Einzelbild herunterladen
 

JW 41.

Fulda, Samstag den 20. Februar 1909

Erstes Wlcrtt

im ^?uben, sie habe zu frei | Ihr Gesicht wurde blaß wie der Tod. ihr Herz rötenb? ?ßerneraJ”eIt gliche, er. | hörte fast aut zu schlagen, als Werner in's Zim-

Der Weg zur Berstäudigung

über die Reichsfinanzreform kann und m u ß gefunden werden, sagte Fürst Bülow

36. Jahrgang.

welche die Bereitstellung von Mitteln zu Dienstcinkom- men-verbesserungen bezwecken. Zur Debatte steht zu­nächst in zweiter Beratung der Gesetzeniivurf betr. die Äendeiung des Ein ko m »i e n st e u erg e s e tz es und des Elgänzunffssteuergesetzes. Es wird hierbei gleichzeitig auch das Mantelgesetz und das Gesellschastsstcuerge^etz erörtert.

Die Kommission bat da? Gesellschaftsileuergesetz abgefeimt, sie bemlraat eine Resolution, welche die Re­gierung ers icht, zur Deckung des noch verbleibenden Mehrbedarfs die Erhöhung geeigneter Positionen des Stempeliieuertari's in Aussicht zu nehmen.

Abg. v. HennigS (K.) begründet einen Antrag, wonach die Gelell,chanen m. b. H. nicht m der Weise wie die Altiengesellichalten be eueit werden sotten, sondern einen geringeren Zlener,atz zahlen loüen. Die Konlervaliven haben der Regierung bei der Beamren- besoldung den Rücke» geitär t. Ww wollen uns deshalb nicht loben, aber in dem Augenblick der Krisis hielt der Mmiüerpräsident hier eine Rede, die uns sehr über­rascht hat. Der Mimsterpräsident sp ach von der Be­willigung oder Nichibewilligu.ig dcr Na chl aß steuer, die ich bezeichnen möchte als ©teuer von Todes wegen

röteude. graziöse junge Wesen, halb Kind, halb Jungfrau, inmitten ihrer Blumen für das schönste Btto, das ihm je dor Augen getreten.

nicr trat. Es war Jahre her, daß fie ihn gesehen — lange Jahre — damals war er ein Knabe

Abg. Graf Praschma (Ztr.): Der Grundsatz, daß das Eigentum unverletzlich ist, ist die festeste Grundlage des Staates und der Gesellschaftsordnung. Aus Gründen des allgemeinen Wohles läßt sich wohl eine Beschränkung des Eigentums rechtfertigen, niemals aber aus politischen Gründen und Rücksichten auf die Nationalität. Der Staat ist nicht allmächtig: es gibt Grenzen und ältere Rechte, vor denen er Halt zu machen hat. Die Bodmständigkeit ist der festeste Hort und das Fundament der Königstreue; die Boden­ständigkeit zu fördern, ist die Friederizianische Politik gewesen, die Preußen groß gemacht har; aber die An- siedelung-politik steht mit diesen Grundsätzen in einem unvereinbarten Widerspruch. Dem Ziele, unser An­sehen nach außen und das monarchische Gefühl im Innern zu stärken, kommt man dadurch nicht näher daß man weite Kreise der Bevölkerung von der Mit- ardeit an den Aufgaben des Reiches fystemaliich aus- lchließt und daß man die staalserhaltenden Elemente von dem Boden loslöst, mit dem sie eng verwachsen sind, von der Scholle vertreibt, die noch immer das beste Bindeglied zwischen Volk und Staat, zwischen Volk und König gewesen ist. (Lebh. Beifall.)

Wbg- Stadthagen «So;.): Die preußische Polen. Politik verstößt zwestellos gegen die Reichsgesetzgebung. Die Enteignung des Eigentums ist nichts anderes als ein gemeiner Raub. Wir werden dem Antrag Brandys zustlmmen.

Abg. Gothein (freif. Vgg.): Es ist tiestranrig, daß em solcher Antrag noch im deutschen Reichstag einge­bracht werden muß. Die preußische Polenpolnik ist nicht geeignet, den Frieden zu erhalten, sie erzeugt nur Erbitterung. Auch wir werden für den Antrag stimmen.

