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2 Unglaublich und doch wahr!

Herr Müller-Meining en, der reichbegnadete Dichter und geistige Urheber des § 12 des Vereinsgesetzes, beabsichtigt für un­bedingte Sprachfreiheit der Polen in ihren Versammlungen einzutreten. Wa» gestern noch kein Mensch zu ahnen wagte, heute ist es, so schreibt uns unser Berliner Mftarbei- ter, als Tatsache zu betrachten. Ueber Nacht i|t Herr Müller-Meiningen aus einem Saulus.em Paulus geworden, der den Polen die toeitejt gehenden politischen Rechte und Freiheiten ver­schaffen will. Die Ursache dieses plötzlichen Umschwungs in der Gesinnung des berühmten Führers der Freisinnigen ist noch nicht aufge­klärt, aber er ist da, und noch mehr als das, er hat auch weitere Kreise in seinen Bereich ge­zogen. Die Neichspartei und die National­liberalen haben sich auf seine Seite geschlagen und werden aller Voraussicht nach schon in den nächsten Tagen gemeinsam mit ihm im Reichs­tage einen Antrag auf vollständige Aufhebung des Sprachenparagraphen, Aufhebung des An­siedelungsgesetzes und aller anderen diePolen in ihrer Bewegungsfreiheit hindernden gesetzlichen Deftimmnngen einbringen. Weiter wollen sie beantragen, den Ansiedlunasfonds neu aufzu­füllen, um ihn dann unter die Polen zu vertei­len ; in den Schulen soll nur noch polnisch unter­richtet werden und nicht nur in Posen^sondern in ganz Ost- und Westpreußen und Schlesien. Der Antrag wird zweifellos bei der großen Mehrheit des Reichstages Zustimmung finden und glänzend angenommen werden. Die Ab­geordneten »«nahmen heute morgen die Kunde mit Staune«, überall bildeten sich Gruppen aus den verschiedensten Parteien, die das Ereignis besprachen i Spahn, Sing« und d« Neichs- kanzl« drückten sich schmunzelnd und verständ­nisinnig die Hände. Berlin ist in größter Auf­regung. Noch erregt« ist man in Posen und in den Polendistrikten der rheinisch-westfälischen Indusiriebezirke. Ueb«all drängen sich Volks- maffen um die Anschlagsäulen und die Sei» tungsverkäuf«, die unt« Verkündigung der Tagesncuigkeit ihre Blatt« anpreise«. Die Ec^lbleute vermögen kaum noch die Straßen für den Verkehr frei zu halte». Ueberall Aus­bruche des Jubels und der Freude; die Sokol- vereine planen für Herrn Müller-Meiningen einen Fackelzug, der, wenn er zustande kommt, an Großartigkeit jedenfalls seines Gleichen sucht.

Die Erde dreht sich und die Menschen wan­del« sich mit ihr. Das bestätigen des Weiteren auch die Gerüchte, die über sonstigen Gesinn­ungswechsel i« Berlin umlaufen. Herr Erz­berger, d« bish« in dec Kolonialpolitik durchaus nicht ein blinder Nachläufer des Hrn. Dernburg war, hat sich in einen enragierten Kolonialschwärmer umgewandelt und auch Herr Bebel ist zahm geworden. Wie es kam? Niemand v«mag es zu sagen, niemand kennt die geheimen Einflüße, die vielleicht auf diese Sinnesänderung eingewirkt haben. Aber froh und dankbar erkennt die Regierung die Wandlung a« und hat die beiden Männer für wichtigste Posten in den Kolonien ausersehen. Herr Erzberg« wird vermutlich Präsident der Eisenbahndirektion in Deutschostafrika mit dem Sitz in Ukambara werde«; sein Reichstagsman-

f feint mit Snrnahmr wti 8afi»achtrs»imtagr an leinen Lage der 3 ah« r Heftet der Re­daktion viele Schweitz- tropfen, den Abonnenten gar nicht;, aurwärtr dar doppelte.

verantwortl. Sedaltenr: hilarinr Spitzfeder;

für die Anzeigen: hieran,m«; Lustig.

uldaer

#aruroa!;rihtng mit unmbiirzlkli Nachrichten

Organ für M, CIMnn und Narretei.

