg. «ahrenhorft (kons.) schließt sich dieser An- erkenttung an und erklärt die Zustimmung seiner poli- : tische» Freunde zu der Resolution.
1 Die Resolution wird angenommen, der Etat be- ! willigt.
l)er Gesetzentwurf betreffend Dampfersubventionen, "sowie der Gesetzentwurf betreffend die Einwirkung von Armenunterstützungen auf öffentliche Rechte werden in
Eir daS Rechnungsjahr 1904 beantragt die Kommission ie Vorlage durch Kenntnisnahme zu erledigen.
Aba. Erzberger (Ztr.) beantragt, den Antrag der Kommission abzulehnen und die Vorlage zur Kenntnis zu nehmen, vorbehaltlich der bei der Prüfung der Rechnung sich ergebenden Erinnerungen. Weiter spricht er den Wunsch aus, daß die Rechnungskom- niilsion künftig einen schriftlichen Bericht erstatten möge. -Würden wir heute den Bericht schon für enbgilttg erledigt erklären, so würde sosort die Streitfrage auftauchen, ob der Reichstag bann später auf etwaige Monita des Rechnungshofes zurückkommen darf. Wenn , auch im Etat für Kiautschou Mehrausgaben unb I Mindereinnahmen durch ein Reservefonds ausgeglichen werden, so muffen wir doch genau prüfen, wie gewirtschaftet worden ist. Die A u s g a b e n sind in mehreren Positionen bedeutend überschritten, was zum großen Teil auf die üppige Ausstattung der Gouverne- rnenlsgebäude und die Anlage eines recht kostspieligen ParkeS um das Wohngebäude des Gouverneurs zurückzuführen ist. Solche Dinge können wir doch nicht einfach für erledigt erklären; wir müffen verlangen, daß uns darüber genaue Angaben gemacht werden. Der Eiatsvoranschlag ist doch dazu da, daß er innegehalten wird.
Abg. Goerke (ntl.) erwidert d.m Abg. Erzberger, daß die Kommission die einzelnen Positionen sehr au,- jmerksam geprüft habe, und wenn sie einzelne lieber» .•fdjreitungen nicht beanstandet habe» so komme das ba- 'her, daß die Rechnungslegung im ganzen mit einem Ueberschnß abschließe.
Korvettenkapitän Drenkmann erläutert die vorn Abg. Erzberger beanstandeten Rechnungspunkte.
Abg. Erzberger (Ztr.) meint, aus den Ausführungen der beiden Vorredner gehe hervor, daß fein Wunsch nach einer schriftlichen Berichterstattung berechtigt war, denn dann wäre manches klarer gewesen.
Die Diskussion schließt, der Antrag Erzberger wird angenommen.
Die nächste Rechnung ist die über den Haushalt de afrikanischen Schutzgebiete
für das EiatSjahr 1896.
Abg. Erzberger (Z):Mit einer 13 Jahre alten Sache mässen rott uns jetzt beschäftigen! Bei aller Würdigung der Schwierigkeiten einer raschen Rechnungslegung aus den Kolonien findet das doch feine Begründung lediglich in der Wirtschaft, die damals draußen getrieben wurde. Es tltngt geradezu märchenhaft, was uns der Rechnungshof Darüber mitteilt Da müssen Zustände geherrscht haben, die in einem ordentlichen Betriebe unmöglich sind. Der Rechnungs
hof stellt klipp unb Var fest, daß ein Teil der Beamten dort nicht nur keinerlei Verständnis für Geldausgaben, sondern auch nicht für die einfachsten Gebiete des Rech- nungslegens besessen hat. Wir roiffen nur so viel: baS Gelb ist alle, ob bte Gebäude, die dafür gebaut sind usw. auch wirvich existieren, «iflen wir nicht. Der Staatssekretär hat uns heute früh in der Budget- kommtsston darüber Mitteilungen gemacht, in welcher Weise die Summen von den Kommunalverwaltungen verwendet worden find. WaS ist denn überhaupt dort die Kommunalverwaltung? Meistens nur der BezirkS- amtmann, der BezirkSsekretär unb der Kommunalsekretär! Ohne Unterschied der Partei müffen wir uns mit den Grundsätzen, die der Rechnungshof ausgestellt hat, einverstanden erklären: sie geben dem Gouverneur genügend Bewegungsfreiheit, sichern aber daS Etatsrechl des Reichstages. (Beifall.)