Das Haus vertagt sich.

Mittwoch: Etat des Rechnnngshofs, Dampfersuh. ventionen, Rechnungssachen.

vorlägen, für diese stimmen würden, daß sie aber bei der Gesamtabstimmuiig gegen die ganze Summe flim- men würden. Wenn die katholische Kirche Geld für ihre Geistlichen haben wolle, dann folle sie von den Einkünften deS Papstes, der Kardinale und Erzbischöfe rtwas nehmen, dann hätte fie Mittel genug. Daß diele Herren nicht so schlecht gestellt seien, beweise das Menü eines Festmahles, daß die geistlichen Würdenträger jüngst in Köln veranstaltet hätten, wobei bei jedem Gang ein Bibelspruch gehalten worden fei. Unter schallender Heiterkeit des Hauses verliest Redner das Menü. Im weiteren erklärt er, die Kirch en- guter feien zum größten Teil nicht rechtmäßig er- worben, wir hätten jetzt ein kopfloses Kultusministerium, man sollte lieber die geistlichen Angelegenheiten aus demselben herausnehmen und ein Kultu Ministerium daraus machen. Das Geld, das hier für die kathol. iß inner ausgeworfen wird, sollte man lieber für die Schule aufwenden. Redner polemisiert dann gegen den Liberalismus und meint, der Liberalismus habe jede Selbständigkeit verloren; deshalb werde er über­wunden werden durch die siegreiche Sozialdenwkratie. Ter Sozialismus fei das Evangelium der Menschen­liebe.

Abg. Dr. Kansmaiin (Ztr): Meine Partesire,-nd. bedauern es auf das lebhafteste, daß der § 15 bet. die Ausnahmebestimmungen für Gnesen- 'Boten und Kulm im Gesetzentwurf enthalten ist. Diesem Bedaucrn schließen sich die kaiholischeu Geist­lichen Preußens an, und es sind auch schon Stimmen laut geworden, die von uns die Ablehnung des Ge­setzes verlangten. Die Zenlrumsparlei hat in dieser Frage den Standpunkt der preußischen Bischöfe ein­genommen, weil sie nicht durch eine Ablehnung das ganze Gesetz, das doch in seiner Gesamtheit Wohltaten für den tatholilchen Klerus bringt, zu Fall bringen wollte. Dem Abg. Hostuiann muß ich er'.lären, daß er mit seinem hier verlesenen Briefe jedenfalls einet Mystifikation zum Opfer gefallen ist. Daß die Briefschreiber katholische Geistliche gewesen fein sollen, kann ich nicht annehiilen. (Lebh. Zustimmung) Ich halte es deshalb für unnötig, aus den Inhalt vieles Brieses einzugehen. Der >pringende Punkt in den wei­teren Ausführungen des Abg Hcffmann war die Tren­nung von Staat und Kirche. Nun stehen aber die bürgerlichen Parteien dieses Hauses theoretsich auf bem Standpunkte, baß die Trennung von Staat und Kirche nicht durch,«führen ist. Staat und Kirche müssen sich v.etmehr unter Wahrung ihrer gegenseitigen Unabhängigkeit stützen und sördern. Die in anderen Läneeru duichgesührte Trennung ist eine unheilvolle gewesen. Wenn der Staat ein christlicher sein soll, dann ist ein einträgliches Zusammenwirken von Staat und Kirche nicht zu umgehen und der Staat wird sich der Pflicht nicht entschlagen können, der Küche die Msttel zu bewilligen, deren fie bedarf. (Beifall im Zentrum.»

Die allgemeine Besprechung wird geschloffen.

In der Spezialoeballe wird § 15 (Ausnahme­bestimmungen sür Gnefen-Posen und Kulm) g gen die Stimmen des Zentrums, der Polen, des Freisinns nnd der Sozialdemokraten unverändert angenommen.—In der Gesamtabstimmung wird das Gesetz gegen die So­zialdemokraten angenommen.

Es folgt die Beratung der

Deckungsgesetze,

Tartu hatte sie all ihre Kraft zusammenzuneh- men, denn Lady Wayne führte die beiden Her- rett zu ihr.