Anzeigen find unde- zahlbar. — wer keinen Uit vertragen kann, seh' lieber nicht die Leitung an. wer über sich und andere lacht, dem aber ist sie zugedacht.

Rotationodruck unter mildernden Um­stünden bes Prinzen Karneval.

Fulda, Sonntag, den 21. Februar 1909.

M 01.

1. Jahrgang.

bat wird er niederlegen und dadurch den Reichsschahsekretär von drückenden Sorgen be­freien, höchstens wird er ihm noch schriftlich in Eisenbahnangelegenheiten, Mitteilungen üb« Betriebsüberschüsse und Ersparnisse nahetreten, sonst ab« seine Zirkel nicht mehr stören, ins­besondere um Etatsüberschreitungen sich nicht mehr kümmern. Fürst Bülow hat ihn darob bereits zu feinem Hausfreunde ernannt. So­weit seine freie Dienstzeit bei zweimal wöchent­lich verkehrenden Zügen in Ostafrika es ge­battet, wird er mit allem Eifer der Löwen­jagd und der Straußenzucht sich widmen, auch nebenbei eine Diamantenplantage leiten, deren Erträgnisse nur zu Etatsüberschreitungen ver­wendet werden sollen. Bebel wird wahrschein­lich als Werftbirektor mit dem Rechte des Krebsfanges nach Kiautschou gehen.

Nicht geringe Ueberrafchung wird auch die dritte Neuigkeit Hervorrufen, die für die künf­tige Stellung der Parteien im Abgeordneten­hanse von größter Wichtigkeit ist. Es handelt sich um einen Beschluß d« National- liberalen, der zwei Fliegen auf einmal trifft. Auf Antrag der Abgg. Dr. Hieb er und Liz. Everling haben sie in ihrer letzten Fraktionssihung sich dahin geeinigt, von der Regierung die Beseitigung der Reste der Kul- turkampfgesehgebung und die volle Wahrung der Parität bei Besetzung der höheren Aemter, insbesondere in den Mini­sterien zu verlang«. He« Dr. Hieb« selbst wird die Paritätsbeschwerden der Katholiken vertreten. Das Zentrum knirscht, ab« es ist ohnmächtig gegen den Einbruch in feine Jagd­gründe, der ihm das Wasser abgräbt, den Boden unter den Füßen wegzieht und den Nattonal- liberalen den Dank des katholifchen Volkes und bcr kirchlichen Behörden sichert.

Fürwahr, kür leben in ein« großen Zeit und alles stellt sich auf den Kopf. Den Herren Dr. Hieber mid Liz. Everling sind hohe päpst­liche Orden gewiß. Ihre Hoflieferanten sind bereits mit der Herrichtung der Knopflöcher be­schäftigt. Unglaublich! Und doch wahr!

Deutsches Reich.

X Der günstige Fortgang der Reich»- finanzreform

hat in hohen Stettin« Kreisen derartigen Ein­druck gemacht ,daß der Wunsch rege geworden ist, etwas zur dauernden Erinnerung zu tun.

Man will eine Denkmünze schlagen und sie allen, die durch Politisiere» hinierm Mertisch zur Lösung bet Reichsfinanzreform beigetragen haben, verleihen. Sie wird die Form einer Block wurst haben und soll be­zeichnend« Weise an „Draht" um den .Hals getragen werden.

Hat schon dieser Vorschlag viel für sich, so wird ein zweiter in weiten Kreisen noch viel mehr Anklang finden. Dieser geht dahin, die „nationalen" Anhänger des Blocks zur dauern­den Erinnerung an dieses glorioseste politische Gebilde des 20. Jahrhunderts sämtlich in den erblichen Adels st and zu «heben. Das wäre allerdings eine berechlzte Anerkennung für patriotisches Wohlverhalten.

