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L.ParzeSer in Fulda.

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wochenbeilage: Illustrierte Sonntagrzeitung"

Monakbellage: „gulbact Geschichtsblätter"

Lnjekgen: Dte eht> spaltige Petitzeile oder deren Baum 15 Pfg. BeNamendtepetitzeile 25 Pfg^ bei Wieder­holungen wird entspr.

Babati gewährt.

Lotallonsdrucknnd Verlag der Fuldaer Al- Ilendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.

M 41.

Fulda, Samstag den 20. Februar 1909.

36. Jahrgang.

Drittes WLcrtt.

Die Bearbeitung -er Diamanten.

Unsere Nachbarstadt Hanau ist in der letz­ten Zeit vielfach in Verbindung mit den Dia­mantenfunden in Deutsch-Südwestafrika ge­nannt worden. Hanau besitzt seit über dreißig Jahren Diamantenschleifereien und gilt sozu­sagen als Vorort dieser Branche in Deutsch­land. Ob sich die seitens der Hanauer Dia­mantenschleifereien an die Auffindung der Diamanten in unseren Kolonien geknüpften Hoffnungen erfüllen werden, ist noch sehr frag­lich. Das in Berlin ins Leben gerufene Syn­dikat handelt bekanntlich nur Rohdiamanten, es wird nur das geschliffen, tvas nicht zu ver­kaufen ist.

Wie wir berichteten, ist dieser Tage die erste Sendung südwestafrikanischer Diamanten in Hanau geschliffen worden. Ein Mitarbeiter der „B. M." beschreibt die inühsame Bearbei­tung wie folgt:

Es ist eine schwierige Arbeit, die mit den Diamanten vorgenommen wird, bis er aus der Hand des schürfenden Hottentotten in die Hand der eleganten Dame gelangt. Ursprünglich ist er trüb mit anderen Materialien durchsetzt und von unregelmäßigen Formen. Nur der vor­zügliche Kenner kann an dem Rohdiamanten sehen, was später aus ihm werden wird. Die erste Arbeit ist das Spalten. Spalten? Dia­mant ist doch der härteste Edelstein, wie kann es ein Werkzeug geben, das ihn spaltet? Und doch gibt C3 das und eigentümlicherweise, ein ganz einfaches Stahlmesser wird dazu genom­men. Der Diamant wächst natürlich ganz will­kürlich, es kristallisieren mehrere Achtkante zu- sanimen, deren Trennungsmöglichkeit durch ganz feine Adern gezeigt wird. Auf diese Adern wird das Messer aufgesetzt, dann folgt ein kurzer, harter Schlag und die Teile springen auseinander. Aber auch wenn die Steine nicht aus mehreren Teilen bestehen, lasten sie sich spalten, in der Richtung, in der sie kristal­lisieren. Neuerdings hat man stählerne Kreis­sägen erfunden, die mit Diamantstaub bestreut werden und durch rasende Umdrehungen eine solche Kraft erzeugen, daß man den Diamant auch „gegen den Wuchs" zu sägen vermag.

Dann kommt der Stein in die Schleiferei, wo ihn zuerst der Reiber in dieHand nimmt.

Er betrachtet ihn sorgfältig, weil er ihm durch Reiben mit einem anderen die erste Form, das Modell, geben muß. Da werden Ecken abge­sprengt und Kanten fortgerieben, bis der Stein eine annähernd runde Form angenommen hat. Jetzt beginnt die Behandlung, die dem immer noch matten und leblosen Stein das Feuer und den sprühenden Glanz verleiht. Er wird in eine Masse von Zinn und Blei so eingelötet, daß nur der obere Teil heraussieht, dann schraubt man den Diamanten in seiner Bett­ung — dem Kittstock — in eine eigenartig ge­formte Zange mit zwei Holzsüßen ein und be­ginnt nun das eigentliche Schleifen.