Direktor im Kolonialamt Contze: Wir haben bereits angefangen, nach diesen Grundsätzen zu verfahren. Sobald daS HauS sie gebilligt hat, wird auch den einzelnen Gouvernements Gelegenheit gegeben werden, davon Kenntnis zu nehmen.
Abg. Rotte (Soz.) schließt sich den Ausführungen deS Abg. Erzberger an.
Abg. Goerke (ntl.): Ein Teil der Schuld, daß die Rechnungen so spät vorgelegt worden sind, trifft den Reichstag, der feit dem Jahre 1906 die Beratungen der Rechnungen verzögert hat.
Abg. Schwär,e-Äopstadt (Z.) verwahrt die Rech- nungskommifsion gegen den Borwurf, den man aus den Ausführungen des Ministerialdirektors und des Abg. Goerke hätte entnehmen können, daß die Rechnungskommission die Uebersichten aus dem Jahre 1901 und 1903 verschleppt habe. Die späte Erledigung dieser Angelegenheit liegt darin, daß die Anfragen, die seitens der Kommission an die Kolonialverwaltung bereits vor einigen Jahren gtfteüt find, erst im Laufe des vorigen Monat- beantwortet find.
Der Antrag der Kommission wird angenommen.
Donnerstag- Petitionen, Fortsetzung der Besprechung deS Antrags Brandys (Pole) betreffend Freiheit des GrundeigenlurnserwerbS unb Antrag Lattmann (wirtsch. Bgg.) betreffenb Reform des Patentwesens.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhans.
Sitzung vom 24. Februar 1909.
Fortsetzung der zweiten Beratung über den Landwirts chastSetat.
Zur Förderung der inneren Kolonisatton in den Provinzen Ostpreußen unb Pommern fmb 2 000 000 Ml. ausgeivvrsen.
Abg. v. 6. Gröben (kons.) begrünbet seinen Antrag, welcher die Regierung ersucht, eine Konferenz zu berufen zwecks Prüfung, wie in ben einzelnen Provinzen bie Organisation des Ansiedlungswesens zu gestatten rst. Das Ziel seines Antrages fei bie Schaffung eines gesunden kleinen Grundbesitzes, neben welchem der Großgrundbesitz seine soziale Bedeutung nicht verlieren werde. Kapital und Handwerk seien an der inneren Kolonisation in hervorragendem Maße beteiligt.
Abg. Glatze! (natL) geht eingehend auf bie in Ostpreußen bestehenden Gegensätze in der Ansiedlungsfrage ein. Wir brauchen eine gesunde Boden- unb HeimalS- politik. Vor allem gilt es, bie noch auf bern Lande seßhaften Arbeiterfamilien dort zu erhallen. Die Ablösung der Gemeinbenutzungen war em Fehler der Gesetzgebung, wenigstens mlolern, als sie das Verhältnis bet ländlichen Arbeiter zum Lande gelockert hat. Man wirb an eine Beseitigung dieses Fehlers denken müssen.