(—) Berlin, 11. Febr. 1909. Das „Mi­litärwochenblatt" veröffentlicht eine Vers ü- gung des Kriegsministers, welche die „Es ist «reicht"-Schnurrbärte in der Armee obligatorisch macht. Die Militärwerkstätten in Spandau arbeiten mit Ueberstunden an der Herstellung der nötigen Zahl Bartbinden.

4- Bon einem intimen Diner beim Fürsten Bülow wird uns von einem gut unterrichteten Gewährsmann in Berlin geschrieben: Bekannt­lich hat der Reichskanzler kürzlich hervorragende Parteiführer, nach Parteien geordnet, zu soge­nannten intimen Diners in fein Palais in der Wilbelmstraße geladen. Der Zweck dies« Ver­anstaltungen war, eine ungezwungene Aus­sprache über schwebende wichtige Fragen, ins­besondere über die Finanzreform herbeizufüh­ren. In der Presse ist mehrfach davon berichtet worden. Nur über ein derartiges Din« hat man bish« strengstes Schweigen beobachtet, und gerade dieses war durch seine Teilnehmer und seinen Verlauf besond«s interessant. Wir sind in der Lage, folgende Einzelheiten darüber zu verraten: In der verflossenen Woche hatte Fürst Bülow Einladungen mit dem Vermerk „vertraulich" an verschiedene Mitglieder der Zentrumspartei «gehen lassen. Sie «regten bei den Empfängern gewaltiges Auf­sehen, obwohl es schon vorher nicht an Anzeichen dafür gefehlt hatte, daß die Regierung sehr ge­neigt sei, sich wieder beim Zentrum „anzubie­dern". Sofort nach Eingang der Bülow-Ein­ladungen wurde eine Zentrums-Fraktionssitz- ung anberaumt, in der es stürmisch zugiug. Die Gegensätze platzten scharf aufeinander, aber schließlich behielt die Ansicht die Oberhand, daß man das Entgegenkommen des Reichskanzlers, so sehr man auch Anlaß habe, ihm zu grollen, doch nicht von der Hand weisen dürfe. Es wurde mit Mehrheit beschlossen, daß den Ein- lcdurigen Folge zu leisten sei, und die Minder­heit batte sich wohl oder übel zu fügen. So fanden sich denn im Kanzlerhause pünktlich die eingeladenen ZeinrmnsgrößLN, u. a. Müll«- Fulda, Grober, Erzberg«, Schaedler, Pichler und Dr. Sioerett ein. Auch Dr. Spahn, der seinen berühmten Zylinder zur Feier des Tages neu hatte aufbügeln lassen, fehlte nicht. Der Reichskanzler, ihm zur Seite seine liebenswür­dige Gemahlin, begrüßte feine Gäste höflich, aber mit der durch die Umstände gebotenen Zurückhaltung. Anfangs he«schte denn auch an der Tafel eine ziemlich frostige Stimmung. Aber allmählich wurde doch das Eis gebrochen, dank der fürstlichen Bewirtung und der ge­winnenden Freundlichkeit der Gastgeber, zu denen sich u. a. auch bet Uuterstaatssekretär von Loebell gesellt hatte. Dieser kam bald mit fei­nem Nachbar, dem Abg. Erzberger, in eine leb­hafte Unterhaltung, in deren Verlauf Herr von Loebell seinen Nachbar bat, die bekannten hef­tigen Zusammenstöße im Reichstag zu vergeben und zu bergeff en, und auf das kräftige Blühen, Wachsen und Gedeihen des Zentrums mit ihm anstieß, was feinen ehemaligen Widersacher der­art bezauberte, daß er ihm spät« zwischen Bra­ten und Käse das brüderliche Du anbot, worauf der Adlatus des Reichskanzlers freudig ein* ging. Eine ähnliche Verbrüderung spielte sich am anderen Ende zwischen Herrn Roeren und denk ebenfalls anwesenden Staatssekretär Dernburg ab. Diesen Augenblick hielt Fürst