Tie Mühlen oder Stühle sind einfache Gußeiscnscheiben, die durch Motors in eine Be­wegung von 2600 Umdrehungen in der Minute versetzt werden. Auf ihrer Fläche ist das fog. Schleifmedium, das Board, aufgetragcn. Es sind das minderartige Steinrückstände, die ab­gespalten und in einem Stahlmörser mit etwas Oel zu einem feinen Schmirgel verrieben wor­den sind. Sobald der Schleifer sieht, daß die Schleifmühle den Diamanten angreift, drückt er die Zange fest nieder und hält sie solange, bis oben die Tafel völlig glatt geschliffen ist. Dann wird der Kittstock erhitzt, der Diamant herausgenommen und umgesetzt, so daß nun­mehr vier Ecken angeschliffen werden können. Dasselbe vollzieht sich unten, nur daß statt der Tafel eine ganz kleine Fläche, die sogenannte Spitze angeschliffen wird. Allmählich kommen dann alle die kleinen Facetten hinein, die dem Stein erst das richtige Leben verleihen, und endlich wird er in Königswasser, einer Misch­ung von Salz- und Schwefelsäure gekocht, da­mit alle Oel- und Schmirgelrückstände ver­schwinden. Nun ist der Stein fertig zum Fas­sen in alle möglichen Schmuckgegenstände, aber er hat mehr als die .Hälfte an Gewicht ver­loren.

Die Schleifer müssen natürlich äußerst vor­sichtig mit den Steinen umgehen, denn wenn sie zu lange auf der Mühle laufen, werden die Facetten ungleich und die Lichtbrechung ist nicht so rein, wie sie sein soll.

Wie es Diamanten von verschiedener Form und Größe gibt, so gibt es auch welche von ver­schiedener Farbe. Am beliebtesten sind die ganz wasterhellen mit einem leichten bläulichen Schimmer, dann kommen die weißen. Als dritte Qualität rangieren die gelben, die be­sonders gern von den südamerikanischen Kreo­linnen und den schwarzen Ladys getragen wer­den. Die grünen und besonders die schwarzen werden in gewissen Gegenden sehr geschäht. Am geringwertigsten sind die braunen. Diese werden meist gar nicht geschliffen, da sie zu industriellen Zwecken, zuDiamantbohrern, Gra­nitsägen und Glaserdiamanten Vertvendet wer­den. Für diese Werkzeuge wäre eine künstliche

Kante oder Spitze vom Uebel, weil sie sich ab­nützen würde. Man sucht dafür Naturkanten und Naturspitzen heraus, die von unbegrenzter Dauer sind.

Die Diamantarbeiter sind wirtschaftlich verhältnismäßig gut gestellt, sie verdienen im Akkord, je nachdem sie große oder kleine Steine zu schleifen haben, 30 bis 50 Mark die Woche, und sie haben Jahre gehabt, wo einige der tüch­tigsten auf 90 Mark kamen. Gegenwärtig wird von den Arbeitern geklagt. Der Zweig liegt darnieder.

P. Typen aus dem Bereiuslebe«.

Gleiche Bestrebungen, gleiche Tugenden und gleiche Mängel veranlassen gewöhnlich eine Vereinsgründung. Das Vereinsleben bringt allerhand absonderliche Typen nach ewigen, ehernen, unabänderlichen Gesetzen hervor, genau wie die Natur im Freien. Da ist zu­nächst zu erwähnen der unermüdliche Vereins- demosthcnes, der Vereinsdauerred­ner, der sich in den geschäftlichen Sitzungen und Versammlungen den Mund „fußlig" redet, und ein wirkliches Opfer auf dem Altar der Gemeinsamkeit ist. Er entwickelt dieselbe edle Begeisterung, ob es sich um wichtige Wahlen, um ein neues Vereinsbanner, oder um eine Mehrausgabe von 10 Pfg. handelt. Seine Rede ist, wie Schiller so schön sagt, „ein Regen- strom aus Felsenrissen, er kommt mit Donners­ungestüm, Bergtrümmer folgen seinen Güsten und Eichen stürzen unter ihm". Er ist un­widerstehlich, reißt alles mit sich fort, und wenn die anderen nach Hause gehen, fragen sie sich erstaunt: „Wie war das nur? Was hat er nun eigentlich gesagt?" Seine weihevollste Stunde hat aber der Vereinsredner, wenn er die Feswede zu halten hat, was man respekt­widrig die Bratenrede nennt; es liebt eben die Welt, das Strahlende zu schwärzen und das Erhabene in den Staub zu ziehen! ~ Himmel­hoch gehen die Wogen des idealen Schwunges und Tränen der Rührung werden nicht selten vergossen. Am liebsten hört ein solcher Redner sich selbst bis zum jüngsten Tag reden, um dann sofort den Lohn für seine Aufopferung einzukassieren. Sehr, geschmeichelt fühlt er sich, wenn dann am anderen Tage seine Rede im Lokalblatt erscheint. Noch lieber aber wäre es ihm, wenn zugleich sein Bild mit im Blatt ver­öffentlicht würde. Durch sein vieles Reden wird er manchmal etwas gesundheitsschädlich, denn auf die Dauer vergeht auch dem Geduldig­sten die Geduld. Das ist des Vereinsredners einziger Fehler; sonst ist er ein guter Kerl.