Abg. Graw (Zlr.): Die Hauptsache bei Durchführung bet inneren Kolonisation in Ostpreußen ist bie Arbeiteransieblung. Große Schwierigkeilen bietet bie Güterverieuerung. Der anzusiedelnoe Arbeiter muß sich auf bet Scholle wohlfühlen unb deshalb darf an Staatszufchüssen nicht gekargt werben. Die Streitig« leiten zwischen Landgesellschaft unb Landschaft sind bei uns eine recht unerquickliche Erscheinung. Dem Streit um ben Ausbau bet Landgesellschaft ist eine besondere Nahrung durch die kovsessionelle Verhetzung gegeben worden. In bet Presse enftanb eine Polemik gehässigster Art und von einer Stelle aus wurde bie Polemik an sämtliche Kreislagsmilglieder der Provinz versandt, um diese ungünstig gegen den Bestritt zur Landgesellschaft zu beeinfiussen. Nachdem dieses verwerfliche Mittel nicht gezogen hat, will jemand diese
bie in einzelnen Gegenden angerichlel worden sind unb dankt den Pionieren unb den Privaten für ihr hilfsbereites Eingreifen.
Abg. Heine (natl.) begründet einen Antrag, der zur Beseitigung der Hochwasserschäden Staatsmittel durch Gewährung nicht rückzahlbarer Unterstützungen oder zinsfreier Darlehen verlangt.
Minister des Innern v. Moltke gibt eine Ueberstcht über die geschädigten Gegenden und die Ursachen der Katastrophe. Weiter erörtert er die Schädigungen, bie Staat, Gemeinde und Private erlitten haben. In allen Gebieten hätten aber Milstär, Feuerwehr, Behörden unb Private hilfsbereit einbegriffen, unb er spreche ihnen den Dank der Regierung aus. Ausgabe der Regierung könne es nicht fein. Die Schäden gleichsam versicherungsgemäß zu ersetzen. Die Staatshilfe könne nur erfolgen, wenn die Geschädigten nicht in Der Lage sind, das Unglück zu ertragen. Ein Notstand fei u. a. in bet Provinz Hessen-Nassau zu konstatieren. Zur Behebung bet Dringendsten Not wurden sofort vorschußweise Mtttel vom Staate zur Verfügung gestellt ; int übrigen müßte natürlich eine Prüfung erfolgen. Am schlimmsten lägen bie Verhältnisse an ber Elve, wo birett eine Landeskalamilät vorhanden sei. Die Hilfsleistung solle dadurch geschehen, baß Mittel d fand« perdu, ober unverzinsliche Darlehen ober Unterstützungen, die nur zum Teil rückzahlbar seien, an Gemeinden und Kommunalverbände gewährt würden. Fetner sollten auch verzinSbate, langfristige Darlehen zur Verfüguna gestellt werden. Die Regierung werde aber überall hilfsbereit eingreifen.
Lanbwirtschastsminister v. Arnim schildert die Zw- stände, bie er aus seiner Fahrt ins UeberschwemmungS- gebiet ber Elbe antraf. Ob eS gelinge, bie Bruchstelle viS zum Eintritt bet FrühiahrShochwaffer zu schließen, davon hänge bie Höhe des gesamten Schaden- ab.
Minister der öffentlichen Arbesten v. Btettenbachr Bon ben Eisbrechern stnb in ber Elbe noch vier bt> fünf Kilometer zu überwinden; da wird bie Arbeit immerhin noch tagelang bauern. Bon Seiten ber Re» gerung wird alle- geschehen, waS ber Notlage abhelfen nn.
Abg. Bethge (kons.) führt auS, man müsse möglichst rasch Hilfe schaffen, bevor baS FtühjahrShochwaffer komme. NahmngS- unb Geldmittel feien bringend nötig, auch Kohlen zum AuSlrocknen der Wohnungen.
Abg. SahenSltz <Ztt.) geht auf Sinzelheilen^ber Ueberfchwemmung bet Lahn ein und erbittet Hufe für diese Gegend.
Abg. Dr. Heybweiller (ntl.) bringt die Zustände im lütterlahnkreiie zur Sprache und bankt bet Regierung für ihr Entgegenkommen. Naffan bebürfe bringend eines zinslosen Darlehens.