Lord St. Gilbert schüttelte ihr herzlich die Hand. Er hatte die liebe häusliche Tante Ma­rian immer gut leiden können. Daun stellte Eve­lyn lächelnd Marian und Werner einander vor.

Es kam ihr vor wie ein Traum, als Werner Jefferies ihr die Hand drückte und mit ihr sprach. Sie blickte ihm halb verwirrt, halb geistesabwe­send ins Gesicht und antwortete ihm, sie wußte nicht was und wie.

Werner legte sich die Verwirrung dieser be­scheidenen Frau ganz anders aus. Gutmütig nahm er neben ihr Platz und begann mit ihr zu plaudern. In wenigen Minuten erholte He sich. „Es ist alles sicher," sagte sie sich; „alles sicher; niemand hat es entdeckt, daß es Eve's Sohn ist."

Damit kehrte ihr die volle Selbstbeherrschung und Geistesgegenwart zurück, und sie war im- stände, mit ihm zu plaudern. — Ach, kein Wun­der, tafo Eve von ihm entzückt gewesen, kein Wunder, daß Lord Wayne eine solche Dorliebe für ihn gefaßt.

Lady Wayne betrachtete die beiden, lächelte und dachte, daß der junge Mann sicherlich irgend einen wunderbaren Zauber an sich haben müsse, der jetzt auch sogar bei, ihrer ruhigen, gesetzten Schwester zu wirken beginne. Tie Ankündigung des Tiners unterbrach das Zwiegespräch.

Es war eine so fröhliche Gesellschaft; Lor- Wayne fab umher auf die lackenden, sonnigen jungen Gesichter; er blickte auf sein schönes Weib, strahlend in Juwelen lächelnd, anmutig und glücklich — und ein Gefühl des Friedens und der Sicherheit beschlich sein Herz — ein warmes schau­erndes Glücksgefühl, das ihn inmitten diefer glänzenden Gesellschaft mit froher Dankbarkeit gegen den Allgütigen erfüllte.

(Fortsetzung folgt.)

auf das Vermögen. Die allgemeine Stellung be5 Mmiperprchtbenten zu berühren, scheibet völlig aus iüt “nf- Für uns handelt es sich darum, daß die Bekastunq des preußischen Staates mit direkten Steuern infolge der jetzigen Vorlage phänomemat hoch ist. Für den Unbeteiligten klingt es so, als ob das Vermögen nicht blutete und baß deshalb die Verbrauchssteuern heran» gezogen werben müßten. Daß wir eine offene Tasche haben, bewegt unser heutiger Antrag. Alles soll den Emzelstaaten genommen werben. Mit anderen konser- vativen Politikern muß ich entschieden den Versuch bekämpfen, Preußen die direkten Steuern nehmen zu wollen und sie dem Reiche zu geben. Das Echo der Rebe bes Mmisterprastbenteii und der mehr ober minder temperamentvollen Äußerungen der Konservativen dagegen waren unschöne Angriffe der liberalen Presse auf die Konservativen.

. . ®bg. fieil Ntl.) begründet einen Antrag, wonach bie Gejellfchaften mit beichränkter Haftung als physische Personen betrachtet werden sollen. Redner bittet, die Sage der pensionierten Beamten einer Prüfung zu unterziehen, die mit einem knappen Ruhegehalt leben müßten und nun gezwungen seien, durch erhöhte Steuern Kur Gehaltsausbesserung ihrer im Amt befindlichen Kollegen beijutragen.