Bedeutend weniger harmlos ist der V e r - einskrakehler, der nirgendwo fehlt, wo ein reges Vereinsleben blüht. Er weiß alles

'fester, spricht gegen alle Anträge, findet überall ein Haar in der Butter, verleitet die anderen zur Obstruktion, macht dem Vorstand das Leben auer und ist bis zu einem gewissen Grade miß- rauisch, wenn Rechnungen vorliegen oder die Amtshandlungen des Vorstandes kritisiert wer­den. Nicht selten bringt er es nrit seinen Nör­geleien fertig, daß der ganze Vorstand sein Amt niederlegt. Dann will er es nicht gewesen sein und bittet himmelhoch um gut Wetter.

Sein nächster Verwandter ist der V e r - einsintriguant, der von rechtswegen aus allen Vereinen hinausgeworfen werden müßte, denn er ist eine wahre Giftpflanze und mancher Verein ist durch seine von Schlauheit geleitete, im Dunkeln schleichende Tätigkeit, schon dem Untergänge verfallen. Er hetzt un­ermüdlich, scheut keinen Klatsch, keine frevent­lichen Urteile und keine Verleumdungen. Stets weiß er sich den Händen des Vorstandes zu ent­winden, die ihn fassen und für seine Frevel- taten zur Verantwortung ziehen wollen. Am liebsten ist es ihm, wenn er zwei oder inehrere Parteien bilden kann. Dann braucht er fast nichts mehr zu tun und kann händereibend hinter den Kulissen stehen und die Wirkung sei­ner Jntriguen beobachten. Ist es schon so weit, dann gibt es einen großen Krach, der ge­wöhnlich zur Trennung in zwei Vereine führt, wobei keiner mehr etwas Rechtes hat. Nicht selten hat der Vereinsintriguant ganze Lebens­feindschaften auf dem Gewissen; aus angebore­ner Schlechtigkeit macht er sich aber nichts dar­aus, daß aus der Eintracht die ekeligste Zwie­tracht geworden ist.

Da ist der Vereinsengel doch eine würdigere Figur. Er tritt mit reifem Rat, oft aber auch mit wirksamer Tat für seinen Verein in die Bresche, wenn einmal zum Stiftungsfest oder zur neuen Fahne besondere Ausgaben zu machen sind; er gibt durch fleißigen Besuch der Versammlungen und durch Solidität ein gutes Beispiel, ist aber bei den Festlichkeiten kein Spielverderber, sondern macht alles mit „bis in die Puppen", weshalb er auch bei den Damen in dem Rufe des angenehmen Schwere- nöters steht, der schon manche glückliche Ehe ge- schaffen hat. So werden auch die edlen Seiten der Menschennatur durch ein normales Vereins­leben mächtig gefördert. Im Gegensatz zum Vereinsonkel, der überall volles Vertrauen ge­nießt, muß man den anderen beiden Katego­rien je nach Bedürfnis auf die Finger klopfen, sonst macht man üble Erfahrungen.

Allerlei.

— Immer Militär. Leutnant A.: „Da steht ja das Bild deiner Schwiegermutter auf deinem Schreibtisch.' Leutnant B.: „Ja, markierter Feind.' _______

C. Der neue Hut.

Von E. Schwarz.

Nachdruck nicht ge'mttet.