Abg. GerhatduS (Zit.) begrüßt die Energie, die die Regierung beim Eintreten bet Katastrophe gezeigt habe.
Eine Reihe von Rebnern schilbert Zustände auS ben verschiedensten Wahlkreisen. Dann wird bie Besprechung geschlossen. Der Antrag wirb ber Budgetkommission überwiesen.
Donnerstag: Rest der heutigen Tagesordnung unb Etat bet Domänen.
Aktion unternommen haben. Der Borstanb des Evangelischen Bundes auS Ostpreußen hat eine Petition gegen die Zulassung ber Zentralkaffe eingereicht. Es wäre mir ein leichtes, nachzuweisen, baß einzelne BundeSmitglieder schwere genossenschaftliche Schnitzer gemacht haben, aber solche konfessionellen Streitigkeiten hier im Plenum zu behandeln, widerstrebt mir unb ich freue mich, daß in diesem hohen Hause für solche Verhetzungen kein Platz ist. (Lebh. Zustimmung im Ztr. und rechts.) Mag jede Konfession ihre GlaubenSbrüber unterstützen, aber baS muß stets in anständiger Weise geschehen unb darf andere Konfessionen nicht verletzen. Ich habe das Geiühl, daß bet ostpteußische Ev. Bund einsehen wirb, baß et seine Kompetenzen erheblich überschritten hat. Was den Antrag v. b. Gröben anlangt, so habe ich ihn im Auftrage meiner Fraktion unterschrieben. Einzelne meiner Freunde sind für die Konferenz, stehen aber sonst auf dem Regietungsvorschlage. Ich persönlich verspreche mit nicht viel von der Konferenz. Ohne bie genossenschaftliche Mithilfe ist bte innere Kolonisation nicht durchzuführen. Meine politischen Freunde stimmen ber Etalspostlion zu. Eie erwarten, daß bie ostpteußische Landgesellschaft entsprechend den Erklärungen des Ministers in ber Bubgetkommiffion ausgestaltet werbe, und daß in konseffionellet Beziehung Licht unb Schatten bei der Durchführung ber inneren Kolonisation gleich verteilt werden. rtBeif. im Zenit.)
Abg. Rewoldt (freilonf.): Die beabsichtigte Konferenz wirb ein überaus reichliche- Material vorfinben. Ww brauchen in allen Testen des Landes einen genügend gemischten ländlichen Besitz. Ma« muß Dabei vorsichtig unb Schritt für Schritt vorgehen. ES genügt nicht, ben Arbeitern ein paar Morgen Land zu geben. Man muß ihnen die Möglichkeit schaffen, allmähkig aufzusteigen auf der sozialen Stufenleiter.
Abg. Dr. Crüget (iretf. Bp ): Der Angelpunkt der ganzen Kolonisastonsftage ist bie Seßhaftmachung bet Arbeiter, indem ihnen ein gute- Auskommen geboten wirb. Ich möchte davor warnen, bei ber Kolonisation alle Hoffnung auf den Staat -u setzen, denn der Staat ist mit feinem Beamtenapvarat meinet Meinung nach nicht in ber Lage, bie Solonifatton8|tage tu lösen, ba mit biefer auch bie soziale unb bie Wohlfahrtsfrage verbunben sind, unb man diese dem Staat nicht allein ausbürden darf. Bot allen Dingen muß bas unter bet Arbeiterichaft herrschende Mißtrauen gegenüber ben Ansiebelungsbestrebungen beseitigt werden. Zu biefem Zweck muß man ben ländlichen Arbeitern das Recht der Koalition geben und au- bet Frage ber Kolonisation jeden konfessionellen Gesichtspunkt forttaffen. Dem Antrag v. D. Gröben werden wir zusammen. <58 wäre jedoch ein höchst gefährliches Beginnen, wenn man bie Kolonisation unter völliger Ausschaltung bet Privatgesellschaften betreiben wollte.