Fmanzmimper Fihr. v. Nheinbaben: Bei dem Einst der Lage find dauernde D eck«ngs m itt el absolut notwendig. Diese hnb der Regierung zugesagt worben unter bet Bedingung, daß innerhalb 3 Jahre feine neue Erhöhung der Einkommensteuer oor genommen weiden foD, Eine organische Reform wird allerbing- mrt der Zeit wegen der großen Mängel des jetzige« Lystsms nicht zu umgehen sein. Den national!ibera.en itntiag lehne ich aus finanziellen Bedenken ab, da er einen Ausfall von !' • Millionen zur Folge habe» würde. Der Antrag Hennigs würde dem Charakter der Gesellschaften m. b. H. entsprechen. Die vo» «ozialdemokratie und Freisinn eingebrachten Anträge, wonach der Steuerzuschlag für die Einkommenftufen von 1200 bi§ 3000 Mark Wegfällen soll, bitte ich wegen wrer ungünstigen Wirkung auf die Staatseinkünfte ab­zulehnen. Redner verteidigt dann die Kommission^' beschtusfe und meint, auch bei loyalem Festhalten am Kompromiß könne er die Zuschläge aud) für 1 908 erheben. (Wideripruch.) Das Kompromiß beiage nur, oaß die Regierung auf bie Gefellschastssteuer verzichten und für bestimmte Zeit keine neue Einkommensteuer einführen wolle. Saufenbe Ausgaben müßten auch burch laufenbe Ein» naljmen unb nicht durch Anleihen gedeckt werben. Zum Schluß spricht ber Minister dem Hause seinen Dank tur feine Einigkeit aus.

Abg. Fehr. v. Zedlitz (freit?: Eine Sanierung der finanziellen Verhältniffe in Reich und Einzelstaaten kann nur erfolgen auf der Grundlage der von der Regie­rung vorgeschlagenen Reichsfinanzreform einschließlich der Nachlaßsteuer. Wird die Reichsfinanzreform nicht angenommen, fo müssen die Matriknlarbeiträge für die einzelnen Staaten erhöht werben, unb das liegt sicher nicht im Interesse der Bundesstaaten.

Abg. Gyßling (frf. Bp.) begründet seinen Antrag auf Beseitigung des Steuerzuschlags für die Einkommen dou 1200 bis 3000 Mark.

Abg. Switala (Pole» bedauert, daß man be« Be­schluß der Kommission aus erster Lesung, die Erhöhung der Einkommensteuer nur für 2 Jahre zu bewilligen, in zweiter Lesung habe fallen lassen, unb erklärt, daß die Polen gegen die Vorlage stimme« würden, weil sie in Verbindung stehe mit bet Ostmarkenpolitik der Regierung.

Abg. Pachnicke (frf. Vgg.) begründet einen von feiner Fraktion eingebrachten Antrag, wonach der Landrat aus der Verantagungskommifsion herausgenommen werden soll. Bezüglich oer Reichsfinanzresorm werbe aas Abgeordnetenhaus gut tun, nicht in die Angelegen­heiten des Reichstag's einzugreifen, da dadurch die Schwierigkeiten noch vermehrt werben könnten.

Abg Hirsch Berlin (Soz.) erkürt namens seiner Partei, daß sie die Vorlage ablehnen werbe, da die Kommissionsbeichlüsse eine wesentliche Verschlechterung ber Regierungsvorlage seien.

Das Haus vertagt sich.

Samstag r Fortsetzung und Etat.

«rfchetnr tdgltchmn Ausnahme ber So m« unb Feiertage. Viertel« jährliche^ Rezugsprei» ohne vringerlohn unb Bestellgeld in Fulda fo« wie auswärts t öV lU.

Verantw. Redakteur: Lark Schütter sürdieAnzetgen: , ..

3 parzeller in Fulda. McheNbeilage: .^lluftriette Sonntagszeitung

gewesen, hatte in dem ärmlichen Schlafzimmcr- chen in Ferryhill gelegen und gescklaien. Ach, und wären Jahrhunderte seitdem verflossen — sie Härte das Gesicht wiedererkannt — diese weiße, breite Stirn so voll idealer Gedanken, das lockige Haar, die leuchtenden Augen und den schönen Mund.

Er war seiner Mutter so ähnlich, daß sie fast ohnmächtig wurde, als sie ihn betrachtete. Es hätte sie nicht überrascht, wenn alle Menschen in dem Gemach hier einstimmig in den Ruf aus­gebrochen wären: „Es ist Eve's Sohnl"

Und dann sah sie Lady Wayne, mit süßem Lä­cheln auf dem strahlenden Gesicht, vortreten und ihm entgegensetzen.

Sie sah ihrer Schlvester Hand die seinige drü­cken, und dann kam eine barmherzige Tuukelheit vor ihren Blick, und einige Minuten lang konnte sie nichts mehr sehen.

Als die Sinne ihr zurückkehrten, hörte sie sich murmeln: «Barmherziger Himmel, hab' Mitleid mit mir!"