Wie ein Gedicht, dieser herrliche Hut! Sei­de, Blumen, Chiffon — und dieser prachtvolle Strauß'. Neuestes Pariser Modell. Alle Da- mcii, die durch die große Geschäftsstraße gingen, blieben bewundernd vor dem Schaufenster des vornehmen Geschäftes stehen, in dem dieses Wunder der Mode neben anderen ausgestellt war. Natürlich fühlte sich auch die blonde Elsa wie mit Zaubergewalt davon angezogen, — ge­fesselt, besiegt.

eie mußte mehrmals wahrend des Tages an dem Gegenstände ihrer Sehnsucht vorüber­gehen. „O", dachte sie, „wenn man sich diesen herrlichen Hut doch kaufen könnte." Das reiche blonde Haar in hoher Frisur über dem qubschen, frischen Gesicht — das zarte Lila der Hutglocke — die wunderhübsche, stilvolle Ausstattung . . . Großartig, unbeschreiblich! Die blonde Elsa konnte selbst im Traume Die Gedanken an Den wunderbaren Hut nicht mehr los werden.

Aber die kühl abwägende Vernunft erklärte diesen kühnen Sehnsuchtsträumen den Krieg: das ging ja nicht. Der Ankauf des Hutes würde ein ganzes Monatsgehalt verschlungen haben. In solchen Augenblicken bäumte sich ihr ganzer jugendlicher Trotz gegen das bescheidene Los ibres Lebens aus. Warum konnte sie sich nicht auch einmal bewundert sehen, warum nicht auch mal den Neid des ganzen weiblichen Ge­schlechts herausfordern? — Immer so als ar­mes graues Mäuschen umherzulaufen, hatte sie gründlich satt.

Drei Tage schleppte sie sich mit der Absicht, hineinzugehen und zu fragen, was der Hut foftc — das verband jedenfalls noch zu nichts. Der Hut stand immer noch im Schaufenster. Da faßte sie sich endlich ein Hrez und führte ihre Absicht aus. Dabei nahm Else eine sehr bestimmte Miene an, als hätte sie über Tau­sende zu berfüoen. Aber die Verkäuferin kannte Sie, maß die Gestalt in dem einfachen schwar­zen Kostüm mit kritischem Blick und wußte Be­scheid.

„Tas Pariser Modell meinen Sie?" fragte sie ti'M

„Ja!"

Die Verkäuferin machte gar keine Anstalten, das bewußte Prachtstück aus dem Fenster zu holen. „Die nimmt ihn ja doch nicht," dachte sie bei sich.

„Was kostet er?"

„Sechzig Mark," antwortete die Verkäu­ferin obenhin, als wäre das gar nichts, und blickte blond Eischen herausfordernd an.

Tie zuckte mit keiner Wimper, ivarf den Kops ein wenig zurück und bat bann:

„Ich möchte den Hut mal aufprobieren."

Ein fein ironisches Lächeln der Verkäuferin, und mit spitzen Fingern drückte sie den Hut auf Elsas Blondkopf.

Und er saß tadellos.

Da brauchte man nicht zu drehen und zu wenden. Er war wie extra angefertigt zu dem welligen, lockeren Haar, das reich und gol­dig schimmernd unter Der Glocke hervorquoll.

Dem hübschen Mädchen klopfte das Herz. Was ihr da aus dem Spiegel entgegensttahlte, das anmutige, süße Gesichtchen, war sie denn selbst? — O — so schön zu fein! Kein Preis schien ihr zu hoch dafür.

Sie beschaute sich von allen Seiten. Von vorne — von der Seite — in der Rückansicht.

Tann sagte sie entschlossen: „Also, ich nehme den Hut".

Die Verkäuferin konnte ihr Staunen kaum unterdrücken, aber Else zahlte ihr drei Zwan­zigmarkstücke großartig an der Kasse.

Gleich vor der Tür stieg sie in die Tram­bahn und fuhr mit ihrem großen, schwarzen Pappkarton davon.

Ter Sonntag war da.

Freundlich schien die schone Sonne, und milde, weiche Luft erweckte noch einmal im Spätherbst stürmische Freude an der Natur.

Draußen im Stadtpark wimmelte es schon von Spaziergängern. Und dabei fühlte man sich recht unbequem in seiner Winterkleidung. Elsa fühlte nichts von alledem. Sie trug ihren lila Veilchenhut, und mit welchem Stolz! Heute wurde sie beneidet. Ach, wie luftig das war, wenn sich so jeder nach ihr umschaute, nach

dem Prachtexemplar von einem Hute. Ein­mal hörte sie, wie zivei Herren hinter ihr her­sagten:

„Donnerwetter — die sieht schick aus!"