Abg. v. Bockelberg (kons.) spricht sich für Die privat- rechtliche Regelung bet Sache aus und wünscht bes- halb, bie heutige Form ber G. m. b. H. beizuhalten
Landwirtschaftsminister v. Arnim: Wir haben die Landgesellschafteil als privatrechtliche Institutionen aus- gebaut, bei denen bie meisten öffentlichen Verbände der Provinz beteiligt sind. Den Wünschen ber Kommission entsptechenb ist bie Landbank ausgeschieden. Der Zweck bet ganzen Institution ist Bauern- und Arbeiteranstedelung. Die neuen Verbände sollen möglichst selbständig gestellt werden. Der Staat hat für jede Ansiedlungsstelle einen Zuschuß von 800 Mk. unb für jeden Hektar 10 Alk. in Aussicht gestellt. Die An- siedlungsgefellschaften privatrechtllcheu Charakters haben überall gute Erfolge erzielt. Wir vertreten nicht einseitig die Interessen des Großgrundbesitzes, sondern fachen die kleinen Ansiedlungen möglichst zu fördern.
Agb. Dr. Pachnicke (frs. Bgg.s wendet sich in längeren Ausführungen gegen bie Güterschlächterei und erklärt sich gegen ben Ausschluß ber Privattätigkeil bei ber Besiedlung.
Mittwoch abend: Interpellation Porsch unb Gen. (Z.) betr. Hoch wafferkaiastrophe.
Abcubsitzung.
Auf ber Tagesordnung steht die Zenttumsinler' pellation über die
Hochwasserkatastrophen.
Tourneau (Z.) begrünbet bie Interpellation, in der die Regierung gefragt wirb, was sie für bte durch bie neuesten Hochwassertatastrophen betroffenen Gegenben zu tun gedenke. Redner schildert bie Verwüstungen,
Deutsches Reich.
+ Die Reichsfinanzkommisfio«
tritt, wie bereits gemeldet, am heutigen Donnerstag zur weiteren Beratung der Finanz- und Steuervorlagen zusammen. Wie wir hören, wird der Abg. v. Gamp einen neuen Antrag einbringen, der die Forderungen der Freisinnigen ausgiebiger ali bislang geschehen ist, berichtigen soll, dabei aber, rote behauptet wird, auch mehr in die Finanzhoheit der Einzelstaaten eingreift. In parlamentarischen Kreisen nimmt man an, daß heute nur eine allgemeine Aussprache stattfinden soll, währen) die Abstimmung für einige Tage ausgesetzt wird. In der Zwischenzeit soll dann für weitere Verhandlungen zwischen den Parteien Gelegenheit geschaffen werden. DaS wird sehr nötig sein, denn die Lage ist durch de» neuen Antrag jetzt wieder sehr wrroarren geworden. Angesichts der Wichtigkeit der bevorstehenden Kommissionsverhandlungen haben sich die Finanz« Minister der Einzelstaaten nach Berlin begeben, um an den Beratungen der Kommission teilzunehmen. Sie hielten gestern eine mehrstündige Beratung über die Lage der Reichsfinanzreform ab
3m Lame i>es Geheimnisses.
40] Aus dem Englischen von Ä. v. Raesfeld.
Als Annie das Zimmer verlassen, wandte Lady Wayne sich an ihre Schwester.
„Es ist mir unausstehlich, an Dienstboten derartige Fragen zu stellen," sagte sie, „es sieht gerade aus, als ob man sie in Verdacht hätte. Annie hat so ein gutes, ehrliches Gesicht. Hof. fentlich habe ich sie mit meinen Fragen nicht gekränkt, Marian."
. Und Lady Wahne fand ihre Schwester noch immer merkwürdig, als Marian jetzt wieder eine auÄveichende, leere Antwort gab.
24. Kapitel.
Ein Liebespaar.