Bülow für geeignet, um nun endlich mit dem eigentlichen Zweck bcr ganzen Veranstaltung herauszurucken. Er klopfte an fein Glas, das mit schäumendem Champagner gefüllt war, er­hob sich und hielt eine feiner glänzendsten, mit geistreichen Büchmann-Zitaten reich geschmückten Tischrede, die auf das Wort „Wir sitzen so fröh­lich beisammen und haben einander so lieb" gestimmt war. Sie klang aus in ein Hoch auf ein neues Bündnis zwischen der Reichsregi«nng und bent Zentrum. Jubelnd stimmten alle An­wesenden ein und rauchten dann mit dem Für­sten Bülow feierlich die Friedenspfeife. Daun erhob sich Dr. Spahn und «widerte, daß das Zentrum nach dem Wort handeln wolle, daß im Himmel mehr Freude sei üb« einen reuigen Sünder, als über 100 Gerechte! Dem Fürsten Bülow wolle man gerne vergessen, was seit jenem ominösen Dreizehnten geschehen und wie­der mit ihm zusammenarbeiten, wie vordem. Mit einem begeisterungsvoll aufgenommenen Hoch aus die edlen Gastgeber, den Fürsten und die Fürstin Bülow, schloß der bewegte Zen- trumssühr«, dem seine Nachbarin, die Fürstin, mit dankbarem Augenaufschlag die Hand reichte, die He« Dr. Spahn gerührt an die Lip­pen führte. So endete dieses Mahl, von dem wir zuerst weit«en Kreisen Kunde zu geben in bcr Lage sind, in schönster Harmonie.

Die Folgen desselben werden wir demnächst in der inneren Politik deutlich zu spüren be­kommen. Sie lassen sich kmz, um einen vul­gären Ausdruck zu gebrauchen, dahin zusam- menfaffen: Der arme „B l o cf" i st s u t s ch!

❖ Die Versorgung der Kriegsinvaliden. Eine Sterlin« Korrespondenz meldet ein Er­eignis, das Wohl geeignet sein dürfte, die Be- zielmngen Deutschlands zu Frankreich endlich friedlich und freundschaftlich zu gestalten. ES handelt sich um die Versorgung der deutschen Kriegsinvaliden. Nachdem infolge des an­dauernden Elends unser« Neichssinanzcn Deutschland selbst nichtin der Lags ist, seine notleidenden Invaliden zu versorgen, will Frankreich diese Versorgung in die Hand nehmen, in d« richtigen Erkenntnis, daß es ja eigentlich Franzosen ge, Wesen sind, die jene deutsche Soldaten zu In­validen gemacht haben. Das französische Kriegsminisi rium hat bereits einen größeren Betrag bewilligt, außerdem soll eine Hans- sammlung in ganz Frankreich eingeleitet wer­den. Man hofft sicher, die nötigen Summen zusammen zu bringen. — Jeder Deutsche muß bei dieser Nachricht freubig aufatmen I Nimmt man doch endlich das schmachvolle Bewußtsein von uns, daß d i e in Not und Elend leben, di« einst für Deutschlands Einigkeit und Große ihr Blut b«goffcn haben.

)( De Besoldnngsvorlazen sind nun er­freulicherweise unter Dach und Fach. Jetzt macht es der Regierung ganz erheblich Sorge, wie ihre Beamten die zur Auszahlung kommen- beit Gelder diebessicher unterbringen können. Diese Sorge ist um so berechtigter, als die ar­beitslosen Langfinger und Geldschrankknacker nicht nur in den Großstädten, sondern auch in den mittl«en und kleineren Kreisstädten ihr Unwesen treiben, d« Wach- und Schließgesell- schäft und der Polizei zum Hohn. Die Regie­rung weiß aber Rat und beschloß, allen aufge­besserten Beamten bei der nächsten Gehalts«

Meines Feuitteten.