Da lächelte Elschen ihren Begleiter glück­selig an.

„Du bist wohl furchtbar stolz heute, Else?" fragte dieser und legte seinen Arm in den ihren.

„Gefalle ich denn Dir ein bischen?" e...- gegnete sie schelmisch.

„Du gefällst mir immer."

„Aber heut besonders —?"

„Ach so — um den Veilchenhut! Natür­lich, der ist sehr fesch. Kostet wohl auch eine Stange Gold?"

Elsa war großartig geworden im Besitz ihres Kleinods, darum antwortete sie ohne wei­teres: „Ja, sechzig Mark!" Ü

„Tas finde ich ein wenig übertrieben." Sie zuckte die Achseln.

„Weshalb kann man nicht auch einmal leichtsinnig sein? Man muß nicht immer knau­sern, Artur! Tas paßt gar nicht mehr in die Welt. Und wenn man sich den ganzen Monat gequält hat, kann man sich auch etwas Beson­deres anmn."

„Aber mir ist das Ding zu auffallend, Elsa."

„Ach pfui! Ich hatte mich so gefreut auf den heutigen Tag, und nun bist Du gar nicht nett Tu solltest mich doch anstaunen und denken: Tie Else ist doch das beste, schönste Mädchen! Ich will sie recht lieb behalten — und ..."

„Na — und ... ." ~ t

„Artur — ich weiß nicht, was Tu heute hast.' Du bist so einsilbig, so falt Habe ich Dich gekränkt,"

„Nein, nein, Else."

„Vielleicht doch, Artur, Tu willst es bloß nicht sagen . . .

Aber Herr Artur kam trotz aller Ermun­terungen heute nicht in flottere Stimmung, und die blonde Elsa fühlte sich am Ende trotz ihres Hutwunders doch nichtbefriedigt von die­sem Sonntage.

situn ist Elschen wieder daheim. Liebevoll verhüllt sie die lila Schönheit und lächelt ver­träumt vor sich hin.

Artur schien zwar ein bischen still und nach­denklich, aber das machte ihr kerne sorge. Schließlich ist es ja auch keine Kleinigkeit, wenu jemand plötzlich vor bte ^rage gestellt wird: So — oder so?

Sie hatte es schon lange gehofft, und es war ihr sehnlichster Wunsch, Arturs Frau zu werden. Er verdiente auch ein ganz schönes Stück Geld und konnte einen Hausstand grün­den; aber er zögerte doch noch immer mit der bestimmten Erklärung in diesem Sinne. -r,as machte Else verdrießlich. Sie nahm sich vor. dem Glück ein bischen nachzuhelfen. Und schon am nächsten Tag kam ein Brief von Artur. Elsa lächelte stillvergnügt. Sie meinte, sie wisse ja ohnehin, was er brachte.

„Eine mündliche Erklärung ist ihm also peinlich gewesen. Aber was schrieb er? Das Mädchen las:

Liebe Elsa!

Sei nicht böse, aber aus uns kann nichts werden. Sieh mal, was soll ich mit emer Frau, Die Hüte für sechzig Mark tragt. Tann bist Du mir auch zu hübsch und zu leichtsinnig. Meine iyrau muß ganz em fad; und bescheiden sein. Für Dich paßt ein ganz feiner Mann, daß Du Staat machen kannst, krage Deinen Veilchenhut mit noch recht viel Vergnügen. Ich bin froh, daß ich ihn nicht mehr zu sehen brauche. Er hat mir näm­lich geüem meine Stimmung verdorben.

Artur.

Else war blaß geworden; sie zitterte. Aber dann raffte sie sich energisch zusammen: „Ter dumme, alberne Mensch hat ja gar keinen Ge­schmack!"

Damit suchte sie sich zu trösten. Aber es wollte ihr nicht gelingen. Und es kam noch schlimmer, denn von diesem Tage an h cutte Elsa auch ihren neuen schönen 60 - Mark-Hut und setzte ihn niemal mehr auf ihren blonden Kopf.