^tte sich leidenschaftlich in .e,rrn^»necrer^5?' fte war ihm die „Schönste, Herrlichste, Einzigste und Beste."
Errötend folgte er ihren Spuren, konnte sie stundenlang traumverloren anstarren und dar- über grübeln, ob sie wohl je von der Höhe worauf Schönheit und Anmut sie gestellt, sich zu ihm werde herunterneigen können.
Kein Hindernis stand dieser Heirat entgegen; der Earl und Lady Romsey hatten mehr wie einmal gsvunscht, er möge früh heiraten, und et wußte, seine Mutter liebte Elsie Wayne. Lady Romsey hatte gelegentlich, da sie von ihr gesprochen, geäußert:
„Wenn ich ganz England zur Auswahl hätte, w, würde meine Wahl auf Elsie Wayne fallen, meisten Familien haben ihre Skeletts, ihre Ar^»irlen ihre Kreuze und sonstiges Un- sw sorgfältig vor dem Auge der Oes- nirfd* 1*2? 3U bergen suchen. Die Waynes haben npvULat. stets waren sie ein einfach-vor- loyales Geschlecht, auf des- unh ^°^E?lein Makel ruht. Aus dem Grunde * nö toetI «h »laude, daß Ehre und Ehrenhaftig-
feit erblich sind, möchte ich daß Balduin Elsie Wayne heiratet."
Wenn der junge Lord aus das Mädchen seiner Liebe blickte, war er also stets davon überzeugt, seine Heirat mit ihr würde denen, die er am liebsten hatte, die größte Freude machen.
„Gewinnen oder verlieren — entweder oder!" sagte er sich eines Morgens. „Heute will ich Elsie fragen, ob sie mich toiK"
Er wartete den ganzen Tag die Gelegenheit ab; endlich des Abends kam sie.
Sie schlenderten beide in der Nähe des kleinen Sees mitten im Parke in einer buschigen Allee. In leidenschaftlichen Worten flüsterte er ihr von der neuen Freude, die jetzt erst seinem Leben den größten Reiz verliehen, von feiner Liebe für sie.
„Elsie", fagta er mit zitternder Stimme, „könntest Du mich wieder lieben?"
„Ich möchte es wirklich wohl mal sehr ernstlich versuchen", sagte Elsie, mit den anmutigsten Grübchen um ihre schelmisch lächelnden, frischen jungen Lippen. „Ich habe schon viele sthwierige Aufgaben in meinem Leben bemeistert. Bald."
Der alte vertraute Name war ihr unwillkürlich entschlüpft. War es doch erst so kurze Zeit, daß sie noch Kinedr gewesen. Auch jetzt waren sie wieder Kinder, wo sie Hand in Hand vor den ewigen Thron der reinstenSeelenharmonie, der Liebe, standen. '
„Elsie", sagte Lord St. Gilbert, „gib mir
Lublins, und sprich: „Ich will Dein Werb sein, Baldl"
. schreckliche Worte", sagte Elsie;
feierlich.
(surAt I'E^ber den schmerzlichen Zug in seinem Gesicht gewahrte, gab sie nach
_ -Bald, ich will Dich lieben; ich will Dein Werd teilt
Tie letzten Strahlen der untergehenden Sonne übergossen sie mit goldenem Schein, Duft, Glan, Pracht und Schönheit umgab sie überall.
Seht hin auf das schöne Gesicht des jungen Mädchens, wie sie schüchtern die Zärtlichkeit ihres
Liebsten duldet; man sollte sagen, das schönste Leben, die hellste Zukunft, daS glücklichste Schicksal seien ihr Vorbehalten.
Und doch, hätte einer der unheimlichen Schwarzkünstler, wie man sie vor alters kannte, dort mit seinem Zauberspivgel gestanden, was hätte er darin gesehen?