— Wie fnfitu wir schlafe«? lieber diese R-regc hielt im Notnrbeilverein zu Gerlos eine Koryphäe d« Wissenschaft, He« Prof. Dr. eduiHutcnidti« einen hochinteressanten Vor­trag. Jed« Unparteiische wird zugeben, daß ihm auch nicht die kleinste Unrichtigkeit nachzn- weisen fein machte, daß kein Fachmann Unan- fcdjtbarereS Vorbringen könnte. Wie sollen wir schlafen? Erstens möglichst gut! (Bra­vissimo!» Auch tief sollen wir schlafen! Aber nicht zu tief I Nicht so tief, daß wir nicht wie- d« anfwachen! Wir sollen weder beim Spazie­rengeben, noch beim Velozipedfahren, Ta rocken ober Bergsteigen schlafen, sondern niöglichst im Seit, cd« auf dem Divan. Auch im Sonnncr- theater ober auf dem Büro schläft man gut unb gefahrlos. Sehr viel kommt es auf die Stel­lung beim Schlafen an: wer die Beine auf dem Stuhl, den Kopf auf dem Boden hat, tuet auf einer Leiter sitzt, mit dem Bauche auf dem Tisch liegt und alle Biere herabhängen läßt, wird auch nie gut schlafen. Wer an Schlaflo­sigkeit leidet, wird auch nie gut schlafen! Hüten Sie sich vor Schlaflosigkeit ,meine Herrschaften, das ist das Beste! Wer sie hat, soll mit dem Wiedereinschlafen warten, bis sie vorbei ist, und er wird sehen, wie gut er darauf schläft! Tas Lager soll möglichst beauem sein, Glasscherben, Küchenabfalle, Steinkohlen unb Blechschnitzel feilten sich nie in einem Bett vorsinden. Auch Ungeziefer ist zu vermeiden, aber wenn schon, bann immer noch bester ein Floh als drei Wan- ?ej}- <^cnn die Bettwäsche durch den Gebrauch zterf unb hart geworden ist, wird man gut tun,

sie zu wechseln. Dünne Bettdecken in ungeheiz­ten Schlafzimmern sind zu Winterszeiten falt. Im Sommer heize man das Schlafzimmer nur in sehr kühlen Nächten, und namentlich bei schwül« Witterung nehme man in diesen Jah­reszeiten keine Wärmeflasche. W« gut schla­fen will, lasse in seinem Schlafraume tneber Klavierspielen noch Kegelschieben oder Schnh- Platteln. Während des Schlafens soll man we­der essen noch trinken, am wenigsten Kaffee oder schwerverdauliche Speisen. Wer gewohnt ist, im Bett zu lesen, tue dies nur vor dem Einschlafen, nie nachher. Sonst.wird er unruhig träumen. Sehr lästig ist das Schnarchen, besonders für die Mitschläfer, ober die Nachbarn bei dünnen Wänden. Sobald man bemerkt, daß man schnarcht, wache man auf und schlafe erst wieder ein, wenn man mifgehört hat zu schnarchen. Abends schlafe man erst nach dem Zubettgehen ein und kleide sich nie eher aus, als bis man zu Haufe ist. Ebenso erhebe man sich morgens «st nach dem Aufwachen. Wer die Gewohnheit hat, nach Tische zu schlafen, tue dies nicht eh«, als bis er satt ist. Man schlafe möglichst mit gutem Gewissen, niemals mit engen Stieseln. Zwvifstündig« Schlaf nachts und dreistündiger mittags genügen in den meisten Fällen. Wer mehr schläft, hat weniger Zeit zum Wachen! Man träume nie von unangenehmen Dingen, von Vorgesetzten, unbezahlten Rechnungen, sei­ner Schwiegermutter, Stockprügeln usw.,'son­dern von Apfelkuchen mit Schlagrahm, Lolte- riegetoinnen, Beförderungen und Erbschaften. Wird einem ein Traum unangenehm, so mache man Licht und lese ein paar heitere Büch«. Angenehme Träume unterbreche man nicht durch Aufwachen. Der Vortragende schloß mit einem herzlichen: Wünsche wohl zu schlafen, und

erntete für seine lichtvollen Ausführungen lvahre Ovationen.