Als sie diese beiden zuletzt zusammen gesehen, hatte Evelyn mit dem Schatten des Todes auf ihren Zügen, gänzlich bewußtlos für alles, teaS vorging, und er als roinziaer hülflofer Säugling ihr im Arme gelegen. Dos glänzende Gcfcll- sckzaftszimmer schien vor ihr zu verschwinden, nnd an seiner Stelle erhob sich das altertümliche kleine Zimmer auf dem Mühlenhofe in Abbotsville. Sie sah Tr. Rucke, ernst, gesetzt, voll Sorge und Lpannung sich über die Kranke beugen. Sie er­innerte sich, wie sie das liebe Kinder-Gesichtchen in leidenschaftlichem Kummer und Gewiiseusbif- sen geküßt lfatte, als sie den Kleinen Kate Jef­feries übergeben. Und nun waren sie wieder zu­sammen — Mutter und Sohn'

Fin Sonne des Geheimnisses.

87] AuS dem Englischen von K. v. Raesfeld.

„Rosen, Rosen, blühende Rosen ,könntet ihr sprechen, was würdet ihr sagen?" sang Miß Wayne mit leiser Stimme vor sich hin. Sie hatte sich über einen Moosrosenstrauch gebeugt und hielt ein liebliches Knöspchen zwischen den schlanken Fingern.

„Ich dächte, Knöspchen würde sagen: „pflück mich nicht, sonst muß ich klagen," lachte eine fremde Stimme ganz in ihrer Nähe. Elite wandte sich hastig um und sah zwei junge Männer, die sich verbeugten und sie mit bewundernden Bli­cken betrachteten.

„Miß Wayne. Sie haben mich doch sicher nickt vergessen? Ich erinnere mich Ihrer so gut, als ob wir erst gestern von einander Abschied genom­men."

Die offenen, lieben Augen erhoben sich zu den (einigen.

„Sie sind Lord St. Gilbert," sagte sie ein­fach. „Wie sehr haben Sie sich verändert. "

„Ich war ein nichtsnutziger Bengel, als Sie mich zuletzt sahen, und Sie nannten mich „Bald"; jetzt bin ich ein Mann."

Vielleicht fühlte er, daß das erst keimende Flaumbärtchen auf seiner Oberlippe die Wirkung dieses großen Wortes einigermaßen beeinträch- ttgte, denn er fuhr schnell fort:

„Unb nun. Miß Wayne, lassen Sie mich Ihnen meinen liebsten Freund und mehr als Bruder, Qtrettet*?'^cr’e$' vorstellen, der mir das Leben MnÄ ÄKS.106 e,|ie "* ®OT■e'■8 riaenre11ber 8orb St. Gilbert mit wate fie und bMr. vom Tode gerettet hat?" bin toar lbrm bas schlanke Händchen zü sehem" 1 ” oespannt darauf. Sie einmal

Er lenkte das Gespräch auf die Rosen und den wundervollen Duft derselben, und bald plauder­ten alle drei munter zusammen, ohne an das be- vorstehende Diner zu denken.

„Dem Glücklichen schlägt keine Stunde" zi- trerte tote von ungefähr Lord St. Gilbert im Ver­laus der Unterhaltung; und damit überfiel Elsie em gewaltiger Schrecken tm Gedanken daran was ste getan.

Anstatt im Gesellschafts-Zimmer zu sitzen und dre offizielle, so oft ber Madame Grignaud ein- studierte Begrüßungs-Verbeugung zu macken lief he tm Garten umher und plauderte mit diesen beiden zungen Leuten, als oo sie dieselben Zeit

Abens gekannt. Purpurne Röte überzog ihr liebliches Gelnhtchen. Wie sollte sie sie los werden, was sollte sie nur tun? Jeden Auaen- blick konnte geklingelt werden. ' '

2°rd St. Gilbert mußte ihre Verlegenheit wohl erraten haben. 1

. »Wir sollten uns eigentlich entschuldigen daß wir zuerst den Garten ausgesucht," sagte er 'aber Lord Wayne brachte uns her." ' '

Und, o Glück über Glück! da tauchte auck her pater auf, schloß sich der Gruppe an. und in tzei- tenter Stimmung betraten alle dasGesellschafts-

Mrs. Gizzard war da mit Alice und Claire — beide in Wolken von weißem Tüll und Spitze im übrigen genau tote alle anderen jungen Däm­chen.