Dunkle Wolken des Unglücks, des Kummers und der Schmach; eine Hand rot von Blut, den Kerker, den Schatten des Blutgerüstes, und — Tok
25. Kapitel.
Jack Jefferies.
Jack Jefferies hatte sich zu keinem besonder- einnehmenden jungen Manne entwickell. Er war lang aufgeschossen, plump gebaut, stark, wie ein junger Bär, mit großen muskulösen Armen und schr groben und roten Händen. Sein Gesicht — allerdings nicht häßlich, im Gegenteil, in gewisser Beziehung nett, worauf er nicht wenig stolz war — war eine merkwürdige Mischung von Scharfsinn und listiger Verschmitztheit. Man sah auf den ersten Blick, daß ihm nicht zu trauen war. Die dunklen, halbgeschlossenen Augen sahen einen niemals mit dem offenen Blick einer ehrlichen, freimütigen Natur an, und doch lag eine gewisse Macht darin. Der Haupteindruck, den Herr Jack Jefferies bei jedermann hinterließ, war der, daß er jedes verschlagenen nichtigen Streiks fähig sei. ,
Leuten von einigermaßen feinerer Bildung war er geradezu ekelhaft. Die Prahlerei und vulgäre Aufschneiderei, das abgeschmackt affektierte Wesen, worin er sich gefiel, widerstrebten den allerersten Elementen des guten Geschmacks.
Es war Jack's Ehrgeiz, ein „feiner Kerl" zu fein und die« suchte er dadurch zu erreichen, daß er ein möglichst winziges Spazierstöckchen trug und möglichst wüste Fluchworte gebrauchte, einen großen, ordinären Ring an der nicht allzu reinlichen roten Hand, und seinen Hut unternehmend aufs Ohr gerückt trug, als ob er schon dadurch
andeuten wolle, daß er „patent" und „helle" sei, — um in seiner Sprache zu reden.
Mit großem Behagen warf er überall mit den neuesten und abgeschmacktesten Mode-Schlagworten um sich hatte auch eine Auswahl gemein- komischer Lieder vorrätig, sowie Anekdoten, die, gelinde gesagt, sehr zweifelhafter Natur waren. Der Gipfel des Vergnügens aber tvir, wenn er des Sonntags eine billige, sehr starke Zigarre rauchen und ohne Handschuhe — um seine Ring« zu zeigen, — im Dorf umherspazieren konnte, wobei er sich beständig mit dem Stöckchen an die Stiefel klopfte und unverschämt bewundernde Blicke auf jedes nette Mädchen schoß, das ihm in die Quere kam.
Jack hatte eine eingewurzelte Abneigung gegen Arbeit.
„Ich habe Kopf", sagte er gewöhnlich, „und Leute mit Kops müffen sich nicht abplacken."
Jack Jefferies hatte nämlich feit langen Jahren einen Gedanken in seinem Gemüte Wurzel schlagen und wmhsen lassen, und zwar die Idee, daß ein Geheimnis vorhanden sei, ein Geheimnis, das mit Werner in Zusammenhang stehe, und timt die Mittel zum Leben gewähren solle. Hunderte von kleinen Nebenumständen nährten und befestigten diesen Gedanken.
In erster Linie stand die Tatsache, daß seine Mutter nie den Namen des Ortes erwähnte, noch erwähnen wollte, wo fein Vater gelebt hatte und gestorben war.
„Das ist natürlich", sagte sich der scharfsinnig« junge Denker; „alle Weiber schwatzen gern, und wenn sie nun nichts sagt, so ist unzweifelhaft ein sehr guter Grund dafür vorhanden."
Die Bestätigung seines Verdachts war seine lebhafte Erinnerung an Marian's Besuch.
„Eine mittelaltrige Person", so pflegte er z» grübeln, „die hereinkam, um Werner zu sehen und über chn weinte — wer war es wohl, uni was hatte sie mit Werner zu tun?"
(Fortsetzung folgt)