— Tie neuen elektrischen Schnellbahnen. Versuche mit neuen elektrischen Schnellbahnen, die jüngsthin unternommen wurden, haben glänzende Ergebnisse gebracht. Durch Anwen­dung des durch Edison erfundenen doppelschwc- felsanren kondensierten Dreh-Wechsel-Wirbel- Wackel-Stark-Stromes werden Schnelligkeiten erzielt, die ans Fabelhafte grenzen. Eine Strecke von 30 Kilometern war stets in einigen Sekunden durchmessen, und der Zug fuhr bann regelmäßig noch um einige Meilen über die Prellböcke hinaus. Man hat nun eine kreis­runde Bahn mit 20 Kilometer Durchmess« ge­baut, um darauf Probefahrten mit voller Ge­schwindigkeit zu unternehmen. Dabei geschah etwas Ueberrascheiidcs: der Zug ging so rasend schnell, daß er sich selber einholte, und die Lo­komotive fuhr alles zerschmetternd in die beiden letzten, zum Glück unbesetzten Wagen ihres Zu­ges hinein, durch diese durch und stieß schließlich mit dem vorderen Pufferpaar unter donnerähn­lichem Krachen an die eigenen Hinteren Puffer an. Der Lokomotivführer fiel beinahe aus den Wolken, hat sich dabei aber nicht verletzt, wäl)- renb bcr Heizer Schulze, ein in weiten Kreisen beliebter Mundharmonikaspieler, durch den Krach sein musikalisches Gehör verloren hat.

__ Verwickelte Familicnverhältniste. Aus Stockstadt a. M. wird uns geschrieben: „Ich lernte eine junge Witwe kennen, die eine er­wachsene Stieftochter hatte. Ich heiratete die junge Witwe. Auf unserer Hochzeit machte mein Bat« die Bekanntschaft unser« Stieftoch- ter und heiratete sie. Sv wurde meine Frau die Schwiegermutter ihres Schwiegervaters, meine Stieftoch« wurde meine Stiefmutter

und mein Bat« wurde mein Stiefsohn. Veo stehen Sie? Dann bekam meine Stiefmutter, also die Stieftochter meiner Frau, einen Sohn. T« Junge war natürlich mein Bruder, weil er der Sohn meines Vaters war. Ab« er war auch der Sohn der Stieftocht« meiner Frau, also der Enkel meiner Frau. So war ich Groß­vater meines Striefbruders. Dann bekam auch meine Frau einen Sohn. Meine Frau, also die Stiefschwester meines Sohnes, ist auch sein« Großmutter, weil er der Sohn ihres Snefsohnes ist. Mein Vater ist der Schwag« meines Soh­nes, iveil dessen Stiefschwester seine Frau ist. Ich bin der Bruder meines eigenen Sohnes, der mich der Sohn meiner Stiekgroßmutter ist. Ich bin d« Schwager meiner Mutter, meine Frau ist die Tante ihres eigenen Kindes; mein Sohn ist der Reife meines Vaters und ich bin mein eigen« Großvater. Ich finde mich nicht mehr heraus!" (Anm. d. Red.: „Wir auch nicht!")

— Verhütetes Unglück. Gelegentlich einer Aufführung der „Maria Stuart" im großher­zoglichen Hoftheater zu Gerolstein wäre beinahe ein furchtbares Unglück auf ebenso originelle Weise geschehen, als es bann verhütet worden ist. D« berühmte jugendliche Held unb Lieb­ling b« Gerolsteiner Damen spielte nämlich den Mortimer so feurig, daß die Kulisse, an welcher « gerade riß, in Brand geriet. Ein entschlich« Theaterbrand wäre nun beinahe ausgebrochen — aber zum Glück spielte Fräu­lein Euphemia die Maria Stuart und zwar so ergreifend, baß die von bcr Galerie stür­zenden Thränenbäche den Brand im Entstehen löschten. Tosender Beifall lohnte diese Dop­pelleistung. Fräulein Euphemia wurde zum Ehrenmitglied der freitoiHigen Feuerwehr in Gerolstein ernannt.