Marian West saß int Schatten des großen Bogenfensters. Wie sie dem Himmel dankte daß jedermann's Aufmerksamkeit sich auf die beiden jungen Herren richtete, und sie fast unbeachtet bliebf

Preußischer Larrvtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vorn 19. Februar 1909.

Das Haus erledigt in britter Beratung bas Besoldungsgesetz für bie katholischen Geistlichen.

In der allgemeinen Besprechung erhält bas Wort

Abg. Stychel (Pole): Bei ber Vergebung bes staatlichen Zuschusses an die Geistlichen foll in den Diözcieii @tiefen-'Voten «. Kulm bis Mitwirkung ber Bischöfe ausgeschlossen fein. Ich habe deshalb in der Kommission angefragt, ob die Bischöfe darüber unterrichtet werden folleit und vom Regierungsvertreter eine bejahende Antwort erhalten. Ich möchte nun auch fragen, ob auch über die Verteilung der außerordent­lichen Unterstützung bin Bischöfen Mitteilung gemacht wirb.

Ministerialbirektor v. Chappuis: Bei außerordcnt- lichen Unterstützungen ist nicht Üvlich, daß davon Mit­teilung gemacht wird sowohl in der katholischen wie m der evangelischen Kirch«. Auf Antrag der Bischöfe aber können Mitteilungen gemacht werden.

Abg. Hoffmann (Soz.): Die „Nationalzeitung" Hai darauf tjingewiefen, daß der Staat den kaih. Pfarrern hätte mehr geben wollen, als die Bischöfe wollten. Wenn es auch bestritten wirb, scheint es mir doch wahr zu fein. Mir ist aus dem Rheinland von einer Reihe katholischer Geistlichen ein Schreiben ,«gegangen. (Stürm. Heitk.) Das Schreiben lautet: £>od)an(et)nlid)e Fraktion der so-ialdemokratischen Partei Deutschlands! «Erneute stürm, langanhaltende HeNk.> Obwohl wir nicht auf dem Boden der sozialbemolra- uichen Partei stehen, fo romen wir doch, daß die Sozialdemokratie stets für die Rechtlosen und Entrechte, ten eingetreten ist. (Schallende, nicht enbenrooüenbe Henk.) Zu diesen Rechtlosen gehört der fall). Klerus (erneuter stürm. Beifall bet allen Parteien des Hames , der Klerus, den die Bischöfe so gern den niederen Klerus nennen. Redner verliest bann unter immer erneuten Heiterkeitsau-brächen des Hauses ben Bries weiter, in welchem bem Zentrum vorgeworfen wird, baß es für die Geistlichen nichts tue, da es sich hinter ben Bischösen verstecke, von benen es eine nebuubeiie Marschroute erhalten habe. Aus einen Zuruf bes Abg. Grafen Praschma erklärt Rebuer, baß er vorsichtiger­weise bie Unterschriften abgeschnitten habe, bannt bie betreff. Geistlichen nicht denunziert werben konnten. Rebner erklärt weiter, es fei ber prinzipielle Liandpunlt der Sozialdemokratie, daß sie, wenn Ab- anberungSanträge auf Besserstellung ber Geistlichen

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 19. Februar 1909.

Fortsetzung der Beratung des Antrags Albrecht «nd Genossen (Soz.) betreffend das

KoolitionSrecht der Land-Arbeiter.

Auf Antrag des Freiherrn o. Hertling (Zentrum) wird die dieselbe Materie betreffende Resolution Graf Ho mpesch (Z.) mit zur Debatte gestellt. Die Resolution fordert die Vorlegung eines Gesetzentwurfs, durch welchen für diejenigen Gebiete Deutschlands, in 'denen entgegen st eh en de Bestimmungen bestehen, auch den landwirtschaftlichen Arbeitern unter Wahrung der besonderen Bedürsniffe der Landwirtschaft die Freiheit gewährleistet wird, Vereinbarungen zum Zweck der Er­reichung besserer Arbeitsbedingungen zu treffen.

Abg. Arendt-Labiau (L) bekämpft den fozialdemo- »icatlschen Antrag, und meint, die Ursachen der Land­flucht feien nicht in den schlechten Lohn-und Arbeits- verhältniffen zu suchen, sondern m der Sucht nach Un- gebundenheit und städtifche» Vergnügungen.

Abg. Zubeil (So,.) meint, die landwirtschaftlichen Arbeiter würden das Koalitionsrecht nicht mißbrauchen, um in frivoler Weise Streits heraufzubeschwören; sie würden höchstens streiken, um sich gegen eine Ver­schlechterung ihrer Lage zu wehren. Die Arbeiter und das Gesinde auf dem Lande fmo Heloten und Sklaven, Und werden in der geroiffenlofeften Weise von den Großgrundbesitzern ausgenutzt. Nicht die Vergnügungs» K, sondern Ihre (nach rechts) Behandlung vertreibt

irmen Leute aus ihrer Heimat.

Abg. Bindewalb (Rsp.) hält den SozialdemokraCn vor, daß sie von landwirtschastlichen Verhältnissen gar Uichts verständen. Die landwirtschaftlichen Arbeiter im Großherzogtum Hesf en hätten dar Koalitionsrecht schon, hätten aber, da dort der Kleinbesitz vorherrsche, von ihrem Koalitions» und Slreikrecht keinen Gebrauch gemacht.

Abg. Werner Rsp ): Der Antrag der Sozialbemo- voten will nur die Arbeiter gegen ihre Arbeitgeber verhetzen. Kommen Sie czu ben Sozialdemokraten) damit nicht zu unseren landwirtschaftlichen Arbeitern in Hessen; Sie würden baraur die Antwort be­kommen, die allein darauf gehört: eine kräftige fchallende Ohrfeige!

Abg. Stadthagen (Soz.) sucht statistisch nachzu- weifen, daß die Löhne auf dem Lande durchaus unge­nügend sind.

Der Anirag auf Verweisung an eine Kommission wird nach mehreren perfönlichen Bemerkungen mit 209 gegen 106 Stimmen der Rechten angenommen. Derselben Kommission werden ein Zentrumsantrag unb jwei Petitionen überwiesen, die dasselbe Thema

Es wird alsdann beraten die

Freiheit deS Grunbeigentumerwerbs.

Es handelt sich dabei um einen polnischen An trag, auf Erlaß eines Gesetzes, wonach keinem Reichsangehörigen mit Rücksicht auf das Glaubensbe­kenntnis, die politische Gesinnung oder die Nationalität Beschränkungen irgend welcher Art bei dem Erweib oder der Veräußerung von Grundeigentum oder bei Ser Errichtung von Wohnstätien auf erlegt werden bürten.

Abg. v. Dziembowskt (Polc) begründet den An­trag. Nach dem bürgerlichen Gesetzbuch darf der Eioenlümer fein Eigentum veräußern und nach der Reichsverfissung darf jeder Reichsangehörige Grund- etgentum in jedem Bundesstaat erwerben. Nun sind ja aus Kulturrücksichten gewisse Beschränkungen not­wendig, die aber alle dringlicher Natur sind, sie lasten niemals auf der Person, sondern auf dem Eigentum Wtr wollen deshalb alle Belchränlungen persön­licher Art befeitigen, da ja alle Reichsbürger vor dem Gesetz gleich sind. Religion, politische Gesinnung oder Nationalität dürfen kein Hi« dernis für den Erwerb oder die Veräußerung eines Grundstückes fein. Die direkte Veranlassung zu dem Antrag itt das bekannte Vorgehen gegen die Polen in Preu-en. Jeder der nur einen Funken Rechtsgelüh! besitzt, muß für unfern Antrag stimmen. Raum für alle hat die Erde' Selbst für Polen muß Raum da fein. (Beifall bei den Po en.) ,

Anzeigen: Vie ein. spaltigepeiitzeiieoder deren Raum 15 pfg. Reklamen dtepetitzetle 25 pfg., her Wieder­holungen wird entspr. Rabatt gewährt.

RotationrdruSvnd Verlag der Fuldaer Ak- mowtfsMase: «Fuldaer GeschichkblAter" "Ä'Ä*